Nun will der Lenz uns twittern //1998

Zwischen dem 27. März und 13. April fügte ich die folgenden Tweets zu meinem Twitteraccount hinzu. Read and enjoy.

Und noch ein paar #Funfacts: Innerhalb von 4 Jahren gibt es den 1. bis 28. eines Monats je 48-mal, den 29. 45-mal, den 30. 44-mal und den 31. 28-mal.
2^5 * 11 * 5^2 Tweets
Endlich ist der rosa WC-Reiniger leer. Künftig ist der neue blaue dran.
Verhörer des Tages: mumifiziert statt modifiziert
Huch .. heute sind aber mal wieder viele #Geisterfahrer unterwegs!
Verleser des Tages: poison statt prison
Nach ein paar schönen Tagen ist jetzt schon wieder #Kopftuchwetter.
Kalenderspiele #Freitag13 //1828 Achtzehnhundertachtundzwanzig
Verschreiber des Tages: Essen statt Eisen
Verleser des Tages: Genitalversammlung statt Generalversammlung
Doctor Häh? (2. Teil) //1827 Achtzehnhundertsiebenundzwanzig
Naja, den Merksatz für den Farbcode elektrischer Widerstände könnte man schon als unangemessen sexistisch bezeichnen.
Verhörer des Tages: Huren statt Uhren
Verleser des Tages: Curry statt Curvy
Doctor Häh? (1. Teil) //1826 Achtzehnhundertsechsundzwanzig
Für Physiker, die sich nicht nur mit Stringtheorie beschäftigen wollen.
Verleser des Tages: Physikerin statt Physikern
Verhörer des Tages: Vierter statt Fürther
breakplaining: Konservative Kräfte //1825 Achtzehnhundertfünfundzwanzig
Verleser des Tages: Bahnhof statt Bischof
#Ichmag Essen deftig und Sex heftig.
Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.
Verschreiber des Tages: massagebox statt messagebox
Ein Frühlingsspaziergang //1824 Achtzehnhundertvierundzwanzig
Verleser des Tages: breakpoint statt breakfast
Ergugeltes //1823 Achtzehnhundertdreiundzwanzig
Verleser des Tages: untervögelt statt unterwegs
Übrigens haben viele Vielfache von 3 in binärer Darstellung eine gerade Anzahl von Einsen.
Übrigens ist 11 die einzige Primzahl, deren alternierende Quersumme gleich 0 ist.
Verhörer des Tages: Urlaub statt Bärlauch
Die Osterreise (3. Teil) //1822 Achtzehnhundertzweiundzwanzig
Verleser des Tages: „vor Angst“ statt „vor Augen“
Computerfrustiges //1821 Achtzehnhunderteinundzwanzig
Verhörer des Tages: ironisch statt iranisch
Noch ein Verleser des Tages extra für den @sci_fanboi: Stadtfummeln statt Stadtbummeln
Verleser des Tages: Playboy-Katalog statt Playmobil-Katalog
Die Osterreise (2. Teil) //1820 Achtzehnhundertzwanzig
In unserem Staat fehlt eine starke Atheisten-Lobby. #säkular #Religionsfreiheit #konfessionslos
Verschreiber des Tages: Puppe statt Pumpe
Kommentarstatistik 1. Quartal 2018 auf meinem Breakpoint-Blog
Verleser des Tages: entjungfert statt entfernt
Die Osterreise (1. Teil) //1819 Achtzehnhundertneunzehn
Nur zur Info: Osterhasen sind keine christliche Tradition, sondern heidnischen Ursprungs
Verleser des Tages: „östliche Tradition“ statt „österliche Tradition“
Na dann bis bald. Bin jetzt erst mal weg. #HappyEaster
Verschreiber des Tages: nerdigen statt niedrigen
Ach, nee! Jetzt ist das Kensingtonkabel weg!
Verleser des Tages: Tampons statt Trumps
Blog.suspend(); //1818 Achtzehnhundertachtzehn
Verschreiber des Tages: bekriegt statt gekriegt
Verleser des Tages: Urinätzwerk statt Uninetzwerk
Digital Addict //1817 Achtzehnhundertsiebzehn

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Wiederbelebungsversuch //1997

Das Firmenblog fristet seit langem ein Mauerblümchendasein. Ein paar Artikel sind veröffentlicht – hauptsächlich zu Firmenevents, aber so richtig in Schwung gekommen ist es nie.
Da ich mich selbst nicht viel stärker dafür engagieren möchte, denn es mangelt mir an Zeit dafür, habe ich überlegt, was man machen könnte, um wenigstens alle paar Wochen mal einen Eintrag zu veröffentlichen.

Ich bin darauf gekommen (und habe ähnliches auch schon auf anderen Firmenblogs beobachtet), die Mitarbeiter selbst Artikel schreiben zu lassen. Mir wäre es am liebsten, wenn reihum aus den einzelnen Abteilungen die Mitarbeiter sich abwechseln würden (unter meiner Koordination). Sie könnten über ihren Arbeitsalltag schreiben oder sonst ein beliebiges Thema, das lediglich einen Bezug zur Firma oder ihren Produkten aufweisen muss.
Beim nächsten Führungskräftemeeting werde ich also das Thema auf die Agenda setzen. Die anderen Führungskräfte sollen sich umhören, wer in ihrer Abteilung Interesse daran hätte.

Es bringt nichts, Mitarbeiter dazu zu verdonnern, wenn sie es nicht von sich aus wollen. Wenn sie unmotiviert sind, kann nichts vernünftiges dabei herauskommen. Andererseits sind auch Freiwillige nicht unbedingt geeignet. Wenn ich nur ein paar Rechtschreibfehler korrigieren muss, ist das kein Problem, aber wenn ich den gesamten Text ausführlich überarbeiten müsste, kostet das mich einerseits zu viel Zeit, andererseits wäre der Text dann nicht mehr authentisch.

Warten wir mal ab, wie viele Mitarbeiter eventuell interessiert sind. Falls sich zu wenige melden, bleibt mir vielleicht nichts anderes übrig, als das Firmenblog einzustampfen.

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Von Knoten und Blümchen //1996

Zwar bin ich mir nicht mehr sicher, aber ich glaube, ich kam durch ein paar Bücher in unserer Stadtbücherei auf die Idee, mich einmal in Makramee zu versuchen. Das ist eine Art Shibari für Gegenstände.
Im Laufe der Zeit habe ich mehrere Blumenampeln (einige davon an Nachbarn gegen Materialkosten und kleines Honorar verkauft), nach Anleitung einen Eulenwandbehang, und eine Einkaufstasche (da ich zu dickes Jutegarn dafür gewählt hatte, war sie leider nicht wirklich brauchbar) angefertigt.

Für eine Blumenampel begann ich mit acht etwa 4 bis 5 Meter langen Fäden. Zunächst fertigte ich eine Schlaufe. Dazu begann ich, den ganzen Strang leicht neben der Mitte eng mit einem weiteren Faden zu umwickeln, bog den Strang dann zusammen, so dass beide Teilstränge parallel verliefen, und umwickelte beide dann weiter. Das Ende des Fadens musste ich dann irgendwie festmachen.
Die Schlaufe hing ich an einen Fenstergriff. Sechzehn Fäden hingen nebeneinander herunter. Ich teilte sie ein in vier Stränge von jeweils vier Fäden.

In Makramee gibt es verschiedene Knotentechniken. Durch die Kombination mehrerer Knoten erhält man entweder ein flaches Band, oder die Knoten verdrehen sich wie eine Helix.
Je nach Geschmack ließen sich die vier Stränge mit Knoten verschönern. Man muss dabei aufpassen, dass die Fäden nicht zu kurz werden. Es ist eine Kunst, die Knoten einheitlich groß und mit gleichmäßigen Abständen anzuordnen. Man braucht schon etwas Übung, aber dann ist es eigentlich recht einfach.

Nachdem die Stränge ein Stück weit durch Knoten stabil und kunstvoll verknotet hatte, teilte ich jeden einzelnen Strang in der Mitte, und fasste jeweils zwei Fäden mit zwei Fäden des Nachbarstrangs zusammen. Diese neuen Vierer-Kombinationen fixierte ich jeweils durch zwei Knoten, ließ etwas Abstand, und wiederholte dieses Vorgehen.
Kann sich noch jemand vorstellen, wie das aussieht? Es entsteht eine Art Netz.
Etwas unterhalb der letzten Knotenreihe fasste ich wieder alle 16 Fäden zusammen zu einem dicken Strang, den ich weiter zusammenknotete, so dass sich unten der gesamte Strang schraubenartig verdrehte. Als der kürzeste Faden nur noch etwa zehn Zentimeter lang war, schnitt ich alle Fäden gleichmäßig ab. Die Blumenampel war fertig.

Sie ließ sich an einen Haken an der Decke hängen, und man konnte einen geeignet großen Blumentopf hineinstellen. Wenn eine Hängepflanze dann herauswächst, sieht das recht dekorativ aus, sofern man Blumenkram mag.

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Dress for Success //1995

Mein neues Kleid ist ein Meisterwerk meiner Schneiderin. Mit elastischem Stoff lässt sich ja oft einiges ausgleichen, aber dieser Stoff ist ganz glatt und nicht dehnbar. Der Schnitt ist schlicht, ohne irgendwelchen Schnörksel oder Rüschen. In Anbetracht der Jahreszeit hat es lange Ärmel, nur einen minimalen Ausschnitt, und ist kniebedeckend, hat aber einen großzügigen Gehschlitz. Das Kleid ist völlig auf Figur gearbeitet und passt mir perfekt. Wenn ich irgendwo zunehme, wird es dort spannen. Wenn ich abnehme, wird es dort Falten werfen. Vermutlich werde ich nicht so bald dazu kommen, es wieder zu tragen. Falls es mir dann nicht mehr passt, habe ich zumindest eine Referenz, dass mir dieses Kleid einmal ideal gepasst hat.
So etwas kriegt man halt nicht als Konfektion. Die ist normalerweise optimiert für Frauen mit Durchschnittsfigur, also größerer WHR und kleinerer Körpergröße. Selbst wenn es mir egal ist, dass ein Kleid bei mir kürzer ist, als vorgesehen, so sind dort die Taillierung und die Brustabnäher viel zu hoch (nämlich die schmalste Stelle in Rippenhöhe und der Brustmeridian auf Achselhöhe). Oftmals sind mir die Ärmel trotzdem zu lang. Ich habe halt keine Standardstatur.
Aber dieses Kleid bringt meine Figur perfekt zur Geltung, und wirkt trotzdem seriös und sogar damenhaft.
Für die Freizeit reicht mir jedoch Konfektion. Da kommt es nicht so darauf an, solange es bequem ist. Im Gegenteil – ich halte die Augen immer offen für günstige Schnäppchen.
Aber beruflich, und insbesondere für außergewöhnliche Anlässe, muss ich notgedrungen mehr Wert auf Garderobe legen, und erheblich höhere Kosten einplanen, als ich es privat für notwendig halte.

Als ich das Wohnzimmer betrat, schnappte Carsten hörbar nach Luft, als er mich in dem neuen Kleid sah. „Verdammt, Anny, du siehst atemberaubend aus. So war das nicht ausgemacht.“
Er übertreibt.
„Das ist ein ganz einfaches Kleid. Unauffällige Farbe, matter Stoff, ohne irgendwelche Schnörksel oder Glitzer“, rechtfertigte ich mich, „aber du bist eben voreingenommen und nicht objektiv.“
Er seufzte: „Du sollst zwar einen guten Eindruck machen, aber so hatte ich das nicht gemeint.“
„Soll ich lieber etwas anderes anziehen? Du willst doch, dass ich die Firma repräsentiere. Ich kann statt dem Kleid auch ein T-Shirt mit unserem Firmenlogo tragen.“
„Hast du nicht irgendetwas dazwischen? Ein passendes Kostüm, wie du es sonst auch schon du diversen Anlässen getragen hast?“
„Ja, klar. Aber dann friert es mich halt. Und bei meinem Winterkostüm ist vorne ein Fleck auf dem Rock, der sich nicht mehr völlig entfernen lässt.“
„Also gut“, resignierte er, „ach, Süße, du siehst so toll aus. Am liebsten würde ich dich für mich selbst hier behalten.“
Ich zuckte die Schultern. „Für dich ist dafür der Anblick ohne Kleid exklusiv.“
„Lass‘ sehen!“
Langsam öffnete ich den Reißverschluss, der auf der linken Seite unter dem Arm bis über die Hüfte verlief. Als ich den Saum des Kleides über Kreuz mit beiden Händen fasste und hochzog, musste ich den Augenkontakt mit ihm unterbrech- ..
OK – das An- und Ausziehen des Kleides ist etwas umständlich, aber letztendlich stand ich nur in Dessous vor ihm.
Und hatte praktisch sofort Gänsehaut.
„Du frierst“, stellte er bedauernd fest, „zieh‘ dir wieder ‚was an.“
„Alternativ könntest du mich wärmen“, schlug ich vor.
Um die Alternative wahrzunehmen, zogen wir uns für die nötige Zeit ins Schlafzimmer zurück. Danach trug ich wieder meinen üblichen Wohlfühlabendstrickzweiteiler.

PS: Morgen fällt das Blog aus. Da hab‘ ich andere Verpflichtungen.

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Log-A-Rhythm //1994

Falls jemand den Eindruck gewonnen haben sollte, ich hätte etwas gegen Logarithmen – ich kann euch versichern, dem ist nicht so.

