Es käfert //2132

Auch wenn ich meine aktive Freiberuflichkeit aufgegeben habe, so kommt es dennoch hin und wieder vor, dass Kunden mich aus verschiedenen Gründen anschreiben.

Gerade als ich meinen Kopf wo ganz anders hatte, erhielt ich eine Nachricht eines Kunden, der berichtete, dass ein konkret benanntes Feature, das er ausprobieren wollte, nicht funktioniere.
Ein Blick in meine Datenbank lieferte mir die Information, dass dieser Kunde das genannte Produkt überhaupt nicht gekauft hatte, sondern ein anderes. Ich schrieb ihm also zurück, dass das Feature in seiner Lizenz nicht enthalten ist.
Er antwortete, dass er es mit der allgemein verfügbaren Testversion ausprobiert hätte, und auf das umfangreichere Produkt upgraden wollte, sofern er das Feature zum Laufen kriegen würde.

Daraufhin sah ich mich veranlasst, zu versuchen, das Problem zu reproduzieren und ggf. zu lösen. Dazu musste ich erst mal eine uralte VM wieder in Betrieb nehmen, die ich schon seit Jahren nicht mehr benutzt hatte. Außerdem war es nötig, darauf eine bestimmte Third-Party-Software zu installieren, um zu überprüfen, ob das Problem dort genauso bestehen würde.
Das kostete mich einige Zeit, aber schließlich bestätigte sich der Bericht des Kunden.
Ich hatte eine Vermutung, dass es sich um ein 32|64-bit-Problem handeln könnte, und schaute einige Schlüssel in der Registry nach. Ich machte dort auch ein paar Veränderungen, aber es tat sich nichts. Vielleicht hätte ich zwischendurch immer booten sollen, aber das dauert mir einfach zu lang. Ich wollte nicht noch mehr Zeit investieren, und brach erst mal ab.
Den Kunden informierte ich, dass ich seine Problembeschreibung hatte nachvollziehen können, und ihm Bescheid geben würde, wenn ich eine Lösung dafür gefunden hätte.

Hm .. bestimmt würde ich eine Lösung finden, wenn ich mir nur ausreichend Zeit nehmen würde. Ein geeigneter Registry-Hack könnte schon genügen. Allein .. ich habe wichtigeres zu tun, und ehrlich gesagt, auch gar keine Lust, mich jetzt dareinzuhängen, um dieses einzelne Problem zu lösen. Auch wenn der Kunde seine Lizenz upgraden würde, würden meine Einnahmen bei weitem nicht meinen Zeitaufwand ausgleichen.
Andererseits stört mich diese offene Angelegenheit schon. Da ist irgendwo ein (vermutlich winziger) Fehler in der Installation, der sich durch einen geeigneten Workaround ganz bestimmt fixen ließe.
Das ist halt keine Sache, die ich schnell mal zwischen zwei Termine schieben kann. Bis ich mich hineingedacht habe, und meinen Rechner vorbereitet habe, ist schon eine halbe Stunde vorbei. Um das Problem ernsthaft anzugehen, bräuchte ich zwei bis drei Stunden am Stück, in denen ich davon ausgehen kann, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht unterbrochen und aus meinem Flow gerissen zu werden.
Tja .. jetzt ist es also soweit gekommen, dass meine Software nicht mehr up-to-date ist, und ungelöste known issues existieren.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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12 Antworten zu Es käfert //2132

  1. keloph schreibt:

    es braucht eine klare prioritätensetzung, aber die ist ja in deinen worten enthalten.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Nimm dir die Zeit, die Anfragen werden mehr werden.
    Den Ehrgeiz solltest du haben.

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    • Wieso sollten die Anfragen mehr werden?
      Ich entwickle die Produkte doch nicht mehr weiter. Die Bestandskunden sind zufrieden, Neukunden gibt es tendenziell immer weniger. Das ist der Lauf der Dinge.
      Wenn ich dieses eine Problem löse, dankt mir vielleicht dieser eine Kunde, sonst niemand.
      Die Software auf aktuellem Stand zu halten, kostet mehr Zeit, als ich dafür noch aufwenden will.

      Wie keloph schon sagte: Eine Frage der Prioritäten.

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      • Leser schreibt:

        Aber kratzt es nicht an Deiner „Ehre“ als Softwareentwickler, ungefixte Bugs bestehen zu lassen? Also mich würde das stören, ich hätte das Gefühl, unsauber gearbeitet zu haben, und würde, schon um mein Gefühl von Integrität gegenüber mir selbst zu wahren, alles daran setzen, die 2-3 Stunden am Stück in den nächsten Wochen zu finden, um das Problem zu lösen. Und sei es, halt an einem Tag mal erst am Nachmittag in die 4ma zu gehen, oder sowas.

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        • Vielleicht finde ich irgendwann die nötige Muße und Zeit dafür, aber ich werde jetzt nicht alles andere stehen und liegen lassen deswegen.

          Es ist auch gar nicht sicher, dass das Problem von meiner Software verursacht wurde. Da sind noch mindestens zwei andere SW-Hersteller beteiligt, deren Produkte miteinander wechselwirken.
          Wenn da irgendwo eine Schnittstelle nicht völlig interoperabel abgestimmt ist, funktioniert es nicht.
          Auch wenn ich vermute, dass das Problem durch ein paar Änderungen in der Registry behoben werden könnte, ist das keineswegs sicher.
          Im schlimmsten Fall schaffe ich es auch nach zig Stunden reingehängter Zeit nicht, die Sache zum Laufen zu bringen. Ist es das wert?

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          • Leser schreibt:

            Kommt drauf an. Hängt auch davon ab, wie wahrscheinlich es ist, dass zukünftige oder bestehende Kunden in Zukunft ebenfalls in dieses Problem laufen könnten. Wenn es ein obskurer Einzelfall ist, dann vielleicht nicht. Aber ansonsten wäre es nur konsequent, das Produkt als „deprecated“ bzw. „out of support“ zu markieren, um klarzustellen: Wenn’s läuft, dann läufts, wenn nicht, dann nicht. Dazu ist es gut, dass es eine kostenlose Testversion gibt, mit der man sowas abklären kann, bevor man das Produkt kauft.

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            • Es handelt sich um ein Spezialfeature, das nur sehr wenige Kunden nutzen. AFAIK läuft es aber bei denen. Der gemeldete Fall bezog sich auf etwas andere Systemvoraussetzungen.

              Wenn ich in nächster Zeit nicht doch noch eine Lösung dafür finde, nehme ich es aus der Dokumentation heraus.
              Die Kunden, die es dann trotzdem zum Laufen bringen, können sich dann eben über ein undocumented feature freuen.

              Aktiv bewerbe ich meine ganze Software nicht mehr. Sie ist halt noch erhältlich „as is“.

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      • Plietsche Jung schreibt:

        Damit ist der Kunde dann weg.
        Aber das scheint ja keine Priorität zu haben.

        Ich verstehe dich, aber ich lebe eine andere Philosophie, wie man mit Kunden umgeht.

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