Sprech You Denglisch? //2671

Als ich während meines Studium einige Wochen in England verbrachte, ergab es sich immer wieder, dass ich mit einem Bus fahren musste. Ob ich jetzt nach dem Fahrplan der städtischen Busse fragte oder eine Busverbindung von London in den Westen suchte – die Leute waren häufig irritiert.
Mal schien bus der korrekte Ausdruck zu sein, mal coach. Meine Verwirrung wuchs, bis ich schließlich doch kapierte, dass bus den Linienbus, und coach den Reisebus benennt.
Wer meint, dass der Unterschied doch offensichtlich ist, weil Reisebusse eine deutlich komfortablere Ausstattung haben mit Plüschsitzen, Kofferraum und Toilette an Board, während Linienbusse weniger bequem, weil für kürzere Strecken, und üblicherweise mit Stehplätzen sind, der verkennt, dass diese Aufteilung für mich damals nicht selbstverständlich war. Im Linienverkehr in der alten Heimat, insbesondere für den Schülerverkehr, wurden häufig, wenn nicht meistens, (abgetakelte) Reisebusse eingesetzt. Insofern machte die Ausstattung da überhaupt keinen Unterschied.
So richtig trennscharf weiß ich es bis heute nicht, aber ich glaube, dass ein bus sich an einen regelmäßigen Fahrplan hält, und meist nur regional eingesetzt wird, während ein coach größere Strecken und die nicht zwingend regelmäßig bedient.

Ein anderes Wort, das im Englischen zwei Entsprechungen hat, die im Deutschen nicht unbedingt einsichtig sind, ist Hals. Die englische Übersetzung neck bezeichnet den äußeren Hals, dabei nicht nur den Nacken (das wäre nape), wie man vermuten würde, sondern auch die Kehle. Der Hals von innen ist dagegen throat, was m.E. eher Schlund oder Rachen entspricht.
In gewisser Weise ergibt das sogar einen Sinn. Wenn jemand sagt, dass ihm der Hals weh tut, weiß ich ohne Kontext nicht, ob er vielleicht an einer Muskelverspannung im Nacken leidet, oder möglicherweise Symptome einer Erkältung o.ä. hat.
Auf der anderen Seite hat das Englische nur ein Wort für Bürste und Pinsel, was ich unzureichend finde. Eine Bürste hat i.A. kürzere Borsten, und ist darauf ausgerichtet, mechanisch zu schrubben. Der Pinsel dagegen trägt Farbe oder andere Flüssigkeiten auf. Beides ist völlig unterschiedlich. Klar, wird man es meist aus dem Kontext unterscheiden können, ich finde es dennoch seltsam.

Englisch und Deutsch sind beides germanische Sprachen, also einander noch recht ähnlich. Wie viele Verwirrung muss es potentiell dann erst mit weiter entfernten, insbesondere nicht-indogermanischen Sprachen geben.

Es ist übrigens naiv, anzunehmen, dass nur, weil in einem Land Englisch eine Amtssprache ist, alle Einwohner fließend Englisch sprechen. Manche Malteser oder Inder beweisen das Gegenteil.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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30 Antworten zu Sprech You Denglisch? //2671

  1. pirx1 schreibt:

    „Pinsel“ hat doch im Deutschen mehr als nur die eine Bedeutung für „ein Instrument, mit dem man Farbe oder Flüssigkeiten aufträgt“? Englisch dann: twit / simpleton / prick / dick / cock / lynx ear …

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  2. Mia schreibt:

    Dir sind Malteser oder Inder bekannt, die nicht fließend Englisch sprechen?

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  3. idgie13 schreibt:

    Selbst wenn man die gleiche Sprache spricht in einem anderen Land und die Muttersprache Amtssprache ist, heisst das noch lange nicht, dass man versteht, was gemeint ist.
    Oder weiss jemand von euch (ohne zu googlen), was mit Pendenz, Vernehmlassung oder Apéro gemeint ist? Das sind alltagsgebräuchliche Wörter hier.

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  4. keloph schreibt:

    die grundannahme, dass man durch einzelwortübersetzung den korrekten sinn eines satzes ableiten kann ist häufig, wenn nicht immer falsch. egal welche sprachen man betrachtet. insofern sind solche gedanken wie, wie ist sprache überhaupt entstanden oder wie hat übersetzungsfähigkeit beim ersten aufeinandertreffen zweier sprachen (und erst recht kulturen) begonnen, breathtaking.

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  5. Plietsche Jung schreibt:

    Sprachen sind so schön vielfältig, ich mag das. Man lernt nie aus und es ist spannend.

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  6. Leser schreibt:

    Ich finde es interessant, was diese Überlagerungen von Wortbedeutungen über die Konzepte aussagen, auf denen die Gedankenwelt von deren Sprechern basiert, das kann dann schon schnell mal zu kulturellen Unterschieden führen, alleine weil die Konzepte völlig unterschiedlich sind. Das fängt sogar noch früher an, wo viele Wendungen im Deutschen reflexiv sind, im Englischen jedoch nicht. So findet man dann unterschiedlichste Gedankenwelten vor, einzig dadurch, dass man als Kind die Sprache seiner Eltern „erlernt“ hat…

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  7. Pingback: Schibboleth //2723 | breakpoint

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