Vorgestellt (1 bis 4) //1727

Inzwischen habe ich ein paar Vorstellungsgespräche für die Sekretärinnenstelle geführt, aber bisher war keine geeignete Bewerberin dabei.

Kandidatin 1 erschien hier mit grell unnatürlich gefärbten Haaren. Wäre das aus ihren Bewerbungsunterlagen hervorgegangen, hätte ich sie gar nicht erst eingeladen. Aber auf dem Bewerbungsfoto hatte sie ganz normal ausgesehen.
Wir sind hier ein seriöses, traditionelles Unternehmen. Die Vorzimmerdamen müssen zumindest so repräsentabel aussehen, dass sie auch sehr konservative Kunden empfangen können.
Außerdem ist so eine bunte Haartracht Indiz für eine Mentalität, die nicht zu unserem Unternehmen passt.
Das Vorstellungsgespräch dauerte entsprechend kaum eine Viertelstunde, bevor ich die Kandidatin höflich loswerden konnte.

Kandidatin 2 hatte zumindest auf den ersten Blick einen ganz guten Eindruck gemacht. Aber im Laufe des Gesprächs erklärte sie immer wieder, dass sie den Job braucht, weil sie eine neue Wohnung hat, und außerdem Schulden, und was weiß ich.
Es ist mir schon klar, dass die Einkünfte für die Lebenshaltungskosten benötigt werden. Sonst würde sie ja wohl kaum erwerbstätig sein wollen. Darüberhinaus interessiert es mich überhaupt nicht, wofür sie ihr Geld ausgibt. Ihre privaten Ausgaben sind für mich kein Argument. Mein Interesse gilt, inwieweit sie für die Firma geeignet ist, und die ihr zugewiesenen Aufgaben ordentlich und zuverlässig erledigen kann.
Ich muss von ihrem Sermon wohl etwas unangenehm berührt reagiert haben, denn sie fing fast an zu weinen, und jammerte erneut, dass sie doch diesen Job so dringend und unbedingt brauche.
Wir allerdings brauchen hier keine Heulsuse, und so sah ich zu, dass ich sie möglichst schnell verabschiedete.

Kandidatin 3 verströmte einen aufdringlichen Parfum-Geruch, hatte eine irritierend schrille Stimme, und war mir auch sonst unsympathisch.

Bei Kandidatin 4 muss ich in den Unterlagen übersehen haben, dass sie doch noch recht jung für so eine Stelle ist.
Wir suchen eine Sekretärin mit längerer Berufserfahrung. Sie muss auch in der Lage sein, gegenüber den beiden anderen Vorzimmerdamen souverän aufzutreten, und bei ihnen auch manchmal unangenehme Angelegenheiten durchsetzen. Das wird sehr erschwert, wenn sie deutlich jünger ist. Die Kandidatin machte auch teilweise einen unsicheren Eindruck, so dass ich Zweifel an ihrer Eignung bekam. Schließlich muss sie ja auch mit einem doch recht strengen und anspruchvollen Chef zurechtkommen.
Was aber noch schwerer wiegt, ist das Risiko, dass sie dann gerade zur Unzeit schwanger wird, und wir wieder auf unbestimmte Zeit ohne Sekretärin darstehen. Bei einer Endzwanzigerin, die durchaus sympathisch wirkt, ist dies vermutlich nur eine Frage der Zeit.
Immerhin ließ ich ihr noch nicht endgültig absagen. Falls sich sonst gar keine andere passende Bewerberin findet, könnten wir eventuell noch auf sie zurückgreifen.

Ein paar weitere Kandidatinnen stehen noch aus. Hoffentlich ist eine geeignete dabei.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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30 Antworten zu Vorgestellt (1 bis 4) //1727

  1. keloph schreibt:

    nüchtern analysiert, und die angewendeten kriterien wären an meinen ganz nah dran, soweit beschrieben. viel erfolg noch

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  2. ittagebuch schreibt:

    Ja, wenn man irgendwann mal auf der anderen Seite am Bewerbungstisch sitzt fragt man sich schon, was im Kopf von den Bewerbern so vor sich gehen muss. Kann doch eigentlich nicht so schwer sein, sich ruhig und angemessen „vorzustellen“. Und private Probleme gehören ja gerade NICHT in ein Vorstellungsgespräch. Aber Menschen sind eben wie sie sind. Sie dürfen sich dann nur nicht übers Feedback ( oder eben einfach kein Feedback ) wundern.

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  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Also hier hättest Du sicher 50-60 Bewerber.

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  4. RAID schreibt:

    Was ist mit homosexuellen Frauen Ende 20?

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  5. Plietsche Jung schreibt:

    Okay. Next.

    FIFO. Irgendwann passt es schon.

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