Telefonat am Muttertag //2555

Gestern war Muttertag. Da ich erst am Weißen Sonntag in der alten Heimat war, und dort auch meine Eltern besucht hatte, stand ein erneuter Besuch gar nicht zur Debatte, zumal immer noch diese Corestriktionen gelten.
Stattdessen telefonierte ich lange mit meiner Mutter.

Bei meinem Besuch hatte ich es schon bemerkt, dass mein Vater nicht mehr wie früher ist. Nach seinem Schlaganfall hat er immer noch körperliche Einschränkungen. Das war zu erwarten, aber außerdem – und das hatte ich damals nicht über mich gebracht zu schreiben – hat er auch geistig abgebaut. Das sind solche erst subtilen Kleinigkeiten, die man gar nicht gleich bewusst wahrnimmt, oder nicht den Finger darauf legen kann, aber die in ihrer Gesamtheit dann doch ein eindeutiges Bild zeichnen, wenn auch vielleicht erst im Nachhinein. Es ist schwer erträglich, den körperlichen und geistigen Verfall eines nahestehenden Menschen zu beobachten.
Alles in allem schafft es meine Mutter nicht, seine Pflege alleine zu übernehmen. Sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste. [Dazu kommt noch, dass sie schon seit längerer Zeit immer wieder Schmerzen im Kniegelenk hat. Eine empfohlene Operation hatte sie jedoch wiederholt abgelehnt. Mittlerweile ist der Leidensdruck jedoch so groß geworden, dass sie es gerne machen lassen würde, aber wegen Corona bekommt sie keinen Termin.] Meine Schwester kommt öfters vorbei, aber sie hat ihre eigene Familie, und die blödsinnigen Corona-Regeln erlauben nicht, dass mehrere Personen gleichzeitig anwesend sind.

Also kommt jetzt täglich jemand vom ambulanten Pflegedienst der Diakonie, um bei der Pflege, insbesondere Körperpflege, zu helfen. Meistens sind es zwei Personen, manchmal nur eine.
Meine Mutter kommt mit den Pflegekräften gar nicht klar, weil die einiges anders machen, als sie es seit Jahrzehnten gewohnt ist. Nie habe ich mich meiner Mutter mehr verbunden gefühlt als jetzt.
Sie erzählte beispielsweise, dass die Pflegekräfte eigentlich zu einer festen Uhrzeit kommen sollen, zu der alles vorbereitet sein muss. Aber meistens kommen sie deutlich später, manchmal sogar über eine Stunde über der Zeit. In dieser Zeit können meine Eltern nichts anderes tun, als zu warten. Aber gerade wenn sie einmal selbst etwas später dran sind, dann kommen die Pflegekräfte unerwartet schon eine halbe Stunde früher und dann beginnt erst recht die Hetzerei.
Was auch völlig daneben ist, ist, dass die Pflegekräfte immer wieder Handtücher benutzen, um Spritzwasser vom Fußboden aufzuwischen, noch bevor meine Mutter es schafft, einen Putzlappen zu holen. Sie hätte davon immer wieder bergeweise Handtücher in der Dreckwäsche, die es ansonsten noch lange nicht nötig hätten, mitgewaschen zu werden.
Ich kann ihren Ärger darüber so gut nachvollziehen, und das waren nur einige Beispiele. Es gab da noch mehr negative Vorkommnisse. Insgesamt machen die Pflegekräfte mehr Belastung und Stress, als sie Erleichterung und Unterstützung bringen.
Meine Mutter ist ihnen nicht gewachsen, die seien so „hochnäsich und schnibbisch“.

