Zwölfhundertvier

Wie ich es Carsten versprochen hatte (und nur deshalb) nahm ich am Gespräch mit der angekündigten Unternehmensberaterin teil.
Ich versuchte, just-in-time den vorgesehenen Raum zu erreichen. Carsten’s Stellvertreter und sein Assistent waren bereits anwesend. Kurz darauf erschien Carsten in Begleitung seiner Sekretärin und einer mir bis dato unbekannten Frau im Business-Anzug und mit hochgesteckten Haaren.
Die Sekretärin verschwandt gleich wieder, mit dem Auftrag, Getränke für alle zu bringen.
Carsten übernahm die Vorstellung. Wie meistens stellte er mich nur als „Frau Nühm“ vor – also ohne jede Information, warum ich anwesend bin, oder welche Funktion ich ausübe. Aber das ist mir meist ganz recht so.
Wir setzten uns um den Besprechungstisch. Da ich neben dem Stellvertreter und gegenüber dem Assistenten saß, hatte ich keine Gelegenheit, unter dem Tisch mit Carsten zu physeln (was ihm vermutlich ganz recht war).
Das Gespräch zog sich hin. Für betriebswirtschaftliche Details habe ich kein Gedächtnis, und auch keinerlei Anlass, dies hier detailliert auszubreiten.
Es ist halt immer wieder das gleiche mit diesen Unternehmensberatern. Die planen einfach viel zu kurzfristig, haben nur ihre Provision im Sinn, und das langfristige Wohl des Unternehmens (einschließlich seiner Belegschaft) ist ihnen gleichgültig. Die Auswirkungen und Folgen ihrer Vorschläge nicht zu bedenken, scheint intrinsisch im Gehirn von Unternehmensberatern verankert zu sein.
Nach allem, was wir so gehört haben, wird sie wohl keinen Vertrag bekommen. Aber das ist noch nicht endgültig entschieden.

Abends unterhielt ich mich noch ein wenig mit Carsten über das Gespräch (wobei unsere Interaktion diesmal nicht auf physeln beschränkt war).
Irgendwann entfuhr Carsten die – wohl nur rhetorisch gemeinte – Frage, warum so viele Geschäftsfrauen solche Hosenanzüge tragen.
Trotzdem fühlte ich mich bemüßigt, meine paar Cents hinzuzugeben: „Ich glaube, die wollen dadurch demonstrieren, dass sie mit Männern mithalten können, und dass sie männliche Verhaltensweisen adaptiert haben, oder zumindest emulieren können.“
„Und du?“, fragte er ein wenig zu süffisant, aber ich ließ mich nicht provozieren.
„Ich?“, fragte ich schulterzuckend zurück, und erklärte das Offensichtliche, „ich bin auch im Minirock kompetent und professionell.“

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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24 Antworten zu Zwölfhundertvier

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Es lebe die Emanzipation.
    … und die Hosenanzüge ….

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  2. Molly L. schreibt:

    Was habt Ihr denn mit Hosenanzügen? Ich sehe in dem einen, den ich habe, mega-gut und rattenscharf aus äh!
    Äh.
    Falls er noch passt, meine ich, #GekauftbevorichKinderhatte

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    • Wer weiß, ob du mit Rock statt Hose nicht noch viel mega-besser und rattenschärfer aussehen würdest.

      Es ist halt auffällig, wie verbreitet die Dinger im Geschäftsleben sind, und die meisten Trägerinnen sehen damit eben nicht mega-positiv aus, sondern eher .. naja .. 🙄

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      • Molly L. schreibt:

        Nee. Äh, ehrlich gesagt: Keine Ahnung, was mit anderen Menschen ist.
        Ich ziehe bei Vorstellungsgesprächen IMMER eine Hose an.
        Warum?
        Weil ich ehrlich gesagt gar keinen gescheiten Rock für so eine Situation habe!
        Gängige Kostüme stehen mir vom Schnitt her nicht und ich kann mir ehrlich gesagt keinen anderen Rock vorstellen, der dem Anlaß entsprechen würde.
        Hosen dagegen sind einfach praktischer, weil einfach alles an Oberteilen und Jacken dazu passt.
        Privat trage ich gerne Röcke und Kleider. Aber Arbeit ist Arbeit. Nichts gegen natürliche Sexyness, aber da steht für mich ein „ordentliches“ Aussehen im Vordergrund. Und mit meiner Eieruhrfigur sehe ich auch im Kartoffelsack weiblich aus, 😉

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        • Molly, es gibt Läden, in denen man Röcke kaufen kann. Mit etwas Geschick kann man sie sich auch selbst nähen (lassen).

          Was an Hosen praktisch sein soll, erschließt sich mir nicht.

          Wieso Röcke privat, aber nicht beruflich?

