Perihelische Tweets //2592

Anfang dieses Jahres – also zwischen dem 1. und dem 7. Januar, einer Zeit, in dem sich Sonne und Erde besonders nahestehen – standen verschärfte Corona-Maßnahmen im Fokus vieler meiner (teilweise recht rantig geratenen) Tweets, die ich im Folgenden (wie es meinem gewohnten Blogschema für das vierte Wochenende im Monat entspricht) hier wiederhole.

Statt „100 pro 100000 Einwohner innerhalb der letzten 7 Tage“ schreibe ich jetzt immer 1/7kd. Das bedeutet das gleiche und ist viel kürzer.
Mein Vater ist früher gerne Ski gefahren. Skier geschultert und zu Fuß zum nächsten Berghang. Jetzt ist so viel Schnee wie seit Jahren nicht. „Touristischer Tagesausflug“ innerhalb #Bewegungsradius, aber er kann gesundheitlich nicht.
Und dann diese #EinPersonenRegel .. dass ich mich mit Baby bei meinem Mann in seinem Landhaus aufhalte, ist danach verboten. Mindestens ebenso widersinnig ist es bei meinen Eltern.
+Die wohnen beide aktuell bei meiner Schwester, weil mein Vater gesundheitliche Probleme hat und sein Haus eine Baustelle.
+Jetzt muss meine Mutter wieder zurück in das Haus und sich vom Rest der Familie fern halten. Mein Vater kann das derzeit nicht. Der geht sowieso demnächst auf Reha. Alles so verkorkst ..
+Wenn ich es richtig verstanden habe, darf aber z.B. meine Schwester sie noch besuchen.
+Eine Studentin, die ich kenne, hält sich momentan bei ihren Eltern auf, und besucht Lehrveranstaltungen online. Sie hat ihren Wohnsitz in der Unistadt (BTW mit > 300/700000d). Muss sie jetzt dorthin zurück?
Mit dem 15km #Bewegungsradius ist der Bogen jetzt wirklich überspannt. In der gleichen Stadt oder Landkreis, wo man sich gerade aufhält, bleiben zu müssen, hätte ich ja noch nachvollziehen können. Aber willkürlich #15km – das ist unsinnige Gängelei.
+Ganz schlimm ist, wie man die Schüler hängen lässt. Die Jugend hat Bildung dringend nötig. Mir tun insbesondere die #Abschlussklassen leid, die völlig in der Luft hängen und Zeit verlieren. Distanzunterricht, soweit möglich, kann aber Präsenzunterricht nicht voll ersetzen.
+Die statistischen Zahlen stehen noch nicht endgültig fest, aber aller Voraussicht nach hatten wir 2020 keine Übersterblichkeit. Eine echte #Pandemie sieht anders aus. Ist es das wert?
Chefchen hat in den Whirlpool gemacht. Hoffentlich verkraftet das die Filterpumpe.
Ich fange mal einen neuen Thread an, obwohl dieser thematisch noch halb zu diesem gehört.
+Ich mag gar nicht an die desaströsen Folgen für die Wirtschaft denken. Wir Unternehmer reißen uns täglich den Arsc? auf, um Arbeitsplätze zu sichern. Und die Politiker haben nichts besseres zu tun, als zu überlegen, wie sie uns das noch schwerer machen.
+Eigentlich wollen wir nächste Woche nach drei Wochen Betriebsschließung über die Feiertage wieder öffnen. Wir müssen endlich wieder Umsatz machen, um die Firma zu erhalten. Die Auftragslage an sich ist gut, bei manchen Produktlinien haben wir sogar mehr Bestellungen.
+Leider ist nicht sicher, ob genügend Mitarbeiter überhaupt zur Verfügung stehen. Ein paar sind krank oder unter Quarantäne. Etliche wohnen weiter als diese 15 Kilometer. Manche müssen vielleicht Kinder betreuen. Ob wir ausreichend beliefert werden, ist unklar.
+Wir haben versucht, eine betriebliche Kindernotbetreuung einzurichten. Aber was da für Auflagen und bürokratische Hürden in den Weg gestellt werden! Keine Chance. Wir haben aufgegeben.
+Ja, ja .. wo #HomeOffice geht, machen wir das ja bereits weitgehend, obwohl die Produktivität der meisten Mitarbeiter darunter leidet.
+Aber gerade in der Fertigung ist Anwesenheit unumgänglich. Auch automatisierte Abläufe müssen gesteuert und überwacht werden, und manches ist tatsächlich noch Handarbeit.
Verhörer des Tages: gerächt statt gerecht