Es ist eine meiner größen Befürchtungen, dass ich selber mal zum Pflegefall werde, und dann auf solche Leute angewiesen bin, die mit mir irgendwas machen, mit dem ich nicht einverstanden bin, und ich mich nicht gegen sie durchsetzen kann.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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48 Antworten zu Telefonat am Muttertag //2555

  1. Mika schreibt:

    Moin,
    als absoluter Krankenhausmuffel kann ich deine Eltern verstehen. Ich war letztes Jahr zu einer umfassenden Untersuchung in einer Klinik und die Pflege kam nicht so recht klar mit mir. Nun kann ich halt gut reden und ein Gespräch mit der Stationsleitung hat dann den Stress für beide Seiten weitgehend entschärft. Ist auch recht einfach, da ich ja noch einige Jahre jünger bin
    Wenn du das für deine Eltern machen kannst, versteht dich der Pflegedienst bestimmt besser und kann reagieren. Die werden ja auch bezahlt.
    Alternativ hilft nur eine private Pflege, die geben sich meist sehr viel Mühe. Das Geld dürfte ja kein Hindernis sein, unterstelle ich jetzt einfach.

    Viel Erfolg und alles Gute für deine Eltern.

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    • Danke, Mika.

      Ich selbst habe mit dem Pflegedienst überhaupt nichts zu tun, und bin, fürchte ich, auch nicht diplomatisch genug, um in einem Gespräch irgendetwas ausrichten zu können.
      Ein privater Pflegedienst steht (zumindest aktuell) nicht zur Debatte. Meine Eltern würden dafür auch kein Geld ausgeben wollen, noch von mir annehmen.

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      • Mika schreibt:

        Diplomatie kann und sollte man lernen. Meine Meinung und Erfahrung. Bei alten Leuten und IT-Autisten (sorry) ist das sehr sehr schwer. Letztlich bleibt aber das Problem und der Ärger auf beiden Seiten. Die Pflegekräfte werden auch nicht wirklich zufrieden sein. Und so ärgern sich beide Seiten ohne Ende.
        Ich habe das beim Verkauf meines Betriebs auch erfahren dürfen. Die Investoren wollten billig kaufen, ich teuer verkaufen. Logisch. Aber was wollen Investoren wirklich? Das kam durch sehr viele freundliche Gespräche dann ans Licht und am Ende hat jede Partei gewonnen.
        Am Ende zählt unsere alte Volksweisheit: eine Kröte musst du fressen und wenn man eine Kröte fressen muss, dann schaut man sie besser nicht lange an.

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        • Die Pflegekräfte werden kaum Patienten haben, die so kooperativ und gutwillig sind wie meine Eltern. Sie geben nach, stellen keine Ansprüche, .. – kurz, mit ihnen kann man’s ja machen.

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          • Mika schreibt:

            Verzeih mir, das ist das typische weibliche Klageverhalten. Es gibt ein Problem, aber man will es nicht lösen. Einfach mal darüber geredet und dann weiter wie immer. Ist nicht auf dich bezogen.

            Frau: Auto macht komische Töne.
            Mann: dann schau ich mir das mal an.
            Frau: neeeee, lieber nicht, wenn dann was kaputt geht…..

            Mann: Ventile klappern.
            Kumpel: hol mal die Werkzeugkiste
            Mann: macht die Motorhaube auf und holt Werkzeug
            3 Stunden später, Ventile neu eingestellt. Bier aufmachen, Grill anzünden, 2 Frauen rollen mit den Augen.

            Immer

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Die Zeit des Pflegedienstpersonals ist auf die Minute getaktet.
    Wieso stellst Du nicht privat jemand ein? Zukünftig wird der Bedarf ohnehin steigen.
    Dann muss eine Lösung her und ein Heim ist sicher nicht das, was man für seine Eltern möchte.

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    • Von einer „minutengenauen Taktung“ ist nichts zu merken. Die haben ihre Zeitplanung überhaupt nicht im Griff, bzw. es ist ihnen gleichgültig, dass sie die Patienten warten lassen.

      Für höchstens eine Stunde am Tag braucht man nicht gleich jemanden einzustellen, zumal das Angebot an geeigneten und willigen Pflegekräften in der Gegend gering sein dürfte.
      Mein Vater hat jahrzehntelang immer in die Sozialversicherungen eingezahlt. Ihm steht die Finanzierung dieser Hilfe durch die Pflegekasse zu.

      Ein Heim steht überhaupt nicht zur Debatte. So hilflos sind meine Eltern nun auch wieder nicht.