Logarithmen sind für manche Berechnungen absolut notwendig.
Bevor es Computer und Taschenrechner gab, wurden viele Rechnungen mit Hilfe von Rechenschiebern oder Logarithmentafeln ausgeführt.
Die Arithmetik dahinter beruht auf Logarithmen. Eine Multiplikation wird durch eine Addition ersetzt, Division durch Subtraktion, Potenzierung durch Multiplikation und Radizierung durch Division. Das vereinfacht die Rechnungen und verkürzt die aufzuwendende Zeit erheblich.
Ein Rechenschieber war früher in technischen Berufen unerlässlich. Mit genügend Übung lassen sich dadurch blitzschnell Ergebnisse erzielen. Die Genauigkeit bleibt dabei allerdings auf der Strecke, aber für viele Anwendungen genügt das.
Wissenschaftler hatten außerdem dicke Nachschlagewerke mit Logarithmentafeln zur Hand. Im Gegensatz zum Rechenschieber blieb es ihnen nicht erspart, selbst die nachgeschauten Werte zusammenzuzählen oder voneinander abzuziehen, aber dafür waren die Ergebnisse dann auch so genau wie erwünscht.

Ich hatte selbst in meiner Jugend mal zwei (gebrauchte) Rechenschieber geschenkt bekommen. Einen ganz normalen, und einen runden, der die Periodizität der Mantisse ausnutzt. Ja, die sind nett, um auf die Schnelle grobe Abschätzungen machen zu können. Sich die Zehnerpotenz selbst zu überlegen, bleibt einem aber nirgends erspart.
Dann hatte ich in den Büchern meines Opas irgendwo ein Buch mit Logarithmentafeln entdeckt und ein wenig darin herumgeblättert. Es ist schon faszinierend. Wer beherrscht heute noch den Umgang damit?

Eine weitere erstaunliche Eigenschaft von Logarithmen findet man, wenn man ihre analytische Fortsetzung im komplexen Zahlenraum betrachtet. Wenn man da ein wenig herumrechnet, taucht plötzlich – hokuspokus! – der Arcustangens auf.

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Size Matters //1993

Wieder mal hat mein Blog-Statistik-Tool ein neues Feature.
Bei einem meiner neueren Einträge hatte sich Kommentator ednong gewundert, warum dieser so kurz war. Nach meiner Einschätzung war er aber gar nicht ungewöhnlich kurz. Aber da ich bislang keine Statistik über die Länge der Beiträge führte, konnte ich das nicht belegen.
Dann fiel mir ein, dass ich mein Progrämmchen, das sonst Kommentare zählt, auch nutzen könnte, um die Länge der Beiträge zu ermitteln, und nach Größe zu ordnen.
Wenn man weiß, wie’s geht, ist das keine größere Kunst, und geht einfach und straightforward. Ich nahm mir also etwas Zeit, um das Feature zu implementieren.

Meine Einträge sind jeweils einige Kilobyte lang. Es lag nahe, ihre Länge kilobyteweise zu sortieren. Das machte ich einfach dadurch, dass ich die zehn least significant bits der Länge einfach wegwarf (sprich nach rechts shiftete).
Ich muss zugeben, dass mein Algorithmus Schwächen hat. An Kunden würde ich das Programm so niemals geben. Aber für den Hausgebrauch reicht’s.
Besonders darauf hinweisen möchte ich, dass Einträge mit Links als länger registriert werden, als ihr tatsächlicher Text. Das liegt daran, dass ich HTML-Tags nicht ausfiltere, so dass die gesamte URL mitgezählt wird. Ansonsten nutze ich ja praktisch kaum Formatierungen. Insbesondere Tweetsammlungen werden also als deutlich länger gezählt, als ihr eigentlicher Textinhalt ist.
Desweiteren zählt mein Programm ein paar Einträge mehr, als es tatsächlich sind. Der Unterschied ist nicht groß. Ich vermute, dass es sich dabei um die seltenen Einträge handelt, bei denen ich mit „Weiterlesen“ zusätzlichen Content anbiete. Die Zeit das nachzuprüfen, habe ich mir nicht genommen. Das Ergebnis wird dadurch zwar etwas verfälscht, aber vermutlich nicht wesentlich. Ich wollte es nur hier erwähnt haben.
Soweit die known issues.

Um das Programm mal zu demonstrieren, habe ich bei WordPress meine Einträge vom Januar bis Oktober dieses Jahres heruntergeladen – also alle einigermaßen neueren Datums und m.E. einigermaßen repräsentativ. In den Anfangszeiten hatte ich tendenziell kürzere Einträge. Den November habe ich mal weggelassen, weil der noch nicht abgeschlossen ist.
Nach meiner Zählung geht es um 235 Einträge. Das Programm kommt auf 242, also 7 mehr.
Unter 1 Kilobyte gab es 16 Beiträge. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die 7 überschüssig gezählten in diese Gruppe fallen, wären es immer noch 9 – also nicht wirklich außergewöhnlich.
Ich hatte ja mal irgendwann geschrieben, dass mir Einträge mit zwei oder drei Kilobyte (auch auf anderen Blogs) am angenehmsten zu lesen sind. Tatsächlich finden sich in dieser Größenordnung die meisten Beiträge. Zwischen 1 und 2 Kilobyte sind es 58, zwischen 2 und 3 Kilobyte sind es 65, und zwischen 3 und 4 Kilobyte noch 37.
30 Einträge gab es zwischen 4 und 5 Kilobyte, und 21 zwischen 5 und 6 Kilobyte. Danach nimmt die Anzahl stark ab, so dass es zwischen 6 und 9 Kilobyte nur insgesamt 14 Einträge (möchte ich gar nicht genauer aufschlüsseln) gab. Danach ist eine Lücke, und schließlich existiert noch ein Eintrag mit etwas über 11 Kilobyte.

Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, das Programm mit einer graphischen Darstellung zu erweitern. Ein Excel-Histogramm muss reichen. Auf der Abszisse ist die maximale Dateigröße n in Kilobyte (im Sinne von ]n-1, n]) genannt, die Ordinate gibt die absolute Häufigkeit der jeweiligen Einträge im betrachteten Zeitraum an.

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Safe Space? Nein. //1992

Das Treffen von Philipp und einer Bewerberin hatte ich so schön eingefädelt, aber – ich sag’s euch gleich – aus den beiden wird wohl nichts werden.

Philipp und ich waren mit unserer Besprechung planmäßig fast fertig, als das Telefon klingelte. Der Pförtner gab mir Bescheid, dass die Bewerberin unten sei.
Ich erklärte Philipp, dass wir unser Gespräch gleich noch beenden würden, ich müsse nur erst mal schnell runter an die Pforte, um einen Stellenbewerber abzuholen.
Die Bewerberin erschien mir recht nett und aufgeschlossen. Sie war zwar nicht ganz schlank und trug kurze Haare, aber alles noch im akzeptablen Bereich. Etwa HB6.5 würde ich sagen. Wir wechselten ein paar Worte auf der Treppe. Insgesamt machte sie einen positiven Eindruck.

Ich bat sie dann, noch einige Minuten bei der Sitzgruppe beim Vorzimmer zu warten, da ich gerade noch einen weiteren Gast hätte, den ich noch verabschieden müsse.
Mit Philipp war ich dann gleich fertig. Wir hatten nur noch unsere weitere Terminplanung abgestimmt. Da ich ihm noch versprochen hatte, ihm etwas auszudrucken, musste er dann noch ein paar Minuten warten, in denen ich bereits die Bewerberin von draußen hereinbat.
Es war ein Ausdruck der Höflichkeit, dass ich sie einander vorstellte. Und da erschien mir die Bewerberin plötzlich ganz verändert. Sie wirkte plötzlich ängstlich, ihr Selbstbewusstsein dahin. Sie brachte kaum noch ein Wort heraus (mit den Vorzimmerdamen dagegen hatte sie sich kurz ganz gut unterhalten, wie ich später von diesen erfuhr). Wenn ein netter, denkbar harmloser Mann wie Philipp, der nun wirklich überhaupt nicht bedrohlich wirkt, es schon schafft, sie allein durch seine Gegenwart dermaßen einzuschüchtern, wie will sie später im Geschäftsleben bestehen, und mit Kunden verhandeln? Da kann sie wirklich froh sein, dass Carsten ihr nicht zufällig über den Weg gelaufen ist.
Ihr Vater hatte mir bei unserem Gespräch schon so etwas über ihr Verhalten angedeutet, aber ich realisiere das erst jetzt im Nachhinein. Immerhin ist mir nun klar, warum sie Single ist.

Ausgerechnet jetzt war das Papierfach des Druckers leer, so dass ich erst wieder neues Papier besorgen musste, währenddessen die beiden allein in meinem Büro waren. Als ich zurückkam, schwiegen sie einander an.
Ich versuchte, zu retten, was zu retten war, und fragte die Bewerberin nach Einzelheiten über ihre Masterarbeit, sprich den mathematischen Teil. Zaghaft und leise nannte sie mir einen Begriff, der mir überhaupt nichts sagte. Fragend wandte ich mich an Philipp. Dieser enttäuschte mich nicht, und erläuterte mit wenigen Worten, worum es dabei ging.
Die Bewerberin bestätigte zwar seine Worte, aber es war ihr anzusehen, wie unbehaglich sie sich dabei fühlte.

Ich beschloss, die Sache abzukürzen, erklärte ihr (nachdem ich ein paar formale Angelegenheiten mit ihr geklärt hatte), dass ich mich gefreut hatte, sie kennenzulernen, aber sie nun als nächstes rüber zu Standort 1a müsse, um den Kaufmännischen Leiter zu treffen. Philipp würde ihr sicher gerne den Weg dorthin zeigen.
Die beiden gingen dann zwar zusammen weg, aber offensichtlich alleine aus Höflichkeit.

Der Kaufmännische Leiter teilte mir später mit, dass sie demnächst bis Mitte 2019 für uns arbeiten werde, obwohl sie auch auf ihn einen sehr unsicheren und verhuschten Eindruck gemacht hatte.
Ihre Einstellung betrifft mich nicht. In Standort 1a werde ich sie nur selten zu Gesicht kriegen.

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Gelinkigkeit //1991

Derzeit hört man in den Medien ja wieder mal so viel von „Gerechtigkeit“. Das nehme ich zum Anlass, das Thema aufzugreifen.
Vorweg – ich glaube nicht an „Gerechtigkeit“. Zumindest nicht in dem Sinne, dass man Regelungen finden kann, die für alle Betroffenen gleichermaßen fair sind, bzw. von diesen als gerecht empfunden werden.
Ich komme noch mal auf das Weinberggleichnis zurück, über das ich bereits vor ein paar Jahren gebloggt hatte.

Man stelle sich vor: Du arbeitest seit dem frühen Morgen hart, strengst dich an, kommst ins Schwitzen, bemühst dich, erhältst schließlich am Abend deinen vereinbarten Lohn, und musst feststellen, dass andere, die gerade mal ein oder zwei Stunden vor sich hingewerkelt haben, genau das gleiche Geld bekommen. Fühlst du dich da nicht irgendwie verarsc?t und gelinkt? Würdest du das nächste Mal noch genauso engagiert für den Weinbergbesitzer arbeiten wollen?
Klar – der Weinbergbesitzer darf mit seinem Geld machen, was er will, und er hat sich ja dir gegenüber an die Abmachung gehalten. Trotzdem wirst du sein Vorgehen als schofelig empfinden, wenn er die Nachzügler so unangemessen großzügig entlohnt, während die produktiven Arbeiter lediglich den Mindestbetrag kriegen. Es hat nichts mit Neid oder Missgunst zu tun, den Arbeitern der letzten Stunde den gleichen Stundenlohn zuzugestehen, aber nicht den gleichen Gesamtlohn.
Das Weinberggleichnis beschreibt sehr treffend das christliche Gerechtigkeitsempfinden, mit dem ich schon als Kind nichts anfangen konnte, und den Weinbergbesitzer als zutiefst unsympathisch und ungerecht empfand, weil er die Leistungen der tüchtigsten Arbeiter vollkommen ignorierte. Er hätte sich in erster Linie um seine treuen, loyalen Arbeiter kümmern sollen. Erst wenn dann noch weiterer Bedarf besteht, hätte er noch weitere Arbeiter einstellen sollen, aber keinesfalls zu besseren Konditionen.

Ich schlage jetzt einen weiten Bogen zur heutigen Politik.
Da fällt es mir in den letzten Jahren auf, dass einerseits brave Bürger zunehmend gemolken werden. Sie dürfen Sozialabgaben und Steuern zahlen (wogegen grundsätzlich nichts einzuwenden ist – das Geld wird für wichtige allgemein nützliche Vorhaben wie Infrastruktur, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Verkehrsverbindungen, etc. benötigt), erhalten aber kaum etwas zurück, weil das Geld vorwiegend ausgegeben wird für andere Zwecke, die nie etwas zum allgemeinen Wohlstand beigetragen haben. Sollten die Verantwortlichen nicht erst einmal vorrangig ihre Verpflichtungen gegenüber der eigenen Bevölkerung erfüllen, bevor eventuelle Überschüsse anderweitig ausgegeben werden?

Ein anderes Beispiel: Es waren einmal zwei Geschwister. Die Mutter trug dem etwas älteren eine Aufgabe auf, und versprach ihm eine Belohnung, wenn es die Aufgabe ordentlich erledigen würde. Das Kind machte sich daran, musste sich dafür anstrengen, aber erfüllte schließlich die Erwartungen der Mutter und führte die Aufgabe erfolgreich aus. Daraufhin bekam es die versprochene Belohnung. Als das jüngere Kind das bemerkte, fing es an zu weinen, und schrie, es sei ungerecht, dass es nicht ebenfalls die gleiche Belohnung bekommen würde. Die Mutter meinte, schließlich könne es nichts dazu, dass die Aufgabe nur für ein Kind gereicht hätte, gab nach und schenkte ihm das gleiche. Ist das fair? Verdient hätte das Kind die Belohnung nicht. Und je nach dem, wei sehr sich das ältere Kind vielleicht hatte abmühen müssen, wird es sich vielleicht benachteiligt fühlen, und der Mutter oder dem jüngeren Kind grollen. M.E. wäre eine Trostgabe in Ordnung, aber keine gleichwertige Belohnung. Eventuell die Zusage, dass das jüngste Kind das nächste Mal mit einer Aufgabe dran sei, und dann die Belohnung bekommen würde.