          Und mit meiner Eieruhrfigur sehe ich auch im Kartoffelsack weiblich aus

          Ja, und wenn schon?
          Mit Hose siehst du (also vermutlich, ich kenne dich ja nicht) auch weiblich aus.

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          • Molly L. schreibt:

            Ich und nähen? 😀
            Ich und nähen lassen? Da überschätzt Du unsere Finanzen!
            Klar sind Hosen praktisch: Egal, ob langes oder kurzes Oberteil, egal, welcher Stoff, zu einer einfachen Hose passt einfach alles.
            Ich hätte ja nichts gegen berufliche Röcke, aber mir sind kaum welche begegnet, die mir stehen UND „seriös“ sind. Ich mag darin toll aussehen, wie nur was, aber ich würde nie im Minirock zur Arbeit gehen!
            Einige lange Röcke können OK sein, aber da kommt es immer aufs Metier an, es gibt ja schließlich auch fast immer einen ungeschriebenen Dresscode.

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            • Wie kann etwas praktisch sein, das du bei jedem Toilettengang erst umständlich öffnen und herunterschieben musst?
              Im Winter mag das ja noch akzeptabel sein, aber im Sommer?

              Du scheinst einen Konflikt zu sehen zwischen Seriosität und „ordentlichem“ Aussehen einerseits, und „Sexyness“ bzw. Sanduhrfigur andererseits.
              Löse dich von diesem binären Denken!

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            • Molly L. schreibt:

              Na ja: Lange Röcke sind da noch umständlicher, vor allem, wenn sie leicht knittern.
              Konflikt zwischen Seriösität und Sexyness?
              Jein.
              Klar kann man seriöse UNd sexy sein, kein Problem. Nur finde ich, dass man Grenzen beachten sollte. Ich würde zB eine Bankangestellte im Minirock genauso wenig ernst nehmen, wie einen Bankangestellten um ärmellosen Muscle-Shirt.

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            • Von langen Röcken war überhaupt nicht die Rede. Gerade für ein Vorstellungsgespräch erscheinen mir die auch nicht angemessen.
              Beschränken wir uns mal auf Knielänge plusminus maximal zwei Handbreit (je nach Jahreszeit).

              Nach meiner langjährigen Erfahrung (schließlich habe ich auch schon etliche Vorstellungsgespräche zur Kunden-Akquise geführt) in Tech-Branchen ist eine unaufdringlich-betonte Weiblichkeit den potentiellen Auftraggebern wesentlich angenehmer als eine u.a. durch das Tragen von Hosen zur Schau getragene optische Angleichung an Männer.

              Banken haben ihren eigenen, sehr strengen Dresscode. Das kann man übertrieben finden, ist aber so.

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            • Molly L. schreibt:

              Ich finde Deine/Eure Interpretation sehr interessant. Und witzig. Mir wäre es nie in den Sinn gekommen, mich durch Kleidung Männern angleichen zu wollen, weder bei Bewerbungsgespächen, noch sonst wo. Ich trage, was mir gefällt und worin ich mich – je nach Anlaß – sexy, selbstsicher, schön, „seriös“ usw. fühle.

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            • Wenn die Kleidungswahl wirklich eher willkürlich und nach Lust und Laune (und natürlich dennoch dem Anlass angemessen) erfolgen würde, müsste man eigentlich deutlich mehr Röcke sehen.
              Aber faktisch sind es – zumindest in solchen Situationen – weit überwiegend Hosen. Der bewusste Wunsch nach Angleichung muss ja nicht einmal dahinter stehen. Das Unterbewusstsein hat dabei wohl einen größeren Einfluss.
              Und da habe ich schon den Eindruck, dass viele Frauen ihre feminine Ausstrahlung verbergen wollen. Wenn ich böse wäre, würde ich sogar sagen, dass

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  3. Leser schreibt:

    Diese kurzfristige Denke von Unternehmensberatern mag dem Umstand geschuldet sein, dass viele Unternehmen an der Börse sind, und da zählen eben immer nur die nächsten Quartalsergebnisse, oder so ähnlich.
    Aber ich frage mich: Kann man das einem Unternehmensberater nicht sagen, dass er hier bitte längerfristig denken und handeln soll? Oder, kann man ihm nicht direkt sagen „aber wenn wir das soundso machen, dann ist nach xyz dann diesunddas los, und das wäre schlecht“ oder ähnliches? Wie reagiert so ein Unternehmensberater darauf? Sagt der dann „ja, dann kümmern wir uns darum, wenn es denn soweit ist“? Und, warum gibt es trotz der vielen BWLer in dem Bereich trotzdem noch so viele erfolgreiche Großkonzerne? Die müssten ja eigentlich alle nach und nach auf immer tönerneren Beinen stehen und irgendwann zusammenbrechen, oder irgendsowas…?
    All das ergibt für mich keinen Sinn. (Wie gut, dass ich damit nichts zu tun habe)
    Diese Frage bezieht sich nicht auf diese eine Unternehmensberaterin, sondern ist eher genereller Natur.

