Elfhunderteinundfünfzig

Wenn es nach Carsten ginge, dürfte ich jetzt nicht mehr alleine und ohne Geleitschutz zum Bahnhof.
Dabei ist unser Bahnhof denkbar harmlos. Für eine Stadt dieser Größe ist er erstaunlich klein, da nur eine einzige Strecke – also zwei entgegengesetzte Richtungen – bedient wird, also keine Umsteigemöglichkeiten in andere Züge bestehen (außer z.B. von der S-Bahn in den ICE oder so). Als ich das allererste Mal hier ankam, wollte ich gar nicht glauben, dass dieser Bahnhof tatsächlich zu einer vergleichsweise großen Stadt gehört. Ich fragte einen anderen Fahrgast, ob dies tatsächlich der „Hauptbahnhof“ sei. Der schaute mich etwas sonderbar an, bestätigte aber meine Frage.
Da ist der Bahnhof der nächstgrößeren Stadt schon ein anderes Kaliber und ein richtiger Knotenpunkt. Entsprechend treibt sich da seit jeher einiges Gesindel herum, und ich hatte schon manchmal Befürchtungen um meine Handtasche oder mein Reisegepäck.
Auch ein anderer Bahnhof, den ich vom Umsteigen kenne, in einer Stadt, die nur gut halb so groß ist wie die hiesige, hat es durchaus in sich (aber das ist eine ganz andere Geschichte, die ich jetzt nicht ausbreiten mag).

Ich muss ja gar nicht oft zum Bahnhof, aber gelegentlich eben doch, und bisher war das niemals ein Problem, noch hätte ich geahnt, dass es jemals zum Problem werden könnte.
Und gerade im Winter würde ich ohnehin nicht auf die Idee kommen, unbekleidet nach draußen zu gehen. Mehr habe ich Carsten auch gar nicht versprochen.

Aber seine Besorgnis ist schlicht übertrieben (ganz so paranoid wie es sich anhört, allerdings auch nicht – schließlich soll es hier angeblich auch einen gewissen Vorfall gegeben haben, der aber bislang von der lokalen Presse ignoriert wurde, und nur gerüchteweise weiterverbreitet wurde), auch wenn er von „vorbeugenden Maßnahmen zur Risikominimierung“ spricht. Schließlich bin ich kein kleines Kind, das nicht selbst auf sich aufpassen kann.
Am liebsten wäre es ihm, wenn ich nur noch mit Bodyguard zum Bahnhof ginge. Wenn er selbst keine Zeit hat, soll ich mich von einem meiner Entwickler oder der IT-ler hinbringen oder abholen lassen. In deren Arbeitszeit wohl gemerkt. Hah! Dann nehme ich wohl Herrn $Nachname mit. Der ist einen Kopf kleiner als ich und recht schmächtig.
Vor (unbewaffneten) Einzelpersonen habe ich keine Angst, aber gegen eine ganze Gruppe Angreifer hat man alleine oder zu zweit eh keine Chance.

Außer ein bisschen Geld habe ich ja keine Wertsachen dabei, und ein wenig begrabscht werden ist nicht weiter schlimm. Bloß um mein Notebook täte es mir leid. Das ist inzwischen schon so alt, dass der Wiederverkaufswert nur gering sein dürfte, aber ich habe halt viele Daten drauf, und es hat alles installiert und konfiguriert, wie ich es brauche. Eigentlich wäre mal wieder ein neues fällig. Aber da müsste ich erst wieder alles neu installieren und einrichten. Davor scheue ich zurück.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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23 Antworten zu Elfhunderteinundfünfzig

  1. ednong schreibt:

    „Aber da müsste ich erst wieder alles neu installieren und einrichten. “
    Jaja, das ist eh der größte Zeitfresser an einem Neuaufsetzen eines Systems.
    Was konkret befürchtet denn Carsten? Gab es denn einen Anlaß? Hab ich was verpasst?

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    • Gab es denn einen Anlaß?

      Sag bloß, du hast nicht mitgekriegt, was seit Silvester in vielen größeren Städten gelaufen ist?

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      • ednong schreibt:

        Ja, ich habe natürlich mitgekriegt, wie sie FAlschinformationen verbreitet haben, wobei man nicht weiß, was davon genau falsch ist und ob es ein Versehen oder beabsichtigt war.

