Fünfhundertsiebenundvierzig

Wir teilen das gleiche Stammcafé. So war es nur eine Frage der Zeit, bis mir Benjamin mal wieder über den Weg lief.
Wir begrüßten uns erfreut, und setzten uns an den gleichen Tisch. Ich erzählte ihm, dass ich im Winter einmal versucht hatte, ihn anzurufen, aber nur seine Frau am Apparat hatte.
„Ach, du warst das! Meine Frau hatte sich nur etwas mit Definitionslücken gemerkt. Eigentlich hätte ich mir denken können, dass du es warst.“
„Meine Definitionslücke ist mittlerweile behoben“, lachte ich, „ich bin jetzt auch verheiratet. Seit August.“
So unterhielten wir uns noch fast eine Stunde ganz harmlos und in aller Freundschaft (aber ohne diese zu vertiefen). Ich fragte ihn nach dem Stand seiner Forschungsarbeiten, aber er winkte ab: „Jeder Umlauf um eine Polstelle liefert immer noch zwei Pi.“
Ich berichtete, dass ich derzeit kaum entwickle, sondern hauptsächlich die IT-Abteilung meines Mannes betreue. Das fand er schade, denn mit meinem „analytischen Verstand“ sei an mir „eine Mathematikerin verloren gegangen“, und er wiederholte sein Angebot, bei ihm zu promovieren.
Ob das so eine gute Idee wäre? Ich glaube nicht, antwortete aber, dass ich es mir durch den Kopf gehen lassen würde, und mich ggf. wieder bei ihm melde.
Dann verabschiedeten wir uns voneinander.

Bisher habe ich Carsten noch nicht davon erzählt. Einerseits hatte ich ihm das zwar versprochen, andererseits war die Sache dermaßen harmlos, und würde ihn völlig unnötig beunruhigen, und schließlich hat er mir auch nichts freiwillig erzählt, als er mit Lydia gesprochen hat.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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24 Antworten zu Fünfhundertsiebenundvierzig

  1. sweetsurrender schreibt:

    Naja, ich würds doch erzählen.
    Auch einfach weil es so harmlos war.
    Außerdem kann ich weder lügen und verschweigen ist bei mir das gleiche.

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  2. vires schreibt:

    Der Ansatz „Auge um Auge“ führt zu nichts. Entweder du willst ihm davon erzählen oder nicht. Aber nicht aus einem fadenscheinigen Grund: „Er hat damit angefangen!“

    Ich persönlich würde meiner Freundin von solchen Treffen berichten. Eine offene Gesprächskultur ist einfach angenehmer. In allen Belangen.

    Den Beitrag von mir nicht falsch verstehen. Ich will dir sicher nichts vorschreiben. Die Aussage repräsentiert nur meine Meinung.

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  3. schaum schreibt:

    erzähl es und alles ist gut, und wenn er deswegen eine welle macht, ist es sein problem, nicht deins……sollte er es ohne deine hilfe zufällig erfahren ist die welle zu recht gross

    es schäumt geradeausgehen

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  4. plietschejung schreibt:

    „Jeder Umlauf um eine Polstelle liefert immer noch zwei Pi.“

    Lange nicht mehr gehört und immer noch gültig 😉

    Halt einfach die Klappe und behalt es für dich. Auch mit 100% Vertrauen (gibt’s nicht) gibt es keinen added value, das zu erzählen.

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  5. Simone13333 schreibt:

    Vielleicht wäre es sinnvoll davon zu berichten. Denn wenn es dann doch mal rauskommt ist es auch doof. Kennst Du eigentlich den neuen Blogger-System Anbieter qwer com ? Ich würde mich sehr über eine Antwort auch per Email von Dir freuen. Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Blog.

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    • breakpoint schreibt:

      So schlimm wäre das jetzt auch nicht, falls er es aus anderer Quelle erfahren würde.
      Es war schließlich nur ein harmloses, zufälliges Treffen.

      Ich kenne nur quer.de, was in den letzten Jahren jedoch an Biss verloren hat.
      Von qwer.com habe ich allerdings in einigen anderen Blogs Spamkommentare gelesen, die offenbar nur dazu dienten, dieses Portal bekannt zu machen. Das macht es nicht unbedingt sympatisch.

