Vierhundertdreiundsechzig

Ich mag es, wenn er einfach über mich herfällt.
Meine Kleider stören dabei nicht, weil ich – zumindest in der warmen Jahreszeit – auf leichte Zugänglichkeit achte. Den Rock kann man ja einfach hochschieben.
Es erregt uns beide, wenn ich mich wehre. Dabei ist es eigentlich klar, dass ich unterliegen werde. Alleine seine Masse auf mir genügt schon fast. Dabei achten wir aber immer darauf, uns nicht gegenseitig weh zu tun. Wer braucht schon ein langwieriges Vorspiel?

Zwangsläufig beginnen wir mit Missionarsstellung. Keine Ahnung, warum diese Stellung solch einen schlechten Ruf hat. Mir gefällt sie (solange ich nicht zu unbequem liege – weshalb wir im Flur auch einen weichen, flauschigen Teppich liegen haben).
Sofern wir es nicht bei einem Quickie belassen, wechseln wir irgendwann die Stellung. Meist eine meiner Lieblingsstellungen: Doggy oder Reiten.
Das bedeutet allerdings auch einen Ortswechsel. Fürs Reiten kommt nur das Bett in Frage, denn da brauche ich einen federnden Untergrund (deshalb würde ich auch nie ein Wasserbett haben wollen).
Für die Hündchenstellung gibt es mehrere Möglichkeiten, aber der Fußboden ist auf Dauer einfach zu hart an den Knien – trotz Teppich. Also entweder auch im Bett (sehr belastend für die Federn der Matratze) oder auf zwei Stühlen. Wenn man die Lehnen gegeneinander stellt, kann ich mich auf den einen Stuhl knien und mich auf dem anderer abstützen. Er steht dabei dahinter. Das ist praktisch, auch mal für zwischendurch.
Es würde jetzt zu weit führen, andere Stellungen wie Stehen, auf seinem Schoß, Löffeln, usw. zu beschreiben.
Ich genieße es einfach, wenn er tief in mich hinein stößt, sich bis zum Anschlag hineinrammt. Dass ich völlig ausgefüllt bin, und es mich innerlich fast zerreißt.

Andere Praktiken sind nur zweite Wahl, auf die wir nur gelegentlich zurückgreifen. Wir haben gar nicht so oft Lust auf orale Vergnügungen, obwohl ich dabei erschreckend intensive Orgasmen bekomme. Und bei ihm endet das sowieso eher mit einem halt() statt einem exit().
(Übrigens ist intensiv nicht gleichbedeutend mit schön. Ein Orgasmus kann auch sehr intensiv sein, ohne dass ich ihn unbedingt als schön empfinde. Umgekehrt kann Sex auch ohne Orgasmus sehr schön und befriedigend sein. Dies genauer zu analysieren, übersteigt jedoch meine Fähigkeiten, da die entsprechenden Hirnareale ausgerechnet zur gegebenen Zeit offline sind.)
Die Hinterpforte benutzen geht mit ihm gar nicht. Wir legen aber auch keinen Wert darauf. Das habe ich früher ohnehin höchstens mit den Männern gemacht, die mich anderweitig bei weitem nicht ausfüllen konnten.

Manchmal haben wir auch Lust auf Kuschelsex. Aber nur abends beim Einschlafen. Und morgens nach dem Aufwachen. Und nachts natürlich. Mir gefällt es, wenn er dabei meine Locken krault, oder meine Brüste massiert oder sie weit einsaugt. Ja, ich bin gerne eher passiv – deshalb mag ich auch Bondage – und genieße einfach.
Zwar bin ich weder devot noch masochistisch, habe weder bisexuelle noch voyeuristische Neigungen, dafür aber diese exhibitionistische Ader, die wohl gerade wieder evident geworden ist.

Bei diesem BDSM-Zeugs gibt es so viele Punkte, die ich nicht nachvollziehen kann. Zum ersten, wie man Vergnügen daran finden kann, Schmerzen zu ertragen oder anderen zuzufügen. Das ist für mich ein No-go.
Zum nächsten, wieso es erstrebenswert sein sollte sich freiwillig zu unterwerfen. Das würde ich niemals tun. Dafür bringt es mich (noch mehr) auf Touren, wenn ich bezwungen werde.
Und wieso es einem „Herren“ nicht langweilig wird, wenn seine Sub immer sofort widerspruchslos genau das macht, was er gesagt hat – wie ein braves dressiertes Hündchen – kann ich auch nicht verstehen.
Mais chacun à son goût.

Ich mag tiefe und harte Stöße.
Ich mag sein Gewicht auf mir.
Zur Hardware gehört auch Power!

