Kaffee und Kuchen //2737

Als Kind war ich mit meiner Familie häufig an schönen Sommersonntagen nach einem längerem Spaziergang in einem Café.

Die Bedienung nahm zunächst i.A. die Bestellung für Getränke und ggf. Eis entgegen.
Was den Kuchen betrifft, lief das anschließend meistens so ab: Meine Mutter fragte (in ihrem besten Hochdeutsch): „Was für Kuchen ham Sie, bitte?“ Die Bedienung rasselte eine Liste herunter, etwa: „Käsesahne, Schwarzwälder Kirsch, Nusssahne, Moccacreme, Erdbeerboden, ..“. In den meisten Cafés, die wir damals besuchten, lief das so ab. Getränke und Eis standen ja üblicherweise auf der Karte, aber das Kuchenangebot war tagesaktuell und konnte sich ändern.
Bei einem oder zwei der Cafés war das Procedere aber anders. Da musste man zur Theke gehen, um den vorhandenen Kuchen in einer Vitrine anzuschauen, und dem dahinter stehenden Personal seine Auswahl mitteilen. Teils bekam man dann kleine Zettel zurück, die man wiederum der Bedienung gab, wenn sie das nächste Mal an den Tisch kam. Sie nahm dann die Zettel wieder mit, und brachte später den bestellten Kuchen. Eine ziemlich umständliche und ineffiziente Vorgehensweise, die so viel Zeit kosten konnte, dass der Kaffee inzwischen kalt war, bis man seinen Kuchen bekam.
Hier in der Gegend war ich (in den präcoronaischen Zeiten) meistens in Cafés gegangen, die zu einer Bäckerei oder Konditorei gehörten, und bei denen Selbstbedienung üblich ist. Man steht kurz an, sagt dann der Bäckereiverkäuferin, was man will, kriegt sein Tablett, bezahlt, und das war’s auch schon. Schnell und unkompliziert.

Dann war ich neulich, als ich geschäftlich unterwegs war, in einem anderen Café, bei dem ich das Vorgehen ähnlich erwartet habe. Ich bestellte meinen Kaffee und Gebäck direkt an der Theke und bezahlte. Aber statt dass ich meinen Kuchen direkt auf das Tablett gestellt bekommen hätte, bedeutete mir die Verkäuferin (übrigens mit Maske und starkem Dialekt sprechend, so dass ich sie akustisch kaum verstehen konnte), dass mir der Kuchen an den Tisch gebracht werden würde.
Was soll das? Warum muss ich auf meinen Kuchen warten, für den ich doch sogar schon bezahlt habe? Ich war ja in Zeitdruck, da ich einen Zug erwischen musste. Meine Zeit würde gerade reichen, um zügig einen Kaffee zu trinken, aber nicht, um auch noch auf den Kuchen warten zu müssen. Das Stehen in der Warteschlange hatte sowieso schon mehr von meinem Zeitpuffer gekosten, als vorgesehen.
Am liebsten hätte ich die Kuchenbestellung rückgängig gemacht, entschied aber dann, dass der Aufwand nicht lohnte. Ich suchte mir einen Tisch, trank den Kaffee, bekam irgendwann den Kuchen, den ich teils herunterschlang, teilweise in die Serviette einwickelte, und eben später verzehrte, als ich auf einen Anschlusszug warten musste.

Ganz eindeutig ziehe ich Selbstbedienung vor. Das minimiert Kommunikation mit dem Personal und Wartezeiten. Aber wenn ich mich schon bedienen lassen muss, dann will ich nicht noch extra aufstehen müssen, um mir etwas auszusuchen.
Je weniger Leute an meinem Essen rumtatschen, desto besser.
Ziemlich widersinnig finde ich hybride Modelle. Bediencafé sind nur etwas, wenn ich Zeit habe.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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20 Antworten zu Kaffee und Kuchen //2737

  1. pirx1 schreibt:

    F40.1

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    • Bist du immer so schnell mit deinen Ferndiagnosen?
      Was hat mein Wunsch, zügig und ungestört einen Kaffee zu trinken, damit zu tun?

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      • pirx1 schreibt:

        Das ist keine Diagnose, sondern eine Beschreibung.

        Nicht jeder, ich möchte sogar behaupten: kaum jemand, versteht „in ein Café gehen“ als bloßen Termin zur möglichst zügigen und „ungestörten“ Kalorienaufnahme, genau so, wie kaum jemand etwa von einem Roboter, statt von einer menschlichen Pflegekraft versorgt werden möchte. „Ausgehen“, mit Freunden zusammen sein, das ist für die meisten Menschen ein willkommenes soziales Event. Und ja: Deshalb halte ich das für nerdig und soziophob. Und Nerd halte ich auch nicht für ein positives Attribut.

        Eine Zustandsbeschreibung, keine Diagnose, dazu fehlt die Erkenntnis des persönlichen Leidensdrucks (wenn auch in diesem Fall ein inverser, nach außen gerichteter vorhanden ist: Menschlicher Faktor = lästig).

