Dreizehnhundertzwei

Jeder hat mal Probleme – sei es beruflich, privat, gesundheitlich, oder was auch immer – und ist dann schecht drauf. Das kann vorübergehend sein, oder auch länger andauern.
Wer bloggt, hat die Option, seine Probleme dort zu thematisieren, und mit seinen Lesern zu diskutieren.
Wenn es jemandem wirklich schlecht geht, kann es schwer sein, zu wissen, was man ihm am besten sagt.
Mir persönlich wäre etwas Trost oder Aufmunterung am liebsten, bzw. der Zuspruch, dass ich das schon schaffen und durchstehen werde, und auch wieder bessere Zeiten kommen.
Aber jetzt habe ich schon mehrfach gelesen, dass das bei manchen Personen eben gerade nicht erwünscht ist. Nachvollziehen kann ich das nicht.

Dass gutgemeinte Ratschläge ein zweischneidiges Schwert sind, ist schon klar. Ich würde es aber sicherlich niemandem übelnehmen, der einen Lösungsvorschlag macht, denn es zeigt zumindest guten Willen, Anteilnahme, Mitgefühl, und Unterstützungsbemühen, selbst wenn es im Endeffekt nicht hilfreich ist.
Wenn mich dagegen jemand (den ich nicht wirklich gut kenne) fragen würde, wie er mir helfen kann, wäre mir das unangenehm, und ich würde die Frage eventuell sogar als übergriffig empfinden. Vermutlich würde mir nichts geeignetes einfallen, und eine Ablehnung könnte undankbar wirken. Aber selbst, wenn doch, fände ich es vermessen, einen Gefallen, der Zeit, Anstrengung, Kosten oder sonstigen Aufwand verursacht, von jemandem zu verlangen, mit dem ich sonst nicht näher zu tun habe. Mit solch einer Frage würde man mich also eher in Verlegenheit bringen.
Ebenso würde ich niemandem meine Hilfe aufdrängen, höchstens anbieten, sofern ich es für angebracht halte.

Falls ich wirklich mal in ein tiefes Loch fallen sollte, wünsche ich mir keine Beschwichtigungen oder Dämpfungen, die in die Richtung „ist ja alles gut, du musst ja gar nichts machen“ gehen, sondern eher eine kräftige Aufforderung, meinen inneren Schweinehund gefälligst zu überwinden, und aus dem Loch wieder herauszukletterrn.

Mit irgendwelchen nichtssagenden Worten kann ich persönlich nichts anfangen. Wie gesagt, ein wenig Aufmunterung, Mutmachen, Trost oder Zuspruch wären willkommen, aber keine leeren Floskeln, die nur den Status quo betonen, ohne eine Perspektive aufzuzeigen, oder bestehende negativen Gefühle lediglich bestätigen oder gar bestärken.
Völlig daneben ist es, über einen Sündenbock herzuziehen, statt die tatsächlichen Ursachen zu suchen. Das bringt niemanden weiter.

Eine Möglichkeit wäre es natürlich noch, schlicht die Probleme zu ignorieren, und gar nichts zu machen. Aber wenn man sonst ein gutes Verhältnis zu dieser Person hat, und öfter kommuniziert, möchte man vielleicht durchaus seine Anteilnahme und Sorge ausdrücken.

Naja, das ist meine Sicht. Ich habe aber schon oft merken müssen, dass mein Empfinden als Nerd sich nicht unbedingt mit dem vieler anderer Personen deckt.
Deshalb frage ich einfach mal – ohne konkreten Anlass – in die Runde, wie ihr den Umgang mit unglücklichen Menschen handhabt, bzw. welches Verhalten ihr euch von eurer Umgebung wünscht, wenn es euch schlecht geht.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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33 Antworten zu Dreizehnhundertzwei

  1. baerlinerinn schreibt:

    …ui. Total unterschiedlich, von Situation zu Situation. Wenn ich unglücklich bin, brauche ich erst einmal kurze, trostspendende Worte. Unglaubwürdig ist dabei, dass alle anderen doof seien… besser ist, der Trostspender hebt hervor, wie stark ich immer bin und dass ich auch diesen Tiefschlag meistern werde. … Eine kurze Anerkennung der Situation erwartete ich von JEDEM. Freund, wie Feind. Aber gar nichts zu sagen, keine kurze tröstende Geste oder aber einen Satz, DAS geht gar nicht. Vielleicht tut sich derjenige nur schwer mit seiner Gefühlswelt, doch egal, so jemand ist bei mir unten durch. Für immer. … Mir fällt gerade nicht mehr die Situation ein, aber einmal wollten mich Kollegen trösten und ich stiess sie eher weg. Will sagen, ich mag nicht von jedem umarmt und getröstet werden. Manchmal muss man Sachen ganz allein mit sich selbst austragen. Einen goldenen Weg kann ich also nicht einmal bei mir selbst ausmachen. :-/ 😉 – Auf zwischenmenschlicher Ebene bin ich sehr empfänglich für Traurigkeit, die mir begegnet. Ist jemand anders als sonst, versuche ich ihn aufzumuntern. Erstmal nur mit Floskeln, bei Interessenbekundung gern mit einem langen Gespräch und offenen Ohr zum Bewerten und Meistern der Situation. Aber Nähe, körperliche Nähe kann ich nur in wenigen Fällen spenden. Ich streichel nur in schweren Fällen kurz über Hand oder Arm oder drücke kurz fest. Anders bei Freude. Da kann ich gar nicht lang und fest genug zudrücken… 😉

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    • Ja, das hängt wohl sehr von der individuellen Person ab.
      Bei Leuten, die man IRL näher kennt, kann man es wohl besser abschätzen, welche Art Reaktion sie von einem erwarten.