„Gerecht“ bedeutet, dass bei gleichen Eingangswerten auch gleiche Ausgangswerte folgen. Wenn sich das gleiche Ergebnis aus unterschiedlichen Eingangsbedingungen ergibt, ist irgendetwas faul, und es ist ebenso ungerecht, wie wenn gleiche Anfangszustände unterschiedlich behandelt werden. Ursache und Wirkung dürfen nicht entkoppelt werden. Wer mehr tut, muss auch mehr kriegen, und nicht alle gleichgebügelt dasselbe.

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Unpraktikabel //1990

Sabine, meine Schwester, hatte ich erst letzte Woche bei einer Trauerfeier getroffen.
Jetzt rief sie mich aus völlig anderem Anlass an, worüber ich hier aber nicht schreiben will.

Wir unterhielten uns noch ein wenig weiter, als sie erwähnte, dass ihr Sohn Robin demnächst von der Schule aus eine Woche Schülerpraktikum machen müsse, er aber noch keinen Platz gefunden hätte. Entweder nähmen die Unternehmen, die sie gefragt hätte, überhaupt keine Praktikanten, oder die wenigen Plätze seien schon besetzt. Sie wisse inzwischen nicht mehr, wo sie noch nachfragen könne, hätte auch schon überall im Bekanntenkreis herumgefragt. Es gäbe viel zu wenig Plätze – welche, die Robin interessieren würden, schon gleich gar nicht.

Das deckt sich mit meinen Informationen. Insbesondere auf dem Lande ist es schwierig für Jugendliche, passende Praktikumsplätze zu finden. Sie müssen nehmen was sie kriegen, ohne dass persönliche Interessen berücksichtigt werden können. Soll mir ja niemehr jemand zu argumentieren versuchen, dass der [Girl|Boy]’s Day ja nicht für andersgeschlechtliche Schüler geöffnet werden braucht, weil die Schüler noch an Praktika teilnehmen können!

Sabine erzählte weiter, dass die Schule – bis auf eine Liste einiger Betriebe, die angeblich ein paar Praktikanten nehmen – da überhaupt keine Unterstützung biete. Tja, Haftplicht- und Unfallversicherung liefen über die Schule, aber das nütze ihr jetzt auch nichts. Sie sei inzwischen mit ihrem Latein am Ende, auch Thorsten oder sonstige Bekannte könnten nicht weiterhelfen.
Ich schlug ihr vor, dass, wenn sie nicht doch noch einen besseren Platz für Robin finden würde, er notfalls in Standort 3 sein Praktikum absolvieren könne. Sie müsse mir nur Bescheid geben, dann würde ich das in die Wege leiten und arrangieren.
Sabine bedankte sich zwar für das Angebot, meinte jedoch, dass Robin dafür erstens keine Fahrkarte hat, und zweitens mit öffentlichen Verkehrsmitteln eh nicht dorthin kommt. Sie müsse ihn dann jedesmal früh hinfahren und nach Feierabend wieder abholen. Das könne sie leider nicht machen, müsse sich ja auch noch um ihre anderen Kinder kümmern, die früh rechtzeitig fertig gemacht werden müssen, und nachmittags bei den Hausaufgaben beaufsichtigt.

Eigentlich wollte ich Sabine noch fragen, was sie von einer Betriebsbesichtigung des hiesigen Standorts mit unseren Eltern hält, hab’s aber dann vergessen. Das muss ich ein andermal angehen.

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Rechnen nach Zahlen //1989

Auch Softwareentwickler müssen hin und wieder kleine Rechnungen durchführen. Es ergab sich eine Aufgabenstellung, die mit der Geometrie unserer Geräte zu tun hat. Konkreter braucht ihr das nicht zu wissen.
Ich machte gerade meine übliche Runde bei meinen Mannen, um mich nach dem Status ihrer Arbeit und ihren Fortschritten zu erkundigen (auch wenn ich die Details meistens untergeordneten Projektleitern überlasse).
So kam ich also auch bei dem Mitarbeiter vorbei, der gerade mit o.g. Berechnung beschäftigt war, aber noch kein schlüssiges Endergebnis aufzuweisen hatte.
Also ließ ich mir seine Berechnungen zeigen.

Da glaubt man, schon vieles gesehen zu haben. Ich selbst schreibe kleinere Rechnungen gerne auf gebrauchte Briefumschläge. Als in meiner Jugend Schmierpapier knapp war, benutzte ich beim Altpapier die Zeitungsränder, um außenrum meine Rechnerei hinzuschreiben. Da wird der Rechengang schon mal unübersichtlich, weil man nicht kompakt und bündig untereinanderschreiben kann.
Der Mitarbeiter hatte die Rückseite alter, nicht mehr benötigter Ausdrucke benutzt. Soweit kein Problem und völlig in Ordnung.

Was mich so entsetzte, war, dass er die Rechnung ausschließlich mit Zahlenwerten durchführte. Da standen ellenlange Ziffernfolgen hintereinander, getrennt von Operatoren und Bruchstrichen. Wo möglich, hatte er zusammengefasst, auch mal Wurzeln gezogen oder Winkelfunktionen ausgewertet, was die Ziffernfolgen nur noch länger und unübersichtlicher machte. Auf diese Weise hatte er bereits fast zwei Seiten vollgeschrieben.
„Wieso nutzen Sie keine Formelzeichen?“, fragte ich ihn perplex. So ist das mit der Digitalisierung nicht zu verstehen.
„Das mache ich immer so“, antwortete er. Er ist sonst ein geschickter Programmierer, aber kein Akademiker.
„So kann man nicht rechnen“, erklärte ich, „das ist viel mehr Schreibaufwand, als nötig. Die Rechnung erscheint unnötig lang und kompliziert, wird völlig unübersichtlich. Die Fehleranfälligkeit ist wesentlich größer. Wie leicht passiert Ihnen ein Zahlendreher, oder Sie geben ein Zwischenergebnis falsch in den Taschenrechner ein, beziehungsweise lesen falsch ab. Und ungenau ist es auch, weil sich Rundungsfehler ungehemmt fortpflanzen können. Sie kennen das Konzept der Variablen doch vom Programmieren. Das hier ist nichts anderes. Die Eingangswerte setzt man erst ganz zum Schluss in die Formel ein, um das Endergebnis zu erhalten. Und wenn man das nächste Mal andere Eingangsparameter hat, lässt sich die Rechnung einfach wiederverwenden, ohne dass man die gesamte Rechnung noch mal mit anderen Zahlen extra durchrechnen muss.“

OK – beim Programmieren kommt es – je nach Problemstellung – durchaus vor, dass man Zwischenergebnisse ausdrücklich ausrechnet, um sie dann weiterzuverarbeiten, anstatt nur einen einzigen großen Ausdruck auszuwerten.
Aber hier war das Problem nicht so kompliziert, um erst Zwischenergebnisse berechnen zu müssen.
Also machte ich dann gemeinsam mit dem Mitarbeiter den Ansatz, ließ ihn dann die Aufgabe selbständig durchrechnen, und kontrollierte später noch sein Ergebnis.

Bei mir wären das drei oder vier Zeilen gewesen, weil ich – faul wie ich bin – einige Schritte nur im Kopf mache, statt sie extra hinzuschreiben (das hat mich übrigens mal Punktabzug bei einer Schulaufgabe gekostet, bei der wir Nebenrechnungen auf einen zusätzlichen Zettel schreiben sollten, der aber bei mir fast leer blieb, weil ich die paar Rechnungen lieber im Kopf gemacht hatte).
Bei meinem Mitarbeiter war die Ausführung etwa eine halbe Seite lang.
Wenn er darauf gekommen wäre, dass Sinus Quadrat plus Kosinus Quadrat desselben Arguments gleich 1 ist, wäre seine Rechnung makellos gewesen. So wies ich ihn noch darauf hin, dass man das Ergebnis auf diese Weise noch vereinfachen kann, lobte ansonsten seinen Rechenweg und ermunterte ihn, beim nächsten Mal gleich mit Buchstaben statt Zahlen vorzugehen.

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Die Hausaufgabe //1988

Vor einiger Zeit ist mir beim Rumstöbern mein altes Religionsbuch aus der 2. oder 3. Klasse wieder in die Hände gefallen. Besonders bemerkenswert ist eine Hausaufgabe, die ich hier mit euch teilen möchte. Auf dass ihr euch mal wieder auf meine Kosten amüsieren dürft.

Auf einer Doppelseite waren zuerst vier Geschichten abgedruckt, wie Familien einen Sonntag verbringen. Die erste Aufgabe war es, dafür jeweils eine Überschrift zu finden.
Die eigentliche Aufgabe jedoch bestand darin, einen eigenen Sonntag zu beschreiben.
Bei uns in der Familie begann der Sonntag immer mit Kirchgang und gemeinsamem Mittagessen. Bei schönem Wetter machten wir meist einen Ausflug in die Gegend, gingen spazieren und kehrten schließlich in einem Café ein. So schätze ich meine Sonntage immer noch. Bei schlechtem Wetter blieben wir daheim, spielten Karten, andere Gesellschaftsspiele oder schauten Fernsehen.

Ausgerechnet der Sonntag, bevor diese Hausaufgabe gestellt wurde, war untypisch, und diesen beschrieb ich in meinem ersten Entwurf:
„Der gomische Sonntag“ [Überschrift nachträglich korrigiert zu „komische“, war im Sinne von außergewöhnlich, unüblich, merkwürdig gemeint]
„Um 1 fuhren wir“ [Beschreibung setzt nachmittags ein, da Vormittag eh immer gleich] „nach $Dorf.Name. Wir gingen“ [Hier muss ich einen halben Satz zensieren. Für euch wäre der langweilig, aber es ist etwas, das ich aus dem Blog heraushalten möchte.] „Dann furen wir zur Tante, dann furen wir wieder Heim und der Sonntag war aus.“ [In „furen“ nachträglich jeweils ein h eingesetzt, „Heim“ nachträglich klein geschrieben]

Soweit mein damaliger Entwurf. Aus meiner Sicht traf es das Erlebte richtig, und mehr gab es gar nicht dazu zu sagen, da ich nur Abweichungen zu einem normalen Sonntag hatte beschreiben wollen.
Meine Mutter war jedoch entsetzt. Sie meinte, dass der Pfarrer, der auch als unser Religionslehrer fungierte, doch erwarten würde, dass man einen Sonntagsgottesdienst mitbeschreiben würde. So musste ich unter ihrer Regie die Geschichte noch einmal verfassen:

„Der schöne Sonntag
Um 7 Uhr werde ich geweckt.“ [Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals geweckt wurde. Ich wurde entweder von selbst wach, oder benutzte später einen Wecker. Aber OK – das könnte an meinem Erinnerungsvermögen liegen.] „Dann ziehe ich mich an. Wir frühstücken gemeinsam.“ [Auch an Sonntagen gab es kein gemeinsames Frühstück. Unter der Woche musste jeder zu einer anderen Zeit aus dem Haus, so dass wir auch am Wochenende oder sonstigen freien Tagen dies nicht so pflegten.] „Mit meinen Eltern gehe ich zum Gottesdienst.“ [Das widerspricht schon mal der Überschrift, war für mich damals aber noch so normal, dass ich mir nichts dabei dachte. Warum Sabine nicht erwähnt wurde, weiß ich im Rückblick nicht mehr. Und auch das Kochen des Mittagessens, bei dem ich mithelfen musste, wird nicht erwähnt.] „Nach dem Mittagessen wandern wir in $Ortsangabe. Zwischendurch machen wir Rast und trinken Tee“ [Mir völlig unverständlich, wieso ich so etwas schreiben musste. Wir hätten niemals Tee mitgenommen.] „und essen belegte Brote.“ [Das hört sich eher nach Schulwandertag an. Mit meiner Familie habe ich so etwas nie erlebt. Wie gesagt – wir gingen öfters in ein Café. Kaffee habe ich damals zwar noch nicht getrunken, aber vermutlich eine Limonade. Dazu gab es entweder Torte oder einen Eisbecher. Auch meine Eltern haben niemals Tee in einem Café getrunken.] „Zum Abendessen sind wir zu Hause.“ [Abends war dann meist noch der Fernseher an.] „Dann gehe ich ins Bett.“

Bemerkenswert ist noch, dass diese zweite Geschichte keinerlei Rechtschreibfehler (lediglich eine auffällig lange Verbindungslinie zwischen „Zwischen“ und „durch“) enthält, und mit (für meine Verhältnisse) erstaunlich akurater Schreibschrift geschrieben wurde. Offensichtlich hatte ich mich dabei um eine ansprechende Form bemühen müssen, während ich den ersten Text halt so quick’n’dirty runtergeschrieben hatte. Zudem schrieb ich den zweiten Entwurf nur mit Bleistift, so dass man ihn notfalls relativ einfach wieder hätte entfernen können.

Man kann diese zweite Version wohl als eine frühe Variante von Fakenews sehen, bei der die Realität so dargestellt wurde, wie es taktisch erwünscht war. Niemandem wurde durch die Falschdarstellung geschadet, aber sie bildet halt nicht den tatsächlichen Ablauf ab.
Immerhin hätte es ja so sein können.

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Im Märzen der Twitterer //1987

Genießt einfach noch mal meine Tweets vom 13. bis 26. März.

