Dreizehnhundertdreiundachtzig

Hinter den Kulissen der letztwöchigen Diskussion, ob wir Frank’s Frau einstellen sollen, wurde ich gefragt, wie ich denn reagieren würde, wenn ich von einem Seitensprung meines Mannes erführe.

Zunächst – wir geben uns keinerlei Veranlassung, Sex außerhalb der Beziehung zu suchen, und haben auch nicht die Absicht. Trotzdem wäre es naiv und unehrlich, dies völlig auszuschließen. Ich denke aber, dass eine stabile und gesunde Beziehung einen einmaligen Ausrutscher verkraften muss.
Natürlich wäre ich erst einmal sauer über den Bruch unserer Exklusivitätsvereinbarung. Aber ich würde mich nach ein paar Tagen auch wieder abregen. Denn vom Kopf her kann ich nachvollziehen, dass so eine Sache völlig bedeutungslos ist.
Meinem Magen wäre es allerdings schwerer zu vermitteln. Deshalb hoffe ich, dass er einen eventuellen Seitensprung so geschickt und diskret wie möglich abwickeln würde, damit ich davon gar nichts mitkriege. Denn was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Nichtwissen ist besser für den Seelenfrieden.

Vor vielen Jahren habe ich einmal einen bestimmten Roman gelesen. Er war nicht besonders gut, so dass ich den Titel längst vergessen habe. Aber die Handlung ist mir grob in Erinnerung geblieben:
Ein Mann hatte eine längere Affäre. Als seine Frau irgendwie davon erfuhr, ließ sie sich zum Ausgleich (Rache, Vergeltung oder Strafe war AFAIR nicht ihr Motiv) ebenfalls mit einem anderen Mann ein.
Ihr Mann erfuhr davon, und trennte sich daraufhin von ihr, und zwar mit der Begründung, er hätte es verstanden, wenn sie für den anderen echte Gefühle gehabt hätte, so wie er für seine Geliebte, aber dass sie sich ohne nähere Verbundenheit zu dem anderen Mann mit diesem eingelassen hätte, könne er ihr nicht verzeihen.
Ich konnte diese Argumentation schon damals nicht nachvollziehen, und kann es heute erst recht nicht. Unverbindlicher Sex hat doch gar nichts mit der Beziehung, die man führt, zu tun. Während ein engeres Verhältnis zu einer dritten Person die Beziehung durchaus beeinträchtigt, weil emotionale Resourcen nach außen leaken.

So weiß ich nicht, ob ich mit einer dauerhaften Nebenbuhlerin klar käme. Vermutlich nicht. .. Nee, ich würde sie ganz gewiss nicht neben mir dulden. Definitiv nicht.
Eine innige 1:1-Relation ist unteilbar. Lieber keine Beziehung als eine polyamore.

Vor zwei Jahren hatten wir ja schon so eine Krise, obwohl objektiv besehen, gar nichts wirklich passiert war.
Aber damals war ich auch gesundheitlich angeschlagen, so dass mich die Angelegenheit weit mehr belastet hat, als sie wert war.
Inzwischen haben wir andere Probleme miteinander durchgestanden, durch die unsere Beziehung und das Vertrauen zueinander gewachsen sind. Deshalb glaube ich schon, dass ich über einen gelegentlichen ONS hinwegsehen würde (sofern ich nicht dadurch selbst zu kurz käme). Das wäre weniger als ein Promille, bezogen auf unsere bisherigen sexuellen Interaktionen, und somit vernachlässigbar.
Allerdings hätte ich dadurch wohl schon etwas gut bei ihm. Das heißt nicht, dass ich mich dann sofort auf den nächstbesten Mann stürzen würde. Aber wenn es sich bei mir einmal ergeben würde, könnte ich das ohne allzu schlechtes Gewissen tun, und ohne Bedenken, dass er es zu persönlich nehmen würde.

Obwohl ich Grund zur Annahme habe, dass es die ganze Thematik ähnlich sieht, will ich es nicht darauf ankommen lassen.

Advertisements

Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Dreizehnhundertdreiundachtzig

  1. safasadjida schreibt:

    Natürlich findet es meine Zustimmung, dass man durchaus einen ONS als das abtun kann, was es ist. Unwichtig. Eine Affäre? Das ist schwieriger, finde ich. As läuft gern über einen längeren Zeitraum. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Das stimmt schon.Allerdings ist es wie beim Grenzen-Überschreiten. Es wird immer mehr. Plaudern wir mal aus dem Nähkästchen: Exmann hatte durchaus immer mal etwas mit anderen Frauen. Immer das genaue Gegenteil, von dem was er zuhause hatte, also mir. Blond, knabenhaft. Irgendwann wurde es mir zugetragen. Das war dann schon nicht mehr so gut.Wie gesagt, was man nicht weiß, macht einen nicht heiß. Aber: Schluß war dann doch, als es soweit ging, dass mein Sohn nach Hause kam und mir davon erzählte, dass er seinen Vater mit einer anderen Frau, ebenfalls blond, auf der Strasse in eindeutiger Haltung gesehen hatte. DAS war dann doch zu viel.

    Gefällt mir

    • Jeder hat da wohl seine persönlichen Grenzen, und es hängt auch von der Situation und dem Einzelfall ab, wie man genau reagiert.

      Während ich über einen einmaligen ONS wohl noch hinwegsehen könnte (insbesondere, wenn er glaubwürdig bereut wird, und ich selbst zu dieser Zeit nicht verfügbar war), wäre eine längere Affäre eindeutig jenseits meiner Toleranzschwelle.
      Schwierig wäre es, wenn es öfter einen ONS gäbe. Einerseits würde es wohl darauf hindeuten, dass jeder einzelne unwichtig ist. Andererseits würde mich die Häufung dennoch stören.
      Da weiß ich nicht, wo die genaue Grenze läge.

      Sich so eindeutig mit einer anderen Frau in der Öffentlichkeit sehen zu lassen, wie es dein Ex-Mann gemacht hat, finde ich schon recht daneben.
      Dafür habe ich kein Verständnis. Diskretion ist eigentlich das Mindeste, so dass keine Unbeteiligten davon erfahren.

      Gefällt mir

  2. sevens2 schreibt:

    „Denn vom Kopf her kann ich nachvollziehen, dass so eine Sache völlig bedeutungslos ist.
    Meinem Magen wäre es allerdings schwerer zu vermitteln. Deshalb hoffe ich, dass er einen eventuellen Seitensprung so geschickt und diskret wie möglich abwickeln würde, damit ich davon gar nichts mitkriege.“ Konsequent.

    Gefällt mir

  3. Plietsche Jung schreibt:

    Ich bin sicher, dass jeder Mensch da ganz persönlich für sich entscheidet und ob dein Mann wirklich so tolerant ist wie du glaubst, zeigt sich erst, wenn es passiert. Ein Wort, selbst das deines Mannes, kann sich in einer Doppelsekunde wandeln und nicht jeder ist so rational wie du.

    Du kannst niemanden in den Kopf schauen, selbst dein Mann wird Dinge an sich haben, die er nicht mit dir teilt.

    Gefällt mir

  4. Pingback: Das Dilemma mit der Monoandrie //1516 | breakpoint

  5. Pingback: Ein Tweet kommt selten allein – #SpeakFreely //1569 | breakpoint

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s