Kommuni.. irgendwas //2743

„Mama, was ist Kommunismus?“
Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, als ich meiner Mutter diese Frage stellte. Ich weiß auch nicht mehr, was sie genau antwortete, aber sinngemäß und verkürzt war es etwa: „Da gibt es kein Eigentum. Da gehört alles jedem gleichermaßen.“
Ich war entsetzt! Meine Bücher! Meine Kleider! Mein Bett! Meine sonstigen Habseligkeiten – sollte mir das alles nicht mehr selbst gehören, sondern von anderen beliebig genutzt werden dürfen, während ich selbst davon abhängig war, was vielleicht dann für mich übrigblieb? Ich wollte doch auch gar nicht das Geraffel der anderen, aber was mir gehörte, wollte ich nicht mit anderen teilen müssen.

Vermutlich nicht im gleichen zeitlichen Zusammenhang erklärte mein Vater irgendwann, warum Kommunismus nicht funktionieren könne. Ich kriege den Wortlaut nicht mehr zusammen, aber die Begründung lief darauf hinaus, dass wenn man zwei Personen jeweils zehn Mark gibt, kauft sich der eine einen Kasten Bier davon, und hat nach dem Trinken nichts mehr. Der andere (mein Vater hat das definitiv anders formuliert) investiert das Geld, macht Gewinn und verdient dabei. Im Endeffekt haben beide dann trotz gleicher Eingangsbedingungen ein unterschiedliches Ergebnis.

Ergebnisgleichheit ist zutiefst ungerecht, weil es überhaupt nicht die unterschiedlichen Voraussetzungen berücksichtigt. Wer mehr leistet, soll auch etwas davon haben.
Das Streben nach Gleichheit demotiviert Leistungwillige. Es bietet überhaupt keinen Anreiz, etwas besonders gut zu machen, wenn damit keine Vorteile verbunden sind. Warum soll man sich anstrengen, wenn sowieso alle nur gleich wenig haben.
Außerdem würde ich nicht darauf vertrauen, dass mir andere helfen, wenn es mir einmal schlecht geht, so dass ich Unterstützung nötig hätte. Nur auf mich selbst kann ich mich verlassen.

Über Anne Nühm (breakpoint)

Die Programmierschlampe.
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39 Antworten zu Kommuni.. irgendwas //2743

  1. beweis schreibt:

    Meine Kleider! Mein Bett!

    Da kommt ja noch mehr dazu:
    Mein Körper und die Bestimmungshoheit über ihn. Meine Gedanken und die Freiheit, eine eigene Meinung zu entwickeln und zu äußern.
    Die Freiheit, an etwas nicht teilzunehmen, was sich andere ausgedacht haben.

    Der Punkt, an dem der frühere Sozialismus meiner Meinung nach scheiterte, sind die hehren, heute würde man sagen hypermoralischen Ansprüche, die an das Individuum gestellt wurden: Dein Einsatz für die Arbeiterklasse (also für alle), dein Einsatz für den Fünf-Jahresplan, also ebenfalls etwas komplett Abstraktes, dass ich als Individuum gar nicht richtig beeinflussen kann. Die Parolen verhallten, und unterschwellig etablierten sich Tauschsysteme und ein Schattenhandel, in dem das Individuum wirklich fühlbaren Mehrwert erlangen konnte.

    Ähnlichen Mechanismen werden gerade wieder ergriffen in der Klima-, Kriegs- und Gesundheitspropaganda. Das Individuum muss Teil einer der Masse sein, ihr folgen, ohne wirklich dadurch irgendeinen Benefit zu haben. Dieser Benefit wird wieder nur auf einer abstrakten Metaebene modelliert und durch mediale Lautsprecher in die Köpfe gehämmert. Wer zweifelt, wird als Leugner und gar als Schädling angesehen.

    Erzwungener Konformismus auf Basis ideologisierter Vorgaben demotiviert die Menschen so weit, dass sie nicht mal mehr wählen gehen.