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Ich bin für Bedienung.
    Gestern war das auch eine Frage bezgl. der auszuwählenden Kreuzfahrt. A la Carte oder Buffer und leger oder gehobener Dtesscode.
    Definitiv a la carte und gehobener Dresscode. Gerade dort, wo Deutsche sind, die so häufig geschmacksverirrt sind.
    Service gehört für mich zum Essen gehen dazu. Auch wenn es sich um ein Stück Kuchen handelt.
    In meinem Lieblingscafe bedienen junge Menschen mit Handicap. Bei so viel Freude an der Arbeit geht einem das Herz auf.

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  3. idgie13 schreibt:

    Das Problem hab ich nicht. Gekauften Kuchen mag ich eh nicht.

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    • Muss ja nicht unbedingt Kuchen sein. Eine Käsestange oder Pizzatasche sind auch lecker.
      Oder gehst du gar nicht in Cafés?
      Ich kenne das halt noch aus meiner Kindheit. Größere Ausflüge haben wir nie gemacht. Da waren die Cafés das Highlight unserer Freizeit, obwohl wir daheim immer auch selbstgebackenen Kuchen hatten.

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      • idgie13 schreibt:

        Mag ich auch nicht gern. Mir ist das alles zu künstlich.
        Ich geh super selten in Cafés – höchstens mal Sonntag morgens mit einer Freundin. So 3-4x im Jahr. Dann ess ich aber auch nur ein Gipfeli (so was ähnliches wie Croissant)

        Mit meinen Eltern war ich noch nie im Café, glaub ich. Dafür hatten wir kein Geld. In unserer Freizeit haben wir auf dem Feld gearbeitet. Wenn wir mal 1x im Jahr einen Ausflug gemacht haben, wurde Wurschtbrot und Wasser von daheim mitgenommen.

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    • blindfoldedwoman schreibt:

      Es gibt schon ausgewählte Cafes, gerade auf dem Land, wo Kuchen noch wie selbstgebackenen hergestellt wird. Das ganze andere Zeugs mag ich auch nicht essen

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  4. Klartexter schreibt:

    Es soll ja vorkommen, daß Leuten, nachdem sie schön gegessen haben, plötzlich einfällt, daß sie etwas ganz wichtiges zu erledigen haben. Und dann in der Eile das Bezahlen vergessen.
    Wenn das einem Cafe ein paar mal passiert, kommen die vielleicht auf die Idee, die Reihenfolge von Essen und Bezahlen zu vertauschen. Außerdem minimiert das die Diskussionen, was denn nun eigentlicht von wem bestellt wurde, was Bedienung mit schlechtem Gedächtnis (oder schlechtem Deutsch) zugute kommt bzw. deren Einstellung erst ermöglicht.

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  5. Mika schreibt:

    Eleganter machen es die Ösis, jedenfalls für meinen Geschmack. Da kommt die Bedienung mit dem Servierwagen voller Kuchen an den Tisch. Und dazu gibt es diesen wundervollen Charme. Ich liebe es.
    Aber wenn ich keine Zeit habe, will ich den Kaffee und eine Semmel aufs Tray, zahlen und fertig. Gemischte Systeme sind schwachsinnig.

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    • Ein Servierwagen mit einer großen Auswahl verschiedener Kuchen ist auch eine Möglichkeit.
      Allerdings braucht es da viel Platz zwischen den Tischen, um rangieren zu können. Nicht in allen Cafés, die ich kenne, wäre dafür genügend Platz.
      Außerdem müssten dann die Getränke dennoch separat serviert werden. Denn stilvoll wäre es ja nicht, wenn die Bedienung den Kaffee am Tisch einfach aus der Thermoskanne in die Tasse kippt.

      Genauso wie wiederholtes langes Warten (bis die Bestellung aufgenommen wird, bis das Essen gebracht wird, bis abkassiert wird), ist es ein No-Go, wenn man in einer Gaststätte zu beengt sitzen muss.

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      • Mika schreibt:

        In Salzburg war das wohl. Tisch ausgesucht, Karte war schon da. Getränkt bestellt, bei der sehr feschen Bedienung, gefragt worden, ob ich Kuchen wünsche, klar wünschte ich. Die nette junge und noch feschere Dame mit dem Servierwagen (gekühlt) kam alsbald und just als der Kuchenteller vor mir stand, kam auch schon der Kaffee. Das war die knapp 10 Euro mehr als wert.

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  6. pirx1 schreibt:

    In Italien ist es (z. B. in einer Eisdiele) absolut üblich, erst am Tresen etwas auszusuchen, dann zu bezahlen und dann die Ware mit dem Bon am Tresen abzuholen, resp. mitzunehmen oder an den Tisch gebracht zu bekommen. Immer in Kontakt mit Bedienungen.

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  7. Pingback: Kollateralbekanntschaften //2741 | breakpoint

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