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    • Das ist eine Frage der Einstellung.
      Wenn man dem Berater sagt, dass man auf langfristige Erfolge wert legt, wird der einem freilich erst mal nach dem Mund reden.
      Später ist ihm aber dann doch seine Provision wichtiger, und er empfiehlt das, was ihm einen schnellen Profit verspricht.
      Da ist es zweckmäßiger, ihn gleich selsbt reden zu lassen, um schneller herauszufinden, wie er das handhabt, und nicht erst, wenn er den Vertrag bereits in der Tasche hat.

      Außerdem ist es die Aufgabe eines guten Beraters (wofür er schließlich fürstlich bezahlt wird) selbst herauszufinden, was das Beste (im Sinne der Erwartungen der Auftraggeber) für das Unternehmen ist.

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      • Leser schreibt:

        Hmm, dann muss im Vertrag eben eindeutig festgehalten werden, dass die Provision des Beraters für langfristige Handlungen und Erfolge gezahlt wird, nicht für kurzfristige. Wenn das bedeutet, dass der Berater so lange auf seine Zahlung warten muss, dann kann man ja entsprechende Projektionszahlen als Grundlage der Provision nehmen, und z.B. vor/nach der Beratungsleistung miteinander vergleichen.

        Ich habe auch gerade an anderer Stelle gelesen, dass Berater eines gewissen Unternehmens ziemlich weit verbreitet als „Accidenture“ bezeichnet werden. Wer das als Berater selbst weiß, und immer noch so einen miserablen Job macht, der braucht ein gehörig Maß an kognitiver Dissonanz!

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        • Der Vorteil von solchen Beratern ist gerade, dass man sich nicht lange vertraglich an sie bindet (sonst kann man gleich jemanden fest einstellen).
          Nach Abschluss der vertraglich vereinbarten Leistung will man solche Leute eventuell schnellstmöglich loswerden. Das geht nicht, wenn man die Abrechnung (selbst wenn es vorher schon Zahlungen gäbe) weit in die Zukunft schiebt.

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  4. Jezek1 schreibt:

    Ich denke gerade drüber nach warum das Teil „Hosen-Anzug“ heißt?

    Was ist die Alternative? Rock-Anzug? Mini-Anzug?, Maxi-Anzug?

    Und trage ich als Mann nicht jeden Tag einen Hosen-Anzug? Und wenn ich sage, ich habe heute einen Anzug an, bin ich dann untenrum nur in der Unterhose unterwegs?

    Und was ist dann mit Hose und Jacket?

    Hier ist ein grundsätzlicher Diskurs notwendig, finde ich!

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    • Leser schreibt:

      Ich finde, Du solltest sagen, dass Du im Anzug unterwegs bist, und dann einen Schottenrock tragen (meinetwegen sogar echt Stilbrechend mit Unterhose). Und dann die Reaktionen filmen 😉

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    • Tja, wie sich die Sprache entwickelt, ist so eine Sache.
      Andere Sprachen verfolgen teilweise eine ganz andere Philosophie.

      Im Deutschen ist es eben so, dass die passende Kombination von Hose und Jacke für Männer Anzug heißt, für Frauen Hosenanzug.
      Die Kombination von Rock und Jacke nur für Frauen heißt Kostüm, und gibt es AFAIK für Männer nicht.

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  5. ednong schreibt:

    „Wenn ich böse wäre, würde ich sogar sagen, dass“
    Da wüßte ich doch zu gerne noch die Fortsetzung von …

    Haha, und Jezak1 hat das aufgegriffen, worüber ich auch schon anfing, nachzudenken: Warum heißt das bei Frauen Hosen-Anzug, wenn es bei Männern nur Anzug heißt?

    Mini-Anzug 😉 Und ist der Rock länger, ist der Ausschnitt dafür umso größer?

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    • Also weil du’s bist, und zur Feier des Tages die Fortsetzung des Satzes:
      „dass diese Art von Frauen überhaupt keine weibliche Ausstrahlung haben.“

      Bei Frauen war früher mal Kostüm der Default. Das Ersetzen von Rock durch Hose hätte man zwar einfach auch Anzug nennen können (wie z.B. im Französischen üblich) . Man hat aber aus mir unbekannten Gründen Hosen-Anzug daraus gemacht.

      Eine Korrelation zwischen Rocklänge und Ausschnitt ist mir nicht bekannt.

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  6. Pingback: Vierzehnhunderteins | breakpoint

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