Dominoeffekt //2012

Wenn ich hier sämtliche Besprechungen und Meetings beschreiben oder auch nur erwähnen wollte, hätte ich viel zu tun.
Carsten sitzt bei internen Besprechungen niemals direkt neben mir, sondern um mindestens zwei oder drei Plätze getrennt. Wenn er nur entspannt zuhört, nimmt er schon einigen Raum ein: Die Hände hinter dem Kopf verschränkt, die Beine nach vorne lang ausgestreckt. Man sollte sich aber von dieser scheinbaren Lässigkeit nicht täuschen lassen. Wenn er es für zweckmäßig hält, kann er blitzschnell vom Beobachter zum Akteur werden.

Das folgende Meeting blogge ich weniger für seine Außergewöhnlichkeit, sondern eher exemplarisch.
Jetzt beim Jahresendspurt häufen sich abteilungsübergreifende Besprechungen. Die technische Führungsspitze sowie die Geschäftsleitung waren u.a. anwesend.
Auch in unserer Fertigung werden Produktionsverfahren verbessert und weiterentwickelt. Dann können schon mal neue Maschinen notwendig werden, was teils erhebliche Investitionen erfordert. Dazu kommt, dass verschiedene Richtlinien eingehalten werden müssen, und gleichbleibend hohe Qualitätsstandards immer gesichert sein müssen.
Um ein ähnliches Thema ging es in dieser Besprechung.

Vor längerer Zeit hatte ich bereits mal einen der Fertigungsingenieure erwähnt. Auf einem Datingportal quoll sein Profil nur so über von Überheblichkeit und Selbstüberschätzung, während er IRL einen recht unauffälligen, unscheinbaren Eindruck machte. Solchen Personen tut ein kleiner, wohlwollender Dämpfer oft gut, der ihnen ihre eigenen Grenzen bewusst macht.

Dieser Fertigungsingenieur hatte bei unserer Besprechung eine Präsentation ausgearbeitet, und trug sie vor.
Es ist mein Job, dabei aufzupassen, und kritische Fragen zu stellen. Dabei sind Produktionsdetails nicht gerade meine Stärke. Aber OK – es ist auch mein Privileg, mir Einzelheiten in beliebiger Ausführlichkeit und Gründlichkeit erklären lassen zu dürfen, wenn ich das will. Also unterbrach ich den Fertigungsingenieur mehrmals, als mir seine Ausführungen unklar waren, und ließ ihn das genauer erläutern.
Dabei muss ich ihn ziemlich verunsichert haben, denn er schaute einige Male Hilfe suchend zu seinem direkten Vorgesetzten (der die Schultern zuckte), Jason (der ihm ermutigend zunickte) und Carsten (dessen Miene undurchdringlich blieb).
Allmählich machte mir die Angelegenheit Spaß. Es ist doch immer wieder schön, wenn sich das nützliche mit dem amüsanten verbinden lässt. So stellte ich ihm noch ein paar Fragen, die weniger relevant oder leicht off topic waren. Als er aber anfing, sich zunehmend zu verhaspeln, hörte ich damit auf. Schließlich bin ich ja nicht gemein, und will Mitarbeiter nicht unnötig quälen. Ich wollte lediglich herausfinden, wie weit man gehen muss, bis so ein „dominantes“ Ego dahinschwindet. Dazu habe ich meine Krallen noch nicht einmal ausfahren müssen. Die metaphorischen Samtpfoten genügten, um mit der Maus zu spielen.
Die Besprechung war danach ziemlich schnell beendet. Carsten verlangte von dem Fertigungsingenieur noch einen ausführlichen schriftlichen Bericht. Das ist nicht üblich, denn wir haben ja schon seine Powerpoint-Folien.

„Warum hast du ihn in einer derartigen Detailtiefe ausgequetscht?“, fragte mich Carsten später.
„Ich brauchte da mehr Informationen. Die Fertigung ist nicht mein Gebiet. Da habe ich Lücken, die ich schließen muss, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können“, erklärte ich ihm.
„Du brauchst dich dort nicht mit allen Einzelheiten auszukennen“, erwiderte er, „dafür haben wir Jason.“
„Aber als technische Geschäftsführerin trage letztendlich ich die Verantwortung. Da kann ich mich so ausführlich informieren lassen, wie ich es für richtig halte.“
„Das stimmt“, pflichtete er mir bei, „ich begrüße es, dass du anfängst, deinen eigenen Führungsstil zu entwickeln. Hoffentlich hast du den armen Kerl aber nicht zu sehr eingeschüchtert.“
„Wer Karriereambitionen hat, muss gründliche Befragungen aushalten können“, ich zuckte mit den Schultern, und fügte hinzu: „Wenn sein schriftlicher Bericht in Ordnung ist, werde ich mich lobend bei ihm bedanken. Dann wird er sich schon wieder einkriegen.“

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Take Our Parents to Work //2011

Als ich zuletzt mit meinen Eltern telefoniert habe, fragte ich sie, ob sie Interesse hätten, unseren Betrieb in $NichtImSauerland zu besichtigen. Meine Mutter (die gerade den Telefonhörer hatte) meinte, dass sie jetzt im Winter nirgends hinfahren wollten.
Das hatte ich mir schon gedacht. Wenn man an strenge Winter gewöhnt ist, richtet man sich darauf ein. Also schlug ich Mai oder Juni vor, wenn es angenehm warm und abends lange hell ist. Daraufhin fiel ihnen so schnell kein Grund ein abzulehnen.

Wenn ich eh schon eine Betriebsführung mache, könnten auch andere interessierte Verwandte oder Freunde mitkommen. Ich sagte meinen Eltern, dass sie sich mal im Bekanntenkreis herumhören sollen, wer noch mitkommen will. Zehn bis fünfzehn Personen insgesamt wären OK, maximal allerdings zwanzig (sonst wird mir die Sache zu unübersichtlich, und ich müsste die Gruppe teilen, wozu ich zusätzliche Personalresourcen benötigen würde).
Außerdem lege ich gewissen Wert darauf, dass Kathrin mitkommt. Sie hat schließlich längere Zeit als Bürohilfe hier gearbeitet, so dass sie den Betrieb aus erster Hand kennt. Sie kann authentisch bestätigen, wie es hier läuft, und wäre wohl auch glaubhafter Ansprechpartner für unsere Verwandten.

Die genaue Terminplanung werde ich wohl mit Sabine abstimmen. Wenn Robin und Heidi mitwollen, müsste das Event wohl in den Pfingstferien stattfinden. David und Kristina sind allerdings zu klein. Zumindest in die Fertigung dürften sie nicht mitkommen. Das wäre zu gefährlich. Eventuell kann Kathrin dann so lange auf sie aufpassen. Da sie die Fertigung noch von früher kennt, verpasst sie ja nichts.

Nach der Führung werden wir gemeinsam essen. Ob es dafür ein kleines Buffet in der Firma gibt, oder ich in ein Restaurant einlade, überlege ich noch. Das hängt auch davon ab, wer sonst noch mitkommt.

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Ein Füllhorn voller Tweets //2010

Meine Vorräte an alten Tweets gehen noch lange nicht zur Neige. Es kommen ja auch immer wieder neue dazu.
Heute dürft ihr euch an den Tweets vom 14. bis 27. April erfreuen.

Verschreiber des Tages: Tenor statt Tensor
Verleser des Tages: Lebkuchen statt Lebzeiten
Zukunftstag des Jahres #Boysday #Girlsday //1840 Achtzehnhundertvierzig
Verschreiber des Tages: Lego statt Logo
Meine Session zur SW-Entwicklung ist glatt gelaufen. #Girlsday #Boysday #Zukunftstag #Techniktag Mehr Details morgen im Blog.
Jetzt Mittagessen mit den Jungs vom #Girlsday.
Verleser des Tages: Stiefeletten statt Stiefeltern
Der Kundigen Kündigung //1839 Achtzehnhundertneununddreißig
Verhörer des Tages: Trillian statt trillion
Dieses #Kreuz kommt in mein Büro.
Das schönste #Kreuz ist immer noch das #Plus. +++ Insbesondere hinter #Freundschaft.
Verleser des Tages: Einstein statt Einstens
Morgens früh um 6 //1838 Achtzehnhundertachtunddreißig
So ein hübsches Koordinatenkreuz wäre natürlich auch schick. Oder ein Doppelkreuz. #
Verhörer des Tages: Brian statt Bayern
„Jeder nur ein #Kreuz!“ – Ich nehm‘ das ×.
Oh, Mist! Hab schon wieder meine ganze Sarkasmusration für heute aufgebraucht! Aber irgendwo habe ich noch ein Lächeln zum Verschenken übrig.
Verschreiber des Tages: Chor statt Chlor
Verleser des Tages: Cosmology statt Cosmetology
Sing-A-Song (Leet + 2^2 * 5^3) //1837 Achtzehnhundertsiebenunddreißig
Verleser des Tages: kastrieren statt kassieren
Verschreiber des Tages: Liste statt Leiste
Merke: Wenn ein Brief auf der Escape-Taste liegt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn’s nicht mit dem Einloggen klappt.
Medizinisches Revival, Grimmig und Buschig //1836 Achtzehnhundertsechsunddreißig
Verleser des Tages: Emanzen statt Eminenzen
Versprecher des Tages: Dramen statt Damen
60 Jahre Atomium
Verleser des Tages: „Hangover Mess“ statt „Hannover Messe“
Ich weiß noch, was ich letzten Sommer getwittert habe //1835 Achtzehnhundertfünfunddreißig
Verschreiber des Tages: Porno statt Porto
Verleser des Tages: Versionen statt Visionen
Mein erster Dreier war das gewesen! Jetzt ist der 8GB-USB-Stick kaputt.
Als Berufsanfängerin //1834 Achtzehnhundertvierunddreißig
Verhörer des Tages: Infektion statt Inspektion
Lag übrigens an der Systempartition. Randvoll. Nach einigem Löschen funktioniert’s jetzt wieder einwandfrei.
Verleser des Tages: Backpapier statt Backpacker
Spinnt @Twitter bei euch heute auch? Ich muss mich alle paar Minuten neu anmelden.
Geträumt //1833 Achtzehnhundertdreiunddreißig
Verleser des Tages: Kernfusion statt Kernfunktion
Auf der Suche nach dem verhexten Käfer //1832 Achtzehnhundertzweiunddreißig
Verschreiber des Tages: Wachsmittel statt Waschmittel
Verleser des Tages: Keller statt Keiler
Kopfbetucht – #NichtOhneMeinKopftuch //1831 Achtzehnhunderteinunddreißig
Verhörer des Tages: Feminismus statt Pessimismus
Bitte, liebe Männer, lasst euer Frauenbild nicht von Feministinnen beeinflussen.
Verleser des Tages: provozieren statt promovieren
Es häuft sich haufenweise //1830 Achtzehnhundertdreißig
Verschreiber des Tages: Hertz statt Herz
Verleser des Tages: Ständer statt „Städte und Länder“
breakpoint’s Wayback Archive #26 //1829 Achtzehnhundertneunundzwanzig

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„.. die Tor‘ macht weit!“ //2009

Alle Jahre wieder hatte sich ein Teil unserer technischen Belegschaft verabredet (heuer Softies und Devdevs, aber keine It-Boys), anlässlich des bevorstehenden Jahresendes an einem Abend zusammen essen zu gehen. Ulrich und ich wurden gebeten, doch ebenfalls zu kommen.
Teils ging die Unterhaltung über berufliche und fachliche Themen, teils über ganz allgemeine Dinge, und ein wenig glitt sie auch in private Bereiche ab.

Einer der Geräteentwickler erzählte, wie er kürzlich bei seinen Einkäufen das Kaufhaus bei einem Seitenausgang verlassen wollte. Unmittelbar hinter ihm (oder auch schon praktisch neben ihm – so genau ließ sich das nicht mehr ermitteln) eine Frau, der er die Tür aufhielt, um sie hinauszulassen. Daraufhin habe sie ihn angegiftet, dass sie die Tür selbst öffnen könne und blablabla. Ein anderer der Entwickler erinnerte sich daraufhin an einen ähnlichen Vorfall, den er einmal erlebt hätte.
Die Männer steigerten sich ein wenig in dieses Thema hinein, und diskutierten, ob man überhaupt noch Türen aufhalten solle. Ich hielt mich aus der Unterhaltung zurück, bis mich einer fragte, was ich davon halte. Sinngemäß antwortete ich etwa so: „Sie öffnen der Frau ja nicht die Tür, weil Sie sie für unfähig halten, das selbst zu tun, sondern weil Sie ein höflicher und hilfsbereiter Mensch sind. Die meisten Frauen wissen das durchaus zu schätzen, freuen sich über die Geste, und viele werden sich wohl auch bedanken. Es sind seltene Ausnahmen, die so negativ reagieren, und glauben Sie mir: die sprechen nicht für die weitaus meisten Frauen. Ignorieren Sie ihr Gezänke einfach.“

Wir waren uns einig, dass man die Tür öffnet für Personen im Rollstuhl oder mit Krücken, Familien mit Kinderwagen, Personen mit den Händen voll Gepäck, oder die anderweitig Schwierigkeiten hätten, sie selbst zu öffnen. Allgemein hält man die Tür kurz auf, wenn jemand unmittelbar hinter einem ebenfalls durch will. Andernfalls schwingt die Tür zurück, und knallt dem nächsten im schlimmsten Fall entgegen, der dann erst die Wucht abfangen muss. So etwas ist rücksichtslos. Das Aufhalten kostet einen höchstens eine Sekunde. Es besteht aber eigentlich keine Notwendigkeit, Frauen beim Türdurchtritt grundsätzlich den Vortritt zu lassen.

