Scientia volet undique //2632

Seit ich meine wissenschaftlichen Erkenntnisse veröffentlicht habe, habe ich dazu unerwartet viele Rückmeldungen aus aller Welt erhalten.
Offenbar hat mein mathematischer Formalismus wesentlich mehr potentielle Einsatzgebiete, als ich jemals hätte vermuten können. Da sind schon einige wirklich exotische Themen dabei. Die hätte ich unmöglich alle vorher im Visier haben können.
Um diese ganzen neuen Ansätze und Konzepte selbst durchzurechnen – so sehr es mich auch reizen würde – dafür fehlen mir einfach die zeitlichen Kapazitäten. Familie und Firma allein sind schon zwei Fulltimejobs, die mich auslasten. Dazu kommen mehrere andere Projekte, die ich zwar aussetzen oder ganz beenden könnte, dies mir aber dennoch nicht genügend freie Zeit verschaffen würden, mich selbst um die neuen Einsatzgebiete zu kümmern.
Es bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als die Berechnungen anderen Wissenschaftlern zu überlassen. Immerhin werde ich versuchen, mit ihnen Kontakt zu halten und ihre Fortschritte beobachten.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Vor 10 Jahren (1) //2631

Alle paar Monate wollte ich am dritten Wochenende im Monat auf die Zeit von vor zehn Jahren zurückblicken. Ich fürchte, das ist ziemlich dürftig und unergiebig. Vieles, was damals passiert ist, hat später keinerlei Relevanz mehr. Ich bemühe mich, nur die Ereignisse herauszugreifen, die einen größeren Impact und Auswirkungen auf die Zukunft hatten. Die ganzen kleineren Geschehnisse sind so bedeutungslos, dass ich sie überspringe. Aber selbstverständlich hat jeder die Option einfach im Blog mal die Zeit von etwa Mitte Juli bis Mitte Oktober 2011 nachzulesen. Wenn ich so in diesen alten Einträgen schmökere, fällt mir doch an einigen Stellen auf, dass ich mich seither sehr verändert habe. Manches würde ich inzwischen ganz anders handhaben und anders darauf reagieren.

Im Sommer vor zehn Jahren war ich mit Alex befreundet+.
Beim Erstbesuch bei einem potenziellen Kunden hätte mich der übellaunige Geschäftsführer fast rausgeschmissen. Es gelang mir jedoch nach einigem Hin und Her, ihn davon zu überzeugen, einen Beratervertrag mit mir abzuschließen.
Alex und ich planten, zusammen in Urlaub zu fahren. Vorher vermittelte er mir noch einen Auftrag für seine Firma.
Meine Schwester war mit ihren (damals 2) Kindern bei mir hereingeschneit und okkupierte die Wohnung ein paar Tage.
Der Urlaub mit Alex endete mit einem Zerwürfnis.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | 9 Kommentare

Kinderkrankheiten //2630

Während meiner Kindheit gab es noch nicht so viele Impfstoffe gegen Kinderkrankheiten. Lediglich die Schluckimpfung gegen Polio war gebräuchlich und etabliert. Die meisten anderen Kinderkrankheiten haben die Kinder früher noch durchmachen müssen.
Laut meiner Mutter habe ich „alle“ gehabt, nur Scharlach nicht. Bei Röteln ist sie sich nicht sicher.
An Mumps, Masern und Keuchhusten kann ich mich nicht erinnern.

Auch nicht daran, dass ich angeblich dreimal die Windpocken hatte. Dafür hatte ich dann in meiner Jugend Gürtelrose, was durch das gleiche Virus verursacht wird. Es heißt, dass Gürtelrose eine der schmerzhaftesten Krankheiten sei. Aber als so schlimm habe ich sie gar nicht in Erinnerung. Stattdessen fand ich es prima, dass ich deswegen ein ärztliches Attest hatte, dass mich mehrere Wochen lang vom Schulsport befreite. Echt – ich habe wahrhaft schlimmeres erlebt!
In meinen späten Kinder- und frühen Jugendjahren hatte ich ohnehin öfters einen Ausschlag, vor allem am Unterkörper, der zu geringfügig war, um deswegen zum Arzt zu rennen, aber trotzdem durch starken Juckreiz sehr nervte. Irgendwann, als ich in den Ferien gerade Zeit hatte, ging ich halt doch zum Arzt. Der meinte, dass es Windpocken seien. Meine Immunität gegen Windpocken ist halt nur gering. Das Virus lauert im Körper, bereit, jederzeit zuzuschlagen. Allerdings hatte ich jetzt seit vielen Jahren schon keine derartigen Probleme mehr.
Diese Windpocken (oder was auch immer sie sonst gewesen sein könnten) waren etliche Male Ausgangspunkt für einen Furunkel, einmal sogar einen Karbunkel – und der verursachte wirklich starke Schmerzen. Mehrere Tage lang konnte ich mich nicht hinsetzen, und fühlte mich auch schwach und fiebrig. Eine Woche lang konnte ich nicht in die Schule. Ich lag nur auf dem Bauch und bekam immer wieder einen neuen Verband mit (widerlicher) schwarzer Zugsalbe, bis die Eitergeschwüre aufgingen und sich entleerten. Es dauerte einige Zeit, bis die Furunkel abheilten. Von einigen sind kleine Närbchen zurückgeblieben. Später bekam ich in solchen Fällen auch grüne Salbe. Aber die schien bei weitem nicht so wirkungsvoll wie die schwarze.
Auch gewisse Tabletten bekam ich verschrieben. Wenn ich die rechtzeitig vor Ausbruch der „Fugge“ (ich kann nichts dafür, so nannten wir damals daheim solche Pusteln, Bläschen oder Quaddeln), also bei den allerersten Anzeichen, einnahm, war der Verlauf nur mild. Allerdings bemerkte ich im Laufe der Zeit jedesmal schlimmere Nebenwirkungen, wenn ich eine solche Tablette eingenommen hatte. Entweder es schlug mir auf den Magen oder massiv auf meinen Kreislauf. Deshalb nahm ich die Tabletten dann irgendwann doch nicht mehr.

Es muss um diese Zeit herum gewesen sein, dass ich anfing, die Beipackzettel von Arzneimitteln gründlich zu lesen, bevor ich sie benutzte. Es kam auch vor, dass ich nach der Lektüre des Beipackzettels verordnete Medikamente doch nicht einnahm, weil die Möglichkeit von Nebenwirkungen den erhofften, potentiellen Nutzen überwog.
Ich bin sehr zurückhaltend geworden, was Arzneimittel betrifft. Schon seit vielen Jahren habe ich beispielsweise keine Schmerztabletten mehr genommen. Nur Beschwerden, die tatsächlich einen hohen Leidensdruck erzeugen, rechtfertigen das Risiko unerwünschter Wirkungen von Arzneimitteln. So akzeptierte ich beispielsweise Antibiotika bei akuten Entzündungen mit starken Beschwerden, und nahm dafür Durchfall und Hautausschlag in Kauf.
Es ist aber immer eine Abwägung, die ich selbst für mich treffe. Meine Gesundheit ist mir zu wertvoll, um solche Entscheidungen anderen zu überlassen. [Etwas anderes wäre es, wenn ich zu krank oder vielleicht sogar nicht bei Bewusstsein bin. Dann kann ich nur vertrauensvoll (aber leider auch skeptisch) darauf hoffen, dass das behandelnde medizinische Personal kompetent und vertrauenswürdig ist, angemessene förderliche Maßnahmen zu treffen.]

Es muss in der 6. Klasse gewesen sein, als es in der Schule die Reihenimpfung gegen Röteln nur für die Mädchen gab. Eigentlich wäre es gar keine Frage gewesen, dass ich daran teilnehme.
Jedoch war ich einige Zeit vorher gestürzt und hatte mir dabei das Knie so aufgeschlagen, dass es genäht werden musste. In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, dass mein Impfschutz gegen Tetanus nicht vollständig war. Ich holte das also nach, erinnere mich nicht mehr an Einzelheiten, nur dass der Arzt mich darauf hinwies, ich dürfe mich jetzt einige Wochen lang nicht gegen etwas anderes impfen lassen.
Die Reihenimpfung gegen Röteln fiel gerade in diesen Zeitraum. Zwar hätte ich die Rötelnimpfung irgendwann später nachholen können, sah aber nie eine Veranlassung dafür.
Als ich dann schwanger war, wurde bei einer der ersten Untersuchungen der Röteln-Antikörper-Titer bestimmt. Der war grenzwertig. Der Gynäkologe meinte, dass der Schutz gegen Röteln ausreichend sei, so dass kein Handlungsbedarf bestehe. [Überraschenderweise wurden überhaupt keine Antikörper gegen Toxoplasmose gefunden. Dabei hatte ich früher immer viel und engen Kontakt mit Katzen gehabt.]

Johannes hat inzwischen schon etliche Impfungen hinter sich. Er wird kaum eine Kinderkrankheit jemals durchmachen müssen. Ich frage mich aber schon ein wenig, ob es für das Immunsystem nicht besser wäre, statt mit Impfkeimen auch mal mit natürlichen Keimen in Berührung zu kommen, und solch eine (voraussichtlich harmlose) Infektion einfach mal durchzumachen – sonst sucht sich das Immunsystem eine Beschäftigung und es kommt zu Allergien oder anderen Autoimmunerkrankungen. Das Immunsystem braucht doch Stimulation und Training, damit es im Ernstfall auch mit unbekannten Keimen zurechtkommt.
Dazu passt ebenfalls, dass aktuell die Kinderärzte über eine außergewöhnlich heftige Welle von Atemwegsinfektionen gerade bei kleineren Kindern berichten.
Ein Immunsystem, das nicht in Übung ist, neigt dazu, zu heftig zu reagieren. So kann aus einem kleinen Infekt, den man sonst locker weggesteckt hätte, eine Qual werden.
Unsere Welt ist nicht steril. Früher oder später erwischen jeden Krankheitskeime, gegen die er nicht gefeit ist. Wohl dem, dessen Abwehrkräfte dann zielgerichtet und effizient wirken.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 62 Kommentare

Setting The Sitter //2629

Vor einigen Wochen war ein Mitarbeiter, der ursprünglich aus Osteuropa stammte, auf mich zugekommen, und hatte um ein kurzes Gespräch gebeten. In diesem fragte er mich dann, ob ich nicht ein Kindermädchen brauchen könne. Eine Bekannte, die aus dem gleichen Dorf stammt wie er, wohne jetzt hier in der Stadt und suche eine Beschäftigung. Er würde bestätigen, dass sie gut mit Kindern umgehen könne und zuverlässig sei.
Hm .. gelegentlich wäre es schon schön, wenn ich Johannes stundenweise an jemanden vertrauenswürdiges abgeben könnte, z.B. wenn ich eine Besprechung habe oder debugge. Allerdings soll seine Betreuung nicht dauerhaft ausgelagert werden. Also gelegentlicher Babysitter eventuell, regelmäßiges Kindermädchen aber nein.
Ich machte mit dem Mitarbeiter aus, dass ich seine Bekannte erst einmal kennenlernen wolle. Dann würden wir weitersehen.
Bereits am nächsten Tag kam Danuta zu mir ins Büro. Ihr Deutsch war .. sehr mäßig. Nur mit Mühe und Wiederholungen verstanden wir einander. Deshalb unterhielten wir uns in Englisch weiter. Sie hatte mehrere Jahre in Großbritannien gewohnt, musste aber dann in Folge des Brexits wegziehen. Ihr Englisch ist also gut bis sehr gut.
Ich wollte zunächst einmal sehen, wie sie mit Johannes zurecht käme. Wir haben im Firmengebäude einen Raum mit Spielzeug und sonstigem Kinderkram. Ich zeigte ihr dort alles. Sie wird nicht Deutsch mit Johannes sprechen, weil sie das selbst nicht richtig kann. Wenn sie gelegentlich etwas in ihrer Muttersprache mit ihm spricht, macht das nichts, aber im Wesentlichen soll sie Englisch mit ihm reden. Ich hätte ihn ja sowieso gerne zweisprachig aufgezogen, aber außer gelegentlichen englischen Liedern, die ich für ihn gesungen habe, habe ich das leider kaum durchgehalten. Bei Danuta hat er die Chance wenigstens einigermaßen Englisch aufzuschnappen.

Nun ja, das Kennenlernen verlief gut, weshalb ich Danuta inzwischen etwa zweimal pro Woche für ein paar Stunden als Babysitter beschäftige. Sie ist immer fröhlich und im Grunde genommen ein pragmatischer und gelassener Mensch. Johannes mag sie. Sie spielt mit ihm, wechselt die Windel, geht mit ihm spazieren, auch auf den Spielplatz, und macht, was sonst noch so anfällt.
Zwar hätte sie gerne eine Festanstellung, aber so groß ist unser Bedarf für Kinderbetreuung nicht.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 12 Kommentare

Rückständige Tweet //2628

Meine Tweets zwischen dem 19. Februar und dem 6. März, die ursprünglich bereits für Ende September vorgesehen waren, wurden nicht vergessen. Sie werden jetzt erst mit Verzug wiederholt.