Verleser des Tages: Eisbecher statt Eisbrecher statt Einbrecher
Irgendwie heute gar keine Lust auf Geschäftsessen.
Verhörer des Tages: „Fühl mal“ statt Fielmann
Die Statue //1816 Achtzehnhundertsechzehn
Verleser des Tages: Zauberstab statt Zeitraub
Wenn Sex Machtgefälle, Hierarchie und Unterdrückung bedeutet, mach‘ ich’s wohl irgendwie falsch.
Heute ist #MariäVerkündigung – also noch exakt neun Monate bis Weihnachten.
Verschreiber des Tages: Aloha statt Alpha
Verweißt auf Twitter #ffffff //1815 Achtzehnhundertfünfzehn
Habe mich diese Woche wohl übernommen. Fühle mich ausgelaugt und kraftlos. Dazu noch leicht erkältet. Und dann noch Uhrzeit umstellen.
Verleser des Tages: Haselnussschnecken statt Hefeschnecken
Angeblich ist der Whirlpool wieder betriebsbereit. Es würde mir heute Abend gut tun, wieder mal darin zu relaxen.
Verschreiber des Tages: Gleichgesinde statt Gleichgesinnte
Sahniger Genuss //1814 Achtzehnhundertvierzehn
Verhörer des Tages: Esswaren statt „es waren“
Hatschiiiiih! Erkältung im Anzug? #anzügliches
Verleser des Tages: Merkeling statt Marketing
Abendessen zu dritt //1813 Achtzehnhundertdreizehn
Verhörer des Tages: Arcaden statt Akazien
Verleser des Tages: Verhütung statt Verhüllung
Frühlingsgefühle sind vorhanden. Frühlingswetter noch nicht.
Verschobenes Update //1812 Achtzehnhundertzwölf
Verschreiber des Tages: false statt falls
Verleser des Tages: Haustiere statt Hausierer
breakplaining: Orthogonale Koordinatensysteme //1811 Achtzehnhundertelf
Verleser des Tages: Lesezeichen statt Lebenszeichen
Verhörer des Tages: Bergkerwa statt Baklava
Über #Trump oder #Putin lässt sich ja nicht nur Gutes sagen, aber die setzen sich wenigstens vorrangig für die eigene Bevölkerung ein.
Nicht-statische Statistik //1810 Achtzehnhundertzehn
Verschreiber des Tages: Anhang statt Anfang
„Der Kundin bekundinte im Kundinngespräch Interesse an der Sachkundin.“
Meine VMs wollen nicht mehr Computer genannt werden, sondern Computerinnen. Dann sind wohl die Server jetzt die Computeraußen.
Verleser des Tages: Einmischen statt Einheimischen
breakpoint’s Wayback Archive #25 //1809 Achtzehnhundertneun
Was man über bayr. MiniPräsidenten wissen sollte: Fängt mit „S“ an, endet auf „er“, und seine Frau heißt Karin.
Verhörer des Tages: Q statt Kuh
Verleser des Tages: traumatisiert statt thematisiert
At School //1808 Achtzehnhundertacht
Versprecher des Tages: Bildungsgrüße statt Bildungskrise
Verleser des Tages: Besteller statt Bestseller
Einen Außenminister mit so wenig Charisma wie @HeikoMaas hatten wir noch nie.
Kuschelraub //1807 Achtzehnhundertsieben
„so wahr mir Gott helfe“ – also ist ein #Amtseid gar nichts wert.
Verschreiber des Tages: freien statt frieren
Kaffeepause. Bedeutet heute Pause vom Kaffee.
Wie alt ist eigentlich Horst #Seehofer’s Berliner Kind inzwischen?
Verleser des Tages: Pfeffersteuer statt Pfefferstreuer
„So transzendent“ – Ode an pi zum #PiTag //1806 Achtzehnhundertsechs
So ein Tag, an dem der Kaffeekonsum in rekordverdächtige Höhen steigt.
Verschreiber des Tages: blond statt blind
Sieg der Vernunft! Ich bleibe #Kunde bei der @sparkasse. #BGH #Sparkassen #Maskulinum
Verleser des Tages: Fehlentscheidung statt Fallunterscheidung
Umdispositionen //1805 Achtzehnhundertfünf

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Die Strickjacke //1986

Wenn Carsten und ich unter der Woche beide abends daheim sind, und nicht noch arbeiten müssen (kommt im Schnitt höchstens zweimal pro Woche vor), verbringen wir einen Teil der Zeit gerne mit Fernsehen und naschen oder knabbern etwas dabei.

Ich saß bereits auf dem Sofa, als Carsten sich neben mich setzte. Er legte seinen Arm um mich, und bemerkte: „Was hast du denn da für eine Jacke an? Die kenne ich ja noch gar nicht.“
Ich hatte mir bereits im September eine neue Strickjacke bestellt, weil meine alte, die noch von meiner Oma gestrickt worden war, an den Ellbogen inzwischen irreparabel (kleinere Löcher versuche ich ja noch, wieder hinzukriegen, aber irgendwann ist halt Schluss) kaputt ist. Irgendetwas muss ich in der kalten Jahreszeit überziehen, um nicht andauernd zu frieren.
„Diese Jacke habe ich schon die ganze Woche lang abends an, und habe sie auch vorher schon ein paar Mal getragen“, stellte ich klar.

Eigentlich war mir gar nicht nach Shittest zumute, aber wenn er mir schon diese Vorlage liefert, griff ich sie auf: „Du achtest wohl überhaupt nicht darauf, was ich anhabe und wie ich aussehe?“
„Äh, doch. Ich merke immer, wenn du so einen kurzen, engen Rock trägst.“
„Dafür musst du ein halbes Jahr warten, bis es wieder wärmer wird.“

Er zog mein neben ihm befindliches Bein über seine Beine, und begann, es zu streicheln. Dann zog er mich enger an sich, und küsste mich ausgiebig.
Das spricht nicht gerade für das aktuelle Fernsehprogramm.
Und ansonsten habe ich diesmal keine Break-Pointe für euch.

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Divergenz //1985

Mehr und mehr laufen mein Blog und mein Leben auseinander.
Ich habe ja von Anfang an in meinen Blogtexten einige Modifikationen vorgenommen, um nicht so einfach in meiner realen Existenz identifiziert werden zu können. Das funktionierte nicht immer, ohne dass irgendwann Inkonsistenzen auftraten. In gewissem Ausmaß ist das noch akzeptabel.
Aber inzwischen gibt es einige Bereiche in meinem Leben, über die ich nie gebloggt habe. Veröffentlichung würde mein Inkognito zu stark gefährden. Bei einigen Themen reicht es, wenn ich sie erst nach einigen Wochen oder Monaten publik mache, um mich sicher zu fühlen.
Aber es gibt auch ein paar Punkte, die sind für das Blog tabu. Es sei denn, ich würde sie so stark verändern, dass sie kaum noch etwas mit ihrem Kern gemein haben. Weitere Inkonsistenzen früher oder später wären die Folge.
Ich lasse es also besser bleiben, mit der Konsequenz, dass mein Blog mein Leben immer schlechter abbildet. Ursprünglich wollte ich ja mal hier mein Leben dokumentieren.
Somit stellt sich die Frage, ob es sich für mich überhaupt noch lohnt, das Blog weiterzuführen, wenn die Abweichungen zum realen Leben allmählich unüberbrückbar werden.

Das Blog war für mich zeitweise sehr wichtig. Ihr habt es ja sicherlich mitgekriegt, dass es mir oft sehr schwer fällt, mich – abseits fachlicher Nerdgespräche – mit anderen Menschen zu unterhalten. Durch das Blog konnte ich in dieser Hinsicht viel dazu lernen, und meine sozialen Defizite etwas ausgleichen. Auch wenn – oder gerade weil – es eine andere Situation als das Reallife darstellt, unterstützte es mich dabei, Praxis zu erwerben und Konversationen einzuüben.

Als ich mit dem Blog anfing, war es zumindest teilweise ein Schlampenblog. Umso wichtiger war es für mich, nicht mit meinem Realnamen damit in Verbindung gebracht zu werden.
Die Zeit verging. Meine Schlampenzeiten sind längst passé. Dafür habe ich einige andere Themen gefunden, die vorher noch nicht absehbar waren.
Gerne würde ich mich für eines dieser Interessen auch im echten Leben engagieren, aber meine Annenühmität ist mit dem Blog gekoppelt. Sobald ich dies täte, würde ich auffliegen.
Mittlerweile bin ich eine angesehene Geschäftsfrau, und auch darüber hinaus viel zu öffentlich exponiert, um mir das erlauben zu können.

Das Blog hält mich mittlerweile von vielem ab, was ich in realiter gerne tun würde.

Im Rückblick tut es mir um viele Informationen leid, die ich hier ausgeplaudert habe. Aber – hey! – wenigstens wisst ihr nicht, was stimmt, und was nur meiner Fantasie entsprang. Hier ist ja bekanntlich ausnahmslos alles frei erfunden. Schließlich bin ich nur ein Bot und das Blog ist ein Seifenoper-Experiment zur Künstlichen Intelligenz.

Umgekehrt würde ich manches gerne hier niederschreiben. Aber die Vorsicht gebietet mir, es zu unterlassen. Leider habe ich doch schon das eine oder andere offenbart, was ich besser für mich behalten hätte. Ich bin mittlerweile in einer öffentlich sichtbareren Stelle, als ich es früher absehen konnte. Jede unbedachte Information schwächt meine Annenühmität.

Ja, das alles hört sich recht wirr an, spiegelt aber nur mein Dilemma wider.

Wäre es eine Möglichkeit, die Blogs zu löschen, zwei bis drei Jahre abzuwarten, bis Anne Nühm in Vergessenheit geraten ist, um dann neu durchzustarten? Ich überlege.
Ihr braucht keine Bedenken zu haben, dass ich einen Schnellschuss mache und meine Blogs von heute auf morgen verschwinden. Aber ihr solltet euch darauf einstellen, dass dieses Blog voraussichtlich über die Hälfte seiner Lebensdauer bereits hinter sich hat.

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Nettworking //1984

Tatsächlich schickte mir die Tochter eines mir bekannten Geschäftsführers ihre Bewerbungsunterlagen. Ich kann dazu gar nichts sagen. Meinetwegen darf sie gerne befristet bei unseren Kaufleuten mitarbeiten. Das soll unser kaufmännischer Leiter entscheiden.
Die Firma ihres Vaters ist keine direkte Konkurrenz, und wenn wir ihm diesen Gefallen tun können, so ist er uns erst einmal verpflichtet, sich gelegentlich zu revanchieren.

Trotzdem werde ich sie erst einmal in mein Büro zu einem Vorstellungsgespräch bestellen. Ich werde das so timen, dass ich unmittelbar vorher ein Treffen mit Philipp habe. Während ich ihn noch verabschiede, mache ich die beiden miteinander bekannt, und erwähne dabei, dass sie in ihrer Masterarbeit auch einen mathematischen Part (wie mir ihr Vater erzählt hatte) hat. Dann fällt es mir ein, dass sie ja zu Standort 1a muss, weil dort die Kaufleute arbeiten. Ganz zufällig liegt das (ungefähr) auf Philipp’s Weg, so dass ich ihn bitten werde, sie doch dorthin zu begleiten, um ihr den Weg zu zeigen.

Ihr Alter passt, sie ist Mathematik-affin, laut ihrem Vater Single, und nach dem Bewerbungsfoto sieht sie einigermaßen gut aus. Ich weiß, dass es keine Garantie gibt, dass meine Kuppelei funktioniert – die Erfolgsaussichten sind wohl sogar recht gering, aber einen Versuch ist es wert.

Und falls mir die Dame aus irgendwelchen Gründen unsympathisch sein sollte, kann ich das ganze immer noch abbrechen. Dann schicke ich sie eventuell alleine zu den Kaufleuten, oder gleich wieder ganz heim.

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Erde zu Erde //1983

Ein Bruder meiner Mutter ist gestorben. Da wir früher hin und wieder bei ihm zu Besuch auf dem Dorfe waren, erschien es mir geboten, am Nachmittag zur Trauerfeier in die alte Heimat anzureisen. Wirklich gut habe ich ihn nicht gekannt, aber immerhin war er mein Onkel. Sein Tod kam nicht überraschend. Er war schon länger krank gewesen.

Ich fragte Carsten, ob ich das Auto nehmen könne, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln muss ich mehrfach umsteigen, und wäre viel länger unterwegs – insbesondere beim Rückweg.
„Geht klar. Ich kann so disponieren, dass ich den Wagen an diesem Tag nicht unbedingt brauche. Soll ich mitkommen?“
„Du hast doch dringende Termine, die wichtiger sind.“
„Wenn du mich brauchst, dann hat das Priorität.“
„Ach, tatsächlich?“, fragte ich überrascht.
„Aber sicher doch, Anny.“
„Danke. Aber das ist nicht notwendig. Ich komme schon zurecht. Sabine geht auch alleine hin.“
„Wie du willst.“

Zur Trauerfeier in der Dorfkirche kam ich gerade pünktlich. Als ich meine Eltern und Sabine in den vorderen Reihen sitzen sah, setzte ich mich daneben. Ich trug einen schwarzen Rock und eine graue Bluse, die eigentlich nicht zusammenpassten, sowie meine dunkelbraune Winterjacke (fast zu warm), aber sonst bevorzuge ich farbenfrohere Kleidung. Der Friedhof grenzt gleich an die Kirche an, so dass keine längere Trauerprozession nötig war. Ich war nicht die einzige, die ein schwarzes Kopftuch aufgesetzt hatte.
Anschließend ging es dann zum Leichenschmaus mit Kaffee und belegten Broten oder trockenem Kuchen.

