Hundertsechsundsechzig

Ganz beiläufig erwähnte ich am Abend, dass Alex mich angerufen hatte.

Ich spürte wie Carsten, an den ich auf dem Sofa anschmiegte, sich anspannte. Aber er fragte nur: „So, tatsächlich. Was wollte er von dir?“
„Meine Sourcen. Das Tool soll nicht mehr von mir entwickelt werden.“
„Gibst du ihm die Sourcen?“
„Nein. Keinesfalls.“
„Warum nicht?“
„Weil sie mein Know-How enthalten. Sie sind praktisch mein Geschäftsgeheimnis.“

Das hatte ich ihm aber schon alles einmal erklärt. Ich war des Katz-und-Maus-Spiels überdrüssig und fragte Carsten direkt, ob er dahinter stecken würde.
Er gab sofort zu, mit dem Geschäftsführer von Softicago gesprochen zu haben.

„Du hast kein Recht, dich in meine Geschäfte zu mischen!“ rief ich ziemlich aufgebracht.
„Bitte beruhige dich, Samtpfötchen, ich bezahle dir den entgangenen Umsatz.“
„Verdammt! Als ob es mir darum ginge! Ich vergraule dir deine Kunden doch auch nicht!“
„Komm, zieh‘ deine Krallen wieder ein. Ich habe vielleicht zum falschen Mittel gegriffen, aber ich kann es einfach nicht ertragen, dass du mit ihm noch Kontakt hast.“

In mir kochte es. Nur mit Mühe gelang es mir, sachlich zu bleiben. Ich atmete tief durch, dann sagte ich so ruhig, wie ich konnte: „Ich verlange, dass du das wieder rückgängig machst. Wenn du mir nicht genug vertraust, sehe ich keine Grundlage mehr für unsere Beziehung.“

Carsten schluckte. Dann gab er nach: „OK. Du hast recht. Ich bin zu weit gegangen. Ich werde mich gleich morgen darum kümmern, dass du den Auftrag doch bekommst.“
Ich schwieg. Carsten nahm mich in den Arm und strich mir übers Haar.

Verdammt! Ich kann ihm einfach nicht lange böse sein.
„Ist alles wieder in Ordnung, Liebste?“
Ich antwortete immer noch nicht, und Carsten fuhr fort, mich überall zu streicheln. Als er mich schließlich hochhob und ins Schlafzimmer trug, ließ ich ihn bereitwillig gewähren.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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Eine Antwort zu Hundertsechsundsechzig

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