Elfhundertsechzig

Es ist kein Geheimnis, dass ich fast nur Röcke („nur“ im Sinne von „keine Hosen“) trage. Die sind einfach praktisch und bequem, betonen die Rundung meines Gesäßes, und gewähren Beinblicke.
Aber wie bei so vielem im Leben gibt es auch hier noch einen anderen Aspekt, dessen Geschichte ich im folgenden erzählen möchte.

Als kleines Mädchen hatte ich durchaus schon eine Vorliebe für Röcke (auch wenn mich „Deckel hoch, der Kaffee kocht“ schon immer nervte – ich kann mich übrigens nicht daran erinnern, dass das jemals ein Junge gemacht hätte, soweit ich mich zurückdenken kann, machten das ausschließlich andere Mädchen, die üblicherweise selbst gerade Hosen anhatten, und überhaupt empfand ich das durchaus als übergriffig, aber wer nicht gute Miene zum bösen Spiel machte, galt als Spielverderber und wurde erst recht getriezt), trug aber trotzdem – insbesondere im Winter – meist Hosen.
Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, und ob ich damals überhaupt schon in die Schule ging, vermutlich irgendwo zwischen 5 und 7, als wir Besuch von weitläufigen Verwandten erhielten. Diese Verwandten kamen vielleicht ein- oder zweimal im Jahr in meine Heimatstadt, weil sie noch Gräber von Angehörigen im hiesigen Friedhof hatten (die BTW von meiner Mutter gepflegt wurden).
Wie es der Zufall wollte, trug ich an diesem Tag eine alte Jeans, die mir schon deutlich zu kurz war.
Einer der Verwandten (ich nenne ihn jetzt Onkel Ludwig, obwohl das Verwandtschaftsverhältnis um einiges entfernter war) war früher Herrenschneider gewesen. Er nahm kurzerhand bei mir Maß, und einige Wochen später schickte er zwei oder drei Hosen per Post.

So lief das die nächsten Jahre. Immer wenn die Verwandten zu Besuch bei uns waren, nahm Onkel Ludwig Maß, und fertigte mir danach Hosen. Ich weiß nicht, wie meine Eltern das verrechneten. Ich glaube, sie zahlten nur den Stoff. Im Gegenzug leisteten sie die Grabpflege, oder so ähnlich. Ist auch egal.
Die Hosen, die ich von Onkel Ludwig bekam, waren ganz normale Kinderhosen aus Jeans, Kordsamt oder auch aus glänzenden Stoffen, die mir meist gut gefielen.
Jedenfalls trug ich jahrelang maßgeschneiderte Hosen, was uns sehr entgegenkam, da es zunehmend schwieriger wurde, passende Konfektionshosen für mich zu finden. Diejenigen, die obenherum passten, waren viel zu kurz, und die, die von der Länge her passend gewesen wären, waren hoffnungslos zu weit.

Dieses Arrangement endete ziemlich abrupt, als ich in die Pubertät kam.
Onkel Ludwig war alt. Er hatte sein Leben lang nur Herrenhosen genäht. Mit meinen sich entwickelnden weiblichen Formen kam er nicht klar. Die Schnitte der Hosen passten nicht mehr, und sahen schauderhaft aus, so dass ich mich weigerte, sie zu tragen.
Die Alternative waren Röcke. Teilweise strickten oder nähten wir sie selbst, teilweise bestellten wir sie bei einem Versandhaus (wobei der Bund meist noch enger gemacht werden musste). Passende Röcke zu beschaffen, war – im Gegensatz zu Hosen – immerhin möglich. Auch wenn ich damals noch kaum Miniröcke trug, kam es auf ein Stück länger oder kürzer dabei nicht an, und ich gewöhnte mich immer mehr daran, Röcke zu tragen, und möchte inzwischen nicht mehr auf sie verzichten.

Passende Hosen finde ich nach wie vor nicht. Da haben es kleine Personen viel leichter. Die können entweder auf Kinderkleidung ausweichen, oder einfach ein Stück kürzen. Abschneiden geht immer.
Verlängern ist dagegen i.A. unmöglich.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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25 Antworten zu Elfhundertsechzig

  1. Molly L. schreibt:

    Hach ja, ich mag Röcke. Dumm nur, wenn der Bund aus gewissen Gründen immer weiter hochwandert und der Rock somit in der Länge immer kürzer wird, *düdeldüü*
    Ich trage sehr gerne Röcke, habe nur 2 Probleme: Mir stehen figurmäßig nur zwei bestimmte Rocktypen und ich finde es immer sehr schwierig, für lange Röcke eine passende Jacke zu finden.

