Beyond aller Enttäuschung //1871

Neulich kam Star Trek Beyond im Fernsehen. Carsten winkte gleich ab, aber ich wollte der Filmreihe noch eine letzte Chance geben.

Wenn ich behaupten würde, ich wäre maßlos enttäuscht, so wäre das falsch. Ich hatte nach Star Trek und Star Trek Into Darkness keine anderen Erwartungen, aber die wurden noch unterboten.

Die Handlung ist mehr als dürftig. Die Crew wird auf einen Planeten entführt. Das ist auch schon alles. Da abzusehen war, dass die Crew zum Schluss wieder entkommt, tat ich mir die letzte halbe Stunde des Films gar nicht an.
Da keine interessante Story geboten war, bestand der Film praktisch ausschließlich aus Kampf- und Actionszenen, aufmotzt durch aufwendige Graphik und 3D-Effekte. Aber ich schaue mir lieber einen geistreichen Film in VGA-Graphik (z.B. die genialen Animationen im Hitchhiker’s Guide) an, als solches Rumgeballere mit tollen Effekten. Wenn ich Weltraumkämpfe sehen wollte, könnte ich ja gleich Star Wars schauen (Star Wars hat mich nie so recht begeistert. Das ist ein wenig seichte Unterhaltung mit Lichtschwertvergleich, und ganz niedlich Meister Yoda ist. Chewbacca auch). Der ist wenigstens von vornherein als Krieg deklariert, während Star Trek ursprünglich mal eine Forschungsmission war.

Etwas zwiespältig lässt mich die Szene zurück, in der Sulu auf einem „Landgang“ von einem Kind und einem Mann freudig begrüßt wird. Auch wenn inzwischen allgemein bekannt ist, dass George Takei, der ursprüngliche Darsteller, homosexuell ist, hätte das man nicht unbedingt so deutlich machen müssen. Das wirkt auf mich wie der krampfhafte Versuch, progressiv erscheinen zu wollen, zumal es überhaupt nicht zur Entwicklung der eigentlichen „Handlung“ beiträgt. Reinstes Virtue Signalling.
Dass Spock (in der Verkörperung durch Zachary Quinto) auf mich überhaupt keine sapiosexuelle Anziehung mehr ausübt, daran habe ich mich ja inzwischen schon fast gewöhnt.

STB hat meines Erachtens nichts mehr mit Science Fiction gemein. Das ist ein reiner Action-Film mit ein paar Außerirdischen – also meinetwegen Fantasy. Das Science-Element bleibt vollständig auf der Strecke, selbst wenn die Bedienpulte auf der Brücke noch so nervig herumblinken und blitzen.
Meiner Meinung nach setzt die Orville die Tradition der Enterprise weit besser fort, auch wenn einige Szenen in den Klamauk abgleiten.

Wenn ich mich so über die neuen Star Trek Filme ärgere, dann weil sie ein Verrat an der ursprünglichen Idee, die einst hinter der Serie stand, sind. Es ging einst darum, Probleme durch Einsatz der Verstandes und wissenschaftlicher Methoden friedfertig zu lösen. Nur wenn dies nicht mehr möglich war, kam es auch zu Kampfhandlungen, aber die waren eher nebensächlich und nur Verteidigungsmittel. Niemals wurden Actionszenen als Selbstzweck eingesetzt. Die Faszination durch futuristische Technologien und die Darstellung außerirdischer (meist hochintelligenter aber verschiedenartiger) Lebensformen verlieh der Ursprungsserie ihren Reiz.

Ich weiß nicht, ob ich mir die geplante Fortsetzung noch einmal antun werde, wenn sie irgendwann im Free-TV läuft. Es müsste dann deutliche Hinweise geben, dass die ursprüngliche Philosophie wieder aufgenommen wurde. Die derzeitige Machweise ist reine Zeitverschwindung für echte Trekkies.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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14 Antworten zu Beyond aller Enttäuschung //1871

  1. Leser schreibt:

    Amen!

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  2. Talianna schreibt:

    Ich habe nach J.J. Abrams „Star Trek“ aufgehört, die neue Filmreihe zu schauen. Für mich sind Filme wie „The Undiscovered Country“ und „Insurrection“ die Krone von Star Trek im Kino, zumindest für Trekkies. „First Contact“ war ein guter Kompromiss zwischen Trekkie-Content und Mainstream-Kino, ein total gelungener Film, aber aus meiner Perspektive, die ich in Deinen Worten wiederfinde, stehen „Insurrection“ und „The Undiscovered Country“ höher im Kurs.

    Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mit Datas Streben nach Menschlichkeit, Picards Bemühung, mit Earl Grey, Glattziehen der Uniform und Kultur die Galaxie zu einem besseren Ort zu machen und so weiter „großgeworden“ bin. Ich beziehe mich immer noch gerne auf manche TNG-Folgen („The Measure of a Man“, zum Beispiel), wenn ich einen moralischen Kompass brauche. So kam es auch, dass ich Brent Spiner bei einer Autogrammstunde ganz unbeabsichtigt abweichend vom einstudierten Text ein Geständnis über mein Leben und die Rolle seiner Darstellung von Datas Streben nach Menschlichkeit in meinem Leben machte – und ihn erstmal für fünf Sekunden sprachlos machte, gefolgt von einem „That was because of me?!?“

    … ich denke immer noch drüber nach, „Into Darkness“ und „Beyond“ mal nachzuholen. Aber die Motivation ist klein. Da guck‘ ich dann lieber Deadpool ^^

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    • Die älteren Filme, TNG und Voyager waren ja ganz OK, obwohl bei letzteren Serien die Beziehungen zwischen den einzelnen Personen schon etwas sehr im Vordergrund standen.
      So richtig warm geworden bin ich mit denen nicht. Ich bevorzuge bei weitem die originale Enterprise-Serie.
      Insbesondere an Mr. Spock kommt sonst niemand ran. Hat man Zachary Quinto jemals mit hochgezogener Augenbraue gesehen? Dem mussten ja sogar die Finger zusammengeklebt werden, damit er den Vulkaniergruß hinkriegt.

