Die Einladung //2143

Sophie geht es nach ihrer langen Krankheit inzwischen schon wieder einigermaßen gut. Sie geht auch regelmäßig wieder in den Kindergarten. Ich war äußerst erleichtert, als ich erfahren habe, dass Verena sie in der für ihren Sprengel zuständigen hiesigen Schule angemeldet hat. Da ist zu erwarten, dass Verena vorläufig doch nicht wegziehen wird.

Als Verena letzte Woche wegen einer Schulungsmaßnahme ihre Kinder nicht vom Kindergarten abholen konnte, bat sie mich, wieder einmal einzuspringen.
Niklas ist ja immer gleich eingeschlafen, während er in meiner Wohnung darauf wartete, dass seine Mutter oder seine Großtante ihn von dort abholte. Sophie selbst ist immer noch matt, und der Kindergartenbesuch strengt sie an. Also sollte man meinen, dass es dann ruhig zuginge. Tatsächlich halten beide sich allerdings gegenseitig wach.
So war ich ganz froh, als Sonja endlich kam, um die Kinder nach Hause zu bringen. Wir wechselten ein paar Worte, und ich erwähnte, dass Carsten mit ein paar Freunden noch bis Pfingsten auf Radtour ist.
Daraufhin lud sie mich zum Mittagessen am Sonntag bei sich ein, statt „alleine daheim rumzusitzen“. Ich zögerte. Ich falle nicht gerne jemanden zur Last.
„Es gibt nichts besonderes“, erklärte sie, „und wir sind sowieso schon zu fünft. Da macht eine Person mehr keinen großen Unterschied.“
„Wer denn alles?“, fragte ich zurück. Das fehlte mir noch, dass mir womöglich Patrick über den Weg läuft!
„Außer mir natürlich Verena und die Kinder. Und dann kommt noch ein besonders lieber alter Freund von mir.“
Schließlich sagte ich zu. Brauche ich mich schon mal nicht selbst um etwas Essbares zu kümmern.

Am Sonntag fuhr ich dann am späten Vormittag zu Sonja. Sie stellte mir ihren Freund Gideon vor, und erzählte mir, dass sie sich schon vor vielen Jahren flüchtig gekannt hatten, da sie gemeinsame Freunde hatten. Sie hatten sich seither schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen, und seien sich vor einiger Zeit wieder zufällig begegnet. Als sie zusammen einen Kaffee getrunken hatten, hätte es zwischen ihnen „gefunkt“. In der Tat hatte ich Sonja noch nie so gelöst und locker, fast strahlend erlebt.
Zum Essen gab es dann Putenfilet mit Reis, Buttergemüse und irgendsoeiner Sauce (die nicht wirklich mein Geschmack war, aber OK). Als Nachtisch gab es Eis. Die Unterhaltung wurde hauptsächlich von den Kindern bestritten.
Ich blieb nicht viel länger. Bevor ich Carsten einige Stunden später zurückerwartete, hatte ich noch etwas daheim zu erledigen, und wollte noch ein paar Vorbereitungen treffen.

Erst am nächsten Tag kam ich dazu, Carsten vom Besuch bei Sonja zu berichten. Ich erzählte auch von Gideon, und er freute sich, dass Sonja wieder jemanden gefunden hat.
„Gideon ..“, sinnierte er, „ein seltener Name. Weißt du, wie er mit Nachnamen heißt?“
„Nein, keine Ahnung“, antwortete ich, „das musst du schon Sonja fragen.“

Gerne hätte ich den Pfingstmontag für ungestörte Zweisamkeit genutzt, aber Carsten erklärte, dass er nach anderthalb Wochen Abwesenheit im Rückstand sei und etliches nachzuholen hätte.
Und diesmal meinte er leider nicht mich.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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7 Antworten zu Die Einladung //2143

  1. ednong schreibt:

    Tja,
    nicht immer kann er sich mit dir beschäftigen 😉 Bist halt anstrengend 😛

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Ob man der Kindergärtnerin solche privaten Dinge erzählt?

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  3. Pingback: Der Moment vor dem Schlucken //2226 | breakpoint

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