        Aber aus diesem Vorfall so zu reagieren wie Carsten, wäre wie – passendes Beispiel such – das Verbot zu fliegen, weil ja dann ganz viele Leute sterben, wenn so ein Flugzeug abstürzt. Und das dann auch auf Düsenjets zu übertragen, selbst wenn ein kleines Propellerflugzeug abgestürzt ist …

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        • Carsten’s Reaktion liegt auch ein konkreter Vorfall zu Grunde, und er will einfach auf Nummer sicher gehen, auch wenn es hier weit übertrieben ist.
          Kurzfristig muss ich eh nicht zum Bahnhof – insofern ist es egal. Und jetzt im Winter würde ich ohnehin nicht unbekleidet irgendwo hingehen.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Carsten ist ein fürsorglicher Mann !

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  3. nickel schreibt:

    So rührend ich seine Fürsorge auch finde, aber da jetzt so auf den Ort „Bahnhof“ zu versteifen, hat für mich wenig Sinn. Sowas kann ja schließlich überall passieren. Aber das sagst Du ihm besser nicht, sonst darfst Du gar nicht mehr aus dem Haus und auch da nie alleine sein. 😀

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  4. Blogwart schreibt:

    Bestimmt sind es fettleibige Menschen die sowas tun.

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  5. Leser schreibt:

    Ich hätte auch denselben Einwand wie Nickel gehabt, dass, nur weil es in Köln auf dem Bahnhofsvorplatz zu solchen Straftaten gekommen ist, nicht in jeder Stadt der Bahnhof die gefährdetste Zone ist. Jede Stadt hat da so ihre eigenen „Hotspots“, manchmal sind es verlassene Gelände (z.B. ehemalige Firmengelände) bzw die Straßen davor/drumrum (weil, auf das Gelände geht man ja normalerweise nicht – außer eben, man ist kriminell und sucht einen Platz, um ungestört seinen Geschäften nachzugehen, oder man ist obdachlos und sucht ein Dach unter dem man schlafen kann, o.ä.), manchmal sind es Hochhaussiedlungen, oder andere, als „soziale Brennpunkte“ bekannte Gegenden. Manche Gegenden kennt man nur, wenn man Bestandteil einer entsprechenden „Szene“ ist (oder wenn man gerne mal etwas „urban exploring“ betreibt, wie ich es früher gern getan habe, mit Fahrrad und Hund). Öffentliche Straßen und Plätze dürften in unserem Land immer noch zu den sichersten Gegenden zählen, die es gibt. Und die Straftaten an Silvester wurden ja im Rahmen einer Menschenansammlung begangen, die gibt es normalerweise auch nicht so oft, und wenn, dann an großen Plätzen mit viel Raum, wie es sie oft in Stadtzentren mit Fußgängerzonen gibt, nicht unbedingt an Bahnhöfen, und ganz sicher nicht zu den normalen Arbeitszeiten.

    Ansonsten zum Notebook: Du kannst Carsten ja versprechen, dass Du vor jeder Zugfahrt ein inkrementelles Backup ziehst, so dass Du im Falle eines Falles keinen Datenverlust zu beklagen hast 😉
    Das Alter ist bei vielen PCs heute übrigens nicht mehr der ausschlaggebende Faktor – zumindest bei allen, die jünger als 9-10 Jahre sind. Geräte aus dem Jahr 2008 sind für die meisten Aufgaben bereits noch vollständig brauchbar, sofern sie entsprechend ausgestattet/aufgerüstet sind (damit meine ich mind. 4GB RAM, SSD – wobei das natürlich auch wieder eine Neuinstallation zur Folge hätte, also der Rechner gleich mit der Systemfestplatte ersetzt werden könnte). Wichtiger ist es, beim Kauf darauf geachtet zu haben, dass es sich nicht um „billigen Plastikschrott“ aus der „Consumerklasse“ handelt, sondern dass man ein Gerät kauft, was für den Businessbereich gedacht ist. Die sind zwar in der Anschaffung etwas teurer, dafür halten sie aber auch, und lassen sich im Vergleich zu Consumergeräten oft auch besser/einfacher aufrüsten. Ich persönlich nutze ja nur Lenovo bzw. IBM Thinkpads, weil das mMn einfach die besten, stabilsten und robustesten Notebooks sind (außerdem haben sie einen Trackpoint, was bei mir den andererseits regelmäßig aufkommenden Wunsch verhindert, das Gerät an die Wand zu klatschen, weil die Bedienung über ein Touchpad so ein unerträglicher Murks ist). Dennoch kann ich mir da keine Neuware leisten (und bin auch nicht mal sicher, ob meine Einschätzung auch für alles, was nach 2012 auf den Markt gekommen ist, überhaupt noch gilt), also kaufe ich da auch immer nur gebrauchte. Derzeit ist der „neueste“ ein Gerät von 2011, mit Core i5, aufgerüstet auf 250GB mSATA-SSD (+500GB HDD) und 16GB RAM. Ich wüsste wirklich nicht, warum ich den irgendwann in den nächsten 2-3 Jahren ersetzen sollte, solange er weiter funktioniert. Die anderen sind alle eher von 2009-2010, und der älteste (der nur läuft, wenn ich mal was drucken muss, weil er den Drucker steuert) ist immerhin von 1999, und funktioniert – ganz nach IBM-Qualität – immer noch problemlos, auch wenn man ihn natürlich heutzutage nicht mehr produktiv benutzen will).

