Privates Beratungsgespräch //2108

Verena hatte mich um ein Gespräch gebeten, so dass wir uns nach Absprache mittags in der Stadt trafen.
Nachdem sie sich erst noch umständlich dafür bedankt hatte, dass wir mit Niklas in den Zoo gegangen waren, was ihm so sehr gefallen hatte, dass er immer noch von den Tieren erzählte, der Luftballon sei aber inzwischen kaputt, kam sie zur Sache:
„Als Sophie im Krankenhaus war, war Patrick einige Male hier, um sie zu besuchen. Wir haben viel miteinander geredet, und sind uns wieder näher gekommen. Patrick hat mich gefragt, ob wir es nicht noch einmal miteinander versuchen wollen. Für die Kinder wäre es auch toll, wenn wir wieder zusammen wären.“
Ach .. dazu sage ich besser nichts ..

„Ich wollte dich fragen“, fuhr sie fort, „was du davon hältst.“
Ich war in Zugzwang, und beschloss, mir erst einmal mehr Informationen geben zu lassen. „Was ist denn mit Nathalie und ihren Kindern?“
„Patrick hat sich endgültig von ihr getrennt. Er sieht die Kinder aber noch regelmäßig.“
Das hat er früher auch immer wieder gesagt. „Und was ist mit dieser anderen Frau, die du mal erwähnt hast?“
Verena war die Frage offensichtlich unangenehm. „Mit der trifft er sich nicht mehr“, antwortete sie zögerlich, „und das Kind kann ja nichts dazu.“

Ich versuchte, den Schwarzen Peter weiterzuschieben.
„Hast du deinen Vater schon gefragt, was er meint?“
„Ach, ich weiß doch schon, was Papa sagen würde. Dass Patrick nicht gut für mich ist und ich mich von ihm fernhalten soll, weil er ein Ar[m|sch]lo[i]ch[ter] ist!“ Da hat Carsten zweifellos recht.
„Und was ist mit Sonja? Hast du mit ihr darüber geredet?“
„Nein. Tante Sonja würde bestimmt sagen, dass Kinder beide Eltern brauchen und wir uns unseren Kinder zuliebe wieder vertragen müssen.“ Da hat Sonja ebenso recht.
Verena fuhr fort: „Außerdem hat sie kaum noch Zeit, weil sie dauernd mit ihrem Freund zusammen ist.“
„Sonja hat einen Freund?“, japste ich vor Überraschung.
„Noch nicht lange und wohl noch nicht offiziell, aber die beiden verbringen viel Zeit miteinander.“
Nun ja, Sonja ist inzwischen schon seit einigen Jahren verwitwet. Ein neuer Mann in ihrem Leben tut ihr bestimmt gut.

Das brachte mich aber noch nicht weiter. Verena erwartete immer noch eine Antwort von mir.
„Und warum fragst du dann mich?“, fragte ich, um Zeit zu gewinnen.
„Ich glaube, dass du mir eher eine unbefangene und durchdachte Antwort geben kannst.“ [Hm .. naja ..] „Ich halte wirklich viel von deiner Meinung.“ (Sie erzählte auch, dass sie bereits zwei Freundinnen gefragt hätte. Die hätten sich aber völlig entgegengesetzt geäußert, so dass ihr das auch nicht weiterhalf.)
„Danke für die Ehre“, antwortete ich etwas verlegen. Damit hatte ich nicht gerechnet, wendete mich wieder dem eigentlichen Thema zu, indem ich wissen wollte: „Was genau meint Patrick denn mit ‚es noch einmal miteinander versuchen‘?“
„Er will wohl, dass wir wieder zusammenziehen. Für die Kinder wäre das schon gut. Am besten noch, bevor Sophie eingeschult wird, denn sonst stünde ja gleich wieder ein Schulwechsel an.“
„Aber was ist mit deiner Ausbildung?“
„Ähm .. ja, das ist das Problem. Die müsste ich dann wohl abbrechen.“
„Es liegt mir fern, dir etwas vorzuschreiben, aber wenn du meinen Rat willst, dann warte mit der endgültigen Entscheidung, bis du mit deiner Ausbildung fertig bist. Lass‘ dich nicht von Patrick drängen. Der kann schon noch so lange warten. Dein Vater würde es dir nicht verzeihen, wenn du jetzt abbrichst und später wieder seine Unterstützung brauchst.“

„Aber wir möchten Sophie den Schulwechsel nicht zumuten. Sie ist eh so schwach. Das verkraftet sie nicht.“
„Bis dahin ist sie bestimmt wieder kräftiger. Sie wird sich sicher auch in einer anderen Schule gut eingewöhnen und neue Freunde finden. Kinder sind da noch unkompliziert.“
Verena schien nicht überzeugt. Immerhin erklärte sie, dass sie die Entscheidung nicht überstürzen würde.
Sie bat mich dann, Carsten noch nichts davon zu erzählen. Ich versprach ihr, das Thema nicht selbst anzuschneiden, aber wenn es sonst irgendwie zur Sprache kommt, werde ich auch nicht lügen.
Ihre Mittagspause war vorbei, so dass wir getrennt wieder zurück an die Arbeit gingen.