Das gemeinsame Abendessen klang dann allmählich aus. Ich war bei den ersten, die sich verabschiedeten, weil ich müde war und wieder heim wollte.

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Gedanken einer Ex-Schlampe //2008

In der Vergangenheit habe ich häufig damit gehadert, erst so spät mit Sex anfangen gehabt zu können. Ich habe später zwar etliches nachgeholt, aber die Incel-Jahre hingen mir trotzdem nach, von denen ich meinte, dass ich viel versäumt haben musste.
Inzwischen habe ich meinen Frieden damit gemacht. Wenn ich zurückdenke, glaube ich schon, dass ich ansonsten mein Studium (sofern ich überhaupt soweit gekommen wäre) sicherlich stark vernachlässigt hätte, weil die Ablenkung zu groß gewesen wäre. Wer weiß, was dann aus mir geworden wäre.
So blicke ich jetzt auf meine acht bis zwölf Schlampenjahre (je nach Definition, Anfangs- und Endzeitpunkt lassen sich nicht exakt eingrenzen, darüber habe ich nie Statistiken geführt) zurück, und denke, dass es eine gute Zeit war.

Ich habe meine Schlamperei ja immer sehr diskret gehandhabt, bei Nachfrage nie abgestritten dass es auch noch andere Männer gab, aber auch nicht von mir aus mit dem Thema begonnen. (Nur meine Verwandtschaft glaubt immer noch, dass ich als Jungfrau in die Ehe gegangen wäre.)
Die meisten Männer konnten damit umgehen, einige aber auch leider nicht.
Was wäre auch verwerflich daran, Männer und Sex mit ihnen zu mögen.
Grundsätzlich haben Männer durch Schlampentum vor allem Vorteile. Schlampen sind willig , so dass sie es einer größeren Anzahl von Männern ermöglichen, an unverbindlichen Sex zu kommen. Sie haben keine überzogenen, unrealistischen Erwartungen und stellen keine besonderen Ansprüche.

Slut-Shaming kommt nur von Frauen. Das ist nur zu verständlich – verderben Schlampen doch die „Preise“ für Sex.
[Ich erinnere mich dabei gerade an ein Software-Tool, das ich kostenpflichtig herausgegeben hatte. Als ein anderer Entwickler ein Tool, das einen Teil der Funktionalität implementiert hatte, als Freeware veröffentlichte, ärgerte mich das sehr, nahm es mir doch die Kunden weg. Wer nur einen gewissen Teil der Features benötigt, gibt doch kein Geld für ein Produkt aus, wenn er das auch kostenlos kriegen kann.]

Keine Ahnung, wie es mir ergangen wären, wenn ich nicht damals Carsten kennengelernt hätte. Vermutlich hätte ich so weitergemacht. Ich hatte mir, ehrlich gesagt, niemals Gedanken gemacht, wie mein Leben weitergehen würde, wenn ich älter werde.
Jetzt bin ich froh, dass ich den Absprung rechtzeitig geschafft habe. Denn eine alte Schlampe hat schon etwas erbärmliches. Ihr Niveau sinkt immer stärker ab, erst unmerklich, dann beschleunigt, wenn es bereits zu spät für Gegenentwürfe ist. Irgendwann reicht es höchstens noch zum Blowjob in der Bahnhofstoilette.
Die jungen, aktuell aktiven Schlampen werden genauso wenig einen Gedanken daran verschwenden wollen wie ich damals. Aber auch sie werden älter und ihre Attraktivität wird schwinden.

Da ist es gut, wenn man dann wenigstens beruflich noch sicher im Boot sitzt, wenn das eigene Privatleben schon ausgelutscht ist.
Also ihr Schlampen, die ihr hier lest: Habt euren Spaß, solange es geht, aber vergesst darüber nicht, euch für eure spätere Zukunft abzusichern.

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Besetzt //2007

Über meinen Provider hatte ich einen Anrufbeantworter eingerichtet, der mit der Telefonnummer verbunden ist, die ich aufgrund der Impressumspflicht auf meiner Website nenne.
Ich schaue vielleicht einmal im Jahr nach eingegangenen Anrufen.

Als ich neulich unterwegs war, wollte ich mir etwas merken, hatte aber gerade nichts zum Schreiben parat, stattdessen mein Smartphone dabei. Ich weiß, es gibt auch Möglichkeiten, auf dem Smartphone etwas zu speichern, aber ich hatte gerade nicht den Nerv, mich damit auseinanderzusetzen. Stattdessen fiel mir der Anrufbeantworter ein, und ich dachte, es wäre das einfachste, wenn ich eine kurze Notiz darauf spreche. Nicht das erste Mal, das ich so vorgehe.
Die Nummer weiß ich sogar auswendig, also tippte ich sie auf dem Tastaturfeld ein.
Es dauerte ein wenig, dann Besetztzeichen. Bei weiteren Versuchen (auch später) das gleiche.

Was ist da wieder los? Ich habe nichts an der Konfigurierung geändert. Vor einigen Monaten funktionierte es noch. Hat mein Provider da irgendetwas anders implementiert? Keine Ahnung. Ich habe auch weder Zeit noch Lust, dem nachzugehen.

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Mathematik ist .. //2006

Für mich als Ingenieuse ist Mathematik ein gut gefüllter Werkzeugkasten.
Für mich als Physikerin ist Mathematik eine Sprache, mit der sich die Natur (mehr oder weniger gut) beschreiben lässt.
Für mich als Mathematikerin ist Mathematik eine überabzählbare Mannigfaltigkeit von Gedankenräumen.

Vor einiger Zeit hatte ich irgendwo einen Text darüber gelesen, dass Mathematik grundsätzlich nicht geeignet sei, unsere Welt vollständig zu beschreiben. Die Argumentation lief etwa darauf hinaus, dass Mathematik ein menschliches Konstrukt sei, und als solches begrenzt.
Da bin ich anderer Meinung. Mit dem Standardmodell und der Allgemeinen Relativitätstheorie sind wir bereits einen weiten Weg gegangen, mit dem wir die Natur innerhalb eines großen Gültigkeitsbereiches beschreiben können (allerdings nicht erklären), aber das ist wieder ein anderes, eher philosophisches Thema).
Dazu benutzen wir u.a. mathematische Gebiete wie Tensoranalysis – vor ein paar hundert Jahren noch nicht denkbar.
Es wird auch in Zukunft immer wieder neue mathematische Konzepte geben – die meisten ohne praktischen Nutzen, so dass sie verworfen werden, aber auch einige, von denen sich herausstellen wird, dass sie zu gewissen Aspekten der Natur passen, so dass sich ein mathematisches Modell basteln lässt.
Mathematische Theorien sind unerschöpflich. Man muss nur die richtigen (er)finden.
Ob das der Menschheit allerdings in endlicher Zeit gelingt, ist eine andere Frage.

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Innere Leere //2005

Wieder mal Strohwitwe – wie so oft in letzter Zeit.
In die technische Geschäftsführung redet mir Carsten kaum noch hinein. Er kümmert sich vorrangig um Verhandlungen mit Kunden und Suppliern. Außerdem treibt er die Expansion voran. Das alles ist mit relativ häufigen Geschäftsreisen verknüpft, und ich bleibe allein daheim zurück.
Zwar habe ich meinen Massageduschkopf, aber selbst wenn ich damit erfolgreich bin, ist es nicht wirklich befriedigend. Es bleibt an der Oberfläche. Die Sensoren werden teils übersteuert. Ich fühle mich danach nicht wirklich gut, sondern es ist immer so ein schaler Nachgeschmack vorhanden.

Ich vermisse die Körperwärme, starke Arme, die mich festhalten, das Ausgefülltsein, die wohlige innere Massage beim {Rein, Raus}, die jedesmal wieder neu überraschende Intensität von tiefen Stößen, und die subtile Pheromonwirkung von Männerschweiß. Mir fehlt es, begehrt zu werden und seine Lust und Leidenschaft zu spüren, sowie die Genugtuung, einem Mann intensives Vergnügen bereitet zu haben. Das alles kann kein noch so ausgeklügeltes Sextoy emulieren (ursprünglich galten die mal als therapeutische Instrumente zur Behandlung von Hysterie).
Ein Orgasmus ist weder hinreichende noch notwendige Bedingung für guten Sex. Vielleicht gerade mal ein Nice-to-have, und manchmal einfach nur anstrengend.
Viel wichtiger ist mir die physische Präsenz eines Mannes, die in die Tiefe geht. Aus dessen Befriedigung erwächst mir viel mehr Wohlbehagen und Genuss als aus meiner eigenen.

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Ultimative Suchbegriffe //2004

Google hat angekündigt, die bisherige Suchanalyse in der Search Console durch einen „Performance Report“ zu ersetzen. Den habe ich mir mal angesehen, und scheiterte schon daran, eine andere Zeitdauer als die vorgegebenen drei Monate einzustellen. Vielleicht will Google durch solche Fehlfunktionen ja mehr Nutzer für den Chrome akquirieren.
Wie auch immer – möglicherweise ist dies die vorläufig letzte Liste mit Suchanfragen (für dieses Jahr auf jeden Fall).

‚“#kaffee“‚
Wenn das mal kein wichtiger Hashtag ist!

„thigh gap becken spreizen“
Das erleichtert die Zugänglichkeit.

„strumpfband fangen“
Den Brauch kenne ich nicht.

„bewirtungsbeleg französisch“
Deepl sagt „reçu de divertissement“.

„konservative kraft“
Hängt nur vom Ort ab.

„ebay schnell einstelltool“
Damit habe ich keine Erfahrung.

„einmal gepoppt“
Niemehr gestoppt.

„dumme feministin“
Eine nicht gerade seltene Kombination.

„konfigurierung“
Die Gesamtheit der Einstellungen.

„möwengeräusche“
Das sind so Kreischtöne.

„zwei freunde teilen sich dasselbe bett“
Hoffentlich ist das Bett groß genug.

„kaspar melchior jung alt“
Da fehlt der Balthasar.

„feminismus berufswahl“
Gender-Studies sind sehr beliebt, wertschöpfende Berufe eher weniger.

„dauerhafte sommerzeit“
Nur das nicht!

„schni blo tag“
Kollidiert mit dem Pi-Tag, welcher natürlich Vorrang hat.

„mein mann hat kein sexuelles interesse mehr an mir“
Meiner an mir schon.

„erfahrung vibro ei“
Die Batterie war gleich leer.

„klassenbester 6 buchstaben“
Primus.

„pluszeichen schweizer tastatur“
Keine Ahnung. Da würde ich den Nummernblock verwenden.

„vollgespritzt werden – das ist unser leben“, „vollgespritzt“
Nun ja, eine Farbtintenpatrone hat mir beim Auffüllen mal meine Kleider total versaut.

„tampons kaufland“
Normalerweise kaufe ich die woanders.

„wordpress gehackt was tun“
Ohne den Kontext kann ich keine Empfehlung geben.

„größter dom“
Ist in Vatikanstadt.

„hund fieckt“
Das möchte ich gar nicht wissen.

„monoandria“
Mit dieser Schreibweise habe ich das Wort noch nicht gesehen.

„kennsu heute“
Wer nuschelt da?

„binäruhr lesen“
Das ist gaanz einfach. Man muss nur du entsprechenden Zweierpotenzen addieren.

‚“augenarzt“ „rechnung“‚
Wenn die Krankenkasse nicht dafür aufkommt, muss man wohl selbst zahlen.

„lagrangedichte standardmodell“
Da gibt es Masseterme, Kinetikterme und Wechselwirkungsterme.

„ludwigslustschmerz“
Sehr lustiger Scherz vom Ludi.

„pc sehr langsam obwohl nicht ausgelastet“
Eine Ursache könnte starker Netzwerkverkehr sein.

„feste zahnspange“
Da werden solche Dinger auf die Zähne geklebt, und ein Draht durch deren Ösen gezogen.

„das betriebssystem ist momentan nicht zum ausführen dieser anwendung konfiguriert“
Da fehlen konkretere Informationen.

„grundkräfte der natur“
Nach aktuellem Forschungsstand sind uns vier Grundkräfte bekannt, die ich schon öfters aufgezählt habe.

„gangbang geschichten“
Überlasse ich der Fantasie.

‚“nicht daheim und doch zuhaus“‚
Omnia mea mecum porto.

„bescheid geben“
Benachrichtigen.

„winziges teilchen“
Wie winzig denn? Einen Mikrometer sieht man mit bloßem Auge schon nicht mehr.

„entweder und oder“
Damit wird eine exklusive Veroderung in deutscher Sprache ausgedrückt.

„ewige sommerzeit“
Das wollen wir uns doch im Winter nicht antun!

„kollege interesse oder nur nett“
Vielleicht öffnet sich die Kiste nach ein wenig Ermutigung.

‚“perato.net“ digitaldruck or werbetechnik or fahrzeugbeschriftung or prototyping or leipzig“
Davon weiß ich nichts.

„bildschirmleseprogramm“
Ich lese lieber selbst, als zuhören zu müssen.

„anne nühm (breakpoint)“
Ja, das bin ich.

„vierunderneunundfierzig“
Lese nur ich hier „Runderneuern“?

„dicken kuss“
Mann, ist der [Schaumzuckerkuss] dick, Mann!

„mein freund das ekel“
Was gibt man sich freiwillig mit jemandem ab, den man selbst eklig findet?