    Sozialismus scheint wieder auf dem Vormarsch zu sein, wenn auch nicht in der klassischen SU- oder DDR-Ausformung. Eher an China orientiert, also mit globalisiertem Warenverkehr. In Berlin wollen sie jetzt ein Gesetz machen, nach dem Menschen ihre Miete reduzieren können, wenn sie mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Wohnen ausgeben.
    „Hallo Chef, können Sie mir bitte das Gehalt reduzieren. Dann spare ich nicht nur bei der Miete, sondern bekomme auch alle möglichen anderen Förderungen.“ Damit ist der Eigentümer einer kleinen Wohnung komplett gekniffen, weil er im Zweifel nicht mal mehr die seinerzeit sehr hohen Raten für den Kredit abzahlen kann.
    Wer will unter diesen Umständen privat Wohnraum schaffen?
    Und welches Unternehmen wird noch wirklich produktiv sein, wenn es für die seltenen Fachkräfte attraktiver und lohnender ist, nur drei Tage die Woche statt voll zu arbeiten?

    „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich“ (Habe ich in irgendeinem Podcast aufgeschnappt).

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    • Die Miete bei einem Drittel der Einnahmen zu deckeln, ist wirklich eine Schnapsidee.
      Dann bekommen nur noch die Gutbetuchten eine Wohnung, und die finanziell schwächer gestellten Leute werden obdachlos, denn niemand wird an sie neu vermieten wollen.
      Bei der immer mehr zunehmenden Gängelung der Vermieter investiert doch niemand mehr in neuen Wohnraum, wenn Vermietung ohnehin nur Ärger bedeutet und bei weitem nicht mehr profitabel ist.

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  2. pirx1 schreibt:

    Die grauenvollen Experimente, mit dem, was man meinte für „Kommunismus“ halten zu dürfen, sind definitiv gescheitert. Mehr noch: viele Menschen wurden und werden von diesen in Wahrheit lediglich korrupten Regimen verfolgt und haben dabei ihre Freiheit und ihr Leben eingebüßt. Eine ansatzweise Aufarbeitung dieser Gräuel wie sie etwa (wenn auch sehr halbherzig) nach dem Terrorregime der Nationalsozialisten versucht wurde? Fehlanzeige. Was vom sog. Kommunismus in der Welt geblieben ist? Versuche der Gängelei und schiere Machtgelüste, Orwells „Animal Farm“. Wir erleben gerade, wie sich die letzten sog. „Kommunisten“ die Larve vom Gesicht reißen und ihren mit Nationalismus gepaarten „Sozialismus“ (keine zufällige Wortgleichheit) mit Waffengewalt durchsetzen wollen.

    Was sind die Gegenentwürfe?

    „Demokratie“, also das zu tun, was Mehrheiten entscheiden. In sich konfliktärmer, aber nur, weil der Minderheit immer eine erdrückende Masse (ggf. latent bedrohlich) gegenübersteht. Könnte funktionieren, wenn die Mehrheit gleichzeitig auch sachlich geboten oder gar intelligent entschiede (man vertraut wohl auf den Modebegriff der „Schwarmintelligenz“). Das Gegenteil ist leider oft genug der Fall. Entschieden wird vornehmlich nach Vorteilsprinzipien („Beschneiden wir den Erfolg der Leistungswilligen und -fähigen und geben davon der überwältigenden Masse der Leistungsunfähigen oder -willigen“). Logische Aspekte bleiben regelmäßig auf der Strecke. Erweiterungen des Prinzips um humanitäre oder religiöse Aspekte haben wir ebenfalls erlebt. All diesen Systemen ist gemein: Korruption und Machtmissbrauch macht auch vor den gängigen Demokratien nicht halt.

    „Monarchie“, ein „weiser, wohlmeinender Monarch / Lenker / Beschützer, im Sonderfall: ein Automat“, der im Sinne seiner Untertanen nach Logikprinzipien entscheidet und die Macht zur Durchsetzung dieser Entscheidungen verliehen bekommt. Könnte funktionieren – wenn der Vordenker „funktioniert“. Aber selbst über die zu implementierenden Algorithmen eines Automaten müsste entschieden werden – von wem? Mit welchen Einflussmöglichkeiten?