Während ich mir diesen Text noch einmal durchgelesen habe, musste ich feststellen, dass ich diesmal die Kernaussage von Verena’s Motiven und Beweggründen überhaupt nicht getroffen habe. Eigentlich sprach Verena hauptsächlich von ihren Gefühlen. Ich bin einfach nicht gut darin, irgendwelche sentimentalen Befindlichkeiten zu beschreiben, und filtere wohl die irrelevanten Subjektivitäten heraus – zumal ich eh kürzen muss.
Und irgendwie habe ich wohl diesmal (noch) mehr umformuliert, als ich es sonst tue, weil ich einfach den ursprünglichen Ton und Wortlaut von Verena nicht mehr treffe.
Was soll’s – da mir inzwischen die Zeit zu knapp ist, den Text zu überarbeiten, gebe ich ihn trotzdem frei.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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16 Antworten zu Privates Beratungsgespräch //2108

  1. Leser schreibt:

    Tja, da ist die Frage: Was fühlt Verena wirklich für Patrick? Da ist es auch wichtig, den Unterschied zwischen „Verliebtheit“ und „Liebe“ zu erlernen. (Als Liebe würde ich z.B. eher das bezeichnen, was Carsten und Dich verbindet, auch wenn Du es selbst nicht so nennst, so kommt das dem doch näher, als die meisten anderen Beziehungen, die ich so kenne…)
    Und: Kann man ihr klar machen, dass jemand, der so unbeständig ist, von 3 Frauen 5 verschiedene Kinder hat (falls meine Zählung korrekt ist), sich mit großer Wahrscheinlichkeit schon bald wieder die nächste suchen wird? Und dann ist die „Lückenfüller-Ex“, die Verena jetzt wohl für ihn spielen soll, auch ganz schnell wieder vergessen… (nur dass es sie noch mehr verletzt, weil sie sich natürlich eine beständige Familie davon erhofft hat)
    Da Verena ihre Ausbildung ja vor relativ kurzer Zeit erst angefangen hat, und somit noch im ersten Lehrjahr sein dürfte, war der Rat, damit bis nach der Ausbildung zu warten, sehr gut – die 2,x Jahre, die das noch dauert, wird Patrick wahrscheinlich gar nicht bei ihr bleiben…

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    • Oh, ich werde mich hüten, mich da einzumischen.
      Ganz egal, wie es für Verena und Patrick ausgeht, ich habe nichts zu gewinnen, wenn ich da Stellung beziehe.

      Sie ist bereits im 2. Ausbildungsjahr, muss also nur noch ein knappes Jahr aushalten. Das sollte doch zu schaffen sein. Es ist IMHO eminent wichtig, dass sie durchhält und ihren Berufsabschluss macht.

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  2. noch1glaswein schreibt:

    Ihr Rat war gut! Bei Gefühlen kann man eh nichts raten – aber die praktische Seite ist genauso wichtig und die darf man nicht aus den Augen verlieren!

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  3. idgie13 schreibt:

    Wieso müsste sie die Ausbildung abbrechen?

    Wenn ich sehe, welche Typen ihre Gene breit streuen und welche nicht, wundert es mich nicht, dass der Durchschnitts-IQ abnimmt…

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Hin- und Hergerissen. Unfähig, wichtige Entscheidungen zu fällen. Typische Eigenschaften von Östrogen-Monstern.

    Sophie ist ein bißchen naiv und ein bißchen doof. Aber sie hat ja immer noch die Chance, nach dem Abbruch der Ausbildung eine Hartz4 Karriere zu starten. Mit Mütterrente (irgendwann) und 450Euro Jobs nebenbei.
    Immerhin hungert niemand in Deutschland und es schläft auch niemand unter der Brücke.

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  5. payoli schreibt:

    Tja, ein weiteres Opfer dieser völlig kranken und verkorksten Gesellschaft(sregeln)! …
    Da kann man nur empfehlen:
    paradise your life! 😉

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  6. Pingback: Lob und Tadel //2110 | breakpoint

  7. Pingback: Die Einladung //2143 | breakpoint

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