„ungleich zeichen alt code“
8800

„anlässlich meines geburtstages habe ich kuchen mitgebracht“
Das ist nicht außergewöhnlich.

„was heißt sub“
Das ist Latein und bedeutet „unter“. Je nach Kontext steht es als Kurzform für Substitute, Subtraktion oder Subroutine.

„popogeschichten“
Die wären bestimmt popolär.

„nikolauswitz“
Das ist der Osterhasi!

„woher bekomme ich trennwände für mein büro“
Da gibt es spezielle Geschäfte für Büromöbel und dergleichen.

„unterkritische masse“
Meine ist derzeit wieder deutlich unter dem kritischen Bereich.

„swingerclub fantasie“
Die Realität hält da nicht mit.

„katze schwanz fragezeichen“
Wenn der Schwanz auffällig gekrümmt, und auch noch buschig ist, würde ich zum vorsichtigen Rückzug raten.

„strumpfband fangen“
Ist es nicht der Brautstrauß, der geworfen wird?

„weinbergwinkel“
Ein Parameter bei der elektroschwachen Wechselwirkung.

„wann kommt wordpress 5“
Keine Ahnung. Mich nerven solche Umstellungen – insbesondere, wenn sie nicht rückwärtskompatibel sind.

„immer unterwegs englisch“
Always on the way.

„wozu dient ein breakpoint“
Um beim Debuggen die Ausführung des Codes an definierter Stelle auszusetzen.

„potenzen rechner“
Hach .. , mag ich so sehr!

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The Blog Must Go On //2003

Als ich neulich meine Zweifel äußerte, ob ich noch lange so weiterbloggen soll, meinte ich dieses mein Hauptblog („breakpoint“). Ich habe aber auch noch ein paar andere Blogs, über die ich mal wieder ein Status Update schreiben sollte.

Da wäre zunächst mein Metablog. Im wesentlichen dokumentiere ich dort hin und wieder meine Blogstatistiken, ganz selten mal ein Eintrag, der zu keinem anderen meiner Blogs passt. Eigentlich führe ich das Metablog nur für mich selbst. Es enthält keinen sensiblen Content, und ihr würdet es sicher nicht vermissen, wenn es nicht mehr da wäre.

Das Nühmphenblog mit den erotischen, fi(c)ktiven Geschichten hat schon lange keinen neuen Eintrag mehr bekommen. Ich habe zwar ein paar Ideenfragmente, aber die Zeit, Gelegenheit und vor allem die Inspiration fehlen mir, sie auszugestalten und in Worte zu fassen. Die n-te Variante des gleichen Motivs ist mir auch zu langweilig. Ich kann momentan nicht sagen, ob ich das Nühmphenblog irgendwann fortführen werde, oder ob es schon eingeschlafen ist. Pornoblogs jeglicher Ausgestaltung gibt es schon genügend im deutschsprachigen Internet. Ich setze meinen Ehrgeiz nicht hinein, da mitzuhalten.

Mein #auschfrei-Blog entstand aus der Notwendigkeit, feminismuskritische Texte irgendwo zu veröffentlichen. Zwar hatte (und habe) ich auch Autorenrecht bei Geschlechterallerlei, und habe dort auch ein paar Artikel gebloggt, aber schon bald erschien es mir sinnvoller, meine Texte dazu auf ein eigenständiges Blog zu verlagern. Im Laufe der Zeit kamen dort immerhin über 200 verschiedene Einträge zusammen, die sich alle in irgendeiner Form auf die Geschlechterthematik beziehen. In unregelmäßigen Abständen schreibe ich dort immer noch Texte, und würde das auch in Zukunft gerne weiterführen, wenn mir gerade irgendein Thema auf den Nägeln brennt.
Irgendwie bin ich es aber auch leid. Es ist so anstrengend, mit Personen zu „diskutieren“, die sachliche Argumente nicht akzeptieren und einfache Logik nicht nachvollziehen können, und stattdessen ihre eigenen Befindlichkeiten für das Maß aller Dinge halten, die sie moralisierend allen anderen aufzwingen wollen. Und zum soundsovielten Mal die gleichen Fakten und Argumente zu wiederholen, die dann doch nur ignoriert oder nicht verstanden werden, ist erst recht ermüdend. Da hat sich bei mir schon einiges an Frust und Resignation angestaut. Manchmal sage ich mir dann „jetzt erst recht!“, aber wie lange mir das noch gelingt, weiß ich nicht.
Falls ich ganz mit dem Bloggen aufhören würde, täte es mir vor allem um die Rechte-Reihe leid, in der ich eine Liste der unterschiedlichen gesetzlichen Rechten von Männern und Frauen führe. Obwohl die Liste ziemlich amateurhaft ist, wird sie inzwischen häufig verlinkt, wenn es um Gleichberechtigung geht. Würde ich das Blog löschen, wäre die Liste ersatzlos nicht mehr verfügbar. Das würde ich sehr bedauern, zumal ich etliche Zeit in die Recherche von Gesetzestexten gesteckt habe.

Dann gibt es noch mein Boudoir-Blog, das auf „privat“ gesetzt ist, so dass es nicht allgemein zugänglich ist. Ursprünglich hatte ich das Blog angelegt, um meine geschützten Fotos von blog.de irgendwo unterzubringen, wo sie nicht jeder sehen kann, und ich ein Mindestmaß an Kontrolle über sie behalte. In den letzten Jahren habe ich vor allem ein paar Urlaubsbilder dort gebloggt, und ein paar andere Bilder, die ich in meinen regulären Blog eingebunden habe, hatte ich dort abgespeichert.
Trotz dieser Vorkehrungen entdeckte ich vor einiger Zeit ein paar Fotos von mir an einer Stelle, wo sie nicht hätten sein sollen. Die können nur vom Boudoir-Blog kopiert worden sein. Dann gab es kürzlich einen leichten Trollbefall, den ich aber sofort unterbinden konnte, bevor nennenswerter Schaden angerichtet wurde.
Ich werde also in Zukunft keine Fotos mehr dort veröffentlichen. Bisher war ich normalerweise großzügig gewesen, einen Zugang freizuschalten, werde das aber zukünftig wohl nicht mehr tun (Ausnahmen behalte ich mir vor).
Wenn meine Annenühmität nicht auch davon abhängen würde, wäre ich wesentlich weniger restriktiv mit den Fotos, aber trotz Unkenntlichmachung ist es mir einfach zu riskant.

Der Vollständigkeit halber sei auch noch mein Twitter-Account genannt.
Twitter ermuntert zu plakativen Darstellungen und zwingt zu knappen Formulierungen. Dadurch gehen Nuancen, Differenzierungen und Relativierungen leicht verloren. So ist es kein Wunder, wenn Aussagen manchmal missverstanden werden – insbesondere von Leuten, die einen nicht näher kennen. Da wird man nach einem sarkastischen Tweet schon mal angeblafft von anderen Usern, mit denen man noch nie vorher zu tun hatte, weil sie – gemäß Poe’s Law – den Text für bare Münze genommen haben. Die Sache dann wieder klarzustellen, ist zumindest lästig.
Überhaupt wird mir Twitter teilweise etwas zu albern. Aber vielleicht werde ich auch nur zu alt für Twitter. Da gibt es Witze, die ich schon vor etlichen Jahren selbst gemacht habe. Oder Zoten, die kein bisschen geistreich, sondern einfach nur geschmacklos sind.
Irgendwie muss ich auf Twitter sowieso etwas falsch machen. Seit über sechs Jahren bin ich bereits bei Twitter, und habe noch nicht einmal fünfhundert Follower beisammen. Andere Twitterer sind gerade mal ein paar Wochen oder Monate dabei, und haben schon Tausende, obwohl deren Niveau (meiner Einschätzung nach) eher mäßig denn anspruchsvoll ist.
Natürlich kommt es nicht auf die Quantität, sondern die Qualität an. Da habe ich immerhin eine Handvoll angenehmer und interessanter Kontakte. Ansonsten hätte ich Twitter vermutlich bereits den Rücken gekehrt.

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Keybenotet //2002

Der Keynotevortrag liegt nun auch schon etwas zurück, so dass ich heute hier schreibe, was mir bloggenswert erscheint.

Den Termin konnte ich mir ja nicht aussuchen, so dass meine Womenstruation gerade in vollem Gange war. In diesem Zeitraum vermeide ich körperliche Aktivitäten jeglicher Art, und ziehe mich weitestmöglich zurück. Diesmal ging das aber überhaupt nicht. Ich musste in die Öffentlichkeit.
Selbst wenn ich keine körperlichen Beschwerden habe, fühle ich mich aber nicht wirklich wohl und leistungsfähig. Da ist eine Unsicherheit, wie sie mir sonst nicht eigen ist. Dann kommt noch die halb unbewusste Befürchtung dazu, nicht wirklich dicht zu sein, durchzuweichen und versehentlich zu tropfen.
Vielleicht sollte ich doch Feministin werden, um Free-Bleeding zu propagieren.

Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen:
Carsten hatte am Vortag mein Gepäck früh mit zur Firma gefahren, damit ich es bei dem unangenehmen Wetter nicht selbst transportieren musste. Ich arbeitete noch bis in den Nachmittag im Büro. Als es Zeit war aufzubrechen, ging ich noch beim Vorzimmer vorbei, und fragte die anwesende Bürohilfe, ob der Chef kurz Zeit hätte. Sie verneinte, weil er gerade ein Gespräch mit einem wichtigen Besucher hätte. „Dann störe ich ihn wohl besser nicht“, meinte ich, „richten Sie ihm bitte nachher aus, dass ich schon los bin.“
Als ich unten bei der Treppe angelangt war, hörte ich Carsten mich rufen. Ich wartete kurz, während er die Treppe herunterrannte. Wir wechselten ein paar Worte über organisatorische Angelegenheiten. Zum Abschied nahm er mich unvermittelt in den Arm, drückte mich eng an sich, und küsste mich heftig. Eine seiner Hände wanderte hinunter zu meinen Nates. Es schien ihm egal zu sein, dass uns vielleicht jemand sehen könnte. Das hatte er so in der Firma noch nie gemacht.

Die Anreise verlief glatt. Nach dem Abendessen in einer nahegelegenen Pizzeria übernachtete ich in einem Hotel in der Nähe des Veranstaltungsort. Nach dem Frühstück ging ich erst wieder auf mein Zimmer zurück, um mich umzuziehen.
Da mir mein Kreislauf etwas Probleme machte, schminkte ich mich dezent – entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten -, um nicht so blass auszusehen.
Zunächst suchte ich dann die Veranstalter auf, um mich persönlich vorzustellen.
Das Publikum bestand aus einigen hundert Personen. Es war keine wirklich öffentliche Veranstaltung, die jeder Interessierte hätte besuchen können (sonst hätte ich mit dem Bloggen noch länger gewartet). Die Teilnehmer waren alle persönlich von den Veranstaltern eingeladen worden.
Wenn ich sonst einen Vortrag gehalten hatte, so hatte ich das Thema selbst wählen können, bzw. war aufgrund meiner speziellen Expertise überhaupt nur dazu gebeten worden. Diesmal gab es Vorgaben, die sich auf das allgemeine Veranstaltungsthema bezogen. Das hatte es nötig gemacht, mich überhaupt erst mal in diese Thematik einzuarbeiten, um eine interessante Keynote zu gestalten. Carsten hatte mich dabei wesentlich unterstützt.
Nun ja, was soll ich sagen? Gute Vorbereitung ist wichtig. Nachdem der Veranstalter das Publikum begrüßt, und mich vorgestellt hatte (Carsten hatte dafür gesorgt, dass ja keines meiner Pöstchen vergessen wurde), hielt ich meine Keynote ohne besondere Vorkommnisse. Das Publikum applaudierte angemessen. Ich glaube schon, dass mein Vortrag eine informative Einstimmung auf den Rest der Veranstaltung war, auch wenn – das muss ich zugeben – mir ein wenig der übliche Schwung fehlte. Ich bekam in den folgenden Tagen noch einiges positives Feedback per Mail
Es gab dann noch mehr Vorträge, zwischendurch Pausen mit sehr guter Verköstigung. Drei oder vier Leute sprachen mich an, aber nur mit einem Bekannten von Carsten unterhielt ich mich etwas länger.

Vor die Wahl gestellt, bis zum Schluss der Veranstaltung zu bleiben und noch eine Nacht im Hotel zu übernachten, oder schon etwas früher zu gehen, um noch am gleichen Tag wieder heimzukommen, entschied ich mich für letzteres.
Mein Flug hatte deutliche Verspätung, so dass ich einen anderen Anschlusszug nehmen musste. Am Bahnhof erwog ich, mir ausnahmsweise ein Taxi zur Wohnung zu leisten, da ich doch recht erschöpft war, und Carsten mich diesmal nicht abholen konnte, erwischte aber dann doch noch den Bus.

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Der Anstand des Anstehens //2001

Mal wieder eine Café-Geschichte.

Eigentlich mag ich das Café nicht besonders, das ich am häufigsten besuche. Aber es ist am günstigsten gelegen, so dass ich keinen zeitraubenden Umweg deswegen machen muss.

Ich hatte mir einen Kaffee und ein Gebäckstück (ansprechenden Kuchen hatten sie nicht, von Torte ganz zu schweigen) an der Bedientheke gekauft, und wollte mir noch Kaffeesahne in meinen Kaffee schütten. Dazu musste ich mit meinem Tablett zu einem dafür vorgesehenen Thekentisch. Dort ist reichlich Platz für eine Person. Bei zwei Personen wird es eng, aber es ist noch möglich.