    „Anarchie“, das Faustrecht. Dem nähern wir uns doch immer mehr an. Dabei ist Faust durchaus nicht wörtlich zu verstehen, Faust als Symbol für Machtmissbrauch im Großen wie im Kleinen aber schon. Sicher erlaubt die Anarchie maximale Freiheit für den Einzelnen – auch die Freiheit, den „Leistungsfähigen“ zu nehmen und den „neuen Leistungsfähigen“ (= Gewaltbereitesten) zu „geben“. Ein erstrebenswertes System?

    Man kann wohl lediglich resignieren und konstatieren, dass es keine optimale Form des sozialen Zusammenlebens gibt.

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    • pingpong schreibt:

      Was sind die Gegenentwürfe?

      Lokalismus.

      (nicht der medizinische, sondern der politische)

      In deutschsprachigen Ländern auch bekannt als Subsidiarität.

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      • pirx1 schreibt:

        Diese Subsidiarität bedarf eines sehr teuren Verwaltungsoverheads, der bei schwindenden Ressourcen und Erlösen bald nicht mehr finanzierbar sein wird, es eigentlich jetzt schon nicht mehr ist. Und auch der Lokalismus muss nach irgendwelchen politischen Grundprinzipien und Regeln organisiert sein und agieren.

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        • pingpong schreibt:

          Diese Subsidiarität bedarf eines sehr teuren Verwaltungsoverheads

          Warum?

          Und auch der Lokalismus muss nach irgendwelchen politischen Grundprinzipien und Regeln organisiert sein und agieren.

          Ja. Nach dem Prinzip, dass sich Leute mit ähnlichen Ansichten zusammentun und aufgrund dieser ähnlichen Ansichten eine gemeinsame politische Struktur schaffen und teilen. Und tolerieren, dass andere dasselbe tun.
          Das ganze auf verschiedenen Größenordnungen führt zu Lokalismus.

          Es betont den eigenständigen Charakter und die zentrale Rolle von Gemeinschaften (=Leute mit ähnlichen Ansichten die sich zusammentun). Die verschiedenen Größenordnungen sind wichtig, weil es damit von der Familie über das Dorf über den Bezirk bis zum Land und Staat reicht. Das ist der Unterschied zum naiven Libertarismus (konzentriert sich hauptsächlich auf das Individuum und vernachlässigt größere Gemeinschaften) und zum Kommun- Kapital- und anderen ähnlichen -Ismen, welche hauptsächlich auf der ganz großen Ebene agieren und die kleineren Größenordnungen vernachlässigen.

          Wesentliche Teile des Leben spielen sich zwischen den Extremen „Individuum“ und „globales Dorf“ ab. Gemeinschaften haben einen eigenen Charakter, der mehr ist als die Summe der in ihnen enthaltenen Individuen, und das sollten wir anerkennen.

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          • idgie13 schreibt:

            Stimme zu und empfehle einen Blick in die Schweiz, wo das Konzept sogar mit 4 Landessprachen und verschiedenen Steuersätzen auf Gemeindeebene funktioniert.

            Spannend ist hier auch, dass es keine Regierung und Opposition gibt, d.h. es muss immer parteiübergreifend ein Konsens gesucht werden.
            Wir haben übrigens auch kaum Berufspolitiker.

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            • pingpong schreibt:

              Ja, die Schweiz ist diesbezüglich ein sehr gutes Vorbild und hat wesentliche Konzepte des Lokalismus gut umgesetzt.

              Viele andere europäische Staate leiden an der übermäßigen Konzentration auf die international-globale Ebene. Das führt dann zum berüchtigten „Wasserkopf“ und zur Entfremdung von und Unzufriedenheit mit „denen da oben“.
              Anschauungsbeispiel: Jeder kennt den Regierungschef von D, USA, UK oder den Präsident von Frankreich oder Amerika. Aber wie heißt eigentlich der Regierungschef oder der Präsident der Schweiz? Kennt die jemand? Spielen die so eine Rolle wie Merkel, von der Leyen, Macron, Trump, Biden? Warum nicht?

              Größenordnungen und -maßstäbe sind wichtig.

