Zwölfhundertachtundachtzig

Nach etlichen freizügigen Singlejahren, in denen eine (exklusive) Beziehung nie mein Ziel war, bin ich inzwischen seit über vier Jahren in einer glücklichen Beziehung, und auch schon bald seit drei Jahren verheiratet (das muss man sich mal vorstellen! – die meisten Ehen scheitern entweder in den ersten drei Jahren oder sind einigermaßen stabil – das gröbste haben wir also bereits hinter uns). Nach dieser Zeit ist es wohl nicht vermessen, wenn ich hier einmal einige Beziehungstipps gebe, wie man eine dauerhafte Beziehung am Leben hält.
Ihr dürft das gerne als Layer-8-Algorithmus kategorisieren.

Ein Sine-qua-non ist wohl Sex. Ein für beide befriedigendes Sexleben hilft, auch die eine oder andere Macke des Partners gelassen zu sehen.
Ich will hier gar keine konkreten Vorschläge machen, denn jeder Mensch hat andere sexuelle Vorlieben. Essentiell ist es, dass diese in einer Beziehung zusammenpassen und kompatibel sind. Am stabilsten ist eine Beziehung, bei der beide Partner eine ähnlich starke Libido haben, und zueinander komplementäre Praktiken schätzen.
Um das gegenseitige Verlangen aufrecht zu erhalten, ist es meiner Ansicht nach auch wichtig, niemals zu sehr in Routine und Gewohnheit zu geraten. Dies lässt sich vermeiden durch Abwechslung und kleine Überraschungen – auch mal ein wohldosierter Shittest. Dabei ist der Grat allerdings schmal zwischen als attraktiv empfundener Kapriziosität und Nerverei. Ganz ohne Herausforderungen würde eine Beziehung schnell langweilig, und der Coolidge-Effekt wäre nicht aufzuhalten. In der Layer-8-Kommunikation sind Nicht-Linearitäten deshalb absolut wünschenswert.

Wenn man zusammenlebt, nutzt man dadurch auch so manche Synergie. Man teilt Resourcen, braucht manches nicht doppelt zu erledigen, hilft und unterstützt einander, was den Alltag beider erleichtert.
Von den Punkten abgesehen, die beiden zugute kommen, gibt es auch Angelegenheiten, die nur einem nützen. Da ist es in einer Beziehung wichtig, dem anderen auch einmal eine Aufgabe abzunehmen, selbst wenn dies zusätzlichen Aufwand für einen selbst bedeutet. Man tut dem Partner ab und zu einen Gefallen, und idealerweise revanchiert er sich gelegentlich. Beides sollte man allerdings nicht gegeneinander aufrechnen. Langfristig gleicht es sich hoffentlich aus, so dass niemand ausgenutzt wird und draufzahlen muss.
Eine Beziehung ist ein Geben und Nehmen. Falls sich eine dauerhafte Schieflage dabei ergibt, die sich nicht mehr beheben lässt, ist eine Trennung vermutlich unvermeidbar.
Man steht einander bei und kann sich aufeinander verlassen. Sollte man eine gemachte Zusage einmal nicht einhalten können, kommuniziert man das dem Partner, der dafür i.A. Verständnis aufbringt.
Auch wenn man mal unterschiedlicher Meinung ist, trägt man diesen Konflikt nicht nach außen, sondern bereinigt ihn innerhalb der Beziehung.
Beide tragen gleichermaßen zum Gelingen der Beziehung bei. Wenn das klappt, so ist es eine Win-Win-Situation, für deren Erfolg jeder investiert hat.

Von romantischen Gefühlen sollte man sich keinesfalls blenden lassen. Unabhängig von irgendwelchen Liebessentimentalitäten, ist es viel wesentlicher, einander gern zu mögen, und auch mit den jeweiligen Macken gut klarzukommen.

In einer Beziehung verbringt man viel Zeit miteinander. Kommunikation miteinander ist sinnvoll, und auch zusammen Hobbys oder gemeinsame Interessen zu pflegen.
Trotzdem sollte man nicht non-stop aneinander kleben. Jeder braucht einen gewissen Freiraum, den er für sich alleine und ohne den Partner nutzt. Es kann furchtbar auf die Nerven gehen, wenn der eine dem anderen gar nicht mehr von der Pelle rückt. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, auch Interessen nachzugehen, zu denen der Partner keinen Bezug hat.

