Fünfhundertachtundsiebzig

Wir hatten uns für halb zehn am Einkaufszentrum verabredet. Carsten war vorher noch im Büro gewesen, ich kam direkt von der Wohnung.
Eigentlich bemüht er sich ja pünktlich zu sein, aber in seinem Job kommt es halt häufig vor, dass sich etwas ohne sein Zutun verzögert. Er kam also zehn Minuten zu spät, was ich ihm aber nicht übel nahm.
Stattdessen hatte ich mir noch unterwegs bei einem Bäcker eine Laugenstange gekauft. Als Carsten endlich da war, schob ich die Laugenstange langsam einige Zentimeter aus der schmalen Tüte, und biss dann herzhaft hinein.
„Willst du auch mal?“, fragte ich schmatzend und hielt ihm die Tüte hin.
„Nein, danke! Dich kann man offenbar nicht einmal ein paar Minuten dir selbst überlassen, ohne dass du auf solche Ideen kommst.“
„Ganz wie du meinst“, erwiderte ich und leckte vorsichtig ein paar Salzkörner herunter, wobei ich auch mit Lippen und Zähnen vorsichtig etwas nachhalf.

Für Schuhe habe ich normalerweise zwei Supplier, die einigermaßen erfolgversprechend sind. Das eine ist ein großes, bundesweites Handelsunternehmen, das vor allem Schuhe verkauft und mit günstigen Markenschuhen wirbt (ob es Markenschuhe sind, ist mir persönlich schnurz – Hauptsache, sie passen, sind einigermaßen bequem und wenn sie mir auch noch gefallen würden, wäre das schon prima). Das andere ist die Schuhabteilung eines Bekleidungsunternehmens, dessen Name rein zufällig mit unseren (pseudonymisierten) Initialen übereinstimmt.
Die Schuhe, die mir gefallen hätten, gab es alle nicht in meiner Größe. Die mir passenden Schuhe waren dagegen ausnahmslos irgendwelche Scheußlichkeiten, fast alle in schwarz. Ich habe ja nichts gegen schwarze Schuhe. Aber müssen denn alle schwarz sein? Ich hätte auch gerne einmal schöne rote oder in anderen Farben.

Wenn ich noch vor ein paar Jahren in einem Bücherladen war, gab es dort hunderte von Büchern, die mich gereizt hätten, sie einmal zu lesen. Mittlerweile bestärken mich die ausliegenden Bücher eigentlich nur noch in meinem Entschluss, doch noch selbst mein Buch herauszugeben. (BTW, breakpoint G verkauft sich überraschend gut. Vielleicht spielt da auch der G-Punkt eine Rolle.)

Mittlerweile war es schon fast elf Uhr, und wir hatten immer noch nichts gekauft, als wir in einem Dessousladen landeten.
Ich hätte mich ja gerne nach seinem Geschmack gerichtet, aber manchmal habe ich echt den Eindruck, dass es ihm völlig egal ist, was ich anhabe. Sein Bestreben zielt immer nur darauf hin, dass ich es wieder ausziehe.
Diesmal schlug er außerdem vor, mir doch wärmere Unterwäsche zu kaufen, damit ich nicht immer rumjammere, dass mir so kalt ist. Es stimmt schon, dass ich sehr verfroren bin, aber jammern tue ich ja hauptsächlich, um mich von ihm wärmen zu lassen.
Schließlich verließen wir das Geschäft mit einem gelb-orangen trägerlosen Mieder samt passendem Slip. Die Farbe sollte wenigstens ein wenig Sonne in die dunklen Wintertage bringen.

