Kein Rollenspiel //2788

Ich habe es nicht gezählt, wie oft ich irgendwelche Anfragen bekam, in denen ich gebeten wurde, mich als Role Model zu betätigen, bzw. mich an Aktionen zu beteiligen, die darauf hinausliefen, Frauen in MINT-Berufen oder Führungspositionen „sichtbarer“ zu machen.
Solche Ansinnen widersprechen allem, was mir wichtig ist, weshalb ich sie teils ignorierte, teils ausdrücklich ablehnte.
Ich lasse mich nicht für solche Gleichmacherei instrumentalisieren und vor den femidiologischen Karren spannen. Zu gerne würden die meine Erfolge für sich vereinnahmen wollen.

Wenn ich mir vorstelle, ich würde durch mein Beispiel Mädchen und junge Frauen beeinflussen, dass dies den Ausschlag gibt, dass sie nur deswegen einen MINT-Beruf ergreifen und darin scheitern, widerstrebt mir das. Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein.
Frauen, die ohnehin etwas auf dem Kasten haben, brauchen kein Vorbild, und werden auch so ihren Weg gehen. Ob sie letztendlich erfolgreich sind oder nicht, ist die zweite Frage, aber wenigstens trage ich an Fehlschlägen kein Verschulden.
Ich habe den Eindruck, dass der typische MINT-ler sich kaum danach orientiert, was andere Leute tun oder sagen. Die sind ihm ziemlich egal. Er hat seine eigene Denkfähigkeit und lässt sich vergleichsweise wenig von anderen beeinflussen.
Wer Neigung und Begabung für MINT hat, interessiert sich üblicherweise weniger für Menschen, und ist deshalb weniger empfänglich für Vorbilder, bzw. das, was andere Menschen tun und sagen. Wer sich vor allem auf Menschen ausrichtet, ist in einem Beruf „mit Menschen“ sowieso besser aufgehoben.

Es muss schon ein sehr altertümliches, schräges Frauenbild sein, das Frauen als unmündige Kinder sieht, die selbst nicht dazu fähig sind, ihre eigenen Interessen zu kennen und zu vertreten.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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13 Antworten zu Kein Rollenspiel //2788

  1. keloph schreibt:

    danke, genau meine meinung. spezialförderung kann stigmatisieren.

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  2. pirx1 schreibt:

    Nach meiner Erfahrung sind es vor allem zwei Gruppen, die Frauen vorschlagen, als derartiges „Role-Model“ zu posieren. Dabei geht es ihnen vorrangig gar nicht darum, andere Frauen z. B. für MINT-Berufe zu interessieren, sondern nur darum, sich selbst und völlig unabhängig von jedweder Fähigkeit zu gefallen („ich bin so, wie ich bin“, was ja prinzipiell ok, aber auch kein besonderes Qualitätsmerkmal ist):

    a) Weitgehend erfolglose, aber sehr von sich selbst überzeugte Frauen, die offenbar meinen, schon allein dieses Posing färbte gleichsam auf sie selbst ab und bewiese besondere Fähigkeiten, die nur Frauen und ausschließlich qua Geschlecht besäßen. In diesem Abglanz sonnen sich diese Potentatinnen dann bis zum Exzess.

    b) Weitgehend erfolglose und ansonsten chancenlose Männer, die offenbar meinen, dass ihnen als vermeintlichen „Frauenverstehern“ ohne jede sonstige Anstrengung eine ähnliche Gnade der Fähigkeitszuweisung allein per Definition zuteil werden könnte, ohne dass diese Fähigkeit dann auch noch mühevoll bewiesen werden müsste.

    Bei genauer Betrachtung ist diese verquere Art zu denken nichts anderes, als eine spezielle Form von Rassismus (Zuschreiben von Fähigkeiten allein aufgrund äußerer Merkmale) und sehr verzichtbar, aber aktuell (wohl auch aufgrund der zunehmenden Anzahl Lern- und Leistungungsunwilliger) sehr in Mode.

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  3. Matt schreibt:

    Sehe ich zum Teil anders.
    Wenn ich meine 8 jährige Tochter als einziges Mädchen beim Robotik-Kurs sehe, die sich dann ständig gegen die sich vordrängenden Jungs wehren muss, dann sind Vorbilder schon gut, damit man sich weiter durchbeißt. Als Papa ist man da weniger überzeugend als jede Frau….

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    • Ist es nicht viel anspornender, (scheinbar) die Erste zu sein, die das schafft, als auf vermeintliche Vorbilder zu schielen?

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      • Matt schreibt:

        Da gibt es unterschiedliche Typen mit unterschiedlicher Motivation. Viele Mädels sind halt nicht so kompetitiv und wollen nicht unbedingt Erste sein.
        Dich dagegen würde man eher für den Vortrag gewinnen, wenn man ein anderes fachbezogenes Argument wie von der Mathematik zur Programmierung für den Vortrag bringen würde als Dein Geschlecht, was man dann so nebenbei erwähnen könnte.

        Gefällt 1 Person

    • pirx1 schreibt:

      Gesetzt den Fall, die Teilnehmer an diesem Robotikkurs würden von einem verblendeten objektiven Beobachter beurteilt und bewertet, der keine Ahnung hätte, welches Geschlecht die jeweiligen Teilnehmer haben: Würde dann „das einzige Mädchen“ tatsächlich noch als von vordrängenden Jungen besonders benachteiligtes Mädchen wahrgenommen oder einfach als weniger durchsetzungsfähiges Individuum (das auch ein Junge sein kann)?

      Hören wir doch bitte endlich auf, unsere Introjekte und falsch gelernten Erwartungen an vermeintlich spezifische Geschlechterrollen (hier: „Mädchen = prinzipiell benachteiligt“) immer wieder auf andere Menschen bis hin zu unseren eigenen Kindern zu projizieren. Damit wäre schon viel gewonnen.

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Frau Bärbock ist jetzt auch Role Model. Auch, wenn sie keine Ahnung als Chef-Diplomatin hat. Was sagt uns das ?

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