    Die Neuinstallation ließe sich evtl. mit einem „generischen“ Image, nur mit Standardtreibern, aber schon mit der benötigten Software und den gewünschten Einstellungen ausgestattet, beschleunigen, indem danach dann je nach Maschine nur noch die jeweiligen Treiber installiert werden müssten. Wobei ich nicht weiß, ob Windows da so flexibel ist…(andererseits habe ich auch schon mal temporär eine HDD mit Windows von einem Core2Duo mit DDR3 RAM in einen eine Motherboardgeneration älteren Core2Duo mit DDR2 RAM verpflanzt, und es hat sich lediglich einige Treiber für Grafik etc. automatisch installiert, und dann funktioniert, bis auf die Meckereien bzgl. Aktivierung natürlich). So ein Image zu erstellen braucht aber auch Zeit, und ist wahrscheinlich nur sinnvoll, wenn man öfters mal was neu installiert. Ich kenne das ja auch, für mein Handy ist schon länger eine neuere Androidversion draußen, aber alles wieder neu einzurichten (vor allem XPrivacy mit allen Einstellungen, sowie alle Programme neu einzurichten, die eine Einrichtung brauchen, welche sich nicht einfach übertragen lässt), dauert schätzungsweise ca. einen Tag – ich hatte bisher auch noch keine Lust, mir den dafür zu nehmen, und bleibe also bei der alten Version…

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    • Wo ist denn meine Antwort an dich geblieben? Ich bin sicher, ich hatte sie gestern abgeschickt. Oder doch nicht? WP zickt derzeit.
      Also noch mal kurz:

      dass Du vor jeder Zugfahrt ein inkrementelles Backup ziehst, so dass Du im Falle eines Falles keinen Datenverlust zu beklagen hast

      Ich sichere ohnehin meine Daten täglich, so dass ein größerer Datenverlust unwahrscheinlich ist.
      Das Problem sind eher die ganzen Einstellungen, Konfigurationen, installierte Anwendungen, etc., die dann fehlen.
      Images sind auch keine Lösung, da ich im Fall eines Falles ein neueres, moderneres Notebook kaufen würde.

      weil die Bedienung über ein Touchpad so ein unerträglicher Murks ist

      Sehe ich genauso, weshalb ich ein kleine, externe Maus hinhänge.

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      • Leser schreibt:

        Externe Maus ist zwar ein Workaround (den man nicht mehr braucht, wenn man einen Trackpoint hat – zumindest, wenn es ein guter Trackpoint ist, es soll auch welche von anderen Herstellern geben, die murksig zu bedienen sind), aber man braucht dafür halt immer noch einen extra Platz, oder das Notebook muss eine ausreichende Handballenablage haben. Oder man müsste eine alte Kugelmaus haben, die man „freihändig“ bedienen kann, indem man mit dem Daumen klickt und mit Mittel- und Ringfinger die Kugel herumrollt, das ist aber auch eher langsam. Also bleiben für mich weiterhin nur Thinkpads übrig 🙂

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  6. Ronin schreibt:

    „aber gegen eine ganze Gruppe Angreifer hat man alleine oder zu zweit eh keine Chance.“

    Darum geht es ja auch nicht. Der Sinn eines männlichen Beschützers ist ja nicht, die Frau erfolgreich gegen Angreifer zu verteidigen (was auch bei einem einzelnen Angreifer nur dann funktioniert, wenn man gut trainiert und/oder kampferfahren ist), sondern als Kanonenfutter zu dienen, um der Frau genug Zeit zur Flucht zu verschaffen.

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    • So, meinst du.
      Ich weiß nicht, ob ich im Ernstfall einfach wegrennen könnte, und meinen Begleiter im Stich lassen. Und ob das überhaupt möglich und sinnvoll wäre.
      Ich nehme an, es kommt auf die spezielle Situation an.

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    • ednong schreibt:

      Wah? Ich bin also immer benutzt worden? Als Kanonenfutter? Jetzt wird mir einiges klar … 😉

      Mal im Ernst:
      Wenn die Frau sowieso schon gehandicapt ist – hochhackige Schuhe, Rock, generell langsamer im Laufen, was-weiß-ich – dann soll sie wegrennen? Öhm. Ich würd ja eher versuchen, solche Situationen zu meiden oder im Zweifelsfall telefonieren …

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