Dreizehnhundertvierundachtzig

Auf dem Weg zum Büro befindet sich ein kombinierter Fußgänger-Rad-Weg. Ein paar hundert Meter lang, mindestens zwei Meter breit, links und rechts ein Grasstreifen.
Es ist dort nur recht wenig los. Ab und zu braust mal ein Radfahrer vorbei, gelegentlich kommt ein Fußgänger entgegen.
Ich laufe grundsätzlich ziemlich weit rechts. Dann brauche ich nicht auf entgegenkommende Radfahrer oder Fußgänger zu achten.

So war ich auch neulich unterwegs, als mir eine Frau entgegenkam, den Blick leicht auf den Boden gerichtet. Entgegen aller Gepflogenheiten ging sie allerdings links, so dass sie direkt auf meiner Seite war. Ich dachte mir erst mal nichts dabei, und nahm an, dass sie noch ausweichen würde. Ich selbst ging noch ein Stückchen weiter nach rechts, soweit gerade möglich, um den Weg nicht zu verlassen.
Sie kam näher, und machte keinerlei Anstalten, die Richtung zu wechseln.
Ich ging ebenfalls geradeaus weiter, nicht aus Sturheit, sondern weil es einfach Konvention ist, dass man rechts aneinander vorbeigeht. Notfalls hätte ich noch auf den Grasstreifen ausweichen können.
Im letzten Moment, kurz bevor sie mich gerammt hätte, drehte sie dann doch noch ab. Von der Seite her sah ich, dass sie schwanger war (oder einen auffallenden Bauchansatz hatte).

Was soll man jetzt davon halten?
Bin ich eigentlich sehr verschroben, wenn ich wissen will, was Leute zu ungewöhnlichem Verhalten bringt?

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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73 Antworten zu Dreizehnhundertvierundachtzig

  1. Adrian schreibt:

    Nope, bist Du nicht ☺

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  2. Jezek1 schreibt:

    Einfach nicht darüber nachdenken, people are people

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  3. keloph schreibt:

    im deutschen kulturkreis ist es üblich, rechts aneinander vorbeizugehen 🙂 aber auch das scheint nicht mehr gesellschaftlicher konsens zu sein

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  4. grumpyoldfart schreibt:

    Wa spricht dagegen, hier eine modifizierte Version von Hanlon’s Razor anzunehmen? Keine (böse) Absicht, sondern vielleicht war die Gegenüber einfach nur so in Gedanken vertieft?

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  5. whocares schreibt:

    Ich gehe – obwohl ich voll im deutschen Kulturkreis sozialisiert wurde – oft links. Das ist bei mir einfach Gewohnheit als Hundebesitzer, weil es hierzulande üblich ist, den Hund links zu führen. Aus praktischen Erwägungen (Grünstreifen, andere hundescheue Passanten) nimmt man selber dann auch die linke Seite des Weges.

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  6. kittygirl1988 schreibt:

    Ich denke auch ständig über solche Dinge nach. 🙂
    Vielleicht war sie im Pokemonfieber?

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  7. Plietsche Jung schreibt:

    Bei vielen Frauen ist links doch das andere rechts !

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  8. ednong schreibt:

    Rechts ist da —->>>
    <<<—- Dort ist links.

    Wenn du also rechts gehst – welche Konvention besagt, dass man das normalerweise macht? Ich gehe öfters am linken Rand – und sie weicht dir aus, dann geht ihr links aneinander vorbei. Würdet ihr rechts aneinander vorbeigehen, müßtest du nach links ausweichen …

    Und du willst das Verhalten anderer Menschen verstehen, die sich auffällig und nicht vernünftig verhalten. Oha.

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  9. Leser schreibt:

    Haha, so einen schmalen Weg haben wir auch (normalerweise sind die Bürgersteige bei uns eher so zwischen 6-15 Meter breit), und wenn ich da lang gehe, hab ich auch oft eine Tüte oder einen „Hackenporsche“ mit den über einige Wochen gesammelten Pfandflaschen dabei, weil in die Richtung ein Supermarkt ist. Ich habe also „Überbreite“, und dann kam mir auch mal jemand entgegen, ebenfalls mit einer Tüte oder so im Schlepptau, ich habe mir dann schon innerlich grinsend gedacht „na, wer macht wohl Platz?“, zugleich war das aber auch so eine Art gegenseitiges Anstarren mit Pokerface (man schaut in die Richtung des Gegenübers, aber „durch es durch“, also lässt sich nicht anmerken, dass man es wahrgenommen hat, die Augen sind auf den Hintergrund „defokussiert“), und im letzten Moment ist sie dann noch zur Seite gegangen. Ich dachte mir nur: „Hmm! Dafür reicht meine Kraft also noch aus!“ – im Sinne von „Autorität“, denn trotz breiter Bürgersteige ist es hier oft Gang und Gäbe, dass eben genau niemand vor dem anderen Platz macht, und wenn, dann nur gerade so minimal, als wäre der Gehweg nur 2m breit, und nicht 10…

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    • In der Fußgängerzone oder auf einzelnen Plätzen haben Fußgänger hier auch mehr Platz, aber auf Straßen geht die meiste Breite für motorisierten Verkehr ab, den Rest teilen sich mehr oder weniger friedlich Radfahrer und Fußgänger.
      Gebräuchlich ist es hierzulande, nach rechts auszuweichen, was umso besser funktioniert, je konsequenter sich die Verkehrsteilnehmer daran halten, ziemlich weit rechts zu gehen.

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      • Leser schreibt:

        Naja, die Straßen sind hier allgemein etwas breiter (zum Teil auch die Fahrbahnen). Ansonsten war dies ein Stück einer besonders engen Straße, wo es zudem auch nur auf einer Seite einen Gehweg gibt. Da ist das Ausweichen ein generelles umeinander herum gehen. Da es aber auch seit ein paar Jahren eine Einbahnstraße ist, und ohnehin außer Anliegern nicht so viele Autos da durch fahren, ist es kein Problem – lediglich eben ein kleiner „Wettbewerb“, wer auf dem Bürgersteig bleibt, und wer kurz auf die Straße ausweicht – mal der eine, mal der andere, völlig unabhängig von rechts oder links. Diese Regel kenne ich zwar auch, aber wenn normalerweise die Bürgersteige eben so breit sind, dass man in jede Richtung mehr als genug Platz zum Ausweichen hat, verblasst die etwas, weil es keine Notwendigkeit gibt – ist ja kein Autoverkehr…

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  10. idgie13 schreibt:

    Es ist Konvention, dass man rechts aneinander vorbeigeht?
    Echt?
    Darüber hab ich noch nie nachgedacht.

    Bei uns ist Konvention, dass man den anderen anlächelt und grüsst. Ist out – ich weiss. Ist mir aber wurscht.

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  11. Pingback: Ein Tweet kommt selten allein – #SpeakFreely //1569 | breakpoint

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