Unerwünschte Chefsache //2015

Eine Marketing-Mitarbeiterin hatte sich mutmaßlich unprofessionell verhalten, und einem Kunden gegenüber eine kindisch-freche Äußerung gemacht. Ich sage nichts weiter dazu. Es sind schon weitaus harmlosere Angelegenheiten hochgekocht.
Wäre die Angelegenheit innerhalb der Belegschaft abgelaufen, hätten die beteiligten Abteilungen die Sache unter sich ausmachen können. Aber da ein Kunde (möglicherweise – so ganz sicher ist noch nicht geklärt, was genau abgelaufen ist) dadurch beleidigt wurde, muss sich nun die Geschäftsleitung damit befassen.
Die Angelegenheit hat bereits einige Wellen geschlagen. Es ist noch offen, ob eine ordentliche Standpauke ausreicht, oder eine offizielle Abmahnung fällig ist.

Der Hauptgeschäftführer ließ mich am Spätnachmittag („sofort! – ich habe danach noch einen anderen Termin“) in sein Büro kommen.
„Ich möchte, dass du dich um die Angelegenheit kümmerst.“
„Wieso ich? Mit dem Marketing habe ich nichts zu tun. Wenn du es nicht selbst machen willst, so ist dafür der kaufmännische Geschäftsführer an Standort 1a zuständig.“
„Wir hatten ausgemacht, dass du zunehmend mehr meiner Aufgaben übernimmst. Dies ist geeignet, und ich bräuchte sonst besser noch einen Zeugen. Du musst lernen, auch unangenehme Gespräche mit Angestellten zu führen, und falls nötig, hart durchzugreifen.“ Er machte eine Pause, und fuhr mit dem Anflug eines Grinsens fort: „Das wird dir leichter fallen, wenn du die Person nicht näher kennst. Wer weiß, vielleicht leckst du dabei sogar Blut.“

Manchmal ist es am besten, nichts mehr zu sagen, aber ich wählte hier die suboptimale Lösung, und erwiderte ironisch: „Seit wann halten wir menstruellen Cunnilingus für erstrebenswert?“
Ja, ich weiß – ich habe den Bogen mal wieder überspannt. Aber mich kann er nicht abmahnen. Also, was soll’s.
Er schaute mich verärgert an, und antwortete scharf: „Bleib sachlich, Anne! Die Diskussion ist beendet. Du übernimmst die Angelegenheit.“
Etwas freundlicher fuhr er fort: „Das schaffst du schon. Am besten führst du erst mal ein Gespräch von Frau zu Frau mit ihr.“
Ich zog die Augenbrauen hoch. Wenn mir etwas nicht liegt, dann so etwas. Mit Männern kann ich wesentlich besser kommunizieren.

„Ich will, dass du die Sache noch heuer erledigst“, erklärte er weiter.
„Schon recht“, erwiderte ich widerwillig, „ich kümmere mich gleich morgen früh um einen Gesprächstermin mit ihr.“

Er ist manchmal ein richtiger Sklaventreiber.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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12 Antworten zu Unerwünschte Chefsache //2015

  1. keloph schreibt:

    tue, was du am wenigsten magst als erstes, und tue es sofort. das ist unangenehm, aber das gefühlt der befreiung ist umwerfend und schnell da.

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  2. grumpyoldfart schreibt:

    Hat einer vesehentlich die Bauleiterin in Deinem Unternehmen eingestellt? 😉

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  3. Plietsche Jung schreibt:

    Soso … die Marketingdame war frech zum Kunden. Das ist eine Aussage.
    Was hat denn der Kunde gesagt / getan ?
    ich empfehle eine sehr sachliche Kommunikation und Diskussion.

    Wer bei Euch die Hosen anhat, ist mir nun klar. Es ist nicht immer schön, in einer Firma zusammenzuarbeiten, wenn der eigene Ehemann der Chefchef ist.

    Und ich bin auch der Meinung, dass es deine Aufgabe ist 🙂

    Gefällt 1 Person

  4. Mia schreibt:

    Der Chef kann ein echter Kotzbrocken sein.
    Ich denke, du bist bei ihm nicht angestellt. Wieso lässt du dich dann von ihm so anstellen?

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  5. Pingback: Ausgebremst //2030 | breakpoint

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