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            • idgie13 schreibt:

              Den Präsidenten der Schweiz kennt niemand, weil es den nicht gibt 😉

              Wir haben auch nicht 1 Regierungsoberhaupt, sondern 7 Bundesräte (aus verschiedenen Parteien) für verschiedene Ressorts. Je nach Thema reist mal der eine oder die andere an.

              Angelehnt an die USA haben wir auch ein 2 Kammernsystem mit Nationalrat (Bund) und Ständerat (Kantone), die zusammen das Parlament bilden.

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            • pingpong schreibt:

              Den Präsidenten der Schweiz kennt niemand, weil es den nicht gibt 😉

              Interessant, wieder was gelernt.

              Finde ich auch durchaus vernünftig, ihr kommt offensichtlich ganz gut ohne Präsident zurecht. 😉

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            • idgie13 schreibt:

              Personenkult ist dem gemeinen Schweizer fremd. Der kümmert sich auch nicht drum, wenn Tina Turner oder Roger Federer an einem vorbei laufen.

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            • idgie13 schreibt:

              Das ist immer für 1 Jahr einer der 7 Bundesräte und einfach nur der Ober-Bundesrat, der den Vorsitz führt und ein paar repräsentative Aufgaben übernimmt.

              Bitte weiterlesen:
              „Anders als der Bundespräsident in den Nachbarländern Österreich oder Deutschland ist der Schweizer Bundespräsident kein Staatsoberhaupt. Die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft kennt weder ein Staatsoberhaupt noch einen Regierungschef. All diese Funktionen werden vom gesamten Bundesrat als Kollegium wahrgenommen.“

              Nicht verwirren lassen, weil wir z.T. gleiche Begriffe (Bundespräsident, Bundesrat, ..) haben und die aber etwas gänzlich anderes bedeuten.

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            • idgie13 schreibt:

              Ich hatte mich bei meiner Antwort auf die Funktion bezogen (Staatsoberhaupt), nicht auf den Begriff.

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          • pirx1 schreibt:

            Ich glaube, keines der existierenden politischen Systeme krankt grundsätzlich daran, dass sich nicht Leute mit ähnlichen Ansichten zusammentäten und eine gemeinsame politische Struktur schafften und teilten. Solche Gruppen mit ähnlichen Interessen heißen bei uns z. B. „Parteien“ (ja, ich weiß: die sog. „Volksparteien“ kranken u.a. daran, dass sie überhaupt keinen Bezug mehr zu ihren Mitgliedern / Wählern haben, dass sie sich eher wie Fußballvereine, denn wie Gruppierungen vernunftbegabter, an Lösungen drängender Probleme interessierter Erwachsener gebären, etc., darüber ließe sich trefflich debattieren), daneben gibt es „Lobbygruppen“ oder „Initiativen“ zuhauf.

            Reibungspunkte entstehen aber doch zwangsläufig erst da, wo andere dasselbe tun, also eine eigene Interessengruppe bilden (schlimmer: zu einer solchen „gebildet“ – Vorsicht: Doppelsinn – werden), und die Ansichten der verschiedenen Gruppen sich fundamental widersprechen und hart aufeinander treffen. Und da setzt auch erst die Wirkung des jeweiligen, notwendigen „politischen Systems“ ein, denn erst da wird es doch, dann aber unbedingt, als Schlichtungsmedium zwischen den verschiedenen (hoffentlich) toleranten Interessengruppen gebraucht.

            Wenn ein vergleichsweise reiches und kleines Land über diese Tatsachen noch hinwegzusehen versucht und man krampfhaft die Begriffe „Regierung“ und „Opposition“ vermeidet (was im Grunde nur eine begriffliche Augenwischerei ist, denn zu jeder Sachfrage wird es letzten Endes eine Pro- und eine Contra-Gruppierung geben), dann ist das doch nicht unmittelbar auf jede andere, ja bereits in ihren historischen Gegebenheiten und realen Verhältnissen existierende Gesellschaft übertragbar? Wer könnte die machtgewohnten Parteien in unserer „Parteiendemokratie“ entmachten? Und warum sollten diese das kampflos zulassen? Und von was würden diese Parteien ersetzt? Etwas von den sog. „Libertären“, die in Wahrheit nur das Ziel einer persönlichen Bereicherung, also eines Machtüberganges an sich selbst, aber keinesfalls einer Machtrückgabe an die Bürger verfolgen?