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      • blindfoldedwoman schreibt:

        Soll heißen, die Vorgaben für einen Hausbesuch mit den verbundenen Tätigkeiten sind auf die Minute getaktet.
        Wenn es also häufiger zu größeren Verschiebungen kommt, stimmt etwas un der Organisation nicht und der Fehler liegt nicht beim Personal.
        Ich würde im Namen Deiner Eltern eine freundliche Mail schreiben und auf den Missstand hinweisen.

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        • Wenn es normalerweise Verspätungen nur von fünf bis zehn Minuten gäbe, und größere Verspätungen die seltene Ausnahme, wäre das ja gar kein Thema. Aber so ist das praktisch an jedem Tag.
          Ja, es liegt an der Organisation. Die sind offentlich unfähig, einen einhaltbaren Zeitplan aufzustellen. Gerade wenn man doch weiß, dass es leicht zu unplanbaren Verzögerungen kommen kann, muss man halt ausreichend Zeitpuffer miteinkalkulieren.
          Wenn sich größere Abweichungen dennoch in seltenen Fällen nicht vermeiden lassen, gibt man wenigstens telefonisch Bescheid.

          Ich glaube, wenn ich mich da reinhängen würde, würde ich es eher noch schlimmer machen.

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  3. Sabrina Seerose schreibt:

    Das ist bestimmt alles schwer erträglich für Dich und Deine Mutter, aber das ist leider den „Mechanismen“ eines weitgehend unmenschlichen Systems geschuldet, in diesem Fall das KRANKE GESCHÄFTSFELD „Gesundheits/Pflege“-System, das die Pflegekräfte primär für üppig definierte Bürokratie-„Leistungen“ honriert, wobei der zu pflegende Mensch, seine Gegebenheiten und Bedürfnisse nur allzu leicht ins „Abseits“ gerät.
    Wenn dann die bei vielen Menschen ausgeprägte Oberflächlichkeit, einhergehend mit einer egoistischen Ellenbogenmentalität zynisch die Wertschätzung für Menschen vermissen läßt, die auf Hilfe Dritter angewiesen sind, dann ergibt sich für die Betroffenen und deren Angehörige die von Dir skizzierte unerträgliche Gemengelage.
    Das ist sicher umso schmerzlicher zu verkraften, wenn der nunmehr pflegebedürftige Mensch, sich zuvor durch Stärke und Tatkraft ausgezeichent hat, wie das ja anscheinend bei Deinem Vater der Fall gewesen ist.

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  4. Sempersolus schreibt:

    Man kann es nicht wegdiskutieren: Medizin und Pflege sind ein knallhartes Geschäft. Getaktete Zeiten mit möglichst preiswertem (und entsprechend wenig qualifiziertem) Personal bei hoher Arbeitsverdichtung, oft gepaart mit einer lokalen Monopolstellung. Die Möglichkeiten der Qualitätssicherung sind gerade in der ambulanten Pflege gesetzlich Versicherter ausgesprochen beschränkt und manchmal hat man den Verdacht: der Gesetzgeber toleriert das – sogar gern. Das Spektrum der Leistungserbringer ist entsprechend inhomogen: Reine Beutelschneider, die das System nach allen Regeln der Kunst ausbeuten, auf der anderen Seite wirklich engagierte Pflegekräfte mit hohen Ansprüchen an sich und ihre Tätigkeit, die aber gerade in der ambulanten Pflege zu teuer sind und damit dem Konkurrenzdruck nicht standhalten. Es gibt erste, zu zaghafte Bemühungen, dass Pflege akademisch wird, ein guter Plan, aber leider nur in Universitätskliniken ansatzweise durchgesetzt. Während andere Länder da längst viel weiter sind: Bei uns wird es vermutlich noch einen ganze Generation lang dauern, bis erste Ergebnisse dieser Bemühungen sichtbar sind. Der Dr. cur., der als Instrumentierender dem jungen, nicht promovierten Medizinalassistenten im OP beim Eingriff assistiert? Im Moment noch Illusion. Das Ergebnis ist der traurige status quo, den erlebst du selbst.

