Karfreitag And Beyond //2366

Karfreitag ist ein blöder Tag.
In der Firma ist nichts los, so dass es nichts bringt, ins Büro zu gehen. In der Stadt kann ich nichts einkaufen oder erledigen, da alle Läden, Banken, Ärzte und Behörden geschlossen haben.
Also hätte ich Zeit, mal eine Tanzveranstaltung zu besuchen, oder mir „Das Leben des Brian“ im Kino anzusehen. Aber das ist ja verboten.

So ist das zumindest in früheren Jahren gewesen. Dem einleitenden Absatz merkt man wohl an, dass ich ihn schon länger vorgeschrieben hatte, als wir damals überlegten, wie wir das Osterwochenende verbringen.
Aber dann kam Corona, und machte heuer alles anders – alles noch restriktiver, auch an gewöhnlichen Werktagen.

Ursprünglich hatten wir geplant, den Tag eben für unseren jährlichen Besuch bei Standort 5 zu nutzen, und noch ein paar Tage Miniurlaub in einem Wellness-Hotel bis nach den Feiertagen dranzuhängen.
Jetzt – naja, machen wir uns ein paar ruhige Tage auf dem Land. Bei schönem Wetter gehen wir spazieren, sonst hocken wir uns in den Whirlpool. Ich hoffe, dass wir mal so richtig abschalten können, und dabei ausspannen und uns erholen.
Als Ausweichtermin für Standort 5 ist jetzt das verlängerte Wochenende um Christihimmelfahrt vorgesehen, ersatzweise ginge auch noch Fronleichnam. Falls beides nicht klappt, wird es heuer wohl nichts mehr werden, da wir auch noch andere Vorhaben und Verpflichtungen haben.

Wie auch immer – während des Osterwochenendes wird es hier im Blog weitgehend ruhig bleiben. Ich schau sicherlich gelegentlich vorbei, insbesondere bei Twitter, aber ich habe nicht vor, vor Dienstag wieder zu bloggen.
Bis dahin wünsche ich euch allen eine erfolgreiche Eiersuche und schöne Osterrammeleien.

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Imag[in]e //2365

Es ist schon länger her, als ich das Marketing beauftragte, eine geeignete Werbeagentur zu suchen, die einen Imagefilm über Novosyx drehen soll.
Das Marketing hatte es nicht besonders eilig, und die Werbeagentur war ebenfalls nicht die schnellste, zumal es (nicht verbloggte) Meinungsverschiedenheiten über die genaue Ausgestaltung des Films gab. Also ist das Machwerk gerade jetzt, wenn wir für so etwas überhaupt keinen Sinn haben, fertig geworden. Dazu gehört noch ein kurzer Werbespot im gleichen Stil.
Der Film ist im Grunde genommen in Ordnung. Er beschreibt auf informative Weise unser Unternehmen und seine Produkte. Aber leider ist er auch recht langweilig, zumindest ohne dieses besondere Etwas, das auffällt, ohne dass man es konkret benennen könnte, aber dafür einen Eindruck hinterlässt, der im Gedächtnis haften bleibt.

Nun ja .. da die Umsetzung des Films nun mal schon abgeschlossen ist, schadet es auch nicht, wenn ich euch jetzt einen kleinen Einblick gebe, wie ich mir den Film, bzw. dessen Intro stattdessen vorgestellt hätte:
Man sieht einen Arbeitsraum, in dem mehrere unserer Geräte (unterschiedliche Produktlinien stehen). Die Kamera zoomt an eines näher heran. Ich werde sichtbar, bzw. wie ich auf dem Boden knie und an einem Gerät herumschraube. Das heißt, man sieht eigentlich erst mal nur meine Sitzfläche (in einem nicht allzu kurzen, aber engen Business-Rock), dann drehe ich mich so halb, und ins Bild gerät die Silhouette des Griffs des Schraubenziehers ..

Ein geschickter Regisseur hätte das entsprechend inszenieren können, dass Pinkstinks und Konsorten hyperventilieren. Und wenn sich jemand darüber aufgeregt hätte, hätte man denen ganz ruhig zu verstehen gegeben, dass bei uns die Geschäftsführerin höchstpersönlich an der Entwicklung beteiligt ist.
Aber es hat nicht sollen sein. Nur ein Traum ..

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Coding Codex //2364

Derzeit bin ich dabei, unsere Kodierrichtlinien zu überarbeiten. So richtig motiviert bin ich nicht, aber es gibt einiges anzupassen, zu aktualisieren und zu verbessern. Das lässt sich ganz gut daheim erledigen. Etwas dringenderes gibt es derzeit nicht zu tun, zumal ich nicht gerade jetzt unter diesen ungewissen Bedingungen ein größeres Projekt beginnen will.

Ich lege Wert auf sauberen Code, der weitgehend selbsterklärend ist. Das bedeutet unter anderem, „sprechende“ Variablen- und Funktionsnamen zu verwenden (lokale Hilfsvariablen wie Laufvariablen ausgenommen, da reicht ein i, j, k, m oder n).
Manches ist Geschmacksache, aber ich persönlich ziehe einen kompakten Code vor. Das bedeutet, dass ich u.a. nicht übermäßig viele Zeilen möchte, die nur aus einem einzigen Zeichen bestehen. Eine schließende Klammer am Funktionsende ist OK, aber darüber hinaus erhöht so ein Vorgehen nur die Anzahl der Codezeilen, aber nicht der Instruktionen. Um einen Code mit vielen kurzen Zeilen zu überblicken, reicht eine einzelne Bildschirmseite oft nicht aus, und man muss vertikal scrollen, scrollen, scrollen. Deshalb finde ich es i.A. besser, den Code enger zusammenzuschreiben – ein Prinzip, das man aber natürlich auch nicht überstrapazieren sollte. Es geht mir nur um Richtlinien zur Orientierung oder als Empfehlung, von denen man in begründeten Fällen Abstand nehmen darf.

Ähnlich ist es mit Kommentaren. Manche Programmierer kommentieren jeden Pipifax, und machen dadurch den Code schwerer verständlich, als er ohne sie wäre. Bei Verwendung „sprechender“ Namen, muss man nicht noch jedesmal eine Beschreibung daneben schreiben. Das bläht die Sourcen nur unnötig auf. Wirklich wichtige Kommentare fallen dadurch nicht mehr auf, da man sie dann leicht überliest.
Also Kommentare nur dann, wenn etwas außergewöhnliches dies erfordert, so dass Besonderheiten auch noch zwei Jahre später für einen anderen Entwickler nachvollziehbar sind. Oder wenn die Bedeutung des Codes, insbesondere bei aufwendigeren Algorithmen, nicht unmittelbar ersichtlich ist.
Es gibt durchaus noch etliche Stellen, an denen ein Kommentar sinnvoll und zweckmäßig ist. Bloß gegen solche Kommentarinflationen, bei denen man vor lauter Kommentaren den Code (trotz Syntax Highlighting) nicht mehr sieht, setze ich mich zur Wehr.

Außer der Häufigkeit von Zeilenumbrüchen ist unter Programmierern immer wieder ein hitzig diskutiertes Thema, wie weit man bei verschachteltem Code einrücken sollte.
Ich persönlich empfinde zwei Blanks als angenehm. Diese Einrückungstiefe genügt, um eindeutig als solche wahrgenommen zu werden, andererseits fransen die Zeilenanfänge nicht zu sehr aus. Wer lieber drei oder gar vier Leerzeichen einrücken möchte, darf das allerdings. Da bin ich tolerant. Eine noch größere Einrückungstiefe dulde ich dagegen nicht. da hat man sonst ganz schnell nur noch sehr wenige Zeichen pro Zeile übrig.
Und dann gibt es noch die Entwickler, die algorithmisch erst mit mehreren Leerzeichen Einrückung beginnen, um dann bei tieferer Verschachtelung weniger Leerzeichen zu benutzen (warum erinnert mich das jetzt an die Kommentare bei WordPress?).

Moderne Compiler erlauben teils exotische Konstruktionen, die recht kryptisch erscheinen können. Dadurch können mit einer einzigen Anweisung komplexe Operationen durchgeführt werden.
Nicht alles, was machbar und erlaubt ist, sollte man auch umsetzen. Was der eine Programmierer beherrscht, ist für einen anderen vielleicht nicht so selbstverständlich, und schon schleichen sich Fehler ein, die sich kaum noch debuggen lassen.
Code sollte so klar und eindeutig formuliert sein, dass nicht nur der Compiler ihn versteht, sondern auch ein noch unerfahrener Programmierer. Im Zweifel mal lieber eine Variable mehr deklarieren, als eine zu wenig, oder zusätzliche Befehle einfügen, wenn sie den Code insgesamt leichter erfassbar machen.
Und ich mag, ehrlich gesagt, diese Inline-Deklarationen nicht. Später ist dann gar nicht mehr nachzuvollziehen, woher eine bestimmte Variable stammt, und in welchem Scope sie gültig ist. Auch so etwas kann eine Fehlersuche erheblich erschweren.

Dann gibt es auch noch so ein paar Spezialisten, die wiederholt if-Abfragen der Art if (!$Q == FALSE) schreiben. Das ist grausam! So etwas erlaube ich nicht. Wenn ich zukünftig solche Codezeilen entdecke, muss der Verursacher einen symbolischen Beitrag zur virtuellen Kaffeekasse entrichten.

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RequiesCat //2363

Die folgende Begebenheit hatte bereits vor einigen Wochen (noch bevor Corona zum alles beherrschenden Thema wurde) stattgefunden. Ich hab‘ es nur nicht früher über mich gebracht, darüber zu bloggen.

Jeden Samstag fährt ein Bäckerauto zu bestimmter Uhrzeit in das Dorf. Dort kann man sich anstellen, um Brot oder Kleingebäck zu kaufen.
Normalerweise vermeide ich ja hinzugehen, aber dieses Wochenende hatten wir vergessen, aus der Stadt genügend Brot mitzubringen (solche Ärgerlichkeiten passieren manchmal, seit wir keine Haushälterin mehr haben). Statt in den nächsten größeren Ort zu fahren, ging ich halt zur nächsten Stelle, an der das Bäckerauto halten würde.
Es warteten noch eine Handvoll Personen aus dem Dorf, darunter Frau Faber (die Frau eines Handwerkers), die ich schon geraume Zeit nicht mehr getroffen hatte.
Ich begrüßte sie also. Nach zwei Sätzen über das Wetter und ein anderes rein lokales Thema fragte ich sie, wie es ihrer Katze Minka ginge.
Da erzählte sie, dass Minka im letzten Herbst von einem fremden Hund gerissen worden war. Sie selbst hätte den Hund noch gesehen, bevor er wegrannte, aber ihr Eingreifen sei zu spät gewesen, um Minka zu retten. In ihren Augen standen Tränen.
Mein Magen krampfte sich zusammen. Mir wurde schwindelig. Hätte ich mich nicht an die Mauer hinter mir lehnen können, wäre ich wohl umgekippt.
„Das tut mir sehr leid“, stammelte ich.
„Mein Mann will ja wieder eine neue Katze“, fuhr Frau Faber fort, „aber ich nicht. Noch einmal könnte ich so etwas nicht ertragen.“
Ich wusste nicht, was ich noch hätte sagen können. Die Ankunft des Bäckerautos enthob mich einer Antwort. Frau Faber war die erste in der Schlange gewesen und gab ihre Bestellung auf.

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Suchanfragen wie gewohnt //2362

Die Welt um uns herum hat sich in den letzten Wochen stark verändert. Umso wichtiger ist es, wenigstens einige alte Gewohnheiten fest beizubehalten. Das gibt Halt und Stabilität in unsicheren Zeiten.
So liste ich auch an diesem ersten Samstag im Monat die neuesten Suchanfragen auf.

„borat anzug“
Borate sind bestimmte chemische Verbindungen des Halogens Bor.

„sodapatronen dm“
Das von uns benötigte Format ist nicht mehr erhältlich.

„bug buster“
Ein Käferjäger. BTW – für alle, die es vor bereits längerer Zeit nicht mitgekriegt haben: Auf meinem privaten Boudoirblog werde ich nach Trollbefall und unautorisierter Weiterverbreitung meiner Bilder keine Fotos mehr veröffentlichen.

„sperma schlucken oder nicht“
Ja. Ernsthaft – das geht doch viel einfacher, als auszuspucken. Und gesundheitsförderlich ist es auch.

„einhundertachtundzwanzigel note“
Schwanzigel? Häh? Oder ist die mit den fünf Fähnchen gemeint?

„such mich“
Gefunden!

„outdoor erlebnis“
Trotz gelegentlicher Probleme mit Ameisen, Brennnesseln, etc. freue ich mich doch auf die Outdoorsaison.

„grünzeug für blumenstrauß“
Biomüll.

„breakpoint website“
Nö. Diese URL werde ich hier bestimmt nicht verlinken.

„verkehrte reiterstellung“
Die hat sich bei uns nicht bewährt. Finde ich ziemlich langweilig.

„nicht jugendfrei“
Schätzungsweise 99.8% meines Blogs schon.

„schniblo sexgeschichte“
Pizza ist eine runde Sache, Schnitzel nicht.

„rehrücken mit maronen“
Die Esskastanien haben wunderbar in den Kuchen gepasst.

„objektifizierung binär“
Objekte werden durch Serialisierung in einen binären Stream sequenziell abgebildet.

„zongo limone“
Limone ist eine Zitrusfrucht. Aber Zongo?

„hyperreelle zahlen“
Lest in der Wikipedia nach. Die kann man für Infinitesimalrechnung ohne Epsilontik nutzen.

„qué será será“
Whatever will be, will be.

„nerven betreffend“
Hin und wieder bin ich schon sehr genervt.

„pi komplette zahl“
Komplett gibt’s die nicht. Am letzten pi-Tag, vor drei Wochen, hatte ich die erste Million Nachkommastellen verlinkt.

„osterreise“
Es gibt zwar Planungen, aber ob heuer was daraus wird? *seufz*

„lästiges von sich schieben“
Beispielsweise Hausarbeit.

„kurzarbeit gleitzeitkonten“
Solange sich die geringere Auslastung noch einigermaßen durch Urlaub oder Abbau von Gleitzeit ausgleichen lässt, wollen wir eigentlich keine Kurzarbeit anordnen.

