Hundertfünfundsechzig

Ich bekam einen Anruf von Alex.
„Du sollst mich doch nicht anrufen“, begrüßte ich ihn nicht eben freundlich, denn ich erinnerte mich an meine Vereinbarung mit Carsten. Dem hatte ich ja versprochen, ihn zu benachrichtigen, wenn Alex mich kontaktierte.

Alex druckste etwas herum, bevor er zum Punkt kam: „Mein Chef will, dass jemand anders das Tool weiterentwickelt.“
„Ach ja?“, fragte ich ironisch. Ich war eigentlich kaum überrascht. Ich glaube, dass Carsten dahinter steckt.

„Wir brauchen die Sourcen.“
„Davon haben wir nichts vereinbart.“
„Äh, ja, ich weiß. Wieviel willst du dafür?“
„Meine Sourcen sind unverkäuflich.“
Ich kann den Verlust dieses Auftrags leicht verschmerzen. Für Softicago dagegen wird es problematisch, denn ohne die Sourcen müssten sie alles noch mal ganz von Vorne entwickeln lassen.

„Nenn mir einen Preis. Ich darf jeden vernünfigen Vorschlag akzeptieren.“
„Nein. Das hättest du damals gleich im Vertrag berücksichtigen müssen.“ Wobei ich solch eine Vereinbarung natürlich damals schon nicht akzeptiert hätte. Bestenfalls hätte ich mich auf eine Escrow-Hinterlegung eingelassen.

„Bitte, du bringst mich da in eine ganz blöde Lage.“
Das Gespräch war Alex offensichtlich unangenehm. Er tat mir direkt ein bisschen leid.
„Was kann ich dazu, wenn du bei der Vertragsvereinbarung mehr mit dem Schwanz gedacht hast, als mit dem Kopf?“, fragte ich rein rhetorisch, denn natürlich konnte ich schon einiges dazu. Schließlich hatten wir das damals im Bett ausgehandelt.

„Können wir uns nicht doch irgendwie einigen?“, fragte Alex nochmals eindringlich.
„Ich kann das Tool gerne wie geplant weiterentwickeln.“
„Ich sagte doch bereits, dass mein Chef darauf besteht, den Auftrag an jemanden anderen zu geben.“
„An jemanden bestimmtes?“
„Nein, das ist noch offen.“
„Und weißt du, warum?“
„Nein, er hat mir keine Begründung gegeben. Ich kann da leider nichts machen. Ich habe immer gern mit dir zusammengearbeitet.“
„Schon recht, Alex. Es tut mir ja leid, dass die Sache jetzt so verlaufen ist, aber meine Sourcen gebe ich nicht her.“

Wir beendeten das Gespräch ohne eine Lösung.

Ich werde heute abend mit Carsten darüber sprechen. Zum einen, weil ich es ihm blöderweise versprochen habe. Zum anderen aber, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass er da die Finger im Spiel hatte.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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4 Antworten zu Hundertfünfundsechzig

  1. KiKa schreibt:

    Toller Trick von Carsten.
    Und vor allem so erwachsen.

    Kindergarten – mach am Auftrag weiter. Kassier die Kohle und gut.

    Alex hat wohl auch keine Eier gegenüber seinen Vorgesetzten!

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