Elfhunderteins

Carsten hatte mir zwar angeboten, das Auto für die gestrige Fahrt zu nehmen, aber ich zog es vor, mit dem Zug zu fahren.
Obwohl ich, kurz bevor ich die Wohnung verlassen hatte, noch einmal nachgeschaut hatte, ob der Zug pünktlich ist, hatte er dann doch gleich zehn Minuten Verspätung. Seither lebte ich mit der Befürchtung, meinen nächsten Anschlusszug nicht zu erreichen.
Verwunderlich ist es, dass manche Leute trotzdem die Ruhe weg haben, obwohl sie damit rechnen müssen, ihren Zug zu verpassen.
Bevor man in einen Zug einsteigen kann, lässt man erst die Reisenden aussteigen. Klar. Aber bei einem Zug wollte die Schlange der Aussteigenden gar nicht mehr enden. Es kamen immer wieder welche, auch wenn ich dachte, jetzt wären sie endlich alle draußen. Wie bei so einem Clownsauto, aus dem ein Clown nach dem anderen steigt. Oder wie beim Intro zu Spaceballs, wo das Raumschiff auch kein Ende zu nehmen scheint.
Mainer Mainung nach war es im Zug zu zugig, so dass ich annehme, dass jetzt eine Erkältung im Anzug ist.

Der Krankenbesuch selbst war, wie Krankenbesuche halt nun mal sind. Zum Glück fehlt meiner Mutter nichts ernsthaftes, und sie soll heute auch bereits wieder entlassen werden.
Wenn ich ähnliche gesundheitliche Probleme gehabt hätte, hätte ich das auf Menstruationbeschwerden geschoben. Aber dieses Alter hat meine Mutter längst hinter sich.
Ich habe noch andere Verwandte, Bekannte und Nachbarn getroffen, und wieder den allerneuesten Klatsch gehört. Da ist aber nichts dabei, was erwähnenswert wäre.

Bei der Rückfahrt waren die Züge zunächst alle pünktlich, aber ziemlich voll, so dass ich einmal neben einer äußerst adipösen Dame (nicht alle Begegnungen im Nahverkehr sind so angenehm) zu sitzen kam. Man soll ja in vollen Zügen genießen, und so genoss ich es, neben ihr sitzend, eine große Tafel Noisette-Schokolade genüsslich zu verzehren. Vielleicht sollte ich mir für solche Zwecke mal Schokolollis besorgen.
Wieder ein paar Mal umsteigen. Diesmal jedoch mit weniger Zeitdruck, was bedeutete, dass ich auf den Bahnsteigen mehrere Minuten lang warten musste.
Schon erstaunlich, dass manche Leute, kaum, dass sie aus dem Zug sind, sofort ihre Zigarette anzünden. Überhaupt musste ich die Beobachtung machen, dass auf Bahnhöfen die Orte, an denen am wenigsten geraucht wird, diese orangen Raucherquadrate sind.
Kurz bevor ich das letzte Mal umsteigen musste, blieb mein Zug mehrere Minuten lang einfach so auf freier Strecke stehen, so dass ich meinen letzten Anschlusszug doch noch verpasste. Da ich inzwischen wenigstens wieder in der Zivilisation angelangt war, fuhr der nächste planmäßige Zug bereits 20 Minuten später. Die Zeit nutzte ich, um schnell einen Kaffee runterzukippen.
Eine Stunde später war ich dann endlich wieder zu Hause.

Außer der Sorge um meine Mutter hielt mich in den letzten Tagen auch der Mangel an Zeit und Gelegenheit ab, mich öfter online lesen zu lassen.
Außerdem ist wohl schon eine gewisse Anspannung da, weil diese Spamkommentare allmählich nerven. Wie blöd muss man denn sein, um immer wieder ellenlangen Rotz zu verfassen, ihn jedesmal mit anderem Nick, Mail-Adresse und IP-Adresse abzuschicken, der dann gar nicht öffentlich erscheint, sondern stattdessen von mir sofort gelöscht wird. Offenbar haben diese Personen nichts besseres zu tun. Nun denn. Solange sie mich vollspammen, richten sie keinen schlimmeren Schaden an.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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30 Antworten zu Elfhunderteins

  1. verbalkanone schreibt:

    Na, dann wünsche ich dir jetzt aber deutlich mehr Ruhe und Entspannung, meine Liebe. Hoffentlich klappt das auch.
    Dass du dieses Spam-Problem hast, ist natürlich nervig. Meiner Erfahrung nach hört das irgendwann von alleine auf, wenn man dem keine Beachtung schenkt. Toi toi toi dafür.