„penis liken“
Aber gerne!

„überqualifiziert synonym“
Zu teuer.

„mein wahres ich“
So bin ich halt.

„erniedrigen“
Dekrementieren.

„corona hotelübernachtungen“
Tourismus ist von Corona besonders stark betroffen.

„wie schreibt man dass“
Die Frage ist weniger „wie“, sondern in welchen Fällen man „dass“ schreibt, und in welchen nur „das“.

„schweinestall“
Bei Verwandten war ich schon im Schweinestall. Schweine werden häufig unterschätzt.

„abolitionistinnen“
Zumindest aus meinen Twitter-Mentions sind die wieder ziemlich verschwunden.

„geschäftliches entgegenkommen“
Kulanz.

„tageslichtlänge“
Hängt vom Datum und der geographischen Breite ab.

„ernährungsfragen“
Abwechslung ist wichtig.

„tantiemenzahlungen“
Die sind nur Nebeneinkommen.

„corona“, „covid19“
Niemand bleibt von den Auswirkungen der Corona-Pandemie verschont.

„anne wünsche gefickt“
Die Programmierschlampe genießt und schweigt.

„götterfrucht apfelsine“
Zwar mag ich den Geruch von Orangen gerne, vom Geschmack her sind sie mir aber oft zu sauer.

„tages client“
Ein Client soll nicht nur tagsüber, sondern auch nachts mit dem Server kommunizieren.

„wecker mit leuchtziffern an decke“
Nach längerem Herumprobieren zeigt die Projektion jetzt auf eine Zimmerecke.

„die sellerie“
Diese Missgenderung ist mir nicht geläufig, im Gegensatz zu „der Schokolad“.

„geschäftliches entgegenkommen“
Kulanz.

„physik liedtext“
Let’s get physical.

„duplo komplimente“
Der Schokoriegel oder die großen Lego-kompatiblen Bausteine?

„sonja buckel“
Nein, Sonja’s Rücken ist ganz normal.

„duplo möbel einzelteile“
Also doch die Bauklötze.

„age of aquarius youtube“
Ein toller Song aus dem Musical Hair.

„quohat pythonanywhere com“
Hä? Monty Pythons?

„pi formelzeichen“
Dafür nutzt man den kleinen griechischen Buchstaben pi, der leider nicht ASCII ist.

„korb als shittest“
Lässt sich im Zweifel so interpretieren.

„wirkung der sprache“
Durch bestimmte Formulierungen kann man die Rezeption beeinflussen.

„musiknote ascii“
Leider nein.

„osi layer 8 problem“
Dieses Problem existiert zwischen Tastatur und Stuhl.

„leere garnrollen“
Nicht nur meine Katzen haben damit gerne Rollenspiele gemacht.

„iso osi merksatz“
Spontan weiß ich jetzt nichts dazu.

„das traumbuch“
Der Bronstein ist für mich immer noch traumhaft.

„zapfanlage selber bauen“
Derzeit gibt es keine solchen Planungen.

„große kartoffeln“
Die lassen sich effizienter und mit weniger Abfall schälen.

„abwesenheitsnotiz sporadisch erreichbar“
Vielleicht kann man sich die Notiz dann ganz sparen.

„konvergenzradius rechner“
Dafür gibt es verschiedene Kriterien.

„dynamo einschalten“
Kaum ein Radfahrer nutzt doch noch ein Dynamo. Die haben alle ihre LED-Lampen.

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Keeping Things Going //2361

Die aktuelle Krise macht Carsten sehr zu schaffen.
Er ist es gewohnt, häufig unterwegs zu sein, um mit Kunden, Suppliern oder anderen Geschäftspartnern zu verhandeln. Das fällt jetzt ganz weg. Auch interne Besprechungen sind reduziert (nur die mit dem Betriebsrat haben zugenommen).
Wir wissen ja nicht, wie’s weiter geht, wie lange sich die jetzigen Zustände noch hinziehen und sich vermutlich sogar noch weiter verschärfen werden. Und das macht ihm große Sorgen.
Er sieht sein Lebenswerk in Gefahr. Und in der Tat – falls sich bis Ende April keine Perspektiven auf eine Normalisierung abzeichnen, werden rigide Maßnahmen sich nicht vermeiden lassen.
Weil er nicht länger schlafen kann, steht er schon früh um vier, fünf Uhr auf (weshalb der Morgensex ersatzlos entfällt), um so lange noch rumzuwerkeln, Dokumente zu lesen, Mails zu schreiben, ..

Unsere Vorhaben für neue und erweiterte Produktfeatures liegen erst mal auf Eis. Neuentwicklungen wären aktuell unnötiger Luxus. Wir müssen sehen, den operativen Betrieb nur wenigstens am Laufen zu halten. Alles nicht „systemrelevant“. Momentan sind unsere Kunden noch gut eingedeckt, aber wenn irgendwo ein Gerät defekt ist, können unsere Servicetechniker nicht hinreisen, um es zu reparieren. Im Laufe der Zeit wird sich das kumulieren. Neugeräte können momentan nicht geliefert werden. Mal schauen .. ich schätze, dass es in vielleicht einem halben Jahr dann plötzlich Probleme gibt, wenn mehr und mehr Geräte ausfallen, oder wenn keine Verbrauchsmaterialien (das Gerätependant für Klopapier) mehr vorhanden sind. Dann wird der Schrei groß sein.
Was macht ihr, wenn eure Waschmaschine, euer DSL-Router, euer Kühlschrank, euer Auto, .. irreparabel ausfällt, und nirgendwo dafür Ersatz aufzutreiben ist? Im Moment denkt noch niemand daran.
Würden wir ein halbes Jahr ohne Einnahmen überleben? Wir haben finanzielle Verpflichtungen. Unsere Arbeitnehmer müssten zeitweise mit Kurzarbeitergeld auskommen. Aber das ist lange nicht alles. Ich erspare euch die Aufzählung, bin nur froh, dass die meisten unserer genutzten Räumlichkeiten Firmeneigentum sind, und nur ein kleinerer Teil angemietet. Wir haben natürlich einige Rücklagen, aber erstens sind die nicht alle kurzfristig (ohne erheblichen Verlust) flüssig zu machen, zweitens reichen sie halt auch nur begrenzt.
Aber was interessiert euch das .. jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen.

Eigentlich hätte man annehmen können, dass wir – jetzt, da wir mehr Zeit haben – die Gelegenheit für häufigen Sex nutzen. Aber nicht nur der Morgensex fällt aus. Carsten scheint das körperliche Interesse ziemlich verloren zu haben. Wenn wir öfter als einmal pro Tag Sex haben, kann ich schon froh sein. Da nützen auch meine Verführungskünste nichts. Er blockt das ab, und lässt mich meistens erst gar nicht in seine Nähe kommen. Statt abends mit mir auf dem Sofa zu sitzen (was normalerweise von mindestens einem von uns zur Anbahnung genutzt wird), sitzt er am Computer, werkelt herum, liest Dokumente oder schreibt Mails.
Und wenn er nicht arbeitet, spielt er, oder läuft alleine draußen herum.

Endzeitstimmung greift um sich. Aber ich werde mir meinen Humor nicht so schnell nehmen lassen, und nicht nur noch katastrophierend-dystopisch denken.

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Berufswünsche (#Blogparade) //2360

Zugegeben, mein Aprilscherz gestern war nicht der gelungenste. Dabei hatte ich letzten Sommer bereits zwei gute Ideen dafür gehabt, aber dann wieder vergessen.
Ideen für Blogeinträge kommen ja manchmal zur Unzeit, wenn ich keine Zeit habe, sie auszuarbeiten. Dann wieder – wie derzeit – sind Themen knapp. Es tut sich momentan kaum etwas. Das Leben wird ausgebremst und erscheint verlangsamt. Das schlägt sich auch bei meinen Blogthemen nieder.
Deshalb greife ich heute mal wieder auf einen älteren Entwurf zurück, auch wenn er aktuell vielleicht etwas annechronistisch anmutet.

Im Rahmen einer bereits länger zurückliegenden Twitterdiskussion schrieb ich sinngemäß:
„Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der sich jeder selbst aussuchen darf, wie er seinen Lebensunterhalt (im Rahmen seiner Fähigkeiten und der Nachfrage danach) verdient.“
Die Einschränkung in Klammern zeigt schon den Knackpunkt an. Wollen ist nicht zwangsläufig gleich Können. Und auch Können bedeutet noch lange nicht, dass sich auch jemand findet, der bereit ist, dafür zu zahlen.
Es geht also i.A. nicht auf. Wenn jeder z.B. Lehrer werden wollte, gäbe es viel mehr Lehrer, als man braucht. Und wer macht umgekehrt dann eher unangenehme, aber notwendige Tätigkeiten wie Bau- oder Kanalarbeit, oder Pflegeberufe?
So etwas regelt dann größtenteils der Arbeitsmarkt. Berufe, die so schwierig sind, dass nicht jeder sie machen kann, oder so unangenehm, dass viele sie nicht machen wollen, werden zum Ausgleich halt höher entlohnt. Das höhere Arbeitsentgelt verlockt dann Menschen dazu, die es sonst nicht machen würden (bzw. aufgrund mangelnder Fähigkeiten auch keine anderen Optionen hätten).
Das ist so eine Rückkopplung zwischen Angebot und Nachfrage. Dynamische Systeme streben zu einem Gleichgewichtszustand. Sind Arbeitskräfte in einem bestimmten Bereich knapp, so geht deren Bezahlung hoch. Gibt es dagegen zu viele, die in diesem Bereich arbeiten wollen, geht die Bezahlung runter. So pendelt sich alles marktgerecht ein (wenn man es nur zulässt).
Berufsfreiheit bedeutet nicht, dass jeder das machen darf, was er will. So kann ein erfolgloser Kunstmaler nicht mal eben so eine Anwaltskanzlei, Arztpraxis oder ein Ingenieurbüro eröffnen. Dazu ist erst die passende Qualifikation erforderlich.

Das Thema Berufswünsche eignet sich eigentlich vorzüglich als Blogparade. So richtig offiziell mit Ablaufdatum und Auswertung möchte ich es aber nicht machen. Dazu bekamen meine früheren Versuche mit Blogparaden zu wenig Rückmeldungen. Auch scheint mir die Popularität von Blogparaden allgemein auf dem Rückzug zu sein.
Gerne dürft ihr aber etwas dazu in die Kommentare schreiben, und wenn jemand in seinem eigenen Blog einen Eintrag zum Thema schreibt, und hierauf verlinkt, so freue ich mich auch.

Zur Inspiration einige Fragen, auf die ihr antworten könnt:
Welche Berufe fandet ihr als Kind oder Teenager interessant? Warum?
Welchen Beruf habt ihr dann erlernt? Was war die Motivation für gerade diese Ausbildung oder gerade dieses Studium?
Manchmal stimmt der ausgeübte Beruf nicht mit dem erlernten überein. Welche Gründe gibt es (bei euch) dafür?
Seid ihr mit eurer Berufswahl zufrieden? Oder würdet ihr (mit all dem inzwischen erworbenen Wissen und einiger Erfahrung) alles anders machen, hättet ihr noch einmal die Chance dafür?
Schüler, Auszubildende und Studenten dürfen gerne über ihre Pläne und Absichten berichten.

Ich selbst werde demnächst auch einen Blogeintrag dazu schreiben. Nichts wirklich Neues, aber wieder mal mit einem anderen Fokus zusammengefasst.

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Pandemieinduzierter Ortswechsel //2359

Carsten hat mich überredet, in die alte Heimat zu fahren, um die nächste Zeit bei meinen Eltern zu verbringen. Hier in der Stadt sind halt inzwischen doch schon etliche Coronafälle bekannt, während die alte Heimat lange ganz davon verschont war, und auch jetzt nur sehr gering betroffen ist.
Es ist ja schon irgendwie sinnvoll, das Risiko aufzuteilen, und deshalb vorläufig keinen direkten Kontakt miteinander zu haben. Falls es einen von uns trifft, ist dann wenigstens der andere noch einsatzfähig.

Meine Einwände, dass die ärztliche Versorgung in $NichtImSauerland aber wesentlich besser ist, als in der alten Heimat, verpufften. Da gibt es endlich mal einen Vorteil, dass wir hier die weltweit größte Klinikdichte haben, und ich begebe mich in einen Ort ganz ohne Krankenhaus. Dabei hätte ich hier sogar aufgrund des Medizinerprojektes etwas Einfluss bei einigen hiesigen Ärzten.

Nun ja .. da meine Eltern keinen Internetanschluss haben, wird es schwer, von dort zu bloggen. Vielleicht kann ich bei meiner Schwester ab und zu online gehen.
Bis irgendwann!

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General Projection Fault //2358

Hin und wieder hatte ich die Webdienste auf meinem Server erwähnt.
Es gibt da immer wieder mal Probleme, sei es durch Updates, Inkompatibilitäten oder was auch immer. Bisher gelang es mir dann jedesmal (wenn teilweise auch erst nach deutlicher Zeitverzögerung), die Dienste wieder zum Laufen zu bringen.
Als ich neulich etwas ausprobieren wollte, fiel es mir siedheiß ein, dass zumindest ein bestimmter Dienst nicht DSGVO-konform ist. Also habe ich den erst mal auf Eis gelegt. Es wäre zwar machbar, ihn datenschutzrechtlich wieder einwandfrei hinzukriegen, aber ich scheue den Aufwand. Schließlich kostet es mich Zeit, und bringt mir im Endeffekt keinen Vorteil.
Über viele Jahre hinweg habe ich meine Softwareprodukte entwickelt und ausgebaut. Und jetzt werden es nach und nach immer weniger, die ich noch anbieten kann – sei es aus rechtlichen, technischen oder sonstigen Gründen.

