Ankündigung einer Veränderung //2257

Herr Liefert ist ein Vertriebsmitarbeiter eines unserer Suppliers. Wir beziehen von dort bestimmte Verbrauchsmaterialien, die für den Betrieb unserer Geräte erforderlich sind. In Zusammenarbeit mit Herrn Liefert (und seinen zuständigen Kollegen) wurden deshalb diese Materialien auf unsere Geräte abgestimmt (passender für Geräte anderer Hersteller gibt es abweichende Materialien, die besser auf diese zugeschnitten sind). Da die Anwender unserer Geräte diese Materialien ebenfalls benötigen, empfehlen wir als Bezugsquelle dafür diesen Supplier. Deshalb gehören wir zu den wichtigsten Kunden des Suppliers. Unser Geschäftsverhältnis ist fast eine Art Symbiose.

Um unseren aktuellen Bedarf zu ermitteln, und eventuell weitere Produktoptimierungen zu veranlassen, besucht uns Herr Liefert alle paar Monate. Eigentlich ist Ulrich dafür zuständig, aber als ich diesen einmal gerade vertreten habe, kam Herr Liefert deswegen zu mir. Seither schaut er jedesmal zumindest kurz auch bei mir vorbei, wenn er gerade bei uns im Betrieb ist. [Er schenkt mir dann immer teure L*-Pralinen. Die sind zwar qualitativ hochwertig, aber maßlos überteuert, und für meinen Geschmack teilweise fast etwas zu süß. Die M*-R*-Pralinen, die es bei einem bekannten Discounter gibt, schmecken mir mindestens ebenso gut, sind aber wesentlich preiswerter.]
Wir verstehen uns recht gut, und unterhalten uns auch über Themen, die nichts mit dem Geschäft zu tun haben. Seine lässig-galante Art erinnert mich ein wenig an Elmar, von dem ich BTW schon seit Jahren nichts mehr gehört habe.

Als Herr Liefert jüngst wieder mein Büro aufsuchte, verabschiedete er sich. Er erklärte, dass dies sein letzter Besuch bei uns sei. Eine Kollegin wäre zukünftig unsere Kontaktperson. Er selbst sei zum Innendienst verdonnert worden.
Ich bedauerte dies, hakte dann ein wenig nach. Ich glaube, Herr Liefert wollte mir die Geschichte von vornherein erzählen, aber halt nicht mit der Tür ins Haus fallen. So berichtete er mir bereitwillig, dass sich ein anderer Kunde bei seinem Arbeitgeber über ihn beschwert hätte. Herr Liefert hatte wohl gegenüber einer dortigen Mitarbeiterin eine Bemerkung gemacht, die diese offenbar unangemessen fand [während sie mich amüsiert hätte], so dass sie ihren Chef zu dieser Beschwerde getrieben hatte.

Tja, jetzt wird wohl Anfang nächsten Jahres die angekündigte Kollegin hier erscheinen. Wenn sie mir den geringsten Anlass zur Unzufriedenheit gibt, werde ich meinerseits den Supplier kontaktieren, um Herrn Liefert wieder als Kundenbetreuer zu erhalten. Wir haben eine lange, vertrauensvolle Zusammenarbeit hinter uns. Ich sehe nicht ein, warum wir dafür eine andere Person, insbesondere wenn sie noch ziemlich unerfahren ist, akzeptieren sollten. Da wir ein langjähriger Schlüsselkunde sind, hat dieses Ansinnen einiges Gewicht.


Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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17 Antworten zu Ankündigung einer Veränderung //2257

  1. keloph schreibt:

    keep me posted pls. ich mag deine gedanken. treue und vertrauen sind im geschäft zu sehr unter die räder gekommen

    Gefällt 2 Personen

  2. claudius2016 schreibt:

    Och, die L*-Pralinen sind doch superlecker…
    Dass eine Bemerkung, die lediglich als unangemessen empfunden wird, berufliche Konsequenzen haben, liegt wohl am Zeitgeist, der mir überhaupt nicht gefällt. Könnten stundenlang darüber klagen und immer wieder sagen, dass früher alles besser (anders) war.

    Gefällt 2 Personen

    • Die L*-Pralinen sind schon prima. Aber ich persönlich würde sie nicht kaufen, weil es wesentlich preisgünstigere Alternativen gibt, die mir mindestens genauso gut schmecken.

      Wegen dieser als unangemessen empfundenen Bemerkung wäre es schon übertrieben gewesen, Herrn Liefert nicht mehr zu dem betreffenden Kunden zu schicken, aber noch einigermaßen nachvollziehbar. Dass er jedoch alle anderen von ihm betreuten Kunden ebenfalls nicht mehr besuchen darf, ist eine maßlose Überreaktion.

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  3. blindfoldedwoman schreibt:

    Jetzt wäre interessant zu wissen, wie denn diese vermeintlich unangemessene Bemerkung lautete.

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  4. Mia schreibt:

    Hoffentlich bringt die neue Kollegin was zum Naschen mit, dann hat sie ja schon mal einen halben Pluspunkt. 😉 Oder lehnst du kleine Mitbringsel von weiblichen Geschäftspartner aus Prinzip ab?

    Du bist mit ziemlich vielen Männern bekannt, die aufgrund von „Bemerkungen“ von Frauen in Konflikte geraten. ^^
    Gibt es in deinem Umfeld auch Frauen, die von Männern mit unpassenden Bemerkungen behelligt bzw. belästigt wurden?

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    • Werbegeschenke – sofern ich mit ihnen etwas anfangen kann – sind stets willkommen.

      Ich kenne wesentlich mehr Männer als Frauen, bzw. habe fast nur mit Männern täglichen Umgang.

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      • Mia schreibt:

        Jetzt ist es ja eine Frau mehr, wenn auch nicht täglich. 😀
        BTW: In meiner Abteilung bin ich auch die einzige Frau. Ich finde ja, (fast) reine Männerabteilungen sind angenehmer als (fast) reine Frauenabteilungen – Thema Zickenkrieg. Dennoch habe ich nicht so ein – sagen wir mal – gestörtes Verhältnis zu Frauen wie du.

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  5. ednong schreibt:

    Bei den Pralinen hatte ich genau an diese gedacht 😉

    Mit dem Tausch des Kundenbetreuers ist Mist, gerade, wenn das Verhältnis blendend ist. Und mit diesen misslungenen Komplimenten – ja, das ist schon ziemlicher Mist zur Zeit. Mann traut sich fast gar nicht, noch irgendwas zu sagen, was gerade mir schwerfällt. Ich meine, man kann Dinge immer unterschiedlich verstehen und dann ggf. um Entschuldigung bitten. Und dann sollte gut sein.

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    • Ach, edi, .. Was soll ich sagen?
      Es gibt halt Leute, die es nur darauf anlegen, jede Äußerung möglichst missbilligend zu beurteilen.
      Wenn die es dann noch schaffen, sich Gehör zu verschaffen, .. tja 😦

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      • ednong schreibt:

        Ja, genau das ist das Problem.

        Vielleicht an anderer Stelle nichts zu sagen, dann muss man es halt so kompensieren. Und wenn man dann noch die Goldwaage in der Nähe hat …

        Aber habe ich auch in meiner letzten Stelle gemerkt – wenn m an zuviel weiß oder gar eine eigene Meinung, dann ist dann machen zu viel und viel zu gefährlich. Und dann werden alle Register gezogen, um denjenigen gehen zu lassen …
        Wie ein Schwerverbrecher – ich kann auch heute nur noch mit dem Kopf schütteln.

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