Tausendachtzehn

Als es vor einigen Tagen so heiß wurde, kam in mir der Wunsch auf, wieder einmal im Badesee zu schwimmen. Das war noch während der Arbeitszeit. Und irgendwie hatte ich dann die Idee, dass das meinen Jungs auch gut tun würde.
Nun ja, ich ließ die Idee noch etwas reifen, und konfrontierte Carsten abends damit. Er meinte, dass meine Mitarbeiter nach Feierabend doch machen könnten, was sie wollten. Da erklärte ich ihm, dass ich schließlich auch schwimmen wolle, und er es außerdem als Weiterbildung für ihre Social Skills sehen solle, und als Mitarbeiterbindungsmaßnahme.
Das überzeugte ihn nicht so recht, und er gab zu bedenken, dass die Mitarbeiter möglicherweise gar nicht schwimmen gehen wollten, oder Hemmungen hätten, sich in der Öffentlichkeit, und insbesondere vor ihrer Chefin, nur mit Badehose zu zeigen.
Das letzte Argument konnte ich leicht entkräften, indem ich darauf hinwies, dass wir eh den FKK-Bereich besuchen würden. Schließlich kann man nicht erwarten, dass alle Badezeug dabei haben, wenn sie ins Büro gehen. Decken, Handtücher und Sonnenschutz dagegen ließen sich bestimmt noch organisieren.
Carsten schlug mir darauf hin vor, den Mitarbeitern lieber eine Runde Eis auszugeben. Und er versprach, selbst mit mir zum Badesee zu fahren. Sehr schön. Das hätte er sicherlich nicht so leicht versprochen, wenn ich ihn von vornherein darum gebeten hätte. Aber so gab ich schließlich wimpernklimpernd nach.

Bereits gestern hatte er dann nach Feierabend Zeit (vielleicht um zu verhindern, dass ich meinen ursprünglichen Plan doch noch umsetze), und wir fuhren direkt vom Büro aus zum Badesee.
Eine Decke haben wir ohnehin im Auto, und Handtücher braucht man nicht unbedingt, wenn man sich lufttrocknen lässt. Einen Haargummi (den ich sonst beim Reiten nutze) hatte ich am Handgelenk. So konnte ich mir die Haare zusammenbinden, und schwimmen.
Ein Ausläufer des Sees ist halb verlandet. Der Boden besteht nur aus Morast oder Schlamm. Außenherum ist alles zugewachsen. Immerhin war er zugänglich. Und auch wenn es nicht ideal ist, bis zu den Knöcheln im Sumpf einzusinken, waren wir dort dennoch ungestört. Falls es Spanner gab, sind uns die nicht aufgefallen, und außerdem stören die mich auch gar nicht.
Leider stank der See ein wenig, so dass wir später doch lieber draußen blieben, und im Schatten liegend vor uns hindösten.

Danach aßen wir in einem nahe gelegenen Landgasthof zu abend.

Anschließend machten wir bei einbrechender Dunkelheit noch einen Abendspaziergang.
Wir gingen zunächst quer über eine Wiese. Auf einmal surrte und brummte es um uns herum. So etwas hatte ich auch noch nie erlebt. Ein Schwarm von Junikäfern umschwirrte uns. Nicht nur das, sie schienen uns regelrecht zu attackieren. Vor allem auf mich hatten sie es abgesehen, so dass ich mich schon wie Onkel Fritz fühlte.
Carsten meinte, das wären vor allem Männchen, die ein Weibchen suchten.
Hey! Ich bin aber kein Käferweibchen! Sondern die Käferjägerin. Möglicherweise ist das die Rache für etliche zermanschte Käfer, die ich auf dem Gewissen habe.
Als wir wieder auf den Weg kamen, ließ die Käferplage nach.
Wir hatten jetzt eine gute Sicht auf die Konjunktion von Jupiter und Venus.
Während es am Vorabend noch so ausgesehen hatte, als ob Jupiter Venus von oben missioniert, wirkte es diesmal wie Doggy.
Gerne hätten wir die Konstellation noch einmal nachgestellt, aber dann wären wir wehrloses Opfer der Stechmücken geworden. So ließen wir es, und liefen weiter.
Auf dem Rückweg hatten wir dann den Mond voll und rund gut in Sicht. Ich begann piano „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen (ein durchaus anspruchsvolles Lied), und Carsten stimmte ein.
Schließlich erreichten wir wieder das Auto und fuhren zurück in die Stadt.

Advertisements

Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Tausendachtzehn

  1. aliasnimue schreibt:

    Ihhhh…Entenkacke…
    ansonsten…taktisch gut gespielt. 😉

    Gefällt mir

  2. ednong schreibt:

    Uh, Morast ist eklig, finde ich. Wer weiß, was da noch drunter ist (Nägel, Scherben, …).

    Ich glaube eher, dass der Begriff „FKK“ bei Carsten alle Glocken schellen ließ und ihn dich davon abhalten, mit den Jungs loszuziehen …

    Captcha passenden zum vorigen Post: baby boomer

    Gefällt mir

    • breakpoint schreibt:

      Der Morast bestand wohl aus nasser Erde und Humus. Von irgendwelchen künstlichen Bestandteilen habe ich nichts bemerkt.
      Als wir danach eh durch den See waten/schwimmen mussten, um heraus zu kommen, ging der Morast schnell wieder ab.

      Tja, wie soll ich sagen .. ein Bluff ist umso wirksamer, je stärker man selbst daran glaubt. B) :>

      OT: Ich hab noch etwas Eis übrig. Magst du eine Portion? Vielleicht ein Muffin dazu?

      Gefällt mir

  3. ednong schreibt:

    Eis und Muffin? Na klar, immer her damit …

    Gefällt mir

  4. Leser schreibt:

    Die Formulierung „so dass ich mich schon wie Onkel Fritz fühlte“ ist da irgendwie sehr seltsam. Woher kommt das? Wie fühlt sich Onkel Fritz? Wird der auch immer von Käfern geplagt?

    Captcha: freezing temperatures – Oh ja, bitte! 22°C nachts um 0 Uhr ist defintiv zu warm…draußen, drinnen ist es dann gleich nochmal wärmer, trotz (Hoch-)Parterrewohnung. Mein Hund hechelt auch mehr, als dass er zu atmen scheint, selbst im Schlaf…

    Gefällt mir

  5. Pingback: Elfhunderteinundneunzig | breakpoint

  6. Pingback: Zwölfhundertneunundsiebzig | breakpoint

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s