Hundertsiebenundsechzig

Fiona und Sven haben jetzt den genauen Hochzeitstermin festgelegt, nämlich Anfang August. Am Donnerstag heiraten sie standesamtlich in Svens Heimatort. Abends ist ebenda der Polterabend (wohin ich definitiv nicht mitkommen werde, ganz egal was Carsten sagt).

Am Samstag ist dann hier eine traditionelle, kirchliche Trauung. Das überraschte mich ziemlich und ich fragte Carsten: „Kirchlich? Ich habe dich bisher nicht für gläubig gehalten.“
„Das bin ich auch nicht. Aber Ingrid war es. Und sie hat die Mädchen religiös erzogen. Ich war damit einverstanden. Naja, um ehrlich zu sein, war es mir egal.“
„Beschränke deinen missionarischen Eifer ruhig auf mich, aber ich werde ganz bestimmt nicht mit in die Kirche gehen!“, kündigte ich an.
„Musst du auch nicht“, beruhigte mich Carsten, „ich nehme an, ich muss Fiona zum Altar führen und da kann ich mich sowieso nicht um dich kümmern. Also kannst du auch draußen warten oder danach zu uns stoßen.“
„Und dann sitze ich aber neben dir?“
„Selbstverständlich, ich will dich doch bei mir haben.“
„Gut, sonst gehe ich nämlich wieder.“

Mir graust es bei dem Gedanken, mit zig fremden Leuten zusammen feiern zu müssen. Nur Carsten’s Nähe kann mir das erträglich machen. Carsten’s Verwandtschaft – soweit ich sie kenne – ist ja noch ganz OK, aber wenn ich daran denke, dass Sven’s Verwandte da sein werden und – für mich wohl noch schlimmer – auch Ingrid’s Verwandte, läuft es mir kalt den Rücken hinunter.

Sonja ist begeistert, dass sie die Organisation und die Aufgaben der Brautmutter übernehmen soll. Zusammen mit Carsten hat sie schon überlegt, wo genau die Feier am besten stattfinden soll, und wie man einen guten Hochzeitsplaner findet. Viele Details muss sie natürlich dann direkt mit Fiona und Sven ausmachen. Und alle Rechnungen gehen an Carsten.

Sven’s Eltern wollen Carsten jetzt endlich kennenlernen und einiges mit ihm besprechen. Deshalb haben sie ihn für Mitte Juni übers Wochenende zu sich eingeladen. Sie wohnen in einem kleinen Kaff knapp 300 km von hier, eine Entfernung, die Carsten sonst vorzugsweise mit der Bahn zurücklegt. Da der öffentliche Nahverkehr dort jedoch nur unzureichend ausgebaut ist, fährt er wohl doch mit dem Auto.
Ich wurde nicht miteingeladen, was mir ganz recht ist, und Carsten hat akzeptiert, dass ich nicht trotzdem mitkommen will.

Advertisements

Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Hundertsiebenundsechzig

  1. engywuck schreibt:

    ich bin ja der Ansicht, jedes Paar soll eine Hochzeit so planen, wie es selbst sie sich leisten kann. Wenn dann die Eltern was zuschiessen umso besser 🙂

    Gefällt mir

    • breakpoint schreibt:

      Traditionell ist es üblich, dass die Brauteltern die Hochzeit ausrichten.

      Gefällt mir

      • engywuck schreibt:

        kommt auf die gegend an und ist eigentlich absolut schwachsinnig. Was können die Brauteltern dafür, dass sie eine Tochter haben? Wenn dann sind beide in der Pflicht – oder keiner.
        Hängt natürlich auch davon ab, wann man heiratet – mit Anfang 20 würde ich auch mehr zuschiessen als Eltern als wenn mein Kind nach 15 eigenen Berufsjahren dies durchführt.

        Aber als „Hochzeiter“ würde ich die Hochzeit als „meins“ sehen und soweit möglich selber planen wollen – gerne mit Freunden. So kenne ich das auch bei den meisten auf denen ich war, auch und gerade von Noch-Studenten. Liegt natürlich auch daran, dass die Familie teilweise weit(er) weg wohnt.
        Hochzeitsplaner hab‘ ich nur einmal mitbekommen – da stand dann schon auf der Einladung, dass „festliche Abendkleidung“ notwendig sei. Ich bin nicht hin.

        Gefällt mir

        • breakpoint schreibt:

          Im Prinzip gebe ich dir völlig recht.

          Bei allen Hochzeiten, bei denen ich das bisher mitgekriegt habe, bezahlten allerdings die Brauteltern.
          Vermutlich sind auch sie es, die Wert darauf legen, entfernte Verwandte einzuladen.

          (Gute) Hochzeitsplaner planen genau so, wie es die Auftraggeber verlangen.

          Gefällt mir

          • engywuck schreibt:

            klar, wenn der einzige Grund einer „großen“ Hochzeit ist, dass jemand das unbedingt so will dann soll der auch zahlen.
            Andererseits macht er damit den frischen Ehegatten auch irgendwie was kaputt, ist ja dann nicht mehr „ihre“ Feier, sondern ein Pflichttermin.

            Und ab deutlich mehr als zehn Leuten auf einem Haufen hat man letztlich von keinem was.

            Gefällt mir

            • breakpoint schreibt:

              Vielleicht bin ich da auch etwas altmodisch, aber eine Hochzeit sehe ich in erster Linie als Familienfeier.
              Für die Freunde gibt’s den Polterabend – sofern man das mag.

              Die einzige Vorgabe des Brautvaters bei o.g. Hochzeit war meine Anwesenheit. Alles andere bestimmten die Brautleute selbst.

              Gefällt mir

  2. Pingback: breakpoint’s Wayback Archive #0D //1638 | breakpoint

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s