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  2. Molly L. schreibt:

    Wie schön, dass es Deiner Mutter besser geht! 🙂
    Was die Spams angeht … ja, weiß ich auch nicht. Vielleicht schreiben solche Trolle jeden Tag einen neuen Kommentar und schicken den dann per Verteiler an 100 arme Leute oder so. Um sich abzureagieren oder sonstwas. Irgendwann hört`s doch mal auf, man fragt sich, welcher Art Erziehung manche Menschen genossen haben.
    Oh, BTW: Mich hat`s neulich aus einem Forum rausgeekelt. Das Sind dann Trolle, die sich zivilisiert ausdrücken können, 😀
    Werd ich bei Gelegenheit mal was zu bloggen …
    Ich wünsche Dir viel Kraft und Gelassenheit – am Besten das Zeug erst gar nicht lesen!!!!!

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  3. Sci_Fanboi schreibt:

    Wurde als Selbstverteidigung gegen Spam-kommentare nicht http://hatr.org erfunden?
    Besorg dir dort doch einen Account und pumpe die Scheiße dahin! 😉

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  4. Leser schreibt:

    Ich möchte noch zu bedenken geben, dass jetzt wohl alle regelmäßigen Blogleser und sonstigen Kontakte von dem Spamproblem wissen. Wenn es also fortan die Beachtung erfährt, dass es in irgend einer Form öffentlich lesbar erwähnt wird, genügt das bereits, um das „Abklingen“ der Spamattacke hinauszuzögern. Denn solchen Spammern und Trollen genügt bereits die geringste Bestätigung, dass sie wahrgenommen werden, um mit ihrem Unsinn weiterzumachen. Und wenn der Spam langsam abstirbt, so dass Du das Kontaktformular wieder einschalten könntest, und das erwähnst, dann wird die Attacke gleich wieder hochgefahren. Deshalb würde ich vorschlagen, dies fortan nicht einmal mehr mit einer Erwähnung zu würdigen. Und auch die Reaktivierung des Kontaktformulars einfach still und leise vorzunehmen, ohne sie anzukündigen. Die beste Möglichkeit, solchen Spam auszutrocknen ist, ihn nicht einmal wahrzunehmen.

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  5. Plietsche Jung schreibt:

    Bahnfahren finde ich außer im ICE ziemlich ätzend.
    Schön, das mit deiner Mum. Und auch, dass du sie besucht hast.
    Die meisten Kinder machen das nicht im Alter.

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  6. Jezek1 schreibt:

    Zugfahren gehört zu den letzten wirklichen Abenteuern in unser leider sehr durchorganisierten Welt. Wenn man das reale Leben spüren und erfahren möchten fährt man mit der DB; da ist immer etwas los.

    Ich finde die Reaktionen immer sehr amüsant wenn ein Zug „mal“ 59 Sekunden zu spät kommt; das Ende des Abendlandes ist nahe und der Zugbegleiter wird mit der sofortigen Umsetzung der Scharia konfrontiert. Ich für meinen Part fahre mittlerweile Zug wie im Wachkoma; es kommt doch anders als es der Fahrplan sagt und füge mich daher meinem Schicksal. Und komischerweise bin ich bisher immer noch angekommen; manchmal am falschen Ort oder zur falschen Zeit; aber die treue Seele DB verliert mich nicht. Darauf ist zumindest verlass!

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    • Früher bin ich ja ziemlich oft mit dem Zug gefahren, jetzt nur noch selten.
      Man kann das natürlich als Erlebnis betrachten, aber ich empfinde es schon als nervenaufreibend, wenn immer wieder das Erreichen nächsten Anschlusses fraglich ist.
      Ich will ganz gerne straightforward zum Ziel kommen.

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  7. Pingback: Zwölfhundertdreiundneunzig | breakpoint

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