Zweihundertneunundsiebzig

Vor ein paar Tagen hatte ich einen Brief bekommen, dass mein Vermieter die Wohnung verkauft habe, und ich ihm zukünftig keine Miete mehr überweisen müsse. Das wunderte mich zwar ein bisschen, da er ja erst kürzlich die Miete erhöhen wollte, aber ich dachte mir nichts weiter dabei und ging zur Tagesordnung über.

Gestern abend erwähnte ich den Brief beiläufig Carsten gegenüber.
Dieser erklärte mir ohne Umschweife, dass er die Wohnung gekauft habe.
Ich war absolut überrascht. Aber auch ärgerlich, denn schließlich hätte er das schon im Vorfeld mit mir besprechen können, statt mich einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen. Zumindest informieren hätte er mich können.

„Was!“, rief ich also, „dann muss ich ja dir in Zukunft Miete bezahlen!“
„Unsinn, Samtpfötchen. Von dir nehme ich doch kein Geld.“
„Und ich lasse mich von dir nicht aushalten!“
Carsten schüttelte den Kopf: „Ich nutze die Wohnung doch genauso. Warum sollte ich dir dafür Geld abknöpfen.“
„Und ich nutze am Wochenende dein Haus. Ich werde dir in Zukunft monatlich die Miete überweisen. Ich habe ja deine Bankverbindung. Da gibt es nichts, was du dagegen machen könntest!“
„Ach Liebste. Das ist doch Unsinn. Ich überweise es dir dann einfach wieder zurück.“
Ha! Seit Monaten hat er sich schon nicht mehr um sein privates Banking gekümmert.
„Und außerdem“, fuhr er fort, „müsste ich die Mieteinnahmen dann voll versteuern, obwohl ich die Wohnung ja selbst nutze. Kannst du die Miete absetzen?“
„Nur das Arbeitszimmer anteilig“, gab ich zu, „aber das ändert nichts. Wenn du die Miete nicht akzeptierst, sehe ich mich gezwungen, mir eine andere Wohnung zu suchen.“

„Samtpfötchen, sei doch vernünftig! Weißt du was, dein Arbeitszimmer benutze ich eigentlich am wenigsten. Würdest du es akzeptieren, wenn ich dir nur das Arbeitszimmer vermiete?“
Ich dachte nach. Es stimmte ja, dass er die Wohnung ebenfalls nutzte. Und dem Finanzamt zuarbeiten, indem ich nur etwa ein Viertel des Betrags absetzen konnte, den Carsten versteuern musste, wollte ich auch nicht unbedingt. Wenn ich auf seinen Vorschlag einging, würde das steuerlich zumindest näherungsweise ein Nullsummenspiel.
„Es bleibt aber immer noch ‚meine‘ Wohnung!“, gab ich mich schließlich geschlagen.
„Selbstverständlich, meine Süße“, erwiderte er erleichtert, „ich kümmere mich um die Formalien.“

So richtig zufrieden mit der neuen Regelung war ich zugegebenermaßen nicht. Carsten sah mir das wohl an, denn er fragte mich: „Schmollst du oder grollst du? Wäre es dir lieber, wenn wir die Miete einfach mit deinen Dienstleistungen verrechnen?“
„Was meinst du mit ‚Dienstleistungen‘?“, fragte ich vorsichtig.
Carsten lachte: „Zum Beispiel, dass du dich Woche für Woche in den IT-Jour-fixe setzt. Oder dass du mein Notebook aktuell hältst. Was dachtest du denn?“
Er schlang seine Arme von hinten um mich und drückte mir einen Kuss auf den Hals.
„Dann ist es ja gut!“ Jetzt musste ich auch lachen. „Nein, ich denke, die Regelung mit dem Arbeitszimmer ist schon OK.“
„Na, dann komm jetzt mit in ‚mein‘ Schlafzimmer. Ich muss mich erstmal von den anstrengenden Verhandlungen erholen.“

Als „Erholung“ würde ich das ja nicht unbedingt bezeichnen, aber Spaß gemacht hat es auf jeden Fall!

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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10 Antworten zu Zweihundertneunundsiebzig

  1. Shopaholic25 schreibt:

    Samtpfötchen? Süss 🙂

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  2. ednong schreibt:

    Soso,
    jetzt „gehört“ dir also nur noch dein Arbeitszimmer. Und in den anderen arbeitest du freiwillig 😀

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  3. greatmum schreibt:

    Ich denke, eigentlich wollte er dich damit überraschen und dir damit eine Freude machen. Deshalb hat er es dir nicht erzählt. 😉

    Aber du hast mich mit deinem Eintrag gerade zum Lachen gebracht. 🙂

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  4. greatmum schreibt:

    Du bist zu großzügig :))

    😉

    Hab noch einen schönen Sonntag. :

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  5. breakpoint schreibt:

    VierhundertelfNachdem wir uns auf der Hollywoodschaukel vergnügt hatten, fragte mich Carsten, wie ich jetzt bezüglich der Wohnungskündigung vorzugehen gedenke.

    „Was? Welche Wohnungskündigung?“
    „Nun, du hast doch damals den Mietvertrag für die Wohnung mündlich ge…

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  6. Pingback: Vierhundertelf | breakpoint

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