Fünfzehnhundertsieben

Wir waren abends mal wieder mit Thomas essen gewesen.
Er hat inzwischen überhaupt keinen Kontakt mehr zu seinen Kindern. Die jüngste Tochter (dürfte inzwischen etwa 15 oder 16 sein – ich weiß nicht so genau) hatte er ja noch ab und zu gesehen, aber mittlerweile ist das auch eingeschlafen.
Die Liaison mit Larissa hat er beendet, und ist nun wieder solo und auf der Suche.
Thomas ist ein durchaus attraktiver Mann. Wenn ich nicht anderweitig durch die Exklusivitätsvereinbarung verpflichtet wäre, wäre er mir bestimmt eine Affäre wert.

Das Gespräch drehte sich also vor allem um Thomas‘ Suche nach einer neuen Gefährtin.
Ich hielt mich vornehm zurück, und verzichtete darauf, auf Pickup hinzuweisen. Carsten hält nichts davon, und Thomas hat es meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig.
Carsten machte eine Bemerkung, auf die Thomas erwiderte: „Du bist ja auch ein Glückspilz, und hast eine schöne und kluge Frau. Die sind sehr selten, und wenn, dann schon vergeben.“
„Deshalb habe ich mir bei Anne auch die Exklusivlizenz gesichert", meinte Carsten lakonisch.

Ich zog eine charmant-neckische Grimasse in seine Richtung, und wandte mich (das Thema in eine andere Richtung bugsierend) dann Thomas zu: „Kennst du eigentlich Sonja?“
„Flüchtig“, antwortete Thomas, „wieso? Was ist mit ihr?“
„Sonja ist seit geraumer Zeit Single. Vielleicht hätte sie Interesse.“
Ich gebe zu, dass mein Verkupplungsversuch schon etwas gemein war. Ich wollte aber – selbstverständlich im Rahmen meiner Layer-8-Forschungen – herausfinden, wie die beiden Männer auf den Vorschlag reagieren würden.

Sowohl Thomas als auch Carsten blickten mich perplex an, bis Carsten schließlich meinte: „Sonja ist über 50. Ich glaube nicht, dass sie noch mal eine Beziehung eingehen möchte.“
„Eben. Vom Alter her würde sie wunderbar passen. Und sie ist auch ein sehr freundlicher Mensch.“
„Das ist eine interessante Idee“, erklärte Thomas schließlich, „aber lieber nicht. Hast du nicht eine Single-Freundin eher in deinem Alter?“

„Tut mir leid“, schüttelte ich den Kopf, „Sonja ist die einzige derzeit ungebundene Frau, die ich näher kenne.“
Kurz hatte ich überlegt, ob ich nicht Verena nennen solle, aber eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder wäre wohl auch nicht willkommen. Obwohl es mich schon interessiert hätte, was für ein Gesicht Carsten gemacht hätte. Vielleicht hebe ich mir den Vorschlag für eine andere Gelegenheit auf.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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10 Antworten zu Fünfzehnhundertsieben

  1. Pluvia schreibt:

    In welcher Altersklasse spielt Thomas und wie ist es um die Attraktivität von Sonja bestellt?
    Ich wage auch zu behaupten, dass Du Thomas wohl nicht als (Stief-)Schwiegersohn möchtest und Carsten wohl auch nicht sein Schwiegervater werden möchte. Einen Freund möchte man wohl nicht in einem solchen generationellen Hierarchieverhältnis wissen.

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    • Thomas ist Mitte 50, etwa zwei Jahre älter als Sonja.
      Sonja’s Attraktivität .. hm .. schwer zu beurteilen. Im Vergleich zu Larissa wohl nicht Thomas‘ Typ.

      Die Idee mit Verena war natürlich nicht ernst gemeint, aber wenn man sämtliche Optionen durchgeht, gehört dieser Gedanke auch dazu – selbst wenn man ihn sofort wieder verwirft. Dreißig Jahre Altersunterschied wären schon krass.

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      • Pluvia schreibt:

        Ich hatte Dich auch nicht so verstanden, dass Du das ernsthaft für eine gute Idee hältst. Noch unangenehmer als die 30 Jahre Altersunterschied würde es aus Carstens Perspektive aber finden, dass in diesem Fall mein Kumpel ein Verhältnis mit meiner Tochter einginge. Das könnte schlimmstenfalls das Verhältnis zu Thomas und zu Verena beeinträchtigen.

        Anyway, in diesem Alter scheint es nicht leicht zu sein. Ein befreundeter 49jähriger Single (schwul) erzählte mir kürzlich, es sei enorm schwierig, einen Mann für eine feste Beziehung zu finden, der 1. nicht fest vergeben, 2. äußerlich noch hinreichend ansprechend und 3. gleichzeitig intellektuell und persönlich halbwegs auf der Höhe ist. Es bliebe wohl nur, in der körperlichen Attraktivität signifikante Abstriche zu machen oder sich auf eine Rolle als Sugardaddy festzulegen. Beides nur mäßig zufriedenstellend.

        Scheint also ein allgemeines Problem zu sein. Thomas ist nicht zufällig bi? 😉

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Eigentlich kann er einem leid tun. Denn bei seiner Vorgeschichte dürfte er es schwer haben, eine Partnerin zu finden. Und in seinem Alter sich nochmal dem Dating-Markt zu stellen ist sicher nicht so prickelnd, wie es sich vielleicht anhört.
    „Sonja ist über 50. Ich glaube nicht, dass sie noch mal eine Beziehung eingehen möchte.“
    LoL…Frauen über 50 sind heute so ganz anders als früher. Selbstbewußt, sexuell aufgeschlossen und körperbewußt. Vielleicht möchte Sonja ja gar keinen Mann in ihrem Alter. 😉

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  3. Pingback: Ratwitter, ratwatter, ratwumm //1702 | breakpoint

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