Vor mir standen zwei Seniorinnen, die sich dort in aller Seelenruhe mit Servietten eindeckten. Dazwischen unterhielten sie sich, nahmen dann Gabeln statt Kuchengabeln, unterhielten sich weiter, machten kurze Pause, fanden den Zucker und ließen Unmengen davon in ihr Heißgetränk rieseln, unterhielten sich zwischendurch, ..
Endlich war zumindest die eine fertig, machte aber keine Anstalten den Platz zu verlassen, weil sie sich ja noch mit ihrer Begleiterin unterhalten musste.
Der Trägerriemen meiner Tasche drückte zunehmend schwerer auf meine Schulter. Mein Kaffee kühlte ab.

Irgendwann geruhten die Damen doch, den Platz zu verlassen. Sie hatten mindestens zwei Minuten gebraucht, während ich mit dem Tablett hinter ihnen darauf wartete, mich auch bedienen zu können. Ein Musterbeispiel an Ineffizienz.

Nachdem ich mein Tablett abgestellt hatte, brauchte ich zwei Sekunden, um mit einer Hand einen Kaffeelöffel zu nehmen und mit der anderen Milch in meinen Kaffee zu gießen. Drei weitere Sekunden gingen drauf, um mir eine Serviette zu nehmen – das Design des Serviettenhalters ist ziemlich unergonomisch.
Die beiden Seniorinnen waren noch nicht an ihrem Tisch angelangt, als ich fertig war, und mich ebenfalls auf den Weg zu einem freien Tisch machte.

Ich halte es für äußerst unhöflich, sich mehr Zeit als nötig zu nehmen, wenn dadurch andere Personen aufgehalten werden. Ich selbst bemühe mich immer, alle meine Verrichtungen zügig durchzuführen, ohne andere Leute dadurch auszubremsen oder zu blockieren.
Zwei Minuten meiner kostbaren Zeit! Das reicht locker für einen halben Quickie. Stattdessen stand ich mir nur die Beine in den Bauch.
Das Leben ist zu kurz, um absichtliche Trödelei zu tolerieren und zu entschuldigen. Dazu fehlt mir die Geduld.

Ja, ja, ich werde auch einmal alt und dann wohl langsamer. Dann brauche ich vielleicht zwanzig Sekunden statt fünf. Selbst wenn ich eine ganze Minute brauche, weil ich dann vielleicht tüdelig bin, werde ich dennoch versuchen, zielstrebig und ohne Unterbrechungen solche Tätigkeiten auszuführen. Ich möchte nicht, dass andere durch mich mehr Zeit verlieren als unumgänglich.

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Sdummel //2000

Unsere Wohnung hat einen kleinen Balkon, der auf den Innenhof hinaus geht. An Sommerabenden saßen wir gelegentlich draußen und genossen die Abendsonne.
Jetzt ist es, wenn ich daheim bin, schon zu dunkel, und außerdem auch zu kalt, um sich länger dort aufzuhalten. Alle paar Tage gehe ich trotzdem mal kurz raus, einfach um frische Luft zu schnappen, oder um zu checken, wie das Wetter draußen ist.

Nun sind mir in den letzten Wochen immer wieder Zigarettenkippen aufgefallen, die dort auf dem Boden lagen. Zeitlich müsste das korrelieren mit dem Einzug eines jungen Paares in der Wohnung über uns. Das heißt, anscheinend raucht von denen jemand immer wieder auf ihrem Balkon, und schmeißt die Kippen einfach runter. Weiter unten auf dem Boden liegen noch mehr davon rum, auf meinem Balkon nur ein Bruchteil. Dieser Müll stört mich enorm, auch wenn ich bisher noch keine Geruchsbelästigung dadurch mitgekriegt habe.
Was sind das für Leute, die rücksichtlos ihren dreckigen Abfall einfach in die Gegend schmeißen, und ihn dadurch zu einem Problem anderer Leute machen. Ich ekle mich vor diesem Müll, muss ihn aber immer wieder eigenhändig entsorgen.
Ein paarmal habe ich sie zufällig im Treppenhaus gesehen. Sie hat grell gefärbte Haare, die Augenbrauen und Ohren voll mit Metallringen und zudem einen Nasenring. Er hat nicht ganz so viele Piercings, dafür ein Tattoo im Gesicht, und trägt jedesmal ein Baseballcap. Das bestätigt mal wieder meine Beobachtung, dass sich körperschädigendes Verhalten bei dafür anfälligen Personen häuft.

Ich selbst möchte die Nachbarn nicht auf ihr Fehlverhalten ansprechen. Erfahrungsgemäß tendieren Raucher dazu, einen zu beschimpfen, wenn man es wagt, sie um Rücksicht zu bitten. Und ich neige dazu, dass ich gegenüber Personen, die mir unsympathisch sind, entweder zu schüchtern oder zu fordernd auftrete, was beides nicht zielführend ist.
Um etwas zu erreichen, braucht es mehr Diplomatie. Ich denke, das ist Aufgabe des Wohnungseigentümers.

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Listen Mode //1999

Es gab schon Zeiten, da wusste ich kaum, was ich bloggen sollte, wenn ich nicht gerade ein aktuelles Thema hatte. Derzeit jedoch ist mein Vorrat an allgemeinen Themen wieder gut gefüllt, auch wenn etliche Themen recht banal und belanglos sind. Wenn ich also nicht gerade über etwas aktuelles bloggen kann oder will, so habe ich Alternativen.

Ich höre ja gerne nebenbei beim Arbeiten Radiomusik, die ich mir auf den Rechner streame. Eigentlich achte ich kaum auf den Text, aber manches lässt sich nicht überhören, und drängt sich ins Bewusstsein. Insbesondere wenn der Text deutsch ist (da reicht es, berieselt zu werden, während ich bei anderssprachigen Texten aktiv zuhören müsste), und der Song so aktuell ist, dass er mehrmals täglich gespielt wird.

Da gibt es Texte nach dem Motto „reim dich oder ich fress‘ dich“, oder andere, bei dem man sich fragt, wo das Versmaß abgeblieben ist. Manche Sänger schleif die letzt Silb so ab, dass man kaum versteht, was gemeint ist.
Bei manchen Texten darf man dagegen dankbar sein, wenn sie so vernuschelt und undeutlich ausgesprochen werden.

Vor längerer Zeit hat mich vor allem ein Song gestört, der aufforderte auf „die Stimme“ zu hören. Ein anderer Schwachsinn war die Behauptung, man wäre blöd, wenn man „nicht an Wunder“ glaubt.
Derzeit nerven mich vor allem kitschig-romantische Texte, die überhaupt keinen Realitätsbezug haben, und – bereits jetzt! – widerlich sentimentales, unerträglich-süßliches Weihnachtsgesäusel.

Was denken sich nur die Autoren dabei, solches Zeugs zu schreiben? Ihnen muss doch klar sein, dass es (insbesondere junge) Menschen gibt, die das alles kritiklos glauben, weil es in ein bisschen fetzige Musik eingebunden ist. Das ist hochgradige Verdummung der Bevölkerung. Nein, ich schlage hier keinesfalls Zensur vor. Auch hier gilt Meinungsfreiheit. Wer an irgendwelche Stimmen glauben will, soll das meinetwegen machen.
Ich frage mich jedoch, was Autoren dazu treibt, mit Schwachsinnstexten ihr Publikum zu manipulieren und zu beeinflussen. Und warum gefällt dieser Tand so vielen Leuten?

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Nun will der Lenz uns twittern //1998

Zwischen dem 27. März und 13. April fügte ich die folgenden Tweets zu meinem Twitteraccount hinzu. Read and enjoy.

Und noch ein paar #Funfacts: Innerhalb von 4 Jahren gibt es den 1. bis 28. eines Monats je 48-mal, den 29. 45-mal, den 30. 44-mal und den 31. 28-mal.
2^5 * 11 * 5^2 Tweets
Endlich ist der rosa WC-Reiniger leer. Künftig ist der neue blaue dran.
Verhörer des Tages: mumifiziert statt modifiziert
Huch .. heute sind aber mal wieder viele #Geisterfahrer unterwegs!
Verleser des Tages: poison statt prison
Nach ein paar schönen Tagen ist jetzt schon wieder #Kopftuchwetter.
Kalenderspiele #Freitag13 //1828 Achtzehnhundertachtundzwanzig
Verschreiber des Tages: Essen statt Eisen
Verleser des Tages: Genitalversammlung statt Generalversammlung
Doctor Häh? (2. Teil) //1827 Achtzehnhundertsiebenundzwanzig
Naja, den Merksatz für den Farbcode elektrischer Widerstände könnte man schon als unangemessen sexistisch bezeichnen.
Verhörer des Tages: Huren statt Uhren
Verleser des Tages: Curry statt Curvy
Doctor Häh? (1. Teil) //1826 Achtzehnhundertsechsundzwanzig
Für Physiker, die sich nicht nur mit Stringtheorie beschäftigen wollen.
Verleser des Tages: Physikerin statt Physikern
Verhörer des Tages: Vierter statt Fürther
breakplaining: Konservative Kräfte //1825 Achtzehnhundertfünfundzwanzig
Verleser des Tages: Bahnhof statt Bischof
#Ichmag Essen deftig und Sex heftig.
Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.
Verschreiber des Tages: massagebox statt messagebox
Ein Frühlingsspaziergang //1824 Achtzehnhundertvierundzwanzig
Verleser des Tages: breakpoint statt breakfast
Ergugeltes //1823 Achtzehnhundertdreiundzwanzig
Verleser des Tages: untervögelt statt unterwegs
Übrigens haben viele Vielfache von 3 in binärer Darstellung eine gerade Anzahl von Einsen.
Übrigens ist 11 die einzige Primzahl, deren alternierende Quersumme gleich 0 ist.
Verhörer des Tages: Urlaub statt Bärlauch
Die Osterreise (3. Teil) //1822 Achtzehnhundertzweiundzwanzig
Verleser des Tages: „vor Angst“ statt „vor Augen“
Computerfrustiges //1821 Achtzehnhunderteinundzwanzig
Verhörer des Tages: ironisch statt iranisch
Noch ein Verleser des Tages extra für den @sci_fanboi: Stadtfummeln statt Stadtbummeln
Verleser des Tages: Playboy-Katalog statt Playmobil-Katalog
Die Osterreise (2. Teil) //1820 Achtzehnhundertzwanzig
In unserem Staat fehlt eine starke Atheisten-Lobby. #säkular #Religionsfreiheit #konfessionslos
Verschreiber des Tages: Puppe statt Pumpe
Kommentarstatistik 1. Quartal 2018 auf meinem Breakpoint-Blog
Verleser des Tages: entjungfert statt entfernt
Die Osterreise (1. Teil) //1819 Achtzehnhundertneunzehn
Nur zur Info: Osterhasen sind keine christliche Tradition, sondern heidnischen Ursprungs
Verleser des Tages: „östliche Tradition“ statt „österliche Tradition“
Na dann bis bald. Bin jetzt erst mal weg. #HappyEaster
Verschreiber des Tages: nerdigen statt niedrigen
Ach, nee! Jetzt ist das Kensingtonkabel weg!
Verleser des Tages: Tampons statt Trumps
Blog.suspend(); //1818 Achtzehnhundertachtzehn
Verschreiber des Tages: bekriegt statt gekriegt
Verleser des Tages: Urinätzwerk statt Uninetzwerk
Digital Addict //1817 Achtzehnhundertsiebzehn

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Wiederbelebungsversuch //1997

Das Firmenblog fristet seit langem ein Mauerblümchendasein. Ein paar Artikel sind veröffentlicht – hauptsächlich zu Firmenevents, aber so richtig in Schwung gekommen ist es nie.
Da ich mich selbst nicht viel stärker dafür engagieren möchte, denn es mangelt mir an Zeit dafür, habe ich überlegt, was man machen könnte, um wenigstens alle paar Wochen mal einen Eintrag zu veröffentlichen.

Ich bin darauf gekommen (und habe ähnliches auch schon auf anderen Firmenblogs beobachtet), die Mitarbeiter selbst Artikel schreiben zu lassen. Mir wäre es am liebsten, wenn reihum aus den einzelnen Abteilungen die Mitarbeiter sich abwechseln würden (unter meiner Koordination). Sie könnten über ihren Arbeitsalltag schreiben oder sonst ein beliebiges Thema, das lediglich einen Bezug zur Firma oder ihren Produkten aufweisen muss.
Beim nächsten Führungskräftemeeting werde ich also das Thema auf die Agenda setzen. Die anderen Führungskräfte sollen sich umhören, wer in ihrer Abteilung Interesse daran hätte.

Es bringt nichts, Mitarbeiter dazu zu verdonnern, wenn sie es nicht von sich aus wollen. Wenn sie unmotiviert sind, kann nichts vernünftiges dabei herauskommen. Andererseits sind auch Freiwillige nicht unbedingt geeignet. Wenn ich nur ein paar Rechtschreibfehler korrigieren muss, ist das kein Problem, aber wenn ich den gesamten Text ausführlich überarbeiten müsste, kostet das mich einerseits zu viel Zeit, andererseits wäre der Text dann nicht mehr authentisch.

Warten wir mal ab, wie viele Mitarbeiter eventuell interessiert sind. Falls sich zu wenige melden, bleibt mir vielleicht nichts anderes übrig, als das Firmenblog einzustampfen.

