Tausendsechsundsechzig

Noch letzte Woche wäre mir dieses Thema viel zu banal vorgekommen, um darüber zu bloggen. Aber tempora mutantur.

Das schöne, spätsommerliche Wetter veranlasste Carsten, einmal früher Feierabend zu machen. Gemeinsam fuhren wir dann ein Stück ins Grüne, um noch einen entspannenden Waldspaziergang zu machen.
Irgendwann blieb Carsten zurück, weil er sich noch etwas anschauen wollte .. äh .. nein, um ehrlich zu sein, hatte ihn ein menschliches Bedürfnis ereilt, und er ging ein paar Schritte vom Weg herunter in den Wald, um seine Blase zu entleeren.
Ich ging unterdessen langsam weiter. Carsten war noch außer Sicht, als mir ein junger Jogger entgegen kam.
Der Mann kam immer näher. Keuchend.
Als er nur noch wenige Meter entfernt war, sprach er mich an: „Hallo!“
Ich lächelte zurück, und erwiderte ebenfalls: „Hallo!“
Da war er auch schon vorbei.

Ach, was ich mich freue, dass es noch ganz normale Männer gibt, die keine Hemmungen haben, eine ihnen unbekannte Frau auf scheinbar menschenleerem Terrain anzusprechen.
Wie #takebackthestreets zeigt, ist dies leider ganz und gar nicht mehr selbstverständlich.

Ich habe in den letzten Tagen verstärkt darauf geachtet, wie oft und in welcher Form ich auf der Straße angeschaut oder gar angesprochen werde. Aber außer einigen mehr oder weniger harmlosen Blicken, und einzelnen Grüßen war da nichts.
Was muss man paranoid sein, um in jeder harmlosen Begegnung gleich eine Belästigung zu sehen, und sich deshalb kaum noch aus dem Haus zu trauen – da gibt es realere Gefahren, z.B. im Straßenverkehr oder freilaufende Hunde.

In meiner Jugend ging ich öfter alleine in den Wald, oder auch nach Einbruch der Dunkelheit in eine parkähnliche Anlage am Rande der Stadt. Einfach um meinen Gedanken ungestört nachzuhängen (und weil auch ein gewisser Thrill dabei war). Meistens habe ich überhaupt niemanden getroffen, und in den wenigen Fällen, wo doch, ist nichts passiert.

OT: Ich bin den Rest des Wochenendes voraussichtlich offline – zumindest größtenteils.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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19 Antworten zu Tausendsechsundsechzig

  1. aliasnimue schreibt:

    Da müßte ich jetzt mal drauf achten. Also ich grüße schonmal grundsätzlich andere Spaziergänger. Aber so in der Stadt, da sehe ich keine Menschen. Das ist am Wochenende in Leipzig wieder aufgefallen. „Hallo, der Typ hat Dich mit Blicken ausgezogen“…ich…welcher Typ?
    Ich schau mir Häuser an, Details, von mir aus auch Hunde, aber Menschen übersehe ich meist völlig.

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    • Ja, normalerweise achte ich auch kaum darauf. Hab meistens den Kopf voller anderer Dinge.
      Deshalb hab ich diese Woche mal besser aufgepasst, aber da war nichts unangenehmes oder sonst auffälliges dabei.

      Früher bin ich noch gelegentlich nach dem Weg gefragt worden, aber seit Navi und Smartphones kommt das höchstens ausnahmsweise mal vor.

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    • verbalkanone schreibt:

      Hm, komisch wie unterschiedlich die Menschen sind. Ich gucke mir immer zuerst die Menschen um mich herum an, weil ich an ihnen deutlich mehr Interesse habe als an – ich nenne es mal leblosen Dingen wie Gebäude usw. (Das heißt jetzt keinesfalls, dass mich Architektur usw. nicht interessieren würde, aber müsste ich mich für einen Menschen oder ein Gebäude entscheiden, würde ich meine Aufmerksamkeit zuerst immer dem Menschen widmen, verstehst du?) Ich glaube, ich bin eine gute Beobachterin, schon weil ich mir oft Geschichten zu Personen, die ich zwar nicht kenne, aber z.B, in einem Café länger beobachte, ausdenke.

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  2. verbalkanone schreibt:

    Also im Wald bzw. an einsamen Szenerien würde ich einen anderen Spaziergänger auch immer grüßen. Ich finde irgendwie, dass sie das so gehört. Das mache ich komischerweise auch in dem Bürogebäude, wenn eine mir unbekannte Person aus einem anderen Stockwerk zu mir in den Fahrstuhl steigt. *Grins.* Darüber warum ich jemanden grüße oder nicht, habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Das passiert total automatisch… oder eben nicht. 😉

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  3. loperDev schreibt:

    Und jetzt wissen wir auch, warum bei es auch bei Cro nur noch „bye bye“ heisst… stellt euch mal vor, jemand wird einfach in der U-Bahn angesprochen… nicht auszudenken!

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Ich grüße Menschen, die meinen Blick erwidern. Auch sogar in der Stadt, und wenn’s nur ein kurzes Nicken oder Lächeln ist.

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  5. Pingback: Zwölfhundertvierundvierzig | breakpoint

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