    Auf der anderen Seite stehen die Pflegebedürftigen. Ihre Ansprüche ergeben sich zunächst rein finanziell aus ihren Beitragszahlungen, sie fühlen sich im Recht, zahlten sie doch jahrelang in eine Versicherung, die sie nie zu brauchen hofften. Jetzt aber ist es so weit (und das wird zukünftig im Rahmen der Überalterung der Gesellschaft ein noch viel größeres Problem) und natürlich erwarten sie entsprechende Leistungen, gerne vergessend, dass auch die Pflegeversicherung eine solidarische Versicherung mit dem Spagat zwischen möglichst geringen Beiträgen bei möglichst guten Leistungen ist und daran ebenso krankt, wie die GKV. Daneben sind die Erwartungen und Qualitätskriterien oft andere, als sie ein Pflegender vielleicht für weitaus relevanter hält. Wie soll auch Pflegequalität für den Laien messbar sein, wenn sich schon Profis damit schwertun. Ist „gute Pflege“ die, die die Zahl der Krankenhaustage der Pflegenden möglichst gering hält? Ein recht geringer Anspruch, finde ich. Oder erkennt man „gute Pflege“ an der Patientenzufriedenheit? Sicher eine gute Idee, aber wer quantifiziert die und nach welchen Kriterien? So wird „gute Pflege“ hilfsweise eben an bekannten und verlässlichen grundlegenden Tugenden und Kriterien festgemacht: Pünktlichkeit, Sauberkeit, Respekt, Rücksicht, geringer Ressourcenaufwand. Einige davon sind essentiell, aber wie z. B. misst man auch „Sauberkeit“ quantitativ? Kann man von einem Pfleger, dessen wichtigstes Kriterium „preiswert“ ist, wirklich erwarten, dass er das versteht und umsetzt?

    Babylonische Verwirrung bei der Kommunikation – auch wortwörtlich, nicht umsonst wird unser Pflegeleck mit unzähligen ausländischen Pflegekräften nur notdürftig geflickt. Kennt man niemanden in diesem teilweise korrupten System, dann ist man in diesem Dschungel auch als junger, engagierter Laie recht hilflos. Soll man mangelhafte Pflege rügen? Unbedingt! Aber wie und wo? Riskiert man nicht, dass die Kritik aufgrund der lokalen Monopolstellung der Pflege in das genaue Gegenteil des Gewünschten umschlägt? Und will man das? Wäre es nicht Aufgabe der Finanziers der Pflegeversicherung, des Staates, dass er das Maximum an Leistung für seine Beitragszahler erhält und das auch kontrolliert?

    Was aktuell bleibt ist tatsächlich nur, Herr Mika hat vollkommen Recht, der Kommunikationsversuch. Das kranke System ändert der Einzelne leider nicht.

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    • Mika schreibt:

      Im Krankenhaus
      ich bin Raucher, Problem: die Verkabelung.

      Zimmergenosse ist ein Schweinchen und will sich nicht waschen lassen.
      Ich will rauchen und mir stinkt es, das Personal ist angepisst.

      Also mach ich den Zimmergenossen freundlich zur Sau, bis er in die Wäsche einwilligt. Die Ausdauer dazu habe ich von meiner Katze gelernt, die beißt nicht, die schnurrt.

      Krankenschwester ist glücklich und ich werde alle 2-3 Stunden entkabelt und kann rauchen. Und ich krieg morgens den ersten Kaffee.

      Zimmergenosse stinkt nicht mehr, Schwestern happy und ich habe meinen Willen.

      Medizin hat mit Menschen zu tun. Apparate, Systeme und Regeln versagen da immer.

      Und meine Innenansicht, mit 3? Tesla aufgenommen, war geil. Durfte die Operatorin eigentlich nicht, aber sie wollte dieses geile Rezept haben 🙂

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      • Wie war’s denn in der MR-Röhre?
        Ich habe mal die Vorführung eines 7T-MR-Tomographen erlebt. Bei solchen enorm starken magnetischen Flussdichten fühlt man sich schon irgendwie sonderbar beklemmt.