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Von Knoten und Blümchen //1996

Zwar bin ich mir nicht mehr sicher, aber ich glaube, ich kam durch ein paar Bücher in unserer Stadtbücherei auf die Idee, mich einmal in Makramee zu versuchen. Das ist eine Art Shibari für Gegenstände.
Im Laufe der Zeit habe ich mehrere Blumenampeln (einige davon an Nachbarn gegen Materialkosten und kleines Honorar verkauft), nach Anleitung einen Eulenwandbehang, und eine Einkaufstasche (da ich zu dickes Jutegarn dafür gewählt hatte, war sie leider nicht wirklich brauchbar) angefertigt.

Für eine Blumenampel begann ich mit acht etwa 4 bis 5 Meter langen Fäden. Zunächst fertigte ich eine Schlaufe. Dazu begann ich, den ganzen Strang leicht neben der Mitte eng mit einem weiteren Faden zu umwickeln, bog den Strang dann zusammen, so dass beide Teilstränge parallel verliefen, und umwickelte beide dann weiter. Das Ende des Fadens musste ich dann irgendwie festmachen.
Die Schlaufe hing ich an einen Fenstergriff. Sechzehn Fäden hingen nebeneinander herunter. Ich teilte sie ein in vier Stränge von jeweils vier Fäden.

In Makramee gibt es verschiedene Knotentechniken. Durch die Kombination mehrerer Knoten erhält man entweder ein flaches Band, oder die Knoten verdrehen sich wie eine Helix.
Je nach Geschmack ließen sich die vier Stränge mit Knoten verschönern. Man muss dabei aufpassen, dass die Fäden nicht zu kurz werden. Es ist eine Kunst, die Knoten einheitlich groß und mit gleichmäßigen Abständen anzuordnen. Man braucht schon etwas Übung, aber dann ist es eigentlich recht einfach.

Nachdem die Stränge ein Stück weit durch Knoten stabil und kunstvoll verknotet hatte, teilte ich jeden einzelnen Strang in der Mitte, und fasste jeweils zwei Fäden mit zwei Fäden des Nachbarstrangs zusammen. Diese neuen Vierer-Kombinationen fixierte ich jeweils durch zwei Knoten, ließ etwas Abstand, und wiederholte dieses Vorgehen.
Kann sich noch jemand vorstellen, wie das aussieht? Es entsteht eine Art Netz.
Etwas unterhalb der letzten Knotenreihe fasste ich wieder alle 16 Fäden zusammen zu einem dicken Strang, den ich weiter zusammenknotete, so dass sich unten der gesamte Strang schraubenartig verdrehte. Als der kürzeste Faden nur noch etwa zehn Zentimeter lang war, schnitt ich alle Fäden gleichmäßig ab. Die Blumenampel war fertig.

Sie ließ sich an einen Haken an der Decke hängen, und man konnte einen geeignet großen Blumentopf hineinstellen. Wenn eine Hängepflanze dann herauswächst, sieht das recht dekorativ aus, sofern man Blumenkram mag.

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Dress for Success //1995

Mein neues Kleid ist ein Meisterwerk meiner Schneiderin. Mit elastischem Stoff lässt sich ja oft einiges ausgleichen, aber dieser Stoff ist ganz glatt und nicht dehnbar. Der Schnitt ist schlicht, ohne irgendwelchen Schnörksel oder Rüschen. In Anbetracht der Jahreszeit hat es lange Ärmel, nur einen minimalen Ausschnitt, und ist kniebedeckend, hat aber einen großzügigen Gehschlitz. Das Kleid ist völlig auf Figur gearbeitet und passt mir perfekt. Wenn ich irgendwo zunehme, wird es dort spannen. Wenn ich abnehme, wird es dort Falten werfen. Vermutlich werde ich nicht so bald dazu kommen, es wieder zu tragen. Falls es mir dann nicht mehr passt, habe ich zumindest eine Referenz, dass mir dieses Kleid einmal ideal gepasst hat.
So etwas kriegt man halt nicht als Konfektion. Die ist normalerweise optimiert für Frauen mit Durchschnittsfigur, also größerer WHR und kleinerer Körpergröße. Selbst wenn es mir egal ist, dass ein Kleid bei mir kürzer ist, als vorgesehen, so sind dort die Taillierung und die Brustabnäher viel zu hoch (nämlich die schmalste Stelle in Rippenhöhe und der Brustmeridian auf Achselhöhe). Oftmals sind mir die Ärmel trotzdem zu lang. Ich habe halt keine Standardstatur.
Aber dieses Kleid bringt meine Figur perfekt zur Geltung, und wirkt trotzdem seriös und sogar damenhaft.
Für die Freizeit reicht mir jedoch Konfektion. Da kommt es nicht so darauf an, solange es bequem ist. Im Gegenteil – ich halte die Augen immer offen für günstige Schnäppchen.
Aber beruflich, und insbesondere für außergewöhnliche Anlässe, muss ich notgedrungen mehr Wert auf Garderobe legen, und erheblich höhere Kosten einplanen, als ich es privat für notwendig halte.

Als ich das Wohnzimmer betrat, schnappte Carsten hörbar nach Luft, als er mich in dem neuen Kleid sah. „Verdammt, Anny, du siehst atemberaubend aus. So war das nicht ausgemacht.“
Er übertreibt.
„Das ist ein ganz einfaches Kleid. Unauffällige Farbe, matter Stoff, ohne irgendwelche Schnörksel oder Glitzer“, rechtfertigte ich mich, „aber du bist eben voreingenommen und nicht objektiv.“
Er seufzte: „Du sollst zwar einen guten Eindruck machen, aber so hatte ich das nicht gemeint.“
„Soll ich lieber etwas anderes anziehen? Du willst doch, dass ich die Firma repräsentiere. Ich kann statt dem Kleid auch ein T-Shirt mit unserem Firmenlogo tragen.“
„Hast du nicht irgendetwas dazwischen? Ein passendes Kostüm, wie du es sonst auch schon du diversen Anlässen getragen hast?“
„Ja, klar. Aber dann friert es mich halt. Und bei meinem Winterkostüm ist vorne ein Fleck auf dem Rock, der sich nicht mehr völlig entfernen lässt.“
„Also gut“, resignierte er, „ach, Süße, du siehst so toll aus. Am liebsten würde ich dich für mich selbst hier behalten.“
Ich zuckte die Schultern. „Für dich ist dafür der Anblick ohne Kleid exklusiv.“
„Lass‘ sehen!“
Langsam öffnete ich den Reißverschluss, der auf der linken Seite unter dem Arm bis über die Hüfte verlief. Als ich den Saum des Kleides über Kreuz mit beiden Händen fasste und hochzog, musste ich den Augenkontakt mit ihm unterbrech- ..
OK – das An- und Ausziehen des Kleides ist etwas umständlich, aber letztendlich stand ich nur in Dessous vor ihm.
Und hatte praktisch sofort Gänsehaut.
„Du frierst“, stellte er bedauernd fest, „zieh‘ dir wieder ‚was an.“
„Alternativ könntest du mich wärmen“, schlug ich vor.
Um die Alternative wahrzunehmen, zogen wir uns für die nötige Zeit ins Schlafzimmer zurück. Danach trug ich wieder meinen üblichen Wohlfühlabendstrickzweiteiler.

PS: Morgen fällt das Blog aus. Da hab‘ ich andere Verpflichtungen.

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Log-A-Rhythm //1994

Falls jemand den Eindruck gewonnen haben sollte, ich hätte etwas gegen Logarithmen – ich kann euch versichern, dem ist nicht so.

Logarithmen sind für manche Berechnungen absolut notwendig.
Bevor es Computer und Taschenrechner gab, wurden viele Rechnungen mit Hilfe von Rechenschiebern oder Logarithmentafeln ausgeführt.
Die Arithmetik dahinter beruht auf Logarithmen. Eine Multiplikation wird durch eine Addition ersetzt, Division durch Subtraktion, Potenzierung durch Multiplikation und Radizierung durch Division. Das vereinfacht die Rechnungen und verkürzt die aufzuwendende Zeit erheblich.
Ein Rechenschieber war früher in technischen Berufen unerlässlich. Mit genügend Übung lassen sich dadurch blitzschnell Ergebnisse erzielen. Die Genauigkeit bleibt dabei allerdings auf der Strecke, aber für viele Anwendungen genügt das.
Wissenschaftler hatten außerdem dicke Nachschlagewerke mit Logarithmentafeln zur Hand. Im Gegensatz zum Rechenschieber blieb es ihnen nicht erspart, selbst die nachgeschauten Werte zusammenzuzählen oder voneinander abzuziehen, aber dafür waren die Ergebnisse dann auch so genau wie erwünscht.

Ich hatte selbst in meiner Jugend mal zwei (gebrauchte) Rechenschieber geschenkt bekommen. Einen ganz normalen, und einen runden, der die Periodizität der Mantisse ausnutzt. Ja, die sind nett, um auf die Schnelle grobe Abschätzungen machen zu können. Sich die Zehnerpotenz selbst zu überlegen, bleibt einem aber nirgends erspart.
Dann hatte ich in den Büchern meines Opas irgendwo ein Buch mit Logarithmentafeln entdeckt und ein wenig darin herumgeblättert. Es ist schon faszinierend. Wer beherrscht heute noch den Umgang damit?

Eine weitere erstaunliche Eigenschaft von Logarithmen findet man, wenn man ihre analytische Fortsetzung im komplexen Zahlenraum betrachtet. Wenn man da ein wenig herumrechnet, taucht plötzlich – hokuspokus! – der Arcustangens auf.

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Size Matters //1993

Wieder mal hat mein Blog-Statistik-Tool ein neues Feature.
Bei einem meiner neueren Einträge hatte sich Kommentator ednong gewundert, warum dieser so kurz war. Nach meiner Einschätzung war er aber gar nicht ungewöhnlich kurz. Aber da ich bislang keine Statistik über die Länge der Beiträge führte, konnte ich das nicht belegen.
Dann fiel mir ein, dass ich mein Progrämmchen, das sonst Kommentare zählt, auch nutzen könnte, um die Länge der Beiträge zu ermitteln, und nach Größe zu ordnen.
Wenn man weiß, wie’s geht, ist das keine größere Kunst, und geht einfach und straightforward. Ich nahm mir also etwas Zeit, um das Feature zu implementieren.

Meine Einträge sind jeweils einige Kilobyte lang. Es lag nahe, ihre Länge kilobyteweise zu sortieren. Das machte ich einfach dadurch, dass ich die zehn least significant bits der Länge einfach wegwarf (sprich nach rechts shiftete).
Ich muss zugeben, dass mein Algorithmus Schwächen hat. An Kunden würde ich das Programm so niemals geben. Aber für den Hausgebrauch reicht’s.
Besonders darauf hinweisen möchte ich, dass Einträge mit Links als länger registriert werden, als ihr tatsächlicher Text. Das liegt daran, dass ich HTML-Tags nicht ausfiltere, so dass die gesamte URL mitgezählt wird. Ansonsten nutze ich ja praktisch kaum Formatierungen. Insbesondere Tweetsammlungen werden also als deutlich länger gezählt, als ihr eigentlicher Textinhalt ist.
Desweiteren zählt mein Programm ein paar Einträge mehr, als es tatsächlich sind. Der Unterschied ist nicht groß. Ich vermute, dass es sich dabei um die seltenen Einträge handelt, bei denen ich mit „Weiterlesen“ zusätzlichen Content anbiete. Die Zeit das nachzuprüfen, habe ich mir nicht genommen. Das Ergebnis wird dadurch zwar etwas verfälscht, aber vermutlich nicht wesentlich. Ich wollte es nur hier erwähnt haben.
Soweit die known issues.

Um das Programm mal zu demonstrieren, habe ich bei WordPress meine Einträge vom Januar bis Oktober dieses Jahres heruntergeladen – also alle einigermaßen neueren Datums und m.E. einigermaßen repräsentativ. In den Anfangszeiten hatte ich tendenziell kürzere Einträge. Den November habe ich mal weggelassen, weil der noch nicht abgeschlossen ist.
Nach meiner Zählung geht es um 235 Einträge. Das Programm kommt auf 242, also 7 mehr.
Unter 1 Kilobyte gab es 16 Beiträge. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die 7 überschüssig gezählten in diese Gruppe fallen, wären es immer noch 9 – also nicht wirklich außergewöhnlich.
Ich hatte ja mal irgendwann geschrieben, dass mir Einträge mit zwei oder drei Kilobyte (auch auf anderen Blogs) am angenehmsten zu lesen sind. Tatsächlich finden sich in dieser Größenordnung die meisten Beiträge. Zwischen 1 und 2 Kilobyte sind es 58, zwischen 2 und 3 Kilobyte sind es 65, und zwischen 3 und 4 Kilobyte noch 37.
30 Einträge gab es zwischen 4 und 5 Kilobyte, und 21 zwischen 5 und 6 Kilobyte. Danach nimmt die Anzahl stark ab, so dass es zwischen 6 und 9 Kilobyte nur insgesamt 14 Einträge (möchte ich gar nicht genauer aufschlüsseln) gab. Danach ist eine Lücke, und schließlich existiert noch ein Eintrag mit etwas über 11 Kilobyte.

Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, das Programm mit einer graphischen Darstellung zu erweitern. Ein Excel-Histogramm muss reichen. Auf der Abszisse ist die maximale Dateigröße n in Kilobyte (im Sinne von ]n-1, n]) genannt, die Ordinate gibt die absolute Häufigkeit der jeweiligen Einträge im betrachteten Zeitraum an.

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Safe Space? Nein. //1992

Das Treffen von Philipp und einer Bewerberin hatte ich so schön eingefädelt, aber – ich sag’s euch gleich – aus den beiden wird wohl nichts werden.

