Radveteranen //2142

Zum Abschluss der Fahrradtour wollten Carsten und seine Freunde noch ein letztes Mal gemeinsam zu Abend essen. Diesmal war eine Begleitperson ebenfalls willkommen. Aber außer mir (bequem gekleidet in Blusenshirt und Stretchrock) nahm das nur eine andere Frau (Mitte 50, im kittelschürzenartigen, geblümten Sommerkleid) wahr.
Carsten begrüßte mich deutlich sonnengebräunt und hocherfreut, als wir uns am verabredeten Ort trafen. Leider hatten wir keine Gelegenheit, das Wiedersehen gleich zu vertiefen.
Außer Thomas kannte ich noch einen weiteren der Mitradler, wenn auch nur flüchtig. Carsten stellte mir die anderen vor.

Die andere Frau schien sich bei den fachlichen Unterhaltungen zu langweilen, und versuchte krampfhaft, mit mir ins Gespräch zu kommen. Aber zu den von ihr angefangenen Themen habe ich nichts zu sagen. Es störte mich hingegen zunehmend, dass ich ihretwegen kaum etwas von den Fachsimpeleien mitkriegte.
Als einer der Männer meinte, sie alle sollten das Thema wechseln, um „die Damen nicht zu langweilen“, stellte ich schnell klar, dass ich ebenfalls vom Fach sei, und mich überhaupt nicht dabei langweile. Carsten bestätigte das, und fügte hinzu, dass er „eine promovierte Physikerin geheiratet“ habe. Ich widersprach ihm, denn erstens war ich damals noch nicht promoviert, und zweitens habe ich zwar einen rerum naturae, aber der ist in Mathematik.
„Aber du bist Physikerin“, unterbrach mich Carsten, „und du nimmst alles viel zu genau.“
„That’s my job“, bestätigte ich schulterzuckend.

Die Männer ließen die Radtour noch einmal Revue passieren. Sie war wohl doch anstrengender gewesen, als sich einige das vorher vorgestellt hatten. Durch Sonnenbrand, Muskelkater, Kreislaufbeschwerden, Erkältungen, ein paar kleinerer Sportverletzungen (Carsten beispielsweise hatte sich aufgrund eines Beinahe-Sturzes eine leichte Oberschenkelzerrung zugezogen) sowie einer Magenverstimmung waren sie mehr als einmal davor gewesen, die Tour abzubrechen. Die täglichen Routenlängen waren anscheinend etwas zu ambitioniert gewesen.

Nachdem wir alle fertig gegessen hatten, und eigentlich schon zum Heimweg aufbrechen wollten, hatte einer die Idee, noch gemeinsam das gerade stattfindende Volksfest zu besuchen. Die Meinungen waren gemischt.
Carsten erklärte: „Die Tour mit euch war toll, Jungs, aber jetzt reicht es auch wieder.“ Er fasste mich um die Taille, und fügte augenzwinkernd hinzu: „Außerdem habe ich einiges nachzuholen.“
Wir verabschiedeten uns, und kehrten nach Hause zurück. So weit ich mitgekriegt habe, sind gerade mal zwei zum Volksfest. Die anderen wollten ebenfalls lieber heim.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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32 Antworten zu Radveteranen //2142

  1. blindfoldedwoman schreibt:

    Jetzt ist er auch in der Übersicht zu sehen. Vorher nur auf Deiner Seite.

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  2. blindfoldedwoman schreibt:

    Nur 2 Frauen anwesend? Die anderen scheinen ihre Männer ja nicht sonderlich vermisst zu haben.

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  3. MartinTriker schreibt:

    Das mit den Zusatzlasten war ja wie gesagt nur anfangs. Mittlerweile benutze ich es auch gerne für die Fahrten zur Arbeit und zurück. Wie heute.

    Tagesetappen mit 40, 50km sind aber auch mit „Bergen“ (BK = Backnang?) nicht so arg. Auch mit Pausen. Da haben sich die Herren schon länger nicht mehr bewegt.

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