Es blieb bei diesem einen Kauf. Wir aßen noch gemeinsam zu Mittag, währenddessen er mich ermahnte, in Zukunft gefälligst mehr zu konsumieren, bevor noch irgendjemand auf die Idee käme, mich billig zu nennen.
Anschließend fuhren wir dann zusammen ins Büro, wo einiges an Arbeit wartete.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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24 Antworten zu Fünfhundertachtundsiebzig

  1. sweetsurrender schreibt:

    Oh, ich hab wirklich tolle rote Pumps gesehen vorgestern.
    Ich meine von Peter Kaiser, also nicht zu teuer.
    So ähnlich wie diese:

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    • breakpoint schreibt:

      Sehr hübsch für besondere Gelegenheiten.

      Ich habe allerdings eher Alltagsschuhe gesucht, mit denen ich (auch im Winter) z.B. zum Büro oder in die Stadt laufen kann.
      In anderen Schuhgrößen habe ich durchaus geeignete, optisch ansprechende Schuhe gesehen.

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      • sweetsurrender schreibt:

        Hast Du so eine ausgefallene Größe?
        Wobei das manchmal auch nicht schlecht ist, weil so jeder 38/39 hat und die schönsten Schuhe gleich weg sind.

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        • breakpoint schreibt:

          Da gebe ich dir die gleiche Antwort wie auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

          Tja, ich habe meine Füße auch schon in 41 gequetscht, weil es da noch eine ganz passable Auswahl gibt.

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          • sweetsurrender schreibt:

            Oh ok, verstehe…ich meine es gibt bestimmt Hersteller dafür aber Frau will die Schuhe ja auch anprobieren.
            Wenns Dich tröstet: meine Nachbarin hat Schuhgröße 35, die hats auch schwer.
            Aber sicher bestellt Dir ein gutes Fachgeschäft den gewünschten Schuh auch in Deiner Größe.

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            • breakpoint schreibt:

              So ähnlich hatte ich es ja damals mit meinen Hochzeitschuhen gehandlet, denn anprobieren muss einfach sein.
              Ist trotzdem lästig, dass spontane Schuhkäufe nur selten möglich sind.

              Deine Nachbarin hat bestimmt genauso wenig Lust, auf Kinderschuhe auszuweichen, wie ich auf Herrenschuhe (BTW, wo kriegen Transvestiten eigentlich ihre Schuhe her?).

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            • sweetsurrender schreibt:

              Nun in größeren Städten gibt es bestimmt einen Fachhandel der das berücksichtigt, genau wie meine Freundin, die ein Wäschegeschäft betreibt und schon lange für Stammkunden Dessous bestellt.
              Letztens hab ich sogar Männerstrumpfhosen im Netz gesehen.;D

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            • breakpoint schreibt:

              Männerstrumpfhosen .. das wirft Fragen auf (bei denen ich gar nicht wissen will, ob ich die Antwort überhaupt wissen will). :))

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            • Leser schreibt:

              Ich hab mal für einen Laden gearbeitet, die haben Schuhe von dem Hersteler „Pleaser“ und anderen US-Herstellern importiert. Grausames Zeug, Pumps und Lack und Leder, Stiefel bis übers Knie usw….jedenfalls gabs das Zeug da bis Größe 49/50. Wenn eine der bekannten Schwulenparaden vor der Tür stand, waren da dann auch einige männliche Kunden, die noch dringend unbedingt was zum Anziehen gesucht haben…

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            • breakpoint schreibt:

              LOL.
              Aber Frank N. Furter will ich beim Weg ins Büro oder beim Einkaufen nicht unbedingt Konkurrenz machen.

              OT: Du hattest dich doch darüber gewundert, dass du keine Benachrichtigung bekommst, wenn ich hier antworte.
              Sh. im Fehlerforum.

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            • Leser schreibt:

              Danke für den Link, sehr interessant. Da man dort anscheinend auch ohne Login kommentieren kann, füge ich meine Kommentare dort hinzu…

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            • breakpoint schreibt:

              Dem habe ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

              Für blog.de steht auf der einen Seite mit allem drum und dran doch ein deutlicher Aufwand für die Implementierung. Auf der anderen Seite jedoch kein Nutzen für sich selbst oder die registrierten User (=Kunden).

