Tausendfünfunddreißig

Manchmal erfährt man als Unternehmersgattin Geschichten, von denen man sonst nichts mitbekommen hätte. Eigentlich sind mit Gerüchte und Klatsch zuwider. Aber in einigen Fällen dienen sie auch als Warnung, und verhindern möglicherweise Nachahmer.
Unter Carsten’s Geschäftspartnern ist derzeit die folgende Begebenheit im Umlauf. Ich betone noch einmal ausdrücklich, dass ich selbst nicht dabei war, und alles nur über drei oder vier Ecken gehört habe.

Bei einer Firma hatte der Geschäftsführer eine {Wirtschafts|Finanz|Rechts|?}-beraterin (was genau sie war, ist unerheblich, irgendeine externe nicht-technische Dienstleistung, durchaus verantwortungsvoll) zu einem Vorgespräch eingeladen. Sie reiste also an, wurde begrüßt, erhielt ein Getränk, .. und was halt so beim initialen Handshake üblich ist.
Dann sprach der Geschäftsführer ein paar einleitende Worte, wurde aber abrupt von der Beraterin unterbrochen: „Ich bin übrigens lesbisch. Damit Sie das wissen!“
Der Geschäftsführer war etwas aus dem Konzept gebracht, und fragte zurück, was er denn mit dieser unverlangten Information anfangen solle.
Sie erklärte sinngemäß, dass sie keine sexuellen Gefälligkeiten ausführen würde.
Der Geschäftsführer meinte daraufhin, wenn sie von solchen Voraussetzungen und Unterstellungen ausginge, sei das wohl keine Basis für eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung, und wollte sie verabschieden.
Da begann sie herumzulamentieren, dass sie nur abgelehnt würde, weil sie ihm nicht zu Willen sei, und außerdem sei das Diskriminierung.
In einigen Versionen der Geschichte (denen ich aber nicht unbedingt Glauben schenken möchte) wird sie dann noch handgreiflich.
Seine Sekretärin kam schließlich dem Geschäftsführer zu Hilfe, und nur ihr verdankt er, dass die Sache für ihn glimpflich ausgegangen ist.

Wie gesagt – diese Gerüchte schwirren derzeit herum. Die eigentliche Begebenheit soll schon eine Zeitlang her sein.

Ich bin ja selbst gelegentlich als Beraterin tätig, und habe mich schon das ein oder andere Mal bei Unternehmen vorgestellt. Diese Gespräche liefen alle im Wesentlichen korrekt ab. Das Verhalten dieser Beraterin war jedoch äußerst unprofessionell, und so etwas fällt dann auch wieder auf andere Beraterinnen zurück, und untergräbt die Zusammenarbeit mit den Unternehmen.
Der Beraterin im geschilderten Fall würde ich eigentlich wünschen, dass sich ihr Verhalten herumspricht, und sie keinen Auftrag mehr erhält. Aber ich fürchte, das würde viele andere Beraterinnen erst recht treffen.

Allen Männern muss ich leider, leider raten, sich niemals ohne Zeugen alleine mit einer ihnen unbekannten Frau in einem Raum aufzuhalten (ja sogar, wenn sie mit ihren Blusenknöpfen spielt), um solche oder ähnliche Situationen zu vermeiden. Das muss nicht immer so glimpflich ausgehen.
Im Zweifel lasse ich bei Besprechungen mit einem einzelnen Mann die Tür einen Spalt offen, es sei denn, es besteht bereits ein hinreichendes gegenseitiges Vertrauen.

Kleine Annekdote am Rande:
Ich hatte bereits irgendwo erwähnt, dass Carsten einen neuen Unternehmensberater sucht. Die bisherigen, die hier vorsprachen, hatten ihn nicht fachlich überzeugen können (und ihn störten auch ihre Versuche, mit seiner Frau zu flirten). Deshalb war er fast so weit gewesen, einer Beraterin eine Chance zu geben (weil er ja auch schon „so gute Erfahrungen gemacht“ hat). Nachdem er jedoch von dieser Story gehört hat, nimmt er davon erst recht wieder Abstand.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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36 Antworten zu Tausendfünfunddreißig

  1. Claudius schreibt:

    Ich bin auch als Berater tätig, hatte aber noch nie ein Interview mit einer Person. Bisher waren es immer mindestens zwei…

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  2. Geeforce schreibt:

    Ja ja…immer die bösen Männer die die Frauen sexualisieren und diskriminieren wollen… 😀 Da sieht man es wieder: WIR sind die Opfer! 😉

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  3. verbalkanone schreibt:

    Ich leide nicht gerade unter einem mangel an Phantasie, aber diese „kleine Anekdote“ kommt mir – und bitte nimm das jetzt nicht persönlich – doch sehr konstruiert vor…

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  4. aliasnimue schreibt:

    Klingt wie die Geschichte mit der Spinne in der Yucca-Palme…

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    • Wie meinst du das? Selten, aber nicht unmöglich?