Unstrip in The Dark //2494 Zweitausendvierhundertvierundneunzig
Bin aktuell schon mehr als 15km von meinem Wohnort entfernt. Je mehr von diesen sinnlosen, unwirksamen Gängelungen kommen, desto wurschtiger wird es mir, ob ich mich daran halte. #Bewegungsradius #Corona #Covid19
+Solange ich nicht mit neuen Personen zusammentreffe, ist es doch völlig unerheblich, wo ich mich befinde.
+Und wenn ich nachts alleine oder nur mit meiner Familie (mit der ich sowieso dauernd zusammen bin) spazieren gehen will, kann das auch egal sein. #Ausgangssperre
+Wir sind ja hier z.Z. unter 200, in #NichtImSauerland sogar unter 100. Kann ja trotzdem schon mal schauen, ob es noch einen Ort dazwischen gibt, an dem ich mich dann noch legal mit meinem Mann treffen darf. #Bewegungsradius
+(Klar hätte ich Einheiten dazuschreiben müssen: Neuinfektionen pro 100000 Einwohner innerhalb der letzten 7 Tage. Aber das ist so lang, dass ich für Twitter schon mal eine Ausnahme mache.)
+Einkaufen zählt übrigens nicht als „triftiger Grund“. Ist ja egal, wie die Leute auf dem Lande zu ihren Lebensmitteln kommen.
+Ich hab ja die #Maske nie gemocht, gestehe ihr aber eine zielführende Wirkung zu, und habe sie immer wenn vorgeschrieben getragen (wenn auch ungern).
+Aber in diesem 15km #Bewegungsradius sehe ich überhaupt keinen Sinn. Ob ich hier bin, oder woanders, ist doch egal, solange ich mit niemanden in Kontakt komme.
+Warum eigentlich ausgerechnet 15 Kilometer? Warum nicht 20? Oder gar nur fünf? Solche willkürlichen Festlegungen empfinden noch mehr Leute als ungerechtfertigte Schikane.
+Nur noch eine Person in einem anderen Haushalt erlaubt. Und das unabhängig von regionalen Inzidenzen. Dann muss ich also mit dem Baby doch wieder zurück nach $NichtImSauerland. So reißt man Familien auseinander.
+Wir haben schon seit November keine Verwandschaft mehr gesehen, haben seit fast drei Wochen den Betrieb geschlossen, treffen sonst niemanden mehr (außer beim Einkaufen und Lieferboten).
+Und jetzt kommen solche unverhältnismäßigen Verschärfungen, die lediglich im Nebel stochern, die Bevölkerung drangsalieren, aber keinen Effekt bringen werden.
+Die Landkarte in der Region ist ein Flickenteppich. Von unter 100 bis über 300 alles dabei. Ändert sich täglich und wabert halt so ein wenig hin und her.
+Das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit ist beispielsweise auch nicht nachvollziehbar. Eigentlich hat Alkohol ja sogar eine desinfizierende Wirkung. SCNR
+Meine Bereitschaft, Beschränkungsregelungen einzuhalten, schwindet, weil ich die Sinnhaftigkeit dahinter nicht mehr einsehen kann.
Rechtschreibung ist kein Naturgesetz.
Verleser des Tages: Atomkraft statt Autokrat
#FavoritenMit K #Umfrage [Kaffee|Katzen|Kurvendiskussionen|Kartenspielen]
#Feminismus behandelt Frauen wie kleine Kinder und Männer wie teuflische Dämonen.
35 kWh/1000h .. warum schreiben die nicht einfach „35 W“? #Watt #Leistung
Verschreiber des Tages: Lookdown statt Lockdown
Ausgeehrt //2493 Zweitausendvierhundertdreiundneunzig
Nur das #Patriarchat ist schuld daran, dass man auf Tastaturen leichter mit langem Ringfinger schreiben kann als mit langem Zeigefinger. #DigitRatio #Sexismus
Verleser des Tages: [mindestens 10] Jahre statt „. Januar“
#FavoritenMit J #Umfrage [Jakobi-Determinante|Jugend|Jules Verne|Joghurt]
Verhörer des Tages: e-tel statt edel
Bin nie so oft an den Brüsten begrabscht worden, wie in letzter Zeit.
Der Sonne so nah //2492 Zweitausendvierhundertzweiundneunzig
epsilon^{2021} = 0 #LeviCivita
Verleser des Tages: kostenlose statt kompromisslose
Ihr wisst frei schon, dass wir heute die #HeiligeVorhaut feiern? #BeschneidungDesHerrn #Circumcisionsstil
Gleich mal die Kommentarstatistik für das 4. Quartal 2020