Verleser des Tages: Studier-Ende statt Studierende
Auffindbares //2523 Zweitausendfünfhundertdreiundzwanzig
Manchen Personen tut es so gut, mal ein wenig Gegenwind zu bekommen, und nicht nur immer diese völlig unkritische, blinde Bewunderung.
+Es muss schon schlimm sein, wenn das ganze inszenierte Selbstbewusstsein kollabiert, weil ein kleines Kritikwindchen entgegenweht.
Verleser des Tages: humorlosen statt harmlosen
#FavoritenMit * #Umfrage [Multiplikation|Pointer|Wildcard|Faltung]
„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ – Dann zahlen wir also nicht mehr nach Arbeitszeit, sondern nach dem tatsächlichen Arbeitsergebnis? #Akkord #LeistungsgerechteBezahlung
Wieder mal so viele aggressive Radfahrer unterwegs.
Nur mal so: Wenn mich jemand nach meinem #Pronomen fragen würde, empfände ich das als äußerst unhöflich und übergriffig.
Verhörer des Tages: Impfwütige statt Impfwillige
Blogparade: „Grey Is Beautiful“ #blogparadegreyisbeautiful //2522 Zweitausendfünfhundertzweiundzwanzig
Verleser des Tages: Strahlung statt Strandung
#FavoritenMit () #Umfrage [Parameterliste|Gruppierung|Aufzählung|Funktionsargumente]
Wieder mal ein #Dreier-Traum. Diesmal mit @BuschRo und @bernd_montag. Ach – ich steh‘ halt auf große Physiker.
Habt ihr Erfahrung mit #Scrum? Falls ja, welche? #Umfrage [Ja, positiv|Ja, negativ|Nein|Häh? Was ist das?]
Verleser des Tages: Nidationsblutung statt Nationsbildung
Der Hölle entkommen //2521 Zweitausendfünfhunderteinundzwanzig
Ich werde zukünftig die Bezeichnungen „Menschen“, „menschlich“, „human“, .. vermeiden, da sie zu speziesistisch, anthropozentrisch und terrestrizistisch sind.
Verschreiber des Tages: langwellig statt langweilig
#Favoriten2teRunde L-O #Umfrage [Logik|Männer|Naturwissenschaft|Orgasmus]
Verleser des Tages: Ultraschall statt Ultraschnell
Tweets am Ultimo //2520 Zweitausendfünfhundertzwanzig
Ich hab ein Problem mit Leuten, die versuchen, kaputt zu machen, was andere aufgebaut haben.
Verleser des Tages: Schwarzwaldmädel statt Schwarzmarkthändler
#FavoritenMit ' #Umfrage [Single Quote|Kommentare|Auslassung|Bogenminuten]
Sprache beschreibt Realität. Sprache beschreibt Fantasie. Aber Sprache konstruiert die Realität nicht.
Verhörer des Tages: Ebola statt „et voilà“
Ich griff in den Schritt. Dahin wo es am dicksten war. Nach dem Waschen merkt man dort am ehesten, ob der Stoff der Hose noch feucht ist. #Sattelpunkt
Arztbesuch //2519 Zweitausendfünfhundertneunzehn
Verleser des Tages: Mutanten statt Migranten
#FavoritenMit & #Umfrage [Bitweises Und|Referenzierung|HTML-Entities|Unterstreichungen]
#Bazinga! #TBBTday
Verleser des Tages: Teestunde statt Testrunde
Zugriffe im Fluss //2518 Zweitausendfünfhundertachtzehn
Heuer wieder kein #Berch. Ich vermisse ihn nicht, aber mir tun die Schausteller und Marktkaufleute leid.
Was sind das nur für Eltern, die ihre Kinder kleiden und frisieren, so dass man deren Geschlecht nicht eindeutig oder gar unzutreffend erkennen kann? Wie kann man es seinen eigenen Kindern nur antun, ihre Geschlechtlichkeit so zu ignorieren!
Verschreiber des Tages: Frosch statt forsch
#Favoriten2teRunde H-K #Umfrage [Hexadezimalsystem|Individualität|Joghurt|Katzen]
Verleser des Tages: Autismus statt Altruismus
C*lix //2517 Zweitausendfünfhundertsiebzehn
Verleser des Tages: Autodiscrimination statt Antidiscrimination
#FavoritenMit % #Umfrage [Prozent|Modulo|Wildcard|String-Formatierung]
Herrliches Februarwetter! Ein Hoch auf die #Klimaerwärmung! Überall so viele Leute unterwegs. Unmaskierte Menschen.
+Die Feldwege wären zum großen Teil bereits wieder begehbar, wären sie nicht von Pferden zertrampelt und vollgeäpfelt worden.
+Doofer Köter will an mir rumschnüffeln, als ich an ihm vorbei musste. Herrchen: „Der macht nichts.“ Soll gefälligst trotzdem Abstand halten. #Belästigung
+Radfahrer klingelt von hinten, erschrickt mich und reißt das Baby aus dem Halbschlaf. Dabei war auf dem Weg genügend Platz zum Vorbeifahren.
Verhörer des Tages: [der Planet der] Narren statt Narn
#Sexismus, der Frauen bevorzugt, heißt heutzutage ja „#Geschlechtergerechtigkeit“. Tja ..
Bloggerümpel //2516 Zweitausendfünfhundertsechzehn
Wenn das Wetter so schön und frühlingshaft wird, werden sich die Leute nicht mehr lange in den Wohnungen halten lassen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Beobachtungen von unterwegs //2627

Manchmal fällt mir etwas auf, wenn ich unterwegs, insbesondere spazieren bin. Als einzelne Begebenheit ist so eine Beobachtung viel zu unwichtig. Aber wenn ich mehrere davon sammle, springt ein Blogeintrag dabei raus.

Da war diese Frau, die mit einer Hand ein Fahrrad schob, und mit der anderen gleich drei mittelgroße Hunde an der Leine führte.
Als sie an mir vorbei lief, kamen mir die Hunde so nah, dass mir kaum etwas anderes übrigblieb, als vom Gehweg runter auf den Grasstreifen daneben auszuweichen.

Als wir spazieren gingen, bemerkte ich plötzlich etliche Meter vor mir eine Bewegung. Als ich genauer hinsah, entdeckte ich eine Entenfamilie – Mutter Ente mit vier oder fünf Küken, die im Entenmarsch hinter ihr herliefen. Wir blieben stehen, um sie zu beobachten.
Die Entenfamilie lief ziemlich flott ein Stück neben der Dorfstraße entlang. Diese Straße ist nicht sehr belebt, und aktuell war gar kein Verkehr. Schließlich entschloss sich die Entenmutter, die Straße mit ihrer Schar zu überqueren. Gerade dann kamen einige Autos von beiden Seiten angefahren. Aber die blieben alle geduldig stehen, und ließen die Entenfamilie auf die andere Straßenseite rüber.
So ein außergewöhnliches Spektakel sieht man nicht jeden Tag. Ich wüsste eigentlich nicht, dass dort in der Nähe ein Teich oder Weiher wäre.

Einen Feldhamster habe ich beim Spaziergang auch mal gesehen. Der huschte schnell von einem Acker über den Feldweg und verschwand wieder in einem Getreidefeld. Ich hatte ihn erst für eine Maus gehalten, aber so rotbraun wie er war und wie er den Kopf hochtrug, muss es eine Art Hamster gewesen sein.
Nachdem ich in den letzten paar Jahren überhaupt keine Eichhörnchen gesehen hatte, sind es heuer wieder erstaunlich viele.

Ein Stück vor mir sah ich jemanden gehen, der eine Art Rädchen schob. Ich glaube, es ging um eine Entfernungsmessung. Er trug eine Art Uniform, hatte sehr kurze Haare, war etwas dicklich, lief aber mit Schwung.
Nach einigen zig Metern war wohl die erwünschte Entfernung erreicht. Er drehte sich um und ging mir nun entgegen. Je näher er mir kam, desto deutlicher erkannte ich weiche Gesichtszüge und unter dem Hemd Brüste. So dick, dass er so offensichtliche Manboobs hätte haben können, war die Person nun auch wieder nicht.
Beim Passieren grüßte sie mich freundlich mit „Hallo“, ich wünschte ihr einen guten Morgen.
Und wieder einmal frage ich mich, wieso sich manche Personen so uneindeutig kleiden. Vielleicht war die Uniformhose ja Vorschrift. Aber sie hätte wenigstens längere Haare tragen können – meinetwegen zusammengebunden oder hochgesteckt, wenn es sonst unpraktisch ist.

Beim wochenendlichen Spaziergang kommen wir oft an einer Pferdekoppel vorbei. Die Pferde stehen da einfach bloß rum. Die Wiese ist längst abgefressen, und so machen die Pferde gar nichts, es sei denn, sie lassen ihre Apples fallen. Es gibt wohl kaum langweiligere Tiere als Pferde.

Sonntag früh. Mir war nach einem Spaziergang alleine. Johannes hatte ich in Carsten’s Obhut zurückgelassen. Der Zeitraum war schlecht gewählt, denn es schien, als seien sämtliche Hundehalter gerade jetzt unterwegs, um ihre Hunde gassi zu führen.
Schließlich konnte ich doch ein paar Minuten auf menschen- und hundeleerem Weg entspannt vor mich hin gehen. Da sah ich auf einer Wiese ein junges Mädchen mit einem freilaufenden Mops herumtollen. Beide waren dann offensichtlich wieder in Richtung des Weges unterwegs. Ich reduzierte meine Geschwindigkeit, sonst würde ich gerade zwischen beide kommen, sobald sie den Weg erreichten. Der Mops reagierte nicht auf meine Nähe, sondern lief neben dem Mädchen her. Ein Stück weiter war der Übergang über die Straße. Der Mops wartete am Bordstein, bis ihm das Mädchen ein Zeichen gab, dass er rüberkönne. Zügig sprang er auf die andere Seite. Dort signalisierte ihm das Mädchen, dass er das nächste Stück des Weges rennen dürfe.
Ich war beeindruckt, wie diszipliniert der Mops sich verhalten hatte, und wie gut er mit dem Mädchen eingespielt war, dass er auf winzige Zeichen reagierte. Vor dem brauche ich keine Angst mehr zu haben, wenn ich ihn mal wiedersehe.
Warum sind nicht alle Hunde so? Die meisten reißen an ihrer Leine (if any), kläffen einen aggressiv an, versuchen wild, an einem hochzuspringen, oder erschrecken einen, wenn man als harmloser Passant an ihrem Grundstück vorbeigeht.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 47 Kommentare

Vom Amtschimmel veräppelt (doofe Überschrift – ich weiß) //2626

Wenn schon Baumusterprüfung, Sicherheitszertifizierung und Konformitätsbewertung eines einfachen – sagen wir exemplarisch – Toastermodells (dass man beim Anfassen keinen Schlag kriegt oder sich verbrennt, dass das Ding nicht in Flammen aufgeht, keine Störstrahlung absondert, dass er nicht verschmort, wenn ihn mal ein paar Tropfen Wasser erwischen, und was weiß ich) langwieriger ist, als die bedingte Zulassung gewisser Arzneimittel, so sind im Vorfeld des Inverkehrbringens unserer komplexen Hightech-Geräte erst recht aufwendige formale und bürokratische Hürden zu überwinden.
So sind gewisse Dokumente zu erstellen, für die man teilweise auf externe Dienstleister zurückgreifen muss. Andere hätte ich durchaus selber schreiben können – zu meiner Zeit als Berater habe ich ähnliches gemacht, mich vor der gleichen Art Dokument allerdings immer gedrückt – aber ich wollte nicht. Ich kann meine Zeit besser nutzen für Angelegenheiten, die ich zumindest nicht so ungern mache und auch besser kann.
Also fragte ich Sebastian, ob er mir jemanden empfehlen könne. Er meinte, dass er selbst schon gelegentlich entsprechende Dokumente verfasst hätte und passende Vorlagen dafür hätte. Wenn ich ihm zuarbeite und die nötigen Daten liefere, ginge das flott.
Also traf ich mit ihm eine diesbezügliche Vereinbarung, mit der wir beide zufrieden sind. Win-Win.

Ich erzählte ihm auch von Evalyze, das inzwischen schon über ein halbes Jahr brach liegt, weil es die zuständigen Stellen nicht auf die Reihe kriegen, das vorgesehene Procedere zügig durchzuführen. Mein RA-Spezialist hat schon alles mögliche versucht, die Angelegenheit zu beschleunigen, telefoniert ständig irgendwelchen Sachbearbeitern hinterher, aber da tut sich kaum etwas. Dabei ist das lediglich eine harmlose Auswertesoftware, deren Risikoanalyse keinerlei Schadenspotential hat ausfindig machen können. Und trotzdem geht es nicht voran. So werden Innovationen ausgebremst und dem Gemeinwohl zuträglicher Fortschritt verhindert. Wir brauchen ja gar keine staatliche Unterstützung und Förderung, aber ist es denn zu viel erwartet, uns wenigstens keine überflüssigen Steine in den Weg zu legen?
Das hat man technologischer Vorreiter davon. Die Welt (respektive gewisse Behörden) ist noch nicht so weit, zukunftsträchtige Entwicklungen in ihr beschränktes System einzuordnen. Das könnte ich einerseits noch akzeptieren, wenn andererseits nicht .. ach, lassen wir das – es bringt ja nichts.

Sebastian meinte, das sei kein Einzelfall. Derzeit gäbe es (zumindest in dieser Branche) einen Bürokratiestau, der nur langsam abgebaut werden könne. Er hatte von seinen Kunden und anderen Bekannten in den letzten Monaten schon einige ähnliche Berichte gehört, wo die zuständigen Stellen einfach nicht hinterherkämen.
Wir sprachen noch über die Ursachen, und was man als Hersteller dagegen unternehmen könne. Es scheint aber von verantwortlicher, übergeordneter Seite gar kein Interesse zu geben, diesen Stau aufzulösen. Honi soit .. *seufz*

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 26 Kommentare

Einladung für die WFT //2625

Bis Weihnachten ist es noch weit. Aber bereits jetzt hat meine Mutter uns eingeladen, Heilig Abend und die Weihnachtsfeiertage bei ihr zu verbringen. Sie wäre so alleine, seit mein Vater gestorben ist, und ich sei schon so lange nicht mehr an Weihnachten bei ihr gewesen, und sie möchte doch unbedingt viel Zeit mit ihrem Enkelchen verbringen. Wir würden das Elternschlafzimmer bekommen. Da sei genug Platz. Sie selbst würde solange in meinem oder Sabine’s Zimmer schlafen. Sie begann zu weinen. Sie wünsche es sich doch so sehr, dass wir sie über die Feiertage besuchen.
Ich war einigermaßen überrumpelt. Trotzdem gelang es mir, ihr zu sagen, dass ich erst überlegen müsse, ob wir dann Zeit hätten, und es außerdem auch mit Carsten besprechen müsse.
Ich will dann nicht hin. Meine Mutter will Weihnachten ganz anders verbringen als ich. Dauernd in die Kirche gehen, mit Verwandten zusammensitzen, mit Nachbarn unterhalten, Weihnachtsbaum, Bescherung, Christstollen .. Alles Dinge, an denen uns nichts liegt, oder die ich sogar verabscheue. Wir hatten zwar für dieses Jahr noch keine ausdrücklichen Pläne gemacht, aber ich war davon ausgegangen, dass wir uns einfach auf dem Lande eine ruhige Zeit machen, mit Dolce far niente und Spaziergängen, sofern das Wetter mitmacht. In der Alten Heimat ist es deutlich kälter als hier, und das Risiko, dass Schnee liegt, wesentlich höher. Dass ich dort keinen ordentlich Internetzugang hätte, könnte ich noch am ehesten verschmerzen.
Wenn ich meiner Mutter einfach absage, so wird sie das persönlich nehmen und verletzt sein. Ich verstehe ja, dass sie ohne meinen Vater einsamer geworden ist, aber sie kann doch jederzeit zu meiner Schwester gehen und mit deren Familie feiern.

Welche Alternativen also gibt es?
* Sie könnte zu uns (d.h. ins Landhaus) kommen.
Dagegen spricht (aus ihrer Sicht), dass sie hier nicht so einfach in die Kirche gehen könnte, ihr vertrautes Umfeld nicht um sich hätte, einschließlich Nachbarn und insbesondere Sabine und deren Familie. Außerdem macht ihr in letzter Zeit ihr Knie wieder mehr zu schaffen. Da wäre eine Reise schwierig, von ihrer Neigung zu Reisekrankheit mal ganz abgesehen. Und schließlich – auswärts übernachten würde sie sowieso nur sehr ungern, und vermeidet dies soweit irgend möglich. [Im Sommer wäre es ihr auch noch wichtig, sich um ihren Garten zu kümmern.]
* Übernachtung in einem Hotel in der Alten Heimat hätte den Vorteil, dass wir nicht ständig aneinanderkleben müssten, mehr Freiraum hätten und auch WLAN. Das betreffende Hotel hat sogar ein schönes Schwimmbecken. Aber nur deswegen werde ich mich nicht $foobar lassen (wofür gerade meine Mutter bestimmt volles Verständnis hat). Diese Möglichkeit fällt also aus.
* Wir könnten den Termin verschieben. Also nicht gerade über Weihnachten mit dem ganzen nervigen Brimborium und wenn es maximal dunkel ist, sondern ein andermal, vorzugsweise, wenn es warm ist, also keinesfalls vor Mai, vielleicht über Fronleichnam, am besten aber im August, wenn wir am ehesten freie Zeit haben.
Diese Option würde ich präferieren, fürchte nur, dass meine Mutter über diesen Aufschub nicht erfreut sein würde.

Ich will mich doch gar nicht drücken, und habe überhaupt nichts dagegen, meine Mutter ein paar Tage zu besuchen, aber ich habe was gegen Weihnachten, und was gegen Winter mit dieser sibirischen Kälte in der Alten Heimat. Im Sommer dagegen ist das lokale Klima angenehmer, und die vulkanisch geprägte Landschaft lädt ein zu ausgedehnten Spaziergängen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 28 Kommentare

Nur wenige Suchbegriffe //2624

Es ist nicht so, dass die Anzahl der Suchanfragen erheblich zurückgegangen wäre, aber es sind kaum noch neue dabei. Fast alles schon mal dagewesen, oder wenigstens sehr ähnlich.
Zwischenzeitlich hatte die Google Search Console offenbar auch technische Schwierigkeiten, hat nicht mehr aktualisiert, oder der Server war gar nicht mehr erreichbar (eigentlich beruhigend, dass selbst einem Riesenunternehmen wie Google so etwas passiert – da ärgere ich mich das nächste Mal weniger, wenn mein Server mal wieder einen Aussetzer hat oder meine Webdienste Probleme bereiten).
Infolgedessen ist die Liste mit den neuesten Suchanfragen diesmal nur ungewohnt kurz.