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      • aliasnimue schreibt:

        Nein eher, die Geschichte ist nie so passiert, nährt sich aber aus Vorurteilen und Ängsten. Eine urban legend.

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        • Viele Geschichten werden halt im Nachhinein noch ausgeschmückt. Oft gibt es einen wahren Kern, oder hältst du es für undenkbar, dass kleine Tiere zusammen mit Waren aus anderen Ländern importiert werden?

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          • aliasnimue schreibt:

            Ohne einen zumindest theoretisch möglichen Wahrheitsgehalt würden solche Märchen kaum funktionieren und sich weiter verbreiten.

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            • Tja, so ist das mit der Statistik.
              Auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit mancher Ereignisse extrem gering ist, gibt es davon doch so wahnsinnig viele mögliche Ereignisse, dass einige wenige dennoch eintreten.

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            • aliasnimue schreibt:

              Auf Statistik würde ich mich bei so einer Geschichte nicht verlassen. Da hilft eher die Anthropologie weiter.
              Oder schlichtweg gesunder Menschenverstand. 😉

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            • Was hat Anthropologie damit zu tun?

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            • aliasnimue schreibt:

              Da erklärt man u.a. die Entstehung von Märchen.

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            • Es ist absolut in Ordnung, nicht alles kritiklos zu glauben.

              Woran hast du denn konkrete Zweifel?
              Am Verhalten der Beraterin? Wenn das nicht so ungewöhnlich, und dennoch im Bereich des Plausiblen gewesen wäre, hätte ich nicht darüber gebloggt.
              Oder an der Reaktion des Geschäftsführers? Meiner Meinung nach war die völlig verständlich und nachvollziehbar.

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            • aliasnimue schreibt:

              Es passt einfach nichts zusammen.
              Und auch die Einzelteile sind völlig unglaubwürdig.
              Wenn ich von vorne herein sexuellen Missbrauch unterstelle, dann gehe ich erst gar nicht zum Gespräch.
              Selbst wenn ich schlechte Erfahrungen gemacht habe, so will ich doch Geld verdienen und platze damit nicht sofort unnötig raus.
              Auch nicht, wenn ich eine Kampflesbe bin. Aber die brauchen meistens ohnehin keine Angst vor Zudringlichkeiten zu haben.
              Und ein solches Gespräch findet zudem selten alleine statt.
              Und da wir auch nicht in den Staaten sind, können wir als Ziel eine Klage wegen Diskriminierung oder sexueller Belästigung aus finanzieller Sicht auch ausschließen.

              Es mag sicher Fälle gegeben haben, wo ein Geschäftsführer bei einer attraktiven Beraterin einmal übergriffig gewesen ist und sich die Dame entsprechend gewehrt hat.
              Bei so einer Geschichte bekäme das Wort Lesbe doch gleich eine andere Bedeutung, meinst Du nicht?

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            • Wenn ich von vorne herein sexuellen Missbrauch unterstelle, dann gehe ich erst gar nicht zum Gespräch.

              Sie muss ja auch von etwas leben, und manchmal neue Kunden akquirieren.

              platze damit nicht sofort unnötig raus

              Genau das ist ja der springende Punkt, dass man so etwas einfach nicht macht.
              Ich sehe auch die Möglichkeit, dass sich die Beraterin aus irgendwelchen Gründen vielleicht bedroht gefühlt haben könnte, obwohl – nach allem was ich weiß – dafür eigentlich keinerlei Anlass bestand.
              Dann war dies jedoch eine subjektive Fehleinschätzung, und sie hätte das professioneller lösen müssen.

              Und ein solches Gespräch findet zudem selten alleine statt.

              Wie schon in anderen Kommentaren geschrieben – das muss eine Ausnahme gewesen sein. Über die Hintergründe, die dazu führten, weiß ich nichts.

              können wir als Ziel eine Klage wegen Diskriminierung oder sexueller Belästigung aus finanzieller Sicht auch ausschließen.

              Da wäre ich nicht so sicher. Und es gäbe auch andere Motive.

              Es mag sicher Fälle gegeben haben, wo ein Geschäftsführer bei einer attraktiven Beraterin einmal übergriffig gewesen ist und sich die Dame entsprechend gewehrt hat.

              Das kann man bestimmt nicht ausschließen, ist aber wieder eine völlig andere Situation.

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  5. Molly L. schreibt:

    Hm. Da ging wohl die Kommunikation aneinander vorbei. Denn: Wer weiß, was die Dame schon erlebt hat? Da wollte sie wahrscheinlich nur Tacheles reden. Dass der Mann gekränkt ist, ist natürlich verständlich. Ach ja.
    Und: Kann auch sein, dass die Dame gar nicht lesbisch ist, sondern das nur eine Ausrede war. Kenne ich von ein paar weiblichen Bekannten, dass die – einfach, damit es nicht zu blöden Missverständnissen, blöden Situationen oder verletzen Gefühlen kommt – auf der Arbeit einen „Ehering“ trugen. Und dann genervt erzählt haben, dass noch nicht mal das heutzutage aurreichen würde, um nicht angemacht zu werden.
    Ich verstehe die Dame sehr gut, aber so wie sie das gesagt hat, das geht natürlich gar nicht, unterstellt sie doch dem Geschäftsführer damit quasi, dass er … ja. Nee, das geht gar nicht. Von so einem Verhalten auf alle Frauen zu schließen, muss aber auch nicht sein.

