Sex Confusion //2669

Es ist ja schon länger her, dass ich über die Datenbankanwendung gebloggt habe, mit der ich die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen meinen Ahnen und deren Nachkommen verwalte.

Ich hatte damals ein Problem festgestellt, wenn eine Person gemeinsame Nachkommen mit mehreren anderen Personen hat, so dass es Halbgeschwister gibt. Eine Lösung hatte ich mir bereits überlegt. Und zwar wollte ich das Datenbankfeld „NextSibling“ aufspalten in zwei Felder, je nach dem, ob die geschwisterliche Beziehung über die Mutter oder den Vater läuft, also die weibliche oder die männliche Linie. Bei normalen Geschwistern sind beide Felder dann identisch, bei Halbgeschwistern unterscheiden sie sich.
Entsprechend hatte ich die ganze Spalte in meiner Datenbank einfach mit ein bisschen SQL kopiert, und o.B.d.A. beim Original ein M und bei der Kopie ein F an den Namen angehängt.
Bei den betroffenen Datensätzen mit Halbgeschwistern machte ich dann händische Änderungen. Außerdem begann ich, die Sourcen meines Programms entsprechend umzuändern und zu erweitern. Ich wurde damit aber nicht gleich fertig. Andere, wichtigere Angelegenheiten kamen mir dazwischen, so dass ich die Anwendung erst einmal wieder zurückstellte.

Ich will nicht sagen, dass die Sache in Vergessenheit geriet, aber ich hatte andere Prioritäten, und die Programmierung ist auch nicht so unkomplex, dass man sie einfach mal ein paar Minuten dazwischen schieben kann. Dafür braucht man schon einige unfragmentierte Zeit am Stück und die nötige Muße dazu.
Diese Muße fand ich schließlich über die Feiertage wieder. Ich wollte an der Baustelle weiter machen, wo ich das letzte Mal aufgehört hatte.
Vermutlich hätte ich mir etwas mehr Zeit nehmen sollen, mir erst mal das anzuschauen, was ich bereits gemacht hatte. Das tat ich aber nicht, weil ich trotz allem als Mutter ständig damit rechnen muss, unterbrochen zu werden.

Nun ja, bei meinen Testdurchläufen zeigten sich dann ganz seltsame Phänomene. Ich will euch gar nicht lange auf die Folter spannen, sondern erzähle gleich den Clou:
Bei meiner ursprünglichen Änderung stand der Postfix M für Mother, und F für Father. Das hatte ich vergessen, und implementierte weiter in der Annahme, dass M Male und F Female bedeutet.
Nachdem ich dies entdeckt hatte, modifizierte ich meinen Code entsprechend, und danach lief der Rest glatt und funktionierte letztendlich.
Die visuelle Darstellung gefällt mir allerdings noch nicht. Aber das kann warten, bis ich wieder einmal Lust und Gelegenheit finde, daran weiterzumachen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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16 Antworten zu Sex Confusion //2669

  1. ronin schreibt:

    Ich würde ehrlich gesagt die „sibling“-Relation gar nicht modellieren, sondern die Verwandtschaft nur über die Felder für Vater und Mutter modellieren.
    Vollgeschwister von Person p1 sind dann alle p2, WHERE p1.FATHER = p2.FATHER AND p1.MOTHER = p2.MOTHER, und Halbgeschwister entsprechend mit OR statt AND.

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    • Das wäre ein anderer Ansatz, bei dem die Reihenfolge der Geschwister nicht definiert ist.
      Bisher hat jede Person ein FirstChild (ist 0 für Kinderlose), und über dessen NextSibling iterierte das Programm die Geschwister durch.

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      • ronin schreibt:

        Was war die Motivation, das so zu modellieren?
        Die Reihenfolge der Geschwister ist ja auch durch das Geburtsdatum definiert, warum muss das Datenmodell das auch widerspiegeln?
        Das soll keine Kritik an dem Ansatz sein, es würde mich nur interessieren.