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  6. Leser schreibt:

    Ich hab jetzt auch noch mal diesen Reisebüro-Beitrag gelesen, und irgendwie stelle ich mir die Frage: Ist es nicht unheimlich anstrengend, eine Beziehung aufrecht zu erhalten, in der es solche Heimlichkeiten und Eifersüchteleien gibt, wo man genau darauf achten muss, was der Partner erfährt und was nicht, damit dieser nicht voll offensichtlich zeigt, wie wenig Vertrauen er in seine/n Partner/in hat, und das Ganze wieder einen „Knacks“ in die Beziehung bringt? Damit meine ich nicht nur die Sache mit Benjamin, sondern auch die mit Lydia…

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    • breakpoint schreibt:

      Da ich ja Realistin bin, ist nach meiner Meinung völliges Vertrauen gleichbedeutend mit Naivität.
      Ich traue mir ja selbst nicht so ganz (einer der Gründe, warum ich Benjamin’s Promotionsangebot abgelehnt habe).

      Anstrengend? *schulterzuck* Das ganze Leben ist anstrengend. Da kommt es darauf auch nicht mehr an.

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      • Leser schreibt:

        Siehste, das meine ich: Weil Du genug über Dich selbst weißt, dass Du Dir nicht traust, und entsprechend gefährlichen Situationen aus dem Weg gehst, ist das für ihn eigentlich ein Grund mehr, Dir doch zu vertrauen. Dass Du ihm von dem Treffen nicht erzählst, ist ein Anzeichen dafür, dass Ihr Euch nicht wirklich traut. Damit meine ich eben nicht das „völlige Vertrauen“, was Naivität bedeuten würde, sondern lediglich dem anderen zuzutrauen, die Beziehung nicht bewusst oder willentlich schädigen zu wollen. Da frag ich mich dann doch, was das für eine Beziehung ist.

        Und lustigerweise suchen sich die meisten Leute ja auch eine Beziehung, um eben von den Anstrengungen des Lebens einen Rückzugsraum zu haben…

        Naja, ist natürlich Eure Entscheidung und Euer Leben, und sicher, als Unternehmer hatte man nie ein „einfaches“ Leben, und das „schöne“ darin muss sich viel zu oft mit einem (auf der persönlichen Ebene) viel zu hohen Preis erkauft werden, von daher ist das vielleicht sogar wirklich OK, und es ist möglich, als Mensch so zu leben. Ich könnte es mir dennoch nicht vorstellen.

        Das soll auch kein Angriff sein, es ist lediglich meine Beobachtung (anhand dessen, was in Deinem Blog steht) und meine ehrlichen Gedanken dazu, ohne was zu beschönigen (was evtl. auch ungewohnt sein mag, je nach dem in welchen „Kreisen“ man sich so bewegt, aber ich kann und will nicht anders).

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        • breakpoint schreibt:

          Mittlerweile habe ich ja mein Gewissen erleichtert. :.
          Es handelte sich ja um wirklich keine große Sache, und ich hatte absolut nichts schlimmes gemacht, also nichts, was ich hätte verbergen müssen.
          Vertrauen hin oder her, aber jede Belanglosigkeit braucht man auch nicht aufzubauschen.

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  7. ednong schreibt:

    Oh ja, erzähl es ihm
    *in-den-Chor-der-Anderen-einstimm*
    😉

    Also letzlich ist es deine Entscheidung. Die Frage, die du vielleicht indirekt stellst, ist: Wie wichtig ist es ihm, dieses Detail zu wissen.

    Vielleicht fragst du ihn einfach. Ich würd mich als Partner freuen, wenn man es mir erzähle, jedoch fänd ich es nicht tragisch, es nicht zu erfahren. Wie Carsten reagiert, weißt nur du …

    Ich denke, soviel Vertrauen sollte in einer Beziehung vorhanden sein. Und soviel Vernunft, es zu erzählen, sollte das Vertrauen nicht berechtigt sein.

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  8. breakpoint schreibt:

    AchthundertsechsundzwanzigDann waren wir also bei dieser Veranstaltung der Universität.
    Meine neuen Schuhe drückten etwas, aber vor allem war es sehr ungewohnt, etwas um den Hals herum zu tragen.

    Eigentlich war es gar nicht so überraschend, trotzdem war ich erstaunt, als un…

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  9. Pingback: Achthundertsechsundzwanzig | breakpoint

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