Meine Mutter nutzte die Gelegenheit, um Verwandte, die sie lange nicht gesehen hatte, auf den neuesten Stand zu bringen:
„Unner Mädlich, die sinn ja jetz ah alle zwee verheiert. Unner Sabine, die hat vier so liebe Kinner. [..] Der Dafidd, des issder enn ganz enn Wilder. Der gedd jedz ah scho nei die Schul nei. Und die Grisdina, die Klennst, die is so ä häddzichs Menschle [..] Der Sabine ihr Moo, der Dorsden, der macht ja alles für sie und die Kinner. Ah wenn bei uns ämol äbbes kabudd is, dann kümmter gleich und rebariert’s. Erst noilich, do hadder uns drei Ster Holz ghaggt. Mir selber sinnjo ald und könne hald ah nimmer so richdich. Des Holz, des is ja so doier worn. Obber bloß mit Kohle ällens kommer hald ah nedd geheiz. [..] Unner Anne, naja, die wohnt jetz in $NichtImSauerland. Ihr Moo is halt so viel älter als sie, und mit Kinner hat’s halt nimmer geklabbt. Die Anne is ja jetz ah scho vierzich. Ich wess gor nedd, wos der ihr Moo so richdich ärbedd, obber die Anne, die verdient ja selber gud. Die wor ja scho immer so gscheid. Die is jetz sogar ä Doggderre. Der ihr Moo wor enn Widdmoo mit zwee grosse Kinner. Unner Anne hädd sicher enn bessere gefinn geköh – so ä schüe Weißbill – obber die wor halt scho immer so eiche. Die hadd ah fürone nie enn Froind ghobbd. Jedz musse hald selber geseh, wie se zurecht gekümmt mir ihrm Moo. Ich konnerre do nedd gehölf.“
Sabine saß genauso mit verdrehten Augen dabei wie ich, während unser Vater die Tirade nickend bestätigte.
Dann drehte das Gesprächsthema zum Augenarzt der Kreisstadt, der sich demnächst zur Ruhe setzen wollte. Und ich erhielt den Vorschlag von Verwandten, mich dann an seiner Stelle niederzulassen, damit ich wieder daheim sein könne.
So sehr bin ich schon lange nicht mehr gedemütigt und beleidigt worden! Mich mit einem Arzt zu vergleichen! Ich zählte in Gedanken bis zur digitalen Vier, lächelte und sagte lediglich, das sei nicht möglich. Eine längere Erklärung wäre auf den denkbar unfruchtbarsten Boden gefallen.

Wenig später traf der Pfarrer, der den Trauergottesdienst gehalten hatte, ein. Die Trauernden waren sich einig, dass er in seiner Ansprache so schöne Worte über den Verstorbenen gefunden hatte.
Als er sich ausgerechnet neben meine Mutter setzte, ließ diese es sich nicht nehmen, ihre Darstellung noch einmal fast wortwörtlich (aber hörbar bemüht um größere Konformität mit der Schriftsprache) zu wiederholen, was ich im folgenden als Übersetzung (Deutsch ist nun mal nicht meine Muttersprache) wiedergebe:
„Unsere Töchter sind jetzt beide verheiratet. Sabine hat vier liebe Kinder. [..] David ist ein ganz Wilder. Er geht jetzt auch in die Schule. Und Kristina, die Kleinste, ist so ein herziges Menschlein. [..] Sabine’s Mann Thorsten macht alles für sie und die Kinder. Auch wenn bei uns irgendetwas kaputt ist, kommt er gleich und repariert es. Erst neulich hat er uns drei Ster Holz gehackt. Wir selbst sind ja alt und können halt auch nicht mehr so richtig. Holz ist ja so teuer geworden, aber nur mit Kohle allein kann man halt auch nicht heizen. [..] Anne wohnt jetzt in $NichtImSauerland. Ihr Mann ist viel älter als sie, und mit Kindern hat es nicht mehr geklappt. Anne ist ja jetzt auch schon vierzig. Ich weiß nicht, was genau ihr Mann arbeitet, aber Anne verdient ja selbst gut. Sie war ja immer schon so gescheit. Sie ist jetzt sogar eine Doktorin. Ihr Mann war ein Witwer mit zwei großen Kindern. Anne hätte sicher einen besseren finden können – so eine schöne Frau – aber sie war halt schon immer so eigenwillig|eigenbrötlerisch|eigenartig|nerdig. Sie hat auch vorher nie einen Freund gehabt. Jetzt muss sie halt selbst sehen, wie sie mit ihrem Mann zurechtkommt. Ich kann ihr dabei nicht helfen.“
Der Pfarrer erwiderte salbungsvoll etwas, dass „unser aller Herr in seiner unendlichen Weisheit und Güte“ .. blablabla.
Unvermittelt brach meine Mutter dann plötzlich in Tränen aus, weil ihr Bruder ja so „enn guder Käll“ gewesen war.
Der Pfarrer beruhigte sie, dass sie ihn ja „im ewigen Paradiese“ wiedersehen würde.
Die Umsitzenden nickten, und einer stellte die Frage in den Kreis, wer wohl von den Anwesenden der nächste sein würde, der seine „letzte Reise antritt“.

Als ich mich auf dem Heimweg machte, war es noch hell. Ich hatte mit Carsten vereinbart, dass ich noch kurz in der Firma vorbeischaue, von wo aus wir dann beide zurück in die Wohnung fahren wollten.
Es tat mir so gut, dass er mich erst mal in den Arm nahm, mich fest an sich drückte und emphatisch küsste, bevor ich dazu kam, Grüße von meiner Verwandtschaft auszurichten.

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Wenn der Logarithmus mit muss //1982

Über Integration hatte ich bereits breakgeplaint.

Beschränken wir uns mal auf analytische Funktionen, so können diese konvergent durch eine Potenzreihe dargestellt werden.
Ein einzelner Summand (fast hätte ich geschrieben: potentes Glied) x^n hat die Stammfunktion x^(n+1)/(n+1).

So weit, so gut.
So lange n ungleich -1 ist.
Dann ist nämlich plötzlich der Logarithmus zum Integrieren nötig.

Ich habe schon so oft damit gerechnet, auch die Herleitung nachvollzogen, und es stimmt.
Aber dennoch – mich irritiert und stört der Logarithmus an dieser Stelle immer wieder. Er ist ein Fremdkörper. Überall nur Potenzen, und dann taucht plötzlich dieser Logarithmus auf, der überhaupt nicht zu den anderen passt. Er zerstört die Symmetrie und die Ästhetik der Formeln.
Die Schönheit der Mathematik ist an dieser Stelle gebrochen.

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Lieber Queries als Querelen //1981

Die Suchanfragen, die auf dieses Blog eingehen, werden immer mehr zu Nachschlagebegriffen. Sei es Duden, Kreuzworträtsel, Wikipedia, .. die damit kombiniert werden. Oder die Frage nach Synonymen oder der Bedeutung.
Diesmal habe ich solche Begriffe noch voll ausgeschrieben, in Zukunft werde ich diese Kombinationen in meiner monatlichen Auflistung nicht mehr als solche erwähnen.

„hartkäse kreuzworträtsel“
Parmesan?

„blendende weihnachten stream“
Zu starke Beleuchtung nervt und verschwendet Energie.

‚“kern holz“‚
Der innere Bereich des Baumstammes.

„obfusziert“
Versteckt, verborgen, verschleiert.

„sprüche hintern“
Unus ignis quis vir multum ab audere et clamavit: „Studium fuga meum prohibere!“

„letzter wille pille bestellen“
Dr. McCoy kann sich drum kümmern.

„ungläubige frau mit 6 buchstaben“
Heidin.

„strumpfband amazon“
Hatte ich für meine Hochzeit dort bestellt.

„programmiersprache rätsel“
Manche Programmkonstrukte sind schon rätselhaft.

„vibro ei wlan“
Da fehlt die passende Schnittstelle. Datenschutzrechtliche Bedenken sollten nicht ignoriert werden.

„besitztümer kreuzworträtsel“
Eigentum?

„1 lepton“
Zumindest innerhalb des Standardmodells kann keine gerade Anzahl daraus werden.

„inkrementieren duden“
Erhöhen. Das Gegenstück ist dekrementieren, sprich erniedrigen. Seltsamerweise hat der Duden diese einfachen Begriffe noch nicht aufgenommen.

„staffelei duden“
So eine Art Gestell, auf dem ein Gemälde während des Bemalens befestigt ist.

„dev bedeutung“
Je nach Kontext Device oder Develop. Die Geräteentwickler sind somit die Devdevs.

„langsam aber sicher englisch“
Slowly but surely.

„büsi schweizerdeutsch“
Ich habe gelernt, dass das eine Katze ist.

„produkttester gesucht“
Wir suchen höchstens Alphatester.

„ameisenbiss hund“
Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

„wer fickt mich in zukunft“
Aufgrund der Exklusivitätsvereinbarung kommt da nur einer in Frage.

„oberflächlich anbrennen 6 buchstaben“
Sengen?

„was heißt subbie“
Freundlich gemeinte Kurzform von Subordinate. Das wären bei mir insbesondere meine Softies, in zweiter Linie auch die Devdevs und die It-Boys.

„schöner fernsehen abmahnung“
Es gibt genug legale Sender.

„anführungszeichen nur oben word“
Irgendwo in den Optionen bei der Autokorrektur lassen sich typographische Anführungszeichen ausschalten. Bei WordPress habe ich dafür leider noch keine Möglichkeit gefunden.

„attraktiver freund langweilt mich begehren verschwunden“
Wenn man nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreift, nimmt das Begehren ab. Um es zu erhalten, muss man schon was tun.

„fettgehänge“
*schauder*

„untreue ehefrauen in der öffentlichkeit“
Dazu habe ich keinerlei Bezug.

„vulgär bedeutung“
Ordinär, abstoßend derb.

„meine schlampe“
Schlampen haben als Partnerin den Vorteil, keine unrealistischen Vorstellungen und überanspruchsvolle Erwartungen zu haben. Sie sind auch verständnisvoller für menschliche Schwächen.

„canis latein“
Das heißt Hund.

„gabe newell christian religion“
Mit Religion hab‘ ich nix am Hut.

„let’s get physical“
Oh ja, gerne!

„piercingstudio kemnath“
Bäh ..

„gaygeschichten“
Heiter sind wir ja, aber sonst passt das nicht.

„das com objekt für virtualbox konnte nicht erzeugt werden“
Das Problem hatte ich auch schon. Da muss man bestimmte DLLs noch mal registrieren, bzw. die VBox-Installation reparieren.

„talentlos 8 buchstaben“
Unfaehig? Unbegabt?

„lose nähen“
Lotterielose aus Papier sind manchmal zusammengenäht.

„ekeln sich männer vor der periode“
Warum sollten sie sich vor regelmäßig wiederkehrenden Zeitabschnitten ekeln? Einige jedoch vor dem Output.

„geschmack von leben stream“
Panta rhei.

„temporärer fehlschlag beim auflösen von“
Nochmal versuchen.

„glühweindurchlauferhitzer“
Daheim mache ich eine Tasse Glühwein im Mikrowellengerät heiß. Bei größeren Mengen nehme ich einen Topf, den ich auf eine eingeschaltete Herdplatte stelle.

„erotikfilm skihütte“
Auf der Liste der Orte, die ich völlig unerotisch finde, stehen Skihütten ganz weit oben.

„der einzige weg oliven zu essen“
Oliven mag ich nicht besonders.

„ungesunde luft für empfindliche gruppen“
Frische Waldluft tut immer noch am besten.

„erotische sm geschichten“
Was könnte erotischer sein, als hochenergetische Wechselwirkungen im Standardmodell durch Feynmandiagramme zu beschreiben?

„grabschen duden“
Ich kann mir nicht merken, ob man das mit weichem B oder hartem P schreibt.

„arbeitsspeicher ausgelastet“
Vielleicht lässt sich RAM nachrüsten.

„windows 10 leere laufwerke ausblenden“
Weiß ich nicht. Ich möchte alle meine Laufwerke sehen, und das eigentlich sogar, ohne vorher auf „This PC“ gehen zu müssen.

„hm wickelkleid“
Hm .. meist bevorzuge ich Zweiteiler.

„nukular bedeutung“
Das heißt eigentlich „nuklear“ – den Kern betreffend. Oder auch das beliebte Annegramm unclear statt nuclear.

„spülmaschine angelassen“
Das ist alle paar Tage nötig.

„süddeutsch schnuller 6 buchstaben“
Nuggel?

„damenwäsche kreuzworträtsel“
Dessous?

„opernlied kreuzworträtsel“
Arie.

„kurzarbeit rechner“
Wieviel Zeit ich vor dem Rechner verbringe, ist meine Sache, solange ich mein Pensum erledige..

„wissenschaftlich erwiesen früh aufstehen ist ungesund“
In dieser Pauschalität würde ich das nicht unterschreiben.

„wordpress aktualisieren gescheitert“
Vielleicht klappt’s beim nächsten Versuch.

„die alte des bauern will mit mir vögeln“
Einen Hühnerhof oder Ententeich kann man schon mal für Beobachtungen nutzen.

„captchas nerven“
Solange sie funktionieren, erfüllen sie eine wichtige Funktion. Das heißt, zumindest auf meiner Website reichen ein paar Honigtöpfe völlig aus.

„windelstrumpfhose“
So etwas gibt’s?

„amüsement kreuzworträtsel“
Spass?

„elementarteilchen meson kreuzworträtsel“
Vermutlich Pion.

„wer googelt nach mir“
Das sind die Leute, die sich solche Suchanfragen ausdenken.

„cobol developer“
Brauche ich nicht.