„schreikinder sind gedeihkinder“
Ich kenne das nur mit Speikindern, und bei denen ist das Gedeihen auch plausibel.

„zeugen jehovas belästigung“
Ja, diese unwillkommenen Störungen nerven.

„paarbildung“
Die Erzeugung eines Paares aus Teilchen und Antiteilchen.

„peniswärmer“
Das übernehme ich beim Chef höchstpersönlich. Beim Juniorchef tut’s eine Windel.

„präferien“
Die letzten Tage vor den Ferien.

„sm tunnelspiele“
Im Standardmodell spielt der Tunneleffekt eine Rolle.

„gigo bedeutung“
Garbage in, garbage out.

„werbung schauspieler“
Das sind meist die, die kein lohnenderes Engagement finden.

„leere schuhkartons“
Eigentlich war dieser Begriff noch mit einem Firmennamen kombiniert, aber ich will hier ja kein Product Placement betreiben.

„sonnenferne“
Der Aphel ist Anfang Juli.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | 14 Kommentare

Temporale Mutante //2623

Nach ewigem Auf und Ab in den letzten paar Jahren ist das Medizinerprojekt jetzt passé.
Zumindest in der Form und Zusammensetzung, wie es bisher war.
Die beteiligten Ärzte haben sich rettungslos zerstritten. Es sind zwei Gruppen entstanden: die eine Gruppe pro, die andere Gruppe (darunter Norbert und Otto) contra $aktuellesThema.
Ich glaube nicht, dass die sich jemals wieder vertragen werden, jedenfalls nicht so schnell. Wie im Grunde bedeutungslose Meinungsverschiedenheiten derart polarisieren, sich aggressiv aufschaukeln und schließlich zu Spaltung führen können, werde ich wohl nie verstehen.
In letzter Zeit war im Projekt ohnehin praktisch nichts los. Jetzt sollte es wieder einmal ein Präsenztreffen geben, mit der Absicht, das Projekt wieder aktiver weiterzuführen.
Über die Modalitäten des Treffens konnten sie sich auch online in die Haare geraten. Es sind so einige böse Worte gefallen, die sich nie mehr zurücknehmen lassen.
Ich selbst habe mich völlig zurückgehalten.

Natürlich könnte ich das ganze Drumherum sang- und klanglos auflösen. Aber mir schwebt vor, das Projekt weiterlaufen zu lassen, aber nur noch mit der Contra-Gruppe – die erscheinen mir am vernünftigsten.
Die zugeordnete Domain läuft auf meinen Namen, und auch andere relevante Namensrechte habe ich mir von vornherein gesichert.
Der einzige Punkt, der mit Bedenken macht, ist, dass gerade die andere Medizinergruppe mehr Einfluss hat. Das sind die Leute, die sich gerne selbst darstellen und sich profilieren wollen, möglichst ohne einen eigenen Beitrag zu leisten. Die Contra-Gruppe werkelte stattdessen eher als Backend vor sich hin, ohne dass ihre Erfolge viel Publicity gäben.
Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Ich habe noch einige Asse in der Hinterhand.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 7 Kommentare

breakplaining: #TheoPhys #Mechanik – Hamilton //2622

Bei meinem letzten Beitrag über Theoretische Mechanik waren wir bei der Lagrangefunktion L = T – V (T: kinetische Energie, V: potentielle Energie) gelandet.
Diesmal wagen wir den Sprung zur Hamilton-Funktion.

Der mathematische Übergang von der Lagrangefunktion zur Hamiltonfunktion nennt sich Legendre-Transformation. [Der Hintergrund ist das Hamilton’sche Prinzip, nach dem die Wirkung bei physikalischen Abläufen extremal wird – wobei „Wirkung“ halt auch wieder mal so definiert ist, dass es eben passt.]
Der Einfachheit halber beschränke ich mich hier auf einen einzigen Körper und eine einzige Koordinatenrichtung q. Der Formalismus lässt sich problemlos auf mehrere Körper mit mehr Dimensionen erweitern. Das erhöht bloß den Schreibaufwand, ohne neue Erkenntnisse zu bringen.
Den (kanonischen) Impuls p erhalten wir dabei als partielle Ableitung der Lagrangefunktion nach der Geschwindigkeit v.
Die Legendretransformation läuft darauf hinaus, von der doppelten kinetischen Energie (sprich das Produkt aus Geschwindigkeit und Impuls) die Lagrangefunktion abzuziehen, und diese nicht mehr von den Geschwindigkeiten sondern stattdessen von den Impulsen abhängig zu schreiben. Ich glaube, ich erspare es mir und euch besser, das ausführlicher darzustellen. Das sind alles nur mathematische Tricksereien. Hätte es auf diese heuristische Weise nicht funktioniert, hätte man es halt irgendwie anders versucht.
Im Endeffekt erhalten wir die Hamiltonfunktion H(q,p,t) = T + V, was der Gesamtenergie des Systems entspricht.

Während der Lagrangeformalismus eine Differentialgleichung 2. Ordnung pro Freiheitsgrad liefert, erhalten wir beim Hamilton-Formalismus ein System zweier gewöhnlicher Differentialgleichungen 1. Ordnung.
Die erste Gleichung besagt, dass die zeitliche Ableitung der Ortskoordinate dq/dt (also die Geschwindigkeit v) gleich der partiellen Ableitung der Hamiltonfunktion nach dem Impuls ist.
Die zweite Gleichung bedeutet entsprechend, dass die zeitliche Ableitung des Impulses dp/dt (also die Kraft F) gleich minus der partiellen Ableitung der Hamiltonfunktion nach der Ortskoordinate ist.
Beide Gleichungen weisen eine Symmetrie auf, da die Form der Gleichungen (bis auf das Minuszeichen) gleich ist. Ort und Impuls sind „kanonisch konjugiert“.

Ich werde das jetzt an einem einfachen Beispiel veranschaulichen. Am besten schreibt ihr wieder auf einem Zettel mit.
Gehen wir davon aus, dass ein Körper der Masse m an einer Feder der Härte k befestigt ist, wo er in einer Richtung frei und reibungslos hin und her schwingen kann. Die kinetische Energie beträgt T(p) = p^2/(2*m). Für die potentielle Energie haben wir ein harmonisches Potential V(q) = k * q^2/2. Die Hamiltonfunktion H ist die Summe beider Terme.
dq/dt ist dann die Ableitung von H nach dem Impuls, also dq/dt = p/m (1).
dp/dt ist die negative Ableitung von H nach dem Ort, also dp/dt = -k*q (2).
Zur Lösung machen wir den Ansatz q(t) = q0 * cis(omega*t) (3), wobei q0 die Anfangsauslenkung bezüglich der Ruhelage ist. Um das Procedere nicht unnötig zu verkomplizieren, gehen wir davon aus, dass am Anfang die Geschwindigkeit respektive der Impuls gleich 0 ist.
Den Impuls p(t) erhalten wir nach (1) als Produkt der Masse mit der Ableitung dq/dt.
Den Ansatz (3) eingesetzt, wird also p(t) = m * dq/dt = m * i*omega * q0*cis(omega*t) [wobei benutzt wurde, dass cis'(x) = i*cis(x)].
Wenn wir jetzt den so berechneten Impuls nochmal nach der Zeit differentieren, so ist dp/dt = -m * omega^2 * q0*cis(omega*t) = -m * omega^2 * q(t).
Andererseits gilt gemäß (2), dass dp/dt = -k*q. Gleichsetzen liefert m * omega^2 = k, oder aufgelöst nach omega = sqrt(k/m).
Unser Ansatz für q(t) hat die Differentialgleichung also gelöst.
Für p(t) können wir weiter umformen m*q0*omega * cis(omega*t)*cis(pi/2) = m*q0*omega * cis(omega*t + pi/2).
Man beachte, dass der (beim Differenzieren entstandene) Faktor i zu einer Phasenverschiebung zwischen Ort und Impuls von 90° führt.

Es ist üblich, kanonisch konjugierte Variable in einem Phasendiagramm darzustellen. Wenn man den Ort als Abszisse und den Impuls als Ordinate aufträgt, erhält man in diesem ungedämpften Fall eine Ellipse (bei passender Skalierung einen Kreis). Die harmonsche Schwingung unseres System lässt sich also vorstellen als kreisförmiger Umlauf im Phasenraum. Der Körper durchläuft innerhalb einer Periodendauer jeden Punkt auf dieser Kurve.
Die Fläche innerhalb dieser Kurve entspricht der Wirkung. Ein Kreis ist eine Minimalfläche, so dass das Hamilton’sche Prinzip (extremale Wirkung) erfüllt ist.

OK – lassen wir das alles erst einmal sacken. Zumindest ein grobes Verständnis wäre unabdingbare Voraussetzung, um mit der Quantenmechanik weitermachen zu können. Ob ich dazu tatsächlich Blogeinträge schreiben werde, lasse ich erst mal offen. Zumindest in nächster Zukunft habe ich nichts dergleichen vor.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

By The Way //2621

Heute ist Bundestagswahltag. Ich habe bereits Briefwahl gemacht – wie auch in den letzten Jahren bei den jeweiligen Wahlen, denn schließlich verbringen wir das Wochenende für gewöhnlich auf dem Lande, und da wäre es umständlich, deswegen extra in die Stadt zu fahren.
Carsten hat bisher meist seine Stimmen im Wahllokal abgegeben, aber diesmal auch die Briefwahl vorgezogen. Da wir vor einigen Wochen Bedenken hatte, ohne 3G-Nachweis nicht (oder nur nach längerer Wartezeit) ins Wahllokal eingelassen zu werden, hatte auch er für alle Fälle Briefwahlunterlagen beantragt. Es ist doch sowieso viel bequemer und entspannter, daheim zwanglos und in aller Ruhe die Stimmzettel durchschauen zu können, als maskiert in einer engen, versifften Wahlkabine.

Ohne die Fünf-Prozent-Hürde hätte ich mein Zweit-Kreuzchen allerdings woanders gemacht, als unter den Parteien, die mit großer Sicherheit in den Bundestag kommen werden, das meines Erachtens kleinste Übel zu wählen. Die Erststimme für den Direktkandidaten dagegen ging an eine Partei, die die fünf Prozent voraussichtlich nicht schaffen wird, die ich aber trotzdem auf diese Weise symbolisch unterstützen möchte (und etwas Geld kriegen sie meines Wissens auch für jede Stimme). Auch wenn ich bei weitem nicht hinter allem stehe, was diese Partei vertritt, so gibt es immerhin einige wichtige Überschneidungen. Gerode in letzter Zoit ist sie mir wiederholt positiv aufgefollen, und hot oinige Sympothien gewonnen.
Wer hier schon länger liest, weiß, dass ich extreme, radikale, fundamentalistische, autoritäre, kollektivistische Ideologien jeglicher Couleur ablehne, und für Selbstverantwortung innerhalb unserer rechtsstaatlich-freiheitlich-demokratischen Grundordnung eintrete. Allzu groß ist die Auswahl also nicht.

Es ist wissenschaftliches Vorgehen, verschiedene Optionen und Konstellationen gedanklich durchzuspielen, einzelne weiterzuverfolgen, andere zu verwerfen.
Falls ich in diesem Rahmen zwischenzeitlich erwogen haben sollte, taktisch zu wählen, um gewissen extremen Randparteien ein Gegengewicht zu geben, so gehe ich hier nicht drauf ein. Zu viele Leute neigen dazu, einen für rein abstrakte Überlegungen zu verurteilen und zu ächten, obwohl man die niemals faktisch umgesetzt hat, und das noch nicht einmal ernsthaft vorhatte. Noch sind die Gedanken frei. In einer Demokratie ist es sogar erlaubt, jede zur Wahl zugelassene Partei tatsächlich zu wählen, sofern man sich frei für diese entscheidet. Das weitverbreitete Bashing gegen Wähler, die es gewagt haben, eine umstrittene Partei zu wählen, und dies vielleicht sogar zugeben, halte ich für zutiefst undemokratisch, obwohl ich persönlich diese – genau wie andere Parteien – ablehne. Der Respekt gegenüber Meinungsvielfalt und demokratisch-freien Wahlen gebietet es, auch Wahlentscheidungen anzuerkennen, die man selbst nicht nachvollziehen kann.

Schon lange hätte ich auch gerne mal beim Auszählen zugeguckt, einfach um zu sehen, wie das organisiert ist. Bei zwei Stimmen auf einem Zettel reicht schon eine Dimension nicht, um die Zettel sortiert zu stapeln. Da sind ruckzuck einige Hundert Einträge in einem sparse array, in dem hauptsächlich die Diagonalen besetzt sind. Und auch wie die jeweiligen Anzahlen methodisch ermittelt und dokumentiert werden, wäre bestimmt interessant zu erfahren. Meines Wissens wird das ja alles noch per Hand gemacht. Die Stimmzettel einzuscannen, und sie von einem Computer auswerten und automatisch zählen zu lassen, ruft ja nicht ganz unberechtigte Sicherheitsbedenken hervor. Zumindest zur Überprüfung und Qualitätsicherung könnte man es aber schon machen. Wenn die Ergebnisse deutlich voneinander abweichen, müsste man dem halt nachgehen.
Das Zuschauen war mir aber niemals so wichtig, zumal ich auch immer anderes zu tun hatte, oder mir doch noch etwas dazwischen kam. Einmal war schlicht das Wetter so mies, dass ich deswegen nicht aus dem Haus wollte.

Früher hatte ich auch schon mal erwogen, mich freiwillig als Wahlhelfer zu melden. Aber einerseits widerstrebt es mir, mich zu so etwas zu verpflichten, andererseits schreckte mich die Aussicht ab, statt beim Auszählen in einem Wahllokal vor Ort eingesetzt zu werden, wo ich dann Stimmzettel verteilen oder die Identität der Wähler überprüfen müsste.
Ich glaube nicht, dass ich mich heute Abend aufraffen kann, beim Auszählen als Beobachter teilzunehmen, selbst wenn Carsten solange auf Johannes aufpasst. Die Aussicht, da mit Maske rumlaufen zu müssen, stößt mich ab. Aber es kommen wieder mal Wahlen, bei denen die Maskenpflicht dann (hoffentlich!) nicht mehr gilt. Irgendwann schau ich mir das mal an.

Da die Vorbemerkungen (oder was ursprünglich mal als solche vorgesehen war) jetzt schon etwas länger geworden sind, lasse ich diesmal die Tweets ausfallen, bzw. verschiebe sie auf den Oktober (der hat fünf Wochenenden – da hole ich den Rückstand leicht wieder auf). Hätte ich doch letztes Wochenende daran gedacht!

Und außerdem wäre die Zeitumstellung wieder fällig! Es ist eine Zumutung, bereits im Frühherbst im Dunkeln aufstehen zu müssen.