Apropos DSGVO – nervt es euch nicht auch, wenn ihr auf einer Webseite nur mal schnell eben etwas nachsehen wollt, ihr vorher aber detailliert erst alle möglichen Zustimmungen geben müsst, bevor ihr etwas zu sehen kriegt? Und ihr habt eigentlich gerade gar keine Zeit für den Schei?, und um erst alle einzelnen Optionen durchzugehen und ggf. ausdrücklich abzuwählen. Dann klickt ihr halt auf die pauschale Gesamteinwilligung, nur damit es weiter geht.
Ich glaube, durch die DSGVO lassen sich viel mehr unnötige Datenabgriffe einschleußen, als es vor ihrer Gültigkeit der Fall war. Das „Kleingedruckte“ hat schon vorher kaum jemand gelesen. Durch die Zunahme der Menge an eigentlich irrelevantem Kleinkram kann das jetzt praktisch niemand mehr, und wesentliche Eingriffe in die Privacy lassen sich so viel leichter verstecken.

Aber mein kleiner Webservice, der seinen Nutzern tatsächlich einen Vorteil gebracht hat, und dessen übertragene Daten ich zwar temporär gespeichert, aber nie verwertet habe, muss aufgrund von Überregulierung seinen Dienst einstellen. Schließlich möchte ich keine Abmahnung riskieren.

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Die Kastanie der Hoffnung //2357

Heuer war mir meine Kastanie unterwegs nur selten bewusst. Sonst hatte ich hin und wieder in meine Tasche gefasst, und die Kastanie gespürt, aber dieses Jahr – obwohl ich sie eigentlich immer dabei hatte – dachte ich nur selten an sie.
Als wir am Wochenende zusammen [ordnungswidrig wegen getrennter Wohnsitze] spazieren gingen, kam sie mir dann doch wieder in die Finger. Der Winter ist vorbei. Der Frühling hat begonnen. Es war also an der Zeit, die Kastanie der Natur zurück zu geben.
Ich schaute sie mir noch ein letztes Mal an. Ihren Glanz hat sie schon lange verloren. Welk, ausgetrocknet und schrumpelig lag sie in meiner Hand.

Nach jeder Nacht folgt wieder ein Tag, nach jedem Winter ein Sommer (schon toll, was wir alles der Drehimpulserhaltung verdanken!), und schlechte Zeiten gehen mal vorüber. Auch die derzeitige Krise wird irgendwann Vergangenheit sein.
Mit dieser Gewissheit holte ich aus, und warf die Kastanie weit auf einer nahezu parabolischen Flugbahn auf die Wiese neben dem Weg.

Wie üblich hatte ich mal wieder den gemeinsamen Kastanienwurf der Kastanienbewegung verpasst, aber meiner in die Freiheit entlassenen Kastanie dürfte das egal sein.

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Let’s Tweet Again //2356

Gerne hätte ich als vorgezogenen Aprilscherz gebracht, dass die Zeitumstellung wegen Corona dieses Jahr ausfällt. Aber der April beginnt erst nächste Woche.
Also gibt es diesen Samstag wieder ganz regulär recyclete Tweets. Diesmal sind die zwischen dem 2. und 18. Juli 2019 dran.

Verleser des Tages: Fleischbeschauerinnen statt Falschbeschuldigungen
Die Rückkehr des Geissenpeters //2173 Zweitausendeinhundertdreiundsiebzig
Verhörer des Tages: [Dank seiner] Männlichkeit statt Wendigkeit
Manchmal ist die Wahrung professioneller Contenance eine Herausforderung.
Rücken ohne Entzücken beim Bücken //2172 Zweitausendeinhundertzweiundsiebzig
Verleser des Tages: Fledermaus statt Fliedermus
Verschreiber des Tages: cunt statt count
Kausalkette //2171 Zweitausendeinhunderteinundsiebzig
Verleser des Tages: Integrand statt Intrigant
„Mein Lieblingsexperiment“ #Blogparade //2170 Zweitausendeinhundertsiebzig
Verhörer des Tages: Eunuch statt Versuch
Verleser des Tages: transaktuell statt tagesaktuell
Le sacre du Twitter //2169 Zweitausendeinhundertneunundsechzig
Ich kann mich nicht erinnern, jemals im Juli ein Unterhemd getragen zu haben. Jetzt schon. #Klimaerwärmung
Verschreiber des Tages: tail statt tale
Unterwegs ist mir eine Gruppe männlicher Jugendlicher entgegengelaufen. Sie haben so höflich und freundlich gegrüßt.
Verleser des Tages: knutscht statt kuscht
Den halben freien Nachmittag am Dienstag habe ich teuer bezahlen müssen.
Personaliges //2168 Zweitausendeinhundertachtundsechzig
Verhörer des Tages: Tittenstrahldrucker statt Tintenstrahldrucker
What A Mess! //2167 Zweitausendeinhundertsiebenundsechzig
Verleser des Tages: weibliche statt werbliche [Absicht]
Auf Berges Halde //2166 Zweitausendeinhundertsechsundsechzig
Verschreiber des Tages: farts statt facts
Verleser des Tages: Genitalserhöhungen statt Gehaltserhöhungen
Durchgefroren im Büro eingetroffen. Jetzt kann mich nur ein Kaffee retten!
Mündliche Aufgabe //2165 Zweitausendeinhundertfünfundsechzig
Im Grunde bin ich wirklich ein gutmütiger und hilfsbereiter Mensch. Was ich aber nicht haben kann, ist, wenn jemand versucht, mich auszunutzen oder moralisch zu erpressen. Dann schalte ich auf stur.
Verhörer des Tages: Tuvok statt Tuborg
Verleser des Tages: Ferrero statt Ferrari
Spiele der Vielfalt //2164 Zweitausendeinhundertvierundsechzig
Verschreiber des Tages: Drehungen statt Drohungen
Auch wenn es bekannt ist, dass ich berechnend bin, muss es doch nicht sein, mir per DM Rechenaufgaben zuzuschicken.
Verleser des Tages: verdammt statt verdankt
Ein Wochenende ohne Termine \o/
Verhörer des Tages: Maskenball statt Basketball
Verleser des Tages: Strolch statt Stroh
Gefunden! //2163 Zweitausendeinhundertdreiundsechzig
Verschreiber des Tages: Lebensmitte statt Lebensmittel
Verleser des Tages: Schnittstellen statt Schnittchen
Auf der Straße //2162 Zweitausendeinhundertzweiundsechzig
Jetzt ist #Aphel.
Verhörer des Tages: iconic statt ironic
Verleser des Tages: Femination statt Fermentation
Ein fragwürdiges Ersuchen //2161 Zweitausendeinhunderteinundsechzig
Verschreiber des Tages: Meiden statt Medien
Verleser des Tages: Dabei statt Dubai
Der Rest ist Schweigen //2160 Zweitausendeinhundertsechzig
Verhörer des Tages: Tittenmelodie statt Titelmelodie
Da lief eines meiner Lieblingslieder auf dem Radio, als ich gerade den Mund voll hatte.
Verleser des Tages: Zahnmassage statt Zeugenaussage
Evalyze 2.0 //2159 Zweitausendeinhundertneunundfünfzig

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Fehlbesetzung //2355

Trotz Corona läuft das Geschäftsleben irgendwie, wenn auch eingeschränkt, weiter, teilweise sogar mit erstaunlicher Normalität.
Vor einiger Zeit hatte ich über Herrn Liefert gebloggt, der unser Kundenbetreuer bei einem Zulieferunternehmen war. Er war wegen einer unerheblichen Lappalie in den Innendienst versetzt worden. Wir sollten statt seiner eine neue Kundenbetreuerin erhalten.
Ich kontaktierte ja sogar noch einmal die dortige Geschäftsleitung, weil wir Herrn Liefert lieber behalten wollten. Aber mir wurde nur mitgeteilt, dass Herr Liefert inzwischen das Unternehmen ganz verlassen hätte.

Nun ja, uns blieb also nichts anderes übrig, als die neue Kundenbetreuerin zu empfangen. Ich bekam sie bei ihrem ersten Besuch gar nicht zu Gesicht. Ulrich berichtete mir, dass ihr noch völlig die berufliche Erfahrung fehle, sie dies aber durch eine gewisse Arroganz versuche auszugleichen.
Als ich sie bei ihrem zweiten Besuch antraf, hatte ich den gleichen Eindruck. Sie kannte sich noch nicht wirklich mit den geschäftlichen Gepflogenheiten und Spezifikationen der von ihr vertretenen Produkte aus.
Vermutlich hätte sie sich im Laufe der Zeit besser eingearbeitet. Ich gehe davon aus, dass wir uns – wohl oder übel – schon irgendwie mit ihr arrangiert hätten. Ist ja nicht so, dass sie sehr oft bei uns angetreten wäre, sondern nur in Abständen von mehreren Wochen.

Nun hat uns ihr Arbeitgeber mitgeteilt, dass sie uns vorläufig (ha!) nicht mehr besuchen wird. Angeblich ist sie schwanger und darf keine Kunden mehr besuchen. Fragt mich nicht nach Einzelheiten.
Bei ihrem Arbeitgeber war sie eigentlich ursprünglich nur als Ersatzkraft und Redundanz für Herrn Liefert eingestellt gewesen. Nachdem dieser nicht mehr verfügbar war, musste sie seine Aufgaben übernehmen, ohne selbst einen Vertreter zu haben. Ihr Arbeitgeber (eine recht kleine, deutsche Niederlassung eines ausländischen Unternehmens) ist jetzt in der unglücklichen Situation, keinen kompetenten, erfahrenen Mitarbeiter zu haben, der die Stammkunden betreut. Nun ja – teils selber schuld, denn schließlich haben sie 1. Herrn Liefert einfach so ausgebootet, und ihn 2. durch eine absehbar unzuverlässige Arbeitskraft ersetzt.

Wir werden wohl irgendwie klar kommen, machen halt unsere Bestellungen direkt beim Lieferanten, ohne dass ein Kundenbetreuer das persönlich aufnehmen muss. Eine Zeitlang geht das schon, allerdings nicht auf Dauer, da doch immer wieder mal neue Anforderungen oder ähnliches besprochen werden müssen.
Andere Kunden des Lieferanten haben damit bestimmt größere Probleme. Nun ja – zumindest aktuell dürfte das im Vergleich mit Corona noch untergehen.

Ich verstehe auch nicht, was diese Kundenbetreuerin sich dabei gedacht hat. Ihr Arbeitgeber hat ihr die Chance geboten, einer wichtigen und verantwortungsvollen Tätigkeit nachzugehen, die sie bewusst und willentlich angenommen hat, und sie lässt ihn schon bald danach einfach so im Stich.

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Smart Is Not Clever //2354

Bevor Corona das alles beherrschende Thema wurde, war ich im März noch zweimal verreist. Bei Reisen nehme ich halt doch mein Smartphone mit, um zwischendurch, oder insbesondere wenn ich auswärts übernachten muss, mal telefonieren zu können. Bisher hatte ich es aber wirklich nur zum Telefonieren genutzt. Und schon da ist die Bedienung ärgerlich und wenig intuitiv. Piktogramme sind was für Analphabeten. Ich will wissen, was passiert, bevor ich auf ein Bildchen klic.. äh .. tatsche.

Da es auch an anderen Orten mittlerweile häufig einfach zugängliches WLAN gibt, dachte ich mir, ich könne doch auch zwischendurch vielleicht mal kurz damit in WordPress oder Twitter reinschauen.
Mich an das WLAN-Netz zu verbinden, kriegte ich noch irgendwie hin. Einen Browser zu starten, schaffte ich auch. Die gewünschte URL einzugeben war mühselig und langwierig mit diesem doofen SIP, aber letztendlich gelang mir das.
Bei WordPress schaffte ich es zwar irgendwie, mich einzuloggen, aber weiter kam ich nicht. Bei Twitter funktionierte noch nicht einmal das, weil ich immer auf irgendwelche anderen Seiten weitergeleitet wurde.

Dann dieser doofe Browser .. warum lässt sich ein Fenster, das man nicht mehr braucht, nicht einfach schließen? Es ist wirklich absolut umständlich und schwerfällig so ein Smartphone zu bedienen. Wie schafft ihr das alle nur?
Ich vermisse es, mehrere Fenster gleichzeitig im Blick zu haben. Mir fehlt eine ordentliche Tastatur mit der Möglichkeit, Shortcuts zu drücken. Aber vor allem fehlt mir die rechte Maustaste, um ein Kontextmenü aufpoppen zu lassen.

Das blöde Ding läuft mit Android, einem Linux-Derivat. Zu schade, dass Windows Phone eingestellt wurde. Damit wäre ich sicher besser zurecht gekommen. OK – mein Smartphone und somit die Android-Version hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Trotzdem glaube ich nicht, dass die aktuelle Version so sehr viel besser ist.
Oder kann man da neue Instanzen starten? Gibt es eine Art Task Manager (idealerweise per Ctrl-Alt-Del aufrufbar), mit dem ich einzelne Prozesse beobachten oder abschießen kann? Wo – verdammt noch mal! – ist die Command Shell?

Erzählt mir nicht, dass ich irgendwelche Äpps installieren müsste. Das mach‘ ich nicht. Mein Handy bleib Äpp-frei. Aus Datenschutz und Sicherheitsgründen.
Vielleicht wäre ich mit WordPress oder Twitter schon noch irgendwie weitergekommen, wäre ich gewillt gewesen, da mehr Zeit zu investieren. Aber das UI nervt mich ja schon beim simplen Telefonieren.

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Wenn alles anders kommt //2353

Es war seit langem geplant, dass einige meiner Mitarbeiter für ein paar Tage eine Art Entwickler-Event besuchen. Dies sollte eine branchenbezogene Zusammenkunft einiger Entwicklerteams verschiedener Firmen sein, um .. nein, das braucht ihr nicht so genau zu wissen.
Ursprünglich hatte ich überlegt mitzukommen, aber das wäre mir doch etwas zuviel geworden. Schließlich war ich im März bereits zweimal verreist. Nächste Woche hatte ich eigentlich vor (bevor die coronaischen Zeiten dazwischen kamen) zu einem Kunden (allerdings nur hier im Großraum) zu fahren. Für April war Standort 5 eingeplant, und für Mai die Standorte 2 und 3. Angesichts dieser Häufungen hatte ich mich bereits vor zwei oder drei Wochen entschlossen, dieses Event lieber ausfallen zu lassen. Das hatte nichts mit Corona zu tun. [Ich kann es übrigens nicht ausstehen, wenn ich immer wieder umdisponieren muss.]
Meine Mitarbeiter sind gut aufeinander eingespielt, und hätten die Sache auch ohne mich im Griff gehabt. Für alle Fälle wäre ich auch telefonisch erreichbar gewesen.