Philipp und ich waren mit unserer Besprechung planmäßig fast fertig, als das Telefon klingelte. Der Pförtner gab mir Bescheid, dass die Bewerberin unten sei.
Ich erklärte Philipp, dass wir unser Gespräch gleich noch beenden würden, ich müsse nur erst mal schnell runter an die Pforte, um einen Stellenbewerber abzuholen.
Die Bewerberin erschien mir recht nett und aufgeschlossen. Sie war zwar nicht ganz schlank und trug kurze Haare, aber alles noch im akzeptablen Bereich. Etwa HB6.5 würde ich sagen. Wir wechselten ein paar Worte auf der Treppe. Insgesamt machte sie einen positiven Eindruck.

Ich bat sie dann, noch einige Minuten bei der Sitzgruppe beim Vorzimmer zu warten, da ich gerade noch einen weiteren Gast hätte, den ich noch verabschieden müsse.
Mit Philipp war ich dann gleich fertig. Wir hatten nur noch unsere weitere Terminplanung abgestimmt. Da ich ihm noch versprochen hatte, ihm etwas auszudrucken, musste er dann noch ein paar Minuten warten, in denen ich bereits die Bewerberin von draußen hereinbat.
Es war ein Ausdruck der Höflichkeit, dass ich sie einander vorstellte. Und da erschien mir die Bewerberin plötzlich ganz verändert. Sie wirkte plötzlich ängstlich, ihr Selbstbewusstsein dahin. Sie brachte kaum noch ein Wort heraus (mit den Vorzimmerdamen dagegen hatte sie sich kurz ganz gut unterhalten, wie ich später von diesen erfuhr). Wenn ein netter, denkbar harmloser Mann wie Philipp, der nun wirklich überhaupt nicht bedrohlich wirkt, es schon schafft, sie allein durch seine Gegenwart dermaßen einzuschüchtern, wie will sie später im Geschäftsleben bestehen, und mit Kunden verhandeln? Da kann sie wirklich froh sein, dass Carsten ihr nicht zufällig über den Weg gelaufen ist.
Ihr Vater hatte mir bei unserem Gespräch schon so etwas über ihr Verhalten angedeutet, aber ich realisiere das erst jetzt im Nachhinein. Immerhin ist mir nun klar, warum sie Single ist.

Ausgerechnet jetzt war das Papierfach des Druckers leer, so dass ich erst wieder neues Papier besorgen musste, währenddessen die beiden allein in meinem Büro waren. Als ich zurückkam, schwiegen sie einander an.
Ich versuchte, zu retten, was zu retten war, und fragte die Bewerberin nach Einzelheiten über ihre Masterarbeit, sprich den mathematischen Teil. Zaghaft und leise nannte sie mir einen Begriff, der mir überhaupt nichts sagte. Fragend wandte ich mich an Philipp. Dieser enttäuschte mich nicht, und erläuterte mit wenigen Worten, worum es dabei ging.
Die Bewerberin bestätigte zwar seine Worte, aber es war ihr anzusehen, wie unbehaglich sie sich dabei fühlte.

Ich beschloss, die Sache abzukürzen, erklärte ihr (nachdem ich ein paar formale Angelegenheiten mit ihr geklärt hatte), dass ich mich gefreut hatte, sie kennenzulernen, aber sie nun als nächstes rüber zu Standort 1a müsse, um den Kaufmännischen Leiter zu treffen. Philipp würde ihr sicher gerne den Weg dorthin zeigen.
Die beiden gingen dann zwar zusammen weg, aber offensichtlich alleine aus Höflichkeit.

Der Kaufmännische Leiter teilte mir später mit, dass sie demnächst bis Mitte 2019 für uns arbeiten werde, obwohl sie auch auf ihn einen sehr unsicheren und verhuschten Eindruck gemacht hatte.
Ihre Einstellung betrifft mich nicht. In Standort 1a werde ich sie nur selten zu Gesicht kriegen.

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Gelinkigkeit //1991

Derzeit hört man in den Medien ja wieder mal so viel von „Gerechtigkeit“. Das nehme ich zum Anlass, das Thema aufzugreifen.
Vorweg – ich glaube nicht an „Gerechtigkeit“. Zumindest nicht in dem Sinne, dass man Regelungen finden kann, die für alle Betroffenen gleichermaßen fair sind, bzw. von diesen als gerecht empfunden werden.
Ich komme noch mal auf das Weinberggleichnis zurück, über das ich bereits vor ein paar Jahren gebloggt hatte.

Man stelle sich vor: Du arbeitest seit dem frühen Morgen hart, strengst dich an, kommst ins Schwitzen, bemühst dich, erhältst schließlich am Abend deinen vereinbarten Lohn, und musst feststellen, dass andere, die gerade mal ein oder zwei Stunden vor sich hingewerkelt haben, genau das gleiche Geld bekommen. Fühlst du dich da nicht irgendwie verarsc?t und gelinkt? Würdest du das nächste Mal noch genauso engagiert für den Weinbergbesitzer arbeiten wollen?
Klar – der Weinbergbesitzer darf mit seinem Geld machen, was er will, und er hat sich ja dir gegenüber an die Abmachung gehalten. Trotzdem wirst du sein Vorgehen als schofelig empfinden, wenn er die Nachzügler so unangemessen großzügig entlohnt, während die produktiven Arbeiter lediglich den Mindestbetrag kriegen. Es hat nichts mit Neid oder Missgunst zu tun, den Arbeitern der letzten Stunde den gleichen Stundenlohn zuzugestehen, aber nicht den gleichen Gesamtlohn.
Das Weinberggleichnis beschreibt sehr treffend das christliche Gerechtigkeitsempfinden, mit dem ich schon als Kind nichts anfangen konnte, und den Weinbergbesitzer als zutiefst unsympathisch und ungerecht empfand, weil er die Leistungen der tüchtigsten Arbeiter vollkommen ignorierte. Er hätte sich in erster Linie um seine treuen, loyalen Arbeiter kümmern sollen. Erst wenn dann noch weiterer Bedarf besteht, hätte er noch weitere Arbeiter einstellen sollen, aber keinesfalls zu besseren Konditionen.

Ich schlage jetzt einen weiten Bogen zur heutigen Politik.
Da fällt es mir in den letzten Jahren auf, dass einerseits brave Bürger zunehmend gemolken werden. Sie dürfen Sozialabgaben und Steuern zahlen (wogegen grundsätzlich nichts einzuwenden ist – das Geld wird für wichtige allgemein nützliche Vorhaben wie Infrastruktur, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Verkehrsverbindungen, etc. benötigt), erhalten aber kaum etwas zurück, weil das Geld vorwiegend ausgegeben wird für andere Zwecke, die nie etwas zum allgemeinen Wohlstand beigetragen haben. Sollten die Verantwortlichen nicht erst einmal vorrangig ihre Verpflichtungen gegenüber der eigenen Bevölkerung erfüllen, bevor eventuelle Überschüsse anderweitig ausgegeben werden?

Ein anderes Beispiel: Es waren einmal zwei Geschwister. Die Mutter trug dem etwas älteren eine Aufgabe auf, und versprach ihm eine Belohnung, wenn es die Aufgabe ordentlich erledigen würde. Das Kind machte sich daran, musste sich dafür anstrengen, aber erfüllte schließlich die Erwartungen der Mutter und führte die Aufgabe erfolgreich aus. Daraufhin bekam es die versprochene Belohnung. Als das jüngere Kind das bemerkte, fing es an zu weinen, und schrie, es sei ungerecht, dass es nicht ebenfalls die gleiche Belohnung bekommen würde. Die Mutter meinte, schließlich könne es nichts dazu, dass die Aufgabe nur für ein Kind gereicht hätte, gab nach und schenkte ihm das gleiche. Ist das fair? Verdient hätte das Kind die Belohnung nicht. Und je nach dem, wei sehr sich das ältere Kind vielleicht hatte abmühen müssen, wird es sich vielleicht benachteiligt fühlen, und der Mutter oder dem jüngeren Kind grollen. M.E. wäre eine Trostgabe in Ordnung, aber keine gleichwertige Belohnung. Eventuell die Zusage, dass das jüngste Kind das nächste Mal mit einer Aufgabe dran sei, und dann die Belohnung bekommen würde.

„Gerecht“ bedeutet, dass bei gleichen Eingangswerten auch gleiche Ausgangswerte folgen. Wenn sich das gleiche Ergebnis aus unterschiedlichen Eingangsbedingungen ergibt, ist irgendetwas faul, und es ist ebenso ungerecht, wie wenn gleiche Anfangszustände unterschiedlich behandelt werden. Ursache und Wirkung dürfen nicht entkoppelt werden. Wer mehr tut, muss auch mehr kriegen, und nicht alle gleichgebügelt dasselbe.

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Unpraktikabel //1990

Sabine, meine Schwester, hatte ich erst letzte Woche bei einer Trauerfeier getroffen.
Jetzt rief sie mich aus völlig anderem Anlass an, worüber ich hier aber nicht schreiben will.

Wir unterhielten uns noch ein wenig weiter, als sie erwähnte, dass ihr Sohn Robin demnächst von der Schule aus eine Woche Schülerpraktikum machen müsse, er aber noch keinen Platz gefunden hätte. Entweder nähmen die Unternehmen, die sie gefragt hätte, überhaupt keine Praktikanten, oder die wenigen Plätze seien schon besetzt. Sie wisse inzwischen nicht mehr, wo sie noch nachfragen könne, hätte auch schon überall im Bekanntenkreis herumgefragt. Es gäbe viel zu wenig Plätze – welche, die Robin interessieren würden, schon gleich gar nicht.

Das deckt sich mit meinen Informationen. Insbesondere auf dem Lande ist es schwierig für Jugendliche, passende Praktikumsplätze zu finden. Sie müssen nehmen was sie kriegen, ohne dass persönliche Interessen berücksichtigt werden können. Soll mir ja niemehr jemand zu argumentieren versuchen, dass der [Girl|Boy]’s Day ja nicht für andersgeschlechtliche Schüler geöffnet werden braucht, weil die Schüler noch an Praktika teilnehmen können!

Sabine erzählte weiter, dass die Schule – bis auf eine Liste einiger Betriebe, die angeblich ein paar Praktikanten nehmen – da überhaupt keine Unterstützung biete. Tja, Haftplicht- und Unfallversicherung liefen über die Schule, aber das nütze ihr jetzt auch nichts. Sie sei inzwischen mit ihrem Latein am Ende, auch Thorsten oder sonstige Bekannte könnten nicht weiterhelfen.
Ich schlug ihr vor, dass, wenn sie nicht doch noch einen besseren Platz für Robin finden würde, er notfalls in Standort 3 sein Praktikum absolvieren könne. Sie müsse mir nur Bescheid geben, dann würde ich das in die Wege leiten und arrangieren.
Sabine bedankte sich zwar für das Angebot, meinte jedoch, dass Robin dafür erstens keine Fahrkarte hat, und zweitens mit öffentlichen Verkehrsmitteln eh nicht dorthin kommt. Sie müsse ihn dann jedesmal früh hinfahren und nach Feierabend wieder abholen. Das könne sie leider nicht machen, müsse sich ja auch noch um ihre anderen Kinder kümmern, die früh rechtzeitig fertig gemacht werden müssen, und nachmittags bei den Hausaufgaben beaufsichtigt.

Eigentlich wollte ich Sabine noch fragen, was sie von einer Betriebsbesichtigung des hiesigen Standorts mit unseren Eltern hält, hab’s aber dann vergessen. Das muss ich ein andermal angehen.

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Rechnen nach Zahlen //1989

Auch Softwareentwickler müssen hin und wieder kleine Rechnungen durchführen. Es ergab sich eine Aufgabenstellung, die mit der Geometrie unserer Geräte zu tun hat. Konkreter braucht ihr das nicht zu wissen.
Ich machte gerade meine übliche Runde bei meinen Mannen, um mich nach dem Status ihrer Arbeit und ihren Fortschritten zu erkundigen (auch wenn ich die Details meistens untergeordneten Projektleitern überlasse).
So kam ich also auch bei dem Mitarbeiter vorbei, der gerade mit o.g. Berechnung beschäftigt war, aber noch kein schlüssiges Endergebnis aufzuweisen hatte.
Also ließ ich mir seine Berechnungen zeigen.

Da glaubt man, schon vieles gesehen zu haben. Ich selbst schreibe kleinere Rechnungen gerne auf gebrauchte Briefumschläge. Als in meiner Jugend Schmierpapier knapp war, benutzte ich beim Altpapier die Zeitungsränder, um außenrum meine Rechnerei hinzuschreiben. Da wird der Rechengang schon mal unübersichtlich, weil man nicht kompakt und bündig untereinanderschreiben kann.
Der Mitarbeiter hatte die Rückseite alter, nicht mehr benötigter Ausdrucke benutzt. Soweit kein Problem und völlig in Ordnung.