PS: Ich bitte darum, in den Kommentaren keine Parteien beim Namen zu nennen, und kein politisches Schlachtfeld aus der Diskussionswiese zu machen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 50 Kommentare

Glissando (ma non troppo) //2620

Es gab wieder mal (nach längerer Zeit) ein Führungskräftemeeting. Diesmal war Frau Hilflo-Seerbin auch anwesend. Dabei konnte sie eigentlich überhaupt nichts zur Besprechung beitragen. Ich habe sie sicherlich nicht eingeladen. Aber sie muss wohl mit auf den einschlägigen Verteiler geraten sein. Man hätte durchaus die Frage aufwerfen können, ob ihre Präsenz in diesem Führungskreis überhaupt berechtigt ist.
Aber da sie schon nun mal da war, besprachen wir dann auch ihre künftige Stellung in der Firma und welche Aufgaben sie übernehmen könnte.

„Ich würde gerne etwas mit Digitaler Kommunikation machen“, erklärte sie. Wo hat sie nur dieses Buzzword aufgeschnappt?
„Gerne“, meinte ich konziliant lächelnd, „für OSI-Modell, TCP/IP, Sockets, Wireshark und dergleichen gibt es hier schon einiges zu tun.“
Sie schaute verständnislos – wie nicht anders zu erwarten gewesen war. Dabei gehörte gerade das mal zum Kerngeschäft in der Firma ihres Verblichenen. Joachim und Ulrich grinsten, während Carsten mir einen missbilligenden Blick zuwarf.
Sie ergänzte lahm: „.. also so mit Menschen, dachte ich.“
Ich riss mich zusammen, und unterließ es, ihr zu erklären, dass wir uns hier in einem Hochtechnologieunternehmen befinden. Zwar arbeiten hier auch Menschen, aber die führen aktiv die Arbeit aus, und sind nicht nur passive Layer-8-Objekte.

Carsten fragte sie geduldig: „Hast du denn dafür schon konkrete Vorstellungen, Astrid?“
„Aber, ja!“, sie nickte eifrig, „ich habe so viele Ideen, was man hier alles besser machen könnte.“
Carsten sah nicht mehr ganz so geduldig aus. Bevor er noch reagieren konnte, schlug ich vor: „Fassen Sie Ihre Ideen doch in einem Konzept zusammen, Frau Hilflo-Seerbin, und stellen Sie sie uns demnächst in einer Präsentation vor.“
Begeistert sah sie nicht aus, aber da niemand Einwände erhob, wurde dies so angenommen. Ich habe ihr Gelegenheit gegeben, zu zeigen, was sie kann, und uns zu überzeugen. Das wird sie erst einmal eine Zeitlang beschäftigen, und dann wird es bestimmt spannend!

Den Grobentwurf einer solchen Präsentation würde ich locker in höchstens einem halben Nachmittag schaffen. Pareto: Faktor 5. Noch anderes zu tun: Faktor pi. Zwei bis drei Wochen dürften angemessen sein. Entsprechend wurde die Präsentation in die Agenda des nächsten Meetings (dessen genauer Termin noch nicht feststeht, aber wohl in der zweiten Oktoberhälfte stattfinden dürfte) aufgenommen. Der Zeitraum für die Vorbereitung ist also reichlich. Und falls sie es bis dahin doch nicht schafft, wird ihre Präsentation eben verschoben. Es ist ja nicht so, als ob das dringend wäre.

[Falls jemand in diesem Eintrag Inkonsistenzen oder scheinbare Widersprüche findet, darf er die gerne für sich behalten. Um unerkannt zu bleiben, musste ich ein wenig umformulieren und verfremden. Da lassen sich Unstimmigkeiten nicht immer völlig vermeiden.]

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 25 Kommentare

Neue Schuhe //2619

Mein Blog ist auch dafür da, Erinnerungen an früher zu dokumentieren, und so mein Gedächtnis etwas zu entlasten. Tatsächlich habe ich inzwischen manches, nachdem ich mich jahrzehntelang daran erinnern konnte, vergessen, nachdem ich es gebloggt hatte.
Als ich vor ein paar Wochen geschrieben habe, wie schwierig es ist, passende Schuhe zu finden, fiel mir wieder ein, wie das in meiner Kindheit war. Meine Erinnerungen sind lückenhaft, aber bevor sie ganz weg sind, halte ich sie jetzt hier permanent fest.

Die ersten Schuhkäufe, an die ich mich erinnere, fanden in einem Schuhgeschäft in der Kreisstadt statt. Ich weiß das nur noch sehr vage, aber zum Abschied gab’s dann ein Lurchiheft. Das Schuhgeschäft muss irgendwann geschlossen haben, denn später waren wir nicht mehr dort.
In unserem Landstädtchen gab es ein relativ großes Bekleidungshaus. Die hatten dort zeitweise auch ein kleines Sortiment an Schuhen. Wenn man ab und zu dort geschaut hat, fand man sogar manchmal etwas passendes. Meine Kommunionschuhe für fünf Mark habe ich dort im Sonderangebot entdeckt. Die trug ich danach noch länger, bis sie mir nicht mehr passten.
Dann gab es im Ort sogar einen Schuhladen, in den meine Mutter aber aus irgendwelchen Gründen nicht rein wollte. Zwei- oder dreimal waren wir dann trotzdem dort, weil es dringend war, aber das Angebot war schon wirklich nur äußerst mäßig.
Es gab einige Male im Jahr einen Markt. Manchmal war auch ein Stand mit Schuhen dabei. Hin und wieder konnte man dort etwas Geeignetes entdecken. Um sich auf diese Bezugsquelle zu verlassen, war das Angebot aber zu unregelmäßig. Jedenfalls habe ich dort meine ersten Highheels gekauft (mit einem „Maddschdüggle“ bzw. „Marktstücklein“ – also einem kleinen Geldbetrag, den Kinder von Angehörigen bekamen, um sich auf dem Markt etwas kaufen zu können).
Irgendwann entdeckten wir dann ein gutes Schuhgeschäft in einem Städtchen in einem angrenzenden Landkreis. Dorthin fuhren wir dann ein- oder zweimal im Jahr, und die ganze Familie deckte sich mit Schuhen ein. Ein Termin dafür war immer schwer zu finden, denn, wenn wir am Wochenende Zeit gehabt hätten, hatten sie geschlossen, und wenn sie unter der Woche geöffnet hatten, waren wir meist anderweitig beschäftigt. Es lief also auf die Ferien hinaus, während auch mein Vater Urlaub hatte.

Als ich studierte, machte ich alle ein oder zwei Wochen einen Stadtbummel, und besuchte dann auch die lokale Filiale eines großen Bekleidungsunternehmens. Dort warf ich jedesmal einen Blick in die Schuhabteilung, und fand dort hin und wieder tragbare Schuhe.
Als ich einmal dringend neue Schuhe brauchte, suchte ich die auch in anderen Schuhgeschäften. Dort kaufte ich mir dann notgedrungen ein Paar – für meine Verhältnisse damals und mit Studentenbudget – teure Schuhe. Diese Schuhe gingen dann schon verhältnismäßig schnell kaputt, und belegten, dass ein hoher Preis nicht unbedingt mit guter Qualität korrelieren muss.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 40 Kommentare

Gebeten – Genötigt – Genervt //2618

Nur zögernd hatte ich zugesagt, als ich vor etwa einem halben Jahr gebeten wurde, Schirmherrin für ein kleines Branchenevent im Herbst zu werden. Die Organisatoren waren damals davon ausgegangen, dass die Veranstaltung online durchgeführt würde, wollten sich aber die Option der Präsenzveranstaltung offenhalten. Im Laufe des Sommers gingen die Planungen immer mehr Richtung Präsenz. Das ist auch jetzt der aktuelle Stand der Dinge. Das Hygienekonzept umfasst Masken, Abstand, Desinfektionsmittelspender und dergleichen. Das würde ich noch – wenn auch nicht eben gerne – akzeptieren. Aber dass ein 3G-Nachweis Voraussetzung ist, um eingelassen zu werden, kommt für mich nicht in Frage.
Also werde ich wohl per Video zugeschaltet. Eigentlich würde ich das sogar gerne live machen, habe aber Bedenken, dass gerade dann Johannes dazwischenfunkt und stört. Eine Aufzeichnung wäre sicherer. Nun ja, es sind noch einige Wochen Zeit bis dahin.
Es waren auch noch ein paar andere Veranstaltungen vorgesehen, für die ich eingeladen war, teilzunehmen oder zu sprechen. Teilweise fallen sie aus, oder ich habe abgesagt. Da ist also heuer sonst nichts mehr geplant. Höchstens noch das eine oder andere Online-Event – aber irgendwie reizt es mich nicht, stundenlang so etwas vom Computer aus zu verfolgen.

Für Carsten stehen ein paar wichtige Geschäftsreisen aus, die er schon vor sich hergeschoben hat, aber allmählich nicht mehr weiter hinausschieben kann. Zähneknirschend wird er sich jetzt doch impfen lassen, aber nur mit Janssen. Es ist nicht so, dass er vor einer Covid-Infektion Angst hätte, aber nur durch die Impfung ist sichergestellt, dass er in Hotels übernachten kann, und keine Befürchtungen wegen Quarantänisierung haben muss. Schnelltests sind auf Dauer keine Alternative. Gerade wenn wir am Wochenende auf dem Lande sind, ist es eigentlich unmöglich, einen aktuellen Test herzubekommen. Deswegen extra in die Stadt zu fahren, ist zu umständlich und würde uns das ganze Wochenende fragmentieren. Zudem werden Testzentren immer weiter abgebaut, bzw. Öffnungszeiten reduziert.
Da der Impfdruck immer weiter zunimmt, ist es pragmatischer, dem jetzt gleich nachzugeben, als noch länger zu warten, es dann irgendwann nicht mehr vermeiden zu können, und sich darüber zu ärgern, nicht früher umgeschwenkt zu sein, und alles mögliche deswegen verpasst zu haben. Dann lieber jetzt gleich. So wie es derzeit aussieht, wird es in Deutschlang noch lange keinen „Freedom Day“ geben. Viel länger können wir das nicht aussitzen. Es gibt immer wieder wichtige Termine, die mindestens einer von uns wahrnehmen muss.
Carsten hat aber klar gemacht, dass er sich keinesfalls impfen lassen würde, wäre er deutlich jünger.

Was mich betrifft, warte ich vorläufig immer noch ab. Ich geh‘ halt nirgends hin, wo ich nicht ohne 3G-Nachweis reinkomme. Café, Schwimmbad .. muss nicht sein. [Es tut mir aber leid um das neue Museum in der Trichterstadt.] Da ich erst vor ein paar Tagen meinen Tetanus- und Diphterieschutz auffrischen habe lassen, müsste ich ohnehin erst wieder ein paar Wochen warten. [BTW – habe ich jemals die Geschichte erzählt, warum es bei mir mit der Rötelimpfung nicht geklappt hat?]
Es ist bezeichnend, dass die primär entscheidende Frage nicht mehr „Was mach‘ ich, wenn ich in Quarantäne muss?“, geschweige denn „Was passiert, wenn ich mich infiziere?“ ist, sondern ganz schnöde „Wo kriege ich einen aktuellen Test her?“
Wie lange ich die Impfung noch hinauszögern kann, weiß ich nicht. Das Leben ist für Ungeimpfte so schwer geworden. Und ständig muss man sich rechtfertigen und verteidigen. Ich red‘ den anderen doch auch nicht rein, wenn sie sich impfen lassen wollen. Warum lassen sie mich nicht einfach in Ruhe. Ich bin das so leid.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 82 Kommentare

(K)eine Lehre aus der Leere //2617

Das dritte Wochenende im Monat ist immer so eine Sache. Normalerweise bringe ich am Wochenende nur aufgewärmten Content – seien es die Suchanfragen (1. Wochenende) oder frühere Tweets (2. und 4. Wochenende).
Am dritten Wochenende habe ich inzwischen etliche unvollendete Entwürfe gepostet, oder Einträge, die zwar fertig waren, ich aber aus irgendwelchen Gründen vergessen oder zunächst zurückgestellt hatte. Mittlerweile sind die praktisch alle aufgebraucht (bis auf einen, bei dem ich die Veröffentlichung bisher noch nicht über mich gebracht habe). Ich glaube vage, dass ich auf einem anderen Rechner auch mal ein paar Entwürfe abgespeichert habe. Darauf habe ich aber momentan keinen Zugriff.
Dann habe ich angefangen mit einem Rückblick auf die Zeit von vor zehn Jahren. Da passiert aber auch nicht allzu viel, so dass ich damit noch bis zum nächsten oder übernächsten Monat warten will, damit sich der Eintrag auch lohnt.

Nun ja, ein Fragment habe ich doch noch gefunden. Ich hatte da vor Jahren einen Einfall, und begonnen, darüber zu schreiben. Kurz danach habe ich die Sache dann aber schon wieder fallen lassen, bzw. nicht weiter verfolgt.
Jetzt gebe ich es hier wieder, dann kann ich diesen Schnipsel auch abhaken.

„In mir reift derzeit die Idee für ein CIS (Corporate Information System). Dies soll allen Mitarbeiter erleichtern, miteinander zu kommunizieren. Als Basis eine Art Messenger über einen speziellen Port.“

Vielleicht sollte ich künftig das dritte Wochenende blogmäßig einfach ausfallen lassen, wenn ich nichts zu sagen habe. Dagegen spricht, dass ich Wert auf Kontinuität lege, und keine zeitlichen Lücken aufkommen lassen möchte, wenn ich es vermeiden kann.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare

Mittelbare Neuigkeiten //2616

Das ist noch so eine Art Nachtrag zu Fiona’s Besuch. Naja, sagen wir eher Klatsch, denn ich habe das alles nur über ein paar Ecken erfahren.

1. Corinna muss sich furchtbar darüber geärgert haben, dass Kim nur noch stehend urinieren will, so wie es ihm sein Großvater beigebracht hat. Wenn Kim schon keinen Kontakt mit seinem Vater hat, und unter rein weiblichem Einfluss steht, ist es gut, dass wenigstens dieser wochenendliche Besuch etwas gefruchtet hat.

2. Corinna hatte in den letzten Jahren nur befristete Anstellungen, meist als Ersatz für zeitweise ausgefallene Arbeitskräfte, gefunden. Deshalb hatte sie mit Fiona und Kim mehrfach den Wohnsitz gewechselt. Nun ist sie wohl sesshaft geworden, denn sie hat jetzt einen unbefristeten Vertrag in einer mittelgroßen Stadt als Integrationsbeauftragte. Bedauerlicherweise hatte ich noch keine Gelegenheit, ihre Integrationsfähigkeiten zu überprüfen.

3. Sven (Fiona’s Geschiedener) liegt seit einiger Zeit auf einer neurologischen Intensivstation. Zeitweise lag er im künstlichen Koma und wurde beatmet. Auch wenn ich ihn nie leiden konnte, hätte ich sogar ihm niemals etwas derartiges gewünscht. Und selbstverständlich kann es nur reiner Zufall sein, dass er nicht lange vor Ausbruch der Krankheit erst geimpft worden war.
[Obwohl es sich um eine sehr seltene Krankheit handelt, ist dies schon das zweite Mal, dass jemand in meinem Bekanntenkreis davon betroffen ist.
Stellt euch einen Computer vor. Der Prozessor arbeitet einwandfrei. Die Peripheriegeräte sind völlig in Ordnung und werden mit Strom versorgt. Aber trotzdem arbeiten die Peripheriegeräte nicht, weil die Signalleitung nicht funktioniert. Analog erhalten die Gliedmaßen keine Signale vom Gehirn, was zu vollständiger Lähmung führt. Wenn auch noch die Atemmuskulatur betroffen ist, wird künstliche Beatmung notwendig.
Ganz so schlimm hatte es den anderen Erkrankten, von dem ich weiß, nicht erwischt. Er war „nur“ an Armen und Beinen wochen- oder monatelang völlig gelähmt. Nach mehrmaliger Plasmapherese wurde es dann allmählich wieder besser, bis er nach .. einem Jahr (?) wieder genesen war, und wenigstens keine dauerhaften Schäden zurückbehielt.]