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        • Mika schreibt:

          Geil, absolut geil. Das ist Techno vom Feinsten. Ich habe irre Farben gesehen und einen Sound gehört, den ich nicht mehr vergessen kann. Wie Loveparade hoch drei. Ich würde da Eintritt zahlen.

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          • Ich lag ja nicht drin, sondern stand nur daneben, aber erinnere mich noch daran, dass es mir recht unangenehm und unbehaglich war, so dass ich keinen Wert auf eine Wiederholung lege.

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            • Mika schreibt:

              leg dich halt mal rein. Super Gefühl!
              Und nun hab ich auch Klarheit über mein Inneres. Ich bin 20 Jahre jünger, als es mein Ausweis ausweist. Herz kann fast ein Atomkraftwerk ersetzen und Leber könnte die BASF entgiften. Nur die großen Zehen zeigen Abnutzung der Knorpel. Selbst in der Raucherlunge fanden die nix. Aber eins kam raus, ich hab zu viel Sauerstoff im Blut. Ohne Zigarette komm ich keinen Berg hoch. Mit 90 werden die mich tot schlagen müssen.
              Ähnlich ergeht es meiner Nachbarin. Die geht auf die 100 zu und der Körper schrumpft. Die stirbt einfach nicht, weil zu gesund. Aber richtig leben kann sie auch nicht mehr. Blöde Situation.

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  5. Mia schreibt:

    Du listest nur auf, was NICHT geht bzw. was KEINE Option ist: Kein anderer Pflegedienst, kein privater Pflegedienst, kein Pflegeheim, kein Gespräch / keine schriftliche Kontaktaufnahme mit dem Pflegedienst deinerseits.
    Ihr als Familie werdet über kurz oder lang nicht drumherum kommen, mit dem Inhaber des Pflegedienstes (nicht mit dem Personal, welches die Pflege verrichtet) das Gespräch zu suchen.
    Wer fragt, dem kann geholfen werden.
    Vielleicht wäre auch „betreutes Wohnen“ eine weitere Möglichkeit.

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  6. Plietsche Jung schreibt:

    Neben einem privaten Pflegedienst und einem Pflegeheim gibt es au h noch ein betreutes Wohnen. Dort haben die Herrschaften meist eine Wohnung für sich und werden medizinisch und im täglichen Leben in direkter Umgebung versorgt. Ein guter Kompromiss, wenn es zur leichten Pflegestufe passt.

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    • Sempersolus schreibt:

      Wie ich verstehe ist man im Moment noch im Stadium Kübler-Ross 1 – 2 (Verleugnen und Zorn), des „Das schaffen wir schon, ich gebe doch keine persönlichen Freiheiten für meine geringfügige Pflegebedürftigkeit auf.“

      Die gewohnte Umgebung zu Gunsten einer zwangsläufig sehr viel beschränkteren Räumlichkeit und Freiheit im betreuten Wohnen aufzugeben, das ist ein gewaltiger Schritt, diese Entscheidung wächst nicht über Nacht.

      Gerade Annes Mutter, und vermutlich auch ihre komorbiden Töchter, fühlten sich mit so einem Vorschlag vermutlich völlig überfahren, sind es doch im Moment „nur das blöde Knie“, die „störrischen Ärzte, die ausgerechnet jetzt nicht operieren wollen“, die „fehlende Freizügigkeit durch die unlogischen Coronaschutzmaßnahmen“ und „die unverschämte Menge an gebrauchten Handtüchern durch die schlampige Pflege, die nie pünktlich ist“, die vorerst noch ausreichend Projektionsfläche bieten, damit man das Hadern mit der eigenen, körperlich deutlich eingeschränkten Selbständigkeit darauf sublimieren kann.

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    • Das ist eine gute Sache für Leute, die eh in einer Mietwohnung wohnen. Aber für Eigenheimbewohner ist es eher keine Alternative, aus dem gewohnten Umfeld gerissen zu werden.
      Daheim haben meine Eltern immerhin meine Schwester ganz in der Nähe, sowie etliche weitere Verwandte oder Freunde.

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      • Sempersolus schreibt:

        Und die beteiligen sich alle an der Pflege? Dann ist doch alles gut und kein Grund für Trübsal.

