Fünfhundertzweiundachtzig

Wenn ich mich als verträglichen und umgänglichen Menschen bezeichne, wird mir niemand, der mich näher kennt, widersprechen. Ich gebe zwar nicht immer nach, muss aber auch nicht jedesmal das letzte Wort haben. Mit mir kann man – mit minimal gutem Willen – gut auskommen, und es gab in meiner Vergangenheit kaum einmal jemanden, mit dem ich ernsthaft aneinander geriet.
In letzter Zeit fällt mir allerdings zunehmend auf, dass mich manche Äußerungen bestimmter Menschen zum Widerspruch reizen, der dann vielleicht nicht so rüberkommt, wie er gemeint ist.

Es sind vor allem solche Äußerungen, die pauschalieren und verallgemeinern. Bei manchen bin ich sogar grundsätzlich gleicher Meinung, würde das aber niemals als allgemeingültige und generelle Wahrheit darstellen.
Also Äußerungen, bei denen von Einzelfällen auf die Allgemeinheit geschlossen oder extrapoliert wird. Aber die Fläche eines Rechtecks ist nun mal nicht immer das Quadrat der Seitenlänge.
Beziehungsweise Äußerungen, die unmäßig übertrieben sind.

Vielleicht kommt da auch mein Besserwissergen durch, dass ich überhaupt auf solche Äußerungen reagiere, statt zu schweigen. Aber es regt mich einfach auf, wenn jemand zu stark vereinfacht und verallgemeinert, ohne wenigstens darauf hinzuweisen, dass dies nicht die einzig und allein seligmachende Möglichkeit ist. Dann übernehme halt ich den Hinweis, auch wenn dies vielleicht negativ aufgenommen wird.

Nein, ich beziehe mich hier weder auf mein Blog, noch auf ein einzelnes, konkretes Ereignis.
Aber ich kommentiere ja auch – mit schwankender Häufigkeit – bei anderen Blogs. Aus mehreren entsprechenden Ereignissen habe ich versucht, die Essenz zu destillieren.

Es gibt das Sprichwort „Ausnehmen bestätigen die Regel“. Aber das ist Unsinn. Ausnahmen widerlegen die Regel, bzw. zeigen an, dass keine entsprechende Regel existiert.
Als Naturwissenschaftlerin formuliere ich meine Aussagen i.A. sehr vorsichtig, um auch Abweichungen zu berücksichtigen. Das Leben ist ja kein binäres System, bei dem es nur wahr und falsch gibt. Normalerweise existiert ein kontinuierliches Spektrum an Zwischenlösungen, und häufig muss man erst die Kiste öffnen, um die Katze zu befreien.

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Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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17 Antworten zu Fünfhundertzweiundachtzig

  1. schaum schreibt:

    ich finde das zunächst in ordnung, was du schreibst. da gab es doch mal den satz „verallgemeinerungen sind lügen“ *lol*.
    egal, ich möchte nur zu bedenken geben, dass es manchmal weiterhilft, die nervigen details, ausnahmen etc. über bord zu werfen und mit eine kernigen leitlinie das denken anzuwerfen. häfig handelt es sich hierbei um abstraktionen, es stellt sich mir nur gerade die frage, wo denn der unterschied zwischen abstraktion und verallgemeinerung….

    es schäumt eininteressantergedanke

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    • breakpoint schreibt:

      Klar muss man manchmal verallgemeinern, vereinfachen oder abstrahieren, um ein komplexes Problem zu durchschauen.
      Das ist solange in Ordnung, wie man sich dessen bewusst ist.

      Sobald man allerdings meint, die allgemeingültige Wahrheit gefunden zu haben, obwohl sämtliche Schlussfolgerungen nur auf Spezialfällen basieren, ist irgendetwas schief gelaufen.

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      • schaum schreibt:

        da hast du schon recht, dennoch denke ich, gibt es einen unterschied zwischen verallgemeinerung und abstraktion, den ich gerade versuche in worte zu fassen…..allerdings bisher erfolglos 🙂

        es schäumt abereswirdgelingen

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        • breakpoint schreibt:

          An solch eine Formulierung traue ich mich nicht so recht ran.
          Vielleicht, dass eine Abstraktion ein Spezialfall der Verallgemeinerung ist?
          Bloß, was macht sie so speziell?

          Die Kunst ist es, zu wissen, welche Einflussgrößen man vernachlässigen kann, welche Näherung (noch) anwendbar ist, und welche Einschränkungen ggf. gelten.

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          • schaum schreibt:

            ich bin auch nicht sicher, dass ich so etwas veröffentlichen werde, aber das denken darüber ist schon auch interessant und geistesnahrung

            es schäumt genauso

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            • sweetsurrender schreibt:

              Ich unterscheide da in:

              a) pauschalisierte Äußerungen, die bewußt bei der Abstraktion in Kauf nehmen Widerspruch zu erhalten, einfach weil eine Diskussion auch erwünscht ist. Nutze ich selber schonmal gerne. Und es ist mir völlig wumpe ob es jemand versteht oder nicht. ;D

              b) Äußerungen die einfach nur intolerant sind

              Letzteres bemerkt man schnell und da ist auch jede Form der Beschäftigung damit Zeitverschwendung.

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            • breakpoint schreibt:

              Danke! Du hast das ausgezeichnet auf den Punkt gebracht.

              Gerade im Fall b) besteht dann die Gefahr, bei Widerspruch anzuecken, oder gar als Troll wahrgenommen zu werden, während a) in eine weiterbringende Diskussion münden kann.

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  2. plietschejung schreibt:

    Es gibt kein Schwarz/Weiß im Leben, sondern eben auch Grautöne.

    Anders ist es wohl bei Männern. Die sind immer schlecht. Total für die Wurst. So oder so ähnlich der Tenor. Bei Diskussionen über den Geschlechterkampf (immer ein gutes Beispiel) halte ich mich komplett raus und wundere mich über Argumentationen dieser meist körnervernichtenden, katzen- und hundeliebenden Feministinnen *örgs*

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  3. Elisa1 schreibt:

    Dann muss man aber auch in Kauf nehmen, dass die Katze u.U. definitiv tot ist – für so viel Ehrlichkeit (Wahrhaftigkeit? ) hat nicht jeder an jedem Tag den Mut. Schön, wenn Du zu diesen starken Menschen gehörst.

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  4. Pingback: Achthundertachtundsiebzig | breakpoint

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