Zwölfhundertzweiundsiebzig

Falls es euch nicht aufgefallen sein sollte – ich hatte gestern nicht gebloggt.
Am Montag Abend war ich bereits verreist, um am Dienstag an einem fachlichen Arbeitskreis in einer anderen Stadt teilzunehmen.
Die Anreise, das Hotel und die Veranstaltung selbst waren ganz OK. Es gibt darüber nichts erwähnenswertes zu sagen. Ein paar der Teilnehmer kannte ich flüchtig von ähnlichen Anlässen.

In der Kaffeepause entdeckte ich zufällig Alex, der ja auch einen Branchenbezug hat. Ich freute mich, ihn nach langer Zeit zu sehen, und ging auf ihn zu.
„Hi Alex, schön dich zu sehen“, begrüßte ich ihn, „wie geht’s dir?“
Er schaute mich irritiert an, und antwortete langsam: „Hallo Anne. Gut, danke.“
„Wie lange ist ist das jetzt her? Vier Jahre oder so?“
„Ja. So was um den Dreh.“
Er antwortete auffällig kurz. Klar, die Sache damals war nicht so günstig für ihn gelaufen. Aber trug er mir das etwa nach?
„Bist du mir noch böse wegen damals?“, fragte ich ihn also, „ich gebe niemals meine Sourcen raus.“
Er deutete ein Kopfschütteln an. „Ich habe einen besseren Job gefunden.“
„Dann ist ja alles OK! Mir tat es leid, wie die Sache damals ausgegangen ist.“
Er ging nicht darauf ein, sondern stellte zum ersten Mal eine Frage: „Bist du noch mit ihm zusammen?“
Ich nickte: „Ja, wir haben vor bald drei Jahren geheiratet. Wie geht es dir denn privat? Hast du jemanden gefunden?“
„Nein.“
Ach, hätte ich mich doch nach diesem schroffen „nein“ einfach freundlich verabschiedet! Stattdessen meinte ich betont aufmunternd: „Na, wird schon noch!“

[Spätestens hier muss ich eine Triggerwarnung einfügen. Das Niveau des Blogs geht doch wieder mal sehr Richtung Seifenoper, und ich empfehle jedem, der eine Kitschallergie oder Sentimentalitätsunverträglichkeit hat, besser nicht weiterzulesen.
Vielleicht sollte ich das auch besser gar nicht öffentlich bloggen.
Für alle, die sich nicht haben abschrecken lassen, geht es weiter im Text.]

Er schaute mich an, so dass mir unbehaglich wurde, und sagte dann leise: „Ich muss immer noch jeden Tag an dich denken. Du weißt schon, dass du die Frau meines Lebens warst .. bist.“
Mist! Verdammt! Mir verschlug es erst mal die Sprache. Dass ich das Objekt seiner Oneitis war, hatte ich nicht geahnt. Er war zwar damals schon sehr anhänglich gewesen, und hatte immer wieder auf eine Beziehung gedrängt, aber .. naja .. ich fühlte mich wohl mit meinem Schlampenleben und hatte zu jener Zeit nicht die Absicht gehabt, mich an nur einen einzigen Mann fest zu binden.
Schließlich stammelte ich: „Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, Alex. Aber ..“
„Es war mehr als das.“ Es hörte sich an wie ein Vorwurf, um mir Schuldgefühle zu machen. Wieder mal erschien ich als femme fatale. Ich atmete tief durch, und erwiderte dann so bestimmt, wie ich konnte: „Nein, war es nicht. Wir waren Freunde. Sogar gute Freunde. Und ich habe niemals mehr versprochen.“
„Warum, Anne? Warum willst du mich nicht? Warum hast du ihn mir vorgezogen? War es sein Geld? Er ist doch viel zu alt für dich.“ Sein Tonfall war anklagend, und ich hatte jetzt wirklich genug. Wäre er wegen der Angelegenheit mit den Sourcen sauer gewesen, hätte ich das verstanden, aber die Sache jetzt hinzudrehen, als wären wir einmal zusammengewesen, und ich hätte ihn verlassen, ging zu weit.
„Es tut mir leid, wenn ich dich verletzt habe“, antwortete ich also ruhig, „aber ich habe für uns zwei niemals eine gemeinsame Zukunft gesehen. Ich bin glücklich mit meinem Mann, aber auch die Beziehung mit ihm hatte ich nicht so geplant. Das hat sich ergeben.“
Die Kaffeepause war längst vorrüber. Alle anderen Teilnehmer waren schon wieder in ihren Besprechungsräumen.
„Bitte, Anne“, flüsterte er jetzt flehentlich, und griff mich am Arm, „lass‘ es uns noch einmal miteinander versuchen.“
Ich riss mich los. „Kommt nicht in Frage. Keine Chance.“
Schnell lief ich in den Besprechungsraum. Ich habe Alex später nicht mehr gesehen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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39 Antworten zu Zwölfhundertzweiundsiebzig