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 62 Kommentare

Beschäftigung gesucht //2615

Frau Hilflo-Seerbin hat nun doch einen Platz im hiesigen Standort gefunden. In einem Büro, das eigentlich für vier Sachbearbeiter vorgesehen war, haben wir einen Raumteiler so eingezogen, dass sie etwas abgetrennt dort arbeiten kann. Dann passen aber nur noch zwei andere Mitarbeiter hinein, die früher bei Standort 7 waren.
[Für den ursprünglich vorgesehenen Raum prüfen wir noch, ob sich dort eine zusätzliche Dusche einrichten lässt, die insbesondere die Mitarbeiter, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, morgens nutzen können. Der Aufwand dürfte noch überschaubar sein, da keine zusätzlichen Wasser- oder Abwasserrohre verlegt werden müssten. Aber ob alle arbeitsschutzrechtlichen Regeln in dem kleinen Raum eingehalten werden können, ist noch fraglich.]

Das nächste Problem ist, wie sie sich dort nützlich machen kann. Sie hat ja keinerlei einschlägige Qualifikation, in technischen Belangen wirklich null Ahnung. Auch in Betriebswirtschaft kennt sie sich nicht aus, noch hat sie irgendwelche Kenntnisse, die in Zusammenhang mit unserer Branche stehen, oder sonst brauchbar sein könnten.
Die eine oder andere Schulungsmaßnahme wäre bestimmt nicht verkehrt. Aber das ist nur vorübergehend zweckmäßig, nicht auf Dauer.
Vielleicht kann sie die Personalabteilung etwas unterstützen oder sich um interne Kommunikation kümmern. Damit hätte sie zumindest einen etwas hochtrabenden Titel und wäre beschäftigt, ohne ernsthaft arbeitenden Leuten zu sehr in die Quere zu kommen.
Ich hatte auch schon überlegt, ob sie einige Vertriebsaufgaben übernehmen könnte, bei denen sie nicht mit technischen Details zu tun hat. Aber ich lasse sie besser nicht mit Kunden interagieren. Sie hat viel zu sehr diese Damsel-in-distress-Ausstrahlung und hilfesuchende Attitüde, wirkt ungefähr so kompetent und versiert wie Annalenchen B. in Blond. Das macht mir das ganze Firmen-Renommee zunichte.
Oder ich setze sie als QS-Beauftragte ein, wo sie im wesentlichen darauf achten muss, dass gewisse Dokumente rechtzeitig abgegeben und archiviert werden. Das läuft darauf hinaus, etliche Termine im Auge zu behalten, und die zuständigen Mitarbeiter immer wieder daran zu erinnern, auch mal Druck zu machen. Ich weiß nicht, ob ich ihr das zutrauen soll, aber ein Versuch wäre es wohl wert, zumal sonst niemand diesen Job freiwillig erledigen will. Aber das würde sie nur ein paar Stunden in der Woche beschäftigen, reicht also nicht als alleinige Aufgabe.
Es wäre ja schön, wenn sie mir irgendwelche Tasks abnehmen könnte, die ich selbst nicht gerne mache. Aber ich fürchte, die kriegt sie alle nicht auf die Reihe.
Für Arbeiten, wie den Hof fegen oder das Lager aufräumen, darf ich sie wohl auch nicht vorsehen. Dafür ist ihr Status in der Firma zu hoch. Dabei könnte sie so wenigstens etwas sinnvolles bewirken.
Vielleicht wäre es auch eine Option, ihr ein Aufgabenpaket zu geben, das sie überfordern wird, so dass sie dann freiwillig selbst aufgibt. Es darf aber auch nicht zu wichtig sein, dass es der Firma gravierend schaden würde, wenn sie es versiebt.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 28 Kommentare

Tweets aus dem 0xFF //2614

Heute ist der (2^2^2 -1)*(2^2^2 +1)-te Tag des Jahres. Das heißt, dass morgen der Tag des Programmierers ist.
Koinzidierend haben wir heute nicht nur Mariä Namen, sondern ebenfalls das zweite Wochenende des Monats, in dem ich traditionell frühere Tweets wieder auffrische – diesmal die vom 5. bis 19. Februar.

Verleser des Tages: [er schickte ein Bild seiner] Hoden statt Holden
#FavoritenMit $ #Umfrage [Variable|Hex-Zahl|Administrative Shares|Shell-Prompt]
Kein Arbeitgeber wäre so blöd, für das gleiche Ergebnis teure Männer einzustellen, wenn er dafür Frauen viel billiger bekommen könnte.
Verleser des Tages: Kaiserschnitt statt Kassierer
Der Zeckengraf //2515 Zweitausendfünfhundertfünfzehn
So. Abschlussbericht fertig geschrieben und losgeschickt. Das war’s hoffentlich erst mal wieder mit Beratung.
+Huch, halt! Die Rechnung muss ich auch noch schreiben.
Verschreiber des Tages: Arschemittwoch statt Aschermittwoch
#Favoriten2teRunde E-G #Umfrage [Erektionen|Enterprise|Freizeit|Gulaschsuppe]
Verleser des Tages: Krankenhausbesuch statt Krankheitsausbruch
Out of Home Office //2514 Zweitausendfünfhundertvierzehn
Verleser des Tages: „Spanische Treppe“ statt „Südspanische Steppe“
#FavoritenMit # #Umfrage [HTML-Anker|Präprozessor|C-Sharp|Nummer]
„Hast du geschaut, ob du morgen Vormittag einen Termin hast?“ – „Nein.“ – „Und wann machst du’s?“ – „Was?“ – „Nachschauen.“ – „Ich hab keinen Termin.“
Verleser des Tages: Misandrie statt Miniserie
Bei dieser Kälte dulde ich gnädigerweise, dass der offene Kamin angeheizt wird.
Zwitschereien am V-Day //2513 Zweitausendfünfhundertdreizehn
Dickflüssigen Brei in kleine Schüssel geschüttet. Lauft links und rechts daneben, weil Brei breit verläuft. Gibt es eigentlich schon Forschungen zur Abhängigkeit der Schüttbreite von Viskosität/Zähigkeit? #NavierStokes
Verhörer des Tages: Coronach statt Kronach
#FavoritenMit “ #Umfrage [Double Quote|Zoll|Bogensekunden|Unterführung]
Es gibt 10 Geschlechter. #Binär
Endlich gibt’s den Hashtag #AllesÖffnen. Aber #SocialDistancing behalten wir hoffentlich bei.
Aufgesprungene Lippen. Unangenehm bis schmerzhaft. Das ist die Kälte und vielleicht auch die zehrende Wirkung des Stillens.
Verleser des Tages: [im Namen einer] Idiotie statt Ideologie
Rückblick 2. Halbjahr 2020 //2512 Zweitausendfünfhundertzwölf
Neue #Hausschuhe. Meine alten hatten sich bereits aufgelöst. Da die Schuhläden alle geschlossen haben, war es gut, dass ich ein Paar zur Reserve hatte.
Na also. #Ausgangssperre praktisch passé. Und nach den nicht stattfindenden #Faschingsferien dürfen endlich alle #Abschlussklassen wieder in die Schule zum #Wechselunterricht. #Corona #Bayern
Dieser Frust, wenn man beim Debuggen wiederholt über die relevante Stelle hinaussteppt.
Verleser des Tages: Amaretto statt Amarant
#Favoriten2teRunde A-D #Umfrage [Algorithmen|Binärsystem|Compiler|Debugging]
Spezielles Controller-Kabel bestellt und geliefert bekommen. Stecker für Stromversorgung ist missgegendert.
Verschreiber des Tages: Verschreber statt Verschreiber
In letzter Zeit komme ich immer wieder mit der Numerierung meiner Blogeinträge durcheinander. Ich schieb das auf die #Stilldemenz.
Nomen nominaturum //2511 Zweitausendfünfhundertelf
Verleser des Tages: Omelett statt Online[-Konferenz]
Was ist heute mit @wordpressdotcom los? Ich kann manche Seiten nicht öffnen. Habt ihr auch diese Probleme?
#FavoritenMit ! #Umfrage [Fakultät|Negation|Ausruf|Aufforderung]
Ich: „Was willst du lieber: Eis mit Mus, oder Mus mit Eis?“ – Er: „Ja.“ Ich übe einen schlechten Einfluss auf ihn aus.
Verleser des Tages: Engineering statt Erinnerung
Der anthropische Zebrastreifen //2510 Zweitausendfünfhundertzehn
Wollte mein Twitter-Profil wieder mal ändern. #EBNF „[Na|Struk]turwissenschaftlerin, In[novat|geni]euse, MI[NT|LF].“ Aber @Twitter hat offenbar Probleme mit den Brackets und Pipes.
An dieser Stelle spalte ich den #FavoritenMit-Thread auf in zwei Stränge. Beim einen geht es mit ASCII-Sonderzeichen weiter. Der andere geht in die zweite Runde #Favoriten2teRunde, und lässt die jeweils Ersten gegeneinander antreten. Aber erst mal ein paar Tage Pause.
Kommentarstatistik: eine Kiloantwort
Verhörer des Tages: Dementor statt „der Mentor“
„Geh mir nicht auf die Nüsse!“ – „Dann tu‘ deinen Sack halt woanders hin!“ – Wenn er seine Walnüsse auch immer im Weg als Stolperfalle rumstehen lässt.
Verleser des Tages: geimpft statt geschimpft
Wintersuchen //2509 Zweitausendfünfhundertneun
4 * 4 = 10 #Hexeneinmaleins
Nicht jeder Geflügelhalter kennt sich mit Vögeln aus.
Verschreiber des Tages: Woke statt Wolke
#FavoritenMit Z #Umfrage [Zahlen|Zufall|Zwiebelsuppe|Zitronencreme]

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Sprunghafte Konversation //2613

Gerade als ich im Begriff war, routinemäßig die Windel von Johannes zu wechseln, klingelte das Telefon. Wenn ich bereits mit dem Wickeln begonnen hätte, hätte ich nicht unterbrochen, aber so ging ich halt ans Telefon.
Es war Kathrin: „Hallo Anne, ich wollte dir noch mal persönlich mein Beileid wünschen. Es ist zwar jetzt schon wieder ein paar Wochen her, aber auf dem Friedhof hatte ich keine Gelegenheit, mit dir zu reden. Und inzwischen ist es vielleicht auch schon ein bisschen besser geworden.“
„Danke, Kathrin, schon recht. Das Leben geht ja trotzdem weiter.“
„Wenn ich mir vorstelle ..“ Kathrin redete weiter, während mein Augenmerk darauf gerichtet war, dass Johannes gerade angefangen hatte, den Couchtisch abzuräumen. Während ich noch an einer heftigen Erkältung [da mein Immunsystem in den letzten anderthalb Jahren oder so nicht viel zu tun hatte, scheint es jetzt aus der Übung zu sein, und die Auszehrung durch den Symbionten tut ihr übriges] laboriere, ist dieser Bub quietschfidel und munter. Ich schnappte ihn mit einem Arm und setzte mich mit ihm auf dem Schoß hin, wo er versuchte, mir das Telefon aus der Hand zu entwinden.

Kathrin war es schon immer gelungen, diesen Spin von einem beliebigen anderen Thema zu sich selbst zu machen. Gerade hatte sie noch über die Trauer um meinen verstorbenen Vater gesprochen. Jetzt redete sie, ohne dass ich (zugegebenerweise abgelenkt durch Johannes‘ Zappelei) einen Übergang bemerkt hätte, von sich und ihrer Beziehung zu ihrem Mann.
„Wir reden total oft über unsere Gefühle zueinander“, erzählte sie unaufgefordert, „das ist so toll! Und Florian sagt mir jeden Tag mehrmals, wie sehr er mich doch liebt.“
Alleine bei der Vorstellung gruselte es mich. Das ist so eine Verschwendung von gemeinsamer Zeit und baut einen enormen Druck auf. Was bin ich froh, dass Carsten und ich nicht so drauf sind. Wir verstehen uns, auch ohne jede Lappalie verbal abklären zu müssen, wissen, was wir an einander haben, und wir belästigen einander nicht mit romantischen Gefühlsduseleien. Für eine hochemotionale Person wie Kathrin mag das ja so in Ordnung sein. Für nüchterne, sachliche Kopfmenschen wie Carsten und mich ganz sicher nicht.

Unvermittelt [ich wäre noch nicht einmal dazugekommen, meine „Sommergrippe“ zu erwähnen, selbst wenn ich gewollt hätte] erinnerte Kathrin sich an ihre Borrelioseerkrankung letztes Jahr. Inzwischen sei sie ja wieder halbwegs fit, aber sie hätte fast ein Jahr lang immer wieder Nachwirkungen gespürt. Es gelang mir der kurze Einwurf, dass ich neulich meinen FSME-Schutz hätte auffrischen lassen. Ja, das sei auch wichtig. Sie hätte ja heuer auch schon wieder drei Zecken gehabt, Florian fünf und Helmine zwei.
Helmine freue sich ja schon so sehr auf ihren ersten Schultag am nächsten Dienstag. Zusammen hätten sie eine große Schultüte gebastelt [es folgte eine Reihe Einzelheiten, die weder mich noch euch interessieren dürften], damit sie ganz viele Naschereien und Geschenke rein tun könne.
[Es ist nicht einfach, sich die Nase zu putzen, wenn man mit der einen Hand ein lebhaftes Baby hält, und mit der anderen das Telefon, aber irgendwie gelang es mir.]

Da fiele ihr selbst wieder ihr erster Schultag ein, und wie ihr mein Vater eingeredet hätte, dass, wenn sie die Schultüte annähme, sie jeden Tag in die Schule müsse, sich es aber aussuchen könne, wenn sie die Schultüte nicht annähme, und wie sie sich daraufhin geweigert hätte, die Schultüte anzunehmen, und wie ihre Eltern folglich über meinen Vater verärgert gewesen seien. Aber mein Vater hätte Kinder ja oft so geneckt. Und sie wisse auch noch, wie er immer die Hand auf den Tisch gelegt hätte, locker geballt, Zeige- und Mittelfinger wie zufällig gespreizt, und wenn ein Kind – davon wie magisch angezogen – einen Finger dazwischen gesteckt hätte, wäre die Falle blitzschnell zugeschnappt, und das betreffende Kind hätte sich nicht wieder befreien können, bis er es schließlich wieder loslies.
Ja, ich erinnerte mich auch .. er hatte niemals jemanden aufgefordert, den Finger hineinzustecken, noch nicht einmal beiläufig erwähnt, dass die Lücke zwischen diesen gespreizten Fingern wirkte, als wäre sie gemacht, um durch einen Kinderfinger geschlossen zu werden. Aber kein Kind schien dem widerstehen zu können, das aus eigenem Antrieb zu tun. Bei Sabine und mir drückte er immerhin nie fest zu. Bei älteren Kindern hat er das manchmal schon gemacht, aber keines trug einen Schaden davon.
Während ich noch diesen Gedanken nachhing, hatte Kathrin bereits wieder das Thema gewechselt.