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    • tom174 schreibt:

      „Dass der Mann gekränkt ist, ist natürlich verständlich“
      Ich wäre da nicht gekränkt. Aber wenn mir jemand, den ich beschäftigen soll, gleich kriminelle Absichten unterstellt, dann mag ich mit dem keine Beziehung aufbauen.
      Und, was danach folgte bestätigt das ja nur noch.
      Trifft das auf alle Frauen zu? Nein, ganz sicher nicht. Da viele Männer aber nichts von „Teach women not to lie“ halten, und wir Risikominimierung bei uns nicht als victimblaming verstehen, macht es durchaus Sinn, riskante Situationen zu vermeiden. Ein Vorstellungsgespraech alleine gehört da dazu.

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    • Wer weiß, was die Dame schon erlebt hat?

      Wenn sie negative Erlebnisse hatte, so müssen das absolute Ausnahmefälle gewesen sein.
      Wie gesagt – ich weiß, wie solche Gespräche normalerweise laufen.

      Da wollte sie wahrscheinlich nur Tacheles reden.

      Das ging aber völlig am Thema vorbei, und ist einer geschäftlichen Kommunikation unwürdig.
      Ob sie tatsächlich lesbisch ist, oder nicht, interessiert überhaupt nicht.

      unterstellt sie doch dem Geschäftsführer damit

      Genau! Wie kann sie da noch erwarten, eine Vertrag zu bekommen?

      Von so einem Verhalten auf alle Frauen zu schließen, muss aber auch nicht sein.

      Schwarze Schafe gibt es leider überall. Trotzdem haben auch oft die Integren den Schaden zu tragen.

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  6. ednong schreibt:

    Ins Fettnäpfchen getreten, würde ich sagen.
    Wenn man beruflich als Selbständige unterwegs ist (oder angestellte Consulterin), sollte man auch in der Lage sein, Anmachversuche abzuwehren. Freundlich charmant – und ggf. kann man dann ja selbst entscheiden, dass man für das Unternehmen unter solchen Bedingungen nicht arbeiten will.

    Im Voraus etwas derart zu äußern, dass es dem Anderen Dinge unterstellt, ist weniger sinnvoll. Auch das sollte man wissen – und da lassen sich sicher andere, unverfänglichere Formulierungen treffen (zumal, wenn man einigen Aussagen von lesbischen Frauen Glauben schenkt, Männer versuchen, lesbische Frauen „umzudrehen“).

    Und klar, natürlich kann man nicht wissen, was die Frau erlebt hat und was sie zu einem derartigen Verhalten bringt. Allerdings sollte sie, wenn sie schon mit einer solchen Formulierung kommt, auf die Frage nach dem „Was soll ich mit der Information?“ eine passable Antwort haben …

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    • Ja. Das sehe ich im Wesentlichen genauso.

      wenn man einigen Aussagen von lesbischen Frauen Glauben schenkt, Männer versuchen, lesbische Frauen „umzudrehen“).

      Das mag in einigen wenigen Fällen (die danach halt aufgebauscht werden) wohl durchaus schon vorgekommen sein, aber – offen gesagt – die „typische Klischeelesbe“ dürfte für den Großteil der Männer nicht attraktiv sein (zumindest nach allem, was ich immer wieder von Männern höre).
      Ich nehme an, dass die meisten solcher Aussagen entweder auf purem Männerhass beruhen, oder Ausdruck nicht eingestandener Wunschträume sind.

      Außerdem – was würde das beweisen? Umgekehrt gibt es auch Berichte von Schwulen, die erzählen, dass Frauen versucht hätten, sie umzudrehen. Das kommt mir wesentlich plausibler vor, denn viele Schwule sind ausgesprochen gutaussehend.

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  7. Leser schreibt:

    Tja, da sieht man mal wieder: Wer sich zuerst empört, der gewinnt. In dem Fall hätte ich in der Situation des Mannes gesagt: „Sagen Sie mal, was halten Sie denn von unserem Unternehmen, hier mit solchen Unterstellungen aufzutreten?“ (ich weiß, das klingt weniger professionell, als es der gewöhnliche Geschäftsführer ist, weshalb ich auch kein solcher bin) – und dann sofort nach der Antwort der Beraterin (die bei so jemandem dann auch nur in die Richtung ausfallen kann, wie „alle Männer sind doch so…“) die Tür geöffnet und gesagt, dass Sexismus in meinem Unternehmen nicht geduldet wird, und ich sie daher bitten würde, jetzt zu gehen.

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