Quasi modo geniti infantes (pars i) //2541

Hätte sich Carsten nicht am Auge verletzt, wäre es uns schwerer gefallen, dass er wegen Überschreitung der Coronamaßnahmen-bedingten maximalen Personenzahl nicht mit zur Erstkommunionfeier meines Neffen David hätte kommen dürfen. Aber so war es akzeptabler, dass er daheimbleiben, und ich alleine mit Johannes hinfahren würde.
Da ich gestern Abend nicht mehr dazugekommen bin, mit dem Schreiben dieses Eintrags zu beginnen, werde ich ihn jetzt früh bei knapper Zeit auch nicht vollständig schaffen. Aber ich fange wenigstens mal an, und unterbreche halt irgendwo.

Die Hinfahrt verlief ruhig, da Johannes bereits nach kurzer Strecke wieder eingeschlafen war. In der alten Heimat ist man vegetationsmäßig locker zwei bis drei Wochen später dran als in $NichtImSauerland. Ich hatte mit meinen Verwandten ausgemacht, dass ich zunächst zu meinen Eltern fahren würde, während David noch mit seiner Familie in der Kirche war. Sabine würde anrufen, sobald sie wieder zurück sind.
In meinem Elternhaus sind ja einige Umbaumaßnahmen nötig gewesen. Unter anderem ist auf der Treppe ein Lift eingebaut. Auch sonst .. andere Möbel, andere Einrichtung .. sieht es anders aus. Irgendwie ist es nicht mehr mein Zuhause. Ich fühle mich dort nicht mehr heimisch, wie zuvor noch bei meinen früheren Besuchen. Mein Elternhaus war in Gedanken immer meine Zuflucht gewesen, wenn alles andere schief gegangen wäre. Jetzt nicht mehr. Einer der wichtigsten Fixpunkte in meinem Leben ist weggefallen.
Meinen Eltern geht es .. nun ja .. soweit gut, wie es die Umstände eben zulassen.
Endlich konnte Johannes (der inzwischen wieder erwacht war) auch seinen Großvater kennenlernen.

Ja, ich weiß, der Text bis hierhin ist nur kurz, aber ich merke gerade, dass mich die Veränderungen doch ziemlich belasten. Ich splitte hier. Beim nächsten Teil geht es dann ausführlicher und heiterer weiter.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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34 Antworten zu Quasi modo geniti infantes (pars i) //2541

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Das Leben verändert sich. Daran muss dich nichts verängstigen.
    Nur die Zukunft kannst du ändern, alles andere ist bereits gefixed.

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  2. Mia schreibt:

    „Einer der wichtigsten Fixpunkte in meinem Leben ist weggefallen.“

    Aufgrund der Umbauten und veränderten Einrichtung? ^^
    Aber die Menschen, die dort leben, sind doch immer noch die gleichen. Und darauf kommt es letztlich an.

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  3. Sempersolus schreibt:

    Ich erinnere mich recht gut an dieses Gefühl damals: Es war keine Angst, sondern ein merkwürdiges Entfremdungsgefühl. Festmachen ließ sich das an vielen Kleinigkeiten, ich weiß nicht, ob es jemandem ähnlich ging.

    Essgewohnheiten – Es gab für meine Eltern bestimmte Dinge, die schlicht „no-go“ waren. Am skurrilsten: Salatgurken. Kein Restaurantbesuch in meiner Kindheit, bei dem nicht mindestens einmal der Beilagensalat der gesamten Familie zurückgeschickt wurde, weil Gurkenscheiben darauf lagen (und man bei der Bestellung natürlich vergessen hatte zu erwähnen, dass Gurken gleich nach der Inquisition das Schlimmste sind, was man sich vorstellen kann). Meist nahm der Gastronom dann einfach die Gurken aus dem Salat, die Folge: Peinlichkeit Nummer zwei, man „schmecke den Gurkenanteil noch deutlich durch“. Und wenn es das nicht war, dann das Salatdressing, denn natürlich aß man (zumindest nach Ansicht meiner Eltern) Salat niemals anders, als nur mit Essig und Öl. Als Kind wäre ich am liebsten im Boden versunken, wenn gefühlt das ganze Restaurant einschließlich der Küchencrew am Ende neugierig schaute, wer denn da so einen Aufstand macht. Ähnlich Dogmen galten für Käse in jedweder warmen Form (Pizza kam also nie vor, „Iiiih, wie das Fäden zieht!“), lange Zeit auch Spargel, Knoblauch oder Kapern und einige andere Schlüsselzutaten, die man in Restaurants doch recht häufig vorgesetzt bekommt und die ich heute wirklich gerne mag. Meine komplette kulinarische Emanzipation fand erst nach dem Auszug aus meinem Elternhaus statt.

    Kirchgang – Kein Wochenende und kein Feiertag, an dem nicht mindestens der halbe Tag durch den allfälligen Kirchgang „verloren“ war, zumindest empfand ich das als Kind immer so. Wenigstens beherrschte ich dadurch rasch das lateinische Confiteor, was meine Interesse an Latein aber nicht größer werden ließ. Später bemühte ich mich um Anpassung und Einsicht, noch später um Kirchenkritik. Das war für meine streng katholischen Eltern nie eine Option.