Sie erzählte, dass sie neulich wieder mit Miriam (eine gemeinsame Schulkameradin und jetzt als Fachärztin in einer Klinik tätig) gesprochen hätte. Miriam hätte im Winter und Frühjahr ihren gesamten Bekanntenkreis immer wieder animiert, sich impfen zu lassen. Dann sei sie zurückhaltender geworden, und mittlerweile rate sie den Leuten sogar ab, weil sie inzwischen so viele Fälle gesehen hat, bei denen ..
Ich hörte nicht mehr, was Kathrin noch sagte, denn schließlich war es Johannes doch gelungen, das Telefon zu erwischen und die Verbindung zu trennen. Wenn es wichtig gewesen wäre, hätte ich zurückgerufen. Aber so war es mittlerweile dringlich geworden, Johannes endlich eine frische Windel zu verpassen. Kathrin selbst macht ebenfalls keinen Versuch. Sie hatte während des Gesprächs wiederholt betont, dass sie jetzt eigentlich gar keine Zeit zum Telefonieren habe, da sie gleich etwas Wichtiges zu erledigen habe.
Gespräche mit Kathrin sind immer so anstrengend. Ich legte keinen Wert auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , | 34 Kommentare

Rückblick 1. Halbjahr 2021 //2612

Das erste Halbjahr 2021 verlief ziemlich ereignisarm. Ein Rückblick lohnt fast nicht. Vielleicht wäre es sinnvoller, erst nächstes Jahr einen Rückblick auf das ganze Jahr zu schreiben.
Aber einerseits werden mir die Blogthemen knapp [edit: so war die Situation, als ich den Rückblick irgendwann im Juli geschrieben habe], andererseits möchte ich schon diese Blogtradition fortsetzen, so dass ich hier die wichtigsten Begebenheiten von Januar bis Juni zusammenfasse.

Für ein Entwicklungsprojekt hatte ich einen Ingenieurstudenten im Praxissemester eingestellt.
Aus komplizierten rechtlichen Gründen blieb uns nichts anderes übrig, als Evalyze vorläufig zurückzuziehen. Wie lange dieses „vorläufig“ dauert, kann ich immer noch nicht sagen. Und währenddessen ist ein kaum getesteter .. mit wesentlich größerem Impact .. ach, ich sag besser nichts mehr.
Die Kommunionfeier meines Neffen David verlief Corona-bedingt nur in sehr kleinem Kreis. Nur ich war zusammen mit Johannes eingeladen. Vorher besuchte ich noch meine Eltern.
Mit meinem QTR-Forschungsprojekt kam ich gut voran. Es ist jetzt soweit, dass es im Experiment überprüft werden könnte.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

Die Qualverwandtschaften //2611

Das war jetzt also das Wochenende mit Fiona:
Carsten hatte sie am Freitagabend vom Bahnhof (aufgrund des leidigen Bahnstreiks erst später als ursprünglich geplant) abgeholt. Während sie früher doch so etwas Frisches an sich hatte, ist das jetzt völlig verschwunden. Sie wirkt verwelkt und sieht deutlich älter aus, als sie tatsächlich ist. Kim trägt inzwischen eine Art Vokuhila-Frisur, was nicht gerade ästhetisch aussieht.
Fiona ignorierte mich weitestgehend. Wenn ich sie etwas fragte, antwortete sie zwar höflich, aber einsilbig. Also alles genauso wie früher auch.

Fiona versuchte immer wieder, Carsten zur Impfung zu drängen. Er werde ja im Winter schon 60. Da sei das absolut notwendig. Corinna hätte zwar nach der Impfung drei Tage lang ins Krankenhaus gemusst, aber danach ginge es ihr wieder prima, und das sei schließlich viel wichtiger, als auf der Intensivstation beatmet werden zu müssen, oder Longcovid zu kriegen. Und überhaupt sei die Impfung moralische Pflicht und Bürgersolidarität. Auch wenn man dies wohlwollend als Sorge um seine Gesundheit interpretiert, nervte es spätestens beim dritten oder vierten Mal. Und schließlich verlor Carsten dann doch die Geduld und verbat sich die Einmischung. Das sei seine eigene Sache, und er ließe sich nicht von einer verwöhnten, desinformierten Göre, ohne einschlägige Kenntnisse, die niemals etwas für das Gemeinwohl geleistet habe, etwas von Moral und Pflicht erzählen. Er trage genügend gesellschaftliche Verantwortung, und würde für sich persönlich selbst entscheiden, was er zu tun und zu lassen habe.
Johannes kann mittlerweile einigermaßen sicher stehen, wenn er sich nur noch mit einer Hand festhält. Das nutzte Kim aus, und schubste ihn immer wieder um. Fiona schien es völlig gleichgültig zu sein, wie ihr Halbbruder geärgert wurde. Bis Johannes schließlich frustriert weinte. Ich kam zu seiner Rettung und nahm ihn auf den Arm. Carsten forderte Fiona auf, gefälligst zu unterbinden, dass ihr Sohn immer wieder das Baby ärgerte. Aber sie machte keinerlei Anstalten einzugreifen. Also sorgte ich dafür, dass zwischen den Kindern Abstand blieb. Ich lasse es nicht zu, dass mein Kind Spielball für irgendwelche Machtkämpfe wird.

Am Samstag aß Kim einen unserer Äpfel. Danach wollte er unbedingt noch einen, aber es war keiner mehr in der Küche. Also ging ich raus in den Garten, um einen weiteren Apfel frisch vom Baum zu pfücken. Ich war keine drei Minuten weg. Aber als ich zurückkam, hatte Kim sich bereits irgendwelche Kekse in den Mund gestopft und wollte den Apfel nicht mehr. So ein undankbares Kind! Dann eben nicht.
Nach dem Mittagessen ging Carsten mit den beiden Jungen in den Wald spazieren. Fiona sagte, sie wolle sich etwas hinlegen, und ich hatte noch anderes zu erledigen und fördere es immer gerne, dass Carsten und Johannes Zeit miteinander verbringen, ohne dass ich dabei bin. Carsten erzählte später, der Spaziergang sei so anstrengend gewesen. Wenn Kim nicht gerade hinterhertrödelte oder ganz stehenblieb, rannte er in eine völlig andere Richtung weg, und er rüttelte bei jeder Gelegenheit am Buggy herum, so dass Johannes nicht einschlafen konnte. Zwischendurch musste Kim dann ganz urplötzlich und dringend. Carsten erklärte ihm, dass der ganze Wald sein Klo sei, und er solle sich doch einfach vor einen Baum stellen und darauf zielen.

Nachmittags kam Sonja zum Kaffee. [Wir hatten auch Norbert mit Elias eingeladen, um den er sich jetzt doch nolens volens zeitweise kümmert (das ist eine ganz andere Geschichte, über die ich zumindest vorläufig nichts schreiben möchte). Aber jener lehnte ab, da es nicht in seine Zeitplanung passte.]
Jetzt zeigte sich, dass Fiona auch freundlich konnte. Gegenüber Sonja war sie wie ausgewechselt, so herzlich und heiter, dass man sie kaum wiedererkannte. Ich ließ viele Grüße an Lukas ausrichten, der nach Abschluss seines Informatikstudiums Anfang des Jahres angefangen hat, im Prüflabor eines international tätigen Zertifizierungsdienstleisters zu arbeiten.
Kim hatte seinen Kuchen mit den Fingern gegessen. Folglich waren die jetzt verschmiert und klebrig. Also wischte er sie an der Polsterung unserer schönen Kopulationsbank ab.

Abends fragte Carsten, ob Kim Kontakt mit Raphael hätte.
Fiona antwortete: „Die Vaterrolle ist nur eine sozio-kulturelle Erfindung des Patriarchats, durch die Mütter unterdrückt und ausgebeutet werden.“
Ihre Aussage hörte sich wie auswendig gelernt an, und riss mir mit einem Ruck den gerade erst entstandenen Schorf von der Wunde, die mir der Tod meines Vaters geschlagen hatte. Fast noch mehr als als Tochter schmerzten mich ihre Worte als Mutter, der die Bindung ihres Kindes zu seinem Vater enorm wichtig ist. Hätte ich nicht absolutes Vertrauen zu seinem Rückhalt gehabt, hätte ich niemals ein Kind in die Welt gesetzt.
Carsten runzelte die Stirn. Er war verärgert, noch verärgerter als über die nervigen Impfaufforderungen.
„Und wer hat Unterhalt und Erbansprüche erfunden?“, fragte er mit kaum verholenem Sarkasmus, auf den sie nichts erwidere. Schließlich fügte er hinzu: „Wenn du das so siehst, weiß ich nicht, warum du dich überhaupt noch hier blicken lässt.“
Ich hielt es nicht mehr aus, schob die Spitze meines kleinen Fingers zwischen Johannes‘ Mundwinkel und meine Brustwarze, um den Unterdruck auszugleichen, stand auf und gab den etwas verdatterten Johannes an Carsten weiter, bevor ich den Raum verließ.
Was sie dann sonst noch geredet haben, weiß ich nicht, nur dass Fiona später ziemlich kleinlaut war.

Beim Mittagessen am Sonntag hatte Kim einen Trotzanfall, weil Fiona nicht erlauben wollte, dass er noch ein Stück Fleisch bekam. Schließlich gab sie nach unter der Bedingung, dass er auch noch etwas Gemüse isst. Er aß aber nur einen Teil davon und warf dann seinen Teller (zum Glück aus Kunststoff) auf den Boden.
Ich war froh und erleichtert, als Carsten Fiona und Kim wenig später wieder zum Bahnhof fuhr (dank irgendwelcher Baumaßnahmen und Zugumleitungen musste sie schon deutlich früher fahren, als eigentlich beabsichtigt). Als er zurückkam hatten wir wenigstens noch den Rest des Tages für uns.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 25 Kommentare

Wieder mal Gesuchungen //2610

Die neueste Liste mit den aktuellen Suchbegriffen ist diesmal nicht so lang. Es sind ja im Wesentlichen doch immer wieder die gleichen. Ich habe versucht, die neuesten herauszufiltern und mit einer kurzen Anmerkung versehen. Viel Spaß beim Lesen!

„versicherungsangelegenheit“
Das kann schon mal vorkommen.

„albino kastanie“
Ich hatte mal eine, die praktisch keine Pigmente hatte.

„umstandskleid bauchfrei“
Dafür ist ein Zweiteiler praktisch. Hab ich letztes Jahr auch getragen.

„chinesisches buffet kalorien“
Wer den Brennwert der zugeführten Nahrung abschätzen muss, sollte doch besser auf ein Buffet verzichten.

„solana breakpoint“
Da gibt es keinen Zusammenhang.

„kropf chinesin“
Seit jodiertes Speisesalz üblich ist, gibt es kaum noch Kröpfe. Wie das in China ist, weiß ich nicht.

„breakpoint medien“
Außer im Blog tummle ich mich noch auf Twitter.

„umständlichkeiten“
Ja, vor einem Jahr waren die Umstände ziemlich umständlich.

„du hast recht“
Manchmal wünschte ich, ich würde nicht recht behalten.

„gish galopp“
Wenn man so mit falschen Gegenargumenten überschüttet wird, dass die schiere Menge nicht mehr bewältigbar ist.

„plagiat politiker“
Damit verspielen Politiker, die sonst schon nichts zu bieten haben, auch noch den letzten Rest ihrer Vertrauenswürdigkeit und Anschein von Kompetenz.

„große transformation“
Transformieren lässt sich viel, seien es Koordinaten oder Wechselspannungen.

„hund kralle schält sich“
Manches möchte man sich gar nicht vorstellen müssen.

„best lovemaking tips“
Nicht drüber reden, sondern machen.

„nabla quadrat“
Das ist eine Kurzschreibweise für die Divergenz des Gradienten. Wird zum Laplace-Operator, der durch ein großes Delta dargestellt wird.

„genitiv-apostroph“
Ja, den nutze ich bei Eigennamen.

„wordpress erlebnis sperma im kaffee“
Diese spezielle Zutat habe ich noch nicht im Kaffee probiert, nur mit Muttermilch.

„subtraktion mit übertrag“
Dafür gibt es einen Algorithmus.

„sexnummer“
Dafür ist eine null-basierte Indizierung nicht geeignet.

PS: Der Besuch ist da. Einzelheiten werden nächste Woche verbloggt.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | 20 Kommentare

Die Aussicht auf’s Wochenende //2609

Fiona wird uns übers Wochenende besuchen.
Ihr letzter Besuch ist über zwei Jahre her, und sie wollte schon länger mal wieder herkommen. Teils fiel das wegen Corona flach, hauptsächlich aber wegen Corinna, die Carsten nicht in seinem Haus haben wollte.
Jetzt hat Corinna am Wochenende andere Angelegenheiten vor, so dass Fiona mit Carsten ausmachte, herzufahren. Kim wird natürlich auch mitkommen. Er ist inzwischen dreieinhalb Jahre alt.

Fairerweise muss ich zugeben, dass ich ein Veto hätte einlegen können. Carsten hat mich gefragt, ob mir der Besuch (wo ich doch erst kürzlich meinen Vater verloren habe) recht wäre. Aber ich wollte das Verhältnis von Carsten zu seinen Töchtern nie stören, habe immer versucht, es zu unterstützen, auch wenn das bisweilen verdammt schwer war.
Zu Verena habe ich ja im Laufe der Zeit ein recht gutes Verhältnis aufgebaut. Sie ist mittlerweile aber schon über ein Jahr weggezogen.
Mit Fiona bin ich allerdings nie warm geworden, und das liegt nicht nur an Corinna.

Insofern stört mich ihr Besuch. Ich will eigentlich viel lieber nur mit meiner Familie zusammen das Wochenende verbringen. Jeder andere ist ein Eindringling in unsere Privatsphäre. Aber da muss ich jetzt wohl durch. Das Leben geht trotz Trauer ja weiter.
Fiona soll froh sein, dass sie noch einen Vater hat.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 12 Kommentare

breakplaining: Binär //2608

Unter „binär“ versteht man, dass genau zwei sich ausschließende Zustände existieren. Die moderne Digitaltechnik, auf der unsere Computer beruhen, nutzt zwei Zustände, die ich hier mit 1 (high) und 0 (low) bezeichnen werde. Auch wenn es hochohmige oder undefinierte Zustände in elektronischen Schaltungen gibt, ändert das nichts an der grundsätzlichen Binarität.
Die Einheit bit (binary digit) steht für die Informationsmenge, die in einem solchem Zustand gespeichert werden kann. 1 bit bedeutet also 2 Zustände, 2 bit 2*2=4 Zustände, .. n bit 2^n Zustände. Es ist üblich, 8 bit zu einem Byte zusammenzufassen, mit dem 256 verschiedene Zustände dargestellt werden können.

Es wäre ja langweilig, wenn man mit diesen binären Zuständen nichts anfangen könnte.
Da gibt es zunächst unäre Operatoren, also Operatoren, die nur einen Eingangswert verlangen. Dieser Eingangswert kann entweder 0 oder 1 sein, was ich hier schlicht als 01 notiere.
Als Ausgangswert kommen 00, 11, 01 und 10 in Frage. 00 bedeutet „immer 0“, unabhängig vom Eingabewert. Entsprechend ist „11“ immer 1. 01 ist die Identität und liefert den Eingangswert zurück. Interessant ist nur 10, bei dem der Eingangwert invertiert wird.

Für die logischen Operationen, die zwei Eingangswerte (0011 und 0101) erwarten, gibt es im Prinzip 16 mögliche Kombinationen. Ich will hier aber nicht im Detail darauf eingehen, sondern verweise auf die Aussagenlogik. Die wichtigsten Verknüpfungen sind Und (0001), Oder (0111), sowie das exklusive Oder (0110). Mit ihnen lässt sich gemäß der De-Morgan’schen Gesetze die Boole’sche Algebra nutzen.