              Wenn ich mir andere Blogs hier ansehe, so ist es die absolute Ausnahme, dass jemand von außerhalb kommentiert. Nur bei meinem Blog ist es häufig.

              Dafür wird blog.de das Benachrichtigungsverhalten leider nicht ändern.

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            • Leser schreibt:

              Ja, nur dass die Admins da meinen Kommentar anscheinend noch nicht mal freigeschaltet haben :-/
              Ich bleibe dabei (kurze Wiederholung meiner Argumente): Der Login- und Registrierungszwang nervt, und ermöglicht es auch nicht, in verschiedenen Blogs unter verschiedenen Aliassen zu kommentieren. Des weiteren bin ich kein Blogger, sondern eben nur ein Leser, warum sollte ich mich dann auf einer Blog-Plattform registrieren, wo es sowieso schon ätzend ist, überall „wiederkehrend identifiziert“ zu werden – da muss nicht auch noch meine proaktive Mithilfe dabei sein. Wegen dem Scheiß (sorry, aber is so) wurden Services wie bugmenot erfunden.
              Eigentlich müsste daher auch meine E-Mail-Adresse, die ich unten angebe, ab jetzt fortan aus random-Strings zusammengewürfelt sein.

              Und die Mailbenachrichtigung lässt sich auch so umsetzen, dass Double-Opt-In nur einmal pro Blog nötig wäre, nicht bei jedem Artikel wieder von neuem. Das wäre die beste Form.

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            • breakpoint schreibt:

              Ich hatte zwar eine Mail-Benachrichtigung darüber bekommen, samt Link zum Freischalten.
              Nur dass dieser Link bei mir nicht funktioniert (schon wieder ein neues Fehler-Thema).

              Wenn der Inhaber des Fehlerforums deinen Kommentar nicht heute noch freigibt, dann veröffentliche ich ihn eben selbst dort.
              Den genauen Wortlaut habe ich noch in der Mail.

              Ich sehe absolut keinen Sinn darin, unter diesen Umständen, die reale Mail-Adresse anzugeben (naja, ich könnte dich jetzt mit Spam zumüllen).

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            • Leser schreibt:

              Danke. – Wobei das mit Spam zumüllen ja eher dem nicht-Angeben der realen Mail-Adresse einen Sinn verleiht, auch wenn ich jetzt nicht unbedingt was dagegen hätte, eine normale, selbst geschriebene E-Mail von Dir zu bekommen 😉
              Die Idee mit den Random-Strings anstelle einer E-Mail-Adresse ist natürlich auch nur dann sinnvoll, wenn man das ab dem ersten Kommentar auf der blog.de-Plattform durchzieht. Dafür muss man aber auch wissen, dass es keinen Sinn ergibt, eine reale Adresse anzugeben…

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  2. DerMaskierte schreibt:

    „Ich hätte mich ja gerne nach seinem Geschmack gerichtet, aber manchmal habe ich echt den Eindruck, dass es ihm völlig egal ist, was ich anhabe. Sein Bestreben zielt immer nur darauf hin, dass ich es wieder ausziehe.“

    Verpackung ist gut und schön, aber was zählt ist eben der Inhalt. 😀

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  3. remi1 schreibt:

    gelborange find ich gut… Ein bißchen Sonne im Winter 🙂

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  4. Richtig problematisch wird es wenn man als Mann einmal anständige Schuhe kaufen muß. Da gibt es nur Schlunz oder total überteuerten Krempel. Die Herrenschuhabteilung in den Läden ist nur ein Alibi (umfaßt nicht mehr als 20% des Gesamtangebotes). Mit Bekleidung ist es ähnlich: „modischer“ Schrott, bei dem sich schon beim Anschauen der Zahnbelag kräuselt.

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  5. Pingback: Achthundertachtundsiebzig | breakpoint

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