„furchtbar, wenn chef imme sor lügen muss, ich glaube nicht, das diew arbeiter die fehler maschen, sondern der chef ist ein vollidiot“
Furchtbar, wenn die Tippfehler so überhand nehmen, dass man die Aussage kaum noch versteht.

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Swinging Naughties //1980

Obwohl ich seit mehreren Wochen meine DMs bei Twitter offen habe, habe ich noch kein Dickpic zugeschickt bekommen. Was ist denn da schon wieder mit den Patriarchatsmitgliedern los?
Immerhin habe ich ein paar Nachrichten bekommen, darunter auch eine, die einen längeren Dialog nach sich zog, in dem es vor allem um Erfahrungen bei Swingerclubs geht. Ich nehme das zum Anlass, daraus einen Blogeintrag zu machen, der meine – nicht unbedingt allgemeingültigen – Erfahrungen damit beschreibt.

Mein letzter Besuch liegt inzwischen auch schon etliche Jahre zurück, und war kein Erfolg.
In den Jahren zuvor war ich vielleicht sieben- oder achtmal mit Begleitung dort, zwei- oder dreimal allein. Meine Erinnerungen sind inzwischen schon ziemlich verblasst. Möglicherweise ist es mittlerweile dort ganz anders. Meine Besuche fanden noch vor #aufschrei statt.
Ich kenne eigentlich nur einen Swingerclub. Der ist in der nächstgrößeren Stadt (was bereits Aufwand bedeutet, dorthin und wieder zurück zu kommen). Das heißt, irgendwann war ich noch in einem anderen, aber dort wurde geraucht. Für mich ist das ein No-Go. Bereits nach einer halben Stunde verließen wir das Etablissement, weil der Rauch einfach unerträglich war.
Dann habe ich noch von einem weiteren in der Gegend gehört. Aber der liegt so abgelegen auf dem Land, dass man ihn mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch nicht erreichen kann, und nachts kommt man erst recht nicht wieder von dort weg.
Obwohl erstgenannter Club um 20 Uhr öffnete, war vor 22 Uhr nichts wirklich los. Das lief meinem Tagesrhythmus zuwider. Gegen neun Uhr bin ich müde, und schlaffe dann zusehend mehr ab.
Gelegentlich haben sie auch mal tagsüber offen. Einmal bin ich dann hin, aber es waren fast keine Leute da, und die wenigen waren nur untereinander beschäftigt.

Mit meinem Begleiter verband mich lediglich eine lockere Sexbekanntschaft. Wir trafen uns halt sporadisch zum Sex, und gingen ein paarmal zusammen in den Swingerclub. Da er ansonsten bedeutungslos ist, lohnt sich kein Nickname für ihn.
Ein Problem war, dass die meisten Besucher (größtenteils mittelalt, einige auch schon recht betagt) einander kannten, und in Grüppchen zusammen waren. Als Neuling kam man kaum in solch eine Gruppe hinein. Darüberhinaus wachten die Frauen sehr über ihre Männer, dass diese sich nur ja nicht ohne Erlaubnis mit einer fremden Frau vergnügten. Einzelne Männer gab es nur sehr wenige, da der Eintrittspreis für diese horrend hoch war.
So blieben mein Begleiter und ich meistens unter uns. Allerdings hatte er Probleme damit, wenn andere ihm zusahen. Meiner exhibitionistischen Ader wäre das allerdings entgegengekommen.
Dafür störte es mich, überall die kopulierenden Paare (ob es größere Gruppen gab, weiß ich nicht, weil ich da sofort wegsah) sehen und vor allem hören zu müssen. Für mich ist das ein Lustkiller, und ich fühle mich unbehaglich dabei, wenn ich so etwas miterleben muss.

Wenn ich alleine an der Bar oder sonstwo saß, um etwas zu trinken, wurde ich bisweilen angesprochen (auch von Frauen, die wohl abchecken wollten, ob ich für ihren Begleiter in Frage komme). Ich bin bestimmt nicht dorthin gefahren, um meinen Namen zu nennen und zu erzählen, wo ich herkomme. Erst recht nicht will ich wissen, wo er wohnt oder was er im Urlaub erlebt hat. Wirklich! Wegen Smalltalk fahre ich bestimmt nicht in den Swingerclub. Neugierige Fragen oder langweilige Erzählungen könnte ich auch woanders haben. Ich will dort sicherlich keine persönliche Bindung aufbauen.
Kann man nicht einfach nur miteinander unverbindlichen Sex haben, ohne vorher erst langwierig miteinander herumlabern zu müssen?
Wie deutlich kann man seine Bereitschaft zu Sex eigentlich noch machen, wenn nicht durch die Anwesenheit in einem Swingerclub auf dem Präsentierteller? Wenn „nichts muss“, dann sollte Konversation auch nicht erforderlich sein. Ich steh‘ nun mal auf Männer, die sich nehmen, was sie wollen, ohne dass man sie vorher dazu extra animieren muss, und die auch nicht vorher lange rumfragen.

Außer der Lobby mit Bar gab es auch einen abgetrennten Raum, in dem man etwas essen konnte. Allzu große Erwartungen an das kleine Buffet sollte man nicht stellen, aber es reichte aus, um sich zwischendurch zu stärken.
Sämtliche Räumlichkeiten auf beiden Etagen waren mehr oder weniger abgedunkelt. Es gab auch einen BDSM-Raum. Darin habe ich aber nie jemanden gesehen. Das war allerdings auch noch vor #50sog Graustufen.

So ziemlich das beste Erlebnis, das ich hatte, lief ungefähr so:
Mein Begleiter und ich hatten uns im großen, halbdunklen Raum auf der Matte vergnügt. Zwischendurch hatte mich irgendsoeine Frau angekrabbelt, aber wenigstens verschwand sie sofort, als ich ihr bedeutete, mich in Ruhe zu lassen.
Als mein Begleiter fertig war, zog er sich zurück. Ein Mann, der uns schon die ganze Zeit beobachtet hatte, ließ sich neben mir nieder, und machte Anstalten, mich fingern zu wollen. Aber wer weiß, wo er vorher schon seine Finger gehabt hatte! (Das ist übrigens exakt die gleiche Begründung, warum ich in der Kirche schon lange nicht mehr zur Kommunion gegangen bin, und warum ich keine Schickimicki-Restaurants mag.) Ich bedeutete ihm also, ein Kondom überzuziehen, und in medias res zu gehen. Nach einiger Zeit kam ich, und etwas später er dann auch. Ein anderer Mann hatte sich inzwischen auf der anderen Seite hingesetzt und gewartet – kann sein, dass er mich zwischendurch ein wenig gestreichelt hatte, ich weiß nicht mehr genau. Der war als nächster dran. Allerdings brauchte er ewig, so dass es sogar mir langweilig wurde. Vermutlich war er nicht an Kondome gewöhnt. Dadurch kann es sich hinziehen. Zwar setzte ich meine bewährten Methoden einige Male ein, um die Sache zu beschleunigen, aber sie bewirkten nichts. Obwohl ich zwischendurch noch einmal gekommen war, hatte ich danach erst mal keine Lust mehr, sondern Durst.
Als ich oben in der Lounge etwas trank, versuchte wieder eine Frau, mich anzusprechen. Echt nervig!
Mein Begleiter hatte inzwischen auch keine Lust mehr, dort herumzuhängen, so dass wir das Etablissement verließen.

Vielleicht wären meine Erfahrungen besser gewesen, wenn ich mich einmal zu einer der seltenen Herren-Überschuss-Party getraut hätte. Aber alleine kann das aus dem Ruder laufen. Insbesondere habe ich dann keine Kontrolle, ob jeder auch schön brav ein Kondom überzieht. Ich hätte jemanden gebraucht, der in dieser Hinsicht auf mich aufpasst. Aber dafür war mein damaliger Begleiter nicht bereit.

Als es ihn beruflich in eine andere Gegend verschlug, brach unser Kontakt schnell ab. Ich weiß nur noch, dass er mir erzählte, dass dort in einer gewöhnlichen Sauna so viel mehr los ist, so dass dieser Swingerclub dagegen klösterlich wirkt.

Man muss wohl ein geselliger Mensch sein, um sich in einem Swingerclub wohlzufühlen. Meine speziellen Vorlieben könnte ich da eh nicht ausleben. Meist fühlte ich mich recht deplaziert – wie bei so manch anderer Veranstaltung auch.
Zumindest im Rückblick habe ich den Eindruck, dass die meisten Gäste gar nicht hingingen, um mal unverbindlichen Fremdenverkehr zu haben, sondern um verbal zu kommunizieren, vielleicht anderen zuzuschauen, und sich ganz cool und hip dabei zu fühlen.

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Verführung wider Willen //1979

Auf dem Grundstück um das Landhaus befindet sich ein großer Walnussbaum. Heuer hat er außergewöhnlich gut getragen, so dass wir schätzungsweise vier Kilonüsse aufgesammelt haben.

Gelegentlich sitzen wir abends entspannt auf dem Sofa, lassen uns von Fernsehprogramm berieseln, während Carsten Nüsse knackt. Teilweise isst er sie selbst, teilweise gibt er mir welche.
Irgendwann hatte ich genug. „Ich will eigentlich keine Nüsse mehr.“
„Nur noch die zwei hier. Die habe ich schon aus dem Sack genommen.“
„Na gut.“

Carsten knackte weiter, bot mir hin und wieder eine Nuss an, die ich gedankenverloren nahm und aß.
Nach einiger Zeit fiel mir dies auf: „Ich sagte doch, dass ich keine Nüsse mehr will.“
Er hielt mir die Hand mit einer geknackten Nuss hin: „Die letzte.“
Ich seufzte, nahm die Nuss, und verspeiste sie.

Carsten knackte weiter, aß die Nüsse selbst. Etwas später reichte er mir wieder eine Nuss.
„Hör endlich auf, mir Nüsse zu geben!“
„Du isst sie aber doch“, grinste er spöttisch.
Mist! Tatsächlich hatte ich sie mir bereits reflexartig in den Mund gesteckt.
„Ich will aber jetzt tatsächlich keine mehr. Sie reichen mir.“
Er hatte inzwischen die nächste Nuss offen, und hielt mir die beiden Kernhälften hin. Ich zögerte. „Du eine Hälfte, ich eine Hälfte“, schlug er vor.
„OK! Dann ist aber wirklich Schluss. Statt ’ner Nuss will ich ’nen Kuss.“

Er erfüllte mir diesen Wunsch, und kündigte dann an: „Ich werde noch ein paar knacken, bis diese Schüssel voll ist. Die kannst du dann morgen früh essen.“
„Bitte nicht.“ Er hatte nun wirklich genug an den Nüssen herumgedrückt. Jetzt war ich auch mal wieder dran.
„Warum nicht?“, fragte er, legte seine Hand dann plötzlich auf meinen Bauch, „du hast wohl Angst, dass du zu dick wirst?“
„Ja!“, gab ich zu, „denn dann schmeißt du mich ja raus.“
Er zuckte die Schultern: „Ich bin doch nur ein alter Knacker.“
„Knacker jetzt im Moment schon, alt aber nicht.“

Ich drehte mich zu ihm, so dass ich mit jeder meiner Hände eines seiner Ohren erreichte, und begann, seine Ohrränder leicht mit den Fingerkuppen zu streichen und zu massieren.
„Was machst du denn da?“
„Wenn du ein Ferengi wärst, würdest du jetzt alles machen, was ich sage.“
„Was mache ich denn nicht, was du sagst?“
„Du unterlässt es nicht, mich mit Nüssen zu mästen.“
„Wir haben so viele. Jetzt sind sie noch frisch und schmecken am besten.“

Ich setzte mich rittlings auf seinen Schoß, ließ bei meinem Manöver aber seine Ohren nicht los. „Die kann ich dir auch langziehen, wenn du mir weiterhin deine Nüsse aufdrängst.“ Toxische Weiblichkeit kann ich.
Er schmunzelte. „Ist ja schon gut, Samtpfötchen. Heute kriegst du keine Nüsse mehr von mir.“
„Wir werden sehen“, erwiderte ich, „vielleicht hab‘ ich ja doch noch Lust, ‚was zu knabbern.“

Mein innerer Dämon, der u.a. dafür sorgt, dass mein Humor trocken, und meine IO-Kavität feucht bleibt, ließ mich seine Ohren loslassen, um stattdessen seine Hose zu öffnen.
„Sieh an“, meinte ich, „da brauche ich auch nichts mehr langzuziehen. Bist du sicher, dass du nicht doch ein wenig Ferengi bist?“
„Offenbar wohl schon. Woher hätte ich sonst meinen Geschäftssinn?“
Als Transvulkanierin im perpetual Pon Farr leitete ich den Paarungsprozess (jahreszeitlich bedingt war das leider recht umständlich, aber für instant accessibility ist es inzwischen einfach zu kalt) ein, der ohne besondere Vorkommnisse ausgeführt und erfolgreich vollendet wurde.

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Einfall beim GF-Treffen //1978

Bei den gelegentlichen Geschäftsführertreffen geht die Tendenz dahin, dass sich nur noch die Geschäftsführer selbst treffen, also ohne Begleitung. Es gibt schon noch die Treffen mit Begleitung, aber sie werden immer seltener.
Je nach dem, wie es uns gerade passt, gehen entweder Carsten oder ich hin, idealerweise abwechselnd, und nur selten gemeinsam. Demnächst sind wir selbst mal wieder mit Einladen dran.

Mit manchen Geschäftsführern verstehe ich mich ganz gut (üblicherweise die mit technischem Background), mit anderen weniger (meist die mit rein kaufmännischer Bildung). Ich versuche halt dann immer, mich so zu setzen, dass ich mit denjenigen ins Gespräch kommen kann, zu denen ich eher einen Draht habe. Inzwischen kenne ich sie ja so weit.
Einer begrüßt mich, wenn er da ist, jedesmal mit: „Ich freue mich immer so sehr, Sie zu sehen, Frau Nühm.“ Ich wüsste ja zu gerne, ob er das tatsächlich aufrichtig meint.