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        • Normalerweise schon.
          Bloß sind derzeit die meisten Kontakte beschränkt, was die Möglichkeiten drastisch reduziert.

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          • Sempersolus schreibt:

            Pflegetätigkeit fällt unter die Ausnahmeregelung, soweit es die Coronakontaktbeschränkungen angeht. Außerdem schiene es mir auch wenig zielführend, wenn sich zehn Pflegende in einem Krankenzimmer drängelten.

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            • Es geht nicht um die reine Pflegetätigkeit, für die professionelle Hilfe nötig ist, die aber nur einen kleinen Teil der anfallenden Aufgaben ausmacht.
              Es geht um Unterstützung beim Haushalt, Einkaufen, Gartenarbeit, Kleinreparaturen u. dgl..

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            • Sempersolus schreibt:

              Und das ist unmöglich, weil … ?

              Haushalthilfe, 1 Person: selbst unter Coronabedingungen: erlaubt.

              Einkaufshilfe, Bringservice: professionell sowieso nicht limitiert, als Nachbarschaftshilfe ebenso selbst als Einkauf für Quarantäneinsassen kein Problem.

              Gärtner, entweder einzeln oder als Team: professionelle Handwerksleistung, unter Corona nie eingeschränkt.

              Kleinreparatur, Hausmeisterservice oder als Freund von nebenan: erlaubt.

              Langsam glaube ich, die „schlimmen Coronabeschränkungen“ sind nur eine bequeme Entschuldigung.

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            • Bei Hausarbeit und Kleinreparaturen stehen ein paar Aufgaben an, die eine Person nicht alleine erledigen kann, weil einfach noch jemand mitanpacken muss (was meine Mutter nicht unbedingt schafft).
              Das wäre überhaupt kein Thema, wenn meine Schwester mit ihrem Mann (oder einem ihrer großen Kinder, oder einem Nachbarn) kurz gleichzeitig ins Haus dürften. Aber nein, meinen Eltern soll ja zugemutet werden, dafür Handwerker zu bezahlen.

              Überlass‘ es doch bitte meinen Eltern selbst, zu entscheiden, wie sie ihr Leben organisieren wollen.
              Du kennst die Gegebenheiten nur sehr oberflächlich aus dem bisschen, was ich hier geschrieben habe. Es steckt aber noch viel mehr dahinter, wenn zwei Personen praktisch ihr ganzes Leben an einem Ort verbracht haben, in dem sie eingebunden sind.
              Ich habe auch wirklich keine Lust mehr, jede Kleinigkeit zu rechtfertigen und ausführlichst zu erklären.

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            • Sempersolus schreibt:

              Tut mir leid. Ich wollte dir oder deinen Eltern nicht auf den Schlips treten oder ihnen gar etwas zumuten.

              Zu sehen, dass sich massiv verändert, was man als Elternhaus im weiteren Sinne aus der Erinnerung so kennt und liebt, das ist schon schlimm genug.

              Alles Gute für deine Eltern und dich. Die Coronaeinschränkungen sind bald vorbei, dann wird sicher alles besser für euch.

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      • Mia schreibt:

        Das ist doch Quatsch. Eine Mietwohnung ist genauso ein gewohntes Umfeld wie ein Eigenheim.
        Und wie Sermpersolus bereits schrieb, bestehen Ausnahmeregelungen für Pflegetätigkeiten. Man muss sich halt mal fachkundigen Rat holen (und nicht nur das Unvermögen bei Anderen suchen), was jedoch bedeutet, dass man mit fremden Menschen sprechen muss. Hört hört!

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        • Bei einer gemieteten Wohnung hat man aber immerhin nicht auch noch das Problem, sich um sein Wohneigentum kümmern zu müssen.
          Ich erinnere mich an eine alleinstehende Nachbarin, die ihr (sehr großes) Haus verkaufte, um in eine Seniorenwohnanlage zu ziehen. Sie musste damals so viele Sachen wegschmeißen, bzw. an Bekannte verschenken (ich habe daher mein erstes Bücherregal).

