The Modeling Experience //1669

Es ist schon mehrere Jahre her, als mich ein Bekannter überredete, für einen guten Zweck an einem Fotoshooting teilzunehmen. Da ich offen für eine neue Erfahrung war, ging ich darauf ein.
Zunächst schminkte mich die Stylistin (oder wie sonst die korrekte Berufsbezeichnung lautet) dezent und bereitete mich vor.
Der Fotograf bewunderte meine langen Haare, und hatte die Idee, mich mit wehenden Haaren abzulichten. Dazu musste seine Assistentin mich seitlich mit einem Fön anblasen.
Soweit ich mich erinnere, haben wir uns hauptsächlich über die Auflösung seiner Digitalkamera unterhalten, die mich damals, als ein oder zwei Megapixel im Konsumermarkt üblich waren, sehr beeindruckte.
Ich weiß nicht mehr, ob ich für meinen Zeitaufwand und die Anfahrt eine Aufwandsentschädigung erhielt. Immerhin gab es ein Geschenk als Anerkennung, und nach einigen Wochen bekam ich eine DVD mit den Fotos zugeschickt (lässt sich leider nicht mehr lesen).
Tja, damals war mein Portrait in einer bundesweiten Wanderausstellung in zwanzig bis dreißig Großstädten zu sehen, und längere Zeit auch auf der Website des Organisators (mittlerweile aber schon längst nicht mehr, wobei ich nicht ausschließen kann, dass Kopien noch irgendwo im Internet herumgeistern, aber die sind nicht mit meinem Namen verknüpft).
Einmal war das ja ganz OK, aber auf Dauer würde ich das nicht machen wollen. Es ist schon ziemlich langweilig, und dann muss man so viel mit fremden Menschen kommunizieren.

Noch länger her ist es, als ich zu Studienzeiten bei einem Bekleidungshaus, das gelegentlich Modeschauen veranstaltete, zwei- oder dreimal als Mannequin vertretungsweise einsprang. Die meiste Zeit musste ich nur hinter den Kulissen warten, bis ich dran war, um dann lasziv über den Laufsteg zu schlendern.
Nee, das ist nicht meine Welt. Ich mag lieber mit Zahlen umgehen, als dauernd mit anderen Leuten reden zu müssen. Und das dauernde Umziehen nervt (insbesondere wenn die Kleidung erst noch angepasst werden muss, weil Konfektion ja mit Modelmaßen nicht kompatibel ist). Soll das machen, wer sonst nichts besseres zu tun hat.

Ich hatte auch schon mehrfach abgelehnt, Role Model zu werden. Wenn ich modelliere, dann höchstens SW-Architekturen, und natürlich bin ich Fan des Standardmodells.

So weit hatte ich den Text bereits vor einigen Tagen geschrieben.
Nun gibt es wieder mal eine Hashtag-Aktion #NotHeidisGirl, die sich auf diese Topf-Model-Sendung auf Prosieben bezieht. Das passt irgendwie zum Thema, so dass ich noch kurz meine zwei Cents dazugebe.
Ich gebe zu, dass ich diese Sendung nie gesehen habe, höchstens hin und wieder einen Programmhinweis in den Werbepausen, wenn ich gerade mal wieder TBBT oder Simpsons schaue. Da ging es vor allem um irgendwelche Herumzickereien von Tussis mit nichtssagenden Gesichtern. Die giften sich gegenseitig an, mindestens eine heult rum. Dazwischen eine unsympathische Moderatorin mit unangenehmer Quietschstimme. Das tue ich mir nicht an. Keine Ahnung, warum sich überhaupt jemand so etwas ansehen sollte. Wenn ich (warum auch immer) eine attraktive, schlanke Frau sehen will, so schaue ich in den Spiegel.

Bei der Bezeichnung „#NotHeidisGirl“ kam mir zugegebenermaßen zuerst dies in den Sinn:

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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7 Antworten zu The Modeling Experience //1669

  1. wollesgeraffel schreibt:

    Hab ich gerne gelesen, ein Blick in eine andere Welt. Was diese unsäglichen Casting Shows angeht bin ich ganz Deiner Meinung. Als Fernsehloser lese ich Kommentare und bin gut genug informiert, ich brauch das nicht. Ist Dir bestimmt aufgefallen, wir hatten nie bessere Fernseher und niemals schlechtere Programme.
    Ein kluger Mensch schrieb von den drei Stufen des Fernsehens. In Stufe eins machen Intelligente Fernsehen für Intelligente. In Stufe zwei Intelligente für Dumme. In Stufe drei Dumme für Dumme. Stufe drei ist erreicht, ich fürchte, es geht locker noch tiefer.

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    • Tja, das Fernsehprogramm ..
      Ich schaue inzwischen nur noch wenig. Einzelne Serien, manchmal Naturdokumentation (z.B. TerraX), gelegentlich ein Spielfilm, von dem ich hoffe, dass er einigermaßen Esprit hat.
      Um Casting Shows, Doku Soaps und ähnlichen Trash mache ich einen Bogen.

      Manchmal hatte ich schon den Eindruck, dass es beim Fernsehprogramm nur noch darum geht, wer mit den größten Geschmacklosigkeiten die meisten Zuschauer anlockt.

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      • wollesgeraffel schreibt:

        So ist es, niedere Instinkte angesprochen, steigern die Einschaltquoten. Die Nachrichten sind Propagandamüll und die Talkshownutten fallen unter Trash. TBBT hab ich seinerzeit gerne gesehen, und die Opernübertragungen auf Arte und 3SAT. Aber das ist so selten, da lohnt sich die Neuanschaffung nicht.

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  2. ednong schreibt:

    Ach ja, Heidi …

    Klar geht es beim Fernsehen nur um Quoten. Denn damit kann man die Werbung entsprechend hoch tarifieren. Gott sei Dank hab ich keinen Fernseher, schau nur ab und an bei Freunden mal, wenn ich Haus/Wohnung hüte. Dann aber exzessiv Serien wie NCIS o. ä. Die könnte ich mir sicher auch am PC angucken, wenn nicht der Kopierschutz das Anschauen der eigenen DVD verhindert …

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  3. Pingback: Herb(stlich)e Gedanken //1670 | breakpoint

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