Obwohl dieses Event – wie so viele andere – abgesagt wurde, habe ich diese Woche etwas Leerlauf, da für meine Mitarbeiter nichts anderes geplant ist. Meetings und persönliche Besprechungen sind derzeit auf das nötigste Minimum reduziert. Diese Zeit werde ich benutzen, um eine ganz andere Idee abzuklären.
Als ich kürzlich auf dem Kongress war, kam mir bei einem Vortrag ein Geistesblitz für ein neues Feature unserer Geräte. Mit einigem Entwicklungsaufwand dürfte das realisierbar sein. Ich bin dabei, das grobe Konzept zu erstellen – oder die Idee wieder fallen zu lassen, falls meine Überlegungen und Recherchen doch größere Schwierigkeiten erwarten lassen.
Teils kann ich das im Home-Office machen, teils muss ich dafür ins Entwicklungslabor.

Wir bemühen uns ja wirklich, die derzeitige Situation mit freiwilligem Urlaub, Abbau von Gleitzeitkonten, Weiterbildungsmaßnahmen und großzügigeren Home-Office-Regelungen durchzustehen. In der Fertigung wird bereits eingeschränkt produziert. Die Büroräume sind geisterhaft leer. Aber wie es aussieht, wird sich Kurzarbeit nicht auf Dauer vermeiden lassen. Je nach dem, wie sich die nächsten Tage entwickeln, werden wir während der Osterferien vielleicht ganz zu machen.
In den anderen Standorten sieht es nicht besser aus. In einem Standort ist bereits Kurzarbeit, ein anderer schließt ab dem Wochenende. Es geht nicht anders. Es fällt mir so schwer, denn ich fühle mich für unsere Belegschaft samt ihren Familien verantwortlich.

BTW – irgendwo habe ich den Vorschlag gelesen, dass produzierende Unternehmen jetzt doch Beatmungsgeräte herstellen sollen.
Das ist – mit Verlaub – absoluter Blödsinn. Selbst wenn wir die personellen Kapazitäten dafür aufbringen würden, haben wir keine geeigneten Maschinen und Werkzeuge. Wir haben keine passenden Materialien, Bauteile, Rohstoffe und sonstige Betriebsmittel. Wir wissen nicht, wie’s geht. Also müssten wir – ohne Know-how darüber zu verfügen – diese Geräte erst von Grund auf neu entwickeln. So etwas dauert Jahre, und dann kommt noch die Zertifizierung und ein langwieriger Zulassungsprozess hinzu.
Wer auf so eine Schnapsidee kommt, hat nicht die blasseste Ahnung, wie es in der Industrie läuft.
Es verwundert mich immer wieder, wie man so doof sein kann, und keinerlei Scheu hat, seine Doofheit an die Öffentlichkeit zu tragen.

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Meine Nächte mit Mr. Clocky //2352

Derzeit schlafe ich ja meist ganz gut. Zeitweise bin ich dennoch wach. Im Dunkeln fällt mein Blick dann auf die Anzeige des Projektionsweckers.
Da mein Kopf gedreht ist, und ich nachts doch nicht voll wach bin, sehen die digitalen Ziffern dann manchmal wie ein Gesicht aus. Das menschliche Gehirn tendiert ja dazu, überall Gesichter zu sehen, und irgendwie beeinflussen die ursprünglichen Smileys im ASCII-Format auch die visuelle Erfahrung.

Der Doppelpunkt als Trennzeichen entspricht den Augen. Die Ziffer davor deutet entweder auf Augenbrauen, einen Haarschopf oder einen Hut hin. Die Ziffer danach ist der Mund – mal weit aufgerissen, mal verkniffen, mal undefinierbar. Die letzte Ziffer schließlich könnte das Kinn, ein Bart, oder (Teile des) Oberkörper sein, eventuell auch verschränkte Arme.

Mr. Clocky leistet mir nachts hin und wieder Gesellschaft. Er verändert minütlich seine Mimik, und wirkt als beruhigender Schutzgeist und Wächter über meine Träume.

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#ContractTheCurve – Gedanken zu #Corona #covid19 //2351

Bisher war mir gar nicht wirklich bewusst gewesen, wie groß der gesellschaftliche Druck ist, soziale Kontakte zu pflegen. Durch #Corona ist dieser Druck weggefallen. Ich empfinde es als wohltuend entspannend, mit nicht mehr Menschen in Berührung zu kommen, als unbedingt notwendig.
Ich muss abends oder am Wochenende nicht mehr an Geschäftstreffen teilnehmen, habe also mehr Freizeit. Die Besprechungstermine zu den Geschäftszeiten sind auf ein Minimum reduziert. Darüber bin ich auch nicht böse.
Carsten hat bereits ein paar Geschäftsreisen abgesagt oder verschoben. Er ist abends also öfter daheim. Das ist mir nur recht.
Etwas ärgerlich ist die stark eingeschränkte Öffnung [Update: inzwischen ganz geschlossen] von Restaurants und Cafés. Muss ich öfter selbst kochen. Aber solange Bäckereien und Lebensmittelgeschäfte noch verfügbar sind, klappt das auch. Meinen Kaffee kann ich auch daheim trinken. Um mit Leuten zu reden, bin ich eh nicht in Lokalitäten gegangen.
Es ist schade, dass Schwimmbäder und Thermen geschlossen haben. Gerade erst hatten Benjamin und ich einigermaßen einen Rhythmus gefunden, gemeinsam schwimmen zu gehen. In der vorlesungsfreien Zeit hat er mehr Zeit dafür als sonst.
Carsten und ich nehmen am Wochenende wieder den Whirlpool in Betrieb. Den hatten wir in letzter Zeit nicht genutzt, weil es ziemlich umständlich ist, ihn in Gang zu bringen.
Nun ja, solange es keine allgemeine Ausgangssperre gibt, genieße ich das schöne Wetter, und gehe viel spazieren. Dabei spreche ich üblicherweise mit niemandem, und fasse auch nichts an.
Das offline Zusammensein mit anderen Menschen fehlt mir überhaupt nicht. Außer für Sex brauche ich keine zwischenmenschlichen Direktkontakte.

Am Wochenende habe ich mit meinen Eltern telefoniert. Für meine Mutter ist es das schlimmste, dass es keine Gottesdienste und Messen mehr gibt. Einige meiner Mitarbeiter waren vor wenigen Wochen noch auf der embedded world gewesen. Das dürfte eine der letzten Messen in diesem Jahr gewesen sein.
Mein Vater meinte, dass es sich jetzt endlich auszahlen würde, dass er seit Jahrzehnten Seifenstücke sammelt, für den Fall, dass mal schlechte Zeiten kommen.
Dadurch, dass Tourismus praktisch ausgesetzt ist, ist in der alten Heimat ein großer Einnahmenverlust zu erwarten. Die ganze Gegend lebt größtenteils davon.

So ziemlich jede Branche wird von Corona betroffen sein. Es gibt wenige Profiteure (vor allem Pharmaindustrie oder wer sonst zu Diagnose und Behandlung beiträgt). Beispielsweise die Lebensmittelbranche dürfte recht glimpflich davon kommen. Aber viele andere, insbesondere KMU werden teils existenzbedrohende Probleme bekommen. Etliche kleine Läden und Dienstleister dürfen bereits nicht mehr öffnen.
Bei Herstellern wie uns ist vor allem der Materialnachschub die Krux (momentan haben wir einen anderen, allerdings teureren Lieferanten für ein bestimmtes Betriebsmittel gefunden, jetzt ist der Ausfall eines anderen Zulieferers abzusehen, keine Ahnung, wie es weitergeht). Eine Zeitlang lassen sich solche Ausfälle abpuffern, einige Wochen, vielleicht wenige Monate, aber eben nur begrenzt. Das trifft jedes Unternehmen unterschiedlich früh oder spät.
Wieder etwas anderes ist, wenn Mitarbeiter ausfallen. Erkranken können Mitarbeiter immer, weshalb man normalerweise Redundanz und Ersatz hat, der den Ausfall überbrückt. Auch das wird umso schlimmer, je mehr Erkrankte und je länger die Erkrankung andauert. Bei Corona kommt jetzt noch die Möglichkeit von Quarantäne hinzu. Die Folgen einer allgemeinen Ausgangssperre will ich mir gar nicht ausmalen.
Mein Leben lang war Quarantäne niemals ein Thema für mich, auch nicht in meinem weiteren Umfeld. Ich wusste zwar, dass es so etwas gibt, aber die praktische Relevanz für mein Leben war gleich 0. Jetzt plötzlich besteht da die Gefahr, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Mitarbeitern deswegen ausfällt. Dann müsste man irgendwann den Betrieb schließen. Oder auch wenn wichtige Lieferungen länger nicht ankommen.
Dann können wir nicht fertigen, nicht verkaufen, erzielen keine Einnahmen mehr, haben aber dennoch Verpflichtungen, denen wir nicht mehr nachkommen können. Kurzarbeit wäre ein temporärer Workaround. Das Ende ist Insolvenz.

Die Maßnahmen, um die Ausbreitung von Corona zu verlangsamen, werden zu einem nie dagewesenen wirtschaftlichen Einbruch führen. Man sieht es jetzt schon an den Aktienindizes.
Betriebe, die nicht geöffnet haben, können ihre Mitarbeiter nicht bezahlen. Bei jedem Unternehmen, das aufgeben muss, wird eine teils erhebliche Anzahl von Angestellten und Arbeitern arbeitslos. Diese Menschen haben meist Familien. Es ist nicht abzusehen, wie das noch weitergeht. Viele Unternehmen werden die Einschränkungen nicht überleben. In der Folge fallen dann Steuereinnahmen auch weg. So viel zu den Forderungen: „Der Staat soll das und das bezahlen.“ Der Staat ist dann auch bald pleite.
Es geht um’s Überleben. Es geht um unser aller Zukunft! Nur durch Besonnenheit können wir diese Krise überstehen – nicht durch Aktionismus und übertriebene Restriktionen.

Angesichts dieser erwartbaren Konsequenzen und Auswirkungen finde ich die ergriffenen Maßnahmen, um die Ausbreitung von Corona zu bremsen, unverhältnismäßig und mehr als überzogen. IMHO ist Corona schon viel weiter verbreitet, als bekannt ist. Es werden ja kaum Tests gemacht. Die Dunkelziffer dürfte enorm sein. Die Ausbreitung wird sich deshalb nicht verlangsamen lassen, weil Corona bereits überall ist.
80% aller (bekannten!) Fälle verlaufen ohne oder mit milden Symptomen. Wir sollten die Pandemie so schnell hinter uns bringen, wie möglich. Bei den drastischen Maßnahmen wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die ganze Krise zieht sich auf diese Weise nur viel, viel länger hin. Aber von unseren Politikern ist wohl nicht zu erwarten, dass sie mal längerfristig denken. Die schauen nicht weiter als die nächsten paar Wochen. Danach ist bestenfalls Corona einigermaßen im Griff (was ich nicht glaube, das Problem wird lediglich prokrastiniert), aber die Wirtschaft, der wir all unseren Wohlstand verdanken, auf Jahre hinaus ruiniert. Und wenn wir Pech haben, ziehen sich die Maßnahmen noch viele Monate lang hin, beeinträchtigen unsere Lebensqualität massiv, und bringen überhaupt nichts.
Sonst können wir uns gleich vom allegorischen Dr. Eisenbart kurieren lassen: Krankheit geheilt, Patient tot.
Meines Erachtens sollte man deshalb die Wirtschaft so weit wie möglich weiterlaufen lassen. Falls es notwendig erscheint, einzelne Bereiche oder Betriebe zeitweise einzuschränken oder zu schließen, dann doch bitte ohne Schadenfreude und Häme.

Das sollte eigentlich kein Rant werden ..
Aber da ich schon mal dabei bin:
Die Anzahl der Neuinfektionen (pro Zeiteinheit) ist (bei ansonsten konstanten Umgebungsbedingungen) proportional zur Anzahl der bereits infizierten Personen (von denen man sich ja anstecken kann) und zur Anzahl der noch nicht infizierten Personen (nur die können sich neu anstecken). Aufgrund dieser Dynamik verläuft eine Infektionskrankheit am Anfang (Anzahl der Infizierten vernachlässigbar gegenüber Anzahl der Nicht-Infizierten) exponentiell. Das ist simpelste Mathematik.
Wird – wie üblich – die Anzahl der Neuinfektionen über die Zeit aufgetragen, so sieht das viel dramatischer aus, als es ist. Viel sinnvoller wäre eine halblogarithmische Auftragung. Dort sieht man auf einen Blick, ob die exponentielle Vermehrung sich bereits abschwächt und in die Sättigung übergeht.
Kapieren aber weder Ärzte noch Politiker. Diese Lin-Lin-Graphiken sind reine Panikmache.

Und schließlich noch als Ergänzung: Meine Eltern und einige weitere Verwandte sind im gefährdeten Alter, leiden teils an Asthma. Und – hoppela! – mein significkant Other ist auch bereits Ende Fünfzig. Ich selbst bin aufgrund einiger schwerer Lungenerkrankungen vielleicht nicht unbedingt vorgeschädigt, aber zumindest sehr empfindlich. Dennoch würde ich Corona am liebsten so schnell wie möglich hinter mich bringen. Wenn’s mich eh erwischt, dann lieber jetzt als in ein paar Monaten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich bereits infiziert wurde, ist gar nicht mal so gering. Wenn ich möglicherweise schon immun bin, sollte mir das ganze Quarantäne- und Ausgangssperreproblem für mich persönlich egal sein dürfen.
Meine Oma (die mit den Strapsen), die eine ungebildete, aber in praktischen Dingen sehr lebenskluge Frau war, pflegte zu sagen (von mir übersetzt): „Die alten Leute müssen den jungen auch mal wieder Platz machen.“
Auch wenn es hart klingt – recht hatte sie!