Eine natürliche Zahl lässt sich als Summe von Zweierpotenzen 2^i schreiben, wobei jede Potenz entweder null- oder einmal vorkommt. Kommt 2^i vor, so ist das i-te Bit gesetzt, ansonsten nicht. Die Zählung beginnt für i=0 beim Least Significant Bit. (Beispiel: 42 = 32 + 8 + 2 = 2^5 + 2^3 + 2^1, entspricht binär 101010.)
Bei den folgenden Erläuterungen gehe ich davon aus, dass es sich um Datenstrukturen von 32 bit handelt, die eine ganze Zahl von 0 bis über vier Milliarden darstellen (Vorzeichen vergessen wir).
Diese Zahl lässt sich um eine angegebene Zahl von Bits nach links oder rechts verschieben (wobei aus der anderen Richtung mit Nullen aufgefüllt wird). Dabei entspricht jede Verschiebung um ein Bit nach links einer Verdopplung. Um eine Zahl mit – sagen wir – 8 zu multiplizieren, müssen wir sie nur um drei Bits nach links verschieben. Darauf beruhen arithmetische Multiplikationen von Zahlen durch Computer. [Irgendwie muss ich jetzt gerade an meine gute, alte Brunsviga denken.]
Ahnlich entspricht jede Verschiebung um ein Bit nach rechts einer Halbierung. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass bei ungeraden Zahlen der halbzahlige Rest abgerundet wird.
Um binäre Zahlen zu addieren oder subtrahieren, gehen Computerprozessoren ähnlich vor wie Menschen beim Dezimalrechnen. Von rechts nach links (das ist eigentlich big-endian), angefangen also mit den Least Significant Bits, werden die jeweiligen Ziffern addiert. Aus den obigen 0011 und 0101 werden im ersten Schritt 0110, wobei beim Zusammentreffen von zwei Einsen ein Übertrag 0001 auf die nächsthöhere Stelle erfolgen muss. [Der Übertrag wird um 1 nach links geshiftet 0010, und zu 0110 addiert – ergibt 0100 und den Übertrag 0010. Übertrag wieder nach links schieben 0100 und zu 0100 addieren, ergibt 0000 und den Übertrag 0100. Nach einem weiteren Durchgang erhält man schließlich als Ergebnis 1000. 3 + 5 = 8 in dezimal.]

Man unterscheidet zwischen 10 Typen von Dateien. Unter binären Dateien versteht man Dateien, die binäre Daten enthalten. Die anderen sind Text-Dateien. Zwar enthalten diese auch binäre Daten, sind aber in Textform strukturiert – d.h. sie enthalten nur darstellbare Zeichen und werden durch Steuerzeichen wie Zeichenumbrüche gegliedert. Auch Text-Dateien sind also ein Subset von binären Dateien.

Es gibt 10 Arten von Menschen. Die einen verstehen, was binär ist. Die anderen nicht.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 8 Kommentare

Im Winter getwittert //2607

Das waren meine Tweets vom 20. Januar bis 5. Februar.

Vor mehreren Jahren hab ich mal ein selbstgemachtes Bild in die #Wikipedia hochgeladen, das einen Aspekt meines Spezialthemas visualisierte. Jetzt bin ich beim Recherchieren wieder darauf gestoßen. Inzwischen ist es in über 40 Artikeln in etlichen Sprachen eingebunden.
5 things we must normalize for women: 1. Composure and resilience, 2. Fulfilling obligations, 3. Devoting less attention to own emotions, 4. Taking personal responsibilities, 5. Not sharing sensitivities
Verleser des Tages: [das] Getue statt Gute
Student gesucht, 3. Runde //2508 Zweitausendfünfhundertacht
Verhörer des Tages: Lepra statt Libre
#FavoritenMit Y #Umfrage [y-Achse|Yin und Yang|Yes-Torty|Y-Chromosom]
Verleser des Tages: Lauchsymposium statt Lunchsymposium
Massen in Maßen //2507 Zweitausendfünfhundertsieben
Verschreiber des Tages: Suckbegriffe statt Suchbegriffe
#FavoritenMit X #Umfrage [XP|X-Rays|x-Achse|XML]
Verleser des Tages: Relativierungstheorie statt Relativitätstheorie
#AufbruchZumMond. So ein interessantes Thema. Und so ein langweiliger Film. Da hätte man einiges mehr draus machen können.
Wer sich selbst im Twitternamen „Bildung“ nennt, hat womöglich nur das „Ein“ davor vergessen.
+Eigentlich lustig – kriegt selbst kaum einen orthographisch und syntaktisch korrekten Satz hin, fühlt sich aber berufen, den Sprachgebrauch aller anderen umzukrempeln.
Aktuell bekommen wir so viele neue Aufträge, die wir gar nicht alle erfüllen können. Die #Corona-Hygienekonzepte lassen sich nicht damit vereinbaren, obwohl wir inzwischen Zweischichtbetrieb fahren.
Verhörer des Tages: Mozart statt Mozzarella
Das fünfte Wochenende //2506 Zweitausendfünfhundertsechs
#FavoritenMit W #Umfrage [Windows|Windbeutel|Waldspaziergang|Walnüsse]
Verleser des Tages: Babylon statt Babyfon
Die Horizontale ist nicht mehr genug. Plumps! Die Halbvertikale ist noch eine Herausforderung. #LabilesGleichgewicht
Verschreiber des Tages: datei statt dabei
Zwei Seiten des Supports //2505 Zweitausendfünfhundertfünf
„Du hast so schöne Lippen.“ – „Welche meinst du?“
#FavoritenMit V #Umfrage [Versionsverwaltung|Vanilleeis|Variationsrechnung|Vom Winde verweht]
Verleser des Tages: Wildcard statt Wirecard
Verhörer des Tages: Staat statt Start
Asymptotische Finsternis //2504 Zweitausendfünfhundertvier
#FavoritenMit U #Umfrage [Unendlichkeit|Universität|Urknall|Usability]
Weil es immer wieder Forderungen nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen #BGE gibt, hier mal ein paar Zahlen zur Einschätzung der Finanzierbarkeit:
+Bei einem Betrag von 1000€ pro Person und Monat wären das insgesamt 83 Milliarden Euro pro Monat, also rund eine Billion Euro im Jahr.
+Das Bruttoinlandsprodukt #BIP in Deutschland betrug 2020 etwa 3.3 Billionen Euro.
+Das gesamte Steueraufkommen in Deutschland (also Bund, Länder und Gemeinden) beläuft sich auf 0.8 Billionen Euro im Jahr.
+Also wie bitte soll das #BGE finanziert werden? Durch den Vergleich mit den anderen wichtigen Beträgen kann jeder selbst überlegen, wie realistisch, oder doch eher illusorisch diese Idee ist.
Verleser des Tages: Geburtsverbreitung statt Geburtagsvorbereitung
Wie rechnet ihr 12*48? #Umfrage #Kopfrechnen (Please RT) [480+96|600-24|9*64|144*4]
Verschreiber des Tages: Schach statt Schwach
#Tweettime //2503 Zweitausendfünfhundertdrei
Sind uns gerade uneinig, ob das aktuelle Windows #Spotlight Bild St. Michael’s Mount oder Mont Saint Michel ist.
#FavoritenMit T #Umfrage [Tensoren|Theoretische Physik|Transformationen|TBBT]
Verleser des Tages: [hat es in die] Universität statt Unterwelt [verschlagen]
Selbst wenn ich Männer nicht mögen würde, wäre ich keine Feministin. Dazu bin ich viel zu faktenorientiert und realitätsbezogen.
Verhörer des Tages: [Lizenz zum] Schweigen statt Sparen
Student gesucht, 2. Runde //2502 Zweitausendfünfhundertzwei
Mit der ideologischen Verdrängung des generischen Maskulinums geht für Frauen ein großer Vorteil verloren: die eigene Wahl und freie Entscheidung sich im entsprechenden Kontext selbst $Bezeichnung oder $Bezeichnung+“in“ zu nennen. Männer haben dieses Privileg nicht.
+Und \del{wer zu doof ist} \ins{wem das Sprachgefühl fehlt}, um zu wissen, ob er beim generischen Maskulinum „mitgemeint ist“, dem kann ich auch nicht helfen.
#FavoritenMit S #Umfrage [Singen|Schwimmen|Stricken|Schaukeln]
Nicht jeder, der forsch vorgeht, ist auch ein Forscher.
Verleser des Tages: [der] orthogonale statt orthodoxe [Priester]
#Aua! Hab mir Oberlippe und Zunge an geschmolzenem Käse verbrannt.
Verschreiber des Tages: Masku statt Markus [Söder]
#Liveloveblog – #Blogparade //2501 Zweitausendfünfhunderteins

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | 10 Kommentare

Der endgültige Abschied //2606

Zunächst dankeschön für eure Beileidsbekundungen zum Tod meines Vaters. Ich habe sie alle gelesen und zur Kenntnis genommen. Mir fehlt aktuell aber noch der Elan, darauf einzeln einzugehen.

Ich mag nicht ausführlich von den Trauerfeierlichkeiten berichten. Nur um mein Gedächtnis etwas zu entlasten, schreibe ich überhaupt etwas.
Wir fuhren früh in die Alte Heimat, wo vormittags das Requiem stattfinden sollte.
Zunächst suchten wir meine Mutter auf, um dann gemeinsam zur Kirche zu laufen. Meine Schwester Sabine war bereits mit ihrer Familie dort. Ohne Abstandsregeln hätten wir alle in die erste Reihe gepasst. So verteilten wir uns halt auf drei.
Ich hatte mit Carsten ausgemacht, dass ich Johannes mitnehmen und auf dem Schoß tragen würde. Falls dieser zu unruhig werden würde, solle Carsten mit ihm hinausgehen. Aber Johannes saugte und döste die ganze Zeit leise und friedlich vor sich hin.
Dann ging es zum Friedhof zur Aussegnung. Die Beisetzung wird erst in einigen Wochen nach der Einäscherung stattfinden. Ich weiß noch nicht, ob ich dann noch mal hinfahre.
Ich hätte noch Gelegenheit gehabt, meinen Vater aufgebahrt zu sehen, aber das wollte ich nicht. Ich möchte ihn wirklich lieber jünger und so vital in Erinnerung behalten, wie er früher war.

Johannes schlief im Buggy. Als er später aufwachte, nahm Carsten ihn auf den Arm.
Auf dem Friedhof sah ich noch weitere Verwandte, darunter Onkel Arno und Kathrin.
Zu normalen Zeiten hätte es noch einen Leichenschmaus gegeben. Aber so musste er ausfallen. Was zählt in dieser Zeit der Pandemie mit zehntausenden Toten schon die Trauerfeier eines einzelnen, und das Gedenken an ihn durch die Hinterbliebenen. Ich mag ja eigentlich nicht solche gemeinschaftlichen Essen, habe aber sonst immer teilgenommen. Denn damit bekundet man seinen Respekt für den Verstorbenen, indem man sich zusammen mit den anderen Angehörigen und Freunden noch einmal an ihn erinnert. Diese Möglichkeit war uns Trauernden genommen.
[Sonst hätte Onkel Arno ganz sicher z.B. die Geschichte erzählt, als sie auf einem Ausflug einen jungen Franzosen kennenlernten, der sie bat, ihm Deutsch beizubringen. Mein Vater nannte ihm dann so ein paar Begriffe – etwa statt „setzen Sie sich“ sagte er „platzen Sie“. Er machte gerne solche Scherze. Davon abgesehen war er stets korrekt, manchmal sogar übermäßig pedantisch. Er mochte offensichtlich auch Wortspiele. Überhaupt muss ich wohl doch mehr von ihm mehr geerbt haben, als mir bisher bewusst war. Ihm gefielen Zahlen. Er liebte Tabellen. Er war ein gutmütiger, hilfsbereiter Mensch – nicht wie diese guten Menschen heutzutage, die einem ihre Einmischung aufdrängen, und sich dafür noch feiern lassen wollen. Wenn man ihn um seine Unterstützung bat, konnte man sich auf seine Zusage verlassen.]

Wir waren noch mal bei meiner Mutter, wollten uns aber nicht länger aufhalten, nur schnell Johannes‘ Windel wechseln. Sie bot uns an, vor der Rückfahrt etwas zu essen. Aber ich hatte keinerlei Appetit, so dass ich ablehnte. Sie meinte dann, wir sollen wenigsten noch einen Kaffee trinken. Sie hätte extra einen Gesundheitskuchen gebacken, und sie würde doch so gerne noch ein wenig Zeit mit ihrem kleinen Enkelchen verbringen, wenn sie jetzt sonst schon immer so allein sein würde und doch niemanden mehr hätte. „Och, hädder sich doch bloß nedd ge:impf gelöss!“ Ich wies darauf hin, dass Sabine mit ihren Kindern nur wenige Gehminuten entfernt wohnt.
Wir ließen uns also überrreden, zu Kaffee und Kuchen zu bleiben, bevor wir uns danach auf die Heimfahrt machten.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | 14 Kommentare

R.I.P. //2605

Mein Vater ist gestorben.
Er hatte einen schweren Todeskampf. So ein starkes Herz, weil er immer viel Sport getrieben hatte. Aber die anderen Organe wollten nicht mehr.

Ich habe ja bei weitem nicht alle Neuigkeiten und Veränderungen zu seinem gesundheitlichen Zustand hier im Blog genannt. So war sein Tod nicht wirklich eine Überraschung. Dass es jetzt doch zum Schluss so schnell ging, dagegen schon.
Es gibt da irgend so ein Gebet „vor einem plötzlichen und unerwarteten Tod bewahre mich, oh Herr“ oder so ähnlich. Ich erinnere mich an mehrere Gelegenheiten, bei denen mein Vater sinngemäß meinte, dass gerade so ein schneller Tod doch besser sei, als erst lange vorher krank gewesen zu sein. Er hätte nicht gerne wochenlang vor sich hinsiechen wollen. Insofern war sein Tod sicher eine Erlösung für ihn.

Ich werde versuchen, ihn so in Erinnerung zu behalten, wie er früher war. Mit jeder Erinnerung, die ich teile, lebt er ein kleines bisschen im Gedächtnis weiter. Und vielleicht gibt es mir ein wenig Trost in meiner Trauer.
Seltsam – was einem wieder so einfällt. So ziemlich der erste Gedanke, der mir kam, war, wie er früher abends unseren Kater (von ihm gern als „alter Freund und Kupferstecher“ bezeichnet) immer raus ins Freie ließ, und dabei zu sagen pflegte: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Der Mohr kann gehen.“
Und mir fiel auch wieder ein, was für einen starken Druck er beim Schreiben ausübte. Von der Arbeit war er gewohnt, handschriftliche Aufzeichnungen oder Tabellen mit zwei oder drei Durchschlägen zu erstellen. Dementsprechend fest drückte er mit dem Kugelschreiber auf, dass man die durchgedrückte Schrift noch etliche Seiten später erkennen konnte.
Überhaupt konnte er gut schreiben: lesbar, prägnant, und orthographisch korrekt. Deshalb arbeitete er auch ein paar Jahre als Schreiber im Grundbuchamt einer größeren Stadt. Aber auf Dauer war ihm das zu weit von der Alten Heimat entfernt. So suchte er sich als gelernter Kaufmann eine Anstellung bei einem Industrieunternehmen in der Kreisstadt, wo er dann auch bis zur Rente arbeitete.
Er aß am liebsten gebackene Leber, Pommes Frites, Käsekuchen und Weichkaramellen, mochte aber Kohlrabi und Heidelbeeren nicht. Er trank gerne Kaffee, Mate-Tee, Ovomaltine, zweimal pro Woche ein Bier, aber niemals Wein. Er hat immer gerne Sport getrieben: Kraft- und Ausdauertraining, Gymnastik, Yoga, Laufen, und bei jeder guten Gelegenheit Schwimmen oder Skifahren.
Wenn ich strickte, behauptete er, auch stricken zu können. Auf Verlangen eines Beweises wackelte er dann aber nur mit den Stricknadeln. Nachweislich dagegen konnte er Hypnotisieren. Gelegenheit für eine Demonstration hat sich aber niemals ergeben.
So viele Male saß ich als kleines Mädchen auf seinem Schoß. Wir sahen zusammen fern, oder rechneten ..