            Die Einteilung in „eher Konkurrenz-Demokratie“ und „eher Konsens-Demokratie“ kann doch auch über die Schwächen der Demokratie an sich nicht hinwegtäuschen?!

            Sehen wir nicht gerade, wie schnell sich in aktuellen Krisen der Paulus zum Saulus zurückverwandelt und seine Interessen und die seiner gesamten Interessengruppe verrät? Plötzlich mutieren ehemalige Pazifisten zu Waffenexperten und einstige Kämpfer für die Energiewende wollen die Laufzeit von Kohle- und Atomkraftwerken verlängern, weil sie fürchten, dass ihre Sympathisanten sie aus dem Tempel jagen, wenn sie im Winter im Kalten sitzen müssen und massenhaft Arbeitsplätze nicht nur in der chemischen Industrie verloren gehen.

            Erleben wir nicht, dass gerade angesichts eklatanter Diskrepanzen in den globalen politischen Systemen (die von verschiedensten Ängsten und Gelüsten gespeist werden) genau das Thema WOHLMEINENDE TOLERANZ gar keine Rolle mehr spielt, immer weniger spielen wird, weil nackte Existenzängste angesichts der rigorosen Ressourcenausbeutung vergangener Jahrzehnte geschürt werden und die Chancen zur rechtzeitigen Umsteuerung nie genutzt wurden?

            Erleben wir nicht, dass neben Deutschland auch eine angeblich neutrale Schweiz sich gezwungen sieht, in die eine oder andere Richtung Stellung zu beziehen, wenn sie in der internationalen Staatengemeinschaft nicht massiv an Ansehen (mit den daraus resultierenden Folgen) verlieren will?

            Und selbstverständlich haben auch wir doch bereits eine nach politischer Größenordnungen gestaffelte Interessenvertretung von Kommune, Kreis, Land, Staat. Werden die Entflechtungen damit einfacher, der Aufwand nicht viel größer? Freiwillig betriebener politischer Aufwand wird doch nicht allein durch die Freiwilligkeit geringer? Besteht nicht im Gegenteil ein viel höheres Risiko, dass so ein Freiwilligensystem durch konzertierte, geldgetriebene Lobbyarbeit ausgehebelt und überrannt werden kann?

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            • idgie13 schreibt:

              Ich lebe seit über 20 Jahren in der Schweiz und habe mich erst im Zuge des Einbürgerungsverfahrens intensiv mit dem politischen System hier beschäftigt.

              Glaub mir – das System hier ist _fundamental_ anders. Ich habe das auch lange lapidar als „fast wie in Deutschland“ abgetan, aber so ist es nicht. Hier wird wirklich in der Sache gestritten, weniger parteipolitisch. Alle Vierteljahr wird hier über alle möglichen Themen abgestimmt. Das Volk kann zu _jedem_ Gesetz ein Referendum ergreifen.
              Natürlich dauern Prozesse dadurch hier länger – aber wenn dann etwas beschlossen wurde, wird es auch akzeptiert und umgesetzt.
              Ich bewundere immer wieder, wie minutiös hier Grossbaustellen abgearbeitet werden und termingerecht sowas wie ein Gotthart-Tunnel fertig wird.

              Vor der Wahl etwas versprechen („mit uns keine Impfpflicht“) und hinterher das Gegenteil fordern, würde hier niemals funktionieren. Zack. Referendum. Aus die Maus. Das Volk sieht sich als Auftraggeber der Regierung und fordert das auch ein. Es gibt auch keinen Kanzler, der „Basta“ oder „Punkt“ sagen kann – auch da müssen sich die 7 Bundesräte aus allen Parteien einigen.

              Das System Schweiz ist von aussen kaum zu verstehen. Die Mentalität ist allerdings auch eine völlig andere, man wägt Für und Wider ab – und daher gibt es bei Abstimmungen dann halt auch ein Nein zu mehr Ferientagen (und wir haben gesetzlich nur 20 Tage Ferien). Die Schweiz war früher bettelarm und ein Agrarland, das sich durch viel Entbehrung, Fleiss, Präzision und Gemeinsinn seinen Wohlstand erarbeitet hat.

