Lob und Tadel //2110

Neulich waren wir nach längerer Zeit mal wieder auf einem Geschäftsführertreffen.
Herr Altsang war auch dort. Seine Tochter arbeitet ja bereits seit einiger Zeit befristet bei unseren Kaufleuten. Er war sehr angetan, um nicht zu sagen begeistert, welche Fortschritte seine Tochter inzwischen bei uns gemacht hatte. Er lobte in den höchsten Tönen, dass sie bereits deutlich selbstsicherer auftrete. Es gefalle ihr so gut, dass sie im Betriebschor mitsingen könne. Ganz besonders habe ihr aber die Präsentation gut getan, die sie vor einigen Wochen gehalten habe.
Ich bedankte mich, und antwortete, dass sie sich – soweit ich das als Technikerin beurteilen kann – sehr gut anstelle. Sie arbeite sorgfältig und zuverlässig, so dass Herr Kleiter voll mit ihr zufrieden sei. Das war möglicherweise zwar etwas übertrieben, aber warum sollte ich Herrn Altsang nicht die Freude machen.
Der größte Teil ihrer Vertragszeit bei uns ist bereits vergangen. Danach wird sie noch bei einem anderen Unternehmen ein halbes Jahr lang arbeiten, bevor sie in die Firma ihres Vaters eintritt.

Auf dem Heimweg fragte mich Carsten: „Warum hast du mir nicht erzählt, dass Frau Altsang eine Präsentation hält?“
„Da warst du gerade auf Geschäftsreise“, antwortete ich knapp.
„Eine kurze Erwähnung wäre das trotzdem wert gewesen“, meinte er etwas verärgert, „ich schätze es gar nicht, wenn mich Geschäftsfreunde auf solche Belange ansprechen, und ich überhaupt nicht weiß, was los ist.“
„Das war praktisch zeitgleich mit dem Hackerangriff auf Standort $n„, rechtfertigte ich mich, „da hatte ich wichtigeres im Kopf.“
Ursprünglich hatte ich wirklich vorgehabt, es ihm zu sagen, nachdem Frau Altsang die Präsentation gehalten hatte. Vorher allerdings nicht.

Und jetzt meldet sich mein schlechtes Gewissen, weil ich ihn nicht über Verena’s Pläne informiert habe. Ich kann nur hoffen, dass diese tatsächlich abwartet, bis sie ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat. Danach soll sie meinetwegen tun, was sie nicht lassen kann.
Das Verschweigen der Präsentation kann ich noch rechtfertigen, da ich ihm nicht von allen Angelegenheiten mit geringer bis mittlerer Relevanz erzählen kann – allein aus Zeitgründen muss ich eine Auswahl treffen.
Bei der Sache mit Verena ist das anders. Aber ich habe es ihr ja versprochen, und derzeit ist ihre Absicht noch vage. Warum sollte ich ihn da – vermutlich völlig unnötig – aufregen und Besorgnis auslösen?
Falls sie aber doch ihre Ausbildung vorzeitig abbricht, dann bin ich mit ihr in der Bredouille.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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6 Antworten zu Lob und Tadel //2110

  1. keloph schreibt:

    das würde ich nicht riskieren.

    Gefällt 1 Person

  2. Athropos schreibt:

    Alternativ kannst du dich gegenüber Verena auch als Mediator zwischen ihr und Carsten anbieten – im Sinne von wenn sie eine Tendenz hat, soll sie dich nochmal kontaktieren, bevor sie irgendwelche Schritte setzt. Dann hast du immer noch Zeit entweder auf sie einzuwirken oder Carsten den Wind aus den Segeln zu nehmen

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Die Einladung //2143 | breakpoint

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