Ich nehme mir ein paar Tage Auszeit.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | 20 Kommentare

Cummunikation grano salis //2604

Kommunikation ist kompliziert.
Das trifft besonders für Layer 8 zu.
Missverständnisse kann es immer wieder mal geben – klar. Trotzdem scheint mir, dass es einen bestimmten Typus Mensch gibt, mit dem sich solche Missverständnisse häufen.
Streng nach Hanlon’s Razor will ich denen ja noch nicht einmal Böswilligkeit unterstellen. Diese Leute denken einfach anders. [Erfahrungsgemäß gibt es ein paar Kriterien, an denen man solche Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen kann. Aber diese Kriterien sind eben nur plausible Hinweise oder Indikatoren, und treffen nicht in jedem Fall zu, so dass ich sie hier auch gar nicht nennen werde. Ihr dürft mir genügend Besonnenheit zutrauen, dass ich in dieser Hinsicht aufgeschlossen genug bin, diese Menschen nicht unwiderruflich in Schubladen einzukategorisieren.]

Nun, dieser spezielle Typus, den ich gerade im Sinn habe, beschränkt sich nicht darauf, auf meine Worte zu reagieren, sondern ergänzt diese um irgendwelche ausgedachten Zusammenhänge, die meistens überhaupt nichts mehr mit meiner Intention zu tun haben. Da werden meine Äußerungen in einen rein spekulativen, erratenen Kontext gebracht.
Dann gibt es Unterstellungen, Strohmänner, Derailings, Fehlschlüsse und die Kommunikation driftet zunehmend vom ursprünglichen Thema ab. Ich sehe mich immer weiter im Zugzwang, mich rechtfertigen zu müssen – für etwas, das ich so doch überhaupt nicht gesagt habe. Mag sein, dass ich mich hin und wieder ungeschickt ausgedrückt habe, aber selbst wenn ich jeden einzelnen Satz klarstellen würde, dann käme von den betreffenden Personen wieder ein neuer Schwung solcher Behauptungen. Für diesen zermürbenden Gish-Galopp ist mir meine Zeit zu schade.

Und wenn mir selbst dann einmal eine nachlässige Formulierung durchrutscht, wird die prompt zerhackt, und völlig entstellt und verdreht dargestellt. Es ist wirklich anstrengend, wenn man jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, damit es einem nur ja nicht ins Gegenteil verkehrt wird.
So macht das keinen Spaß. Kann man nicht einfach nur ein wenig locker plaudern, ohne dass damit gleich der Anspruch von Wissenschaftlichkeit verbunden wird? Gibt eine Äußerung, die ich rein privat (und auf das Wesentliche verkürzt) tätige, anderen das Recht, mir meine Kompetenzen abzusprechen, nur weil ich nicht in jedem Halbsatz den kompletten Kontext samt Nebenbedingungen und Relativierungen wiederhole?
Wohl gemerkt – nicht meine Statements werden angegriffen, sondern ich als Person und Wissenschaftlerin. Statt sachliche Argumente zu bringen, versucht man, mich zu verunglimpfen. Manche Leute können es nicht ertragen, wenn jemand andere Ansichten hat, und nehmen das übel.

Weder Blog und noch viel weniger Twitter sind geeignete Medien, um Sachverhalte ausführlich, nuanciert und ausgewogen unter Berücksichtigung sämtlicher Nebenaspekte darzustellen. Stattdessen werden sie dort kompakt und prägnant auf die wichtigsten Aspekte verdichtet. Wer kurz formuliert, kann nicht sämtliche denkbaren Implikationen berücksichtigen und mitnennen.
Meine (allgemein formulierten) Aussagen haben nicht den Anspruch 100%-iger Gültigkeit. Bei statistischen Verteilungen bin ich zufrieden mit ca. 80% (das entspricht etwa 1.3 sigma bei der Gauß’schen Glockenkurve) Trefferquote, und weise nicht eigens auf Ausnahmen hin. Es wäre ja zu ermüdend, dazu jedesmal einen ausführlichen Disclaimer zu bringen. Normalerweise verstehen das die Leser auch richtig (d.h. mindestens 80% davon tun es).
Aber jede noch so kleine Unterlassung oder Ungenauigkeit rächt sich, weil sich ganz bestimmt jemand findet, der es als seine Mission betrachtet, mir diesen Schnitzer unter die Nase zu reiben. Ja, ich weiß auch so, dass ich nicht unfehlbar bin. Was sagt es wohl aus, dass die meisten Kritikpunkte irgendwelcher bedeutungsloser Pipifax sind?

Es gibt ein paar Themen, mit denen ich mich sehr gut auskenne, weil ich mich seit Jahren fachlich damit beschäftige. Hin und wieder lese ich Aussagen, die damit zu tun haben, die aber völliger Schwachsinn sind. Meistens gelingt es mir ja sogar, mich zurückzuhalten, weil mir bewusst ist, dass Offenlegung meiner Expertise meine Annenühmität unwiederbringlich aufdecken würde. Es kam aber auch schon vor, dass ich mich dennoch dazu äußerte, um den Blödsinn klarzustellen. Dann wird mir nicht geglaubt, aber ich kann auch keine Belege verlinken (d.h. ich könnte schon, aber das wäre gleichbedeutend mit der Bekanntgabe meiner Identität, und das ist es mir nicht wert).
Zu gewissen anderen Aspekten habe ich zuverlässige Insiderinformationen, wo ich aber absolute Vertraulichkeit zugesichert habe, und diese auch nicht brechen werde.
So darf ich halt nicht erwarten, dass andere Personen mir glauben werden. Ich würd’s ja umgekehrt auch nicht tun. Es ist nur schade um diejenigen, die ich sonst als vernünftig und besonnen kenne, und die leider irgendwo falsch abgebogen sein müssen, und sich dort verrannt haben.

Bei anderen Themen habe ich selbst nur laienhafte Kenntnisse. Wenn ich mich dazu äußere, dann nach bestem Wissen und Gewissen. Einwände dagegen können durchaus berechtigt sein. Mir fehlt aber meist die Zeit, da noch einmal zu recherchieren. Ich bin total mies darin, Quellen wiederzufinden, die ich einmal gelesen habe. Die Schwemme mit Teilwahrheiten, die man auch bei vermeintlich seriösen Quellen findet, macht es nicht leichter.
Rohdaten dagegen sind meist nicht frei zugänglich, und selbst wenn doch, ist der Laie mit ihrer Auswertung, Interpretation und Einordnung weit überfordert.

Es gibt keinen Blödsinn, von dem manche Leute nicht felsenfest überzeugt sind, und von dem man sie nicht abbringen kann. Bestimmt würden auch noch so gut fundierte Belege und seriöse Quellen nichts nützen, wenn sich jemand mal so sehr in eine fixe Idee verrannt hat.
Leider, leider wird Wissenschaft inzwischen missbraucht und instrumentalisiert. Aber gerade wer sich auf die Wissenschaft beruft, muss sich auch Nachfragen und begründeten Gegenargumenten stellen können. Stattdessen wird Wissenschaft als Autoritätsargument genutzt, ohne jedoch dies weiter belegen zu können, und bei Detailfragen keine Ahnung zu haben. Nicht überall wo Wissenschaft draufsteht, ist auch Wissenschaft drin. Allzu oft ist es stattdessen populistische Panikmache unter einem aufmerksamkeitsheischenden Deckmäntelchen, das nur den Anschein von Redlichkeit und Authentizität erweckt, aber keine belastbare Substanz enthält.
Ein Laie kann nicht unterscheiden, ob es sich um seriöse Wissenschaft handelt, oder um Scharlatanerie. Und ja – auch Journalisten, Politiker, Influencer, .. sind praktisch immer lediglich Laien (oft genug dafür mit Beweggründen, die nicht nur auf das Wohl der Allgemeinheit abzielen).

Wenn völlig unspezifische Kritik kommt, in der nicht konkret gesagt wird, um was es denn nun überhaupt geht, kann ich nichts damit anfangen. Sticheleien, subtile Andeutungen und weniger subtile Abwertungen erscheinen eher als Pöbelei denn als ernsthafter Versuch, eine konstruktive Diskussion in Gang zu bringen. Da frage ich mich schon, was der Kritiker damit bezweckt. Erkenntnisgewinn kann es nicht sein, genauso wenig wie auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Viel plausibler ist doch, dass es sich um Stänkerei und Getrolle handelt.
Ich habe ja nun wirklich ein dickes Fell, aber so etwas ist auf Dauer einfach zermürbend. Eigentlich möchte ich mich online doch nur etwas entspannen (und gelegentlich vielleicht auch ein wenig Dampf ablassen).
Man kann sich kaum vorstellen, auf wie viele Weisen ein einfacher Satz missverstanden werden kann.

Solche Angelegenheiten kranken daran, dass unsere Sprache bei weitem nicht eindeutig, sondern ziemlich unklar und verwaschen ist.
Auch einfachste Begriffe tragen in sich eine Semantik, die jeder so interpretieren kann, wie er gerade lustig ist. Und so rutschen manche Diskussionen auf eine Metaebene ab, in der es dann nur noch um Begrifflichkeiten geht.
Sogar unter ganz einfachen Wörtern wie „Stuhl“ stellt sich jeder etwas anderes vor. Der eine sieht einen einfachen Holzstuhl, der nächste einen gepolsterten Sessel, der dritte einen Klappstuhl, wieder ein anderer einen bequemen Drehstuhl, und schließlich findet sich bestimmt einer, der kein Möbelstück im Sinn hat, sondern Exkremente assoziiert.

Oft kann man im Internet Diskussionen verfolgen, in denen um belanglose Hyperfeinheiten erbittert gestritten wird. Sogar wenn die Teilnehmer eigentlich ähnliche Ansichten haben und ihre Argumente durchdacht vorbringen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie leicht gleiche Begriffe ganz unterschiedlich aufgefasst werden und es zu Fehleinschätzungen kommt.

Da lobe ich meine Programmiersprachen. Weder Compiler noch Prozessor deuten irgendetwas hinein, was ich nicht selbst geschrieben habe. Alles völlig eindeutig und klar (auch die Fehler, die unbestritten zu meinen Lasten gehen). Der Computer würde niemals Instruktionen ausführen, die ihm nicht aufgetragen wurden.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 16 Kommentare

Crazy Little Thing Called Brain //2603

Jahrzehntelang hielt ich es für ganz normal, dass keine visuellen Bilder in meinem Kopf entstehen. Wenn jemand von seinem inneren Auge oder Kopfkino sprach, so hielt ich es für eine Metapher, und habe diese Metapher selbst gelegentlich genutzt. Oder wenn ich irgendwo las, dass sich jemand nicht mehr an das Gesicht einer früher nahestehenden Person erinnern könne, so dachte ich auch, das sei lediglich ein besonderer Ausdruck der Wertschätzung für diese Person. Dass sie tatsächlich bildlich in der Erinnerung vorhanden sein könnte, erschien mir zu abwegig, um überhaupt darauf zu kommen.
Nur mit großer Konzentration kann ich überhaupt statische, dunkle Schemen erkennen (sofern man das überhaupt als „sehen“ bezeichnen kann). Normalerweise habe ich eine viel abstraktere Vorstellung im Kopf als ein tatsächliches optisches Bild. Da ist es auch völlig unerheblich, ob ich dieses Bild bereits einmal in der Realität gesehen habe, oder nicht. Mein räumliches Vorstellungsvermögen ist teilweise davon entkoppelt, teilweise auch nicht. Ich kann das nicht besser beschreiben, zumal es zyklusabhängig ist.

Vermutlich hängt auch meine Gesichtserkennungsschwäche mit dieser Aphantasie zusammen. Da ich Gesichter nicht mit mental abgespeicherten Bildern davon vergleichen kann, erkenne ich sie halt nicht, sondern muss auf Frisur, Statur, Bewegungsmuster, Mimik, spezifische Gesten, Besonderheiten wie Brille oder Bart, und sonstige Auffälligkeiten (je weiter einzelne Merkmale vom Durchschnitt entfernt, um so größer die Wiedererkennungswahrscheinlichkeit), Stimme (Klangfarbe, Sprechhöhe, Sprechgeschwindigkeit, Dialekt, Akzent. Wortwahl, Sprachduktus, .. wenn alle nur noch hochdeutsch sprächen, ginge etliches an Individualität verloren), typische Bekleidung, .. zurückgreifen. Unvorstellbar für mich, wie andere Leute es schaffen, ein Phantombild zu erstellen. Ich würde auch niemanden nur aufgrund eines oder auch mehrerer Fotos erkennen, könnte noch nicht einmal bestätigen, dass ein Passfoto mit der gezeigten Person übereinstimmt. Solche Aufgaben verwirren mich. Da läuft mein Gehirn irgendwie ins Leere – wie eine Funktion, die nicht zurückkehrt.
Andererseits ist es viel zu kurz gedacht, Doppelgänger nur auf ihre Optik zu reduzieren. Masken in fremden Gesichtern halbieren die Erkennungsquote noch einmal.
Auch diese Einschränkung ist mir erst vor wenigen Jahren wirklich bewusst geworden.

Schon lange ist mir dagegen meine Rinks-Lechts-Schwäche und Beidhändigkeit bekannt. Dadurch, dass wir von Links nach Rechts lesen, erkenne ich zwar eine Vorzugsrichtung, aber die ist in meinem Gehirn nicht hardkodiert vorhanden. Mein Zentralprozessor muss jedesmal erst dynamisch berechnen, wo links und rechts ist, was bestimmt eine halbe Sekunde dauert. Wiederholte Bewegungsvorgänge prägen sich dagegen allmählich ein, so dass es durchaus Tätigkeiten gibt, die ich nur mit einer bestimmten Hand mache. Mit Rechts schreibe ich, trage mein Kind, bediene die Maus, während ich mit Links Taschen trage oder bevorzugt die Tastatur bediene. Das ist aber vor allem Gewohnheit.

Wo so viel Schatten ist, muss auch etwas Licht sein. So kann mir wohl niemand eine gewisse MINT-Begabung absprechen, die allerdings mit einigen neurodiversen Zügen einhergeht.
Warum ist das so? Wie immer versuche ich, zu verstehen und Ursächlichkeiten zu finden.
Da ist mir vor einiger Zeit wieder eingefallen, dass meine Mutter gelegentlich erwähnte, dass sie, während sie mit mir schwanger war, eine Zeitlang sehr krank war, so dass sie das Bett hüten musste und der Arzt einen Hausbesuch machte, wo er meinem Vater erklärte, sie sei schwerkrank. Konkrete Einzelheiten dazu sind von meinen Eltern allerdings nicht zu erfahren. Teilweise haben sie es vermutlich selbst vergessen, und bestimmt hat auch der Hausarzt nicht viele Informationen dazu genannt.

Ich kann hier nur Hypothesen aufstellen, ohne die Chance zu haben, diese jemals bestätigen oder widerlegen zu können.
Meine Vermutungen zum Zeitablauf sind also, dass die Schwangerschaft sich zunächst völlig normal entwickelte, was auch mein Fingerlängenverhältnis belegt. Dann erkrankte meine Mutter. Es erscheint mir recht plausibel, dass dies einen Einfluss auf meine Gehirnentwicklung hatte. Was genau passiert ist, werde ich nie erfahren, aber die pränatale Wirkung eines temporären Testosteronschubs ist völlig konsistent mit dem Ergebnis meiner Begabungen und Unzulänglichkeiten (naja, vielleicht außer der Rechts-Links-Schwäche). Das Timing hat sich als ausgesprochen günstig erwiesen. Es hätte auch anders ausgehen können. So bin ich zwar nicht in jeder Hinsicht typisch weiblich, aber die Vorteile überwiegen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | 24 Kommentare