Fünfhundertfünfundfünfzig

Die Fortsetzung des Beitrags über die Hausmesse steht noch aus. Et voilà:

Ein Teil des Gebäudes war öffentlich zugänglich. Hier hingen an den Wänden Plakate und Poster. Es fanden Vorträge statt (von denen ich ja auch einen gehalten hatte), sowie verschiedene Führungen. Im Foyer gab es kleine Werbegeschenke, sowie Snacks und Getränke für die Besucher.
Einige Räumlichkeiten waren jedoch nicht für Besucher geöffnet. Als ich die Treppe hinauf zu meinem Büro wollte, hielten mich zwei Mitarbeiter der Eventagentur auf.
„Verzeihen Sie, aber hier dürfen nur Mitarbeiter hinein. Sie tragen keinen Mitarbeiterausweis.“
Natürlich nicht. Ich bin immer noch externe Dienstleisterin. Ich lächelte: „Mein Name ist Nühm. Ich will nur kurz in mein Büro.“
„Wir dürfen Sie nicht durchlassen. Sie stehen nicht auf der Liste.“
Tatsächlich gab es eine Liste, auf der einige Firmenfremde aufgelistet waren, die einen Sonderstatus hatten, und alle Räumlichkleiten betreten durften. Niemand – auch ich selbst nicht – hatte daran gedacht, mich auf diese Liste zu schreiben, weil es uns selbstverständlich erschienen war.
Der eine Mitarbeiter muss mit seinem Handy die Eventmanagerin informiert haben, denn wie aus dem Boden geschossen stand sie plötzlich da, tuschelte kurz mit ihrem Kollegen und wandte sich dann an mich: „Sie sind keine Mitarbeiterin und stehen nicht auf der Liste. Sie haben hier keinen Zutritt.“
Mein Mittelfinger zuckte und ich musste mir Mühe geben, ihn nicht erigieren zu lassen. Zuckersüß sagte ich: „Ich bin die Frau des Geschäftsführers und leite hier die IT. Ich habe etwas in meinem Büro zu erledigen und ersuche Sie, mich endlich durchzulassen.“
„Der Geschäftsführer heißt aber nicht Nühm“, meinte sie so herablassend, wie es nur möglich ist, wenn man einen halben Kopf kleiner als die Gesprächspartner ist.
Wenn nicht gerade Carsten’s Assistent Jason vorbeigekommen wäre, weiß ich nicht, wie sich die Angelegenheit noch weiter entwickelt hätte. So jedoch bestätigte Jason, dass ich selbstverständlich in mein Büro dürfe, und quasi hier die „First Lady“ sei.
Ohne die Eventmanagerin noch eines weiteren Blickes zu würdigen, ging ich mit ihm zusammen die Treppe hinauf. Durch die Aufregung wurde mir plötzlich leicht schwindelig und schwarz vor den Augen.
Wenn Jason mich nicht gestützt hätte, wäre ich wohl hingefallen.
Er brachte mir dann noch einen Kaffee in mein Büro, da die Sekretärin und Kathrin unten im Foyer beschäftigt waren.

Und das war’s dann auch schon, was mir an Bemerkenswertem von der Hausmesse in Erinnerung geblieben ist.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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11 Antworten zu Fünfhundertfünfundfünfzig

  1. ednong schreibt:

    Haha,
    selbst nicht auf der VIP-Liste gestanden. Das ist gut 😉

    Stell dir vor, die hätten dich dann zum Schluß auch noch vor die Tür gekehrt …

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  2. sweetsurrender schreibt:

    Ich hätte mich köstlich amüsiert.
    Aber Dich scheint das ja eher mitgenommen zu haben.
    Hast Du Dich so sehr darüber aufgeregt?

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    • breakpoint schreibt:

      Diese Frau hat mich einfach genervt und ich war nicht in der Stimmung, mir ein Späßchen daraus zu machen!

      Ich war müde und wollte schnell in mein Büro, u.a. um mich etwas auszuruhen.
      Die zwei „Türsteher“ waren zumindest noch freundlich und um eine Lösung bemüht.

      Wenn wieder mal eine Veranstaltung ansteht, dann bekommt eine andere Agentur den Auftrag!

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  3. engywuck schreibt:

    als Ehegattin ist man auch nicht nur „very“ important sondern most important (oder very very important?) VIP ist da ja schon fast eine Beleidigung 😉

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  4. Ewig-und-3-Tage schreibt:

    Schöne Formulierung:

    „Mein Mittelfinger zuckte und ich musste mir Mühe geben, ihn nicht erigieren zu lassen.“

    Fast poetisch ;o)

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  5. breakpoint schreibt:

    SechshundertelfSchon wieder Besprechung mit den Abteilungsleitern und -halbleitern.

    Der Geschäftsführer kündigte an, dass „es bis zum das 25-jährigen Jubiläum der Firma zwar noch länger dauert. Trotzdem wollen wir bereits jetzt überlegen, welcher Handlungsbedarf b…

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