Wir sind an den Luxus gewöhnt, dass immer und überall genügend Resourcen für alle vorhanden sind. Aber jetzt werden sie nicht mehr ausreichen. Verteilungskonflikte sind unausweichlich.
Das kurzfristige Wohl einzelner alter oder bereits kranker Personen (die in wenigen Jahren eh alle tot wären) wird über das langfristige Wohl aller gestellt. Cui bono? Überlegt euch mal selbst, warum es bei Vogelgrippe, Schweinegrippe, SARS, .. trotz einiger Medienhysterie keine derart drastischen, einschneidenden Maßnahmen gab. Wer hat jetzt wohl ein Interesse und einen Vorteil davon?
Es liegt in der Natur des Lebens, dass es einmal endet. Das sollte man bedenken, wenn man abwägt, wofür es sich lohnt, Aufwand zu betreiben.

Größtenteils hatte ich diesen Text bereits Ende letzter Woche geschrieben. Vieles hat sich inzwischen schon überholt. Mir fehlt aber der Nerv, diese Passagen noch mal zu überarbeiten und anzupassen.

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Sommergetwitter //2350

Nach mehrwöchiger Pause gibt es heute doch wieder einmal Tweets.
Voilà meine Tweets vom 19. Juni bis 1. Juli 2019.

Verschreiber des Tages: Geschellsaft statt Gesellschaft
In der alten Heimat sind es gerade mal 25°C.
Die neueste Quartalsstatistik
Verleser des Tages: Sechskantmutter statt Sechsfachmutter
Die Formel //2158 Zweitausendeinhundertachtundfünfzig
Verhörer des Tages: Error statt Terror
Verleser des Tages: Periode statt Perfidie
cis(n*pi) = 1
Versprecher des Tages: Erektromagnet statt Elektromagnet
Verleser des Tages: Spermagelder statt Spendengelder
Oktobrige Tweets //2157 Zweitausendeinhundertsiebenundfünfzig
Wieviele Gender gibt es? Ich habe hier auch noch einen Schwung gefunden. #Genderstudies
+abstei, anre, anstren, aufstei, befriedi, beruhi, beunruhi, drin, durchdrin, entsa, erre, fol, gewinnbrin, hän, herausra, ja, kla, klin, lie, lü, na, schwin, sen, sin, sprin, stei, tra, überwälti, verlan, vermö, verza, wie, zusammenhän, zwin
Verschreiber des Tages: Mitarbiter statt Mitarbeiter
Schon wieder ein #Vögelproblem: Ans Geländer gegriffen, voll rein in den Vogelkot.
Verleser des Tages: „A quarrel“ statt Aquarell
1000 binäre Jahre //2156 Zweitausendeinhundertsechsundfünfzig
Verhörer des Tages: obfuszieren statt obduzieren
Verleser des Tages: Beule statt Beute [gezeigt]
Da hänge ich ausnahmsweise mal Wäsche auf den Balkon. Schei?t mir ein Vogel drauf. Nein, heute bin ich nicht #gutZuVögeln.
RTFM //2155 Zweitausendeinhunderfünfundfünfzig
Sitze jetzt als #MissWetBlouse vor dem Schreibtisch.
Versprecher des Tages: Flanschbecken statt Planschbecken
Heiß, heiß, heiß .. gleich gibt es Eis!
MA oben ohne im Büro. Ich: Jetzt fühl ich mich aber overdressed. MA: Sie können sich uns ja anschließen, Fr Dr Nühm. Ich (öffne langsam obersten Blusenknopf): Oder Sie schließen sich mir an, (schließe Knopf wieder) und ziehen einen Rock an (lupfe meinen Rock ein paar Zentimeter).
+Sie sind inzwischen übrigens wieder manierlich gekleidet. Bloß ich kämpfe mit der Versuchung, mich nackt vor den Rechner zu setzen.
Verleser des Tages: Grafenrheinfeld statt Griechenland
Fernsehabende mit Breakpointe //2154 Zweitausendeinhundertvierundfünfzig
Heute abend ist wieder mal ein Potenzreihenansatz fällig. #DGL
Verschreiber des Tages: Kater statt Kalter
Cooooool down!
Je höher die Außentemperatur, desto voller der Serverraum.
Verleser des Tages: [wie ein] Fräulein statt Fähnlein [im Wind]
Park[en] //2153 Zweitausendeinhundertdreiundfünfzig
Heute ist es definitiv nicht (allein) meine Schuld, wenn die Männer um mich herum ins Schwitzen geraten.
+Nicht jeder findet einen Vorwand, sich in den #Serverraum zurückzuziehen.
Verhörer des Tages: Ratatouille statt Rotterdam
Ausgekippter Kaffeerest hat meine Tastatur nur leicht am Rand erwischt. #GlückImUnglück
Verleser des Tages: Dreckmaschinen statt Druckmaschinen
Bratwurst bei Blasmusik //2152 Zweitausendeinhundertzweiundfünfzig
Verschreiber des Tages: [es macht uns zu] Schafen statt schaffen
Verleser des Tages: Rügen statt Röntgen
Brennnesseln .. Dornen .. als würde er es darauf anlegen ..
Verhörer des Tages: köstlich statt christlich
Tweets mit dem Plus //2151 Zweitausendeinhunderteinundfünfzig
Vierte #Zecke2019: Innenseite linker Oberschenkel
Verleser des Tages: Harmonie statt Hegemonie
Das Ende der Zwillinge //2150 Zweitausendeinhundertfünfzig
Verschreiber des Tages: Betätigung statt Bestätigung
Verleser des Tages: Häschen statt Häschern
Auf geht’s! //2149 Zweitausendeinhundertneunundvierzig

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Primavera //2349

Wenn ihr diesen Eintrag lest, hat das Frühjahr bereits begonnen. Um 4:50 UTC+1 war Äquinoktium.
Wieder mal einen Winter überstanden – heuer sogar erstmalig ohne Handschuhe.

Eigentlich wollte ich dieses astronomische Ereignis als Anlass nehmen, um über die von mir schon gelegentlich erwähnten Eulerwinkel zu breakplainen.
Aber nur mit reinem Text und ohne Graphiken ist das recht schwer zu visualisieren. Ich warf mal eine Blick auf den entsprechenden Wikipedia-Artikel, um zu gucken, ob es dort anschauliche Darstellungen gibt. Aber der Artikel verwirrte sogar mich mehr, als die Geometrie zu erhellen.
Also habe ich die Eulerwinkel jetzt offiziell von meiner Vielleicht-mal-breakplaining-Liste gestrichen. Und sphärische Geometrie gleich mit.

Dann dachte ich, ich könne ein wenig über Quaternionen (hat nichts mit Quarantäne zu tun – außer dass 4 bzw. 40 im Namen steckt) erzählen. Das lässt sich ganz gut nur mit Text machen. Über Quaternionen hatte ich als Kind zuerst in einem Buch aus dem Bücherschrank meines Opas gelesen, und fand sie damals faszinierend (i^2 = j^2 = k^2 = -1 = ijk; ij = k usw. zykl. – ist das nicht obersupercool!).
Allerdings hatte ich später nie mehr mit ihnen zu tun. In der Physik nutzt man für ähnliche Aufgaben je nach Gebiet lieber Vierer-Vektoren oder Pauli-Matrizen, die vergleichbares algebraisches, nicht-kommutatives Verhalten haben. Angeblich werden Quaternionen aber in der Spieleentwicklung verwendet, da man mit ihnen drei-dimensionale Drehungen modellieren kann.
Kurz fielen mir noch Kommutatoren, Antikommutatoren und Dirac-Matrizen ein, aber so richtige Lust, einen allgemeinverständlichen Blogeintrag daraus zu machen, hatte ich nicht.

So bleibt mir nur, euch allen einen wunderschönen und gesunden Frühling zu wünschen. Freut euch über jeden Tag!
Und geht nach draußen, solange es noch erlaubt ist. Dann kommen die Frühlingsgefühle von ganz allein.

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Sittsam gesittet //2348

Seit Montag haben die Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen landesweit geschlossen. Das bedeutet, dass auch Sophie und Niklas daheim bleiben müssen. Ihre Mutter Verena muss jedoch arbeiten (derzeit halt ohne Kundenkontakt). Bei ihr sind die Abschlussprüfungen für ihre Ausbildung nicht mehr weit. Sie wohnt mit ihren Kindern bei ihrer Tante Sonja, die als Lehrerin ebenfalls daheim bleibt, und so praktischerweise auf die Kinder aufpassen kann.
Als Sonja allerdings etwas dringendes erledigen musste, fiel sie als Babysitter aus. Ich erklärte mich nach Anfrage bereit, für zwei bis drei Stunden auf die Kinder aufzupassen. Zum Glück kann ich mir die Zeit ja einteilen und Home-Office machen. Ich stellte jedoch klar, dass ich arbeiten müsse, und keine Zeit hätte, die Kinder zu bespaßen. Immerhin bin ich anwesend und kann sie beaufsichtigen.
Selbst wenn ich mit ihnen auf den Spielplatz gewollt hätte, wäre das nicht erlaubt gewesen. Betreten der Spielplätze ist verboten.
Nachdem ich ihnen die „Türme von Hanoi“ erklärt hatte, gab ich jedem 3.88 Euro, um sie ein wenig damit zu beschäftigen. Lange fesselte sie das Spiel aber nicht. Also ließ ich sie noch ein wenig Fernsehen schauen. Konzentriertes Arbeiten war aber kaum möglich, da die Kinder mich ständig unterbrachen, und irgendeinen Wunsch oder Frage hatten.

Eigentlich hatte ich Sonja erwartet, um Niklas und Sophie von mir abzuholen, aber stattdessen erschien Gideon, weil Sonja’s Termin sich doch noch länger hinzog, als vorgesehen.
Ich nutzte die Gelegenheit, um ihn ein wenig über seine Schwester Beate auszuhorchen, und erwähnte, dass wir sie vor einigen Wochen in der Stadt getroffen hatten.
„Sie war mit Elisabeth dort“, beendete ich meine Erzählung, „bei der sie untergekommen war.“
„Ja“, bestätigte Gideon, „die beiden sind schon ewig befreundet.“
„Hat sich Beate jetzt endgültig entschieden, hierher in die Stadt zu ziehen?“, fragte ich.
„Ja, schon. Ihr gefällt es schon längst nicht mehr in $Bundeshauptstadt, und hier hat sie viele Freunde noch von früher.“

„Kann sie denn ihre bisherigen Kunden auch von hier aus bedienen?“, wollte ich wissen, „oder arbeitet sie für eine Agentur?“ [Wir erinnern uns: Sie ist Graphikdesignerin.]
„Beate arbeitet nicht mehr, seit sie damals geheiratet hat.“
„Ach .. sie ist verheiratet? Das wusste ich gar nicht.“
„Sie war es. Das ist aber schon sehr lange her, weit über zwanzig Jahre. Ihr Mann starb nach anderthalb Jahren Ehe.“
„Oh je, das tut mir leid.“
„Naja, er war schon alt, und hat ihr ein ziemliches Vermögen hinterlassen. Sie hat es nicht mehr nötig zu arbeiten, und kann dort wohnen, wo sie will.“
Gideon (er ist schon wirklich eine ziemliche Labertasche – ich an seiner Stelle hätte mich da sehr zurückgehalten) erzählte noch ein paar weitere Details, die ich aber nicht bloggen möchte.

Sophie und Niklas hatten bereits Jacke und Schuhe an, und fingen an zu quengeln, dass sie endlich heim wollen, so dass Gideon sich schließlich verabschiedete, und sie zusammen weggingen.

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Die Körbe von Hanoi //2347

Wenn ich abends Wäsche sortiere, kann das ziemlich kompliziert werden. Da gibt es Bettwäsche, Handtücher, Sachen von Carsten, Sachen von mir, große Teile wie Jacken, kleine Teile wie Unterwäsche oder Socken. Teilweise soll das ins Landhaus, teilweise bleibt es hier in der Stadtwohnung. Dass Zeug muss in unterschiedliche Schränke, Bügelwäsche separat. Dann habe ich noch die Marotte, Bettwäsche unten in den Waschkorb zu legen, die anderen Sachen in zwei Stapeln obendrüber.
Normalerweise sortiere ich nach jeder Maschinenwäsche nach dem Trocknen. Diesmal war ich jedoch nicht dazu gekommen, und inzwischen zwei Waschmaschinenladungen aufgelaufen. So saß ich also auf dem Sofa mit drei Waschkörben vor mir, teils mit bereits fertig zusammengelegter Wäsche, teils noch unsortiert und ungefaltet.
Um die größeren Stücke unter die zusammengefalteten kleineren Teile zu bringen, musste ich teilweise die fertige Wäsche in einen anderen Waschkorb wechseln, als plötzlich eine uralte Erinnerung in mir hochstieg ..

Die „Türme von Hanoi“ ist ein altes Spiel, über das ich einst als Kind (mit vielleicht 10? – ich weiß es nicht mehr) in einem Buch gelesen hatte, und mir selbst aus Pappkarton gebastelt hatte. Mit Münzen wäre es auch gegangen.
Dabei gibt es drei Stapel mit insgesamt n unterschiedlich großen Scheiben. Am Anfang liegen alle Scheiben der Größe nach geordnet auf einem Stapel. Die Aufgabe ist es, alle Scheiben auf einen anderen Stapel zu bringen. Dabei darf bei jedem Spielzug nur eine Scheibe umgelegt werden, und zwar nur auf eine größere Scheibe (oder einen leeren Stapel). Keinesfalls darf eine Scheibe auf einer kleineren liegen.
Das kann man erst einmal für ein kleines n (z.B. 5) probieren. Ich erinnere mich nicht mehr sicher, glaube aber, dass ich acht Scheiben (bzw. Pappstücke) hatte.
Da war ich erst mal beschäftigt, während ich spielerisch ausprobierte, wie die Scheiben hin- und hergelegt wurden. Der ursprüngliche Stapel wurde kleiner, der neuer Stapel wuchs.
Und wie ich so vor mich hin spielte, erkannte ich, dass man die Scheiben auf eine ganz bestimmte Weise umlegen musste, um den neuen Stapel möglichst rasch aufzubauen. Diese spezielle Vorgehensweise faszinierte mich. Ich hatte damals keine Ahnung, dass das, was ich herausgefunden hatte, ein Algorithmus war.

