Elfhundertzweiundvierzig

Es wäre übertrieben zu sagen, dass gestern eine Aera zu Ende ging. Aber einen gewissen Einschnitt bedeutet das Aus von blog.de schon. Schließlich habe ich dort während über vier Jahren mehr als eintausend Blogeinträge veröffentlicht, und tausende von Kommentaren empfangen oder selbst geschrieben.
Ich gedenke blog.de also ein letztes Mal, und werde es in insgesamt guter Erinnerung behalten, auch wenn technische Probleme das Bloggen und die dortige Kommunikation zeitweise erheblich belasteten.

Eigentlich hätte ich einen 404 Statuscode erwartet, aber stattdessen erscheint irgendeine Ratgeberseite.

Vier Jahre sind eine lange Zeit, und in gewisser Weise prägte blog.de durchaus meine Einstellung zu Blogs.
Mein Blog hatte dort insgesamt (laut den unzuverlässigen blog.de-Statistiken) rund 1.3 Millionen Seitenzugriffe von über 180000 Besuchern.

blog.de hatte die Eigenart, dass ein Folgen dort nur auf Gegenseitigkeit möglich war. Ich begann damit erst, als mein Blog bereits anderthalb Jahre alt war, und baute mir allmählich eine Community auf. Dort habe ich etliche interessante Menschen kennengelernt. Mit einigen habe ich noch Kontakt, andere sind leider aus meinem Bloghorizont verschwunden.

Wie auch immer – es ist vorbei. Eine Zeitlang wird wohl Google die Seiten dort noch im Cache halten, und einige Snapshots sind auch bei archive.org dauerhaft (aber bestimmt nicht für die Ewigkeit) gespeichert. blog.de selbst ist passé.
Ich nehme zwar an, dass irgendwann ein anderer Betreiber die Domain übernehmen wird, aber das hat keinen Einfluss mehr auf mein Blog.

Ich bin inzwischen fest hier auf WordPress etabliert. Mein Pagerank liegt allerdings immer noch bei 0. Bei blog.de hatte ich es im Laufe der Zeit (auch ohne expliziten SEO-Einsatz) immerhin auf 3 gebracht. Da blog.de keine 301-Redirects unterstützt, konnte ich Google den Umzug nicht mitteilen.
Tja, der Umzug .. die Export-Datei wies einige Probleme auf. Der Fehler mit den Umlauten und Sonderzeichen wurde schnell korrigiert. Es blieb der Schönheitsfehler, dass die Mailadressen der Kommentatoren nicht mitübertragen wurden, so dass bei den alten Kommentaren jeder das gleiche nichtssagende Gravatar-Bildchen hat. Trackbacks wurden nicht korrekt exportiert, was dazu führte, dass die alten Trackbacks aussehen wie ein normaler Kommentar, und nicht verlinkt sind. Angeblich korrigierte blog.de dies, allerdings erst, nachdem ich bereits umgezogen war, und auf WP einige neue Kommentare hatte. Ich wollte nicht riskieren, diese zu überschreiben. Deshalb beließ ich es dabei. Letztendlich wurden Texte, die ein Kleiner-Zeichen enthielten, einfach abgeschnitten. Meine Blogeinträge habe ich dahingehend manuell ergänzt. Ob es aber in alten Kommentaren noch solche Mängel gibt, weiß ich nicht.

Jetzt habe ich mehr dazu geschrieben, als ich eigentlich geplant hatte. Es sollte eigentlich ein positiver Eintrag werden, aber einige Probleme kamen doch wieder hoch.
Um aus Goethe’s Götz von Berlichingen zu zitieren: „Wo viel Licht ist, ist viel Schatten“, und aus der Brecht’schen Dreigroschenoper: „Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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19 Antworten zu Elfhundertzweiundvierzig

  1. Plietsche Jung schreibt:

    Eine gute Zusammenfassung.
    Das Leben hat noch viele Überraschungen für uns parat.

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  2. Molly L. schreibt:

    Oh, ich steh auf Deine poetische Ader! 🙂
    Ich find`s iregndwie krass, dass ein Bloganbieter so mir nchts, Dir nichts verschwinden kann. Das meacht mir schon irgendwie Angst. Vor Allem, da man sein WP-Blog noch nicht backupen kann, das soll erst noch kommen …
    Optisch und technisch finde ich Deinen Umzug gut.
    Aber leid tut`s mir für alle betroffenen Blogger, es ist sicher nicht leicht, Abschied nehmen zu müssen … *Schnief*
    Ich drehe schon durch, wenn meine MailApp mal wieder „akutalisiert“ wird, ob ich will oder nicht. Ich will dann immer schreien: „Nein, nein, bitte ändert NICHTS, lasst mir einfach die alte Version, BIIIIIITTEEEEEE!“
    … doch niemand hört mir zu ….
    Ich mag es im Grunde nicht, wenn sich Dinge ändern. Wenn überhaupt, möchte ich mich aktiv dazu entschieden haben. Große Änderungen von Außen sind mir ein Graus.
    Ahrg.

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    • so mir nchts, Dir nichts verschwinden kann

      Naja, es gab immerhin fünf Monate vorher die Ankündung.

      da man sein WP-Blog noch nicht backupen kann

      Du kannst das Blog als XML-Datei exportieren, und diese Datei speichern. Werde ich wohl demnächst mal wieder machen.

      Ich mag es im Grunde nicht, wenn sich Dinge ändern. Wenn überhaupt, möchte ich mich aktiv dazu entschieden haben.

      So geht es mir auch oft. Wenn die Dinge gut sind, so wie sie sind, warum sollte ich mich dann umgewöhnen?
      Ach, ich trauere immer noch ein wenig Windows 2000 nach. 😦

      Gefällt 1 Person

  3. Molly L. schreibt:

    XML-Datei? So wie in „Xtra Molly Logan“? Wie geht denn das?
    Neue Windows finde ich auch doof.

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  4. Dieter schreibt:

    Zu Beginn war ich auch etwas skeptisch, ob ich es auf wp so gut finden solle, denn bei Blog.de hatte sich über die 3 – 4 Jahre eine gute Zugriffszahl entwickelt.

    Aber nach nur knappen 3 Monaten kann ich sagen, bei wp habe ich mehr Kommentare bei weniger Zugriffen als bei Blog.de.

    Also insgesamt für mich eine positive Entwicklung und ich denke mal, es werden nach und nach auch mehr Zugriffe.

    Alles neue braucht eben seine Zeit.

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    • Ja, der Umzug ist ganz gut vonstatten gegangen, und bis ein Blog so richtig etabliert ist, dauert es einfach seine Zeit.
      Ich hatte ohnehin bereits vor der Schließungsankündigung von blog.de vorgehabt umzuziehen.

      Ob man die Zugriffszahlen so 1:1 vergleichen kann, bezweifle ich. Für die Zählung hat doch eigentlich jeder einen eigenen Algorithmus.

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  5. remi1a schreibt:

    Ich freu mich, dass einige bekannte Namen jetzt auch hier sind.

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  6. Molly L. schreibt:

    Also ich habe heute schon 24 Aufrufe und das von einem einzigen Besucher, der wohl während des Lesens zwischen Deutschland, Schweiz, Island und Japan hin- und hereingereist ist. 😀

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  7. Pingback: Dreizehnhundertachtundvierzig | breakpoint

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