Zweihundertzweiunddreißig

Der gestrige Eintrag ist gemessen an seiner Bedeutung wohl doch etwas zu kurz ausgefallen.
Da es gestern sonst nichts wichtiges gab, insbesondere der Jour-fixe ohne nennenswerte Ereignisse verlief (naja, den neuen Azubi könnte ich vielleicht erwähnen), hole ich das hiermit nach:

Ich saß am Sonntag an meinem Rechner und machte die deutsche Blogosphere unsicher. Am Rande bekam ich mit, dass Carsten ein längeres Telefongespräch führte.
Irgendwann kam er dann zu mir, total blass im Gesicht.

„Verena ist schwanger“, eröffnete er mir.
„Was?“, natürlich war ich überrascht, „wie das?“
„Sie hat auf einer Studentenfete einen Mann kennengelernt. Der muss sie irgendwie bequatscht haben, so dass sie ihn mit in ihre Wohnung genommen hat.“
Typischer Anfängerfehler. Niemals einen Mann, den man nicht kennt, mit in die eigene Wohnung nehmen! Viel besser ist es auf neutralem Gebiet, oder notfalls in seiner Wohnung (da sollte man aber schon sicher sein, dass es sich nicht um einen perversen Psychopathen handelt).
„Tja, dort ist es dann passiert“, fuhr Carsten fast gleichgültig fort. „Am nächsten Morgen war er verschwunden und sie hat ihn seither nicht mehr gesehen.“
Er erzählte dann noch einige weitere Details, die aber nicht sonderlich von belang sind, und die ich deshalb hier nicht wiedergebe.

„Und wann ist es soweit?“, wollte ich wissen.
„Irgendwann im Februar. Deshalb ist es jetzt bereits zu spät, noch Abbruchmaßnahmen zu ergreifen.“
Ich rechnete schnell im Kopf nach. Sie muss es bei der Hochzeit bereits gewusst, oder zumindest geahnt haben, dass sie schwanger ist. Und uns erzählt sie noch was von „verdorbenem Magen“.

„Und dass du es nur weißt“, sprach Carsten übergangslos weiter, „ich werde in Zukunft keine Kondome mehr benutzen.“
„Was?“, rief ich entgeistert.
„Du hast mich schon richtig verstanden. Keine Verhütung mehr.“
„Das kannst du gar nicht alleine entscheiden.“
„Ich habe es bereits entschieden. Und zwar unumstößlich.“
„Nein!“, ich schüttelte den Kopf, „da mache ich nicht mit!“
„Das werden wir ja sehen“, sagte er mit einer Gelassenheit und Sicherheit, dass ich ihm am liebsten an die Gurgel gesprungen wäre.

„Ich mache noch einen Spaziergang“, beendete er plötzlich unsere Diskussion, „warte nicht auf mich.“
Sonst hatte er mich immer gebeten, ihn zu begleiten. Diesmal nicht. Ich legte aber ohnehin keinen gesteigerten Wert darauf, noch länger mit ihm zu reden. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, ist er praktisch nicht mehr davon abzubringen.
Er blieb lange weg, so dass ich irgendwann alleine aß und später ins Bett ging.

Es war längst dunkel, als er zurückkam.
Wortlos zog er sich aus und setzte sich zu mir aufs Bett, wo das Bondageequipment noch montiert war. Schnell legte er mir die Hand- und Fußfesseln an. Da ich müde war und auch noch ärgerlich auf ihn, leistete ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit keinen Widerstand.
Ohne sich mit einem Vorspiel aufzuhalten, kam er gleich zur Sache.
Sonst kommen wir entweder gleichzeitig (der Begriff der Gleichzeitigkeit ist in diesem Fall, da die Entfernung praktisch null ist und wir uns im gleichen Inertialsystem befinden, näherungsweise gerechtfertigt, zumal es sich ja um eine messbare Zeitspanne handelt) oder er lässt mir den Vortritt. Diesmal war er jedoch bereits nach wenigen Stößen fertig, woraufhin er sofort die Klettverschlüsse wieder öffnete.

Naja, nachts hat er das dann wieder mehr als gut gemacht (morgens sowieso), aber er bleibt bei seiner Kondom-Verweigerung.

Advertisements

Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Zweihundertzweiunddreißig

  1. Lahti schreibt:

    Super, so kann man sich das besser vorstellen.
    Dein Carsten will wohl alles kontrollieren. Da würd ich mich definitiv rächen. *lach*

    Gefällt mir

    • breakpoint schreibt:

      Tja, ich hab’s nicht immer leicht mit ihm. Aber er auch nicht mit mir :D.

      Er ist es halt gewöhnt, dass sich jeder von ihm widerspruchslos herumkommandieren und kontrollieren lässt. Ich nehm’s ihm also nicht übel, wenn er’s versucht. Bei mir hat er damit eben keinen Erfolg.
      Und über plumpe Rachegelüste bin ich erhaben. Wenn, dann gehe ich schon subtiler vor.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s