Da fällt mir wieder eine kleine Abschätzung ein, mit der wir uns vor einiger Zeit einmal während des Nachspiels (nach dem Spiel ist vor dem Spiel) amüsiert hatten.
Gegeben: Missionarstellung
Gesucht: Leistung
„Leistung ist Arbeit pro Zeit. Arbeit ist Kraft mal Weg.“
„OK. Setzen wir für den Kolbenhub 15 Zentimeter an.“
„Moment mal ..“
„Wir rechnen ja konservativ. Da berücksichtigen wir nicht die gesamte Länge, sondern nur einen Teil. Sonst würde er ja öfters rausrutschen. Außerdem kommt noch der Neigungswinkel hinzu.“
„OK. Eigentlich ist das eher die Höhendifferenz des Schwerpunkts der Masse, die ich beschleunigen muss.“
„Genau. Dann die Kraft. Die Gleitreibung können wir denke ich vernachlässigen. Es geht im wesentlichen nur um die Masse, die du gegen die Schwerkraft beschleunigen musst.“
„Das ist nicht meine Gesamtmasse, sondern nur ein Teil. Setzen wir mal 50 Kilogramm an, obwohl das wohl eher zu wenig ist. Dafür runden wir dann das Endergebnis auf.“
„Gut. Wir kommen also auf eine Kraft von rund 500 Newton, mal 15 Zentimeter, macht 75 Newtonmeter, oder Wattsekunden, oder Joule – was dir am liebsten ist.“
„Eine Stoßfrequenz von einem Hertz ist zwar etwas niedrig angesetzt, lässt sich aber leicht rechnen.“
„Dann kommen wir – aufgerundet – auf eine Spitzenleistung von etwa 80 Watt, vielleicht sogar hundert – wir hatten ja sehr konservativ gerechnet. Wenn du die – sagen wir – fünf Minuten durchhältst, leistest du – 100 mal 300 – also etwa 30 Kilojoule mechanische Arbeit.“
Das ist wohl gemerkt nur die rein mechanische Arbeit bzw. Leistung. Irgendwelche Wirkungsgrade oder physiologische Vorgänge beim Energiestoffwechsel in den Muskeln sind nicht berücksichtigt. Auch wurde lediglich eine der anstrengendsten Varianten berücksichtigt. Viele Praktiken gehen mit geringerer Leistung daher.
Und selbstverständlich habe ich hier nicht unbedingt die exakten Zahlenwerte wiedergegeben, die wir tatsächlich benutzt haben.
Eine ähnliche Rechnung kann jeder, den es interessiert, selbst durchführen. Einfach die Zahlenwerte entsprechend auf die für sich selbst als plausibel empfundene abändern. Bei fünf Minuten Reiten komme (sic!) ich etwa auf einen niedrigeren Wert, da ich eine geringere Masse ansetze. In jedem Fall ist ein federnder Untergrund (z.B. Matratze) empfehlenswerter als ein starrer (z.B. Fußboden) oder gar ein Wasserbett, das die ganzen Impulse eher abfängt.

Aus gegebenem Anlass habe ich diesen Eintrag zunächst auf „nur für Freunde“ gesetzt, beabsichtige aber, ihn in ein paar Tagen – wenn er keine so prominente Position mehr inne hat – öffentlich freizugeben.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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23 Antworten zu Vierhundertdreiundsechzig

  1. Murgs schreibt:

    Sehr interessanter und gut geschriebener Artikel!
    Ich hatte Dich schon recht genau eingeschätzt, was Deine Vorlieben sein könnten. 😉

    Französisch kannst Du auch, nur mit der Sprache hapert es noch etwas:
    Chacun a son goût. – Jeder hat (nicht bei) seinen Geschmack.
    Dass Du oral-passiv nicht gerade bevorzugst, ist zu erwarten, ich hätte aber eher auf einen Mangel an Gefühlsintensität gedacht – aber Dich selbst scheint das auch zu wundern.
    Aus den fast gleichen Gründen ist anal höchstens als Experiment geeignet. Eher um Deine Neugier zu befriedigen, als Dich selbst.
    Die Erlebnisfähigkeit der Frau und deren anatomische Grundlagen sind immer noch kaum erforscht. Der G-Punkt z.B. ist bislang nur eine These.
    Und gerade Du kannst sicher etwas zum Thema klitoraler oder vaginaler Orgasmus beitragen – es ist auch ein Streitthema, obwohl bewiesen, fehlt der physiologische Nachweis.
    Irgendwo hatte ich mal ein humoristisches Buch zum Energieverbrauch beim Sex: „Schlank durch Sex“ – überwiegend Blödsinn, aber amüsant.

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    • breakpoint schreibt:

      Der Accent grave passt so! Jeder nach seinem Geschmack.

      Ich bin von der Existenz des G-Punkts überzeugt. Wie ließe sich sonst erklären, dass ich gerade bei der Hündchenstellung besonders schnell komme? Das kann nur G-Punkt-Stimulation sein.

      Das mit dem „Schlank durch Sex“ dürfte eher ein Mythos sein.
      In den entsprechenden Berechnungen, die ich bisher gesehen habe, wurde grundsätzlich bei den Brennwerten der Nahrungsmittel das „k“ vergessen, also um Faktor 1000 daneben.
      Gesund ist Sex aber auf jeden Fall!

