Schäfchen zählen //2148

Wenn man nicht einschlafen kann, soll man Schäfchen zählen. Angeblich hilft das. Mir hat das noch nie etwas gebracht, und ich dachte immer der Vorschlag sei metaphorisch (und nicht wirklich ernst) gemeint, dass man halt an etwas langweiliges, routineartiges denken soll.

Bereits vor längerer Zeit habe ich mal erfahren, dass es Leute gibt, die tatsächlich Bilder von hüpfenden Schafen vor dem inneren Augen haben. Sie sehen Details, Farben, die Bewegung der Schafe, Bäume, Wiesen, den Himmel, .. Das soll angeblich sogar der Normalfall sein.
Mit Mühe und äußerster Konzentration gelingt es mir, ein einziges Schaf in vagen Umrissen und schemenhaft zu erkennen. Um es über einen Zaun hüpfen zu lassen, habe ich schon keine Kraft mehr. Das Bild in meinem Kopf ist fast statisch, kaum mehr als eine rudimentäre Bleistiftskizze, und verflüchtigt sich in kurzer Zeit, so dass ich kein weiteres Schaf visualisieren kann. Der Denkprozess ist anstrengend, und beansprucht meine Aufmerksamkeit, so dass davon keine Bettschwere zu erhoffen ist.

Mein Kopfkino kann kaum Rastergraphik. Vektorgraphik ist (zyklusabhängig) ein wenig besser. Recht gut dagegen kann ich mir Vorgehensweisen oder sequentielle Abläufe mental konstruieren.
Wie geht es euch damit? Seht ihr detailreiche, bunte Schäfchen? Nur Silhouetten? Gar nichts?
Ist eure intrinsische Wahrnehmung 2D-flach, 3D-räumlich, oder gar 4D-bewegt?

Wenn ich in Romanen langatmige Beschreibungen von z.B. Landschaften las, so langweilte mich das, so dass ich diese Passagen nur überflog, am liebsten ganz übersprungen hätte.
Erstaunlicherweise scheinen manche Leute durch solche Beschreibungen ein tatsächliches Bild in ihrem Kopf aufzubauen. Für mich unvorstellbar.

Bei dem, was ich als mein Kopfkino oder inneres Auge bezeichne, handelt es sich nicht tatsächlich um einen visuellen Eindruck. Da existiert durchaus eine gewisse Vorstellung, aber die „sehe“ ich nicht, sondern es ist eine wesentlich abstraktere Erfahrung.
Wie könnte ich das veranschaulichen? Probieren wir’s mal so:
Stellt euch vor, ihr schaut durch eine dicke Milchglasscheibe in einen schlechtbeleuchteten Raum. Drinnen schwingt ein einfaches Drahtmodell wie ein Mobile langsam hin und her. Die Vertexkoordinaten sind mir allerdings auf eine gewisse Weise bewusst, die über einen optischen Sinneseindruck hinausgeht.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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37 Antworten zu Schäfchen zählen //2148

  1. keloph schreibt:

    ich bin da eher wie du glaube ich. schäfchen zählen ist aber für mich einfach unsinn. ich liege einfach gedankenleer, bis der schlaf dann kommt. und es gibt schriftsteller, deren wirklich langatmige beschreibungen dennoch faszinierend sind, echte könner wie zum beispiel günter grass. lebhafte bilder erzeugen sie dennoch nicht. es ist eher die genialität, an die ich mich immer wieder erinnere…..

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  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Hm, mein Kopfkino ist 3D, HDR und 5K in Technicolor und oft mit Surroundsound. Ich kenne das gar nicht anders. Bin nur froh, daß mein Geruchssinn da weitgehend ausgeklammert ist.

    3D-Modelle (Draht oder solide) kann ich problemlos im Kopf rotieren oder, wie mit einer Kamera-Drohne, umfliegen. Abläufe visualisieren geht auch prima. Schon aus vagen Andeutungen versucht mein Hirn etwas visuelles zu basteln. In Geometrie und verwandten Fächern war ich immer recht gut. Probleme hatte ich dagegen mit abstrakten Dingen, die ich nicht visualisieren konnte. Wenn ich etwas nicht visualisieren kann, dann habe ich Probleme es zu begreifen, was mir früher meine Mathe-Noten mit schöner Regelmäßigkeit verhagelt hat. Ohne Hilfskonstruktion wird’s schwer für mich.

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  3. claudius2016 schreibt:

    while (not alseep) {sheep++};

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  4. Christian_who schreibt:

    Mir hilft es eher mir vorzustellen wie Anne Nühm mit entblößtem Hinterteil vor mir über den Tisch gebeugt ist und was dann folgt. Einfach eine angenehme Phantasie aufbauen. Das nimmt mich dann mit in das Land der Träume

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  5. idgie13 schreibt:

    Bevor ich an Schafe denken kann, schlaf ich schon tief und fest. Länger als 2 Minuten brauch ich fast nie zum Einschlafen.
    Bilder seh ich auch nicht so richtig vor meinem geistigen Auge, glaub ich. Gesichter kann ich mir nur ganz schwer merken. Meine Nachbarn erkenn ich nur am Hund. Viecher kann ich mir lustigerweise merken.

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