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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20 Antworten zu Perihelische Tweets //2592

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    Emotional kann man ja einiges nachvollziehen, aber als Physikerin sollte man doch auch mal das Ganze betrachten können.
    Ich wundere mich immer wieder, wie Menschen anders reagieren und denken, wenn es sie selbst betrifft.

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    • Auf was konkret beziehst du dich?

      Und weshalb soll ich „das Ganze“ (welches „Ganze“?) betrachten müssen? Was hat das mit der Physik zu tun?
      Twitter ist ein Medium, um persönliche Situationen und Erfahrungen kurz und prägnant, bis hin zu plakativ zu nennen. Für ausführliche, nuancierte, allgemeingültige Darstellungen ist es ungeeignet, und ich habe bei meinen Tweets auch nie einen anderen Anspruch erhoben.
      Wenn du konkrete Einwände zu einzelnen Aussagen nennst, gehe ich gerne darauf ein. Bei solch unspezifischer Kritik allerdings werde ich das nicht.

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  2. Plietsche Jung schreibt:

    Ich zwitschere mir lieber heute Abend einen im Biergarten !

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  3. pirx1 schreibt:

    Die „neuen sozialen Medien“ bedeuten einen Paradigmenwechsel in der Kommunikation mit nicht absehbaren, teils katastrophalen Folgen für den kollektiven Wissensstand. Die Reichweite kann vom bloggenden / twitternden / rantenden Autor kaum überschätzt werden, gleichzeitig hält die Fähigkeit der einzelnen rezipierenden Individuen zur Medienkritik nicht Schritt.

    In Folge glaubt ein blogaffiner Hobbykoch in Taiwan, der etwa über Duolingo etwas Deutschkenntnisse erworben haben mag jetzt möglicherweise, dass „die Deutschen mit honigversteinerten Zwiebeln Sexparties in einem unbekannten Land feiern und sich dazu guten Appetit wünschen“, nur weil ein achtloser Blogger „simmern“ und „sintern“ nicht unterscheiden kann.

    Wäre das noch eher harmlos-kurios und schaffte vielleicht allenfalls der taiwanesischen Zahnarztbranche einen kurzfristigen unerklärlichen Kundenzulauf, so sind die Folgen anderer, als solcher nicht kenntlich gemachter, aber unkritisch oder sogar bewusst böswillig nachgeplapperter und lancierter Hoaxes kaum abzuschätzen und unter Umständen sogar tödlich (am Ende sogar, ohne dass die verantwortlichen Blogger davon jemals erführen).

    So hat die alte, in den 70ern und 80ern noch gerne als pseudophilosophisches Schulhofrätsel kursierende Frage und simplifizierende Referenz an das Milgram-Experiment endlich doch noch eine erschreckend klare Antwort gefunden: „Stellen Sie sich vor, Sie drücken hier einen Knopf und in China oder Indien fiele dann ein Mensch tot um: Würden Sie den Knopf drücken, spontan / freiwillig / wenn ich Ihnen das sage / 10 Mark dafür gebe?“ – „Ja, das geschieht mittlerweile doch jeden Tag und sogar ohne jede Not.“

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