  1. Gr3if schreibt:

    Seifenoper trifft es :p

    Aber irgendwie ist das doch auch ein schönes Kompliment an das eigene Ich.

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  2. sevens2 schreibt:

    „Dass ich das Objekt seiner Oneitis war, hatte ich nicht geahnt. (…) .. ich fühlte mich wohl mit meinem Schlampenleben (…).“

    Da hast du schon wieder was verschlampt.

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  3. idgie13 schreibt:

    Hattet ihr denn wenigstens ein Affärchen miteinander?

    Mir hat auch mal einer riesige Vorwürfe gemacht und ein Drama, als ob ich ihn nach 25 Jahren Ehe verlassen hätte. Dabei hatten wir 1 Woche (!) gemailt, ein einziges Mal telefoniert und uns nie getroffen.

    Manche projiezieren so viel auf einen, dass einem angst und bang wird ….

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  4. ednong schreibt:

    Uhh.
    Er klingt ja arg getroffen. Den hast du ja dann wohl doch mächtig beeindruckt.

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  5. Auskenner schreibt:

    Schmonzetten-Alarm!
    Du solltest bei den Rowohlt-Verlagen als Rosamunde Pilcher-Verschnitt anheuern.

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  6. Leser schreibt:

    Hmm, ich würde mal sagen, das war das klassische „Friendzoned!“ Syndrom (nur dass sich die Friendzone eben in dem Fall auch aufs Bett erstreckte – da kann man als Beteiligter durchaus die Annahme hegen, man wäre der Friendzone entkommen, und wenn man sich damit irrt, ist es ein besonders hartes „auf die Schnauze fliegen“).
    Wobei, dass da jemand dem noch so lange hinterher hängt, ist schon seltsam, das klingt ja fast eher nach den Leiden Des Jungen Werther. Hoffentlich tut er sich also nichts an, sondern kapiert es endlich (ist ja nur besser für ihn), und kommt darüber hinweg. Das kann zwar erst mal mit einer gehörigen Portion Wut auf Dich und evtl. sogar auf die gesamte Damenwelt einher gehen (aber da kein Kontakt besteht, kriegst Du davon ja nix mit), und daraus kann dann irgendwann ein Mensch erwachsen, der ein kleinwenig freier ist, als zuvor. Oder verbitterter – je, nach dem…

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    • Vermutlich habe ich da alte Wunden wieder aufgerissen.
      Aber wie hätte ich verhindern können, dass er sich da so reinsteigert?
      Ich war damals davon ausgegangen, dass wir beide unseren Spaß haben.
      Solche Verwicklungen lassen sich wohl nur vermeiden, wenn man sich von vornherein auf keinerlei Kommunikation einlässt – weder freundlicher Umgang, noch Sex.

      Ich hoffe, dass er schnell drüber hinwegkommt, und eine andere Frau findet, die für ihn besser passt.

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  7. Plietsche Jung schreibt:

    Manchen Menschen fehlt das gewisse Maß an Realismus.
    Verloren ist verloren.
    Der Rest ist History.

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  8. F. schreibt:

    Der Trottel Alex ist ein Liebeskasper, nichts weiter.

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