Beim letzten Treffen unterhielt ich mich mit einem Geschäftsführer, der mir von seiner Tochter erzählte. Sie ist im Begriff, ihren Master in BWL abzuschließen. Bevor sie ins väterliche Geschäft einsteigt, soll sie jedoch erst ein halbes bis ganzes Jahr in einem oder zwei anderen Unternehmen Erfahrungen sammeln. Der Geschäftsführer fragte mich, ob das bei uns eventuell möglich wäre.
Mein erster Impuls war, dieses Ansinnen abzublocken. Für die kaufmännischen Angelegenheiten bin ich nicht zuständig, und eigentlich interessiert mich das überhaupt nicht. Dann jedoch hatte ich – wieder mal – einen meiner genialen Einfälle, so dass ich den Geschäftsführer noch ein wenig über seine Tochter aushorchte, und ihm dann mitteilte, dass sie mir ihre Bewerbungsunterlagen zumailen soll. Eigentlich ist der kaufmännische Leiter dafür zuständig, aber ich habe meine Gründe, warum ich mich zuerst selbst darum kümmern möchte.
Oh, was bin ich wieder raffiniert!

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Zeitsprung //1977

So schön hell ist es heute morgen!
Genießt das (UTC+1) noch mal. Wenn tatsächlich die „Ewige Sommerzeit“ (UTC+2) kommt, dann bleibt es künftig im Winterhalbjahr früh eine Stunde länger dunkel. Das heißt, im Dezember wird es dann erst ab neun Uhr (alle Zeitangaben nur ungefähr, hängen auch von der geographischen Position und dem aktuellen Wetter ab) hell. Und von November bis Mitte Februar bleibt es früh bis mindestens acht Uhr dunkel. Wenn das keine deprimierenden Aussichten sind! Schon der Oktober ist immer ätzend.

Der Winter wirkte auf mich schon immer belastend, weil er kalt und dunkel war. Aber bisher war der Dezember das größte Problem. Nur dann war ich gezwungen, den morgentlichen Weg zur Arbeit im Dunkeln zurückzulegen. Mit ewiger Sommerzeit dehnt sich diese Zeitspanne auf mindestens ein Vierteljahr aus. Da ist es mir auch kein Trost, dass es dann bis fünf Uhr hell bleibt. Im Winter mache ich eh nichts draußen, und bislang war die frühe Dunkelheit im Dezember für mich zumindest gelegentlich ein Vorwand, um früher heimzugehen, um noch ein wenig Tageslicht zu erhaschen.
Glaubt nicht, dass ich die einzige bin, die Probleme mit SAD hat. Ohne ausreichend Tageslicht geht es noch viel mehr Personen so, dass sie zu wenig Melatonin produzieren, das sehr wichtig für ein ausgeglichenes Wohlbefinden ist.
Es gibt auch viele Menschen, die früh Schwierigkeiten haben, überhaupt aus dem Bett zu kommen, oder die den halben Vormittag nicht wirklich ansprechbar sind. Für die wird sich das Problem durch die ewige Sommerzeit noch erheblich verschärfen.
Falls die ewige Sommerzeit tatsächlich kommt, werden wir unsere Betriebszeiten im Winter eine Stunde nach hinten verschieben. Das ist dann halt auch wieder ein organisatorischer Aufwand und mit einer ausdrücklichen Umstellung verbunden.

Ich habe die langen Sommerabende der Sommerzeit auch immer sehr geschätzt. Aber im Winter ergibt es einfach keinen Sinn, eine Stunde länger draußen sein zu können.
Die Zeitumstellung zweimal im Jahr nervt. Das stimmt. Trotzdem ist sie wohl das kleinere Übel (vorzugsweise mit Rückstellung bereits Ende September statt Ende Oktober, wie das noch bis Mitte der Neunziger Jahre üblich war). Eine Art „Gleitende Sommerzeit“ will ja auch niemand.
Als Kompromiss könnte ich mir allerdings durchaus auch UTC+1.5 als mitteleuropäischen Standard vorstellen. Das ist immerhin noch eine halbe Stunde besser als osteuropäische Zeit. Und warum sollten eigentlich die Portugiesen die gleiche Uhrzeit haben wie die Bulgaren?

Da gab es ja im Sommer eine Umfrage, wie es künftig in Europa mit der Zeitumstellung geregelt werden soll. Die meisten Leute (zumindest in Deutschland) stimmten für dauerhafte Sommerzeit. Die Umfrage war aber nicht repräsentativ.
Und warum erinnert mich das an den Brexit? Vielleicht weil viele Leute verklärte Vorstellungen haben, und dann ihre Meinung ändern, sobald sie mit der Realität konfrontiert werden. Das hätte man ja nicht voraussehen können.

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Es war einmal in #Twitterland //1976

Mal wieder gebrauchte Tweets – diesmal vom 21. Februar bis 12. März – mit meinem üblichen Mischmasch aus Beitraglinks, Verdingsern des Tages, Statements und Aphorismen.

Verhörer des Tages: Apartmentsuche statt Partnersuche
Verleser des Tages: Hook statt Hack
Hardware-Versagen und erfolgloses Fummeln //1804 Achtzehnhundertvier
Verleser des Tages: Lethargie statt Liturgie
breakpoint’s Wayback Archive #24 //1803 Achtzehnhundertdrei
Verleser des Tages: Nasenraum statt Nassraum
Twittertime //1802 Achtzehnhundertzwei
Verschreiber des Tages: Liedertermin statt Liefertermin
Verleser des Tages: Löschungen statt Lösungen
breakplaining: Klick! //1801 Achtzehnhunderteins
Liebe Männer, es ist völlig OK, sexuelles Interesse zu zeigen. #Weltfrauentag
Verschreiber des Tages: #Gleichbereicherung statt #Gleichberechtigung
Verleser des Tages: #Frauenkrampftag statt #Frauenkampftag
Würde die Würde durch die Hürde zur Bürde? //1800 Achtzehnhundert
Verhörer des Tages: Eisenwarenladen statt Eisenbahnladen
Vielleicht sollte die Politik erst mal definieren, was sie unter #Digitalisierung versteht. Mir dünkt, dass da etliche Personen intellektuell beim Fingerabzählen stehengeblieben sind.
Verleser des Tages: Symmetrieriese statt Syrienreise
Ein ungewöhnlicher Vorschlag //1799 Siebzehnhundertneunundneunzig
Ein #Flugtaxi wäre jetzt angenehm. Aber gesünder ist es, zu Fuß zu gehen, und umweltschonender, den Bus zu nutzen.
Verleser des Tages: ehelos statt ehrlos
Verhörer des Tages: „App Store“ statt Eppendorf
Bitterkalt //1798 Siebzehnhundertachtundneunzig
Verschreiber des Tages: Vorschreiber statt Verschreiber
Verleser des Tages: beliebiger statt beliebter
Wie wär’s denn mal mit „mit Hirn und Hand“? Oder „Sinn und Verstand“? #Nationalhymne
Das Zeitalter der Freiheit //1797 Siebzehnhundertsiebenundneunzig
Verleser des Tages: Zukunft statt Zugankunft
breakpoint’s Wayback Archive #23 //1796 Siebzehnhundertsechsundneunzig
Versuchte Begriffe – begriffliche Besuche //1795 Siebzehnhundertfünfundneunzig
Verleser des Tages: Seduction statt Subduction
Das verzögerte Gespräch //1794 Siebzehnhundertvierundneunzig
Pflegemonie //1793 Siebzehnhundertdreiundneunzig
Ein guter #Kaffee ist wie ein Mann: heiß, stark und belebend.
Verschreiber des Tages: amother statt another
Fehlgeschlossen //1792 Siebzehnhundertzweiundneunzig
Mein Blog wurde für den #GOA2018 vorgeschlagen. Auch wenn ich mir keine Chancen einräume – ein Dankeschön an den edlen Einreicher!
Ich hab da leider nur patriarchalisch-logische Argumente. Aber zunächst sollte man die Grundlagen erlernen, die 80% aller relevanten Fälle abdecken. Danach _kann_ man sich mit dem außergewöhnlichen Rest beschäftigen. #Pareto
Verleser des Tages: Reptilien statt Repliken
Die linke Tour //1791 Siebzehnhunderteinundneunzig
Verschreiber des Tages: Busenbrenner statt Bunsenbrenner
Der #Feminismus hat es inzwischen ziemlich geschafft, Weiblichkeit jede positive Konnotation zu nehmen.
Verleser des Tages: Maskulinisierung statt Marskolonisierung
Saturtag in der Stadt //1790 Siebzehnhundertneunzig
breakpoint’s Wayback Archive #22 //1789 Siebzehnhundertneunundachtzig
Verleser des Tages: „versaute Chefin“ statt „versaute Chance“
Verschreiber des Tages: Bundbreite statt Bandbreite
Der Kuchen //1788 Siebzehnhundertachtundachtzig
Aus gegebenem Anlass und zur Feier des Tages: #Feierabend
Verleser des Tages: Freiwild statt Feindbild
Verschreiber des Tages: Hagenutten statt Hagebutten
breakplaining: magnetisch //1787 Siebzehnhundertsiebenundachtzig
Verhörer des Tages: Lupe statt Looping
Verleser des Tages: Heidinnen statt Heldinnen
Intrakulturelle Differenzen //1786 Siebzehnhundertsechsundachtzig

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Dr. nerv. (In Mathe bin ich Dekorin) //1975

Vielleicht war ich ja naiv, zu erwarten, dass trotz Doktortitel alles in der Firma genauso weiterläuft wie bisher.
Falsch gedacht. Sobald die Urkunde angekommen war, veranlasste Carsten sofort, dass alles in der Firma, auf dem mein Name steht, geändert wird. Briefpapier, Impressum, Mail-Signaturen, .. Er hatte auch schon neue Firmenbroschüren bestellt.
Auf meinem Schreibtisch fand ich nur wenige Tage später einen neuen Stapel mit Visitenkarten. Ich brauche aber trotzdem erst die alten auf.
Die Kombination von rer. nat. mit dem Physikdiplom impliziert, dass ich in Physik promoviert hätte. Dieser falsche Eindruck ist mir unangenehm. Es ist zwar nichts ehrenrühriges – in keine Richtung – aber es ist schlicht unzutreffend.

Es vergeht keine Besprechung oder Treffen mit Geschäftskontakten, ohne dass Carsten es dauernd erwähnt: „Dazu müssen Sie sich an Frau Doktor Nühm wenden“, „dafür ist Frau Doktor Nühm zuständig“, „fragen Sie Frau Doktor Nühm“, „Frau Doktor Nühm wird sich darum kümmern“, „geben Sie die Unterlagen weiter an Frau Doktor Nühm“, ..
Immerhin hat er sich bisher an unsere Vereinbarung gehalten, den Titel privat nicht breitzutreten.
Aber auch geschäftlich wollte ich kein solches Aufhebens darum machen. Es nervt.

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Aktueller Arbeitsstatus //1974

Das Review der Dev Spec bin ich zu einem großen Teil durch. Ein paar Kleinigkeiten, die noch geändert werden müssen, habe ich bisher gefunden, aber nichts schwerwiegendes.

Dafür habe ich beim Durchlesen wieder einen Einfall bekommen für ein ganz neues Feature. Für diese Produktversion kommt es nicht mehr in Frage, aber vielleicht in einer zukünfigen.
Dafür muss ich aber erst noch einiges abklären. Vorher gebe ich die Dev Spec voraussichtlich frei. Danach muss ich erst mal die Spec für Evalyze abschließen.
Die Umsetzung von Evalyze werde ich dann in drei Projekte aufteilen, für die zwei meiner Mitarbeiter hier sowie Herr Grau in Standort 4 verantwortlich sind. Ich selbst behalte die Koordination und Gesamtleitung, kümmere mich aber nicht mehr um Details.

Wenn dies alles erledigt ist (ich rechne mit Ende November/Anfang Dezember) habe ich Zeit, eine Machbarkeitsstudie für dieses neue Feature durchzuführen. Dazu werde ich u.a. wohl eine kleine FEM-Simulation programmieren (juchhu! Endlich mal wieder ein Grund, um selbst Code zu schreiben!).
Außerdem werde ich das Thema beim nächsten 3T-Meeting zur Sprache bringen.

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Block The Blog //1973

Was manchmal so alles hinter den Kulissen abläuft, und man selbst gar nicht mitkriegt ..

Ich erhielt eine vertrauliche Mitteilung eines inkognito bleiben wollenden Twitter-Followers. Offenbar hat er auf Twitter von einer bestimmten Person eine Aufforderung bekommen, mich zu entfolgen und am besten zu blocken. Angeblich hat diese Person sämtliche gemeinsamen Follower entsprechend angeschrieben und gedroht, sie sonst selbst zu blocken. (Meine Blogfollower sind möglicherweise ebenfalls betroffen.)

Da ich von dieser Person bereits geblockt bin, kann ich nicht nachschauen, wie viele gemeinsame Follower wir (noch) haben. Allzu viele waren es bestimmt bereits vorher nicht, da ihr Tweetstil und -inhalt schon erheblich von meinem abweicht.
Das ganze ist recht mysteriös. Ich habe zwar eine Vermutung, was die Blockaufforderung dieser Person, mit der ich selbst sonst noch niemals zu tun hatte, ausgelöst haben könnte, habe aber keine Belege.
Falls jemand mir (noch) folgt, und ebenfalls von dieser Person deshalb angeschrieben wurde, wäre ich für eine kurze Nachricht (meine DMs sind offen) dankbar.