Ich werde es euch ersparen, hier haarklein den Algorithmus zu beschreiben. Überlegt ihn euch selbst.
Hier nur einige Hinweise, wie man das Problem (ohne Objektifizierung, aber mit Digitalisierung) mit dem Computer angehen könnte.
Wir ordnen jeder Scheibe von oben nach unten ein Bit zu. Die kleinste Scheibe entspricht 1, die zweite 2, die dritte 4, die i-te 2^i bis zur untersten mit 2^n. Dann beträgt der Wert des Anfangsstapels, also die Summe aller Scheibenwerte, 2^(n+1) – 1, die Werte der leeren Stapel jeweils 0. Durch diese drei Werte der einzenen Stapel lässt sich der aktuelle Zustand des Systems eindeutig beschreiben. Es ist zu beachten, dass die Summe der Werte aller Stapel konstant, also 2^(n+1) – 1 bleibt.
Als Kriterium, ob es erlaubt ist, die i-te Scheibe mit dem Wert 2^i = k umzulegen, muss der k-Modulo des Wertes des Zielstapels gleich 0 sein. Das bedeutet, wie ihr euch leicht selbst überlegen könnt, dass keine kleinere Scheibe bereits oben vorhanden ist.

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Sender Unknown //2346

Das Telefon klingelte auf meinem Schreibtisch. Das Display zeigte Carsten’s private Handynummer an. Ich hob ab. „Anne, komm unverzüglich rüber in mein Büro!“
Bevor ich etwas erwidern konnte, hatte er bereits aufgelegt.
Eigentlich habe ich keine Lust, mich so herumkommandieren zu lassen. Andererseits hätte es etwas wichtiges sein können, das es rechtfertigte, meine momentane Arbeit (Erstellung eines Notfallkonzeptes mit aufgeweichten Kriterien für Home-Office, etc.) zu unterbrechen. Außerdem lag Standort 1a eh in der Richtung, wo ich mir nachher etwas zum Essen kaufen wollte.
Also speicherte ich in aller Ruhe das Dokument, an dem ich gerade gearbeitet hatte, hibernatete den Rechner und zog mir meine Jacke über. Dann ging ich gemächlich hinüber.
Die diensthabende Vorzimmerdame sagte, ich solle sofort ins Chefbüro hinein, er warte schon ungeduldig.

„Was gibt es so dringendes?“, fragte ich, nachdem ich eingetreten war.
„Sieh dir das an!“ Er zeigte auf seinen Monitor, und machte mir ausreichend Platz, um neben ihn zu treten, und drei oder vier Fotos anzusehen, die nacheinander angezeigt wurden. Auf den Fotos umarmten und küssten Sebastian und ich uns.
Ich beschloss, mich gar nicht erst in die Defensive drängen zu lassen. „Wo hast du die Bilder her?“
„Das ist völlig unerheblich“, wiegelte er ab.
Ich insistierte: „Ich möchte aber wissen, woher sie stammen.“
„Jemand hat sie mir zugemailt.“
„Wer?“
„Das weiß ich nicht.“
„Du verstößt gegen sämtliche Sicherheitsregelungen, indem du einen Mailanhang von einem unbekannten Absender öffnest.“

„Wechsle nicht das Thema. Ich hätte wissen müssen, dass es eine Schnapsidee war, eine Beziehung mit einer soviel jüngeren, sexuell hyperaktiven Frau einzugehen. Du bist auf dem Zenit deiner sexuellen Entwicklung, während es mit mir schon längst bergab gegangen ist, und ich nicht mehr mit dir mithalten kann.“
„Blödsinn!“, widersprach ich heftig. Aber er redete bereits weiter, und fragte: „Was hast du zu den Fotos zu sagen?“
„Ich hab‘ dir doch erzählt, dass ich auf dem Kongress ein paar Bekannte getroffen habe.“
„Von solch intimem Zusammensein hast du mir nichts erzählt.“
„Weil du bei Einzelheiten sowieso nie zuhörst.“ [Und an diesem Abend war er erst recht nicht mehr aufnahmebereit gewesen.] „Die Fotos sehen kompromittierender aus, als es tatsächlich war“, ich sah mich gezwungen, jetzt doch etwas konkreter zu werden, „wir haben uns lediglich freundschaftlich voneinander verabschiedet, und er hat mich dabei auf die Wange geküsst.“ Ein wenig erbost fügte ich hinzu: „So ist das in vielen Ländern üblich.“
„Und warum haben die Bilder dann so einen rosarot-pastelligen Hintergrund?“
Ich schaute genauer hin. „Du meine Güte! Das war wohl irgendso ein Reklameplakat. Hat der Fotograf ganz geschickt ausgeschnitten, so dass man nichts vom Flughafenrummel mitkriegt. Und schau, hier sieht man ganz genau, dass ich meine helle Jacke anhatte.“

Carsten schien etwas beruhigt, aber ich war nicht gewillt, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen.
„Du öffnest Mailanhänge aus unbekannter Quelle, und nimmst den Inhalt unüberprüft als bare Münze. Mal abgesehen davon, dass du dir den schlimmsten Virus einfangen oder sonst eine Malware damit hättest installieren können, die das ganze Firmennetz befällt“ [Genau aus u.a. solchen Gründen zögere ich, Zugänge aus den Privatwohnungen von Mitarbeitern ins Firmennetz als Home-Office zu gestatten.]“, können solche Fotos auch gefaket und manipuliert sein.“
Ich werde mal mit der IT-Abteilung sprechen, ob es möglich ist, Anhänge von unbekannten Absendern erst mal zu blockieren, zu überprüfen oder in Quarantäne zu schicken. Das ist ein enormes Sicherheitsrisiko, und Carsten hätte es eigentlich besser wissen müssen. Die IT hat halt aktuell dringenderes zu tun.

Aber viel wichtiger: „Wer ist so missgünstig, mich in solch einer – im Grunde genommen harmlosen, aber missverständlichen – Situation zu fotografieren, und die Bilder – passend zurechtgeschnitten – anonym an dich zu schicken? Das muss doch jemand gewesen sein, der uns beide kennt. Mir ist aber niemand aufgefallen, als ich am Flughafen war.“ [Letzteres kann natürlich auch an meiner Gesichtsblindheit liegen.]
Ich erinnerte mich daran, dass es vor einigen Jahren schon mal einen Vorfall gegeben hatte, bei dem uns jemand denunziert hatte. Die Hintergründe konnten nie geklärt werden.

Ich kopierte mir die Daten aus dem Mail-Header. Wie ich allerdings erwartet hatte, halfen mir die nicht weiter. Die IP-Adresse führte ins Leere. Der Absender muss gewusst haben, wie man eine Mail so verschickt, dass der Empfänger keine Rückschlüsse ziehen kann. Mit viel größerem Aufwand könnte man vielleicht etwas herauskriegen, aber ich bin nicht gewillt, diesen Aufwand zu treiben.
Also werde ich nichts mehr in diese Richtung unternehmen, bloß meine Wachsamkeit verstärken. Eine erneute Sicherheitsbelehrung für die Belegschaft, sowie Teile der Geschäftsführung kann auch nicht schaden. Als ob wir aktuell nicht ganz andere Probleme hätten.

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Der Glücksalgorithmus //2345

Viele Menschen sind unzufrieden mit ihrem Leben. Ihnen ist nichts recht zu machen. Sie jammern und beklagen sich, geben nur $Suendenbock die Schuld, statt auch mal die eigenen Unzulänglichkeiten zu erkennen. Sie stellen Ansprüche, ohne selbst etwas beitragen zu wollen, und erwarten von anderen, ihnen den roten Teppich auszurollen. Statt Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen, wollen sie, dass andere ihre Probleme lösen.
Das Leben ist weder Rosenhof noch Ponygarten. Aber – in gewissem Rahmen – hat es jeder selbst in der Hand, sein Leben zu gestalten.

Geht es nur mir so? Aber auf mich wirken Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung wesentlich sympathischer als solche Miesepeter und Jammerliesen.
Klar hat jeder mal schlechte Laune. Manche Leute haben auch massiv belastende, ernsthafte Probleme. Und wer schon am frühesten Morgen, übersprudelnde Fröhlichkeit verströmt, ist mir eh suspekt.

Trotzdem hilft es ungemein, sich an ganz alltäglichen Kleinigkeiten noch erfreuen zu können. Freut euch über ein leckeres Essen. Freut euch über schönes Wetter. Freut euch über eine interessante Beschäftigung. Freut euch über ein Erfolgserlebnis. Freut euch über schöne Kleider. Freut euch, dass ihr in einer gemütlichen Wohnung lebt. Freut euch über einen Spaziergang. Freut euch, dass ein Vorhaben geklappt hat. Freut euch, wenn ihr gesund seid. Freut euch, mit nahestehenden Menschen zusammen zu sein. Freut euch ..
Irgendetwas Gutes findet sich immer, wenn man nur will, und nicht alles für selbstverständlich erachtet. Sucht euch an jedem Tag mehrfach etwas, über das ihr froh und dankbar seid, und freut euch ausdrücklich und bewusst darüber.

Und wenn dann mal an einem Tag gar nichts klappt .. früh verschlafen, Milch alle, Kaffee verkleckert, Mistwetter, in irgendwelchen Dreck getreten, dann noch ein unangenehmer Brief .. dann erst recht! Mundwinkel nach oben! Alleine durch das Anspannen der dafür nötigen Muskeln werden Glückshormone ausgeschüttet. Und das Immunsystem wird ebenfalls gestärkt.
Trainiert diese Muskeln. Das kann man immer mal wieder zwischendurch. Wer nur will, findet jeden Tag mehrfach Gelegenheit dazu. Einfach mal die Mundwinkeln nach oben ziehen. Das kann wirklich jeder (nur Personen mit Gesichtslähmung o.ä. ausgenommen) tun. Selbst wenn dadurch die äußeren Umstände nicht verändert werden, ändert sich nach und nach eure innere Einstellung dazu. Das wirkt sich allmählich auch auf euer Wohlbefinden und eure Ausstrahlung aus, und somit wie andere Menschen auf euch reagieren.
Ich glaube ja, dass die Sache mit dem Karma gerade auf so einem Phänomen beruht. Da ist ein Stück Placebo-Effekt kombiniert mit einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Das kleine Glück könnt ihr in euch selbst finden.

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Schnipsel der unendlichen Transzendenz – #piTag #piDay //2344

Heute ist pi-Tag. Ich habe trotzdem überlegt, wieder Tweets zu bringen, da ich mit denen inzwischen wieder im Rückstand bin.
Den pi-Tag habe ich schon auf unterschiedlichste Weise zelebriert. Die pi-Diät ist obligatorisch. Dann habe ich mehrmals Liedtexte gepostet, die pi lobpreisen. Auch Berechnungsmethoden hatte ich schon besprochen.
Nach all diesen Themen fiel mir für heuer erst mal nichts originelles ein, so dass mir Tweets als OK erschienen.

Dann jedoch kam mir die Idee, einmal ein paar Beispiele dafür zu geben, dass eine Zahl nicht rational ist, also unendlich viele, nicht-periodische Stellen nach dem Komma hat. Bei pi sind die Stellen ungeordnet. Es gibt auch transzendente Zahlen mit geordneten, konstruierten Ziffern. Man nimmt an, dass die Ziffern bei pi und anderen transzendenten Zahlen statistisch gleichverteilt, also „normal“ sind. Mathematisch bewiesen ist das aber noch nicht.

Seit letztem Jahr sind 31.4 Billionen Nachkommastellen von pi bekannt. Ich verlinke mal die erste Million von Nachkommastellen. Da kann jeder nachprüfen, ob er in der Ziffernfolge sein Geburtsjahr findet. Das genaue Geburtsdatum (im Format DMYY dürfte es sich öfter finden als YYYYMMDD) wird schon seltener sein. Hätten wir die ganzen 31.4 Billionen Stellen zur Verfügung, wäre es sicher dabei. Schaut nach, ob eure Telefonnummer enthalten ist. Man muss nur weit genug in den Nachkommastellen gehen, dann wird sie irgendwann auftauchen.
Noch nicht beeindruckt? Irgendwann tauchen auch mal tausend Nullen hintereinander auf. Irgendwo stehen sequentiell die erste Million Stellen von Wurzel 2. Und irgendwo, vermutlich sogar relativ weit vorne, ist auch die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest formuliert. Irgendwo steht auch der komplette Text (passend kodiert) meines Blogs. Oder der Bibel. Oder jedes andere literarische Werk. Oder beliebige Übersetzungen davon. Oder noch einmal mit etwas anderer Formatierung. Und mit beliebiger Kodierung. Irgendwo steht der komplette Inhalt eurer Festplatten.
Ja, so unendlich lang ist (nicht nur) pi. Niemand weiß, wie oft man Googolplex hochgoogolplexen müsste, um zur entsprechenden Nachkommastelle zu kommen.

Irgendwo in pi ist das vollständige Wissen des gesamten Universums kodiert. Und noch viel mehr Information. Leider ist das allermeiste nur weißes Rauschen.
Die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen ist nichts dagegen.
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Der Partialkongress (2. Teil) //2343

Auf dem Fachkongress hatte ich Sebastian wiedergetroffen, und mit ihm ausgemacht, dass er mich zum Flughafen fahren würde.