              Jedes System hat Schwächen, aber ich finde das System hier ziemlich gut. Mir sind die sich Diäten erhöhenden und Heerscharen von Beratern leistenen deutschen Berufspolitiker – viele ohne abgeschlossene Ausbildung / Berufserfahrung – echt zuwider. Sowas würde hier niemand wählen.

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            • pirx1 schreibt:

              Mir gefällt dieses System auch ausnehmend gut. Und ich stelle mir vor, ob es jemals mit „typisch deutschen“ Menschen durchzusetzen wäre.

              Du sprichst die Mentalität an und ich denke, da ist viel an Eigenverantwortung und Stolz im Empfinden der Schweizer. Natürlich kümmert man sich dann auch um politische Belange, so wie man etwa auch die Landesverteidigung auch als selbstverständliche Mitverantwortung des Einzelnen begreift.

              Gleiches gilt für das Schweizer Rentenversicherungsmodell: Eine der drei Säulen ist die eigenverantwortliche. Zwingend. Ich höre schon, wer da in Deutschland wieder mit dem Geschwafel von „Generationengerechtigkeit“ und „die Schwächeren müssen berücksichtigt werden“ (werden sie ja auch in der Schweiz, aber in Deutschland ist man so gerne empfänglich für plumpe Parolen, die man nicht überprüft).

              Das ist es, was ich mit „historischem Kontext“ meine: Hier in Deutschland fragt immer jeder erst, was „der Staat“ für ihn tut und begreift nicht ansatzweise, dass er ein eigenes Stück Staat ist.

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            • idgie13 schreibt:

              Natürlich muss so ein System wachsen und sich entwickeln, aber das war ja nicht die Frage 😉

              Die 3. Säule ist freiwillig und völlig unkompliziert bei jeder Bank oder Versicherung einzurichten. Dort kann beliebig viel einzahlen, das Geld wird dann erst bei Renteneintritt ausbezahlt. Der Anreiz: ein jährlich festgelegter Betrag (aktuell knapp 7’000 CHF) ist steuerfrei.
              Ich selber habe auch erst vor 2, 3 Jahren angefangen, einzubezahlen.

              Dieses Denken in Deutschland („was tut der Staat für mich?“) hat man sich aber selbst heran gezüchtet. Das war vor 25 Jahren nicht derart verbreitet.

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            • pirx1 schreibt:

              Ich gebe dir Recht: Das Denken hat sich verändert. Schämte sich meine Großmutter noch (obwohl bedürftig) zum damaligen Sozialamt zu gehen, so fordert man heute ganz ohne Scham die Aufnahme eines Rechts auf „bedingungsloses Grundeinkommen“ in das Grundgesetz.

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  3. keloph schreibt:

    ja, der fehler im kommunismus wirkt sich so aus. m. e. ist aber die ursache der egoismus fast jeden einzelnen vertreters der spezies.

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  4. Plietsche Jung schreibt:

    Da es kein weltweit funktionierendes Wirtschaftssystem gibt, laborieren die konkurrierenden Systeme vor sich hin. Jeder macht, was er kann und für richtig hält, doch jeder weiß auch um die Schwächen.

    Am Ende geht es immer um das schnöde Geld, Neid und Macht über andere.

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  5. pingpong schreibt:

    Vermutlich nicht im gleichen zeitlichen Zusammenhang erklärte mein Vater irgendwann, warum Kommunismus nicht funktionieren könne.

