Elfhundertsiebenundneunzig

Schon seit langem sucht Carsten einen guten Unternehmensberater. Jetzt fragt mich nicht, warum. Keine Ahnung, was er sich davon verspricht.
Alle paar Wochen mal kommt ein anderer her, um sich in einem Gespräch vorzustellen. Aber außer Selbstdarstellung können die meisten nichts. Verführen die Bürohilfe, versuchen, die Frau des Chefs anzubaggern, oder protzen mit ihren Autos herum. Viel mehr als Outsourcing fällt ihnen nicht ein, und gerade das steht nicht zur Debatte.
Meistens drücke ich mich vor diesen Gesprächen, zu denen ich für gewöhnlich nur optional eingeladen werde.

Ich erhielt also wieder mal eine entsprechende Einladung, und klickte wie sonst auf „tentative“. Damit halte ich mir die Teilnahme offen, und der Fall ist erst mal erledigt.

Abends sprach mich Carsten darauf an, als ich es mir auf seinem Schoß bequem gemacht hatte.
„Du hast die Teilnahme nicht fest zugesagt. Hast du an dem Tag etwas anderes geplant?“
„Ich hab‘ keine Lust, schon wieder so ein langweiliges Gespräch mitzuerleben. Ihr braucht mich nicht, weil ich mich mit diesem BWL-Zeugs nicht wirklich auskenne, und nur unbeteiligt dabei rumsitze.“

„Es liegt diesmal etwas anders. Ich will, dass du dabei bist. Wir haben diesmal eine Frau eingeladen, und ich will kein unnötiges Risiko eingehen.“
„Wieso das?“
„Die männlichen Berater, die in Frage kämen, und auch Branchenkenntnisse haben, haben wir alle durch. Also probieren wir jetzt eine Beraterin, die mir von einem Geschäftspartner empfohlen wurde. Es geht schließlich nicht um eine Festanstellung. Und außerdem habe ich ja auch schon einmal gute Erfahrungen mit einer Beraterin gemacht.“
„Diese Erfahrungen musst du aber nicht alle wiederholen.“
„Ganz sicher nicht. Die Dame ist schon älter.“

„Und trotzdem soll ich dabei sein?“
„Außer deiner wertvollen Zeit kostet das doch nichts. Und die kannst du ja abrechnen.“
„Hm“, antwortete ich nicht sonderlich begeistert, „früher warst du da nicht immer so vorsichtig.“
„Ganz früher schien das Problem nicht wirklich zu bestehen. Und bei dir spielten halt noch andere Aspekte mit hinein, die das Risiko mehr als wettmachten.“

„Ach ja?“, hakte ich nach, „welche Aspekte denn?“
„Tu‘ nicht so, als ob du das nicht wüsstest. Du hast mich gleich von Anfang an gereizt, und ich habe dich auch als vertrauenswürdig eingeschätzt. Womit ich richtig lag.“
„Hm“, sagte ich noch einmal und räkelte mich wohlig auf seinem Schoß, während seine Hände unter der Kleidung über meinen Körper streichelten.

„Also, was ist jetzt? Das ist schließlich nicht das erste Mal, dass ich dich um so etwas bitte. Wirst du an diesem Gespräch teilnehmen?“, kam er wieder auf das Thema zurück.
„OK. Wenn dir so viel daran liegt, dann richte ich es eben ein“, versprach ich.

„Gut, Anny. Es wird für sie bistimmt auch angenehmer sein, wenn sie sich nicht alleine gegenüber mehreren Männern findet.“
„Wieso das? Als Profi sollte ihr das nichts ausmachen.“
„Manche Frauen sind da sehr empfindlich“, meinte er, halb schulterzuckend, halb die Augen verdrehend.
„Wenn sie das nicht aushalten kann, hat sie den Beruf verfehlt.“
„Da hast du wohl recht“, murmelte er inzwischen ziemlich abgelenkt, woraufhin wir endgültig zum gemütlicheren Teil des Abends übergingen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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8 Antworten zu Elfhundertsiebenundneunzig

  1. ednong schreibt:

    Aha,
    also abgelenkt stimmt er dir immer zu …

    Liken

  2. Pingback: Zwölfhundertvier | breakpoint

  3. Pingback: Vierzehnhunderteins | breakpoint

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