Was mich so entsetzte, war, dass er die Rechnung ausschließlich mit Zahlenwerten durchführte. Da standen ellenlange Ziffernfolgen hintereinander, getrennt von Operatoren und Bruchstrichen. Wo möglich, hatte er zusammengefasst, auch mal Wurzeln gezogen oder Winkelfunktionen ausgewertet, was die Ziffernfolgen nur noch länger und unübersichtlicher machte. Auf diese Weise hatte er bereits fast zwei Seiten vollgeschrieben.
„Wieso nutzen Sie keine Formelzeichen?“, fragte ich ihn perplex. So ist das mit der Digitalisierung nicht zu verstehen.
„Das mache ich immer so“, antwortete er. Er ist sonst ein geschickter Programmierer, aber kein Akademiker.
„So kann man nicht rechnen“, erklärte ich, „das ist viel mehr Schreibaufwand, als nötig. Die Rechnung erscheint unnötig lang und kompliziert, wird völlig unübersichtlich. Die Fehleranfälligkeit ist wesentlich größer. Wie leicht passiert Ihnen ein Zahlendreher, oder Sie geben ein Zwischenergebnis falsch in den Taschenrechner ein, beziehungsweise lesen falsch ab. Und ungenau ist es auch, weil sich Rundungsfehler ungehemmt fortpflanzen können. Sie kennen das Konzept der Variablen doch vom Programmieren. Das hier ist nichts anderes. Die Eingangswerte setzt man erst ganz zum Schluss in die Formel ein, um das Endergebnis zu erhalten. Und wenn man das nächste Mal andere Eingangsparameter hat, lässt sich die Rechnung einfach wiederverwenden, ohne dass man die gesamte Rechnung noch mal mit anderen Zahlen extra durchrechnen muss.“

OK – beim Programmieren kommt es – je nach Problemstellung – durchaus vor, dass man Zwischenergebnisse ausdrücklich ausrechnet, um sie dann weiterzuverarbeiten, anstatt nur einen einzigen großen Ausdruck auszuwerten.
Aber hier war das Problem nicht so kompliziert, um erst Zwischenergebnisse berechnen zu müssen.
Also machte ich dann gemeinsam mit dem Mitarbeiter den Ansatz, ließ ihn dann die Aufgabe selbständig durchrechnen, und kontrollierte später noch sein Ergebnis.

Bei mir wären das drei oder vier Zeilen gewesen, weil ich – faul wie ich bin – einige Schritte nur im Kopf mache, statt sie extra hinzuschreiben (das hat mich übrigens mal Punktabzug bei einer Schulaufgabe gekostet, bei der wir Nebenrechnungen auf einen zusätzlichen Zettel schreiben sollten, der aber bei mir fast leer blieb, weil ich die paar Rechnungen lieber im Kopf gemacht hatte).
Bei meinem Mitarbeiter war die Ausführung etwa eine halbe Seite lang.
Wenn er darauf gekommen wäre, dass Sinus Quadrat plus Kosinus Quadrat desselben Arguments gleich 1 ist, wäre seine Rechnung makellos gewesen. So wies ich ihn noch darauf hin, dass man das Ergebnis auf diese Weise noch vereinfachen kann, lobte ansonsten seinen Rechenweg und ermunterte ihn, beim nächsten Mal gleich mit Buchstaben statt Zahlen vorzugehen.

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Die Hausaufgabe //1988

Vor einiger Zeit ist mir beim Rumstöbern mein altes Religionsbuch aus der 2. oder 3. Klasse wieder in die Hände gefallen. Besonders bemerkenswert ist eine Hausaufgabe, die ich hier mit euch teilen möchte. Auf dass ihr euch mal wieder auf meine Kosten amüsieren dürft.

Auf einer Doppelseite waren zuerst vier Geschichten abgedruckt, wie Familien einen Sonntag verbringen. Die erste Aufgabe war es, dafür jeweils eine Überschrift zu finden.
Die eigentliche Aufgabe jedoch bestand darin, einen eigenen Sonntag zu beschreiben.
Bei uns in der Familie begann der Sonntag immer mit Kirchgang und gemeinsamem Mittagessen. Bei schönem Wetter machten wir meist einen Ausflug in die Gegend, gingen spazieren und kehrten schließlich in einem Café ein. So schätze ich meine Sonntage immer noch. Bei schlechtem Wetter blieben wir daheim, spielten Karten, andere Gesellschaftsspiele oder schauten Fernsehen.

Ausgerechnet der Sonntag, bevor diese Hausaufgabe gestellt wurde, war untypisch, und diesen beschrieb ich in meinem ersten Entwurf:
„Der gomische Sonntag“ [Überschrift nachträglich korrigiert zu „komische“, war im Sinne von außergewöhnlich, unüblich, merkwürdig gemeint]
„Um 1 fuhren wir“ [Beschreibung setzt nachmittags ein, da Vormittag eh immer gleich] „nach $Dorf.Name. Wir gingen“ [Hier muss ich einen halben Satz zensieren. Für euch wäre der langweilig, aber es ist etwas, das ich aus dem Blog heraushalten möchte.] „Dann furen wir zur Tante, dann furen wir wieder Heim und der Sonntag war aus.“ [In „furen“ nachträglich jeweils ein h eingesetzt, „Heim“ nachträglich klein geschrieben]

Soweit mein damaliger Entwurf. Aus meiner Sicht traf es das Erlebte richtig, und mehr gab es gar nicht dazu zu sagen, da ich nur Abweichungen zu einem normalen Sonntag hatte beschreiben wollen.
Meine Mutter war jedoch entsetzt. Sie meinte, dass der Pfarrer, der auch als unser Religionslehrer fungierte, doch erwarten würde, dass man einen Sonntagsgottesdienst mitbeschreiben würde. So musste ich unter ihrer Regie die Geschichte noch einmal verfassen:

„Der schöne Sonntag
Um 7 Uhr werde ich geweckt.“ [Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals geweckt wurde. Ich wurde entweder von selbst wach, oder benutzte später einen Wecker. Aber OK – das könnte an meinem Erinnerungsvermögen liegen.] „Dann ziehe ich mich an. Wir frühstücken gemeinsam.“ [Auch an Sonntagen gab es kein gemeinsames Frühstück. Unter der Woche musste jeder zu einer anderen Zeit aus dem Haus, so dass wir auch am Wochenende oder sonstigen freien Tagen dies nicht so pflegten.] „Mit meinen Eltern gehe ich zum Gottesdienst.“ [Das widerspricht schon mal der Überschrift, war für mich damals aber noch so normal, dass ich mir nichts dabei dachte. Warum Sabine nicht erwähnt wurde, weiß ich im Rückblick nicht mehr. Und auch das Kochen des Mittagessens, bei dem ich mithelfen musste, wird nicht erwähnt.] „Nach dem Mittagessen wandern wir in $Ortsangabe. Zwischendurch machen wir Rast und trinken Tee“ [Mir völlig unverständlich, wieso ich so etwas schreiben musste. Wir hätten niemals Tee mitgenommen.] „und essen belegte Brote.“ [Das hört sich eher nach Schulwandertag an. Mit meiner Familie habe ich so etwas nie erlebt. Wie gesagt – wir gingen öfters in ein Café. Kaffee habe ich damals zwar noch nicht getrunken, aber vermutlich eine Limonade. Dazu gab es entweder Torte oder einen Eisbecher. Auch meine Eltern haben niemals Tee in einem Café getrunken.] „Zum Abendessen sind wir zu Hause.“ [Abends war dann meist noch der Fernseher an.] „Dann gehe ich ins Bett.“

Bemerkenswert ist noch, dass diese zweite Geschichte keinerlei Rechtschreibfehler (lediglich eine auffällig lange Verbindungslinie zwischen „Zwischen“ und „durch“) enthält, und mit (für meine Verhältnisse) erstaunlich akurater Schreibschrift geschrieben wurde. Offensichtlich hatte ich mich dabei um eine ansprechende Form bemühen müssen, während ich den ersten Text halt so quick’n’dirty runtergeschrieben hatte. Zudem schrieb ich den zweiten Entwurf nur mit Bleistift, so dass man ihn notfalls relativ einfach wieder hätte entfernen können.

Man kann diese zweite Version wohl als eine frühe Variante von Fakenews sehen, bei der die Realität so dargestellt wurde, wie es taktisch erwünscht war. Niemandem wurde durch die Falschdarstellung geschadet, aber sie bildet halt nicht den tatsächlichen Ablauf ab.
Immerhin hätte es ja so sein können.

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Im Märzen der Twitterer //1987

Genießt einfach noch mal meine Tweets vom 13. bis 26. März.

Verleser des Tages: Eisbecher statt Eisbrecher statt Einbrecher
Irgendwie heute gar keine Lust auf Geschäftsessen.
Verhörer des Tages: „Fühl mal“ statt Fielmann
Die Statue //1816 Achtzehnhundertsechzehn
Verleser des Tages: Zauberstab statt Zeitraub
Wenn Sex Machtgefälle, Hierarchie und Unterdrückung bedeutet, mach‘ ich’s wohl irgendwie falsch.
Heute ist #MariäVerkündigung – also noch exakt neun Monate bis Weihnachten.
Verschreiber des Tages: Aloha statt Alpha
Verweißt auf Twitter #ffffff //1815 Achtzehnhundertfünfzehn
Habe mich diese Woche wohl übernommen. Fühle mich ausgelaugt und kraftlos. Dazu noch leicht erkältet. Und dann noch Uhrzeit umstellen.
Verleser des Tages: Haselnussschnecken statt Hefeschnecken
Angeblich ist der Whirlpool wieder betriebsbereit. Es würde mir heute Abend gut tun, wieder mal darin zu relaxen.
Verschreiber des Tages: Gleichgesinde statt Gleichgesinnte
Sahniger Genuss //1814 Achtzehnhundertvierzehn
Verhörer des Tages: Esswaren statt „es waren“
Hatschiiiiih! Erkältung im Anzug? #anzügliches
Verleser des Tages: Merkeling statt Marketing
Abendessen zu dritt //1813 Achtzehnhundertdreizehn
Verhörer des Tages: Arcaden statt Akazien
Verleser des Tages: Verhütung statt Verhüllung
Frühlingsgefühle sind vorhanden. Frühlingswetter noch nicht.
Verschobenes Update //1812 Achtzehnhundertzwölf
Verschreiber des Tages: false statt falls
Verleser des Tages: Haustiere statt Hausierer
breakplaining: Orthogonale Koordinatensysteme //1811 Achtzehnhundertelf
Verleser des Tages: Lesezeichen statt Lebenszeichen
Verhörer des Tages: Bergkerwa statt Baklava
Über #Trump oder #Putin lässt sich ja nicht nur Gutes sagen, aber die setzen sich wenigstens vorrangig für die eigene Bevölkerung ein.
Nicht-statische Statistik //1810 Achtzehnhundertzehn
Verschreiber des Tages: Anhang statt Anfang
„Der Kundin bekundinte im Kundinngespräch Interesse an der Sachkundin.“
Meine VMs wollen nicht mehr Computer genannt werden, sondern Computerinnen. Dann sind wohl die Server jetzt die Computeraußen.
Verleser des Tages: Einmischen statt Einheimischen
breakpoint’s Wayback Archive #25 //1809 Achtzehnhundertneun
Was man über bayr. MiniPräsidenten wissen sollte: Fängt mit „S“ an, endet auf „er“, und seine Frau heißt Karin.
Verhörer des Tages: Q statt Kuh
Verleser des Tages: traumatisiert statt thematisiert
At School //1808 Achtzehnhundertacht
Versprecher des Tages: Bildungsgrüße statt Bildungskrise
Verleser des Tages: Besteller statt Bestseller
Einen Außenminister mit so wenig Charisma wie @HeikoMaas hatten wir noch nie.
Kuschelraub //1807 Achtzehnhundertsieben
„so wahr mir Gott helfe“ – also ist ein #Amtseid gar nichts wert.
Verschreiber des Tages: freien statt frieren
Kaffeepause. Bedeutet heute Pause vom Kaffee.
Wie alt ist eigentlich Horst #Seehofer’s Berliner Kind inzwischen?
Verleser des Tages: Pfeffersteuer statt Pfefferstreuer
„So transzendent“ – Ode an pi zum #PiTag //1806 Achtzehnhundertsechs
So ein Tag, an dem der Kaffeekonsum in rekordverdächtige Höhen steigt.
Verschreiber des Tages: blond statt blind
Sieg der Vernunft! Ich bleibe #Kunde bei der @sparkasse. #BGH #Sparkassen #Maskulinum
Verleser des Tages: Fehlentscheidung statt Fallunterscheidung
Umdispositionen //1805 Achtzehnhundertfünf

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Die Strickjacke //1986

Wenn Carsten und ich unter der Woche beide abends daheim sind, und nicht noch arbeiten müssen (kommt im Schnitt höchstens zweimal pro Woche vor), verbringen wir einen Teil der Zeit gerne mit Fernsehen und naschen oder knabbern etwas dabei.

Ich saß bereits auf dem Sofa, als Carsten sich neben mich setzte. Er legte seinen Arm um mich, und bemerkte: „Was hast du denn da für eine Jacke an? Die kenne ich ja noch gar nicht.“
Ich hatte mir bereits im September eine neue Strickjacke bestellt, weil meine alte, die noch von meiner Oma gestrickt worden war, an den Ellbogen inzwischen irreparabel (kleinere Löcher versuche ich ja noch, wieder hinzukriegen, aber irgendwann ist halt Schluss) kaputt ist. Irgendetwas muss ich in der kalten Jahreszeit überziehen, um nicht andauernd zu frieren.
„Diese Jacke habe ich schon die ganze Woche lang abends an, und habe sie auch vorher schon ein paar Mal getragen“, stellte ich klar.

Eigentlich war mir gar nicht nach Shittest zumute, aber wenn er mir schon diese Vorlage liefert, griff ich sie auf: „Du achtest wohl überhaupt nicht darauf, was ich anhabe und wie ich aussehe?“
„Äh, doch. Ich merke immer, wenn du so einen kurzen, engen Rock trägst.“
„Dafür musst du ein halbes Jahr warten, bis es wieder wärmer wird.“

Er zog mein neben ihm befindliches Bein über seine Beine, und begann, es zu streicheln. Dann zog er mich enger an sich, und küsste mich ausgiebig.
Das spricht nicht gerade für das aktuelle Fernsehprogramm.
Und ansonsten habe ich diesmal keine Break-Pointe für euch.