    M.E. sind solche Aussagen unvollständig (und damit eine recht beliebige Gedankenspielerei, taugt hauptsächlich dazu sich ggü. anderen abzugrenzen), weil sie den Größenmaßstab nicht spezifizieren.
    Kommunismus funktioniert z.B. wunderbar innerhalb der Familie. Da gibt es eine gemeinsame Wohnung/Haus, Auto, Fernseher, Geschirrspüler usw. Niemand der Recht bei Trost ist würde ein großes Thema daraus machen, dass die Teller oder das Besteck jemand bestimmtes gehören. Es ist einfach nicht wichtig. Es ist im besten kommunistischen Sinn Gemeinschaftsbesitz.
    Auch auf dem Größenmaßstab von kleinen Gruppen oder Vereinen kann Kommunismus ganz gut funktionieren.
    Auf größeren Maßstäben wie z.B. dem Maßstab eines Landes oder Staates funktioniert Kommunismus natürlich nicht mehr. Aber nicht deshalb, weil Kommunismus inhärent böse ist und nicht funktionieren kann, sondern weil dann das Konzept einfach auf einem unpassenden bzw. falschen Größenmaßstab angewandt wird.

    Außerdem würde ich nicht darauf vertrauen, dass mir andere helfen, wenn es mir einmal schlecht geht, so dass ich Unterstützung nötig hätte. Nur auf mich selbst kann ich mich verlassen.

    Ziemlich trostlos. Sagst du das auch deinem Sohn oder deinem Mann wenn sie krank sind und Unterstützung brauchen? Lebst du diese Einstellung ggü. deinem Mann oder deinen Eltern, wenn es dir schlecht geht und du Unterstützung brauchst?
    Die Größenmaßstäbe sind wichtig. Man kann auf kleinem Maßstab Kommunist sein und darauf vertrauen dass die Familie einem hilft wenn man es nötig hat, und auf großem Maßstab ggü. dem Staat Antikommunist mit der obigen Einstellung. Das widerspricht sich nicht.

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    • Interessanter Ansatz, Kommunismus auf die Familie zu beziehen.
      Es gibt zwar einen gemeinsam genutzten Besitz, aber dennoch hat jeder auch noch seine eigenen Besitztümer.
      Und obwohl innerhalb einer Familie ein gewisser Zusammenhalt da ist (bzw. da sein sollte), weil man durch Synergien gemeinsam halt mehr erreicht als alleine, gibt es (insbesondere zwischen Geschwistern) dennoch immer wieder Rangeleien, wer z.B. auf einem bestimmten Stuhl sitzen darf, oder beim Essen den Teller mit dem schönen Muster kriegt.

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    • pirx1 schreibt:

      Lediglich den Synergienschatz heben zu wollen greift als Motiv, eine Beziehung eingehen zu wollen wohl -wenigstens in der Anfangsphase eines solchen Techtelmechtels- oft zu kurz. Immer noch werden tradierte Introjekte von Romantik und Emotio als moralisch hochstehende Güter wertgeschätzt und hochgehalten.

      Umgekehrt funktioniert der „familiäre Kommunismus“ all zu oft (Scheidungsrate in Deutschland im Jahr 2020: 38,5%) nur so lange, bis mindestens eines der Familienmitglieder -des Kommunismus und der Ausbeutung überdrüssig oder vermeintlich benachteiligt, weil nach subjektivem Empfinden gerade zu wenig kommunistischer Besitztransfer stattfindet, oder weil die Naturdroge Hormon (sog „Liebe“ oder zumindest „Lust“) wirkungslos geworden ist und die Beteiligten nicht mehr stoned sind – die Scheidung beantragt.

      Ab dann wird -streng kapitalistisch- auch eine Gabel Gegenstand des Zugewinnausgleichs und nach allen Mitteln gesucht, um jede Zahnpastatube und jeden Familienanhang (Kind, Kegel, Kaninchen und Kochtopf) in den neuen, eigenen Haushalt zu überführen.

      Das ändert sich erst wieder, wenn man den Schreiner vergeblich fragt, ob er noch eine weitere Schatulle für die im Leben erworbenen materiellen Güter, die man für Pretiosen hält, in das Erdmöbel einbauen kann.

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      • pingpong schreibt:

        Ab dann wird -streng kapitalistisch- auch eine Gabel Gegenstand des Zugewinnausgleichs und nach allen Mitteln gesucht, um jede Zahnpastatube und jeden Familienanhang (Kind, Kegel, Kaninchen und Kochtopf) in den neuen, eigenen Haushalt zu überführen.

        Und diese dogmatische Anwendung kapitalistischer Prinzipien ist ebenso ein Fehler wie die allzu dogmatische Anwendung kommunistischer Prinzipien.