      Du hast Brent Spiner persönlich erlebt? Wow!
      (Ich hab‘ ihn ja vor allem vor Augen, wie er Sheldon’s Whesley-Crusher-Achtionfigur aufreißt.)

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      • Talianna schreibt:

        Ich hatte bei Destination Star Trek Germany im Rahmen der Autogrammstunden Gespräche mit Brent Spiner, Armin Shimerman, René Auberjonois, Suzie Plakson und Casey Biggs. Bis auf mit Biggs hatte ich mit jedem ein nettes Thema – mit Shimerman war‘s Energiepolitik (ja, wirklich, ging auch von ihm aus), mit Suzie Plakson Musik (unter anderem ihr Elvis-Cover), mit Auberjonois seine Rolle als Colonel West und Mauerfall – und mit Spiner eben der Twist in meinem Leben, den zu verstehen mir Data eine Hilfe war.

        Ich fand in TNG den Mix aus Moral, gelegentlich Komponenten „harter“ SciFi sowie Space Opera toll. In Voyager fand ich das nicht mehr gelungen. Bei Kirk war‘s mir oft zu viel Western und zu wenig Humanismus, auch wenn ich Nimoy als Spock verehre, inbrünstig verehre.

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        • Leser schreibt:

          Wow – ich habe zwar auch mal Brent Spiner, Marina Sirtis und Levar Burton in echt gesehen, aber es hat kaum für mehr als ein Autogramm gereicht – bei Burton habe ich noch fragen können, ob es stimmt, dass er in Deutschland geboren wurde (das war lange, bevor es Wikipedia gab, wo man das einfach nachlesen konnte, ich glaube, bei der Deutschlandpremiere von „First Contact“). Glückwunsch, dass Du mit den Schauspielern tatsächlich längere Gespräche führen konntest!
          Kann man irgendwo nachlesen, wie/wo die Rolle des Data Dich zu einer Wandlung Deiner Person (und zu welcher) inspiriert hat, und die einzelnen Aspekte davon?

          Übrigens finde ich DS9 – trotz des wiederkehrenden Kriegsmotivs – immer noch eine sehr geniale Serie, und da gibt es sogar innerhalb des Kriegsszenarios immer wieder wertvolle Folgen, mir fällt da z.B. „Wrongs Darker than Death or Night“ ein, die ein interessantes moralisches Dilemma behandelt, und auch sonst eine super Folge ist.

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          • Talianna schreibt:

            Ich bin nicht sicher, ob die längeren Gespräche bei Destination Star Trek an der Konstruktion der Veranstaltung bei der Autogrammstunde lagen. Bei Armin Shimerman war ich eindeutig nicht die Unverschämte, die das Gespräch ausuferte, während andere warteten – er wollte mich kaum gehen lassen, interessierte sich sehr für das, was ich sagte. Allerdings muss man auch eingestehen: bei der Veranstaltung gab es den auf Cons (wohl) üblichen Modus, dass man einen Chip für die Autogrammstunde zusätzlich zum Eintritt kaufte – das kann man kritisieren, aber mir war es das wert (zumal ich die Tickets zur Veranstaltung nicht gezahlt, sondern gewonnen hatte).

            Diese ganze Veränderung, bei der mich immer (auch) der Eindruck von Datas Menschwerdung begleitete und mir gelegentlich Kompass gab, ist ein Thema, mit dem ich seit einigen Jahren offener umgehe, es aber dennoch immer noch nicht an die große Glocke hänge, insbesondere im Netz. Es blitzt aber immer mal durch. Ich habe allerdings noch nicht über den Aspekt „die Gestalt Data und meine TS“ gebloggt, was ja das ist, das Du fragst. Denn um Transsexualität, meist kurz „TS“ abgekürzt, geht es in meinem Falle. Auch die Folge „The Offspring“ war dahingehend eine Offenbarung – was hätte ich mir rückblickend gewünscht, dass mein Vater in der Situation wie Data auf Lal reagiert hätte 😉 Da man mich zwischen RL und Blog zuordnen kann, ist immer noch die Hemmung da, das Thema mehr in den Vordergrund zu stellen – ich möchte nicht darauf reduziert werden.

            Ich werde DS9 sicher nicht die Fortsetzung von Star Trek als Behandler moralischer Fragen absprechen! Ganz sicher nicht, und rein dramaturgisch und als Serien-Gesamtpaket ist DS9 „besser“ als TNG, würde ich meinen. Dennoch hat einfach wegen der persönlichen Phase, in der ich war, als ich TNG sah, DS9 keine Chance, je die Rolle als Bildgeber, moralischer Kompass und Lieblingsserie für mich zu erhalten, die TNG für mich hat.

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    Es lebe der Kommerz wie aktuell auch mit Jurassic Park.
    Die alten Ideen werden kommerzialisiert und ausgeschlchtet, die Macher sind schon lange gegangen. Schade eigentlich.

    Da ich auch ein Fan von Ridley Scott bin (Alien ..), so bin ich doch einigermaßen gespannt auf die Fortsetzung von A. Covenant. Die Rolle der Androiden (KI) und die Eroberung der Erde durch fremde Lebensformen, Flucht auf neue Exoplaneten, etc bieten noch Potential für spannende Filme.

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