Es war nicht weit bis zu Sebastian’s Mietwagen. Ich sah keine Veranlassung, es zu unterbinden, dass er mir während der Fahrt hin und wieder die rechte Hand auf mein Knie legte.
Während wir auf dem Kongressgelände nur über berufliche und fachliche Angelegenheiten gesprochen hatten, fokussierten wir uns nun auf private Themen. Ich gab zu, dass ich mittlerweile verheiratet bin.
„Tatsächlich?“, erwiderte er erstaunt, „das passt gar nicht zu dir.“
„Tja, die Zeiten ändern sich, und letztendlich wurde meine innere Wildkatze doch gezähmt. [Ihre Krallen hat sie aber immer noch jederzeit einsatzbereit.] Was ist mit dir?“
Er schüttelte den Kopf: „Ich bin nicht der Typ für eine Beziehung.“
„Ich weiß. Deshalb haben wir uns damals auch so gut verstanden.“
„Sagt dir Migtau was?“, fragte er.
„Men going their own way? Habe ich schon gehört. Ich finde es grundsätzlich gut, seinen eigenen Weg zu gehen, und sich nicht von Konventionen oder der Meinung anderer beeinflussen zu lassen.“
MGTOW kümmern sich nur um ihren eigenen Kram, ohne anderen Leuten ihre Lehre und angebliche Weisheit aufzwingen zu wollen. Diese laissige Einstellung ist mir grundsätzlich sympathisch.
„Ich genieße mein Leben auf meine eigene Weise“, fuhr Sebastian fort,“ohne Ballast. Ohne Rücksicht auf Weib und Kind. Ohne fremde Erwartungen zu erfüllen. Unabhängig. Frei. So, wie ich es will.“
„Du bist mit deinem Leben zufrieden?“, stellte ich fragend fest.
Er bestätigte: „Kann man so sagen. Ja.“
„Dann ist das gut so, wie es ist.“

Durch einen kleinen Stau hatte unsere Fahrt etwas länger gedauert als vorgesehen, aber die Verzögerung ließ sich noch durch den Zeitpuffer abfangen. Wenigstens musste ich nicht zum Check-in-Schalter, sondern konnte direkt zum Sicherheitscheck. Mit diesem beruhigenden Wissen im Hinterkopf war ich langsamer als sonst, als Sebastian direkt vor dem Flughafeneingang anhielt. Die ungewohnten Öffnungsmechanismen zunächst des Sicherheitsgurts und dann der Autotür selbst bremsten mich, so dass Sebastian schneller war, und mir die Tür von außen öffnete.
Ich stieg aus. Sebastian umarmte mich, bevor ich reagieren konnte, und küsste mich auf die Wange. „Guten Flug, Anne! Lass bald mal wieder von dir hören“, verabschiedete er sich von mir, bevor er schnell wieder ins Auto einstieg, um wegzufahren.

Fragt mich nicht, was ich gemacht hätte, wäre mein Rückflug annulliert worden. Aber zum Glück verlief die Rückreise glatt. Einzig bemerkenswert war die Passagierin, die beim Security Check unbedingt ein Fläschchen Desinfektionsmittel mit ins Flugzeug nehmen wollte, und herumzeterte, als ihr das nicht gestattet wurde.
Eigentlich hätte Carsten mich vom Flughafen abholen wollen, aber er hatte selbst einen außerordentlich anstrengenden Tag hinter sich, so dass er es mir zutraute, auch alleine heim zu finden.

Er hatte den ganzen Tag mit Besprechungen und Verhandlungen verbracht. Größtenteils ging es um Lieferschwierigkeiten einiger unserer Supplier, und wie wir damit umgehen können. Mit dem Betriebsrat hat er jetzt vereinbart, dass wir versuchen werden, auf Kurzarbeit zu verzichten, wenn die Belegschaft (vor allem in der Fertigung) im Gegenzug möglichst viel Urlaub nimmt bzw. Gleitzeitkonten abbaut. Bis Ende März dürften wir so erst einmal zurechtkommen.
Carsten meint, dass dies sich zur größten Krise der Firma ausweiten könnte, sofern sich die Lage nicht bis Ostern wieder halbwegs normalisiert.

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Der Partialkongress (1. Teil) //2342

Ich verabscheue es, wenn ich feste Planungen kurzfristig umändern muss. Es setzt mir auch enorm zu, wenn ich mehrere Tage im Ungewissen gelassen werde, ob die vorgesehenen Termine so bleiben, oder doch noch gecancelt werden. Insbesondere, wenn ich mich schon zu einem mir grundsätzlich unangenehmem Vorhaben aufgerafft habe, will ich es dann auch durchziehen können. Ist schließlich nicht so, dass das eine Vergnügungsreise gewesen wäre.

Als ich mich entschlossen hatte, bei dem geplanten Kongressbesuch nicht in der dortigen Stadt zu übernachten, sondern früh hin, abends zurück zu fliegen, wusste ich nicht, dass sich die Flugzeiten stärker verschieben würden. Wäre mir dies bewusst gewesen, hätte ich vermutlich doch eine Hotelübernachtung vorgezogen, da es so zeitlich doch schon sehr eng wurde. Da kann ich noch froh sein, dass die Flüge nicht ganz annulliert wurden, wie so viele andere.
Wenigstens brauchte ich kein Gepäck aufzugeben, so dass ich durch den Online-Check-in Zeit sparte, insbesondere auch an der Gepäckausgabe nicht würde warten müssen. Und durch den Security Check kam ich auch schnell, weil weniger Fluggäste als sonst unterwegs waren.

Bis zum Vortag hatte ich befürchten müssen, dass die ganze Veranstaltung wegen Corona abgesagt würde. Aber sie fand dann doch statt, wenn auch in erheblich kleinerem Rahmen, als ursprünglich vorgesehen. Etliche Aussteller waren nicht gekommen. Viele Vorträge fielen aus oder wurden nur über Livestream gehalten. Es gab wesentlich weniger Besucher als es der Vorjahresstatistik entsprach.
Auch ein Kollege aus meinem Arbeitskreis, den ich gerne persönlich kennengelernt hätte, zog es vor, nicht teilzunehmen. Ein italienischer Kunde, mit dem ich seit Jahren sporadischen Mailkontakt pflege, wäre gerne gekommen, durfte aber nicht ausreisen. Das wenigstens war vorher eindeutig klar gewesen.

In schon länger getroffener Absprache mit den Veranstaltern hielt ich doch keinen Vortrag, sondern beteiligte mich lediglich an der Postersession. Das bedeutete, dass ich etwa eine Stunde lang in der Nähe meines Posters verbrachte, um für eventuelle Interessenten ansprechbar zu sein. Es gab keinerlei Feedback, wofür ich jedoch die allgemeinen Einschränkungen und Umstände verantwortlich mache.
Ansonsten besuchte ich einige Vorträge und Panels (einige Diskutanten waren nur über Videokonferenz hinzugeschaltet) – teilweise sogar mit großem Erkenntnisgewinn. Zu meiner Überraschung traf ich nicht nur Personen, die ich vom Namen und teilweise durch Mailwechsel bereits kannte, sondern sogar einige, mit denen ich bereits persönlich Kontakt gehabt hatte.

Insbesondere traf ich (leider erst am Nachmittag) Sebastian wieder, durch den ich ursprünglich überhaupt erst auf dieses fachliche Thema gekommen war.
Er war damals wohl einer der Vorreiter gewesen, und beschäftigt sich immer noch intensiv mit diesem Fachgebiet. Er hat sich mittlerweile als Berater selbständig gemacht. Seine Spezialisierung geht zwar in eine etwas andere Richtung als meine, aber es gibt eine große Schnittmenge.
Sebastian freute sich sehr, mich wiederzusehen.
„Wow, Anne! Du siehst ja toll aus!“, begrüßte er mich, „du hast dich kaum verändert.“
Bei vielen früheren Bekannten hätte ich Schwierigkeiten gehabt, sie wiederzuerkennen, doch mit Sebastian war ich einst so vertraut gewesen, dass ich ihn trotz massiv gelichteter Haare und Brille sofort erkannte.
Da er selbst an einem Panel teilnehmen musste, hatten wir leider nur wenig Zeit, miteinander zu reden, tauschten nur schnell Kontaktdaten aus, und vereinbarten, uns nach dem Panel wieder zu treffen.

Sebastian organisierte uns einen Kaffee, und wir fanden ein einigermaßen ruhiges Plätzchen, um uns zu unterhalten. Ich erzählte ihm, dass die Programmierung der Software für ihn damals für mich den Auslöser gewesen sei, mich als freiberufliche Programmierschlampe selbständig zu machen, aber ich inzwischen technische Geschäftsführerin und Teilhaberin eines mittelständischen Hightech-Unternehmens bin.
„Ist aber noch dieselbe Branche“, erklärte ich, um meine Anwesenheit auf dem Kongress verständlich zu machen.
„Du hast ja ganz schön Karriere gemacht“, meinte er.
„Naja“, ich zuckte die Schultern, „das sind vor allem viele Verpflichtungen und Verantwortung. Mehr Nachteile als Vorteile.“
Wir sprachen dann noch über einige Einzelheiten, die für euch unerheblich sind. Schließlich erklärte Sebastian, dass er jetzt gleich noch einen Termin hätte, aber sehr gerne mit mir zu Abend essen würde.
„Das geht leider nicht“, lehnte ich bedauernd ab, „ich muss nachher unbedingt meinen Flieger kriegen.“
„Und wenn ich dich zum Flughafen fahre?“, fragte er, „ich habe hier einen Mietwagen, und so könnten wir wenigstens noch eine halbe Stunde miteinander reden.“
„Einverstanden“, stimmte ich zu. Wir machten die genaue Zeit und den Ort aus, und verbrachten noch einige Zeit getrennt auf dem Kongress.

Der Rest muss bis morgen warten. Ich hab‘ jetzt keine Zeit mehr, muss heute früher los.

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Zum Paarjubiläum //2341

Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Paarbindung tausend binäre Jahre lang stabil bleibt. Noch ungewöhnlicher ist, dass wir auch nach dieser Zeit immer noch sexuell nicht genug voneinander bekommen können.

Ich war immer ein Einzelgänger. Nachdem ich aus meinem Elternhaus ausgezogen war, lebte ich allein. Ein Studentenwohnheim oder eine WG wären mir eine Horrorvorstellung gewesen. Ich mochte es, unabhängig zu sein, meinen Alltag nicht mit anderen absprechen und koordinieren zu müssen, oder gar meine Privatsphäre mit fremden Menschen teilen zu müssen.
Zu Studienzeiten reichte mir ein einfaches Zimmer. Als ich begann, Geld zu verdienen, meinte ich, mir jetzt doch endlich etwas mehr Komfort gönnen zu können, und ich leistete mir eine geräumige Yuppie-Wohnung, die für eine Person reichlich Platz bot.
Die Zeit verging. Ich hatte Affären und Freundschaften+ ohne weitergehende Verpflichtungen oder fester Bindung. Auch wenn es vorkam, dass mal einer dieser Männer bei mir übernachtete, oder ich bei ihm, war meine Wohnung dennoch immer mein Rückzugsgebiet. My home is my castle. Nie keimte in mir der Wunsch nach einer Beziehung auf.
Mit Carsten war es von Anfang an anders. Unser Verhältnis war ursprünglich beruflich gewesen. Nach und nach freundeten wir uns an. Er ist ein toller Mann, an dem ich vieles (groß, sexuell kompatibel, intelligent, gebildet, bisweilen nerdige Züge, humorvoll, zuverlässig, durchsetzungsstark, .. ) schätze.

Acht Jahre, in denen wir (bis auf eine 11-wöchige Unterbrechung) glücklich miteinander waren, sind eine lange Zeit. Eine Zeit, in der sich unsere Bindung mehr und mehr festigte. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig Freiraum gewähren, aber die Zeit, die wir miteinander verbringen, umso intensiver genießen.
Selbst wenn wir einfach nur abends zusammen auf dem Sofa sitzen, stärkt das unsere Zusammengehörigkeit. Er hat für gewöhnlich eine Hand zwischen meinen Beinen oder an meinen Brüsten. Ich spüre seine Präsenz. Ich fühle mich so wohl, dass ich schnurren würde, wäre ich eine Katze.
Auch wenn ich gerne allein war, hat Zweisamkeit unbestreitbar seine Vorteile.

Nachdem ich mit diesem Text fertig bin, wird mir plötzlich der scheinbare Widerspruch bewusst, dass ich hier hauptsächlich von meiner Stadtwohnung berichtet habe, während unser erstes Mal doch im Landhaus stattfand.

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Virenalarm! //2340

Unabhängig voneinander haben zwei Kunden mir kurz hintereinander ein Problem mit meiner Software gemeldet.
Nach einigen ausgetauschten Mails sieht es so aus, als ob eine bestimmte Anti-Virus-Software eine meiner DLLs blockiert, unter Quarantäne stellt, oder sogar löscht.
Diese DLL lief (mit geringfügigen Änderungen) viele Jahre einwandfrei. Es ist auch keinerlei Malware oder ähnliches enthalten. Allerdings habe ich Vorkehrungen getroffen, dass meine Software sich nicht so einfach unautorisiert kopieren oder hacken lässt (sorry – aber wenn jemand versucht, gewaltsam in meine Binaries einzudringen, verstehe ich keinen Spaß!). Ich nehme an, dass das das Problem ist, das dem Virenscanner aufstößt.

Der eine der Kunden schaffte es dann relativ schnell, seinen Virenscanner so zu konfigurieren, dass er das Installationsverzeichnis ignoriert, und die Library unangetastet lässt.
Mit dem anderen musste ich noch mehrere Mails wechseln, bis er wieder klar kam.
Ich glaube zumindest, dass das Problem gelöst ist, denn die Kunden haben sich seither nicht mehr gemeldet.

Und die Moral von der Geschicht‘:
Panicke bei Virus nicht!

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Gesuche – jetzt mit neuem, verbessertem Auswahlfilter! //2339

Bei meinen Suchanfragen nehmen allmählich Begriffe überhand, bei denen es um eine Erklärung, ein Synonym, eine Übersetzung oder Kreuzworträtsellösungen geht.
Ich werde solche Suchanfragen zukünftig kaum noch berücksichtigen (diesmal noch nur teilweise umgesetzt). Dadurch wird die Liste hier zwar kürzer, aber dafür interessanter. Klasse statt Masse.

„shittest nicht bestanden“
Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Versuch.

„vaguely synonym“
Hazily, remotely.

„getwitter“
Nächsten Samstag wieder.

„breakpoint fundstücke“
Hier sind welche!

„jean pütz“
Damit habe ich nichts zu tun.

„weltfremde theoretikerin“
Auch als HET habe ich Realitätsbezug und Bodenhaftung behalten. Solche Unterstellungen kommen nur von Leuten, die selbst völlig unfähig und ahnungslos sind, so dass spätestens eine quadratischen Gleichung ein unüberwindliches Hindernis darstellt. Das sind auch die Leute, die die Gültigkeit statistischer Aussagen nicht kapieren und unzulässig verallgemeinern.