Jeder kann eine Meinung haben, wie er mag. Ich schreibe da niemandem etwas vor. Ich würde auch niemals auf die Idee kommen, von Followern zu verlangen, eine andere Person zu entfolgen, bzw. den Kontakt abzubrechen, nur weil ich diese aus irgendwelchen Gründen nicht mag.
Wenn eine $Person1 von mir verlangen würde, eine andere $Person2 zu entfolgen, wäre das für mich eher Anlass, mit $Person1 nichts mehr zu tun haben zu wollen.

Da ich dem Kontaktmann absolute Diskretion zugesagt habe, werde ich keine konkreteren Informationen nennen.
Es würde mich jedoch interessieren, inwieweit andere Twitterer oder Blogger, die ihr hier lest, bereits ähnliche Erfahrungen gemacht habt, und wie ihr damit umgegangen seid.

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Der Ex-Assi //1972

Im Sommer hatte ich bei einer Veranstaltung unerwartet einen früheren wissenschaftlichen Assistenten meiner alten Uni wiedergetroffen. Er hatte zu meiner Studienzeit eine Übungsgruppe geleitet. Darüber hinaus hatten wir uns nicht gekannt. Inzwischen ist er Professor an einer anderen Universität.

Wir hatten uns auf der Veranstaltung länger unterhalten, so dass ich ihm schließlich versprochen hatte, ihm ein gedrucktes Exemplar meiner Dissertation zuzuschicken.
Dies hatte ich dann auch nach meinem Urlaub getan. Nach Erhalt bedankte er sich kurz per Mail und einige Tage später, nachdem er das Machwerk gelesen hatte, antwortete er ausführlicher.
Es ergab sich ein längerer Mailwechsel, und sogar ein paar Telefongespräche. Inzwischen sind wir per Du.
Da er voraussichtlich wieder im Blog auftauchen wird, spendiere ich ihm hier das Pseudonym Holger.

Vor ein paar Tagen schrieb mir Holger, dass er noch ein paar Kolloquiumstermine im Wintersemester freihätte, und sich freuen würde, wenn ich in einem davon meine Dissertation und dazu in Zusammenhang stehende Papers vorstellen würde. Auch in einer Physik-Kolloquiumsreihe kann mal ein rein mathematisches Thema stehen.
Ich hatte noch ein paar Rückfragen, überlegte mir die Sache, hielt Rücksprache mit Carsten, und habe schließlich zugesagt (obwohl mir Sommersemester eigentlich wesentlich lieber gewesen wäre). Ich teile ja mein Wissen gerne, und die Vorstellung, meine
Ergebnisse vor einem Hörsaal voller aufmerksamer, intelligenter Männer zu präsentieren, reizt mich ohnehin.

Carsten ist von dem Vorhaben wenig begeistert, weil er nicht „schon wieder eine Loreley-Geschichte erleben will“. Immerhin hat er vorgeschlagen, dass wir den Vortrag mit einem gemeinsamen Kurzurlaub in einem Kurbad in der Gegend verbinden. Das sind ja ganz neue Töne, dass er von sich aus Urlaub vorschlägt! Noch dazu, da wir dann ja beide nicht in der Firma sein können, und außerdem erst kurz vorher im Winterurlaub gewesen sein werden.
Aber vermutlich fällt ihm dann kurz vorher wieder ein, dass er dann doch keine Zeit hat – so wie auch bei der Veranstaltung, bei der ich demnächst die Keynote sprechen werde. Ursprünglich wollte er mich noch begleiten, aber mittlerweile sind ihm doch wichtigere Termine dazwischen gekommen.

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breakplaining: Pointer //1971

Als ich angefangen habe zu programmieren, war einer der Begriffe, die mir besonders unverständlich erschienen, das Konzept der Pointer.
Inzwischen habe ich längst verinnerlicht, was es mit Pointern auf sich hat, und ich werde mich bemühen, das allgemeinverständlich zu erklären.

Ein Pointer ist die Adresse eines Speicherbereiches, auf dem bestimmte Daten gespeichert sind.
Häh ..?
In den Programmiersprachen kann man benötigte Werte in Variablen abspeichern. Wir haben also z.B. eine Variable $X, der wir den Wert 42 zugewiesen haben. Das heißt, irgendwo im Arbeitsspeicher steht 2A000000 (32bit, Hex, Intel Byte-Reihenfolge). Das Computerprogramm muss sich nun den Ort (also die Adresse) merken, wo diese 42 steht. Einerseits kann man über die Variable $X darauf zugreifen. Andererseits ist das aber auch möglich mit einem Pointer. Dies ist ebenfalls eine Variable vom Typ Pointer.
Der ursprüngliche Wert war eine (vorzeichenlose) Ganzzahl. Wenn wir einen Pointer darauf zeigen lassen, so können wir den Wert beispielsweise auch als Zeichen(kette) interpretieren, und erhalten in diesem Fall ein Sternchen*.
Mit einem 32-bit-Pointer lassen sich 4 Gigabyte Speicherbereich addressieren, mit 64bit entsprechend das Quadrat davon.
Pointer lassen sich inkrementieren und dekrementieren. Je nach dem Typ der Variable, auf den sie zeigen, bedeutet das, dass die jeweilige Speicheradresse um die entsprechende Anzahl Bytes erhöht oder erniedrigt wird.

Oops, das ist jetzt vielleicht doch nicht ganz so verständlich geworden. Versuchen wir einen anderen Ansatz.
Ich schreibe von mir nicht immer in der ersten Person, sondern objektifiziere mich etwa als Programmierschlampe oder Chefin.
Oder als anderes Beispiel nenne ich Carsten je nach Kontext auch „Herr Klugsch“, „der Chef“, „der Geschäftsführer“ oder „mein Mann“. All diese Bezeichnungen meinen aber dieselbe Person. Sie stellen nur eine Referenz dar auf ein und dasselbe Objekt.
Beim Programmieren nutzt man dazu (Objekt-)Pointer, die auf die jeweilige Objektinstanz zeigen und verweisen. Eine Instanz im Arbeitsspeicher kann durch mehrere Pointer referenziert werden.

Und das ist eigentlich schon alles, was man über Pointer zu wissen braucht.

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Rückblick 1. Halbjahr 2018 //1970

Lange war ich mir unschlüssig, ob ich einen Rückblick auf das erste Halbjahr 2018, also Januar bis einschließlich Juni, bloggen soll. Naja, jetzt mach‘ ich es halt.

Schon kurz nachdem Carsten und ich aus dem Urlaub zurückgekommen waren, fuhr ich mit Benjamin zu einer anderen Uni, um mich dort an wissenschaftlichen Gesprächen zu beteiligen.
Die Suche nach einer Sekretärin ging erfolglos weiter.
Ausnahmsweise übernahm ich einen Entwicklungsauftrag für einen früheren Kunden.
Nachdem Teresa alte Fotos von mir auf Benjamin’s Rechner gefunden hatte, trennte sie sich von ihm. Benjamin legte mir daraufhin nahe, den Abschluss meiner Promotion zu beschleunigen.
Carsten befürwortete den schnelleren Abschluss.
Durch die Konzentration auf meine Promotion war ich gezwungen, mich in der Firma temporär zurückzuziehen und den Kundenauftrag erst mal zurückzustellen.
Über Ostern waren wir erst bei Standort 3, dann bei meinen Eltern.
Den Schüler-Technik-Tag delegierte ich größtenteils an die anderen Abteilungsleiter.
Trotz eines Fehlers in der Firmen-Firmware schaffte ich es, meine Dissertation wie geplant abzugeben.
Aufgrund eines kleinen Haushaltsunfalls musste ich in der Klinik eine Schnittverletzung am Knie nähen lassen.
Ich traf mich gelegentlich mit Philipp, um für die mündliche Prüfung zu lernen.

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Lieber gesund als krank //1969

Ja, ich bin auch heute noch daheim.
Ich war ja erst anfang letzter Woche einen Tag daheim geblieben, weil ich mich erkältungsbedingt nicht so ganz wohl fühlte. Zwar hätte ich mich durchaus ins Büro schleppen können, aber davon wäre ich dann vielleicht erst richtig krank geworden, oder hätte möglicherweise sogar Mitarbeiter angesteckt.
Als Chefin kann ich meine Anwesenheiten im Büro grundsätzlich so gestalten, wie es mir persönlich am besten in den Kram passt. Normalerweise ist es schon zweckmäßig, als Ansprechpartner direkt vor Ort anwesend zu sein, aber wenn es sich anders ergibt, kann ich auch schon mal fernbleiben. Ich habe meine Vertreter, und meine Mitarbeiter sind gut instruiert, so dass sie wissen, was sie zu tun haben. Die kommen schon mal einzelne Tage ohne mich zurecht.

Von Mitarbeitern erwarte ich, dass sie sich nicht aus falsch verstandenem Pflichtgefühl in die Arbeit schleppen, wenn sie krank sind.
Wer nicht völlig gesund ist, bringt keine volle Leistung, muss aber dennoch bezahlt werden, als täte er es. Und sicherlich ist es nicht wünschenswert, Krankheitskeime in die Arbeitsstätte einzuschleppen.
Als Vorgesetzte bin ich meinen Mitarbeitern auch eine gewisse Fürsorge schuldig. Ich habe schon mal einen heimgeschickt, weil er offenbar krank war, aber trotzdem ein Problem, für das er zuständig war, unbedingt lösen wollte.

In der Firma ist es so geregelt, dass ein Mitarbeiter, der sich nicht arbeitsfähig fühlt, sich am Morgen bei seinem Vorgesetzten (oder ersatzweise dem Sekretariat) per Telefon oder Mail entschuldigt (bzw. entschuldigen lässt), dass er wegen Krankheit nicht kommen kann.
Zieht sich seine Krankheit länger hin, ist spätestens am dritten Tag ein ärztliches Attest fällig.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn ein Mitarbeiter, auf den man sich verlassen hat, unvorhergesehen ausfällt. Insbesondere wenn Besprechungen stattfinden, bei denen er anwesend sein muss, oder wenn er dringende Aufgaben zu erledigen hat, die eigentlich nicht aufschiebbar sind. Ja, ist ärgerlich, aber das passiert halt.
Jedem vernünftigen Chef ist klar, dass jeder mal krank werden kann. Möglich, dass er im ersten Moment seinen Unmut durchscheinen lässt, weil es schlicht lästig ist, dann umdisponieren zu müssen oder einen Ersatz zu finden. Und wenn wichtige andere Termine daran hängen, und vielleicht deshalb nicht eingehalten werden können, ist das erst recht einfach doof.
Dennoch wird ein guter Chef nicht von Mitarbeitern verlangen, trotz gesundheitlicher Beschwerden zu arbeiten – selbst wenn der Ausfall noch so zeitkritisch ist. Ein Mitarbeiter soll sich auskurieren, und danach gesund wiederkommen, um zügig seine Arbeit wieder aufzunehmen.
Das kommuniziere ich immer wieder meinen Mitarbeitern. Bei Krankmeldungen nehme ich die schlicht zur Kenntnis, und bestätige sie mit Wünschen für eine gute Besserung.

Manchmal fühlt jemand sich zwar nicht so wirklich fit, aber auch nicht krank genug, um eine Krankmeldung zu rechtfertigen. Ja, das ist manchmal ein schmaler, schrödingerartiger Grat. Es sollte jeder selbst einschätzen können, was er sich zutraut. Eventuell gibt es auch die Möglichkeit, zur Arbeit zu gehen, und sich im Laufe des Tages erst krank zu melden, wenn man merkt, dass es doch nicht so gut geht wie gedacht.
Unwohlsein am Morgen kann nach ein paar Stunden völlig verschwunden sein, so dass es im Rückblick eigentlich möglich gewesen wäre zu arbeiten. Andererseits kann man sich erst richtig krankmachen, wenn man zur Arbeit geht, indem man erste Anzeichen ignoriert.
Tja, wie gesagt, ein schmaler Grat. Pflichtbewusstsein sollte nicht den Ausschlag geben.

Ich tendiere dazu, meinen Mitarbeitern zu raten, im Zweifel lieber mal einen Tag zu viel daheim zu bleiben, als zu wenig. Wenn sie sich fit genug fühlen, können sie ja auch daheim ein wenig Literaturstudien o.ä. betreiben – sofern sie das wollen.
Problematisch wird es halt dann, wenn jemand zu oft der Arbeit fernbleibt. Bei meinen Mitarbeitern besteht die Gefahr des „Blaumachens“ nicht. Das sind Nerds, die gerne arbeiten, weil sie die Fortschritte ihrer Anstrengungen sehen wollen. Ich vertraue ihnen soweit.
In anderen Umgebungen besteht die Gefahr halt doch. Und da kann ich es schon verstehen, wenn ein Chef misstrauisch wird, wenn jemand sich alle paar Wochen mal für ein bis zwei Tage krankmeldet. In so einem Fall ist dann auch ein ärztliches Attest gleich am ersten Fehltag sinnvoll. Manche Leute haben ja eine labile Gesundheit und ständig irgendwelche Beschwerden (das soll hier nicht abfällig klingen – zumindest phasenweise kann das jeden treffen – wer jedoch durch seinen ungesunden Lebensstil seine Beschwerden selbst verursacht, mit dem hält sich mein Mitleid in engen Grenzen). Die jeweiligen Kollegen werden darüber auch nicht froh sein, denn sie trifft es dann ja, seine Arbeit (zumindest teilweise) miterledigen zu müssen.

Es ist nicht schön, krank zu sein. Für den Patienten nicht, aber auch sein Chef und seine Kollegen haben dadurch Probleme, da sie den Ausfall kompensieren müssen.

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