Wochenendbesuch //2083

Das Wochenende mit Thomas und Leonie war gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte.
Die beiden kamen am Freitagabend an, als es schon fast Zeit zum Bettgehen war.
Carsten ist für Leonie noch immer ein Nennonkel, aber wir kamen gleich überein, dass wir uns duzen würden, und sie mich einfach Anne nennt.
Wir zeigten ihnen noch die vorbereiteten Gästezimmer und vereinbarten, uns am nächsten Morgen um acht Uhr zum gemeinsamen Frühstück zu treffen.

Zum Glück war niemand dann in der Stimmung, schon so früh Konversation zu machen, was ich als recht wohltuend empfand. Nachdem alle fertig waren, begann ich, den Tisch abzuräumen.
„Kann ich dir helfen, Anne?“, fragte mich Leonie. Ich war positiv überrascht, und bedeutete ihr, welches Geschirr sie in die Küche tragen sollte.
Während wir etwas später noch in der Küche beschäftigt waren, fragte ich sie, was sie nach ihrem bevorstehenden Abitur vorhätte.
„Also gleich danach will ich mit zwei Freundinnen für vierzehn Tage nach Frankreich fahren. Die eine hat dort Verwandte. Wir haben das schon genau geplant.“
„Und später? Willst du dann studieren? Oder eine Ausbildung machen?“

„Ich will unbedingt ‚was kreatives machen. Ich glaube, ich studiere Design, habe mich aber noch nicht endgültig entschlossen.“
Design ist ja ein weites Feld. Da gibt es Webdesign, Modedesign, und was weiß ich noch alles. Also fragte ich nach: „Was genau willst du denn designen?“
„Produktdesign“, erwiderte sie, „ich möchte Gebrauchsgegenstände, Möbel, Geschirr, elektronische Geräte, und all so was entwerfen. Das würde mir Spaß machen. Ich kann ganz gut zeichnen, und habe auch schon selbst kleine Modelle von größeren Gegenständen gebaut.“
Sie erzählte noch einiges mehr davon – im angenehmen Mittelfeld zwischen Maulfaulheit und Labertasche. Mir gefiel, dass sie recht klare und konkrete Vorstellungen hatte, die sie auch zielstrebig und mit Realitätssinn umsetzen wollte.
„Das ist bestimmt interessant. Dazu braucht man auch etwas technisches Wissen. Hast du denn schon über dein Basteln hinaus praktische Erfahrungen sammeln können?“

„Äh, nein, noch nicht. Ich dachte, dass ich vielleicht im August oder September noch irgendwo ein Praktikum machen kann, oder jobben. Papa meint, ich solle mal Onkel Carsten deswegen fragen, ob das in seiner Firma geht.“
„Dafür bin ich zuständig. Produktdesign läuft bei uns aber nur so am Rande mit. Lassen wir gegebenenfalls auch von externen Agenturen erledigen.“
Jetzt bin ich gerade erst die Maschinenbaustudentin los, die im Rahmen einer Forschungskooperation bei uns eingesetzt worden war. Andererseits ist Leonie tatsächlich ein sympathisches, hilfsbereites Mädchen, das bisher noch keine Allüren gezeigt hat und ganz vernünftig redet. Und es wäre ja auch nur für ein paar Wochen. Warum also nicht?
Ich sagte ihr also, dass sie mir ihre Kurzbewerbung zumailen soll. Ich werde mal mit Ulrich und Jason reden, ob es bei uns im Sommer eine Einsatzmöglichkeit gibt. Dann sehen wir weiter.

Thomas und Leonie verbrachten den Rest des Samstags gemeinsam in der Umgebung und kamen erst am Abend zurück. Gegessen hatten sie unterwegs.
So hatten Carsten und ich doch noch einige Zeit für uns, in der wir auch das schöne frühlingshafte Wetter auskosteten.

Am nächsten Morgen frühstückten wir wieder alle zusammen.
Diesmal wollten wir auch gemeinsam zu Mittag essen, bevor Thomas und Leonie sich verabschieden würden. Carsten hatte noch nicht geplant, ob wir daheim essen wollten, oder auswärts.
„.. oder Anne macht uns ihre Ofennudeln“, schlug Carsten vor“, „die sind super!“
Die schmecken zwar schon sehr lecker und ich hätte dann morgen gleich noch Reste zum Aufwärmen, machen aber auch einiges an Arbeit, und ich muss dafür vier Stunden für die Zubereitung einplanen (notfalls schaffe ich sie auch in dreieinhalb Stunden, aber dann wird es zeitweise stressig). Ich war nicht unbedingt begeistert, sondern fragte erst einmal, ob denn auch alle Fleisch essen, und keine Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben.
„Ich helfe dir gerne, Anne!“, erklärte Leonie.
Das ist nett. Bei dem ganzen Gemüseschippeln gäbe es schon einiges zu tun. Andererseits habe ich die Sache durchaus im Griff und mein Timing steht, so dass ich dankend ablehnte, und meinte, sie solle die paar Stunden lieber nutzen, um sie mit ihrem Vater zu verbringen.

Das Mittagessen lief dann auch noch harmonisch ab. Ich hatte dazu noch einen gemischten Salat aus Chicoree und Paprika gemacht. Ich selbst mache mir zwar nichts aus Salat, aber Carsten isst ihn gern, und unseren Gästen wollte ich auch die Option bieten. Als Nachtisch reichte ich Sahne-Schmoräpfel mit gerösteten Walnüssen und Vanilleeis.
Carsten war es, der die freitägliche Schulschwänzerei zur Sprache brachte. Leonie meinte, an ihrer Schule seien das nur einzelne, und in der Abiturklasse beteiligte sich höchsten ausnahmsweise mal jemand. Sie würden sich ja selbst schaden, wenn sie prüfungsrelevanten Stoff verpassen würden. Das gibt mir doch noch ein wenig Hoffnung für diese Generation. Erst mal seine eigenen Verpflichtungen erfüllen, bevor man sich an irgendwelchen Weltrettungsversuchsinszenierungen beteiligt.
Etwas später tranken wir noch zusammen einen vorgezogenen Nachmittagskaffee, bevor Thomas und Leonie aufbrachen, so dass Carsten und ich den Restsonntag noch in Zweisamkeit genießen konnten.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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7 Antworten zu Wochenendbesuch //2083

  1. keloph schreibt:

    auch das geht – mit den richtigen besuchern.

    Gefällt 1 Person

  2. Alex ii schreibt:

    Ofennudeln = ?

    Liken

  3. Pingback: Bewerbungseingang //2090 | breakpoint

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