„plancksches wirkungsquantum latex“
h reicht (so lange nicht durch 2*pi geteilt wird).

„vom hund besamt“
Erwähnte ich schon, dass ich Angst vor Hunden habe?

„miau“
Katzen dagegen mag ich sehr.

„einladung zusagen geschäftlich“
Je nach dem, wie die Einladung eingegangen ist, über Outlook direkt, Mail, Online-Formular oder telefonisch.

„zweierpotenzen liste“
Binär in EBNF-Notation wäre das 1{0}.

„bachelor 2020 unsympathisch“
Tja, gegen das gute, alte Diplom kommt ein Bachelor nicht an, und IMHO auch kein Master.

„anne wünsche sex“
Im Großen und Ganzen werden meine Wünsche erfüllt.

„schreibarbeit synonym“
Papierkram?

„fehlschlag englisch“
Failure, flop.

„einfaches bettgestell“
Fällt mir nichts ein. Notfalls reicht auch die Matratze (oder eine andere Unterlage) auf dem Boden.

„morgenstern abendstern zwergelstern“
Venus, Venus, Vögel.

„nur ungern“
Unwillig.

„spreizen“
Einen Winkel vergrößern.

„ftfy bedeutung“
Das gehört zu den Abkürzungen, die ich mir einfach nicht merken kann. Also hab ich gegoogelt und bin auf „fixed that for you“ gekommen.

„erinnern in englisch“
Remind.

„als krank“
Besser gesund.

„handtuchtag 2020“
Auch heuer wieder am 25. Mai.

„dekoltee schreibweise“
Die korrekte Schreibung ist „Dekolleté“. „Dekolletee“ ist auch akzeptabel.

„sperma schlucken ungesund“
Nö.

„verunsicherung“
Verwirrung?

„anni die ente sexy“
Sex zum n-ten Mal?

„sacre twitter“
Le sacre du Twitter?

„letzter wille“
Testament.

„sat 1 gold mediathek doc martin“
Ich benutze Mediatheken nicht, zumindest nicht für Serien. Für einzelne Filme habe ich aber schon Ausnahmen gemacht.

„erträglich zulässig“
Akzeptabel, annehmbar.

„leseproben shades of grey“
Am besten lassen sich Texte mit großem Kontrast lesen.

„leben im keuschheitsgürtel“
Ach je! Wer tut sich denn sowas an!

„pinsel“
Schon seltsam, dass das englische Wort für Bürste und Pinsel gleich ist. Dafür haben sie unterscheidliche Bezeichnungen für Hals oder Bus.

„wordpress mehrere blogs“
Das ist kein Problem, wobei ich es aber umständlich finde, von einem Blog auf ein anderes zu wechseln.

„trophäen“
(Erbeutete) Siegespreise.

„englische pastete“
Pie, pastry.

„sehr gründlich“
Akribisch.

„anykey taste“
Die befindet sich auf der Tastatur da irgendwo, neben dieser anderen beliebigen Taste.

„is gab a word“
Ja. Bedeutet soviel wie Gequatsche.

„cola zapfanlage selber bauen“
Dafür habe ich keine Anleitung. Mind the CO2.

„hashtag schweizer tastatur“
#SchweizerTastatur

„gruppenleiter“
Teamleiter.

„aufpoppen“
Plötzlich erscheinen.

„swerfs“
Die bezeichnen sich ja lieber als Abolitionistinnen oder Prohibitionistinnen.

„genötigt sein“
Müssen.

„dhl paket hochtragen“
Die Pakete sind ja nicht sonderlich schwer.

„querbezüge“
Indirekte Zusammenhänge.

„kartoffelsack mikrowelle“
Ich sehe keinen Sinn darin, einen Kartoffelsack in das Mikrowellengerät zu legen.

„anne twist twitter“
Manchmal gelingt mir schon ein Twist.

„veraltet kurze jacke 4 buchstaben“
Wams?

„abstufungen“
Diskrete Skalen?

„beglückung“
Erfüllung.

„freeware des tages“
Ist immer die, die man gerade am dringendsten braucht.

„ein neues jahrzehnt beginnen“
Ist gerade erst gut zwei Monate her.

„mit bing übersetzen“
Nutze ich nur für Klingonisch.

„mikrometerzeichen word“
Ein kleines My lässt sich mit Alt-Gr M eingeben.

„nur ungern“
Widerwillig.

„knetmasse“
Formbares Material, um kleine Gegenstände zu modellieren.

„duden bereitstellen“
Kann man alles auch online nachschlagen.

„shit test pua“
Wer will einen Keks?

„dateneingabe in den computer“
Input.

„breakpoint meta“
Auf diesem Blog veröffentliche ich meine Statistiken.

„orthogra“
fie oder phie, aber nicht Vieh.

„stick in dick“, „dick stick“
Der dicke Stick hatte nur 128 MB Speicherplatz.

„das innere leuchten“
Eine Kerze in einer Laterne leuchtet anders als eine LED-Lampe.

„widerstandsfarbcode merksatz“
Also gut, ich wiederhol‘ ihn noch mal: „Bad boys rape only young girls, but virgins give willingly.“

„schabernack“
Ein Scherz oder Streich, der auch etwas derb sein kann.

„hochzeit gebraucht geliehen blau“
Das ist ein alter Brauch. Ich hatte eine von mir selbst geborgte Haarspange, und Strumpfbänder.

„gay-geschichten in der verwandtschaft“
Dazu habe ich nichts zu sagen.

„feder cbt“
Bestimmt gibt es Online-Tutorials über das Hooke’sche Gesetz.

„korrekturzulesen“
Diese Form habe ich mehrmals (absichtlich!) verwendet, obwohl korrekt eigentlich „Korrektur zu lesen“ gewesen wäre.

„backslash andersrum“
Das ist dann der normale Slash.

„koordinatensystem beschreiben“
Das Gute an Lagrange- oder Hamiltonformalismus ist ja, dass man ein Koordinatensystem seiner Wahl benutzen kann.

„jeden tag ein rant“
Bei weitem nicht. Vielleicht alle paar Monate mal. Häufungen nicht ausgeschlossen.

„mandelabszess aufgegangen“
Bei mir wurden die Abszesse in der Klinik aufgestochen.

„anne wünsche jung“
Zeit ist relativ, und somit auch das Alter.

„gegeneffekt“
Manchmal kommt es anders, als man denkt.

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Hoppe, hoppe, .. //2338

Ich nutzte die Schwerkraft, um meinen Körper mit maximal möglicher Beschleunigung herunterplumpsen zu lassen.
Dann spannte ich meine Schenkelmuskeln an, die Arbeit dabei leisteten, meinen Schwerpunkt wieder zehn bis fünfzehn Zentimeter nach oben zu wuchten.
Wieder ließ ich mich nach unten fallen, und wiederholte die beschriebenen Schritte mit einer Frequenz von etwa einem Hertz.
Insbesondere während der Down-Phase – also bei der Umwandlung potentieller Energie in kinetische – registrierten meine internen Sensoren einen extrem erregenden Reiz.
Als er mit beiden Händen nach meinen Brüsten griff, erhöhte das die Signalstärke nochmals significkant.
Mit dem letzten Rest meines Verstandes reduzierte ich die Frequenz deutlich, um das Ereignis noch weiter zu verlängern.
Er begann mit dem Finetuning, worauf ich in einen anderen Wahrnehmungsmodus switchte.

So weit hatte ich diesen unvollendeten Text vor längerer Zeit bereits geschrieben, mit der Absicht, ihn noch weiter fortzusetzen.
Allerdings hatte der Muserich sich rar gemacht, und ich fand einfach nicht mehr die nötige Inspiration. Es fehlte keinesphalls am Sex, aber um mir neue, originell-innuerdige Formulierungen auszudenken, hatte ich zu viel anderes im Kopf.
Also räume ich mal wieder in meinen Entwürfen auf. Da nicht abzusehen ist, dass ich den obigen Text irgendwann weiterschreibe, ich ihn aber auch nicht löschen will, und momentan nur wenig andere bloggeeignete Themen habe, habe ich ihn halt jetzt veröffentlicht.

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Kindheit eines Nerds //2337

Mal wieder Rückblick auf meine Kindheit.
[Nachdem ich den Text noch mal durchgelesen habe, scheint mir, dass man ihn teilweise missverstehen oder Vorwürfe an meine Eltern herauslesen könnte. Aber dem ist nicht so. Meine Eltern sind einfache Leute. Die wussten es nicht besser. Und ich damals wohl auch nicht. Für die Finanzierung meines Studiums werde ich meinen Eltern immer dankbar sein. Aber das ist nicht das Thema des heutigen Posts.]

Erst im Laufe der Jahre danach stellte sich bei mir allmählich der Verdacht ein, dass ich dort, wo ich aufgewachsen bin, weit hinter meinen Möglichkeiten zurückgeblieben bin. In einem anregenderen, aufgeschlosseneren, intellektuell anspruchsvolleren Umfeld hätte es viel mehr Chancen für mich gegeben. So haben mich meine Eltern praktisch überhaupt nicht gefördert.
OK – mein Vater hat viel Kopfrechnen mit mir geübt. Das rechne ich ihm hoch an. Aber das war schon so ziemlich alles, was über das ganz übliche Ausmaß der Erziehung, Aufzucht und Pflege von Kindern hinausging (was ich keinesfalls geringschätze!).
Meine Mutter hat einige Zeit (IMHO unnötigerweise) darauf verwendet, im ersten Schuljahr mit mir Schreiben zu üben. Ich habe da wohl (immer noch) eine eigenartige Weise, den Stift zu halten. Das machte meine Mutter fast wahnsinnig. Aber es beeinträchtigt mich nicht. Ich kann leserlich schreiben. Ich kann schnell schreiben. Ich kann ausdauernd schreiben. Und das alles gleichzeitig. Was ich nicht gut kann, ist schön schreiben. Aber da erschien mir wohl schon damals der Aufwand im Vergleich zum Nutzen zu groß, um mich deswegen anzustrengen. Es reicht, wenn man die Schrift nach einiger Zeit immer noch lesen kann (das gilt später auch für die ganzen mathematischen Formeln mit griechischem Index oben, lateinischem Index unten, oder wie auch immer – habe da spätestens im Studium einige Schreibmarathons hingelegt).
In den höheren Schuljahren brauchte ich dann keine Unterstützung mehr von meinen Eltern. Sie hätten mir eh nicht helfen können.

Es gab kein Internet, in dem ich mich hätte informieren oder mit Ähnlichgesinnten vernetzen können. Es gab keine große Bibliothek, sondern lediglich unsere Stadtbücherei (die inzwischen in einen abgelegenen Stadtteil ausgelagert wurde). Die Bücherei hatte einmal in der Woche geöffnet. Ich ließ kaum eine Woche aus, um einen Stapel gelesener Bücher abzugeben, und einen anderen Stapel auszuleihen. Die Öffnungszeiten der Bücherei waren mein Lichtblick in der ganzen Woche.
Mindestens die Hälfte der verfügbaren Bücher waren Kinderbücher. So habe ich so ziemlich alles von Astrid Lindgren und Enid Blyton gelesen. Dann ein großer Teil Romane und Belletristik für Erwachsene, darunter zum Glück auch Jules Verne. Vieles davon (sofern jugendfrei – einige Bücher hielten die Bibliothekarinnen für mich nicht geeignet) habe ich gelesen. Einige Genres (wie Krimis oder Kriegsgeschichten) gefielen mir nicht. Die ließ ich aus.
Ein kleiner Rest waren Sachbücher, und davon wieder nur ein kleinerer Teil Bücher, die sich mit Naturwissenschaft und Technik befassten – auf populärwissenschaftliche Art. Die habe ich alle ausgeliehen. Mehrfach. Es waren auch Enzyklopädien dabei, in denen ich gerne schmökerte, und immer wieder etwas Neues entdeckte.
Wie auch immer – das Angebot war äußerst begrenzt. Dass es die Möglichkeit einer Fernleihe gegeben hätte, bezweifle ich. Ich wusste damals gar nicht, dass es so etwas gibt, und die beiden ehrenamtlichen Bibliothekarinnen wären wohl auch damit überfordert gewesen.
Wenn es in der Kreisstadt einmal eine Veranstaltung oder einen schulischen Wahlkurs gegeben hat, der mich interessiert hätte, so scheiterte meine Teilnahme an den fehlenden öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ich war ruhig, brav, zurückhaltend, machte keinen Ärger, fiel nicht auf. Irgendwie passte ich trotzdem nicht zu meinem Umfeld. Was den anderen wichtig war, war mir gleichgültig. Themen, die mich faszinieren konnten, trafen dagegen in meinem Umfeld auf kein nennenswertes Interesse. Ich gehörte nicht wirklich dazu.
Mal ganz davon abgesehen, dass die Bezeichnung „Nerd“ damals, wenn nicht noch unbekannt, zumindest aber ungebräuchlich war – weit und breit kannte ich niemanden, der auch nur im entferntesten so drauf gewesen wäre wie ich (am ehesten noch Mr. Spock im Fernsehen). Ich will nicht behaupten, dass ich darunter litt. Es war halt so, wie es war. Damit hatte ich mich arrangiert, und auf irgendwelche gesellige Runden mit anderen Menschen hatte ich eh keine Lust. Ich war gerne für mich allein und ungestört.
Das wirkliche Bewusstsein, so ganz „anders“ zu sein, kam erst im Rückblick.

Ein bisschen erinnert mich Young Sheldon an meine Kindheit. Sheldon ist auch in einem religiös indoktrinierenden Umfeld aufgewachsen. Aber er hatte einen Computer, konnte Bücher beziehen und hörte Vorlesungen an einer Universität. Um all das beneide ich ihn.

Es hat ja keinen Sinn, mit dem Schicksal zu hadern, und zu spekulieren, was gewesen wäre, wenn … Mein Leben wäre bestimmt anders verlaufen, aber insgesamt höchstwahrscheinlich nicht besser. Ich wäre jetzt nicht da, wo ich bin. Dabei bin ich doch eigentlich ganz zufrieden mit meinem Leben, so wie es jetzt ist.

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