Fehlbesetzung //2355

Trotz Corona läuft das Geschäftsleben irgendwie, wenn auch eingeschränkt, weiter, teilweise sogar mit erstaunlicher Normalität.
Vor einiger Zeit hatte ich über Herrn Liefert gebloggt, der unser Kundenbetreuer bei einem Zulieferunternehmen war. Er war wegen einer unerheblichen Lappalie in den Innendienst versetzt worden. Wir sollten statt seiner eine neue Kundenbetreuerin erhalten.
Ich kontaktierte ja sogar noch einmal die dortige Geschäftsleitung, weil wir Herrn Liefert lieber behalten wollten. Aber mir wurde nur mitgeteilt, dass Herr Liefert inzwischen das Unternehmen ganz verlassen hätte.

Nun ja, uns blieb also nichts anderes übrig, als die neue Kundenbetreuerin zu empfangen. Ich bekam sie bei ihrem ersten Besuch gar nicht zu Gesicht. Ulrich berichtete mir, dass ihr noch völlig die berufliche Erfahrung fehle, sie dies aber durch eine gewisse Arroganz versuche auszugleichen.
Als ich sie bei ihrem zweiten Besuch antraf, hatte ich den gleichen Eindruck. Sie kannte sich noch nicht wirklich mit den geschäftlichen Gepflogenheiten und Spezifikationen der von ihr vertretenen Produkte aus.
Vermutlich hätte sie sich im Laufe der Zeit besser eingearbeitet. Ich gehe davon aus, dass wir uns – wohl oder übel – schon irgendwie mit ihr arrangiert hätten. Ist ja nicht so, dass sie sehr oft bei uns angetreten wäre, sondern nur in Abständen von mehreren Wochen.

Nun hat uns ihr Arbeitgeber mitgeteilt, dass sie uns vorläufig (ha!) nicht mehr besuchen wird. Angeblich ist sie schwanger und darf keine Kunden mehr besuchen. Fragt mich nicht nach Einzelheiten.
Bei ihrem Arbeitgeber war sie eigentlich ursprünglich nur als Ersatzkraft und Redundanz für Herrn Liefert eingestellt gewesen. Nachdem dieser nicht mehr verfügbar war, musste sie seine Aufgaben übernehmen, ohne selbst einen Vertreter zu haben. Ihr Arbeitgeber (eine recht kleine, deutsche Niederlassung eines ausländischen Unternehmens) ist jetzt in der unglücklichen Situation, keinen kompetenten, erfahrenen Mitarbeiter zu haben, der die Stammkunden betreut. Nun ja – teils selber schuld, denn schließlich haben sie 1. Herrn Liefert einfach so ausgebootet, und ihn 2. durch eine absehbar unzuverlässige Arbeitskraft ersetzt.

Wir werden wohl irgendwie klar kommen, machen halt unsere Bestellungen direkt beim Lieferanten, ohne dass ein Kundenbetreuer das persönlich aufnehmen muss. Eine Zeitlang geht das schon, allerdings nicht auf Dauer, da doch immer wieder mal neue Anforderungen oder ähnliches besprochen werden müssen.
Andere Kunden des Lieferanten haben damit bestimmt größere Probleme. Nun ja – zumindest aktuell dürfte das im Vergleich mit Corona noch untergehen.

Ich verstehe auch nicht, was diese Kundenbetreuerin sich dabei gedacht hat. Ihr Arbeitgeber hat ihr die Chance geboten, einer wichtigen und verantwortungsvollen Tätigkeit nachzugehen, die sie bewusst und willentlich angenommen hat, und sie lässt ihn schon bald danach einfach so im Stich.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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21 Antworten zu Fehlbesetzung //2355

  1. keloph schreibt:

    das pflegen langfristiger enger kundenbeziehungen wird komplett unterschätzt. der hammer schlägt zurück, wenn die routine/regelbestellungen wegen veränderungen nicht mehr benötigt werden. und schwupps bist du raus…….und andere füllen den platz. ich verstehe die lieferanten nicht.

    Gefällt 3 Personen

  2. Mia schreibt:

    Einfach unglaublich!
    Wie kann man nur so rücksichtslos und unverantwortlich seinem AG gegenüber sein. Womöglich hat sie ihm auch noch verschwiegen, dass sie beabsichtigt, über kurz oder lang Mutter werden zu wollen. Was denkt sich dieses junge Ding nur dabei, gerade jetzt – im besten gebärfähigen Alter – an ihrer Familienplanung zu arbeiten? Kann sie nicht warten bis sie 40 ist oder komplett darauf verzichten?
    Eine wahrhaft bodenlose Unverschämtheit.
    LOFL

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    Das Seelenheil der jungen Berufanfänger liegt nicht in Arbeit und Erfüllung, sondern im Spass haben und nur das Nötigste tun. Schwanger werden sie heute alle, irgendwie ist das hip in dieser Zeit. Die Folgen für sich selbst werden schnell klar und der Arbeitgeber hat wie immer das Nachsehen. Kein Wunder, wenn dann Männer mit höherer Präferenz eingestellt werden.

    Gefällt 1 Person

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