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Divergenz //1985

Mehr und mehr laufen mein Blog und mein Leben auseinander.
Ich habe ja von Anfang an in meinen Blogtexten einige Modifikationen vorgenommen, um nicht so einfach in meiner realen Existenz identifiziert werden zu können. Das funktionierte nicht immer, ohne dass irgendwann Inkonsistenzen auftraten. In gewissem Ausmaß ist das noch akzeptabel.
Aber inzwischen gibt es einige Bereiche in meinem Leben, über die ich nie gebloggt habe. Veröffentlichung würde mein Inkognito zu stark gefährden. Bei einigen Themen reicht es, wenn ich sie erst nach einigen Wochen oder Monaten publik mache, um mich sicher zu fühlen.
Aber es gibt auch ein paar Punkte, die sind für das Blog tabu. Es sei denn, ich würde sie so stark verändern, dass sie kaum noch etwas mit ihrem Kern gemein haben. Weitere Inkonsistenzen früher oder später wären die Folge.
Ich lasse es also besser bleiben, mit der Konsequenz, dass mein Blog mein Leben immer schlechter abbildet. Ursprünglich wollte ich ja mal hier mein Leben dokumentieren.
Somit stellt sich die Frage, ob es sich für mich überhaupt noch lohnt, das Blog weiterzuführen, wenn die Abweichungen zum realen Leben allmählich unüberbrückbar werden.

Das Blog war für mich zeitweise sehr wichtig. Ihr habt es ja sicherlich mitgekriegt, dass es mir oft sehr schwer fällt, mich – abseits fachlicher Nerdgespräche – mit anderen Menschen zu unterhalten. Durch das Blog konnte ich in dieser Hinsicht viel dazu lernen, und meine sozialen Defizite etwas ausgleichen. Auch wenn – oder gerade weil – es eine andere Situation als das Reallife darstellt, unterstützte es mich dabei, Praxis zu erwerben und Konversationen einzuüben.

Als ich mit dem Blog anfing, war es zumindest teilweise ein Schlampenblog. Umso wichtiger war es für mich, nicht mit meinem Realnamen damit in Verbindung gebracht zu werden.
Die Zeit verging. Meine Schlampenzeiten sind längst passé. Dafür habe ich einige andere Themen gefunden, die vorher noch nicht absehbar waren.
Gerne würde ich mich für eines dieser Interessen auch im echten Leben engagieren, aber meine Annenühmität ist mit dem Blog gekoppelt. Sobald ich dies täte, würde ich auffliegen.
Mittlerweile bin ich eine angesehene Geschäftsfrau, und auch darüber hinaus viel zu öffentlich exponiert, um mir das erlauben zu können.

Das Blog hält mich mittlerweile von vielem ab, was ich in realiter gerne tun würde.

Im Rückblick tut es mir um viele Informationen leid, die ich hier ausgeplaudert habe. Aber – hey! – wenigstens wisst ihr nicht, was stimmt, und was nur meiner Fantasie entsprang. Hier ist ja bekanntlich ausnahmslos alles frei erfunden. Schließlich bin ich nur ein Bot und das Blog ist ein Seifenoper-Experiment zur Künstlichen Intelligenz.

Umgekehrt würde ich manches gerne hier niederschreiben. Aber die Vorsicht gebietet mir, es zu unterlassen. Leider habe ich doch schon das eine oder andere offenbart, was ich besser für mich behalten hätte. Ich bin mittlerweile in einer öffentlich sichtbareren Stelle, als ich es früher absehen konnte. Jede unbedachte Information schwächt meine Annenühmität.

Ja, das alles hört sich recht wirr an, spiegelt aber nur mein Dilemma wider.

Wäre es eine Möglichkeit, die Blogs zu löschen, zwei bis drei Jahre abzuwarten, bis Anne Nühm in Vergessenheit geraten ist, um dann neu durchzustarten? Ich überlege.
Ihr braucht keine Bedenken zu haben, dass ich einen Schnellschuss mache und meine Blogs von heute auf morgen verschwinden. Aber ihr solltet euch darauf einstellen, dass dieses Blog voraussichtlich über die Hälfte seiner Lebensdauer bereits hinter sich hat.

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Nettworking //1984

Tatsächlich schickte mir die Tochter eines mir bekannten Geschäftsführers ihre Bewerbungsunterlagen. Ich kann dazu gar nichts sagen. Meinetwegen darf sie gerne befristet bei unseren Kaufleuten mitarbeiten. Das soll unser kaufmännischer Leiter entscheiden.
Die Firma ihres Vaters ist keine direkte Konkurrenz, und wenn wir ihm diesen Gefallen tun können, so ist er uns erst einmal verpflichtet, sich gelegentlich zu revanchieren.

Trotzdem werde ich sie erst einmal in mein Büro zu einem Vorstellungsgespräch bestellen. Ich werde das so timen, dass ich unmittelbar vorher ein Treffen mit Philipp habe. Während ich ihn noch verabschiede, mache ich die beiden miteinander bekannt, und erwähne dabei, dass sie in ihrer Masterarbeit auch einen mathematischen Part (wie mir ihr Vater erzählt hatte) hat. Dann fällt es mir ein, dass sie ja zu Standort 1a muss, weil dort die Kaufleute arbeiten. Ganz zufällig liegt das (ungefähr) auf Philipp’s Weg, so dass ich ihn bitten werde, sie doch dorthin zu begleiten, um ihr den Weg zu zeigen.

Ihr Alter passt, sie ist Mathematik-affin, laut ihrem Vater Single, und nach dem Bewerbungsfoto sieht sie einigermaßen gut aus. Ich weiß, dass es keine Garantie gibt, dass meine Kuppelei funktioniert – die Erfolgsaussichten sind wohl sogar recht gering, aber einen Versuch ist es wert.

Und falls mir die Dame aus irgendwelchen Gründen unsympathisch sein sollte, kann ich das ganze immer noch abbrechen. Dann schicke ich sie eventuell alleine zu den Kaufleuten, oder gleich wieder ganz heim.

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Erde zu Erde //1983

Ein Bruder meiner Mutter ist gestorben. Da wir früher hin und wieder bei ihm zu Besuch auf dem Dorfe waren, erschien es mir geboten, am Nachmittag zur Trauerfeier in die alte Heimat anzureisen. Wirklich gut habe ich ihn nicht gekannt, aber immerhin war er mein Onkel. Sein Tod kam nicht überraschend. Er war schon länger krank gewesen.

Ich fragte Carsten, ob ich das Auto nehmen könne, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln muss ich mehrfach umsteigen, und wäre viel länger unterwegs – insbesondere beim Rückweg.
„Geht klar. Ich kann so disponieren, dass ich den Wagen an diesem Tag nicht unbedingt brauche. Soll ich mitkommen?“
„Du hast doch dringende Termine, die wichtiger sind.“
„Wenn du mich brauchst, dann hat das Priorität.“
„Ach, tatsächlich?“, fragte ich überrascht.
„Aber sicher doch, Anny.“
„Danke. Aber das ist nicht notwendig. Ich komme schon zurecht. Sabine geht auch alleine hin.“
„Wie du willst.“

Zur Trauerfeier in der Dorfkirche kam ich gerade pünktlich. Als ich meine Eltern und Sabine in den vorderen Reihen sitzen sah, setzte ich mich daneben. Ich trug einen schwarzen Rock und eine graue Bluse, die eigentlich nicht zusammenpassten, sowie meine dunkelbraune Winterjacke (fast zu warm), aber sonst bevorzuge ich farbenfrohere Kleidung. Der Friedhof grenzt gleich an die Kirche an, so dass keine längere Trauerprozession nötig war. Ich war nicht die einzige, die ein schwarzes Kopftuch aufgesetzt hatte.
Anschließend ging es dann zum Leichenschmaus mit Kaffee und belegten Broten oder trockenem Kuchen.

Meine Mutter nutzte die Gelegenheit, um Verwandte, die sie lange nicht gesehen hatte, auf den neuesten Stand zu bringen:
„Unner Mädlich, die sinn ja jetz ah alle zwee verheiert. Unner Sabine, die hat vier so liebe Kinner. [..] Der Dafidd, des issder enn ganz enn Wilder. Der gedd jedz ah scho nei die Schul nei. Und die Grisdina, die Klennst, die is so ä häddzichs Menschle [..] Der Sabine ihr Moo, der Dorsden, der macht ja alles für sie und die Kinner. Ah wenn bei uns ämol äbbes kabudd is, dann kümmter gleich und rebariert’s. Erst noilich, do hadder uns drei Ster Holz ghaggt. Mir selber sinnjo ald und könne hald ah nimmer so richdich. Des Holz, des is ja so doier worn. Obber bloß mit Kohle ällens kommer hald ah nedd geheiz. [..] Unner Anne, naja, die wohnt jetz in $NichtImSauerland. Ihr Moo is halt so viel älter als sie, und mit Kinner hat’s halt nimmer geklabbt. Die Anne is ja jetz ah scho vierzich. Ich wess gor nedd, wos der ihr Moo so richdich ärbedd, obber die Anne, die verdient ja selber gud. Die wor ja scho immer so gscheid. Die is jetz sogar ä Doggderre. Der ihr Moo wor enn Widdmoo mit zwee grosse Kinner. Unner Anne hädd sicher enn bessere gefinn geköh – so ä schüe Weißbill – obber die wor halt scho immer so eiche. Die hadd ah fürone nie enn Froind ghobbd. Jedz musse hald selber geseh, wie se zurecht gekümmt mir ihrm Moo. Ich konnerre do nedd gehölf.“
Sabine saß genauso mit verdrehten Augen dabei wie ich, während unser Vater die Tirade nickend bestätigte.
Dann drehte das Gesprächsthema zum Augenarzt der Kreisstadt, der sich demnächst zur Ruhe setzen wollte. Und ich erhielt den Vorschlag von Verwandten, mich dann an seiner Stelle niederzulassen, damit ich wieder daheim sein könne.
So sehr bin ich schon lange nicht mehr gedemütigt und beleidigt worden! Mich mit einem Arzt zu vergleichen! Ich zählte in Gedanken bis zur digitalen Vier, lächelte und sagte lediglich, das sei nicht möglich. Eine längere Erklärung wäre auf den denkbar unfruchtbarsten Boden gefallen.

Wenig später traf der Pfarrer, der den Trauergottesdienst gehalten hatte, ein. Die Trauernden waren sich einig, dass er in seiner Ansprache so schöne Worte über den Verstorbenen gefunden hatte.
Als er sich ausgerechnet neben meine Mutter setzte, ließ diese es sich nicht nehmen, ihre Darstellung noch einmal fast wortwörtlich (aber hörbar bemüht um größere Konformität mit der Schriftsprache) zu wiederholen, was ich im folgenden als Übersetzung (Deutsch ist nun mal nicht meine Muttersprache) wiedergebe:
„Unsere Töchter sind jetzt beide verheiratet. Sabine hat vier liebe Kinder. [..] David ist ein ganz Wilder. Er geht jetzt auch in die Schule. Und Kristina, die Kleinste, ist so ein herziges Menschlein. [..] Sabine’s Mann Thorsten macht alles für sie und die Kinder. Auch wenn bei uns irgendetwas kaputt ist, kommt er gleich und repariert es. Erst neulich hat er uns drei Ster Holz gehackt. Wir selbst sind ja alt und können halt auch nicht mehr so richtig. Holz ist ja so teuer geworden, aber nur mit Kohle allein kann man halt auch nicht heizen. [..] Anne wohnt jetzt in $NichtImSauerland. Ihr Mann ist viel älter als sie, und mit Kindern hat es nicht mehr geklappt. Anne ist ja jetzt auch schon vierzig. Ich weiß nicht, was genau ihr Mann arbeitet, aber Anne verdient ja selbst gut. Sie war ja immer schon so gescheit. Sie ist jetzt sogar eine Doktorin. Ihr Mann war ein Witwer mit zwei großen Kindern. Anne hätte sicher einen besseren finden können – so eine schöne Frau – aber sie war halt schon immer so eigenwillig|eigenbrötlerisch|eigenartig|nerdig. Sie hat auch vorher nie einen Freund gehabt. Jetzt muss sie halt selbst sehen, wie sie mit ihrem Mann zurechtkommt. Ich kann ihr dabei nicht helfen.“
Der Pfarrer erwiderte salbungsvoll etwas, dass „unser aller Herr in seiner unendlichen Weisheit und Güte“ .. blablabla.
Unvermittelt brach meine Mutter dann plötzlich in Tränen aus, weil ihr Bruder ja so „enn guder Käll“ gewesen war.
Der Pfarrer beruhigte sie, dass sie ihn ja „im ewigen Paradiese“ wiedersehen würde.
Die Umsitzenden nickten, und einer stellte die Frage in den Kreis, wer wohl von den Anwesenden der nächste sein würde, der seine „letzte Reise antritt“.

Als ich mich auf dem Heimweg machte, war es noch hell. Ich hatte mit Carsten vereinbart, dass ich noch kurz in der Firma vorbeischaue, von wo aus wir dann beide zurück in die Wohnung fahren wollten.
Es tat mir so gut, dass er mich erst mal in den Arm nahm, mich fest an sich drückte und emphatisch küsste, bevor ich dazu kam, Grüße von meiner Verwandtschaft auszurichten.

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