    Einrichtung – Das Haus meiner Eltern sah stets mehr wie ein Möbelhaus aus, später einer Puppenstube ähnlicher. Stets war alles peinlichst aufgeräumt, als lebe dort gar kein Mensch. Kochdünste durften nicht vorkommen, Decken wurden nach Benutzung stets gefaltet und weggeräumt, Geschirr sofort gespült, etc. Ich bin heute noch ein zwanghafter „Putter“ und kein „Leaver“ und kann mich über Unordnung (wenn auch zunehmend weniger) unfassbar aufregen – sehr zum Bedauern meiner unmittelbaren Mitbewohnerschaft.

    Automobilität – Der elterliche Audi, BMW, Porsche als „heilige Kuh“. Ich nutze KfZ selber nur als Fortbewegungsmittel. Das geht auch mit einem gebrauchten VW, Skoda, o.ä. ganz gut.

    Tiere – Gehörten für meine Eltern mundgerecht zerteilt auf den Teller oder in den Zoo. Heute habe ich zwei wirklich große Hunde und bin glücklich damit, meine Mutter und meine Schwester (so selten ich beide nur noch sehe) werden sich nie mit den Tieren anfreunden.

    Beruf, Partnerwahl, Kindererziehung, etc. – Ich könnte haufenweise Bereiche aufzählen, in denen sich meine Art zu Leben von der meiner Eltern mittlerweile ganz grundlegend unterscheidet und absetzt. Sicher ist einiges vom anerzogenen „Erbe“ immer noch da, meinen Anankasmus hatte ich schon erwähnt, meine Leistungsorientierung, meine Verklemmtheit, mein Unvermögen, mich bedingungslos zu freuen, wenn es Anlass dazu gäbe … und doch waren mir diese doch eigentlich geliebten oder zu liebenden Menschen an einem gewissen Punkt so fremd, viel fremder als es manche Freunde sind.

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    • Vieles kann ich gut nachfühlen. Manches macht man so wie man es von den Eltern kennt, aber etliches auch ganz anders.

      Käse, der Fäden zieht .. *lechtz* .. jetzt hab‘ ich Hunger und mache mir ein mikrogewelltes Käsebrot.
      (und vielleicht ein wenig Gurkensalat dazu – in Joghurtdressing .. oder lieber gleich Tsatziki mit ordentlich Knoblauch?)

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      • Mika schreibt:

        Tsatziki gehört ohne Knoblauch!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

        Gurken auch nie mit Knoblauch!!!!!!!!!!!!!!!!!!

        Der Perfekte Knoblauch wird als ganze Knolle geröstet und dann ausgepresst mit Olivenöl und Eigelb aufgeschlagen. Das auf Austern…..göttlich! Ein Hauch Himbeeressig darf dazu.
        Dazu einen Weissburgunder aus der Pfalz. Für Banausen auch gerne Schäwer von Messmer, Burrweiler. Schräg, aber ich mag es.

        ist kein Gesetz, aber lecker

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    • blindfoldedwoman schreibt:

      Meine Schwiegermutter hat immer ihr Steak/Schweinefilet durch bestellt. Knoblauch war auch ein Nogo. Kellner waren oft sehr irritiert ob der Frage meiner Schwägerin, ob sie Sprühsahne statt selbst aufgeschlagener auf dem Cappuccino servieren würden. Egal wie oft ich ihr erklärt habe, dass da gar keine Sahne hingehört.
      Glücklicherweise kenne ich sowas aus meiner Familie nicht. Na gut, dafür tun die auch nie so vornehm. 😏

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      • Mika schreibt:

        Schweinefilet durch ist eine Sünde. Früher war Schwein mal ein Problem wegen der Trichinen. Mein Veterinär hat mir aber versichert, er hätte noch nie Trichinen im Fleisch gefunden. Der Mann ist ca. 60.
        Ein Rindersteak dagegen kann durch ein Genuss sein. Mit einigen Kräutern auf Vakuum gezogen und im Wasserbad schön gar gezogen und dann in 200 Grad Butterschmalz geschwenkt, mag ich das. Dazu klassische Bratkartoffeln. Und als Krönung Spargelspitzen in Butter geröstet.

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        • Michael schreibt:

          Meine Frau ist bei Fleisch etws empfindlich, aber Rinderfilet durch geht sogar bei ihr nicht. Das ist duch furztrocken. Kurz vor der Grenze zu Schuhsohle.

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          • Mika schreibt:

            Ein Steak ist nicht zwingend vom Filet. Wenn man ein Hüftsteak im Wasserbad gar zieht, dann bekommt man es butterzart. Braucht Zeit und wenig Hitze. Und natürlich gutes Fleisch. Mit dem Zeugs aus Argentinien würde ich das nicht machen.

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  4. ednong schreibt:

    Kann ich nachvollziehen – man fühlt sich plötzlich so ohne Background im Leben und selbst verantwortlich für alles im eigenen Leben.

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  5. Sabrina Seerose schreibt:

    Nach Deiner Beschreibung spiegeln Dir die räumlich-mobiliaren Veränderungen in Deinem Elternhaus in Verbindung mit der damit einhergehenden lebenslaufbedingten gesundheitlichen Angeschlagenheit Deines Vaters, die Endlichkeit Deines vordem so vertrauten, und Geborgenheit spendenen Elternhauses?
    Das läßt Wehmut aufkommen?!

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  6. rano64 schreibt:

    @Anne: Off Topic zu deiner Frage auf Twitter: Die roten Punkte oder rot eingefärbten Account sind Zerocovid Anhänger und wollen einen harten Lockdown. Die Gegenfraktion verwendet grüne Punkte.

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