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    • pirx1 schreibt:

      Um einen weiteren, bösen Spruch zur Ehe und Partnerschaft zu zitieren: „Ehe ist nur ein Wettlauf darum, wer als erster Gepflegter (und der andere damit Pflegender) werden wird.“.

      Was auf den ersten Blick so böse scheint, enthält doch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Nach Ansicht vieler „bezahlen“ wir auch in einer Beziehung – erwarten aber auch eine Gegenleistung, nur ist die Währung keine direkt materielle, sondern (viel schlimmer, weil weitaus abhängiger) eine emotionale.

      Oder wie Schopenhauer sagt: „Alle wahre und reine Liebe ist Mitleid, und jede Liebe, die nicht Mitleid ist, ist Selbstsucht.“.

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  6. idgie13 schreibt:

    Mir ist diese ganze Gleichmacherei, der Quotenwahn und die Neidgesellschaft in Deutschland zuwider. Wer Leistung bringt, wird geschröpft bis zum Geht-nicht-mehr. Wenn man es zu etwas gebracht hat, soll man sich am besten noch schämen. Allenortens Opfer-Olympiaden, mit denen sich leichter Geld „verdienen“ lässt. Ich bin gespannt, was passiert, wenn es keine „Reichen“ mehr gibt bzw. kein Geld zum Umverteilen mehr da ist.

    Da ist mir die leistungsorientierte Welt hier lieber – auch wenn v.a. in den Städten auch ein gewaltiger links-grün Drall wahrzunehmen ist.

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    • Dieser weit verbreitete Neid auf die Menschen, die sich unter Mühen und Anstrengungen selbst etwas aufgebaut haben, ist wirklich nicht mehr schön.
      Zu viele Leute halten nur die Hand auf, ohne selbst etwas zum Gemeinwohl beitragen zu wollen, stellen Ansprüche auf Kosten der Leistungserbringer, und wollen nur immer noch mehr und noch mehr, wenn man ihnen nachgibt.

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  7. Mika schreibt:

    Kommunismus wurde nur noch nie richtig umgesetzt. Natürlich funktioniert er, prächtig sogar, man muss das nur ordentlich umsetzen.
    Wir brauchen dazu nur einen großen Führer und ganz viele gehorsame Helfer, dann wird das schon. Es dauert natürlich eine Weile, bis man alle Nichtkommunisten umgebracht hat. Aber da wir nunmehr 8 Milliarden Menschen haben, können wir uns das leisten. Am Ende bleiben dann 3 Leute übrig und schon haben wir Kommunismus in Reinkultur.

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  8. pingpong schreibt:

    Ziemlich einfallslos.
    Kriegst du das auch mit Kapitalismus, der Markt regelt alles und wer hinten runterfallt hat sich halt nicht genug angestrengt hin?

    Dürfte eine reine einsetzübung sein.

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      • pingpong schreibt:

        Kapitalismus wurde nur noch nie richtig umgesetzt. Natürlich funktioniert er, prächtig sogar, man muss das nur ordentlich umsetzen.
        Wir brauchen dazu nur den Markt alles regeln lassen, und ganz viele die sich dem Markt brav unterordnen, dann wird das schon. Es dauert natürlich eine Weile bis der Markt die faulen, schwachen, unwilligen und anderweitig unpassenden Menschen rausgemarktet hat. Aber da wir nunmehr 8 Milliarden Menschen haben, können wir uns ruhig leisten dass ein paar hinten runterfallen. Am Ende bleiben dann die fleißigen, starken und guten übrig und schon haben wir Kapitalismus in Reinkultur.

        Wie gesagt, eine reine Einsetzübung. Gibt vermutlich bots von denen man sich so einen Unsinn zusammensetzen lassen kann. Aussagekraft und Relevanz: 0 (in Worten: Null).

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  9. Mika schreibt:

    Für die Akten: Wie ruiniere ich ein Land? Nimm grünen Sozialismus, das ist die schnellste Methode

    https://www.danisch.de/blog/2022/06/22/das-gruene-elend-von-sri-lanka/

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