In jeder Beziehung gibt es mal unterschiedliche Ansichten, die vielleicht sogar zu einem Streit eskalieren. Bevor man es soweit kommen lässt, sollte man überlegen (falls man das in der Hitze des Gefechts noch schafft), ob einem der Streitpunkt so wichtig ist. Wenn er das nicht ist, ruhig mal nachgeben und einen Kompromiss schließen. Man kann sich nicht jedesmal durchsetzen, und sollte seine Kräfte nur für wirklich wichtige Ziele investieren.
Eine Beziehung bringt es mit sich, dass man sich sehr gut kennt, und vertraut miteinander ist. Da verhält man sich schon mal unfreundlicher, als man es fremden Menschen gegenüber tut. Ich halte dies für ein Zeichen der Authentizität, und solange es in angemessenem Rahmen bleibt, ist das OK, und man nimmt es sich nicht gegenseitig übel.
Eine stabile Beziehung zeichnet sich eben dadurch aus, dass man einander nicht mit Samthandschuhen behandeln muss, sondern sich nicht zu verstellen braucht.
Eine erfolgversprechende Methode, Konflikte zu lösen, ist – und da schließt sich der Kreis wieder – Sex, da man danach richtig entspannt und ergebnisoffen diskutieren kann.

Ein Alpha-Teilchen besteht aus jeweils zwei Protonen und Neutronen, und hat eine geringere Masse als die Summe der Nukleonenmassen. Dieser Massendefekt resultiert aus der Bindungsenergie zwischen den Nukleonen. Das Gesamtsystem ist also leichter als die Einzelkomponenten. Eigentlich würden die elektrisch positiven Ladungen der Protonen einander abstoßen, aber die starken Kernkräfte überwinden dies.
Die Nukleonen bestehen aus jeweils drei Quarks, deren elektrische Ladung sich teilweise ebenfalls abstößt. Die starke Wechselwirkung jedoch, vermittelt durch Gluonen, sorgt dafür, dass die Quarks so fest aneinander haften, so dass bislang noch keine freien Quarks beobachtet werden konnten. Sie befinden sich in einen Confinement mit asymptotischer Freiheit.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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21 Antworten zu Zwölfhundertachtundachtzig

  1. imion schreibt:

    Hervorragend.

    Meine Frau und ich sind nächsten Monat 15 Jahr zusammen und ich kann dir in allen Punkten nur beipflichten. Und man die Bedeutung von Kommunikation in einer Partnerschaft gar nicht hoch genug einschätzen

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  2. ednong schreibt:

    Jepp,
    kann ich auch nur sagen (aus Erfahrungen der gescheiterten Beziehungen anderer): Kommunikation innerhalb der Beziehung ist das A und O.

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  3. Leser schreibt:

    Diesen Text dann ausdrucken (ohne die Website und ähnliches drum herum) und Benjamin & Teresa zum Lesen geben 🙂

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  4. Danny schreibt:

    Zweck (und Sinn) einer Beziehung ist aber nicht Spass, Effizienz oder gar Kommunikation sondern Kinder (kriegen + aufziehen). Das gilt insbesondere für Frauen in deinem Alter wegen der zeitlich begrenzten Fruchtbarkeit. Die genannten Beziehungsgütekriterien sind da sozusagen nur Mittel zum Zweck.

    Die Seitensprungfreudigkeit von Frauen nimmt meistens zu mit der Zeit zu die sie nicht schwanger geworden sind. Vier Jahre ist schon ziemlich viel, also falls du mal ein Seitensprungziel suchst .. 😉

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    • Du redest fast wie mein Eltern.

      Im RL gäbe es schon potenzielle Seitensprungziele, aber ich beabsichtige, mich an die Exklusivtätsvereinbarung mit meinem Mann zu halten.
      Die Gedanken sind allerdings frei ..

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      • Danny schreibt:

        „Du redest fast wie mein Eltern.“

        Lol, ja, meine Eltern sagen auch ich würde wie ihre Eltern reden.