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        • Die Motivation war, die wenigen Daten, die ich habe, in eine möglichst einfache Datenbankstruktur abzubilden.
          Von den meisten Verwandten habe ich gar kein Geburtsdatum, kann das also nicht nutzen. Außerdem musste ich alle Daten (ursprünglich über 100 Records, inzwischen rund 250) selbst manuell, also ohne unterstützende und ggf. validierende Bedienoberfläche eingeben. Da sollte das Modell auch kompakt gehalten sein.
          Als Vorbild genommen habe ich die API-Funktionen für die Zugriffe aufs Dateisystem, das ja auch verschachtelt ist, und jedes Verzeichnis eine variable Anzahl an Dateien enthalten kann. Eine Datei hat halt nur ein Parent-Directory, aber sonst ist die hierarchische Struktur ähnlich aufgebaut.
          Sh. auch https://breakpt.wordpress.com/2020/06/12/anne-nuehm-and-the-half-blood-record-2396/

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    • Gibt’s in meiner Verwandtschaft meines Wissens nicht, allerdings einige Nachkommen von {Ur}großeltern, deren Geschlecht ich gar nicht kenne.
      Ist auch irrelevant, da es in meiner DB vor allem darum geht, wer Mutter oder Vater ist, während „diverse“ Personen, sich ja gerade nicht fortpflanzen können.

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      • keloph schreibt:

        biologisch sollte die fortpflanzung bei diverse möglich sein, oder? im zweifelsfall geht ja auch noch adoption. will aber jetzt nicht verkomplizieren 😉

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        • Für geschlechtliche Fortpflanzung ist es eine notwendige Bedingung, dass eine weibliche Keimzelle (Eizelle) mit einer männlichen (Spermium) zusammentreffen.
          „Diverse“ Keimzellen kommen da nicht vor. Es gibt keine weiteren Geschlechter, und nur sehr selten etwas dazwischen (so wie es auch Leute mit sechs Fingern an einer Hand gibt).
          Meines Wissens gibt es bei Menschen keine echten Hermaphroditen, die also sowohl funktionsfähige männliche als auch weibliche Keimzellen ausbilden.
          Aber selbst wenn, dann wäre auch diese Person, je nach dem Geschlecht der anderen Person, entweder die Mutter oder der Vater, nichts Drittes. Lässt man meinetwegen auch noch Selbstbefruchtung zu, dann halt beides.
          Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft darf man IMHO durchaus ausschließen, dass menschliche Diverse sich per Parthenogenese oder Mitose klonen.
          Kurz gesagt: Wer sich fortpflanzt, kann nicht „divers“ sein, sondern nur entweder weiblich oder männlich.

          Adoption ist ein rechtliches Thema, das mich im Zusammenhang mit Blutsverwandtschaft nicht interessiert.

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          • keloph schreibt:

            diverse ist nach meinem dafürhalten eher keine biologisch unterschiedende gruppe, sondern eher kopfgetrieben. aber da mag ich falsch liegen. alles gut 😉

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            • Sie dürfen sich nennen, wie sie wollen. Fortpflanzen können sie sich nur entweder als Mann oder als Frau.

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            • keloph schreibt:

              am ende ist es im realen leben binär. korrekt 😉

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            • Plietsche Jung schreibt:

              Genau so ist es. Niemand entkommt seiner Genetik, egal wie verirrt manche in ihrem Kopf sind.

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            • Man darf schon froh sein, dass manche Leute sich gar nicht erst fortpflanzen, und dankbar für deren nicht-geborene Kinder.

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            • pirx1 schreibt:

              Das führt weit vom Thema, weil für eine genealogische Datenbank kaum relevant, aber wenn schon solche kühnen und simplen Statements in den Raum gestellt werden: Welche „eindeutigen genetischen Einordnungskriterien“ gelten denn dann bei Aneuploidie oder Mosaik? Doch wieder die des bloßen Erscheinungsbildes?

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            • keloph schreibt:

              naklar führt das vom thema weg, ich wollte doch diskussion in gang bringen. die von dir benannten „spielarten“ kenne ich nicht aber grundsätzlich gehören eizelle und samen zum vererben beim menschen. und das macht es meistenteils einfach, wenn auch optisch manchmal nicht nachvollziehbar.

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            • pirx1 schreibt:

              Ich begrüße jede ernsthafte Diskussion.

              Zur Begriffserläuterung:

              Mosaike sind Individuen, deren Zellen (im gleichen Organismus) unterschiedliche (u.U. auch geschlechtsspezifische) Chromosomensätze aufweisen.

