Unverblümt //2131

Bei meiner letzten Reise hatte ich zwei Blumensträuße geschenkt bekommen. Den von Standort 3 hatte ich am nächsten Tag meiner Mutter geschenkt, den von Standort 2 dort einfach liegenlassen.
So ein Blumenstrauß kostet zig Euro, und landet im besten Fall erst nach ein paar Tagen im Biomüll. Das ist nicht nachhaltig, sondern Verschwendung. Mal abgesehen davon, dass Blumen ein Symbol der Vergänglichkeit sind (und somit praktisch eine Beleidigung – dem Empfänger wird dadurch „durch die Blume“ mitgeteilt, dass auch seine Schönheit vergehen wird) bin ich auch keine Kuh, die sich über solches Grünzeug freuen würde.
Wenn ich auf irgendwelchen Veranstaltungen Blumen geschenkt bekomme, kann ich das nicht verhindern. Bei unserer Firma jedoch kann ich diese Verschleuderung von Firmengeldern durchaus unterbinden.

Es gibt doch so viel schönere (und preisgünstigere) Geschenke als solches Blumengestrüpp. Mancher freut sich über Pralinen, ein anderer über einen deftigen Schinken, der dritte über eine Flasche Wein oder ausgewählte Spirituosen. Auch ein Buch oder ein Schreibset wären geeignet. (Badezusätze oder Handtücher erscheinen mir jedoch im geschäftlichen Umfeld als zu persönlich.)
Auch dass in manchen Büros oder Besprechungsräumen Blumen zur Dekoration herumstehen, ist überflüssiger als ein Kropf. Zukünftig soll für so etwas kein Geld mehr ausgegeben werden. Wo es zweckmäßig ist, dürfen ein Obstkorb oder ein wenig Gebäck stehen.
Meinetwegen dürfen die Mitarbeiter auf eigenen Kosten und Verantwortung einzelne Zimmerpflanzen in ihren Räumen ziehen, solange das niemanden stört. Offiziell wird sich die Firma aber nicht mehr daran beteiligen. Leitungswasser können sie von mir aus zum Gießen benutzen.
Ich verfasste also eine Anweisung, die verbindlich für die ganze Firma samt Standorten ist, die regelt, dass künftig kein Geld mehr für Blumen ausgegeben wird. Stattdessen fügte ich eine Liste mit Vorschlägen bei, falls Geschenke an Kunden oder sonst jemandem sinnvoll erscheinen.

Ein paar Tage später sprach mich Frau Tussozic an, um sich darüber zu beschweren.
Es sei eine nette Geste gegenüber Besucherinnen, sie mit einem Blumenstrauß zu beschenken.
Ich erwiderte, dass beispielsweise eine Schachtel Pralinen viel besser wären, sofern man ein Geschenk überhaupt für angebracht hält.
Sie teilte meine Ansicht nicht, woraufhin ich ihr erklärte, dass es ihr freistünde, sich Blumen von ihrem eigenen Geld zu kaufen (schließlich verdient sie genug), aber Firmengelder werden dafür nicht mehr hinausgeschmissen.
Sie bestand darauf, dass sie für den Kontakt zu Kunden zuständig sei. Das stimmt nur so halb. Vertrieb und Kundenservice unterstehen mir.
Ich fragte sie, wie oft sie es schon mit weiblicher Kundschaft zu tun gehabt hätte. Sie druckste ein wenig herum, dass es schon vorgekommen sei, dass eine weibliche Begleitperson dabeigewesen wäre.
Dann meinte sie, dass ein Zimmer doch so viel schöner und gemütlicher wirken würde, wenn es darin Blumen gäbe. Erstens sehe ich das ganz und gar nicht so. Zweitens sollen Räume, in denen gearbeitet wird, auch gar nicht zu gemütlich wirken.
Also erklärte ich ihr abschließend, dass Novosyx in Zukunft keine Kostenanteile für Blumen mehr übernehmen wird. Wenn sie trotzdem welche kaufen will, dann auf eigene Rechnung, bzw. nur das Konto der anderen Gesellschafter belastend.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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7 Antworten zu Unverblümt //2131

  1. jezek schreibt:

    Blumen als Zeichen der Vergänglichkeit ist nicht korrekt. Dies gilt nur für Schnittblumen, nicht aber für Pflanzen im Topf, die bei guter Pflege es sehr weit bringen können. Damit wäre dieses Argument ausgehebelt.

    Wollte nur mal etwas Klugschiß hinterlassen 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Du hast völlig recht. Mir ging es ja vor allem um Schnittblumen.
      Blumen, die im Garten oder auf der Wiese vor sich hinwachsen, sind ganz in Ordnung. Aber sobald sie gepflückt werden, beschleunigt sich die Verwelkung.

      Es ist einfach Schwachsinn, für einen Blumenstrauß dreißig oder vierzig Euro auszugeben.

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Ich würde mich sehr über Blumen freuen. Wo hingegen Pralinen von mir auch weiter verschenkt würden.

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  3. ednong schreibt:

    Hm,
    schon sehr einseitig. Mancher freut sich mehr über Pralinen, ein anderer mehr über Blumen. So pauschal würde ich das nicht sehen.

    Aber du warst ja schon immer gegen Blumen, wenn ich mich recht erinnere …

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  4. Pingback: Das Ende der Zwillinge //2150 | breakpoint

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