      Um das Thema nicht noch komplexer zu machen, als es ohnehin ist, möchte ich die Diskussion eigentlich beschränken auf Blogger (bzw. eher flüchtige Bekannte).

      Ein simples „Kopf hoch!“ oder „Das stehst du durch“ ist in vielen Fällen eine – meines Erachtens – gute Reaktion, auch ein trauriger Smiley.
      Mit dem Drücken oder so hab‘ ich es nicht so. Das ist für wirklich nahestehende Personen reserviert.

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      • aliasnimue schreibt:

        Ein „Kopf hoch!“ oder „Das stehst du durch“ würde ich als alleinigen Kommentar eher weniger hilfreich finden. Zu sehr ist es Floskel. Da sollte es schon etwas persönlicher sein. Lösungsvorschläge sind immer willkommen. Ich denke, wichtig ist allgemein Empathie.

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  2. Peter schreibt:

    Das kann immer nur individuell sein, da wir nun mal alle unterschiedlich ticken.

    Depressiven zu sagen, „reiß dich mal zusammen“, wird wohl eher suboptimal sein (und selten funktionieren).

    Frohnaturen, die mal in ein Loch gefallen sind, würde ich „Türen zeigen“, durchgehen muss da jeder selbst.

    Ansonsten Lösungsorientiert, statt Problemorientiert agieren, was auch über verbalen Trost hinausgehen gehen kann – aber eben alles, wie erwähnt, individuell.

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    • Lösungsorientierung ist sicherlich ein besserer Ansatz, als sich nur immer weiter in das Problem reinzusteigern.

      Mit Leuten, denen es am Willen fehlt, ihre Situation zu ändern, und die sich lieber in ihrem eigenen Unglück suhlen, kann ich persönlich nichts anfangen.
      Da würde ich mich tendenziell wohl eher zurückziehen.

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  3. claudius2016 schreibt:

    Hilfe anbieten heißt für mich erstmal zu fragen, ob und wie ich helfen kann. Wenn ich die Person näher (ganz nahe) kenne, zeige ich Wege auf, Einrichtungen, Gesprächskreise, Selbsthilfegruppen oder ähnliches. Wenn ich die Person nicht nahe kenne, würde ich nicht über Allgemeines hinaus gehen.

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    • Bei gut bekannten Personen ist es sicher hilfreich, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, und die Person bei der Umsetzung zu unterstützen.

      Aber wenn man jemanden nur flüchtig kennt, empfinde ich so ein Vorgehen nicht als sinnvoll. Man weiß dann meist auch nicht die Hintergründe und Einzelheiten.

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  4. Sci Fanboi schreibt:

    Zuhören, präsent sein, in den Arm nehmen. Ersteinmal keine „tu dies, tu das“-Ratschläge geben.
    So halte ich es bei Freunden, und so wünsche ich es eigentlich auch für mich.
    Manchmal muß man sich einfach mal was von der Seele reden, schnellgeschossene Ratschläge (mögen sie noch so rational und sinnvoll sein) verhindern das aber.

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  5. Molly L. schreibt:

    Schwierig, schwierig, da ist jeder anders. Ich freue mich über Nachfragen, weil die für mich Interesse signalisieren.
    Mit Sätzen wie „Jetzt nimm Dich doch mal zusammen!“ erreicht man bei mir nichts Gutes, darauf folgt entweder erst recht ein Verkriechen oder aber ich werde bockig.

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  6. sevens2 schreibt:

    An der Tür klingeln. Kurzer Blickkontakt, leichtes Nicken, ein leichtes Lächeln bei leicht hochgezogener Augenbraue rechts (was irgendetwas in der Art von Verachtung für die Umstände zum Ausdruck bringt), Pizzakarton übergeben, unter Umständen einmal seitlich gegen die Schulter klopfen.

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  7. sevens2 schreibt:

    Hoffnung, Sicherheit, Zuwendung, Anerkennung (ihrer selbst), Verbesserung (ihrer selbst), Lösung. In etwa das wollen Menschen. Stellt sich noch die Frage, worin man als individueller „Beistehender“ gut ist (Ansatz: welche Eigenschaften schätzt die „Problemperson“ an einem).

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  8. Dieter schreibt:

    Interessante Fragen und Gedanken, die ebenso individuell zu handhaben sind, wie die Personen die es betrifft bzw. die Nähe zu ihnen.

    Ich lasse mich meistens einfach von meinen Bauchgefühlen leiten und nehme vor allem irgendwelche negativen Äußerungen dieser Personen nicht persönlich.

    Ein gewisser Ruhepol sein, auch wenn es nur virtuell ist, kann schon etwas helfen.

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    • Ein standardisiertes Vorgehen gibt es wohl nicht, und man muss sich auf die betreffende Person einstellen.

      Vielleicht ist es bei Personen, die man nicht gut genug kennt, um sie diesbezüglich einschätzen zu können, besser, wenn man sich eher zurückhält, als sie durch ein falsches Wort eventuell noch weiter zu verletzen.

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  9. sevens2 schreibt:

    „Deshalb frage ich einfach mal – ohne konkreten Anlass – in die Runde, wie ihr den Umgang mit unglücklichen Menschen handhabt, bzw. welches Verhalten ihr euch von eurer Umgebung wünscht, wenn es euch schlecht geht.“

    Hat-tip, Anne: Pflegemoniale Männlichkeit. Hast du immer noch kein Handbuch geschrieben?

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  10. ednong schreibt:

    Sehr unterschiedlich kann es auch von der jeweiligen Person aufgefaßt werden – je nachdem, in welcher Situation sie sich befindet.

    Um richtig reagieren zu können, braucht es meiner Meinung nach viel Fingerspitzengefühl und reichlich Erfahrung. Und auch dann klappt es nicht immer mit der richtigen Ansprache.

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