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  2. CoffeeGrinder schreibt:

    Passende Hosen zu finden, ist echt nervig. Mir geht es da nicht viel anders. Bin auch groß und schlank. Bei Jeans kaufe ich mittlerweile nur noch eine bestimmte Marke, meistens aber im Outlet. Mich hat da eine Verkäuferin mal echt begeistert. Die hat angeschaut, mir eine Jeans gegeben und die saß wie angegossen.

    Bei Stoffhosen, für die Arbeit oder so, ist da echt schlimm. Da bin ich mittlerweile aber dem Internet sehr dankbar, es gibt einige Online-Shop für groß gewachsene Frauen.

    Aber Röcke sind auch eine gute Alternative, trage jetzt auch öfter mal Rock. Anfangs waren meine männlichen Kollegen etwas verwirrt, fragten ob ich nen wichtigen Termin oder nach der Arbeit was vor hätte. 😀

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    • Wenn ich es darauf anlegen würde, würde ich vermutlich schon irgendwo passende Hosen finden. Aber das interessiert mich gar nicht mehr, weil ich mich in Röcken einfach wohl fühle.

      Ich glaube, manche Verkäuferinnen entwickeln im Laufe der Zeit einen Blick dafür, welche Größe am besten passt.
      Als ich noch öfter gestrickt habe, konnte ich Längen bis etwa 25 Zentimeter auf höchstens 5 Millimeter genau abschätzen – ohne Maßband, Lineal oder sonstiges Hilfsmittel.

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  3. Ben Wilder schreibt:

    Ich mag Frauen, die Röcke tragen. Nicht nur im Büro. Röcke sehen eben einfach sehr weiblich und sehr schick aus! =)

    Liebe Grüße,
    Ben

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  4. Steffi schreibt:

    Auch als kurze Person ist es nicht so leicht, eine passende Hose zu finden, aber du hast recht, man kann sie kürzen lassen oder einfach umkrempeln. Aber Röcke mag ich auch gern. Meistens aber nur mit Leggins drunter, dann macht es nichts, wenn sie mal beim Mopedfahren hoch flattern 😀

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  5. laser schreibt:

    Ich möchte dem widersprechen, dass es für kleine Leute einfacher ist, Kleidung zu finden.
    Theoretisch kann man auf Kindergrößen ausweichen, aber auch meist nur theoretisch. Das Problem an Kinderkleidung ist meist zweierlei. Einmal sind Kinder bei gewissen Proportionen doch erheblich anders aufgestellt. Zweitens sieht Kinderkleidung heutzutage eben auch aus wie Kinderkleidung. Bunte, knallige Bonbon-Farben, Herzchen Verzierungen und sonstiges Geraffel und Gedöns. Eine halbwegs seriös aussehende Kinderbekleidung zu finden ist beileibe nicht so simpel, wie du dir das vorstellst.

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  6. nickel schreibt:

    Ich glaube, es ist grundsätzlich schwer etwas passendes zu finden. Für mich fühlt es sich so an, als gäbe es bei den Standardmodeherstellern nur zwei Frauenschemata: entweder groß, flach und dünn ODER groß und breit, dann aber mit großem Busen. Auch Kleidung, die für „große Größen“ konzipiert ist, sieht an mir meistens einfach nur sch** aus, weil es eben einen enormen Unterschied macht, wie sich die Optik verteilt. Ein Kleidungsstück, das bei einer Fau mit ähnlicher Figur -aber 10cm größer- gut aussieht, wirkt bei mir schon wieder wie gewollt und nicht gekonnt. Schon öfter erlebt, total demotivierend und nervig.

    In hiesige Läden geh ich schon gar nicht mehr, weil es für mich da eh nix gibt. Ja, Umweltsünde Bestellen, aber bei Kleidung mach ich da echt eine Ausnahme. Dafür kaufe ich aber auch ganz selten.

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    • Bei den Standardkonfektionsgrößen wird davon ausgegangen, dass jede Frau zwischen 1.64m und 1.70m groß ist, und dann nur unterschiedlich dick oder dünn.
      Andere Parameter werden überhaupt nicht berücksichtigt. Dabei sind die Proportionen doch höchst unterschiedlich.

      Bestellen tue ich Kleidung nur noch sehr selten, da ich davon ausgehen muss, dass es eh nicht passt.
      Wenn ich direkt im Laden anprobieren kann, sehe ich das wenigstens sofort, dass z.B. die Brustabnäher viel zu weit oben sind, oder dass die Bluse im Rücken zu kurz ist.

      Glücklicherweise gibt es Schnitte, bei denen es nicht so genau darauf ankommt, und auch mancher Stoff gibt soweit nach, dass man ihn zurechtzupfen kann.

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  7. ednong schreibt:

    Wie gut, dass ich keine Räcke trage (nein, auch keinen Schottenrock!) …

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