Siebenhundertachtundvierzig

Seit wenigen Wochen arbeitet Lukas hier wieder, diesmal als Werkstudent in der IT-Abteilung. Bei Bedarf unterstützt er aber auch die Geräte- oder meine Softwareentwickler.

Es ergab sich, dass Carsten mit mir Mittagessen gehen wollte, als uns Lukas über den Weg lief. Kurzerhand fragte jener diesen, ob er mit uns kommen wolle, und lud ihn ein.
Diesmal gingen wir nicht in die „Kantine“, sondern in eine nahegelegene Pizzeria.

Offenbar hat sich Lukas etwas in Jennifer, unsere Büroaushilfe, verguckt. Carsten fragte ihn, ob er sie schon einmal gefragt hätte, ob sie etwas mit ihm unternehmen wolle.
„Hm“, druckste Lukas herum, „aber sie hat ’nein‘ gesagt.“
„Du weißt doch, dass es ‚vielleicht‘ bedeutet, wenn eine Frau ’nein‘ sagt“, meinte Carsten augenzwinkernd.
„Unsinn!“, korrigierte ich kopfschüttelnd, „’nein‘ bedeutet: ‚Beweise mir, dass du es ernst meinst. Zeige mir, dass du hartnäckig und zielsicher bist. Und dass du dich nicht gleich von Widerständen entmutigen lässt.‘ Außerdem demonstriert es, dass sie nicht gleich ‚ja‘ zu jedem sagt. Wenn es dir nicht nur um ein einmaliges Vergnügen geht, Lukas, so ist das ein gutes Zeichen.“

Carsten konnte kaum sein Amüsement unterdrücken, als er zu Lukas gewandt sagte: „Hör auf deine Tante. Sie kennt sich aus.“
„Schließlich habe ich lange genug selbst entsprechende Methoden angewandt“, bestätigte ich, und fügte diskordianisch hinzu, „oder auch nicht.“

„Deshalb hast du mich also so lange zappeln lassen“, erinnerte sich Carsten.
„Vielleicht hättest du deine Absichten etwas deutlicher machen sollen“, erwiderte ich lakonisch.
„Das habe ich doch.“
„Naja, wenn, dann war das schon sehr subtil“, erklärte ich.
„Subtil?“, fragte er, „was hätte ich denn machen sollen? Einfach über dich herfallen?“
„Das wäre eine durchaus erfolgversprechende Möglichkeit gewesen“, bestätigte ich.
Lukas saß grinsend daneben und hörte unserem Geplänkel zu.

„Frag‘ sie ruhig noch mal“, wandte ich mich wieder an Lukas, „bald ist doch auch wieder das Platzhalter-einsetzen-Konzert. Wenn ihr zusammen hin wollt, besorgt euch dein Onkel sicherlich gerne Karten.“
„Moment mal“, warf Carsten ein, „bestimmt ist das Konzert schon längst ausverkauft.“
„Ach, du weißt bestimmt, wo du noch Karten herkriegst.“
Carsten seufzte: „Selbst wenn ich noch welche kriege, wollen Lukas und Jennifer vielleicht gar nicht hin.“

„Dann gehen wir beide eben mal hin.“
„Was? Kein ‚die Zeit könnten wir doch besser nutzen‘? Du erstaunst mich wieder mal.“
„Jetzt wart’s doch erst mal ab. Wenn Lukas mit Jennifer hin will, dann lassen wir ihnen den Vortritt, ansonsten .. bevor wir die Karten verfallen lassen .. du sagst doch dauernd, ich soll dir einen Vorschlag machen, was wir zusammen unternehmen könnten.“

„OK, OK, ich schau mal, was sich machen lässt. Warten, bis Lukas sie gefragt hat, kann ich allerdings nicht. Da zählt jeder Tag. Hättest du überhaupt Lust hinzugehen, Lukas?“
So sehr begeistert schien Lukas nicht, meinte aber, dass Jennifer gern klassische Musik möge.

Wir beließen es dabei, dass Carsten versuchen würde, noch zwei Karten zu besorgen.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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10 Antworten zu Siebenhundertachtundvierzig

  1. aliasnimue schreibt:

    Na siehst Du, dass ist genau was ich meine. 🙂

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  2. ednong schreibt:

    Eer hat einen Korb gekriegt? Eijeijei. Und die Tante kuppelt fleißig und beschäftigt dann gleich noch den Onkel mit. Tsts. Hat wieder alle Fäden in der Hand, diese Frau 😉

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    • breakpoint schreibt:

      Ich würde das nicht als Korb bezeichnen, sondern als defaultmäßige Erstabfuhr.
      Wie bereits oben dargestellt, ist das lediglich eine Aufforderung zur Wiederholung der Einladung.

      Mittlerweile habe ich festgestellt, dass es sogar noch Karten für das Konzert gibt, wenn auch nur auf rangniederen Plätzen.

      Ich kupple doch nicht, aber ein paar vorsichtige Hinweise können nicht schaden.

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      • ednong schreibt:

        Nein, du kuppelst nicht. Käme dir nie in den Sinn 😉

        Defaultmäßige Erstabfuhr – puh. In jungen Jahren find ich das schon hart. Obowhl – mit 20 oder so sollte es ihn nicht wirklich abhalten …

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        • breakpoint schreibt:

          Mit der Erstabfuhr zeigt eine Frau, dass sie nicht leicht zu haben ist. Das lässt absolut keine Aussage darüber zu, inwiefern sie tatsächlich interessiert ist.

          Er ist 18, und – soweit ich das mitgekriegt habe – noch unerfahren. War ja eher auf mich fokusiert. Da bin ich ganz erleichtert, dass er sich jetzt anderweitig umschaut. Und, hm, vielleicht forciere ich das deshalb auch ein ganz klein bisschen.

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