              Aneuploidie ist eine Abweichung vom häufigsten und damit „normalen“ Chromosomenmuster. Auf die als geschlechtsspezifisch bezeichneten Chromosomen bezogen gibt es unterschiedlichste Spielarten vom Turner-Syndrom mit nur einem X-Chromosom über triple- oder Poly-X und Klinefelter mit multipel-X+Y Konfiguration bis zum XYY-Syndrom.

              Träger solcher Chromosomenaberrationen, die unterschiedlich häufig sind, können je nach Konstellation die gesamte klinische Palette von völliger Symptomfreiheit und Fortpflanzungsfähigkeit bis zu schwersten körperlichen Defiziten aufweisen.

              Davon unabhängig gibt es die gesamte Palette körperlicher geschlechtsspezifischer Variationen hormoneller, gonadaler und anatomischer Art von der „Jahrmarktattraktion“ der „Frau mit Vollbart“ bis zum komplett uneindeutigen Phänotyp und jede Kombination aus diesen genetischen und somatischen Aberrationen.

              Man kann sich mit nur wenig Phantasie leicht vorstellen, dass für die Betroffenen die Zuordnung zu einem der beiden per Konvention aufgrund von Häufigkeitsverteilung festgelegten binären Geschlechter durchaus schwierig sein kann, dem Wunsch nach „Normalität“ entsprechend dennoch oft gewählt wird, was den Leidensdruck aber nicht zwangsläufig verringert.

              Kurz und gut: so biologisch binär, wie es vordergründig scheint, ist unsere Welt doch nicht? Oder um Magritte aufzugreifen: „Was mir begegnet, ist ein Individuum, das den Eindruck einer Frau oder eines Mannes erweckt.“

              Verkompliziert und völlig von jeder Konvention weg bewegt sich die Debatte, wenn wir weitere, psychische, gesellschaftspolitische und juristische Aspekte einbeziehen. Nach welcher Tabelle berechnen wir etwa Lebensversicherungsrisiken für Diverse? Ebenso haben wir z. B. keine durchgängig geschlechtsneutrale Gesetzgebung. Männer können so wegen Exhibitionismus nach §183 StGB verurteilt werden, Frauen nicht. Mutter eines Kindes ist nach §1591 BGB die Frau, die ein Kind geboren hat. Gleichzeitig haben wir juristisch eine Wahlmöglichkeit bezgl. der Geschlechtszugehörigkeit geschaffen. Gerichte beschäftigten sich entsprechend in jüngerer Vergangenheit mit der Frage, ob ein transsexuelles Individuum als Mutter eines Kindes eingetragen werden kann, obwohl es als Mann „gelesen“ werden will (es kann). Ebenso darf man sich kritisch fragen, ob sich die Verurteilung nach §183 StGB einfach dadurch umgehen lässt, dass man einfach (aus Opportunitätsgründen) sein gesetzlich festgelegtes Geschlecht ändert.

              So mag die binär angelegte Zeugungsfähigkeit fernab jeder Romantik vielen gerne als „letztes Bollwerk der eindeutigen Geschlechtszuordnung“ dienen: Wer die Samenzelle liefert, der ist dann eben ein Mann und wer die Eizelle liefert, der ist die Frau. Ohne zu sehr ausufern zu wollen werden die Begriffe „natürliche Fortpflanzung“ und „Fortpflanzungsfähigkeit“ aber spätestens über die Möglichkeiten der in vitro Befruchtung und selektiven Entnahme von Erbinformationen aus Keimzellen doch auch immer mehr aufgeweicht. Was also einst so eindeutig binär schien und natürlich (erfreulicherweise) immer noch am weitaus häufigsten stattfindet, das könnte irgendwann in nicht all zu ferner Zukunft oder sogar jetzt schon gar nicht mehr so eindeutig sein.

              Aber für genealogische Forschungen sind diese ganzen Aspekte aktuell tatsächlich nahezu bedeutungslos und wenn, dann werden die Schöpfer der in großem Ausmaß verfügbaren Standardsoftware zu diesem Thema das sicher rasch aufgreifen und ihre Produkte entsprechend anpassen.

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