          Das wäre aber für meine Eltern eher keine Option. So lange es irgend geht wollen sie möglichst selbstbestimmt im eigenen Haus leben. Ich bitte darum, diesen Wunsch ohne weitere Diskussion zu akzeptieren.

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          • Mia schreibt:

            Mit Verlaub, du hast hier öffentlich einen Eintrag eingestellt, da musst du schon auch Diskussion zulassen. Auch wenn du dir für dich eine andere Richtung des Diskussionsverlaufs, sprich genehmere Kommentare erhofft hattest.

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            • Ich muss gar nichts.
              Ich lasse Diskussionen zum Eintrag zu. Das hier entfernt sich aber zu weit vom Thema weg, und erwartet von mir, die Lebensentscheidungen meiner Eltern (die ich selbst nicht alle gutheiße) zu rechtfertigen. Das werde ich hier nicht mehr weiter tun.

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            • Mia schreibt:

              Niemand hat von dir verlangt, dass du dich hier rechtfertigen sollst. Auf die Kommentare und Re-Kommentare bist du aus freien Stücken eingegangen.
              Wenn man familieninterne Begebenheiten postet, dann wird es eben persönlich und auch schnell zu viel. Das sollte man vorher bedenken.

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      • Plietsche Jung schreibt:

        Hallo Anne,
        ich glaube, wir haben die Situation etwas mißverstanden und sind von gravierenderen Problemen ausgegangen. So wie ich es in den fortlaufenden Kommentaren und Antworten lese, ist es mehr eine Haushaltshilfe als eine Pflegekraft, die benötigt wird.

        Ich bin sicher, niemand verlangt von dir eine Rechtfertigung der Lebensweise deiner Eltern. Ich kenne es selbst nur genug, wie starr und wenig optimal und wenig sachlich manche Positionen bewertet werden und wenn Geschwister/Familie da ist, potenziert sich die Situation weiter.

        Ich hoffe, deine Eltern finden und akzeptieren eine Lösung, die zu ihrem Wohlbefinden beitragen.

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        • Ja, Plietschi, die Pflege und der Haushalt sind zweierlei Schuhe.
          Mit dem Pflegedienst müssen sich meine Eltern irgendwie arrangieren.
          Unterstützung im Haushalt bekommen sie ja von meiner Schwester und ihrer Familie. Die aktuellen Kontaktbeschränkungen reduzieren die Möglichkeiten allerdings schon erheblich.

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          • Plietsche Jung schreibt:

            Ein Grund, sich impfen zu lassen. Hier gilt die Reihenfolge nicht.
            Pflege ist für Angehörige schwer, denn sie sehen, wie ihre Eltern abbauen. Körperlich wie mental. Allein die Körperpflege ist schwer und auch psychisch eine Belastung.
            Einkaufen und im Haushalt zur Hand gehen ist toll, wenn die Zeit und Geduld da sind. Aber niemand ist zu verurteilen, wenn er/sie es nicht kann oder will.

            Wenn ich mal anfange zu sabbern, möchte ich ins Heim – mit Tablet und WLAN natürlich, denn ich möchte niemandem zur Last fallen oder irgendwann gehasst werden, weil ich wieder meine Hosen vollgemacht habe.

            Bis dahin ist es zum Glück noch lange hin und ich habe noch viel vor !

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  7. Mika schreibt:

    Männerregel 1: nicht anfassen/jammern, wenn es nicht kaputt ist.

    Männerregel 2: nicht fragen, wenn die Antwort nicht erwünscht ist. (bin ich zu dick?)

    Männerregel 3: willst du was trinken? Das ist eine bescheuerte Frage. Man stellt einfach was hin!

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  8. ednong schreibt:

    Du hast mMn 2 Möglichkeiten :
    Dich immer wieder mit dem Dienst rumärgern.
    Oder wechseln.

    Aus eigener Erfahrung würde ich wechseln. Solcherlei deutet auf eine äußerst knappe Personaldecke und mangelndes Organisationstalent hin.

    Und ja, es ist schwer, gute Dienste zu finden. Und ich kann das Geschilderte nachempfinden.

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  9. Pingback: Gemeinnützige Mildtätigkeit //2566 | breakpoint

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