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  2. Moody schreibt:

    Hm… so gehts also bei Frau Breakpoint im Bett (bzw. überall sonst auch) zu 😀 durchaus interessant, wobei ich zugeben muss, dass ich die Info gar nicht so sehr brauchte, denn ich war mir sicher, dass du mit ihm ein ausgefülltes und befriedigendes Sexualleben hast 🙂 eine nette Rechnung zum Ende, allerdings ahnte ich eh schon, dass eine Glühbirne dabei durchbrennen würde 😉

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  3. gelschter User schreibt:

    Der Anlass ist… Schade.

    Ich erkenne mich gut in deiner Beschreibung!
    BDSM verstehe ich auch nicht. Wie du sagst, jedem sein Ding – ich würde eher sagen, „À chacun ses goûts“.

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  4. plietschejung schreibt:

    Interessante Gespräche und Gedanken. Hatte ich so noch nicht und hoffentlich muss ich jetzt nicht dran denken 😉

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  5. remi1 schreibt:

    Musst halt nur aufpassen, dass dich der Troll nicht auch anzeigt.

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    • breakpoint schreibt:

      Gegen Missgunst und Neid kann man sich leider kaum schützen.

      Wenn dein Blog wieder entsperrt würde, würde ich mich ja auf der sicheren Seite fühlen, aber so ..

      Ein gewisses Blog (dem ich kein zusätzliches Publikum liefern will) war kürzlich auch ein paar Tage gesperrt.
      Jetzt ist es wieder im Netz. Dabei besteht es nur aus Plagiaten und Beleidigungen.

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  6. dieSuchende schreibt:

    Sooo hab ich es auch ganz gerne. :yes:
    Aber dieses BDSM-Zeug? *schmunzel* …. es gibt
    Schmerzen und es gibt Lustschmerzen. Da seh ich
    schon nen unterschied. Aber das kann man wohl
    schwer beschreiben, wenn man das nicht kennt.
    Jedenfalls hat der Lustschmerz für mich nichts mit
    „schmerzen ertragen müssen“ zu tun. 😉

    Der gegebene Anlass ist echt traurig. ich weiß auch
    nicht, ob es deinen Blog schützt, den Eintrag zu veröffentlichen, wenn er nicht mehr ganz oben auf der
    Liste steht. :-/ …. Ist schon ein Risiko…. und blog
    macht da keine Ausnahme. Und leute, die einen anschwärzen
    wollen, die lesen auch ein bisschen weiter – als nur deine letzten öffentlichen Einträge. Also pass auf dich auf. ^^

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    • breakpoint schreibt:

      Tja, ich glaube, dass nur recht wenige Menschen einen Genuss aus Lustschmerzen ziehen können.
      Wenn dir das gelingt, dann viel Spaß dabei!
      Derzeit scheint es schick zu sei, auf den Grauschatten-Zug aufzuspringen. Ich kann halt nichts damit anfangen.

      Wenn ich in den nächsten Tagen nur Einträge veröffentliche, die keinerlei Angriffsfläche bieten, fällt dieser Eintrag vielleicht dazwischen nicht mehr auf.
      So schlimm ist er IMHO nämlich auch nicht (keine derbe oder reißerische Sprache, keine detaillierten Darstellungen, die abschließende Rechnung dürfte für kaum jemanden anregend sein).
      Ich habe halt auch einige regelmäßige Leser außerhalb von blog.de, denen ich keinen Eintrag vorenthalten will.
      Ein gewisses Risiko bleibt sicher, aber früher gab es auch schon ein paar recht explizite Posts. Und solange die allermeisten Einträge unstrittig harmlos sind, sollte ein Troll eigentlich kaum Erfolgschancen haben.

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  7. House-of-mystery schreibt:

    Überraschende Einblicke. Manches hätte ich nicht erwartet, anderes habe ich mir gedacht oder vorgestellt. Hätte dies gern mal mit einem Bild, nein, nicht so ein Bild, verglichen.

    BDSM muß übrigens nicht immer mit Schmerz erlebt werden, da gibt es sicher auch andere Wege und Fantasien. Im allgemeinen ist Sex ja bekanntlich mit die schönste Sache überhaupt, egal wie man sie erlebt. Und verleiht nicht gerade sie Flügel, die Flügel zu mit denen man ins schweben oder sogar ins fliegen kommt.

    Also, wirklich schön, überraschend und auch freundschaftlich interessamt zu lesen. Eine Seite, die wenigstens mir, von dir ziemlich unbekannt war.

    Schöne Grüße

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  8. Betriebswirt-ZRH schreibt:

    .. eieiei…. weiter so… warum muss ich sowas auch bei der Arbeit lesen….

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  9. gelschter User schreibt:

    Die „prominente Position dieses Eintrags“ ist anscheinend vorbei, da man ihn nach dem Markieren ohne Probleme lesen kann. Das „Aufhellen der Schrift“ war jedenfalls für die Tonne.
    Immerhin musst du bei diesem Post keine Sorge haben, dass dich jemand beim Support anschwärzt. Der ist leichte Kost und zweifellos die Mühe nicht wert.
    Die aufgemachten Rechnung ist aber mal wieder beispielhaft für deine Schlaumeier-Manie, die anscheinend fast schon pathologisch ist.

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  10. Pingback: Zwölfhundertachtundvierzig | breakpoint

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