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      • Danny schreibt:

        Aber ich glaube ich verstehe es langsam: Vasektomie ist die konsequenteste Art und Weise wie auch heterosexuelle Männer Schwul sein können.

        Heisst: Ihr Leben dem Materialismus weihen.

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        • Häh? Das verstehe ich jetzt nicht.
          Kannst du ein wenig näher ausführen, was Vasektomie, Schwulsein und Materialismus miteinander zu tun haben sollen?

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          • Danny schreibt:

            Ja, das ist schwierig zu erklären.

            Schwul sein ist nicht in erster Linie eine sexuelle Ausrichtung sondern eine Lebenseinstellung: Freiwilliger Verzicht auf Familie und andere trad. Ideale zugunsten von Spass, Sex, Parties, Eitelkeit, Geld und Status. Quasi das kapitalistische Ideal dieser Zeit in Reinform.

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          • Danny schreibt:

            Sicher kann man sich das aussuchen, fast alle Schwulen hatten schonmal Sex mit Frauen. Schwule sind eine Erfindung der Moderne; früher gab es allenfalls Unzucht. Mgtow geht wohl leider auch in die Richtung, das stimmt, vermutlich beides motiviert durch schlecht erzogene Frauen (Feminismus), was sie einfach unattraktiver macht als Partner, v.a. als Ehepartner, und eben durch den allgemeinen gesell. Trend Richtung Hedonismus, Individualismus, Materialismus, etc.

            Wenn ich deine Blogs richtig lese tritt das allerdings auf deinen Partner eh nicht zu, weil er schon Kinder hat, insofern war mein Kommentar da etwas voreilig.

            Viele Redpiller werden wohl tatsächlich aus dem Genpool ausscheiden und einsam sterben, weshalb ich das ganze mittlerweile etwas skeptischer sehe; ändert natürlich nichts daran dass sie weitgehend Recht haben was den Umgang mit Frauen betrifft..

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            • Das kann man sich höchstens aussuchen, wenn man eh eine Bi-Veranlagung hat.
              Und früher wurde Homosexualität einfach nicht thematisiert (von den alten Griechen mal abgesehen).

              An Redpill ist einiges dran.

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            • Danny schreibt:

              Das ist die moderne Auffassung, allerdings zeigen zahlreiche Studien, dass die meisten Homosexuellen bisexuell sind oder zumindest auch gelegentlich Sex mit Frauen haben oder hatten. Jedenfalls trifft es auf die Schwulen zu die ich kenne, mit den meisten kann man sich sogar durchaus fachkundig über weibliche Attraktivität unterhalten.
              Anders würd es auch evolutionär gesehen keinen Sinn machen.

              In der modernen Schwulenszene ist es allerdings so, dass offen Bisexuelle diskriminiert werden, was zusammen mit den anderen genannten Tendenzen die reproduktive Fitness bekennender Schwuler stark reduziert, was die Frage aufwirft wie lange es Schwule noch geben wird.

              Ähnliches gilt vllt für moderne Frauen und Feminismus; in den westlichen Demokratien korrelliert niedrige Fertilität bei Frauen mit hohem IQ. Im Mittelalter und in der DDR wars aber wohl andersrum. Jedenfalls, Grund genug bevorzugt mit intelligenten Frauen zu flirten, selbst wenn es anstrengender ist. :]

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            • die Schwulen zu die ich kenne, mit den meisten kann man sich sogar durchaus fachkundig über weibliche Attraktivität unterhalten

              Was beweist das? Sie kennen halt die üblichen Kriterien, nach denen das Äußere von Frauen sonst bewertet wird.
              Diese Kriterien kennen Frauen auch, und es soll vorkommen, dass sie miteinander „Schönheitstipps“ o.ä. besprechen, über Dritte herziehen, oder Frauenzeitschriften lesen, in denen AFAIK auch nicht viel anderes steht.

              Die Schwulen, mit denen ich mich über männliche Attraktivität unterhalten habe, scheinen dagegen deutlich andere Merkmale zu bevorzugen als ich, oder auch andere Frauen, die das thematisiert haben.

              Grund genug bevorzugt mit intelligenten Frauen zu flirten, selbst wenn es anstrengender ist

              Ist hoffentlich auch interessanter und anregender.

              Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Dwidder mal widder //1490 | breakpoint

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